Chatzimarkakis wurde des Plagiats überführt und seine Doktortitel wurde ihm aberkannt. Aber wie steht es eigentlich um die fachliche Beurteilung und hätte man es merken müssen, dass bei der Hälfte der Arbeit abgeschrieben wurde? Da er seine Arbeit in Internationalen Beziehungen schrieb und noch dazu die Welthabdelsorganisation darin eine prominente Rolle einnimmt, habe ich sie mir einmal genauer angeschaut.

Ich habe noch nie eine solche Arbeit auf Deutsch gelesen und nur sehr wenige Dissertationen. Direkt vergleichen kann ich also nicht. Es ist auch gut möglich, dass es kulturelle Unterschiede gibt, kenne ich doch mehr die angelsächsische und französische Ausprägungen des Fachs. Trotzdem traue ich mir zu die Dissertation zumindest fachlich beurteilen zu können.

Um es gleich zu Anfang zu sagen: Das Lesen der Arbeit war wie das Schwimmen in Molasse und ich habe mich nur mit viel Einsatz durch die 200 Seiten quälen können. Ich empfand sie mehrheitlich uninteressant. Nun weiss ich natürlich, dass bei Arbeiten zu Freihandelsabkommen (mein Thema) die Leute meist auch nicht aus Freude auf- und abspringen und dass es da eine beträchtliche Anzahl von Artikeln gibt, die trocken sind wie ein Glas Sahara-Sand. Trotz dieser Abhärtung habe ich mich gelangweilt. Dies hatte ein Grund: Die ganze Arbeit ist gespickt mit Buzzwörtern und häufig eine Übung im Phrasen dreschen. Das Internationale Beziehungs Äquivalent zu einem dieser Bonmots-durchsetzten Business-Elbisch Bücher. Es ist das Genre des wenig spezifischen UN Berichts, der nichts sagt und vermutlich vor allem der eigenen Legitimation dient. Irgendwas im Stile von “Information Technologies – Challenges in a Globalized World” oder “The Future of the Internet – The World Wide Web in an Interdependent World” (ich habe beide Titel erfunden, aber es würde mich nicht erstaunen, wenn solche Berichte existierten).

Bei Chatzimarkakis Arbeit wartet man Seite für Seite dass der Autor endlich zu Sache kommt, dass die Schaumstoffkügelchen in der Schachtel endlich das eigentlich Objekt freigeben. Vergebens. Chatzimarkakis gibt ganz früh als Zielsetzung folgendes an

Diese Arbeit wird von der Fragestellung geleitet, wie ein Gleichgewichtsmodell auf der Basis internationaler Kooperation im Bereich des Elektronischen Geschäftsverkehrs aussehen könnte. (Chatzimarkakis p.9)

Soweit so gut. Darauf könnte man aufbauen. Aber dann erklärt er uns über Seiten, wie man Globalisierung definieren könnte, es gibt ein Kapitel zur “Entwicklung der Kommunkationstechnologien”, ja er ist sich nicht zu Schade die Zeit der Leserinnen und Leser mit einem sich über 34 Seiten erstreckendes Kapitel zu “Theorien der Internationalen Beziehungen” zu verschwenden. Das ist als ob eine Dissertation in Physik zu einem Sechstel aus historischen Erklärungen der Entdeckungen von Newton, Einstein und Co. bestünde, ohne dass dies direkt relevant wäre. Aber auch wenn es dann auf Seite 155 endlich zur Sache gehen sollte (“Ziel dieses Kapitels ist es, den ordnungspolitischen Rahmen für den elektronischen Geschäftsverkehr in einer Form abzustecken, daß er vom Regime des Informationellen Globalismus als Basis genutzt werden könnte.”) bleibt es bei Allgemeinplätzen. Nicht einmal nach der Lektüre des Kapitels in dem das “Modell” dann endlich vorgestellt werden sollte, hatte ich das Gefühl eine genauere Vorstellung zu haben, was denn hier “modelliert” wurde. Selbst die Schlussfolgerungen klingen stellenweise als ob sie beim Turing-Test durchfallen würden (nein, ich bin mir auch nach wiederholter Lektüre nicht sicher was das heissen soll):

Das zuvor theoretisch beschriebene Modell des Informationellen Globalismus basiert auf der Regimetheorie erweitert um das Paradigma von “Global Governance”. Das Regime umfaßt Elemente des internationalen Public-Privat-Partnership in Form von Politiknetzwerken. Das neoliberale Paradigma wird insofern um einige wenige Elemente des globalistischen Paradigmas ergänzt. Dies erklärt sich nahezu von selbst, enthält doch der EGV per se gobalistische Elemente: Er ist turbulent, delinear und beschleunigt verschiedene Globalisierungsprozesse. Im Mittelpunkt des Regimes steht jedoch das neoliberale Kernelement der Kooperation. (Chatzimarkakis p. 190).

Was natürlich ebenfalls interessiert ist, hätten die Plagiate bemerkt werden müssen? Ich glaube es wäre mir nicht aufgefallen, dass der Text stilistisch grosse Variationen aufzeigt. Das hängt vermutlich auch damit zusammen, dass er nicht wirklich flüssig lesbar ist und man in der ständigen Hoffnung auf Substanz in eine schnelle diagonale Leseweise übergeht. Das einzige was mich als Begutachter skeptisch gemacht hätte sind die Fussnoten. Sie sind sehr regelmässig verteilt, immer 2-4 pro Seite, immer ähnliche Autoren und keine sehr grosse Diversität. Es sieht fast so aus als ob jemand dein Eindruck erwecken möchte wissenschaftlich zu arbeiten und nicht wie die Fussnoten wirklich einen praktischen Zweck erfüllen. Am Rande sei auch bemerkt, dass vor allem deutschsprachige Autoren zitiert werden, was in meinem Fach eher seltsam ist, da doch wer gelesen werden will auf Englisch publiziert und darum die wichtigen Artikel auf Englisch erscheinen. Chatzimarkakis’ schlechte Ausrede eine vermutlich nur in seinem Kopf existierende “Oxford” oder “Harvard Zitierweise” verwendet zu haben, entlarvt er übrigens selber. Es gibt mehre Stellen wo Zitate korrekt gekennzeichnet sind, eingezogen, kursivtext und referenziert.

