Warum hat eine Anti-Euro Partei in Deutschland gemäss Umfragen überhaupt eine Chance, gewählt zu werden? Viele Eurogegnerinnen und -gegner haben darauf eine einfache Antwort bereit: Weil Deutschland (oder die verantwortungsvollen Länder des Nordens) den laxen Lebensstil der Südländer finanzieren musste. Eigentlich müssten die Steuerzahlenden Deutschlands aber Dankesbriefe in den Süden schicken: Sie haben nämlich gut an der Krise verdient.

Eine vor kurzem bei Reuters erschienene Analyse (Englisch) fasst gut zusammen, warum Deutschland als Profiteur der Krise gesehen werden kann. Ich möchte hier die zwei Kernaspekte kurz ansprechen und noch eine politische Dimension hinzufügen.

Das Beste an der Krise sind die Zinsen für Deutschland. Bevor ich erkläre warum, muss man zuerst verstehen, wie Zinsen funktionieren (dieser Abschnitt kann daher für jene, die damit vertraut sind, übersprungen werden). Zinsen sind wie Preise von Kartoffeln oder Socken, nur dass es sich eben nicht um den Preis von einem Gut wie Kartoffeln oder Socken handelt, sondern um den Preis von Geld, auf das jemand für eine Weile verzichtet (der Vergleich mit dem Mieten eines Autos oder einer Wohnung drängt sich auf, es als “Preis” zu bezeichnen trifft es aber besser). Dieser Preis enthält auch eine Risikoprämie, da man nicht weiss, ob man das Geld wirklich zurück erhält. Weil sich die Akteure an den Märkten plötzlich nicht mehr so sicher waren, ob zum Beispiel Griechenland seine Schulden je wieder zurückzahlen kann, verlangten die Anlegerinnen und Anleger eben eine sehr hohe Prämie für das in ihren Augen hohe Risiko, das Geld nie wieder zu sehen. Wie inzwischen alle wissen, konnte darum Griechenland kaum mehr flüssiges Geld auf den Märkten aufnehmen, und falls doch, nur zu exorbitanten Zinsen.
Soweit so gut. Doch was weniger oft diskutiert wird, ist die andere Seite der Geschichte: Viele suchten sicherere Wege, mit ihrem Geld zu landen, als sie vertrauensvoll dem Griechischen Staat zu überlassen. Zum Beispiel Gold oder Schweizer Franken (ich habe darüber gebloggt) waren solche Alternativen. Ebenfalls als relativ sichere Ausweichmöglichkeit waren natürlich auch deutsche Staatsanleihen. Wie der Preis von Kartoffeln oder Socken reagiert auch der Zins auf Angebot und Nachfrage. Weil plötzlich alle Deutschland das Geld geben wollten, sank damit der Zinssatz für solche Anleihen. Dies heisst aber, dass Deutschland weniger Schuldendienst leisten muss, billiger Geld aufnehmen kann und am Ende auch die deutsche Wirtschaft von einem tieferen Zinsniveau profitiert (billige Kredite sind das Schmieröl eines jeden Wirtschaftssystems). Die Realzinsen (das heisst, der Zinssatz abzüglich Inflation) gingen teilweise in den negativen Bereich. Das heisst im Klartext, dass die Gläubiger Deutschland effektiv dafür bezahlten um ihr Geld dem deutschen Staat geben zu dürfen. Dazu kommt dann noch der Exportüberschuss, den ich hier schon diskutiert habe.

zinsenD

Durchschnittlicher Zinssatz für deutsche Staatsanleihen seit Januar 2008 (Quelle: Europäische Zentralbank)

Nun kommt natürlich die Frage: Was ist mit dem ganzen Geld, das Deutschland in Form von Finanzhilfepaketen an den verantwortungslosen Süden senden musste? Da kommen wir zu einem anderen Missverständnis: Dieses Geld wurde nicht an Griechenland, Portugal, Spanien, Zypern und so weiter bezahlt, so wie man von der Grossmutter einen 100 Euroschein zum Geburtstag kriegt. Dieses Geld waren Kredite zu speziellen Konditionen. Somit konnten die in Schwierigkeiten geratenen Länder sich über die Krise hinaus finanzieren, ohne die vom Markt verlangten extrem hohen Zinsen zu bezahlen. Um sicher zu stellen, dass sie dieses Geld nicht einfach wie den Hunderter der Grossmutter gleich verprassen und um sicherzustellen, dass man das Geld dann wieder zurück erhält, wurden diese Kredite an heftige Bedingungen geknüpft, um die Staatskassen der Schuldner wieder ins Lot zu kriegen. Diese Massnahmen gehen mit grossen wirtschaftlichen Opfern der Bevölkerung einher.

