Der “Supermond” taucht immer wieder in den Medien auf. Aber was ist eigentlich so super am Supermond? Und was hat ein Astrologie mit der ganzen Geschichte zu tun. Die wissenschaftliche Seite des – nicht ganz so superen – Supermonds erfahrt ihr in der neuen Folge der Sternengeschichten.

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Transkription

Sternengeschichten Folge 221: Wie super ist der Supermond?

“Supermond”: Das klingt richtig beeindruckend. Der Mond an sich ist ja schon ein beeindruckender Anblick – wie toll muss dann erst ein Supermond sein? Aber bei näherer Betrachtung ist der Supermond dann doch nicht so super wie es klingt. Mit diesem Begriff wird der Vollmond (oder Neumond) bezeichnet, wenn er sich gerade ganz besonders nahe an der Erde befindet. “Supermond” ist allerdings kein Begriff, den Astronomen erfunden haben. Es ist auch kein Begriff, der in der professionellen Astronomie benutzt wird. Die ganze Idee zum “Supermond” stammt von einem Astrologen.

Ein "Supermond" vor dem Washington Monument (Bild: NASA/Bill Ingalls, CC-BY-NC-ND 2.0)

Ein “Supermond” vor dem Washington Monument (Bild: NASA/Bill Ingalls, CC-BY-NC-ND 2.0)

Der Astrologe Richard Nolle hat dieses Wort in einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1979 definiert. Er beschreibt damit ein Ereignis, bei dem die beleuchtete Seite des Mondes entweder komplett oder gar nicht von der Erde aus sichtbar ist; also das was man normalerweise Vollmond und Neumond nennt. Außerdem muss der Voll- oder Neumond besonders nahe an der Erde stehen. Die Bahn des Mondes um die Erde ist ja keine exakte Kreisbahn sondern eine Ellipse. Der Punkt der Bahn, an dem der Mond der Erde am nächsten kommt wird Perigäum genannt; der erdfernste Punkt ist das Apogäum. Diese Punkte sind aber selbst nicht fix, da die Bahn des Mondes sich aufgrund der gravitativen Störungen der Erde und der anderen Himmelskörpern im Laufe der Zeit ändert. Im Mittel ist das Perigäum 363.296 Kilometer von der Erde entfernt; es kann sich aber auch auf 356.400 Kilometer nähern bzw. auf 370.300 Kilometer entfernen. Das Apogäum ist im Mittel 405.504 Kilometer entfernt, kann sich aber auch grob 1000 Kilometer näher und 1000 Kilometer ferner befinden.

Laut Richard Nolle muss sich der Mond aber nicht unbedingt direkt am erdnächsten Punkt der Bahn befinden, um als “Supermond” zu gelten. Es reicht auch schon, wenn er 90 Prozent der maximal möglichen Annäherung erreicht hat. Laut seiner Berechnung ist jeder Voll- oder Neumond ein “Supermond”, wenn er sich näher als 368.630 Kilometer an der Erde befindet.

Was hat das jetzt alles zu bedeuten? Auf jeden Fall nicht unbedingt das, was man in den Medien zu hören bekommt, wenn wieder einmal ein Supermond bevor steht. Dort wird einem meistens erzählt, dass der Vollmond dann enorm groß am Himmel zu sehen ist und man sich das besondere Schauspiel auf keinen Fall entgehen lassen soll. Ok, was die Beobachtung des Mondes angeht, kann ich zustimmen. Den Mond soll man sich immer ansehen, wenn man die Gelegenheit dazu hat – es gibt keinen anderen Himmelskörper den wir mit freiem Auge so detailliert betrachten können. Und außerdem ist ein Vollmond immer ein schöner Anblick. Aber ein Supermond ist jetzt nicht unbedingt besonders groß.

Der scheinbare Durchmesser des Vollmondes ändert sich im Laufe eines Jahres ständig. Eben weil die Bahn des Mondes um die Erde eine Ellipse und kein Kreis ist, ist seine Entfernung auch immer unterschiedlich und daher erscheint er uns auch immer unterschiedlich groß. Diese Unterschiede sind aber vergleichsweise klein. Betrachtet man den Mond an seinem erdfernsten Punkt und vergleicht das mit dem erdnächsten Punkt, dann beträgt der scheinbare Größenunterschied ungefähr 14 Prozent. Das ist in etwa der Größenunterschied zwischen einer 1- und einer 2-Euro-Münze. Das ist ein Unterschied, den man auch mit freiem Auge bemerken kann – es aber so gut wie nie tut. Wer nicht wirklich sehr geübt in der Himmelsbeobachtung ist und ein sehr gutes Gefühl für die Größenverhältnisse hat, der wird keinen besonderen Unterschied sehen. Man muss schon Fotos vergleichen, um die veränderte scheinbare Größe zu bemerken.

