“Lügenpresse! Lügenpresse!” schreit der Chor im Hintergrund immer wieder. Manche der interviewten geben auf im Lärm gehört zu werden. Ein ARD Beitrag liess Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Pegida Demo frei von der Leber weg erzählen, was sie denken, warum sie auf der Strasse sind und wo ihre Sorgen liegen. Das ganze stellten sie ungeschnitten ins Netz. Das Resultat ist nicht hübsch.

Hier kann man sich die geschnittenen Auszüge anschauen, hier den Rest wenn man möchte (Teil 1; Teil 2). Unmöglich zu sagen, ob die Leute, die bereit waren ihre Einsichten zum Besten zu geben, repräsentativ für Pegida sind. Es entsteht auf jeden Fall der Eindruck, dass sich da sehr viel Frustration und Wut entlädt. Pegida dient ihnen als Projektionsfläche um diese Frust durch simple Präsenz Ausdruck zu verleihen (aber offensichtlich nicht, diesen verbal kohärent zu artikulieren). Öfters wurden Dinge ins Mikrofon gesagt, die klangen wie “Das spreche ich nicht aus, weil ich bin ja kein Nazi” oder “Darf man das überhaupt sagen? Ich bin ja nicht rechts.” Es scheint als ob man in Sachen Selbsterkenntnis auf halben Weg stecken geblieben ist: Irgendwie weiss man, es ist eigentlich nicht richtig. Aber man ist halt trotzdem dagegen.

Wie auch immer, dominant waren die wiederkehrenden Rufe und Vorwürfe an die Medien. Das Misstrauen ist enorm. Mich erinnert das an die einschlägige Verschwörungstheorien-Szene. Wenn man davon ausgeht, dass der grösste Teil der Informationen in traditionellen Kanälen (im weitesten Sinn) per Definition wertlos ist, hat man gleich viel mehr Spielraum zu selektieren was als “Fakt” zu gelten hat. Plötzlich sind dann Ausseriridsche Formwandler die den US Präsidenten bewachen plausibel.

Dies ist natürlich auch eine gute Taktik, wenn man politisch mobilisieren will und seine Schäfchen auf die eigene Weltsicht einschwören möchte. Diese pauschale Verurteilung der “Presse” erinnert mich unter anderem an die Propaganda autoritärer Bewegungen und natürlich auch der Nationalsozialisten (Nein, kein Godwin. Bitte durchatmen und zu Ende lesen). Es ist auch ein ideales “Argument” um in einem Krieg alles vom Tisch zu wischen, was die Gegenseite sagt oder sagen könnte und so die Information zu kontrollieren. Diesen Zusammenhang suggeriert auch die unten stehende Grafik. Es zeigt die Verwendung des Begriffs “Lügenpresse” in den von google erfassten deutschsprachigen Büchern zwischen 1900 und 2008.


Meine Absicht hier ist keineswegs damit zu sagen, wer den Begriff verwendet sei deswegen ein Nazi. Die selbe Taktik findet sich auch bei linken Bewegungen. Dort ist die Presse dann zum Beispiele direkt oder indirekt dem herrschenden Kapital hörig oder von Finanz und Industrie gekauft. Oder man findet es in den USA mit dem so beliebten und auch bei uns angekommene “Mainstream Media” Totschläger. Es geht mir viel mehr darum aufzuzeigen, wie gefährlich eine solche pauschale Verurteilung ist. Die Grafik illustriert gut wie (oder vielleicht besser: wann) so ein Begriff instrumentalisiert werden kann.

Ich bin dafür jede Berichterstattung mit einer grossen Portion Skepsis zu konsumieren. Viele meiner Blogeinträge sind genau das: Eine Kritik an gedankenlos in den Medien wiedergekäutem. Die meisten von uns haben schnellen Zugang zu einer grossen Vielfalt an Quellen und echte Lügen sind relativ einfach zu erkennen und zu widerlegen.1 Genau das soll getan werden. Stadtessen einfach “Lügenpresse” zu brüllen ist hingegen reine politische Agitation. Es ist kein Argument, sondern eine einfache Lösung um seine eigenen lieben Theorien nicht hinterfragen zu müssen und sich die passenden “Fakten”einfach zusammen zu suchen. Wenn genug glauben, dass alles Lüge ist, dann kann mit dem Ruf “Wir sind das Volk” die Jagd auf beliebige Opfer eröffnet und auch begründet werden.