Etwas anderes, das aufgefallen ist, ist die schon fast lächerliche Menge an Aufzählungszeichen. Streckenweise meint man eine Power Point Präsentation zu lesen. Dies scheint mir so exzessiv auch eher seltsam für ein Text der über mehrere Jahren entstanden worden sein soll und viel Kopfarbeit drin stecken sollte. Ich habe auch fast keine von Chatzimarkakis selbst verfasste Tabelle in der Dissertation gefunden (da deklariert er klar, dass die Tabellen nicht von ihm stammen). Deswegen und aufgrund des Schreibstils und den Aufzählungen kann ich mir vorstellen, dass einiges aus Berichten spezialisierter Agenturen abgekupfert wurde. Ich weiss nicht ob VroniPlag solche gefunden hat oder Plagiatssoftware solche überhaupt detektiert.

Eigentlich hatte ich die Absicht hier tatsächlich den Inhalt der Dissertation von Chatzimarkakis zu diskutieren. Dies erwies sich als nicht möglich da kaum etwas drin steht, dass nicht zu platt ist, um eine Diskussion zu verdienen. Ich verstehe, dass nicht jede Dissertation der grosse Wurf sein kann und mit Originalität glänzen kann oder muss. Man kann ja durchaus Ideen von existierende Text zusammenführen und etwas neues daraus zu machen. Wie bei einem guten Blended Scotch kann das Resultat sogar besser sein als seine Einzelteile und etwas neues bieten. Aber auch an diesem Massstab gemessen, scheitert die hier besprochene Arbeit. Man hat den Eindruck, dass jemand eine thematische Idee hatte (“Informationeller Globalismus”) und nicht an der Entwicklung und Ausarbeitung dieser Idee gearbeitet hat, sondern damit versuchte 200 Seiten zu füllen. Mit dem was wir inzwischen wissen, passt das eigentlich auch.

Mehr zum Thema Plagiate wie immer natürlich auch auf De Plagio.

Kommentare (35)

  1. #1 Horst
    August 8, 2011

    Ich bin zwar nur Bachelor-Student und kein Doktorand, gegenüber IB habe ich im Laufe des Studiums auch eine große Abneigung entwickelt, aber ich finde, man kann zu dem selben Resümee kommen, wenn man sich nur das Inhaltsverzeichnis genau anschaut. Mir ist da sofort aufgefallen, dass das einfach unglaublich zusammenhangslos scheint. Aber
    Respekt für 200 Seiten Kampf!

    Aus Powi-Sicht auch ganz interessant ist der Artikel aus der aktuellen PVS (2/2011):

    Sebastian Schneider/Markus Tepe:
    Dr. Right and Dr. Wrong: Zum Einfluss des Doktortitels auf den Wahlerfolg von Direktkandidaten bei der Bundestagswahl 2009

    (okay, Chatzi wurde nicht direkt gewählt, aber Guttenberg z.B.)

  2. #2 sol1
    August 8, 2011

    Die Zielrichtung der Arbeit hat von Chatzimarkakis beklauter Autor unter die Lupe genommen:

    (…) Chatzimarkakis fragt nach Regeln für einen zunehmend globalisierten Handel über das Internet. Für eine Dissertation aus dem Jahre 2000 ist diese Frage durchaus neu. Doch auch für 2000 fehlt bei Chatzimarkakis die damals wichtigste internationale Fachliteratur, und damals wie heute ist es politisch ungeheuerlich naiv, nach irgendwelchen Gleichgewichtsmodellen zu suchen, die das Netz marktwirtschaftlich und quasi automatisch regeln. Nonsens.

    In meinen Arbeiten über das Internet und die Globalisierung habe ich auf Abhängigkeiten, ungleiche Diffusionszeiträume, ungleiche geographisch-regionale Ballungen und Leerstellen, ungleich stark ausgestattete Akteure, ungleich starke Ressourcen der Nutzer im Vergleich zu den Ressourcen internationaler Industriekonglomerate aufmerksam gemacht. In der politikwissenschaftlichen Theorie der internationalen Beziehungen kann man mit Ernst-Otto Czempiel davon ausgehen, dass Asymmetrien den Normalfall, Symmetrien dagegen die Ausnahme darstellen. Darum suche ich in meiner Forschung stets nach multilateralen Regeln für die Freiheit der Schwächeren. Insofern ärgert es mich, dass Chatzimarkakis in seiner oberflächlichen Arbeit Sätze von mir klaut, die sich auf die neokoloniale Abhängigkeit Afrikas beziehen, die er dann aber nach seinen eigenen Marktmodellen und im Gegensatz zu meinem Erkenntnisinteresse in irgendein ominöses Gleichgewichtsmodell einbaut. Er hat mich also „gegen den Strich“ beklaut.

    http://www.faz.net/artikel/C30870/wertewandel-beim-urheberrecht-chatzimarkakis-hat-mich-plagiiert-30445639.html

  3. #3 maxfoxim
    August 8, 2011

    Lass doch mal folgende Seite die Arbeit durchleuchten:

    http://www.blablameter.de/index.php

    Nomen est omen 😉

    Dein Text hat übrigens als Ergebnis:
    Bullshit-Index :0.27
    Ihr Text zeigt erste Hinweise auf ‘Bullshit’-Deutsch, liegt aber noch auf akzeptablem Niveau.