Wenn also nichts bezahlt wurde und Deutschland sogar noch an der Krise verdiente, warum war die Politik dann so zögerlich mit dem Einschreiten? Das grösste Problem war vermutlich, dass man diese Rettungspakete auch innenpolitisch verkaufen musste. Ganz egal wie klar der ökonomische Sinn war, Wählerinnen und Wähler lassen sich halt nicht immer durch Fakten oder bessere Argumente gewinnen. Aber es gibt durchaus auch ein Risiko für Deutschland: Es ist natürlich möglich, dass ein Land wie Griechenland tatsächlich zahlungsunfähig wird oder nach einem politischen Umsturz nicht mehr zahlen will. Dann wäre das Geld natürlich verloren (und private Geldgeber müssten tatsächlich auf ein Teil ihres Geldes verzichten). Die Chancen stehen inzwischen wieder viel besser, dass das nicht passieren wird. Ironischerweise ist die Europäische Union ein Element, das einen solchen unilateralen Schritt eines Schuldnerlandes schwieriger macht, da es den Preis, die Partnerländer vor den Kopf zu stossen, erhöht.

Bisher war die Rede aber nur vom Geld. Ich möchte auch noch kurz den meines Erachtens beträchtlichen politischen Gewinn erwähnen. Deutschland hat mit anderen zahlenden Ländern im Verlaufe der Krise viele der Regeln diktiert. Manche dieser Bedingungen waren tiefe Einschnitte in die Souveränität der Schuldnerländer. Deutschland konnte auch die neu geschaffenen Instrumente und Institutionen formen und bestimmen. Und am Ende mussten sich die anderen auch noch bedanken.

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Kommentare (34)

  1. #1 yves
    Mai 5, 2013

    Wir müssen uns ja wohl kaum bedanken, weil der Run auf unsere Staatsanleihen auch ohne unsere Hilfe gekommen wäre – und im Grunde um die geht es. Die Hilfe wurde nämlich durchgedrückt – gegen geltende Regeln. Wir haben Milliarden über Milliarden von EUROs im Feuer und die eine oder andere wird da sicher noch verloren gehen. Da von “Gewinn” zu sprechen, finde ich gewagt.

  2. #2 Statistiker
    Mai 5, 2013

    Glückwunsch Ali, wie imer klasse beschrieben.

    Zur Frage, wer den Nutzen hat: Man höre sich die Medien an… “Wir Deutschen zahlen für die faulen Griechen….” etc. Das ist Rassismus pur, den Merkel und Co betreiben, und das kottz mich an…..

    Alternativlos, Sachzwänge, Globalisierung, Kinderpornografie, Terrorismus, böse EU. Mit diesen Begriffen wird das Grundgesetz abgeschafft.

    Ich kotze ab….

  3. #3 Statistiker
    Mai 5, 2013

    “Wir haben Milliarden über Milliarden von EUROs im Feuer und die eine oder andere wird da sicher noch verloren gehen.”

    Mal wieder einer, der auf die Propaganda von Merkel hereingefallen ist, und sich weigert, mal nachzudenken……

  4. #4 WolfStark
    Mai 5, 2013

    Ich habe kein Problem mit einem abgeschafften Grundgesetz, ich hätte nämlich EINEN Staat sehr viel lieber als zwei wie derzeit und dabei wäre mir ein vereinigtes Europa auch sehr viel lieber als die Kleinstaaterei, die derzeit herrscht. Die EU ist nicht böse, die Nationalisten sind böse, die an der Souveränität ihrer Staaten festhalten und daher für viele Probleme verantwortlich sind.

    Und ich habe Merkel nie sagen hören “Wir Deutschen zahlen für die faulen Griechen”.

  5. #5 ali
    Mai 5, 2013

    @Yves

    Wir haben Milliarden über Milliarden von EUROs im Feuer und die eine oder andere wird da sicher noch verloren gehen. Da von “Gewinn” zu sprechen, finde ich gewagt.

    Die Einsparungen durch tiefere Zinsen kann man sogar beziffern. Wenn man natürlich weitere Annahmen hinzufügt ist alles anders. Du nimmst an, dass die Nachfrage nach Anleihen trotzdem im gleichen Ausmass angestiegen wäre (zwei weitere Annahmen) und du gehst davon aus, dass einige Kredite nicht zurückgezahlt werden (dritte Annahme).