1Es gelten vielleicht unterschiedliche Massstäbe in einem autoritären Staat, wo die Medien tatsächlich unter (quasi) staatlicher Kontrolle stehen und der Informationsfluss stark gefiltert ist.

Kommentare (75)

  1. #1 Hobbes
    Dezember 19, 2014

    Tja diese Leuten glauben halt wirklich selber das sie Links wären. Das Problem ist: Zum Teil sind sie es sogar denn da alles was rechts ist in unserer Gesellschaft so verpönt ist das die Begriffe rechts und links so aufgeweicht sind das sich jeder alles zurecht biegen kann.

    Auszug aus dem Wikipediaeintrag zur Querfront:
    Unterpunkt:
    Ideologische Anknüpfungsfelder
    Ideologische Anknüpfungsfelder sind bestimmte Ausformungen des Antiamerikanismus, Antikapitalismus, der Globalisierungskritik und des Antiimperialismus. Auch orientiert sich die Querfront an Schwarz-Weiß-Denken in Freund-Feind-Stereotypen und antibürgerlichem Habitus. Weitere Felder sind Antizionismus sowie die damit einhergehende Ablehnung der Politik Israels, Antisemitismus und die Ablehnung des politischen Liberalismus.

    Weitere Denkweisen sind Antipluralismus, Irrationalismus und die Unterstützung von Verschwörungstheorien. Auch lehnen sie die Demokratie und den Rechtsstaat als Herrschaftsinstrumente von Eliten ab und haben ethnische oder soziale Kollektivvorstellungen.

  2. #2 odet
    Dezember 19, 2014

    Ich denke es ist ein generelles Problem von Bewegungen die nicht direkt Mainstream sind, daß sie Rede/Pressefreiheit mit der Rezeption des Gesagten/Geschriebenen verwechseln.

    Als Bespiel der Herr Sarazin, dessen Buch sich zwar über 100.000 mal verkauft hat (was ich jetzt erschreckend finde), der sich aber trotz der Absatzzahlen in seiner Redefreiheit beschränkt fühlt, weil nicht alle Medien seine Ergüsse als geistiges Mana gepriesen haben.

    Das Nichtakzeptieren grundlegenster Spielregeln in einer Demokratie ist wohl in der Tat hauptsächlich bei radikalen Bewegungen zu finden. Schlichter Geist/schlichte Parolen, wer nicht für uns ist, ist gegen uns and all that. Funktioniert ja im Moment ganz hervorragend.

  3. #3 altersack
    Dezember 19, 2014

    Einfach mal nach der Wende 1989/90 suchen und die Argumente gegen die “Ossies” begutachten …
    Gleiche Scheisse und hat nix mit “braun” zu tun die Leute sind nunmal so dämlich.
    Kommt aber auch wieder durch gewisse “Medien” aka “Propaganda”.
    Hat sich nunmal nichts wesentliches geändert in unserer Bananrepublik.

  4. #4 Piet
    Dezember 19, 2014

    Die Einstiegsworte bringen mich zur Frage, wie steht eigentlich BILD zu pegidings? (bisher her noch nichts in dem Zusammenhang irgendwo gelsen).

  5. #5 Alisier
    Dezember 19, 2014

    Was mir in dem Zusammenhang immer noch zu verstehen schwerfällt ist die Bereitschaft eines Großteils dieser Leute die gesamte russische Presse tendenziell als Hort der Wahrheit anzusehen.
    Brauchen die vielleicht jemanden, der ihnen sagt wos langgeht, und wenn es das Gegenteil dessen ist, was die eigene Lügenpresse schreibt, reicht das dann als Qualifikation?
    Es ist sicher nicht immer einfach Informationen zu überprüfen, aber auch bei diesen speziellen Verschwörungstheoretikern scheint das Interesse daran, Überprüfungskompetenzen zu erwerben, erneut sehr gering zu sein.
    Wie könnte man Menschen motivieren, solche Kompetenzen erwerben zu wollen? Denn dass Menschen grundsätzlich verstehen wollen, was so passiert, unterstelle ich einfach. Selbst Verschwörungstheoretiker aller Art wollen das, obwohl sie sich eben oft mit der erstbesten ihnen über den Weg gelaufenen Schrotterklärung zufrieden geben.
    Also, wie kann man diese Menschen erreichen? Vorschläge?

