Inzwischen ist es eigentlich schon fast ein Gebot: Du sollst der Sarah Palin keine Plattform bieten! Jedes mal finde ich aber wieder einen guten Grund warum ich es doch tue. Insofern funktioniert das Konzept Palin leider halt zu gut. Heute dient sie zu einer Illustration eines Argumentes, dass hier immer wieder in Diskussionen zum Islamismus aufgetaucht ist.

Der wandelnde Talking-Points-Zufallsgenerator aus Alaska hat wieder zugeschlagen. Es geht um einen Satz, der ihr in eine Rede geschrieben wurde und der uns allen die Haare zu Berge stehen lassen sollte. Nachdem sie etwas von “die Furcht Gottes in die Herzen der Feinde Amerikas” zu bringen faselte (weil die verweichlichte Linke “den Jihadis” kein Haar krümmen will natürlich), erklärte sie, aus welchem harten US-Amerikanischen Holz sie geschnitzt ist:

Well, if I were in charge …. They would know that waterboarding is how we baptize terrorists.

Also, wenn ich das Sagen hätte … dann wüssten sie, dass Waterboarding ist, wie wir Terroristen taufen.

Hier im Sarah “Terminator” Palin im O-Ton:

Alles was es dazu zu sagen gibt, hat Andrew Sullivan in diesem Eintrag hier eigentlich schon gesagt. Ich lege allen ans Herz, diesen zu lesen. Ich beschränke mich darauf, seine zentralen Argumente hier noch auf Deutsch wiederzugeben und vielleicht mit dem einen oder anderen Zusatzkommentar zu versehen.

Palins Aussage ist zuerst einmal ein Beleg, warum das Folterverbot nicht aufgeweicht werden darf. Im Zusammenhang mit Terrorismus wird Folter immer wieder mit dem hypothetischen “tickenden Zeitbomben” Szenario als notwendige Option gerechtfertigt. Sollte es ein solches tatsächlich geben und wäre die Methode wirklich effektiv (zwei so grosse Fragezeichen, dass man hier eventuell schon abbrechen könnte), dann bleibt das Problem des Dammbruchs: Wenn dem Staat Methoden zur Verfügung stehen, dann werden sie nicht selten auch genutzt und ihr Anwendungsbereich ausgeweitet. Das Dammbruchargument ist manchmal ein Fehlschluss, doch gibt es auch Bereiche, wo man auf gute Präzedenzfälle zurückgreifen kann.

Nun hat Sarah Palin niemanden gefoltert. Sie wird es vermutlich auch nie tun. Ich weiss nicht einmal, ob sie es tun würde, wenn sie tatsächlich etwas zu sagen hätte. Das ist aber egal. Was hier zählt ist, dass sie überhaupt so argumentieren kann, ohne von der Menge ausgbuht und zum Teufel gejagt zu werden. Kaum ein Diktator, kaum ein General oder Polizeikomandant der nicht abstreiten würde, dass in den eigenen Gefängnissen und Polizeiwachen gefoltert wird. Die Norm wird zwar missachtet, aber diskursiv zumindest durch das Abstreiten der Tatsache bestätigt. Dies scheint nun nicht mehr notwendig. Es ist OK zu foltern, solange es nur die Bösen trifft. Dies ist eine extrem gefährliche Aufweichung des Folterverbots.

Das zweite schockierende Element ist, wir Palin nicht nur unbedarft mehr Folter fordert, sondern dies religiös einbettet. Die anderen, die Jihadis, müssen die Furcht Gottes lernen und zwar die Furcht vor Palins Gott. Sie stellt den US Staat auch gleich als Instrument zur Verfügung um dies zu tun (dessen starke Verfassung verhindert zum Glück nach wie vor eine zu starke religiöse Vereinnahmung). Dass sie dafür das Bild der Taufe verwendet, passt theologisch perfekt: Man suche sich eine beliebige Interpretation der Bedeutung der Taufe aus und versuche in diesem Kontext dabei Palin keinen heiligen Krieg zu unterstellen. Von der Wiedergeburt, über einen Aufnahmeritus oder die Bekehrung zum Christentum, keine dieser Symboliken ist in diesem Zusammenhang unschuldig. Diese Verwendung ist auch, was dem gläubigen Katholiken Sullivan besonders sauer aufstösst. Sie setzt in seiner Interpretation damit Folter einem Sakrament, einem unauslöschbaren Mal Gottes gleich!