Das gilt noch mehr, wenn man zwei direkt aufeinander folgende Vollmonde vergleicht. Da ist der Unterschied nie größer als 1,3 Prozent und das merkt man dann wirklich nicht mehr. Die Sache wird noch ein wenig komplizierter, wenn man die Mondtäuschung berücksichtigt, die ich in Folge 196 genauer erklärt habe. Der Mond ändert seine scheinbare Größe nicht nur weil er der Erde mal näher und mal ferner ist. Es gibt auch noch einen Effekt der nur in unserer Wahrnehmung stattfindet; eine optische Täuschung die dafür sorgt das uns ein Vollmond sehr viel größer erscheint wenn er nahe des Horizonts steht als wenn wir ihn hoch am Himmel sehen. Das hat aber nichts mit seinem Abstand zur Erde oder einem “Supermond” zu tun.

So ein “Supermond” ist auch nicht dramatisch selten. In Folge 189 der Sternengeschichten habe ich schon ausführlich über die Bewegung des Mondes gesprochen und die verschiedenen Perioden vorgestellt, die seine Bewegung beschreiben. Der Zeitraum der vergeht, bis der Mond von der Erde aus gesehen wieder die gleiche Phase zeigt wie zuvor; also zum Beispiel zwischen einem Vollmond und dem nächsten wird synodischer Monat genannt und beträgt 29,53 Tage. Betrachtet man den Zeitraum der vergeht, bis der Mond wieder genau den gleichen Punkt entlang seiner Bahn erreicht, sind das aber nur 27,55 Tage, ein sogenannter anomalistischer Monat. Für einen “Supermond” müssen wir beide Perioden betrachten, denn es geht ja um den Zeitraum der vergeht bis der Mond wieder die gleiche Phase und die gleiche Position seiner Bahn einnimmt, also eben wieder voll ist UND im erdnächsten Punkt steht.

Supermonde im Laufe der Zeit (Bild: Lasunncty, CC-BY-SA 4.0)

Supermonde im Laufe der Zeit (Bild: Lasunncty, CC-BY-SA 4.0)

Man sucht also einen Zeitraum, der sich sowohl durch eine ganze Zahl von synodischen als auch durch eine ganze Zahl von anomalistischen Monaten teilen lässt. In diesem Fall sind das knapp 413 Tage. 14 synodische Monate entsprechen 413,43 Tagen; 15 anomalistische Monate entsprechen 413,32 Tage. Es dauert also höchstens ein Jahr und 48 Tage bevor sich ein “Supermond” wiederholt. Es kann aber auch schneller gehen: Wenn das Perigäum der Erde gerade besonders nahe ist wenn gerade Vollmond ist, dann können auch die Vollmonde im Monat davor und danach “Supermonde” sein; es kann also bis zu drei “Supermonde” in den 413 Tagen geben.

Der “Supermond” ist also weder besonders groß, noch besonders selten. Deswegen wird das Wort in der professionellen Astronomie auch nicht verwendet – es ist eben nichts wirklich “super” an der Sache. Aus astronomischer Sicht würde man das Ereignis als ein spezielles Syzygium bezeichnen. So wird jede Konstellation genannt, bei der Sonne, Mond und die Erde in einer Linie stehen. Und genau das passiert ja bei einem Vollmond oder Neumond. Im ersten Fall steht die Erde zwischen Sonne und Mond; im zweiten Fall steht der Mond zwischen Sonne und Erde. Ein “Supermond” ist also ein Perigäum-Syzygium bzw. ein Apogäum-Syzygium, wenn es um den Neumond geht.

Der Astrologe Richard Nolle hatte damals auch keine Wissenschaft im Sinn, als er sich die Sache ausgedacht hat. Er machte das, was alle Astrologen machen: Unbelegte und unwissenschaftliche Behauptungen. Seiner Ansicht nach würde ein “Supermond” extreme gravitative Störungen auf die Erde ausüben und so extreme Stürme, extreme Erdbeben, Vulkanausbrüche und andere Katastrophen auslösen. Dass das nicht der Fall ist, lässt sich durch die vorhandenen Aufzeichnungen leicht belegen. Die Gezeiten können ein wenig stärker ausfallen als sonst wenn der Mond sich besonders nahe an der Erde befindet, aber wenn dann nicht auch noch das Wetter mit Stürmen für zusätzliche Flut sorgt, dann passiert nicht viel.