  4. #4 rolak
    August 8, 2011

    Wo bitte ist der Unterschied zwischen dem obigen Seite-190-Zitat und einem Text wie

    Thus, a liberatory science cannot be complete without a profound revision of the canon of mathematics. As yet no such emancipatory mathematics exists, and we can only speculate upon its eventual content. We can see hints of it in the multidimensional and nonlinear logic of fuzzy systems theory; but this approach is still heavily marked by its origins in the crisis of late-capitalist production relations. Catastrophe theory, with its dialectical emphases on smoothness/discontinuity and metamorphosis/unfolding, will indubitably play a major role in the future mathematics; but much theoretical work remains to be done before this approach can become a concrete tool of progressive political praxis.

    Von dem diesen Ausschnitt enthaltenden Werk sind immerhin zwei Dinge bekannt:

    1. Es wird ordentlich zitiert
    2. Es ist sinnfrei
  5. #5 ali
    August 8, 2011

    @rolak

    Ich glaube der Unterschied ist, dass es tatsächlich fast alles Konzepte sind, die in diesem Zusammenhang relevant sein könnten, die man in den Internationalen Beziehungen auch kennt und benutzt und die er auf den 200 Seiten vorher irgendwann erwähnt. Nur die eigentliche Arbeit wäre es gewesen einige davon irgendwie sinnvoll zusammen zu bringen und dann einzubetten. Ich befürchte Chatzimarkakis dachte, dass blosse erwähnen gewisser Konzepte sei schon eine intellektuelle Leistung.

  6. #6 rolak
    August 8, 2011

    Ja und, ali? Versuche, in der Hoffnung auf Unterstützung der Vorausplanung mittels Methoden der Chaostheorie Finanzmärkte und internationale Verflechtungen zu durchleuchten gibt es doch auch zu Hauf.
    Es war doch -falls ich mich recht erinnere- u.a. Konzept der Sokalschen Arbeit, themenbezogene Zitate durch undurchschaubares Geschwafel zu einem Ganzen zu verschweißen, das die üblichen Tests passieren kann. Und (mit Verlaub, da fachlich völlig unbelastet) diesbezüglich sehe ich keinen großen Unterschied.

    Das von Dir unterstellte Denkmodell existiert imho noch in einer aus dem Deppen-Syllogismus abgeleiteten 2.0-Version: Das bloße Erwähnen gewisser Konzepte ist nicht nur eine intellektuelle Leistung, sondern belegt aufs trefflichste die gemachte abstruse Behauptung 😉

  7. #7 Joachim Losehand
    August 8, 2011

    Ich hätte mir unter dem Rubrum “fachlich” eine sachlich-fachliche Analysie und Diskussion der Dissertation Ch. erwartet; also in etwa eine zitationsfähige Rezenzsion, beispielsweise.

    “Eigentlich hatte ich die Absicht hier tatsächlich den Inhalt der Dissertation von Chatzimarkakis zu diskutieren …” Ähnliche Sätze streiche ich in Arbeiten meiner Studenten regelmäßig an mit der Begründung, daß dies als Eingeständnis eigenen Unvermögens im Design eines Textes und eines Forschungsvorhabens gelten kann.

    Ich will nicht säuerlich oder gar unhöflich-persönlich sein, auch wenn ich so klinge: Aber genau das – nämlich eine ernsthafte wissenschaftlich fundierte Diskussion – täte den Dissertationen auch mit Blick auf die Fachdisziplinen, in denen sie approbiert wurden, mehr als gut. Und die Gelegenheit ist hier – wieder einmal – verschenkt worden.

    Schade.

  8. #8 Lina
    August 8, 2011

    Zu Beginn des Hauptstudiums empfahl uns unser damaliger Professor nachdrücklich ein Büchlein mit dem Titel “Verständlich schreiben”. Seine zweite Empfehlung war, jede Arbeit einem absolut Fachfremdem vorzulegen – wenn dieser sie nicht lesen kann, ist es mies geschrieben. Beim Lesen obiger Dissertationsausschnitte wurde mir einmal wieder klar, wie viel Weisheit in diesen zwei Empfehlungen steckt.

  9. #9 ali
    August 9, 2011

    @Joachim Losehand

    Zuerst einmal gilt es festzuhalten, dass ich hier einen Blogeintrag geschrieben habe und nicht eine wissenschaftliche Replik für ein Fachpublikum. Das Ziel war es zu vermitteln welchen Eindruck die Dissertation bei mir, der zumindest einigermassen den Hintergrund zum Thema besitzt, hinterliess. Das heisst, dass es in der Form entsprechend angepasst ist.

    Ähnliche Sätze streiche ich in Arbeiten meiner Studenten regelmäßig an mit der Begründung, daß dies als Eingeständnis eigenen Unvermögens im Design eines Textes und eines Forschungsvorhabens gelten kann

    Das ist auch genau was ich damit auszudrücken versuchte. Ich habe mich jetzt über zwei Wochen mit dieser Dissertation rumgequält, etliche Textstellen mehrmals gelesen und ich muss eingestehen, dass ich daran gescheitert bin herauszufinden was Herr Chatzimarkakis eigentlich vertreten wollte. Darum habe ich das auch nicht Eingangs geschrieben sondern etwas später in meinem Eintrag, da ich tatsächlich versuchte zu verstehen, um dann anschliessend besprechen und kritisieren zu können. Das denke ich habe ich auch aufzuzeigen versucht und dargelegt wie ich zum Entscheid gelangt bin, diesbezüglich zu kapitulieren.