Wie oft wurde hier in den Kommentarspalten darauf hingewiesen, dass der Islam als Religion gefährlicher sei als das Christentum, weil ersterer Gewalt predige, dass Christentum hingegen Nächstenliebe. Mein Standpunkt war immer, dass alle Text-Religionen sich ihre Schriften gemäss dem eigenen Weltbild zurechtinterpretieren und dass man alles mit diesen Texten rechtfertigen kann, wenn man nur will. Ich und andere Kommentatorinnen und Kommentatoren haben immer wieder betont, dass das Problem in der Natur von offenbarten Wahrheiten liegt und nicht bei einer spezifischen Religion. Hier haben wir nun eine zeitgenössische Vertreterin der Religion der Nächstenliebe aus einer “aufgeklärten” Industrienation, die sich Applaus für den Vorschlag erhält, im Namen des Christentums zu foltern. Sullivan bezeichnet unter anderem deswegen diese Leute konsequent als “Christianisten” in Analogie zu den “Islamisten”. Ich glaube ich werde dies hier in Einträgen mit Kommentarnatur von nun an für das politische Christentum auch so handhaben.

1 / 2 / Auf einer Seite lesen

Kommentare (19)

  1. #1 Hobbes
    April 29, 2014

    Die Frau ist eine Karikatur ihrer selbst. Unglaublich das die immer noch politischen Einfluss hat.

    Zur Folter aus religiösen Gründen:
    Wer das akzeptiert ist zwangsläufig ein Extremist. Selbst wenn Folter für Informationsgewinnung sinnvoll wäre, so dürfte sie ein Staat nur unter “Gefahr in Verzug” anwenden. Und selbst da würde ich von einer aufgeklärten Gesellschaft eigentlich etwas anderes erwarten.
    Eine religiöse Legitimation ist jedoch niemals “reaktiv” sondern immer aktiv. Die regeln zur Foltererlaubnis wären ja keine Abwägungssache einer Situation sondern von vorne herein Festgeschrieben. Eine solche Auffassung ist definitiv extremistisch!

    Das ganze wird aber noch schlimmer. Ich glaube die Frau Palin bezieht das gar nicht auf den (umstrittenen) Punkt der brauchbaren Informationsbeschaffung. Sondern auf den unstrittigen Punkt, den der Abschreckung. Das wäre somit religiös motivierter Terror.

    Ich bin zwar ein großer Freund der Meinungsfreiheit aber hier sehe ich eine Grenze überschritten. Man muss Terroristen nicht mit Samthandschuhen anfassen und wegen meiner sind auch Kollateralschäden zulässig um die Unschädlich zu machen, aber das Absprechen von Menschenrechten nur zu Abschreckungszwecken ist selbst für Palinverhältnisse schon ein starkes Stück. Wenigstens sagte sie Terroristen und nicht Islamisten, auch wenn diese Frau darin ja zweifelsfrei einen Religionskrieg drin sieht.

  2. #2 DH
    April 29, 2014

    Keine Aufweichung , uneingeschränkte Zustimmung.

    Was Palin angeht , bitte ruhig weiter mit ihr beschäftigen , die Frau ist Kult , Politik darf auch unterhaltsam sein.

  3. #3 rolak
    April 29, 2014

    Sarah Palin [hat] niemanden gefoltert

    Schon gelogen: Das Anschauen selbst dieses kleinen clips ist in seinen Auswirkungen kaum von üblichen Methoden der Folter zu trennen. Zumindest auf die Gesamtdauer bezogen.

    dafür das Bild der Taufe

    Bietet sich bei sowas anscheinend  an, läßt wohl den Aspekt der göttlichen Gnade bei der Umkehr zum Einzig Wahren durchschimmern. Sowohl für posthume Heldengenese (Bluttaufe) als auch finale Entscheidungen (Taufe durch das Schwert, baptism xor decapitation).

    hingewiesen, dass der Islam als Religion gefährlicher sei als das Christentum

    Das wird auch so bleiben, denn diese Knaller wissen aus ihrem Glauben, daß ihr Glaube richtig ist und damit ihre Ansichten wahr sind.
    So werden solide (scheinende) Weltbilder fundiert…

  4. #4 Vinterblot
    April 29, 2014

    Naja.
    Was mir Hoffnung macht ist, dass ich die Reaktion des Publikums eher als verhalten empfand. Sie musste die Leute ja grade zu dazu auffordern, zu klatschen bei “… chaaaaarge”. Und auch als sie ihren “Witz” über Waterboarding gemacht hat, hat die Halle nicht gerade getobt.