  6. #6 Joseph Kuhn
    Dezember 19, 2014

    @ Ali:

    Wenn man die Grafik mit dem Kursor abfährt, sieht man für 1917 den höchsten Wert mit 0,0000087535 %. Ist die Basis dazu die Zahl der Bücher? Das würde bedeuten, dass für 1917 mindestens ca. 11,5 Mio. Bücher zugrunde liegen müssen, damit der genannte Prozentwert herauskommen kann – d.h. dass das Wort mindestens in einem (!) Buch zu finden war. Kann das sein? Oder ist die Basis die Zahl aller Wörter in den eingescannten Büchern? Oder ganz etwas anderes?

    Davon abgesehen: Gibt es beim Google-ngramviewer eine Angabe zu absoluten Zahlen? Das wäre interessant, weil das Wort ja vielleicht heute absolut gesehen viel häufiger vorkommen kann, aber in einem noch viel größeren Buchmarkt (bzw. mehr von google eingescannten Büchern) seine relative Häufigkeit abnimmt.

  7. #7 MX
    Dezember 19, 2014

    @ Alisier:

    die gesamte russische Presse tendenziell als Hort der Wahrheit anzusehen

    Kein Wunder, die Staatszeitung hieß doch Prawda! Dass das der Hort der Wahrheit war, kann nur die westliche Lügenpresse anzweifeln. Die haben schon behauptet, die Amerikaner seien auf dem Mond gelandet und Putin habe die Krim annektiert. Alles Lüge.

  8. #8 peer
    Dezember 19, 2014

    @Alisier das ist sicherlich EIN Grund.
    Aber man liest auch immer wieder sinngemäß: Die Amis sind schlimm und der Feind meines Feindes ist mein Freund.
    Wenn man die Amerikaner nicht mag, muss man die Russen mögen – können ja nicht alle böse sein 😉

  9. #9 DH
    Dezember 19, 2014

    Der Bericht ist Spitze , fast schon Kunst.
    Ich möchte die Pegida nicht mehr missen , sie hat einen gewissen Unterhaltungswert.
    Mein persönlicher Favorit ist der mit dem grauen Zopf , der eigentlich wie ein Alternativer aussieht , und allen Ernstes fordert , man müsse Neuankömmlinge isolieren , “wegen der Bazillen und so “.

  10. #10 chris
    Dezember 19, 2014

    Da bin ich ja gespannt, wie die Kurve auf der Skala weitergeht – wenn denn die Bücher eingescannt sind, die jetzt gerade geschrieben werden.

    Hier:
    ein Beitrag aus einer anderen Zeit
    (und einer anderen Sphäre!!)

    http://youtu.be/Mw7tOnT-wxg

    … mit bekanntem Inhalt.

  11. #11 ali
    Dezember 20, 2014

    @Joseph Kuhn

    Der Prozentsatz beschreibt das Verhältnis zu den gesamten Wörtern im Datensatz (und nicht Büchern) oder präziser:

    Usage frequency is computed by dividing the number of instances of the n-gram in a given year by the total number of words in the corpus in that year.

    Beim alten deutschen Datensatz (so viel ich weiss wurde er inzwischen vergrössert) waren es 37 Milliarden Wörter.

    Da diese Struktur unter anderem urheberrechtlichen Überlegungen geschuldet sind, sind andere Zahlen dazu nicht so einfach zu finden (zB wie viele Deutsche Bücher im Datensatz sind):

    To make release of the data possible in light of copyright constraints, we restricted our study to the question of how often a given “1-gram” or “n-gram” was used over time. A 1- gram is a string of characters uninterrupted by a space;

    Beide Zitate stammen aus dem Science Artikel in dem 2010 das Projekt vorgestellt wurde (Michel, J.-B., Shen et al. Quantitative Analysis of Culture Using Millions of Digitized Books. Science (2010).) Ich glaube der Artikel ist frei zugänglich.