    Nun bin ich bereit zu akzeptieren, dass die Schuld für dieses Unvermögen bei mir liegen könnte und nicht unbedingt bei Herren Chatzimarkakis liegen muss. Weder kenne ich die deutsche Literatur zum Thema (ich habe diesbezüglich die Relevanzfrage auch aufgeworfen) noch bin ich ein Spezialist für Informationstechnologien. Hingegen wo ich mich ein Wenig auskenne, ist die Welthandelsorganisation, die doch einigen Raum einnimmt in der Dissertation und da traue ich mir ein Urteil durchaus zu. Herr Chatzimarkakis Thesen bleiben meist oberflächlich, ungenau und unspezifisch. Wenn wir kurz annehmen, dass diese Einschätzung meinerseits korrekt wäre, nun so zu tun als ob dies eine wissenschaftlich zu honorierender Beitrag wäre, finde ich würde diesen Flickenteppich nur unnötig adeln. Ein roter Faden ist kaum auszumachen. Ich habe in der Tat Schwierigkeiten, dies konkret zu kritisieren, weil ich den Eindruck habe, dass es eigentlich nichts heisst und das keine wirkliche These vertreten wird.

    In Anbetracht des Ausmasses des Plagiats und der Tatsache, dass er stellenweise bei kopierten Texte zu einem anderen Kontext einfach einen Begriff jeweils mit “informationellem Gloabalismus” ersetzt hat, ist es doch auch nicht überraschend, dass die DIssertation oft schlicht inkohärent ist und mein Urteil nicht so abwegig.

    Das Unvermögen das Forschungsdesign zu verstehen kann aber auch existieren (und das ist die grosse Ausnahme, da sind wir uns vielleicht einig) weil es schlicht kein solches zu erkennen gibt. Genau das war mein Eindruck von dieser Arbeit. Nehmen Sie das Beispiel des hier verlinkten Sokal Hoaxes. Da hätte man die gleiche Kritik anbringen können. Wenn man lange genug sucht, würde man vermutlich sogar etwas finden, worüber man dann schreiben könnte. Aber so wie ich gerne eingestehe, dass diese Unvermögen zuerst einmal das Problem der Leserin oder des Lesers ist, hoffe ich, dass sie mir zugestehen, dass es bei einer Arbeit tatsächlich schlicht an einem Minimum an kritikfähiger Substanz fehlen kann (auch wenn sie nicht Sokal Nonsense ist). Wenn jemand der Meinung ist, ich sei diesbezüglich unfair gewesen, bitte ich darum, die 200 Seiten zu lesen und mich eines besseren zu belehren. Ich bin gerne bereit die Debatte zu führen, wenn jemand etwas anderes als Plattitüden in der Arbeit findet. Doch ich kann nicht so tun als ob ich Sinn gesehen hätte wo ich es nicht tat. Das wäre unehrlich.

    P.S.: Wäre ich Diskussant an einer akademischen Konferenz gewesen, hätte ich meine Kritik sicher freundlicher formuliert, wenn der Autor am gleichen Tisch sitzt. Doch die Kritik wäre eine ähnliche gewesen, einfach etwas diplomatischer verpackt.

  10. #10 ali
    August 9, 2011

    Nachtrag @Joachim Losehand

    Ich wollte mich auch nicht zu sehr in Details verzetteln, weil ich dann jedes Mal hätte nachschlagen müssen, ob es sich um eine Stelle handelt die tatsächlich von Chatzimarkakis stammt und falls nicht, vermutlich den Kontext recherchieren. Ich hätte mir mit seinen Referenzen mehr arbeiten machen müssen, als er sich für seine Dissertation. Das wäre auch nicht fair gewesen.

    @Lina

    Völlig einverstanden. Einen Text jemandem vorzulegen der nicht vom Fach ist, ist nicht nur in Bezug auf Verständlichkeit und Sprache nützlich. Fachfremde haben eine Tendenz Dinge zu hinterfragen, die man selber nicht mehr in Frage stellt (oder vielleicht gar nie hat). Viel dieser Kritik wird man mit dem grösseren Fachwissen abtun können, man kann gleichzeitig eine kritische Distanz gewinnen, die man als durch Spezialisierung oft verliert. Eine Horizonterweiterung ist es immer und zwar für alle Beteiligten.

    @rolak

    Vielleicht finde ich es zumindest vom Gefühl her nicht vergleichbar, weil mir das Vokabular durchaus vertraut ist und es tatsächlich um Dinge wie Regimetheorie und Global Governance geht. Ein Unterschied ist, dass ich mir nicht sicher bin inwiefern der Autor sich wirklich damit auseinandergesetzt hat und diese Konzepte auch verstanden (obwohl er vermutlich der Meinung ist er hätte). Da sehe ich einen weiteren Unterschied: Bei Sokal gab es eine direkte Täuschungsabsicht (in Bezug auf das Phrasendreschen).

  11. #11 rolak
    August 9, 2011

    Den Unterschied sehe ich allerdings auch, ali – wenn auch nur aus dem Kontext.

    Beide Textstellen erinnern mich fatal an das übliche Technobabble in VTen und Pseudophysik. Wenn (bzw falls) dort nach langen Mühen der Sinn- und Aussagenfindung das Geschriebene analysiert ist, bleibt nur ein schaler Geschmack und der Ärger über die vertane Zeit zurück. Doch immer möchte ich halt auch nicht nach dem ersten Eindruck sortieren…

  12. #12 Ubla
    August 9, 2011

    Den Anfang Ihres Blogbeitrags fand ich äußerst interessant; die Frage, ob die Gutachter hier ihre Prüfpflichten vollständig wahrgenommen haben. Leider bleibt die Frage offen. Dass die Arbeit nichts substantielles liefert, hatte ich bereits vermutet, da nach meinem Wissen die Benotung (eine drei) für Substantielles nicht vergeben wird.

    Was mich noch interessieren würde – ist die Menge bzw. das Verhältnis von Zitaten und “vgls” üblich? Oder müsste der Gutachter mehr Zitate erwarten und beim Kandidaten nachfragen? oder gar – sich Quellen vorlegen lassen?