    Dazu hätte ich folgende Fragen:

    1) Worauf basierst du diese Annahmen?
    2) Warum sollten die realen Zahlen bei der Einschätzung weniger Gewicht erhalten als deine spekulativen?
    3) Wenn du zusätzliche Annahmen triffst, was ohne Intervention passiert wäre, müsste man dann nicht auch eventuell einen Kollaps von mindestens der griechischen Wirtschaft ebenfalls annehmen. Falls ja, warum beziehen dann diese Spekulationen nicht auch Auswirkungen auf Deutsche Rentenfonds etc. ein (ganz zu schweigen was passiert wäre, hätte es einen Dominoeffekt ausgelöst welcher am Ende Italien mitgerissen hätte).

    Ich bin durchaus bereit einzuräumen, dass dein Szenario hätte korrekt sein können. Es irritiert jedoch, dass du nur zusätzliche Annahmen triffst, die zufälligerweise deinen Schlussfolgerungen entgegenkommen obwohl andere mindestens so plausibel und naheliegend sind.

  6. #6 DH
    Mai 5, 2013

    “Um sicher zu stellen, dass sie dieses Geld nicht einfach wie den Hunderter der Grossmutter gleich verprassen und um sicherzustellen, dass man das Geld dann wieder zurück erhält, wurden diese Kredite an heftige Bedingungen geknüpft …”

    Hier scheint es mir eher um eine “neoliberale Schockstrategie ” zu gehen , in einer solchen Krise kann Sozialabbau und damit Machtverschiebung in einer Weise durchgedrückt werden , wie es in halbwegs ruhigen Zeiten nicht möglich wäre.

    Vermutlich wissen die meisten Marktradikalen , was sie tun und nehmen die “Kollateralschäden” ganz bewußt in Kauf , ob der Glaube an die in der Krise falsche Sparpolitik wirklich so weit verbreitet ist …..?

    Normalerweise bräuchten wir längst Eurobonds , anders als der Stammtisch glaubt , wäre das keineswegs die Aufgabe nationaler Souveränität , sondern lediglich die effektive Zusammenarbeit der Euro-Staaten am Finanzmarkt , ein Vorgang , der – auch vom Stammtisch – den Finanzakteuren ganz selbstverständlich zugebilligt wird .

  7. #7 Wilhelm Leonhard Schuster
    Mai 5, 2013

    DER STAMMTISCH IST AN ALLEN MISEREN SCHULD .
    Dieser glaubt nämlich ernsthaft, daß die Finanzakteure die Eurokriese nur erfunden haben, um von der Dollar Kriese abzulenken.
    Was wird bei den Stammtischen eigentlich getrunken?

    Wein? Indem die Wahrheit liegen soll?

    Also ich erinnere mich, an den Stammtisch alter Herren an dem ich lange Zeit auch saß, Gott hab die alle seelig,
    ist Tee und meist nur Tee getrunken worden.

  8. #8 androgynes
    Mai 5, 2013

    Eine Frage: Was genau lässt dich vermuten, dass die deutschen Zinsen nicht so oder so gesunken wären?

    Ja die Zinsen, die der deutsche Staat zahlen muss, sind extrem niedrig. Ja das Geld, was wir im Rahmen der Hilfen an die “Krisenländer” gezahlt haben, ist kein Geschenk, sondern ein Kredit. Ja, wir haben ein Handelsüberschuss.

    Was aber auch zu sagen ist: Wir reden bei diesen Hilfen von Umfängen, die in der gleichen Größenordnung wie der jährliche deutsche Staatshaushalt liegen. Dieses Geld brauchten die Länder (insb. Griechenland und Italien) weil sie ansonsten pleite gewesen wären.
    Mir wäre es sehr viel lieber gewesen, wenn wir keine Staatshilfen geliefert hätten (weder bei einzelnen Banken noch bei anderen Staaten). Aber die dafür geforderten Änderungen und Einschnitte als deutsche Unterdrückung zu bezeichnen geht zuweit. Es gibt einen Grund, warum Deutschland keine Probleme hat sich Geld zu leihen, Griechenland und Italien aber schon.

    Es hätte keinen positiven Effekt, einfach Geld zu leihen, ohne, dass an den strukturellen Problemen gearbeitet würde. Wir könnten damit die Krise etwas herausschieben und hätten dann das gleiche Problem, nur in größerem Umfang. Möglicherweise mit weniger Privatrisiken (d.h. die Anleihen wären dann alle von uns abgesichert)

    Es geht dabei gar nicht darum, dass _wir_ für _die_ zahlen. Da bin ich vollkommen bei euch, das ist pauschalisiert und verhindert eine sachliche Diskussion. Auf der anderen Seite: Es ist auch nicht vollkommen falsch. Griechenland und Italien _brauchten_ diese Kredite, ansonsten wären sie einfach pleite gewesen.