Nolle hat es sich auch recht einfach gemacht. Nicht nur hat er sich die 90% der maximalen Annäherung recht grundlos ausgedacht – er hätte genau so gut 85% oder 95% nehmen können. Er hat außerdem noch behauptet, dass die von ihm postulierten Katastrophen nicht nur zum Zeitpunkt des “Supermonds” auftreten können, sondern auch schon drei Tage vorher und drei Tage nachher. Es geht also um einen Zeitraum von insgesamt 7 Tagen während eines Monats, in dem Katastrophen auftreten sollen. Das ist ein Viertel der gesamten Zeit – und da auf unserem Planeten dauernd irgendwo Erdbeben, Stürme und ähnliches stattfinden, lässt sich da aus Sicht der Astrologen auch immer irgendwas finden, was ihre esoterischen Hypothesen bestätigt.

In der Realität hat der “Supermond” aber nichts mit den Katastrophen zu tun. Er ist auch nicht besonders selten; und der Mond ist nicht dramatisch viel größer als sonst. Das soll aber trotzdem niemanden hindern, sich mit dem Mond zu beschäftigen oder den Mond zu betrachten. Der Mond ist faszinierend genug, auch ohne astrologische Superlative!

Kommentare (6)

  1. #1 EchtSuperDasPodcast
    Mannheim, wo man den Mond immer über Bergen auf un unter gehen sieht!
    18. Februar 2017

    Wegen der Erbeben wäre ein kleiner Hinweis auf die Kollegen super gewesen. Die machen nämlich auch tolle Wissenschaft (oder gilt etwa “Du sollst keine Wissenschaft neben mir haben”?)

    http://geofon.gfz-potsdam.de/eqinfo/list.php

    Es könnte durchaus sein, dass statistisch betrachtet eine minimal schwankende Erbebenzahl mit der Mondnähe korreliert. Es wäre sogar m.E. eher überraschend, wenn das in einem nur Sensoren zugänglichen Größenbereich nicht passiert, aber solange das Konzept von “Erbeben” (-> sicherer Eintritt als das Amen in der Kirche!) weitenteils nicht verstanden wurde, solange in Italien im 21. Jhd ernsthafte Gerichstprozesse starten, weil Forscher keine Erbeben vorhersagen können!…,

    http://www.derwesten.de/panorama/geologen-wegen-fehlender-bebenwarnung-in-italien-vor-gericht-id5103186.html

    sollte der Astro Kram wirklich bekämpft werden, wo es geht.

    Es hat sich gezeigt und zeigt sich, dass sich das alles rächt. Siehe Glaube an Evolutiontehorie und Kilmaerwärmung in USA.

    Bevor wir aber auf andere herab schauen sollten wir lieber hier in unserer Kultur gucken und zum Trost schnell ein Homöopathisches Kügelchen!

    Ich glaube ja, eine Art Ignoranzlevel ist überall und bei jedem Menschen annähernd gleich. Die Frage ist nur, wie und wo es sich auslebt?

  2. #2 Alderamin
    18. Februar 2017

    @EchtSuperDasPodcast

    Es könnte durchaus sein, dass statistisch betrachtet eine minimal schwankende Erbebenzahl mit der Mondnähe korreliert.

    Erdnähe hat der Mond allerdings jeden Monat, auch wenn er dann nicht immer gerade “voll” und damit “super” ist – er durchläuft seine Bahn ja komplett alle 28 Tage. Wie er dabei gerade beleuchtet ist, sollte mit der Gravitationswirkung nichts zu tun haben.

  3. #3 Alderamin
    18. Februar 2017

    Huch, komi&zwnJ;sches Icon… Tipp&zwnJ;fehler in der E-M&zwnJ;ail-Adr&zwnJ;esse…

  4. #4 Alderamin
    18. Februar 2017

    Wohl nicht mein Tag heute…

  5. #5 Florian Freistetter
    18. Februar 2017

    @EchtSuper: “Wegen der Erbeben wäre ein kleiner Hinweis auf die Kollegen super gewesen.”

    Es gibt sehr, sehr viele Leute die sehr viel gute Forschung zu Erdbeben machen. Aber in dem Podcast (und das hier ist nur ein Transkript) gings um den Supermond. Gebloggt hab ich schon öfter über Erdbebenforschung und da kam sicher auch Potsdam vor.

  6. #6 Norbert
    19. Februar 2017

    Danke für diese Sternengeschichte – ich hatte gar nicht gewusst, dass es auch Neumond-Supermonde gibt. Eine Frage habe ich aber:

    Ein “Supermond” ist also ein Perigäum-Syzygium bzw. ein Apogäum-Syzygium, wenn es um den Neumond geht.

    Muss man nicht in beiden Fällen von einem Perigäum-Syzygium sprechen?