    Aber auch ansonsten fand ich an der Rede vor allem irritierend, dass sie versucht hat, witzig zu sein – und daran gnadenlos gescheitert ist.

    Alles in allem eine merkbefreite Hinterwäldler-Dumpfbacke, die auf einem geistig so niedrigen und mittelalterlichem Niveau argumentiert (Unser Gott ist toller als eurer!) dass einem Angst und Bange werden kann, wenn man sich vor Augen hält, dass solche Leute zur Gallionsfigur einer Bewegung mit derart viel Einfluss werden können.

  5. #5 Trottelreiner
    April 29, 2014

    Naja, zunächst einmal frage ich mich, ob wir hier wirklich gegen das 11. Gebot (Du sollst die Teabagger zwar ernst nehmen, aber nicht beachten) verstoßen sollten…

    Grundsätzlich wäre das Problem mit der Tea Party erst einmal, daß sie sich aus mehreren Richtungen zusammensetzt, die nicht wirklich zusammenzupassen scheinen. Ein ähnliches Problem haben ja auch andere politische Lager, aber wie z.B. Libertarianismus und ein Verbot der Abtreibung zusammengehen verstehe ich nicht wirklich. OK, ich verstehe es irgendwie schon, aber ich mache mir seit neuestem eh Sorgen um meine SAN-Points.

    Ähnliche Probleme hat man natürlich auch in anderen Lagern, ich sag mal nur Rechte von religiösen und sexuellen Minder- oder auch Mehrheiten, aber die entsprechenden Gruppen dürfen sich dann auch eine gewisse Häme gefallen lassen.

    Ansonsten, das christliche und islamische Fundamentalisten sich nicht so unähnlich sind dürfte schon seit längerem bekannt sein:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dominionismus

    Inwiefern Palin wirklich dafür eintritt Leviticus einzuführen sei dahingestellt, ich denke mal das sie bzw. ihre Redenschreiber da bei ihren Reden eine Checkliste durchgehen:

    1.) Stelle Andersdenkende als Weicheier und Versager da, um die außenpolitischen Falken zu befriedigen. Erledigt.
    2.) Baue irgendeinen Bezug auf Gott ein, um die religiöse Rechte auf deine Seite zu ziehen. Eröedigt. Bonuspunkte wenn du dabei wage genug bist um das als “Judeo-Christian fundamentals” durchgehen zu lassen. Leider verfehlt wegen des Bezugs auf die Taufe. Darf ich bei nächster Gelegenheit einen Bezug auf eine “mikwe” nahelegen?
    3.) Und dann mußt du noch irgendeinen Bezug auf den starken Staat herstellen, der sich überall einmischt, damit sich die Libertären auch über etwas freuen können. Auch verfehlt, mir fielen da einige Möglichkeiten ein, aber ich bin ja nicht ihr Ghostwriter.

  6. #6 Dr. Webbaer
    April 29, 2014

    Ich und andere Kommentatorinnen und Kommentatoren haben immer wieder betont, dass das Problem in der Natur von offenbarten Wahrheiten liegt und nicht bei einer spezifischen Religion.

    Und andere behaupten, dass das Spezifische das alleinig Interessante ist. – Man kann diese Aussage auch am für diese Zwecke erschaffenen Spaghettimonster gedankenexperimentell belegen.

  7. #7 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com/2014/02/08/berlinale/
    April 30, 2014

    Einerseits ist es ja beruhigend, dass solcherlei Zungenschläge hierzulande fremd sind. Andererseits gibt es immer Knalltüten, die kulturelle Unterschiede übersehen, und versuchen amerikanische Moden ungebrochen hier auszuprobieren. Dass also mal jmd. mit sowas um die Ecke kommt ist nicht ausgeschlossen.

    Und man muss konstatieren, dass die Empörung über Folter oder auch Drohnenkrieg hier überschaubar ist. Ich erinnere mich nicht dass ein CDU/CSU-Politiker oder FDP-Politiker von sich aus sich davon abgegrenzt hätte. Hat mal ein SPDler was kritisches gesagt? Bei den Grünen kann man sich vorstellen, dass da mal einer protestiert, und bei der Linken. Es herrscht so eine Haltung die Amis die Drecksarbeit tun zu lassen und selbst den Mund zu halten, die nur knapp sympathischer ist als die großmannsüchtigen Töne die man seit den 90ern verstärkt hört, von Deutschlands gestiegener Verantwortung, wie es verbrämt wird.