    Die “normale” Reaktion darauf, ist eine Abwertung der eigenen Währung (mit anderen Worten man bezahlt zwar die vereinbarte Summe, aber nur einen Bruchteil des Wertes, mit anderen Worten: man enteignet). Problem: Die Länder hatten keine Kontrolle über ihre Währung mehr.

    Zwei Lösungsoptionen:
    a) alle halten ihre Finanzen sauber, das erfordert solides Haushalten
    b) Auflösen der Währungsunion

  9. #9 ali
    Mai 5, 2013

    @androgynes

    Eine Frage: Was genau lässt dich vermuten, dass die deutschen Zinsen nicht so oder so gesunken wären?

    Wissen kann man das natürlich nicht. Mir schien aber diese Annahme plausibel bedenkt man all die Unwägbarkeiten einer Disintegration des Euroraumes. Die zwei im Reuters Artikel zitierten Studien machen diese Annhame ebenfalls (hier und hier). Vor allem die zweite scheint diese Sicht zu stützen.

    Aber im Grunde geht es mir sowieso darum, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass ein grosser Teil der klagenden Massen der Meinung ist, ihr hart verdientes Geld sozusagen einem faulen Griechen gegeben zu haben, damit der mit 50 in Rente gehen kann (“Pleite-Griechen” und so…). Dies hier ist ein Versuch zur Differenzierung.

    Und ja, das Risiko wurde natürlich verschoben (das schreibe ich im Artikel auch) und die Summen sind enorm. Letzteres hätte vielleicht mit einem weniger zögerlichen Agierens verhindert werden können.

  10. #10 ali
    Mai 5, 2013

    P.S.: Natürlich war die Eurokrise kein “Glücksfall”. Das ist bewusst provokativ formuliert. Es ist aber bemerkenswert, dass es im Moment so aussieht, als ob die Bilanz für Deutschland eine positive ist (geschieht nicht noch eine Katastrophe). Dies entspricht mit grosser Sicherheit nicht dem Volksgefühl und darum geht es mir hier.

  11. #11 deppvomdienst
    Mai 5, 2013

    Tja nun wenn man einfach mal die Verantwortlichen Bankster mit aktuell gültigem “teutschen” Recht belangen würde und dann die Jungs die bei Mollath so gut Arbeit geleistet haben als Referenz nehmen, tja dann gäbe es keine Schulden mehr und diejenigen die wirklich schuldig sind würden …
    (Rest selber aus den Fingern saugen)

  12. #12 Statistiker
    Mai 6, 2013

    Psst, DH, nicht “Eurobonds” sagen.

    Ansonsten kommen hier ganz, ganz viele Kommentare, die sagen, “wenn Angie das nicht will, hat das falsch zu sein”…… ist mir auch schon passiert, für eine logische Schlussfolgerung beschimpft worden zu sein, weil ja Angie…..

    @ Schuster: Aha….. mehr sag ich dazu nicht…..

    @ androgynes: “alle halten ihre Finanzen sauber, das erfordert solides Haushalten”

    Bittedefinieren Sie “solides Haushalten” und begründen Sie, warum Staatsschulden per Definion schlecht sein sollten. Ich bin gespannt….

  13. #13 Spoing
    Mai 6, 2013

    @Statistiker:
    Wenn sie es schon an der Angie Festmachen, dann sollten sie auch wissen was sie angeblich will. Und ich habe da von der Angie schon mehr als nur einmal gehört, dass sie sich die Eurobonds durchaus als langfristiges Ziel vorstellen kann nur sie sie jetzt für fatal hält, da das den Reform”willen” der angeschlagenen Länder massiv senken würde.
    “Merkel” sucht halt die harte Gangart, während manche Oppositionspartei wieder heile Welt spielen will. Beides ist im extrem tödlich für einen Staat, aber die Frage wie weit man das reizen kann ist nur schwer zu beantworten.

    Ich persönlich habe lieber ein sich weigerndes Griechenland, dass unter den Reformen blutet, aber mangels Optionen dann doch zu stimmt.(Oder wegen meiner dann doch austritt) Als ein zu großzügig Auftretendes Deutschland was irgendwann keinerlei Gelder bewilligen kann, weil die hiesige Bevölkerung das nicht mehr trägt.