  13. #13 knorke
    August 9, 2011

    Wie ist das denn so in der Schweiz generell mit dem Stil wissenschaftlicher Arbeiten. Ich habe insbesondere von deutschen Sozial- und Geisteswissenschaftlern den Eindruck, dass unnötig kompliziertes Verschachteln trivialer Sachverhalte zum guten Ton gehört. (btw. Ich mag diesen Stil überhaupt nicht)
    Ich könnte mir daher vorstellen dass ein Gutteil Deines Negativurteils daher kommt, dass der Aufwand, einen Absatz zu verstehen in keinem Verhältnis zu dessen Sinngehalt steht. Dass die wesentlichen Kernaussagen der Dissertation dann quasi reichlich Nicht-Aussagen und Trivialitäten wären, würde dann irgendwie die Note 3 erklären (wohl mit Sympathiebonus, wenn man überlegt, dass Dissertationen ja eigentlich einen Wissenfortschritt in einem Gebiet bringen sollen)

    Dass dem feinen Herrn bei einem Globalisierungsthema in einer Dissertation internationale Quellen wohl zu außergewöhnlich erschienen erscheint …mir besonders kritisierenswert. Welcher wissensfortschritt soll sich ergeben, wenn man gefühlte 3/4 der Datenlage bzw. des Standes der Forschung geflissentlich übergeht?

    Ich habe mein Diplomarbeit von meiner Mutter korrigieren lassen, die zugab, nur die Hälfte verstanden zu haben. Ich gebe aber zu, dass viele theoretische Konzepte nur in englischer Sprache geläufig sind und es unsinnig wäre, in einer Diplomarbeit dafür angemssene Übertragungen zu (er)finden, die kein Leser vom Fach verstünde (bzw. deren Notwendigkeit kein Leser vom Fach nachvollziehen könnte). Ein ganz unbeteiligter kann insofern auch beidseitig frustrierend sein.

  14. #14 Joachim Losehand
    August 9, 2011

    @ Ali Arbia:

    Ich danke Ihnen herzlich für Ihre ausführliche Antwort und die Mühe. (Mißtrauen Sie nicht die Bedeutung eines Blogs, es bietet im Prinzip alle Merkmale für eine wissenschaftliche Publikationsumgebung: den “impact factor” durch Klicks, Verlinkungen und Trackbacks, die “peer review” – hier als “open peer review”.)

    Wenn ich Ihre Ergebnisse recht interpretiere, können wir dann eine Relation zwischen der Quantität der vorhandenen ausgewiesenen und unausgewiesenen (= plagiierten) Paraphrasen und Zitate und der Qualität der eigenen wissenschaftlichen Erkenntisse und Theorien des Autors erkennen? Also: je größer der quantitative Fremdanteil, desto geringer der qualitative Eigenanteil in einer Dissertation?

    Wäre es damit – schlußfolgernd – nicht auch für die Wissenschaft wichtig, darüber zu sprechen, warum wir Doktorarbeiten mit dem Aussehen und dem Gewicht eines Ziegelsteins abliefern, in dem sich aber nur ein “granum salis”, ein Salzkorn an wissenschaftlicher Erkenntnis befindet? Wäre quantitativ weniger also qualitativ mehr?

    NB Danke für diesen Satz: “Ich hätte mir mit seinen Referenzen mehr arbeiten machen müssen, als er sich für seine Dissertation.” 😀

  15. #15 Alex
    August 9, 2011

    @Lina: Es liegt zwar schon einige Zeit zurück, aber ich hatte während meines (kurzen) Hauptstudiums in Politischer Wissenschaft genau die entgegengesetzte Erfahrung gemacht: Verständlich geschriebene Seminararbeiten wurden quer durch alle Professoren schlecht bewertet. Um wirklich gute Noten zu bekommen, musste man verschwurbelte Texte voll mit Schachtelsätzen und wissenschaftlichem Bullshit-Bingo abliefern.

    @Ali: Was mich als Außenstehenden im Zusammenhang mit dieser Dissertation noch viel mehr als die Plagiats-Diskussion interessieren würde: Wie kann es passieren, dass solch eine Werk offensichtlich als Note eine Drei bekommt? Kann man als Doktorand, wenn man nur genügend Zeit abgesessen hat, nicht durchfallen? Ist eine Drei das (informelle) Äquivalent für “er hat sich nach seinen Kräften bemüht” aus einem Arbeitszeugnis? Oder was ist da passiert?
    Wenn einem Prüfer die Plagiate schon nicht auffallen, so müsste er doch wenigstens merken, dass die ganze Arbeit substanzlos ist?

  16. #16 Joachim Losehand
    August 9, 2011

    @ Alex:

    “Rite” ist tatsächlich das Äquivalent für “bemüht”; Ihre Frage nach den Kriterien der Gutachter und der Prüfungskommission für eine Arbeit dieser Preisklasse ist meiner Meinung nach mehr als berechtigt. Im Grunde ist das Belfern gegen die de-graduierten Politiker die bekannte Esel-Sattel-Geschichte. Nicht die, die mit einer solchen Arbeit promoviert werden, gehören geschlagen, sondern die, die jemanden mit einer solchen Arbeit promovieren.

  17. #17 FF
    August 9, 2011

    Wenigstens sitzt der feine Herr C. noch im Europäischen Parlament. Da können wir alle ruhig schlafen…

    Was mich schon lange interessiert: was macht ein Europaparlamentarier den ganzen Tag?
    Ich vermute folgendes.

    Zwangloses Pendeln zwischen Edelappartement, Edelbüro, Edelparlament, Edelitaliener, Edelpuff. Keine Pflichten, keine Erfolgskontrolle, kein Leistungsdruck, kein Chef. Alles läuft rein nach Lust und Laune. Interviews, Talkshows, Konferenzen. Reisen natürlich Firstclass oder Dienstlimousine. Am Abend dann: Empfänge, Buffets, Matineen, Häppchen, Austern schlürfen, Sektglas halten, Smalltalk. Mit Praktikantinnen flirten.