    Für absolute (Wörter-)Zahlen müsste man den Datensatz runterladen und selbst verarbeiten (das kann man hier).

    Da die Zahl der veröffentlichten Bücher im Verlauf der Geschichte beträchtlich gewachsen ist (vor allem wenn man weiter zurückgeht), scheinen mir die relativen Zahlen sehr viel aussagekräftiger. Dazu nochmals aus dem zitierten Artikel:

    The oldest works were published in the 1500s. The early decades are represented by only a few books per year, comprising several hundred thousand words. By 1800, the corpus grows to 60 million words per year; by 1900, 1.4 billion; and by 2000, 8 billion.

  12. #12 Joseph Kuhn
    Dezember 20, 2014

    @ Ali: Danke, dann ist die Welt (wenigstens in diesem Punkt) wieder in Ordnung.

  13. #13 Detlef Schulze
    Dezember 20, 2014

    Ich stimme mit dem Artikel ueberein. Was die Haeufigkeit von “Luegenpresse” angeht, koennte man aber auch argumentieren, dass in den Jahren in denen das Wort besonders oft verwendet wurde, die Presse tatsaechlich gleichgeschaltet war. Vielleicht hat sich der Unmut ueber die tatsaechliche Gleichschaltung der Presse und deren Propaganda lediglich in den Buechern niedergeschlagen.

  14. #14 rolak
    Dezember 20, 2014

    Unmut

    Da liegst Du mit Sicherheit falsch, Detlef, dieser Propaganda-Begriff diente gerade in den gleichgeschalteten Medien (Publikation mit Beispiel) zur Herabwürdigung all der Informationsquellen, aus denen zu schöpfen den zu beeinflussenden Anhängern jedweges Interesse ausgetrieben werden sollte.
    Also genauso wie heute auch: Lest da nicht, nur hier, denn alle außer uns lügen – ein Klassiker der selbstzensierenden Abschottung.

  15. #15 DasKleineTeilchen
    Dezember 20, 2014

    blöd nur, daß die pegida-anhänger (und nicht nur die) nach DER nummer hier, zitat;

    “Korrektur:
    Wie wir im Nachgang zur Sendung erfahren haben, handelt es sich bei einem der Demonstranten, die wir vor Ort in Dresden interviewt haben, um einen Reporter von RTL. Dieser Fakt war uns nicht bekannt. Im Interview äußerte er u.a. seine Sorgen bezüglich der Zahl der Türken im Straßenbild und des Bürgerkriegs in Syrien. Der Mann hat sich nun bei uns gemeldet und beteuert, dass er eigentlich anderer Ansicht sei und dass diese Aussagen nicht seiner Meinung entsprächen.”

    http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/Kontaktversuch-Luegenpresse-trifft-Pegida-,pegida136.html

    sich in ihrer einschätzung der “lügenpresse” voll bestätigt fühlen werden. ein echter bärendienst dieses vollidioten von RTL-honk.

  16. #16 ali
    Dezember 20, 2014

    @DasKleineTeilchen

    Bizarr.

    Man muss es ihm lassen, dass er die Rolle gut spielte. Fiel nicht auf unter den anderen Interviews.

  17. #17 Hobbes
    Dezember 21, 2014

    Wie kann dieser undercover RTL Mitarbeiter sich nur für ein Interview hergeben? Das ist doch so etwas von selten dämlich.
    Eine größere Attacke auf die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung kann man sich ja kaum ausdenken. Sollte ich jetzt jemals mit einen Anhänger der Bewegung reden und der bringt den Vorfall als Argument stehe ich echt auf dem Schlauch. Einziges Gegenargument: ” Das ist ein dummer Einzelfall” Reaktion: “Jaja der einzige der Aufgeflogen ist.” und schon war es das.
    So eine selten dämliche Aktion!