    Zu den Staatsschulden sage ich auch noch einmal was:
    An sich sind die ne feine Sache, da Kredite nun einmal die Wirtschaft ankurbeln, nur dürfen die Kredite nicht für Strukturdefizite verwendet werden, denn dann kommt man in einem Bereich in dem man mit dem Schuldenmachen nicht mehr aufhören kann.

    Bisher läuft die ganze Eurokrise meiner Ansicht nach ab wie jede Unternehmensrestauration, nur langsamer und größer. Ich sehe die Eurokrise auch eher als Glücksfall, denn rückblickend, war sie wohl unvermeidlich und wenn sie Später gekommen wäre, wäre sie wohl auch härter eingeschlagen. (Auch haben mir die kleinen Länder nie wirklich sorgen gemacht, die Entscheidung wird in Italien oder Frankreich fallen. Man stelle sich einmal vor, keines der kleinen Länder wäre vorher zu Bruch gegangen und es hätte mit Italien begonnen)

  14. #14 DH
    Mai 6, 2013

    @Statistiker

    Stimmt , da hab ich nicht aufgepaßt ….das Eu..-Wort aussprechen ist in Deutschland wie “Mafia” – Sagen in Süditalien…

  15. #15 Stefan
    Mai 6, 2013

    “Weil Deutschland (oder die verantwortungsvollen Länder des Nordens) den laxen Lebensstil der Südländer finanzieren musste.”

    Kann ein Land einen Lebensstil haben oder doch nur die Lebenden, die sich dort aufhalten? Weil dann müsste es Südländerinnen und Südländer, oder vielleicht auch SüdländerInnen heißen.

    Ich weiß, dass ist jetzt polemisch und trägt nichts zur Diskussion bei, aber dass immer öfter Nomen durch Partizipe der Gegenwart ersetzt werden, macht den Lesefluß nicht leichter.

    Zurück zum Thema: Ich denke, ein Hauptproblem ist, dass Deutschland sein D-Mark-Modell eins-zu-eins in die Eurozone übertragen hat. Durch die weggefallene Aufwertungsmöglichkeit profitiert zwar die Exportwirtschaft, aber die in Deutschland Lebenden haben keinen Kaufkraftzuwachs mehr. Es würde der Eurozone wie auch Deutschland helfen, wenn die deutsche Wirtschaft die Löhne stärker anheben würde, und die Regierung durch Steuersenkung ein höheres Budgetdefizit akzeptieren würde.

    So wie oft den Südländerinnen vorgeworfen wird, dass sie über ihre Verhältnisse gelebt haben, könnte man den Deutschen erklären, dass sie eigentlich unter ihren Möglichleiten leben und damit die schwächeren Staaten massiv unter Druck setzen.

  16. #16 ali
    Mai 6, 2013

    @Stefan

    Ich weiß, dass ist jetzt polemisch und trägt nichts zur Diskussion bei, aber dass immer öfter Nomen durch Partizipe der Gegenwart ersetzt werden, macht den Lesefluß nicht leichter.

    Ich weiss, das ist jetzt polemisch und trägt nichts zur Diskussion bei, aber dass immer öfter über echte und vermeintliche sprachliche Unzulänglichkeiten geklagt wird, macht den Lesefluss im Kommentarthread nicht leichter.

    Und kann ein Lesefluss “leichter” sein? Wäre es nicht entweder “leichter zu lesen” oder ein “vereinfachter Lesefluss”? Fragen über Fragen…

  17. #17 Stefan
    Mai 6, 2013

    Ich denke schon. “Lesefluss” ist nichts anderes als “Lesbarkeit”, und “leichter” habe ich synonym mit “einfacher” verwendet. Ich dachte, dass wäre Deutsch Sprechenden klar.

    Im Übrigen stimme ich mit dem Fazit des Textes überein. Ich denke zwar, dass der Euro voreilig und fehlerhaft eingeführt wurde, aber ein Auflösen der Währungsunion jetzt brächte wahrscheinlich die Mutter aller Wirtschaftskrisen. Besser die konkreten Fehler erkennen und reparieren als im Nachhinein für ein System zahlen, dass gescheitert ist.

  18. #18 ali
    Mai 6, 2013

    @Stefan

    Bin halt Schweizerdeutsch sprechend und nur Deutsch schreibend. Das kann manchmal zu Unsicherheiten führen. Bin trotzdem der Meinung, dass “Fluss” was anderes ist als “-keit” (zweifle aber nicht, dass die beiden synonym sind). Kann zum Beispiel ein “Bach leicht fliessen”? Die Stilfrage ist nicht rhetorisch. Interessiert mich tatsächlich, da ich es nicht so verwenden würde)?