    Ich weiß, dass ich mich wiederhole, aber Menschenrechte waren für die Konservativen nur solange wertvoll, wie man Verstöße des Warschauer Paktes mit deren Hilfe anprangern konnte, und seit dessen Untergang ist dementsprechend Schweigen im Walde.

    Zivilcourage ist diesen Kreisen vollkommen fremd, weswegen auch der Begriff “konservativ” eine Anmaßung ist, die Berufung auf Werte ein Witz und die Selbstbezeichnung als bürgerlich gelogen.

  8. #8 sumo
    April 30, 2014

    zu Palin gehe ich davon aus, daß diese Dame grenzenlos überschätzt wird, und gerade diese gewisse Beschränktheit in Verbindung mit ihrem Einfluß macht sie gefährlich. Dieser miese Spruch über Taufe und Waterboarding ist von ihr gesagt worden, ohne zu wissen und zu ermessen, was er wirklich bedeutet, welche Wellen er schlagen wird, war ihr völlig unklar.

    Zum Thema Folter stelle ich mir das folgende theoretische Szenario vor: Ein Terrorist hat Erkenntnis über einen Anschlag und wird zur Herausgabe mittels Folter veranlaßt. Soweit-soschlecht. Jetzt wird das öffentlich bekannt, daß eine Institution mittels dieser Folter eine verheerende Katastrophe verhindert hat.
    Wie wird solch eine Meldung in der Öffentlichkeit wahrgenommen und kommentiert?
    Gibt es da breite Zustimmung zur Folter, oder gibt es breite Ablehnung, aber trotzdem Genugtuung über den verhinderten Anschlag? Wie gesagt, eine theoretische Überlegung, die aber durchaus nicht unrealistisch ist.

  9. #9 Bettina Wurche
    April 30, 2014

    Ich empfinde Palin selbst als schlimmstes Folterinstrument. Ihre kruden Gedankengänge sind für mich psychische und geistige Folter. Das Bild vom strafenden Gott der Christen verursacht mir richtige Gänsehaut.
    grusel

    Die Bürger der USA sind extrem divers. Es gibt jede Menge kritischer, verantwortunsgbewußter, demokratisch und liberal denkender Menschen, die sich von Palin auch gruseln. Meistens Leute mit höherem Bildungsabschluss, die in den Städten leben.

    Auf der anderen Seite gibt es – eher auf dem Land – eine Bevölkerung, die völlig anders tickt. Bildung (und europäisch-stämmige) Kultur werden dort offen verachtet, Europäer, die reden, satt den Weg freizuschießen gelten einfach als Feiglinge.
    Diese Bevölkerungsteile sind eher Palin-Fans.
    Dass eine Politikerin sich hinstellt und diese geistige Scheiße vom strafenden Gott erzählt und ausbreitet, dass Folter für (ihre Sorte) Demokratie wichtig ist, wäre bei uns (noch) undenkbar.
    Glücklicherweise.

    Mir gibt aber sehr zu denken, dass Palin trotz dieser ständigen Ausfälle immer noch als hochrangige Politikerin agiert. Ein großer Teil der alaskanischen Bevölkerung findet sie wirklich toll. Die anderen leiden vor sich hin.
    Wir können nur hoffen, dass sie nicht zur falschen Zeit am falschen Ort ist – mit schrecklichen Folgen.