  18. #18 DasKleineTeilchen
    Dezember 21, 2014

    der einzige “vorteil” ist höchstens, daß der NDR das stantepede öffentlich gemacht hat, und der honk von RTL war (so von wegen GEZ-finanzierter “lügenStaatsrundfunk” vs privat). bizarr triffts wirklich, wenn man sich den hintergrund ansieht:

    http://www.heise.de/tp/artikel/43/43692/1.html

    (jaja, ist TP, aber als zusammenfassung passts)

    wenn ich nicht so paranoid wäre wie ich bin (hö?), würde ich als VT das szenario des agent-provocateure der privaten vs öffRecht bevorzugen. richtig lustig wirds mit der walraff-nummer dahinter.

  19. #19 C.Auinger
    Randersacker
    Dezember 21, 2014

    Die Gründe für die Glaubwürdigkeitskrise der Presse liegt doch nicht in dem fehlenden Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Recherchen und gelieferten Informationen ! Die Krise liegt doch in der Auswahl der Themen, die uns ein Weltbild vorgaukeln soll, dass es nur dann gibt, wenn mann diesen Informationen folgt. I don`t want to know, what the world want`s me to know. Es geht in der deutschen Sprache kaum deutlicher zu sagen.
    Das merken die Leute. Kein Mensch bekommt etwas mit von den Zuständen in den Reservaten der USA, aber die Pharmaindustrie braucht gerade zusätzlichen Absatz und jagt Schweinegrippe, Ebola, Vogelgrippe und BSE durch`s Dorf.
    Wenn das Thema dann ausgereizt ist, braucht die Innenpolitik wieder Rückenwind für härtere Gesetze. Also werden wird das Augenmerk auf Anschläge, am besten islamistische, gelenkt. Aber meint man wirklich deshalb gäbe es keine BSE Fälle mehr?
    Ist die Empörung über die Vergehen an Frauen in Indien erst einmal abgeklungen, wird die “Krim-geschichte” gekocht.
    1,2 Millionen tote Kinder pro Jahr durch Malaria, bleiben dann unerwähnt, nur weil “wir” verzweifelt unsere außenpolitischen Fehler im Umgang mit unseren östlichen Nachbarn vertuschen müssen. Und wehe es glaubt Irgendwer, dass plötzlich in Indien, menschlich, alles Gut ist.
    Jetzt stehen hier viele Reizworte drinnen die man angreifen oder so stehen lassen kann. Mir geht es NICHT darum Wahrheiten zu verbreiten. Man hätte die Themen auch durch andere ersetzen können und die wahren Gründe für deren Veröffentlichung könnten auch andere sein. Ich will hier nur aufzeigen wie gelenkte Nachrichten funktionieren und warum dieses Gefühl aufkommt, das zu solchen Demonstrationen führt.
    Gruß

  20. #20 rolak
    Dezember 21, 2014

    daß bein Informations’sperre’ incognito ‘ermittelt’ wird, ist Standard
    daß speziell das Boulevard auch agents provocateurs in die von ihnen bevorzugte Richtung drängeln läßt. ist sattsam bekannt
    daß die Unsäglichkeiten in Ausdruck, Ton und Metaphernwahl der Demonstrierenden 1:1 übernommen werden um sie zu charakterisieren (zB) ist ziemlich ernschreckend
    daß die Mär einer GeheimAgenda-SystemPresse zur Erklärung für die Verwendung des Schreckgespenstes GeheimAgenda-SystemPresse geliefert wird (zB) ist schon arg bizarr

    Speziell die letzten beiden Punkte zeigen, daß dies völlig haltlose NichtDenken wesentlich weiter verbreitet ist als Schöngeister es wahr haben wollen, daß das Hochkitzeln von sozial vererbten Ressentiments äußerst funktional ist. Es zeigt, daß sich aus der Historie genau eines lernen läßt, nämlich daß aus der Historie (im Allgemeinen und Mittel) nichts gelernt wird.