    Würde es mir in erster Linie um die Sprache gehen, würde ich nicht bloggen. Mein Kernkompetenz liegt woanders. Ich habe Grass Gedicht auch nicht sprachlich kritisiert sondern inhaltlich. Genau deswegen. Wenn du gerne beides hättest tut es mir Leid, aber damit kann ich hier nicht dienen. Das ändert sich auch nicht, wenn man in den Kommentaren darüber klagt.

    Und das ist übrigens der Grund, warum mich diese Beschwerden ärgern: Ich werde deswegen nicht besser (oder genehmer) schreiben können. Also kommt es entweder als verstecktes Selbstlob (“Ich weiss wie man es besser macht”), als reines posieren (“Ha, seht her was ich alles weiss”) oder Unsachlichkeit (Argument per Rechtschreibung oder Stil) rüber.

    So und nun haben wir meinerseits genug über Sprache geredet. Ich höre jetzt auf.

  19. #19 BreitSide
    Mai 6, 2013

    Deitse Sprack nix einfack!

  20. #20 Dr. Webbaer
    Mai 7, 2013

    Was immer hilft bei derartigen Fragen das Wohlergehen der Bürger betreffend ist ein Blick auf die sogenannte Kaufkraft:
    -> http://www.iwkoeln.de/de/presse/pressemitteilungen/beitrag/kaufkraft-3-minuten-fuer-ein-bier-88517

    Die stagniert seit 20 Jahren.

    Nicht ganz klar ist auch, wie die Sparer bei Zinsen nahe Null ihr Fortkommen i.p. Vermögen bewirtschaften sollen.

    Last but not least ist auch die Entwicklung der Währungskurse nicht ermutigend, wenn z.B. auf die Tschechische Krone (der Euro verlor ca. 50% seit Einführung), auf den Schweizer Franken (minus ca. 25%), auf den Polnischen Zloty (plus&minus 0%) und auf das Englische Pfund (in ca. 25%) geschaut wird.

    Es entstanden in der Zwischenzeit über “Rettungsmaßnahmen” und über das sogenannte Target-2 gigantische und womöglich uneintreibbare Außenstände.

    Europa leidet anzunehmernderweise auch wegen des schlecht skalierenden Euro-Systems an einer Rekordarbeitslosigkeit.

    MFG
    Dr. W

  21. #21 Wilhelm Leonhard Schuster
    Mai 7, 2013

    @Statistiker:
    DESHALB HAT DER STAMM TISCH , angestammt
    der Sprache seiner Umgebung , so häufig recht und trift sehr oft (nicht immer),sprichwörtlich den Nagel auf den Kopf!

    Man kann auch sagen :Ein Fünkchen Wahrheit steckt in jeder Aussage, selbst wenn diese die reine Lüge ist!

    Immer geht es um Person oder Sache die klar oder unklar und strittig ist .
    (Binsenweisheiten)

  22. #22 Earonn
    Mai 7, 2013

    Leider ist auch ein weiterer Punkt nie besonders hervorgehoben worden: die Gemeinschaft in Europa hat gemeinsam daran gearbeitet, einige schwer betroffene Länder zu unterstützen (zu wessen Vor- und Nachteil auch immer, aber es dürfte unbestritten sein, dass es ihnen ohne die Gemeinschaft schlechter ergangen wäre). Eigentlich doch eine tolle Sache: wir haben uns gemeinsam gegenseitig unterstützt. Dass Deutschland dabei noch eher als ‘Geberland’ auftrat, sollte uns doch eher stolz und glücklich machen – so wie wir doch auch stolz und glücklich wären, z.B. dem in Not geratenen Cousin in finanziellen Schwierigkeiten helfen zu können.

    Anstatt aber diesen Aspekt der Solidarität hervorzuheben, höre ich immer nur, ach wie sehr wir armen (sic!) Deutschen doch zahlen müssten. Wie falsch das sachlich ist, wurde oben ja schon dargelegt.

    Also, ich find’s schön, wenn Schlimmeres wie z.B. ein kompletter Staatsbankrott von den Menschen in Griechenland abgewendet werden konnte. Wenn mich das was kostet – okay, ist für mich wie eine Spende. Und wenn sich ein paar geldgeile Idioten in Griechenland bereichert haben, ist das doof, aber auch nicht schlimmer als die geldgeilen Idioten in Deutschland, die sich bereichert haben.

    Kurz: ich freu mich, helfen zu können.