  10. #10 Hobbes
    April 30, 2014

    An den Bären:
    Naja das Problem liegt weniger an der einzelnen Religion an sich, sondern viel mehr an der Auslegung der selben. Und zwar daran wie stark der Wahrheitsanspruch ist. Radikale Spinner wird es immer und überall geben. Nur ist die Anzahl zwangsläufig größer je emotionaler (moralischer) etwas ist und je mehr Wahrheitsanspruch eine Sache stellt.
    Radikale Agnostiker wird es zum Beispiel sehr wenige geben. Polytheistische Religionen sind tendenziell eher unanfälliger als Monotheistische und das Christentum eher unanfälliger als der Islam. Denn letzterer beruht nach der Lehrmeinung ja nicht auf Gleichnissen sondern auf Wahrheiten.
    Ich finde der Atheismus ist dafür immer ein gutes Beispiel. Die, die Atheisten sind weil sie dies für die Wahrscheinlichste Form halten sind selten Radikal. Die Leute die den Atheismus als zwingend logisch erachten greifen viel eher zur Gewalt. Ist im Prinzip ja auch nur logisch und bei weitem nicht auf Religionen beschränkt. Das passt zu jeder Art von Weltbild.
    Ich würde somit eher Ali zustimmen und sagen das es die Menge und der Alleinanspruch der “Wahrheiten” ist die das Problem ausmachen. Das die Menge an “Wahrheiten” in den einzelnen Religionen/Weltbildern unterschiedlich ist steht außer Frage.

    Achja, die Wissenschaft stellt eine Ausnahme da, da sie zwar die meisten “Wahrheiten” bietet aber zwangsläufig keine als Dogma betreiben kann und somit kein komplettes Weltbild vermittelt. Das Radikalisierungspotential (welches zweifelsohne auch vorhanden ist) muss hier also gesondert betrachtet werden.

    @Sumo:
    Das Gedankenexperiment wird häufig geführt.
    Bei einer reinen Güterabwägung kommt man dann meistens zu dem Schluss, dass selbst wenn die Bevölkerung es gut heißt, wäre es ein Fehler. Denn durch die Folter würde ein Vertrauensverlust entstehen, der langfristig größeren Schaden anrichtet. Ähnlich sieht es mit lügen etc. aus. Solange die Vertrauensbasis nicht verletzt wird ist es legitim. Ich erwarte von Politikern oder Firmen zum Beispiel das sie mich in gewissen Situationen anlügen. Denn beim Pokern wird geblufft. Kritisch wird es nur wenn in Situationen gelogen wird, wo man es nicht erwartet. Und da wir davon ausgehen, das wir nicht Foltern wäre es ein Fehler das doch zu machen. Anders sieht es zum Beispiel bei den USA aus.

  11. #11 Steve
    Thüringen
    April 30, 2014

    “Mein Standpunkt war immer, dass alle Text-Religionen sich ihre Schriften gemäss dem eigenen Weltbild zurechtinterpretieren und dass man alles mit diesen Texten rechtfertigen kann, wenn man nur will.”

    Sehr geehrter Autor, ihr hier kundgetaner Standpunkt kann es an Naivität durchaus mit Frau Palin aufnehmen. Ich möchte ihren (Still-) Standpunkt noch etwas pointierter formulieren: Sprache sagt nie etwas Wahres, immer nur etwas Manipulatives.
    Glauben sie das wirklich?
    Liebe Grüße Steve

  12. #12 ali
    April 30, 2014

    @Steve #11

    Naivität habe ich der Dame hier nicht unterstellt.

    Ich bin mir nicht sicher ob ich wirklich folge: Dass Sprache “nie was Wahres sagt” kann ich noch nachvollziehen (und wenn ich es richtig verstehe, unterschreiben). Warum dies dann zwangsläufig “immer manipulativ” sein muss, folgt ganz sicher nicht logisch. Auch habe ich nirgends so etwas behauptet.

    Auch nicht genau warum dies meine Position auf die gleiche Ebene wie Palin bringen soll. Ich mag ja ab und zu nicht ganz so durchdachtes schreiben, aber das ist dann doch ein unnötiger Tiefschlag.

    Die zitierte Aussage von mir ist nicht gerade revolutionär. Betrachtet man die Vielfalt und Schismen, die die einzelnen Buchreligionen hervorgebracht haben und wie deren Religionsausübung immer stark auch dem Zeitgeist unterlag, müsste man sagen, dass der Vorwurf an mich eher sein müsste, dass ich offensichtliches wiederhole.

    Was war nun genau die Kritik?

  13. #13 rolak
    April 30, 2014

    [ist dasselbe wie] Sprache sagt nie etwas Wahres, immer nur etwas Manipulatives

    moin Steve, Du hast vergessen zu zeigen, warum das dasselbe wie Ali Arbias Text sein soll. Mal ganz davon abgesehen, daß Du der Sprache die Fähigkeit zuanthropomorphisierst, selbst etwas zu sagen. Aktuell ists nur ein Strohmann.
    Mir zB ist das Original viel zu spezifisch und spekulativ formuliert, vorziehen würde ich

    Mein Standpunkt ist, daß in allen Religionen die jeweiligen Überlieferungen gemäß dem eigenen Weltbild zurechtinterpretiert werden und daß damit alles Benötigte rechtfertigt wird.