  21. #21 DasKleineTeilchen
    Dezember 21, 2014

    @rolak: *seufz*. sieht ganz so aus, pantoufle und sein stolpern über einen text von 1923:

    https://edelfeda.wordpress.com/2014/12/20/rudolf-rocker-antisemitismus-und-judenpogrome/

  22. #22 rolak
    Dezember 21, 2014

    <OT>

    Rudolf, the red-flag revolutionist

    Dieser Anarchosyndikalist hat sich bei seinem Kampf gegen die herrschenden Strukturen mir gegenüber derart gut getarnt, daß damals zu irgendeiner Weihnachtszeit die DokuVHS “Rudolf Rocker: Buchbinder und Anarchist” nur wegen der Erwartung eines kontemporären Meisterwerkes des Dadaismus angesehen wurde.
    surprise, surprise…
    </OT>

  23. #23 Dr. Webbaer
    Dezember 21, 2014

    Für den Schreiber dieser Zeilen liegt ‘Lügenpresse’ vor, wenn Nachricht und Meinungsbeitrag nicht mehr ordentlich getrennt werden, wie dies bundesdeutsch bei einigen Themata zunehmend der Fall ist.

    MFG + schöne Weihnachtstage!
    Dr. W

  24. #24 Dr. Webbaer
    Dezember 21, 2014

    Der Webbaer hat sich seit einigen Tagen spaßeshalber, ganz by the way, zur bundesdeutschen Pegida-Bewegung, die er nicht einzuschätzen vermag, wie folgt notiert:

    1 03:54 12.12.2014 NRW-Innenminister Ralf Jäger bezeichnet die Pegida-Aktivisten als ‘Nazis in Nadelstreifen’.
    3 18:53 12.12.2014 Gauck bezeichnet die Pegida-Aktivisten als ‘Chaoten’.
    5 23:43 12.12.2014 Özdemir bezeichnet die Pegida-Aktivisten als ‘Mischpoke’.
    7 07:30 13.12.2014 BILD unterstellt der Pegida-Bewegung ‘perfide’ zu sein.
    8 14:16 13.12.2014 NRW-Innenminister Ralf Jäger nennt die Pegida-Aktivisten ‘infam’.
    9 14:40 13.12.2014 Petra Pau bringt Mordaufrufe gegen sie mit der Pegida in Verbindung.
    11 22:02 13.12.2014 Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki ‘braucht’, wie er sagt, die Pegida ‘nicht’.
    22 06:38 15.12.2014 Bundes-Justizminister Maas sieht in der Pegida eine ‘Schande für Deutschland’, ‘Menschen mit einer klaren Affinität zur Ausländerfeindlichkeit’, ‘widerwärtig’ und ‘abscheulich’.
    23 21:49 15.12.2014 Die Montagsdemonstrationen haben weiter Zulauf und setzen neue Rekordmarken, Sprecher wie Gauland, Stürzenberger und Pirincci stehen mittlerweile als Redner bereit.
    27 00:35 16.12.2014 Frauke Petry fordert Bundes-Justizminister Maas wegen seiner abwertenden Äußerungen zur Pegida-Bewegung zum Rücktritt auf.
    28 00:37 16.12.2014 Merkel unterstellt der Pegida-Bewegung ‘Hetze und Verleumdung’.
    32 10:29 16.12.2014 Die Junge Freiheit titelt zu den zunehmend stärker werdenden Protesten der Pegida-Bewegung: ‘Aufstand der Anständigen’.
    33 10:37 16.12.2014 Yasmin Fahimi nennt die Pegida-Bewegung ‘Brunnenvergifter’.
    34 23:17 16.12.2014 Eine Umfrage der ZEIT zeigt beträchtliche Unterstützung der Pegida-Bewegung in der Bevölkerung.
    39 08:15 17.12.2014 Sigmar Gabriel ruft zum Dialog mit den Pegida-Aktivisten auf.
    41 04:52 18.12.2014 Der Journalist Fabian Köhler regt spaßeshalber angesichts der Pegida-Bewegung die erneute Bombardierung Dresdens durch Alliierte an.
    44 17:06 18.12.2014 Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick meint, dass ‘Christen’ bei der Pegida-Bewegung ‘nicht mitmachen dürfen’, dort gebe es ‘Rassismus’ und ‘diffuse Ängste’.
    50 04:23 20.12.2014 Georg Diez bringt die Pegida-Bewegung mit der Gestapo in Verbindung.
    51 05:42 20.12.2014 Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hält die AfD für ‘gefährlicher’ als die NPD.
    52 06:12 20.12.2014 Thomas Oppermann bezeichnet die Pegida-Aktivisten als ‘Rassisten und Nationalisten’.
    53 07:40 20.12.2014 Kardinal Reinhard Marx verbietet Christen ausdrücklich nicht bei Pegida-Veranstaltungen teilzunehmen.
    55 14:12 20.12.2014 Der jüdische Zentralratsvorsitzende Josef Schuster nennt die Pegida-Bewegung ‘brandgefährlich’.
    57 08:00 21.12.2014 Yasmin Fahimi bezeichnet die Pegida-Organisatoren als ‘geistige Brandstifter’.
    58 08:21 21.12.2014 Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, findet, dass die Pegida-Bewegung ‘christliche Grundsätze verletzt’.