    Ahm, könnte jemand bitte der alten Frau von ihrer Seifenkiste runterhelfen? ^^

  23. #23 Wilhelm Leonhard Schuster
    Mai 7, 2013

    Wenn ich ehrlich bin würde ich die Hälfte der 3 Milliarden die Bayern an ” Wowereits ” Berlin bezahlt ,den Griechen gönnen .
    Allerdings mit der Auflage daß genau überwacht wird was mit dem Gelde geschieht .
    (Zum Beispiel die Akropolis wird mit diesem Gelde von Griechen wiederaufgebaut und geht in das Eigentum eines “Eurodenkmalfonds” über,der auch zukünftige Baulasten übernimmt.

  24. #24 Regina
    Bregenz
    Mai 7, 2013

    @Ali, danke für deinen diesen Beitrag. Eines interessiert mich aber noch: wie sehen die diktierten Regeln de facto aus? Mir fehlt da das Bild dazu. Könntest du mir ein Beispiel nennen?

    “Deutschland hat mit anderen zahlenden Ländern im Verlaufe der Krise viele der Regeln diktiert. Manche dieser Bedingungen waren tiefe Einschnitte in die Souveränität der Schuldnerländer. Deutschland konnte auch die neu geschaffenen Instrumente und Institutionen formen und bestimmen.”

  25. #25 Manfred Böttcher
    Bochum
    Mai 8, 2013

    Kommentar ALI !! (EUROKR. Glücksfall für Deutschland??) EINE MILCHMÄDCHENRECHNUNG warum ?? Keiner von EUCH eifrigen “EURORETTERN” ist es in den letzten 3 Jahren gelungen auch nur den Ansatz einer Lösung des Problems zu präsentieren geschweige den einer Lösung .Jedes SCHNEEBALLSYSTEM endet aber leider gewöhnlich in einem Kräsch , dann werden BÜRGSCHAFTEN EINGEFORDERT !!!!!!!!!,

  26. #26 Adent
    Mai 8, 2013

    @Manfred Böttcher
    Mannomann, ich zitiere kurz aus Terry Pratchetts Mummenschanz:

    “Five exclamation marks, the sure sign of an insane mind.”

    Wie krank ist denn jemand der !!!!!!!!! benutzt?

  27. #27 Gregor
    Mai 8, 2013

    Ich sage es gleich am Anfang: Weder interessiere ich mich für die Eurokrise noch verfolge ich sie. Ganz ehrlich ist es mir wurscht.
    Aber: Ich möchte anhand eines Beispiels auf einen Denkfehler bei dem Verdienst aus der Eurokrise hinweisen – wie ich ihn sehe.
    Nehmen wir an, mein Nachbar möchte 1000 € von mir (dabei sei es mal egal, ob direkt oder ich bürge bei der Sparkasse). Ich weiß, dass er völlig blank ist. Die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls schätze ich mit 30% ein (woher auch immer).
    Jetzt die Fragen:
    1. Bin ich ein Profiteur, wenn ich 300 € Zinsen von ihm verlange?
    2. Wie sieht es ein Tag vor seinem Ausfall für unsere gemeinsamen Bekannten aus?
    3. Wie würde es aussehen, wenn ich tatsächlich 1300 € zurückbekomme?

    Und jetzt mal der Fall, dass ich nicht risikoneutral sondern -avers bin.

  28. #28 AmbiValent
    Mai 8, 2013

    @Gregor
    In deinem Beispiel fehlen wichtige Teile der Situation, die es darstellen soll (die Eurokrise). Zum Beispiel die Art und Weise, in der der Nachbar Geld erhält: von einem gemeinsamen Topf, in den alle Nachbarn eingezahlt haben. Oder dass die Häuser nicht getrennt sind: angenommen, das Nachbarhaus verfällt, weil der Nachbar nicht mehr reparieren kann; siedeln sich da Ratten an, oder gibt es ein Feuer, dann hat die ganze Nachbarschaft ein Problem. (Oder dass der Nachbar nicht ausziehen und durch einen besser finanzierten Eigentümer ersetzt werden kann)

    Da stellen sich dann schon andere Fragen:
    1. Kostet es mich wirklich soviel, den Nachbarn dazu zu bringen, sein Haus zu reparieren, dass ich spare, wenn ich ablehne, ihm zu helfen, auch wenn ich die Schäden, die bei mir aus einem verfallenen Nachbarhaus resultieren würden, mit einrechne?
    2. Will ich das Risiko eingehen, die ganze Nachbarschaft gegen mich zu haben, weil ich die anderen auf den Kosten sitzengelassen habe?
    3. Was ist, wenn ich selber mal Probleme hätte? Würde ich dann nicht auch wollen, dass die Nachbarn helfen?