    Am Monatsende: 9000 Euro. Das Politikerparadies! Gebratene Tauben und Flüsse mit Milch und Honig sind ein Scheiß dagegen. Jorgo und Silvana haben’s einfach geschafft.

  18. #18 Lina
    August 9, 2011

    @Alex: Ich kann soweit für die Geschichtswissenschaft sprechen. Da ist es so, dass Texte, die chronisches Schielen und Kopfschmerzen hervorrufen, bis vor Kurzem als Norm galten. Einige ältere Dozenten verlangen das zwar immer noch, an sich wird die aktuelle Forschung allerdings mittlerweile von klarer Sprache und Argumentationsstruktur dominiert. Ich geriet in meinem Studium auch nur ein Mal an eine Dozentin, die mir die “zu einfache” Sprache zum Vorwurf machte.

  19. #19 Dagmar Behrendt
    August 9, 2011

    Zuerst einmal gilt es festzuhalten, dass ich hier einen Blogeintrag geschrieben habe und nicht

    Die Standardausrede …

  20. #20 Ubla
    August 9, 2011

    @Joachim Losehand

    eine drei ist nicht unbedingt ein “rite”. Es gibt auch Promotionsordnungen, wo es eine bestandene vier gibt. So weit ich weiss ist das in Bonn so. Ob es zu Zeiten von Chatzmarkakis auch so war, weiss ich nicht.

    Wozu es diese zusätzliche vier gibt, weiss ich auch nicht. Nachdem zirka 90% der Promotionen mit sehr gut oder auszeichnung abgeschlossen werden, ist mir der Sinn der Differenzierung zwischen drei und vier nicht recht klar.

  21. #21 Horst
    August 9, 2011

    Der Anreiz für ein Institut/einen Fachbereich, möglichst viele Promovenden zu haben ist insofern gegeben, als dass es dafür einen ziemlichen Batzen Geld gibt (5-stellig). Ich denke das erklärt zu einem gewissen Teil schon die güte Notenvergabe. Zumindest ist das an meiner Uni so.

  22. #22 Ubla
    August 9, 2011

    @ff

    ich verstehe den Sinn Ihres Beitrags nicht. Wäre Ihnen das Politikerparadies mit 9000 Euro ohne Pflichten, Kontrolle und Leistungsdruck dann recht, wenn die Dissertationen redlich gewesen wären?

  23. #23 ali
    August 9, 2011

    Ich versuche allen zu antworten. Sollte ich jemanden vergessen haben bitte melden.

    @Ubla

    Ob die Gutachter “ihre Prüfpflicht erfüllt haben” wage ich nicht zu beurteilen. Es fehlen mir dazu schlicht die Vergleichsgrössen. Ich kann nur sagen, dass die Arbeit relativ wenig hergibt, aber vielleicht entspricht dies einem Standard (ob ich das nun gut finde oder nicht).

    @knorke

    Soweit ich das beurteilen kann (und das beruht weitgehend auf Anekdoten und meiner eigenen Universitätserfahrung darum wohl nur beschränkt zu verallgemeinern) kommt es in der Schweiz auf die Sprache und das Fach an. Deutschsprachige werden weniger unverständlich schreiben, da wir einfach eine andere Einstellung zur “Schriftsprache” haben. Soziologie ist sicher sehr viel mehr Jargon beladen als zum Beispiel Geschichte. Auf Französisch ist die Form oft ebenso wichtig wie der Inhalt (aber vielleicht wurde ich einfach zu sehr mit dieser Sprache malträtiert während dem Studium). In vielen Fächern ist jedoch Englisch die Sprache der Wahl. Das sich in einer Fremdsprache ausdrücken führt nicht immer zu einem verständlichen Schreibstil. Manchmal ist es wegen dieser Limite es einfach und verständlich (aber nicht unbedingt elegant), oft und diese ist gerade in meinem Fach nicht unüblich, flüchten sich einige in Jargon und Standardformulierungen, was das Lesen dieser Texte zu allem anderen als einem Vergnügen macht.

    @Joachim Losehand

    Uns wurde abgeraten einen Ziegelstein abzugeben. Die typische Länge ist bei uns fachspezifisch (mein Institut ist Pluridisziplinär: Recht, Wirtschaft, Politikwissenschaft, Geschichte). Die Hisotriker haben eine Tendenz zum Pflasterstein, die Ökonomen machen inzwischen meist die drei Peer Review Artikel, wie heute auch oft in den Naturwissenschaften üblich. Ich nehme an, dass dies bei uns in Zukunft auch vermehrt Einzug erhalten wird.

    @Alex

    Wie ich oben geschrieben habe, ich weiss nicht inwiefern das üblich ist, so etwas trotzdem durchzuwinken und zweifle, dass bei uns sowas durchgehen würde (aber bin mir nicht sicher, ich habe nur nie eine ähnliche Arbeit gesehen, die durchkam). Wenn man mal bei der Verteidigung angelangt ist, sollte man tatsächlich nicht mehr durchfallen. Die Idee ist aber, sollte jemand ein Wackelkandidat sein, ihm/ihr das vorher mitgeteilt werden und er gar nie soweit kommt. Bei mir am Institut gibt es im Reglement sogar noch Notbremsen wo nach Abgabe die Verteidigung verweigert werden kann, oder “Konfernenz” einberufen werden, wo diskutiert wird, unter welchen Bedingungen die Verteidigung angesetzt werden könnte.