  14. #14 Steve
    April 30, 2014

    Schade Rolak, du hast mit deinem Beitrag mir auf diesem winzigen Handy die mühsam an Ali getippte Antwort rausgenockt. Mir fehlt aber nun die Zeit und Kraft noch einmal von vorne anzufangen. Was ist Wahrheit? Der Fragesteller in Joh 18,38 ist auch nicht an einer religiösen Antwort interessiert – er macht – gemäß seinem Weltbild (unter halbherzigen Entschuldigungen) – politisch manipulativ Nägel mit Köpfen.

  15. #15 Dr. Webbaer
    April 30, 2014

    @ Hobbes :
    Es geht immer primär um die Handlung von Glaubenden und erst sekundär um dessen Grundlage. Wenn die sittliche Bewertung gemeint ist, hineinschauen in die Einzelnen kann man ja schlecht.
    Zudem muss ohnehin geglaubt werden, strenge Atheisten glauben z.B. daran, dass es keinen Gott gibt, dass alles schlecht ist & war, was die Religionen hervorgebracht haben oder dass ihr Glaube philosophisch hochwertiger sei.
    Auch die Aufklärer, Sie sind ja einer, glauben, und zwar eben an die Aufklärung oder an die moderne skeptizistische wissenschaftliche Methode, die ganz bevorzugt zur Falsifikation von Theorien (“Sichten”) einlädt, sehr gerne auch von politischen Machtfragen ungebunden hantiert. [1]
    Der Glaube findet sich aber auch im Alltagsleben, so glauben manche bspw. an ihren Partner, an die gesellschaftliche Wirkung von Status-Symbolen oder an den FC Bayern München.
    Der Glaube ist nicht schlimm, was den Glaubenden aber versucht werden darf anzuringen, ist sich dem Glaubensentscheid bewusst zu werden. Die Katholische Kirche fordert bspw. den bewussten Glaubensentscheid.

    MFG
    Dr. W

    [1] Es geht auch anders, bspw. mit der Verifikation und irgendwelchen anderen, die Macht besitzen, folgend.

  16. #16 rolak
    April 30, 2014

    du hast .. die mühsam .. getippte Antwort rausgenockt

    Klar, Steve, bin ja auch der magische Hacker-Zensor, der allein durch die Kraft seiner Tastatur jedwege ungewünschte Äußerung blockieren, ja sogar nachträglich ausmerzen kann. Die Inkarnation der Bewußtseinskontrolle.

  17. #17 Steve
    April 30, 2014

    … und witzig.

    War aber ehrlich frustriert, weil alles weg war. Kein Vorwurf 😉

  18. #18 G.K.
    Mai 8, 2014

    Zumindest ein religiös/theologisch nicht-korrekte Aussage (sie versuchte sie sogar als joke rüberzubringen). Aber beides, Folter und Zwangstaufe, waren schon immer perverse Praktiken eines zu politischen Zwecken missbrauchten Christentums.

    Palin und ihrer Partei ist nur daran gelegen, die jetzige Administration als Weichlinge darzustellen und die Drohkulisse im Hinblick auf die Nach-Obama-Zeit und der Rückkehr an die Macht aufrechtzuerhalten.

    Die erste grosse Schlacht (9/11) wurde zwar verloren, aber noch immer glauben die USA, den Krieg gewinnen zu können.

    Unter Obama wurde immerhin mit waterboarding aufgehört, dh die “hypothetischen, tickenden Zeitbomben”-Menschen werden jetzt nicht mehr herausgepickt, ausgeflogen und in Guantanamo oder an andern finstern Orten nach überlieferter Manier traktiert, sondern zeitgemäss (möglich dank intensiver Forschung und Training mit UAV) am Bildschirm und per joystick von hoch über den Schluchten des wilden Hindukusch und seiner südlichen Ausläufern kreisenden Drohnen mehr oder weniger gezielt eliminiert.

    Welch ein Fortschritt!

  19. #19 Marco
    Juli 30, 2014

    @ Bettina Wurche
    “Das Bild vom strafenden Gott der Christen verursacht mir richtige Gänsehaut.
    grusel”
    mich würde interessieren welches Bild von Gott Sie bevorzugen