  29. #29 Gregor
    Mai 9, 2013

    Hallo AmbiValent
    Das ist alles richtig – das sollte man alles berücksichtigen. Mein Beispiel ist sicher sehr platt. Worum es mir nur ging, ist darauf hinzuweisen, dass die Bewertung, ob Deutschland Profiteur ist, nicht so einfach ist.
    Allerdings sollte auch berücksichtigt werden, dass es rational sein kann, zu helfen, ohne dass ich in dem Sinne profitiere, dass ich etwas rausbekomme. Deine Punkte sind gute Beispiele hierfür. Es mag rational sein, meinem Nachbarn zu helfen, um meinen Schaden geringer zu halten – ich profitiere von meiner Hilfe. Aber eben nicht in dem Sinne, dass ich Kohle scheffel.
    Für meinen Teil kann ich nur feststellen, dass ich mir keine Aussage darüber zutraue, ob Deutschland real gewonnen hat, nur seinen Schaden vermindert oder draufgezahlt hat.
    Aber vielleicht bin ich zu alt und zu jung, um die Wahrheit sicher zu erkennen.

  30. #30 Wilhelm Leonhard Schuster
    Mai 10, 2013

    8. Mai 1945 …. Für meinen Teil kann ich nur feststellen,daß
    ich mir keine Aussage darüber zutraue ,ob Deutschland real gewonnen hat,nur seinen Schaden vermindert oder draufgezahlt hat.

    Aber vielleicht bin ich zu alt und zu jung ,um die Wahrheit sicher zu erkennen.

    Gregor möge mir die Verwendung seiner zeitlosen Worte verzeihen.

  31. #31 Ulrich Fielitz
    Hambühren
    Mai 3, 2014

    “Wie der Preis von Kartoffeln oder Socken reagiert auch der Zins auf Angebot und Nachfrage.” Schön wär’s! Es gibt da aber noch die EZB und die setzt mit ihren monetären Maßnahmen den Zins-Markt, zumindest den der Geldmarktzinsen außer Kraft.

    Bisschen simpel das ganze Gebäude. Der Blick allein auf den deutschen „Gewinn“ durch sehr niedrige Kreditzinsen ist nur eine kleine Facette und betrifft nur den deutschen Staat. Demgegenüber stehen mehr als eine Billionen Euro, die Sparer zu Magerzinsen als Tagesgeld oder Festgeld anlegen müssen, weil es kaum sichere Alternativen zur Geldanlage gibt. Hier erleiden Verbraucher und Anleger herbe Verluste.
    Und die Zinsen sind sicherlich auch nur ein kleiner Faktor in einer komplexen Wirkungskette in der EU-Krise: Hier sei nur auf teils großflächigen Eingriffe/Änderungen Stil in nationale Souveränitätsrechte, wie die Bankenunion mit theoretischer Sozialisierung für die Kosten insolventer Banken, etc genannt.
    Ulrich Fielitz

  32. #32 Holger Genopka
    Berlin
    Juni 12, 2014

    Ich habe mal einen blogeintrag auf http://www.der-onlinesteuerberater.de – eine Steuerkanzlei – gelesen. Dort haben Fahnder ausgepackt- ziemlich spannend aber zum Teil wirklich abstrus, wie au staatlicher und privater Seit GEld verschwendet wird, vor allem wnn Öffentliche Hand und Privatwirtschaft zusamen arbeiten…

  33. #33 Michael
    Erftstadt
    September 8, 2014

    Hallo Holger, ich habe auf der Seite gar keinen Blog gefunden? Ist der da irgendwo versteckt? Bin dankbar für jeden Tipp. Danke und Gruß aus Köln

  34. #34 Marion
    Mettmann
    Dezember 8, 2014

    Krise ohne Ende. Mittlerweile ist das Jahr 2014 auch schon fast rum und die Gesellschaft merkt gar nicht, in welche brisante Situation wir schliddern! Die Reichen werden immer reicher und die Mittelschicht ist tatsächlich fast weggebrochen! Die leben nur noch, weil fast jeder einen 2. Job hat oder irgendwie noch Geld macht, um die Kosten aufzufangen. Die Regierung kassiert immer mehr um die Schuldenlöcher zu stopfen und die Frauen fangen wieder an die Löcher in den Socken zu stopfen :) Achja, wenn die Medien raten in Gold zu investieren, dann kracht es ja auch bald dort wieder und der Wert geht auf Taalfahrt! 2015 hilf und bring uns Glück!