    @Dagmar Behrendt

    Ist das wieder eine Ihrer, ich schaue-kurz-rein-und-pisse-dem-Blogautor-ans-Bein-und-verschwinde-dann-wieder-ohne-Antworten-zu-lesen-Aktion? Für solche Kommentatoren gibt es im Internet übrigens einen Namen. Da Sie zweifelsohne die ganze Dissertation gelesen haben und im Gegensatz zu mir das Modell welches die Arbeitsweise der WTO im Zusammenhang mit dem EZV revolutionieren wird, verstanden haben, könnten Sie ja versuchen, inhaltlich etwas zur Diskussion beizutragen, statt einfach ein Häufchen zu machen und dann wieder zu verschwinden. Verwenden Sie ihren offensichtlich so überragenden Intellekt (sie wissen ja immer alles besser) doch um uns Ahnungslose ein wenig zu erhellen.

    Wie bitte? Ah, Sie haben die Arbeit gar nicht gelesen, wissen es aber trotzdem besser? Auf sowas habe ich keine Lust. Sie sind nun auch auf meiner Liste der Leute, deren Kommentare entvokalisiert werden, wenn Sie nichts substantielles beitragen. Wie Ihnen vielleicht aufgefallen ist, schaffen es die meisten hier, eine zivilisierte Debatte zu führen, auch wenn Sie mit mir nicht einverstanden sind. Das muss also nicht ein Hindernis sein. Vielleicht können Sie einen Anfang machen und gehen zurück zum oben verlinkten Post und gehen auf ihre Behauptung betreffend Breivik ein, mehrere Personen haben sich nämlich die Mühe gemacht Ihnen zu antworten.

  24. #24 Ubla
    August 10, 2011

    @ali
    Gibts denn Beispiele für Dissertationen, die mit so einer lächerlich (geringen?) Menge an Anführungszeichen ausgekommen sind?

    Wie lange würde wohl ein Erst- und ein Zweitgutachter zur Begutachtung benötigen? Im Tagesbereich? mehrere Wochen?

    Würde der Zweitgutachter noch intensiv lesen, nachdem er die vorgeschlagene Note drei erfahren hat?

    Ich habe versucht nach dem Doktorvater Prof. Dr. Detlev Karsten zu googeln. Merkwürdigerweise ist er noch nicht einmal unter den Emeritierten.

    http://d-nb.info/gnd/107078597

    viel veröffentlicht hat er auch nicht. Sehr merkwürdig.

  25. #25 Ubla
    August 10, 2011

    uups, Link zum philosophischen Institut vergessen … Leider kann man nicht mehr editieren.

    http://www.politik-soziologie.uni-bonn.de/institut/lehrkoerper

    Prof. Holtz ist (lediglich) Honorarprofessor. Prof. Karsten nicht erwähnt.

  26. #26 Dr. Natalie Struve
    August 10, 2011

    Daß eine Dissertation oder ein anderer wissenschaftlicher Text schlechterdings unlesbar ist; daß aufgeblähte und verknäulte Sätze mit wichtig klingenden Worten den Inhalt nicht deutlicher werden lassen (und schlimmstenfalls gar dessen Schwäche oder Abwesenheit vertuschen): Das ist doch leider alles andere als selten in der deutschen Hochschulwelt. Dabei beruht Wissenschaft gerade auf Auseinandersetzung mit dem schon Vorhandenen, und die braucht Klarheit und Mut. Man kann alles verständlich schreiben: wenn man wirklich etwas zu sagen hat, wenn man es wirklich verstanden hat und wenn man sich die Mühe macht, die eigenen Gedanken in leseradäquate Worte zu fassen. Das gilt auch für die Quantenphysik und sogar für die Soziologie (ich bin sehr stolz auf den Dank im Vorwort einer soziologischen Publikation für meine “erfrischende Kritik am Soziologengeschwafel”). Schreiben ist in praktisch allen wissenschaftlichen Disziplinen unabdingbar, weil Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse nun einmal in der Regel durch Texte mitteilen; zudem kann es ein unschätzbares Hilfsmittel im Erkenntnisprozeß selbst sein, gerade wenn man sich um Klarheit und Eindeutigkeit bemüht. Trotzdem wird wissenschaftliches Schreiben in den Hochschulen bestenfalls am Rande gelehrt, und Verständlichkeit und Klarheit sind dabei in der Regel nicht die Schwerpunkte. Aber vielleicht liefern Chatzimarkakis & Co. mit der Dissertations-Diskussion, die sie angestoßen haben, ja gerade einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Hochschullandschaft…

  27. #27 Markus A. Dahlem
    August 11, 2011

    Das wirft in meinen Augen die nicht minder ernste Frage nach den Gutachten auf. Was allerdings ein ganz anders Problem ist. Eins das nicht notwendigerweise in einer Form angesprochen gehört in der einzelne Gutachter vorgeführt werden (was bei Politikern durchaus einen Zweck erfüllt, leider jedoch bisher ergebnislos). Wie dem auch sei, es geht auch bei schlechter Begutachtung um wissenschaftliche Redlichkeit. Ich fürchte, es betrifft nicht nur das Fehlverhalten einzelner, ganz weniger Gutachter.

    Deutschland hat im Strukturvergleich mit vielen großen EU-Staaten (Frankreich, Großbritannien) und mit USA eine sehr geringe Anzahl von Hochschulehren.

    PS: Nebenbei bemerkt, einen guten Blended Scotch? Jetzt wirklich? Wenn Du mal in Berlin bist, lade ich Dich auf einen Single Malt ein, dann sehen wir weiter.

  28. #28 ali
    August 11, 2011

    @Markus A. Dahlem

    Ich möchte eine Sache hier ganz klar gesagt haben: Ich bin eigentlich ein Single Malt Trinker und habe mich in erster Linie auf Hörensagen gestützt bezüglich dem Blended Scotch. Das mag wissenschaftliche nicht ganz sauber sein, aber es fiel mir im Moment keine bessere Analogie ein. Nicht das hier Gerüchte entstehen.

