Vorgestern hatte ich eine e-mail in meinem elektronischen Briefkasten. Ein Verlag fragt an, ob meine Masterarbeit publizieren dürfte (zumindest so verstand ich die Nachricht). Einen Bruchteil einer Sekunde fühlte ich mich gebauchpinselt. Dann fingen jedoch meine Scam-Detektoren an zu blinken. Ein bisschen googeln später war ich dann schlauer. Obwohl vermutlich kein Scam ist das Angebot für den akademischen Bereich kaum interessant.

Offensichtlich erhalten viele ähnliche Nachrichten von LAMBERT Academic Publishing und darum hier kurz mein Eindruck der ganzen Sache:

Folgendes stand in der Nachricht:

Dear Ali Arbia,

I am writing on behalf of an international publishing house, Lambert Academic Publishing.

In the course of a research on the Graduate Institute of International Studies, I came across a reference to your thesis on “Europeanisation of national legal systems and laws”.
We are an international publisher whose aim is to make academic research available to a wider audience.
LAP would be especially interested in publishing your dissertation in the form of a printed book.

Your reply including an e-mail address to which I can send an e-mail with further information in an attachment
will be greatly appreciated.

I am looking forward to hearing from you.
Kind regards,
[Name entfernt]
Acquisition Editor

LAP LAMBERT Academic Publishing AG & Co. KG
Saarbrücken
Dudweiler Landstraße 99, 66123 Saarbrücken Germany

Fon +49 681 [entfernt]
Fax +49 681 [entfernt]
[e-mail entfernt]@lappublishing.com / www.lappublishing.com

Handelsregister Amtsgericht Saarbrücken HRA 10752
Partner with unlimited liability:
VDM Verwaltung Aktiengesellschaft

Board of Directors: [Namen entfernt]

Supervisory Board: [Namen entfernt]

Grundsätzlich fand ich die Anfrage nicht völlig abwegig. Wurde meine Arbeit doch auch ausgezeichnet und von meinem Institut als Working Paper publiziert. Auch glaubte ich zuerst, dass es sich kaum um einen systematischen Massenversand gehandelt haben kann, da ich nie im Titel Europeanisation of national legal systems and laws verwendet habe (zumindest erinnerte ich mich nicht daran). Tatsächlich findet man auf Amazon.de eine ganze Reihe von LAP veröffentlichten Arbeiten. Zu in der Regel happigen Preisen um die 70 Euros.

Auch die Website wirkt ziemlich seriös, dies gilt für die in der Mail erwähnte (lappublishing.com), wie auch für den in Deutschland eingetragene VDM Verlag. Doch ein kurzer Blick auf die FAQs bestätigte mich in meiner Skepsis. Es wird den Autoren ein einziges Exemplar versprochen. Auf ein Lektorat wird gänzlich verzichtet weil

Since the manuscripts we accept are already of a high standard, we tend not to edit works. Proofreading is not performed as it would not be financeable.

Ich gehe davon aus, dass es sich um Print on Demand handelt. Für den Verlag sind die einzigen Kosten, die entstehen, die Produktion eines Exemplars welches der Autorin dem Autor versprochen wird. Offensichtlich hat sich niemand die Mühe gemacht tatsächlich die Qualität (oder gar Existenz) der Arbeiten zu überprüfen. Dann zu schreiben man würde sowieso nur Arbeiten “von hoher Qualität akzeptieren” ist eher eine dürftige Umschreibung für null Qualitätskontrolle.

Dass der Verlag vermutlich systematisch Universtitätswebsites scanned ist sehr wahrscheinlich. Erstens hat ein Freund von mir am Institut ebenfalls diese Woche die gleiche Mail gekriegt. Zweitens ist die Formulierung anscheinend von der alten Website meines Departements. Ein echter Mensch der das liest, hätte den Disclaimer, dass es sich um ein Archiv handelt, oben auf der Seite sehen sollen. Ich habe damals diese Umschreibung ganz am Anfang von meinem Dokotrat als Forschungsinteresse angegeben und nicht als Titel. Ich bezog mich dabei auf meine vorherige Forschungsarbeit.

Ausser man muss publizieren und findet keine andere Möglichkeit, ist das Angebot völlig uninteressant und für den Lebenslauf nutzlos. Vielleicht verbaut man sich sogar die Möglichkeit Dinge daraus in einem Artikel später zu publizieren. Die Behauptung des Verlages

Mit über zehntausend Neuerscheinungen pro Jahr gehören wir zu den bedeutenden Wissenschaftsverlagen mit internationaler Ausrichtung.

verwechselt eindeutig Quantität mit Qualtität und grenzt an Irreführung. Eine Antwort wird LAP von mir keine erhalten.

Kommentare (5)

  1. #1 MartinB
    Mai 29, 2010

    Verstehe ich jetzt nicht so ganz. Printing-On-Demand-verlage wie Shaker oder “Der andere Verlag” oder so gibt’s doch zuhauf (hab auch einen für meine Habil benutzt), und die schreiben mch auch dauernd an, ob ich nicht bei ihnen nen Buch publizieren möchte. Dass die nicht lektorieren können ist auch klar, wo sollen die denn für jedes abstruse Thema nen Lektor her nehmen? Und Abschlussarbeiten sind ja eh schon heftig lektoriert worden.
    Wenn man ne ARbeit publizieren muss, ist das ja auch kein schlechter Weg. Oder ist das hier irgendwie problematischer und ich hab was nicht verstanden??

  2. #2 Philipp
    Mai 29, 2010

    Wenn man “LAMBERT Academic Publishing” googelt und die Hits auf der ersten Seite überfliegt, wird einem schon klar, worum es geht.

    Oder nach “LAMBERT Academic Publishing scam” googeln. Wobei es wohl keine Totalabzocke ist.

    Und hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/VDM_Publishing
    “Das Geschäftsmodell von VDM basiert auf einer Gruppe von Akquisemitarbeitern, die das Internet nach in Frage kommenden akademischen Autoren durchsuchen und diesen per E-Mail ein Angebot für die Rechte an ihren Manuskripten machen.”

  3. #3 ali
    Juni 1, 2010

    @MartinB

    Wenn man ne ARbeit publizieren muss, ist das ja auch kein schlechter Weg. Oder ist das hier irgendwie problematischer und ich hab was nicht verstanden??

    Vielleicht möchtest du nochmals den letzten Abschnitt meines Posts lesen. Ich glaube das fast so in etwas mein Problem damit zusammen.

    Sehr transparent, was sie eigentlich machen sind sie sicher nicht.

  4. #4 Locoderemate
    Februar 27, 2011

    Die haben nicht bloss eine Gruppe, sondern eine Vielzahl von “Acquisition Editors (sic)” die auf’s Geratewohl fischen. Witzig fand ich, dass sie mir auf Englisch schrieben und nicht deutsch auf meine deutsche Korrespondenz geantwortet hatten. Nützlich sind sie vielleicht doch, denn ausser im Selbstverlag kann man schwer seine Schätze an den Mann bringen. Unsereins kann genauso billig “Printing on Demand” organisieren, der Vertrieb ist aber eine andere Sache. Dass man nichts an ihnen verdient, haben sie ehrlich offengelegt. Meinerseits ist mir jetzt, in schon gehobenem Alter, vieles egal und ich haben ihnen meinen Text gegönnt.

  5. #5 discount gucci
    http://discountguccioutletonline.blogspot.com/
    Oktober 30, 2012

    We reached London this afternoon.After you.Bottoms up!He suddenly appeared in the party.Would you like a cup of tea? Columbus discovered America in l492.Close the door after you