    MFG
    Dr. W

  25. #25 Joseph Kuhn
    Immer wieder mal in Randersacker
    Dezember 21, 2014

    @ C. Auinger:

    “Mir geht es NICHT darum Wahrheiten zu verbreiten. Man hätte die Themen auch durch andere ersetzen können und die wahren Gründe für deren Veröffentlichung könnten auch andere sein. Ich will hier nur aufzeigen wie gelenkte Nachrichten funktionieren”

    Wenn Nachrichten durch aktuelle Ereignisse “gelenkt” werden, wie z.B. bei BSE, Ebola oder der Krim, sollte man nicht von “gelenkten Nachrichten” sprechen. Dass die Presse wichtige Themen nach Kurzem wieder fallen lässt, obwohl sie nicht erledigt sind, macht die Presse noch nicht zur “Lügenpresse”, es zeigt nur, was der Unterschied zwischen Nachrichten und anderen medialen Formen ist. Ich glaube auch nicht, dass man Zeitungen lesen möchte und könnte, die ständig alle relevanten Themen auf der News-Agenda behalten.

  26. #26 rolak
    Dezember 21, 2014

    könnte, die ständig alle relevanten Themen

    Sicherlich nicht, Joseph – schon deswegen, weil diese unmöglich vom Kiosk nach Hause transportabel wären.

    nichtssagende Liste

    α..ω Er trollt.

  27. #27 Alisier
    Dezember 21, 2014

    Immerhin zeigt C. Auinger beispielhaft, wie eine Begründung, dass die Lügenpresse auch wirklich eine ist, laufen könnte.
    Und wer dran glauben will, wird wohl leider dran glauben, komme was da wolle, und wir habens ja immer schon gewusst… aber was bitteschön sind “Schöngeister” im rolakschen Sinne??

  28. #28 Trottelreiner
    Dezember 21, 2014

    @Rolak, noch weiter ins OT reitend:
    Wäre Rudolf nicht eher ein black-flag revolutionist?

  29. #29 rolak
    Dezember 21, 2014

    eher

    Nee, Trottelreiner, das war absolut ausgeglichen – so wie die Beschränkung von mir ziemlich zwangsläufig.

  30. #30 www.generatoren-der-irrelevanz.de
    bei Dresden
    Dezember 21, 2014

    Es mag eine hübsche Beobachtung sein, wann das Wort Lügenpresse häufig genutzt wurde, aber von skandierten Rufen auf einer Demo Reflexion zu erwarten, kann nur wer nie auf einer war. Auch auf der Gegendemo, auf der ich war, kam nichts sinnvolles zur Sprache. Vielmehr handelt es sich um einen Protest über eine Medienlandschaft, die die Rufenden nicht repräsentiert. Auch ich finde, dass die öffentlich-rechtlichen Medien ihrem Informationsauftrag besser nachkommen könnten. Damit ist zwar eine Schnittmenge mit den Pegida-Leuten gegeben, aber vermutlich gingen die konkreten Änderungswünsche getrennte Wege.