  29. #29 jitpleecheep
    August 12, 2011

    @ali:
    Nein, lass dir da bloß keinen Bären aufbinden.
    Blended Scotch können sehr gut sein, besonders wenn kein ‘Malt’ in der Bereichnung vorkommt.
    Ein Spritzer Zitrone, etwas Eis und ein gehöriger Schuss Cola, und du hast einen formidablen Longdrink. 😉

  30. #30 jitpleecheep
    August 12, 2011

    s/Bereichnung/Bezeichung

  31. #31 jitpleecheep
    August 12, 2011

    Meh… m(

    s/Bezeichung/Bezeichnung

    Notiz an mich selbst: Demnächst etwas vorsichtiger mit dem Ardbeg sein…

  32. #32 rolak
    August 13, 2011

    Also seid doch bitte so gut und sagt mir, wo die Kameras versteckt sind. Anfangs habe ich ja noch gedacht, es wäre reiner Zufall, aber jetzt…

    Ende des letzten Jahrtausends hörte ich (eher zufällig) mit dem generellen Alkoholkonsum auf. Das Nichtwiederanfangen fiel mir als Immer-Kater-Kandidat allerdings auch nicht besonders schwer. Geblieben ist nur die alte Liebe zu edlem Single Malt, der ich ein- bis zweimal im Monat (vorsichtig, weil nicht im Training) mit einem kleinen Gläschen huldige.

    Gestern mit einem Ardbeg Uigeadail.

  33. #33 ali
    August 14, 2011

    @Ubla

    Gibts denn Beispiele für Dissertationen, die mit so einer lächerlich (geringen?) Menge an Anführungszeichen ausgekommen sind?

    Ich kann das nicht allgemein beurteilen. Dies kann natürlich von Institut zu Institut, Land zu Land und Fach zu Fach variieren. Insbesondere wenn man wirklich etwas originelles schreibt, gibt es tatsächlich nicht sehr viel zu referenzieren. In der hier besprochenen Arbeit, scheint es etwas dünn aber ich hätte deswegen nicht gleich Plagiat Verdacht gehabt.

    Wie lange würde wohl ein Erst- und ein Zweitgutachter zur Begutachtung benötigen? Im Tagesbereich? mehrere Wochen?

    Ich habe meine Zweifel, dass jemand mehr als einen Tag dafür investieren würde. Tendenziell eher weniger.

    Würde der Zweitgutachter noch intensiv lesen, nachdem er die vorgeschlagene Note drei erfahren hat?

    Erfährt der Gutachter in Deutschland die vorgeschlagene Note vor dem Lesen? Das schafft natürlich eine seltsame Anreizstruktur. Ohne zu wissen, wie das System funktioniert, würde ich die Frage mit Nein, beantworten. Bei uns gibt es noch einen externen Drittgutachter. Diese Person hat eher noch einen Anreiz, nachzuhaken.

    Ich habe versucht nach dem Doktorvater Prof. Dr. Detlev Karsten zu googeln. Merkwürdigerweise ist er noch nicht einmal unter den Emeritierten.
    viel veröffentlicht hat er auch nicht. Sehr merkwürdig.

    Scheint mir nicht so ausserordentlich. Es ist unwahrscheinlich anzunehmen, dass an den Universitäten nur brillante Arbeitstiere mit grosser Publikationsliste eine Professur erhalten. Nicht-Googlebarkeit heisst noch nicht einmal das (obwohl es ein Anzeichen sein könnte)

  34. #34 Ubla
    August 15, 2011

    @ali

    Erstmal danke für die Einschätzungen. Aus Diskussionen und anderen Situationen weiß ich, dass der Zweitgutachter das Erstgutachten mit der Dissertation mitgeliefert bekamen. Ob das in allen Fachbereichen/Universitäten so ist, weiß ich nicht. Ich glaube aber, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Bislang glaubte ich sogar, dass diese Vorgehensweise üblich sei. Das könnte aber auch eine überzogene Vermutung sein.

    Ich habe dafür auch ein gewisses Verständnis, denn wenn man für die Begutachtung, sagen wir mal – eine Woche – benötigt, und dann noch das Gutachten schreiben muss, dann kann man wohl die Zweitbegutachtung nicht durchführen. Anhand des Gutachtens kann man jedoch stichprobenhaft überprüfen.

    Andererseits habe ich wiederum kein Verständnis, denn was für eine Begutachtung soll das sein, wenn man das Erstgutachten nur ein bisschen umschreibt?

    Alleine ein ein- bis zweiseitiges Gutachten benötigt (nach dem man die Dissertation bereits gelesen und verstanden hat) sicherlich mehr als zwei Stunden von dem einen Tag.

    Und ja – es ist die Anreizstruktur, um die es mir geht. Denn auch das ist mein Eindruck, der sich durch verschiedene Situationen und Diskussionen erhärtet hat. Dass der Zweitgutachter sich (manchmal) nicht zu tief einmischen soll und will. Allerdings sind mir keine Fälle bekannt geworden, wo ich prinzipielle Zweifel am Ergebnis bekommen hätte. Jedenfalls so weit ich das beurteilen kann.

    Deshalb denke ich, dass hier durchaus eine Untersuchung der Faktenlage notwendig wäre. Nicht, weil ich einzelnen Gutachtern oder Begutachteten Übles wünsche, sondern weil wir bereits mit beiden Beinen mitten drinnen sind.

  35. #35 Ubla
    August 15, 2011

    Was mir noch einfällt zu nicht-googlebaren Doktorvätern: Es könnte natürlich “einfacher” sein, bei “Exoten” zu promovieren, die “niedrigere” als “normale” Anforderungen stellen.

    Das würde natürlich AUCH einen Begutachtungsmangel offenbaren. Was natürlich lediglich eine Spekulation ist.