  31. #31 Christian Buggisch
    Dezember 21, 2014

    Danke für den Hinweis auf die Book Search Statistik. Ich war gerade dabei, über den Begriff “Lügenpresse” im historischen Kontext zu schreiben und konnte das gut einbauen: https://buggisch.wordpress.com/2014/12/21/pegida-und-die-lugenpresse-ein-begriff-und-seine-geschichte/

  32. #32 chris
    Dezember 21, 2014

    @ #24 Dr. Webbaer
    Dezember 21, 2014

    Ich würde das auch ohne Probleme “Hetze” nennen können, was da auf seine Mitmenschen (was die Leute da bei Pegida auch sind) abgelassen wird.
    Das gilt auch als “Meinung”, wenn ich selbst der Meinung bin, dass die Leute zuweilen nicht von den intendierten (mitschwingenden) Unterstellungen ausgenommen gehörten. Wer verstünde sich und käme mit jedem auf dieser Welt schon “bestens” aus?

    Derart Hetzen finde ich absolut nicht angebracht. Vielleicht könnte man stattdessen mal sein Mitleid mit diesen Menschen kundtun? Stattdessen verhöhnen sie deren Auffassungen von Demokratie und deren vermeindliche “Durchblickfähigkeit” – welche ja ein Produkt der etablierten Gesellschaft sei.

    Die Beschreibung des Vorliegens einer “Lügenpresse” ist mal richtig gut. Aber ab wann sticht einem Rezipienten (also dem Subjekt) etwas niedergeschriebenes als “Meinung” ins Auge?
    Ich habe recht früh in der “Lügenskandal-Phase” dieses Jahr festgtestellt, das es einesehr deutliche Fallhöhe zwischen der NZZ speziell und den üblichen, auch hochwertigen Zeitungen in D. gibt.
    Putins angeblicher Angriff auf die Demokratie und so… hat ja allerhand “tendenzielles” in den Äther emittiert, woran sich reichlich als über das zugestandene Maß deuten lässt.
    Das Ganze lass sich in der NZZ dann auch in ganz anderer Qualität.

  33. #33 Withold Ch.
    Dezember 21, 2014

    So sehr der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übriglassende Hinweis auf die üble ideologische Vergangenheit dieses Begriffes zu begrüssen ist – er ist eine Wortkeule und muss jeden, der sich zur redlichen intellektuellen Elite zählt, wenn nicht erschauern, zumindest aufhorchen lassen.

    Das ist das Eine.

    Das Andere, und im jetzigen Zeitpunkt ebenso wichtige, bevor wir “… die Jagd auf beliebige Opfer eröffnet …” (A. Arbia) oder “… braucht sich über einen Aufstand der Anständigen nicht zu wundern.” (Buggisch) erleben, wäre doch, sich mit dem Sinn und den Hintergründen dieser “Normalbürger-Demonstrationen” zu beschäftigen.

    Offensichtlich gibt es in Deutschland und andern europäischen Ländern eine wachsende Zahl von Menschen, die sich von den Regierenden in ihrem Befinden, Gefühl, Empfinden nicht adäquat ernst genommen vorkommen und von den Medien auch nicht entsprechend ihrer “miesen” Befindlichkeit zitiert und abgebildet empfinden.

    Ergebnis sind die bekannten Politik- und Medienverdrossenheit.

    Man macht es sich meiner Meinung ein wenig zu einfach, nur diesen PEGIDA-Leuten eine “Anpassungsunfähigkeit” an irgendwo lokal sich abspielende Ereignisse und immer mehr global sich auswirkende Folgen zu attestieren, was es gewiss auch ist, oder eine mangelnde solidarische Haltung gegenüber verzweifelten Flüchtlingen aus den verschiedensten “failed states” oder Diktaturen vorzuwerfen, wenn nicht gleichzeitig und vor allem das offensichtliche Versagen der westlichen Regierungen und Wirtschaften bei der Bewältigung der vielen, sich laufend zuspitzenden Krisensituationen thematisiert wird.

    So unangebracht das Wort “Lügenpresse” ist, es kann jetzt noch unter grösster Anstrengung verstanden werden als Ausdruck eines wachsenden Misstrauens gegenüber einer verordnet empfundenen, “politisch korrekten” Interpretation der Wirklichkeit.

    Später mag man dann nur noch ans Weggehen denken, – aber wohin?

  34. #34 DasKleineTeilchen
    Dezember 21, 2014

    @rolak#22: hach, imma diese synchronizitäten, goil. /RAWilsonMod off.

  35. #35 Rainer Möller
    Dezember 21, 2014

    Zur allgemein verbreiteten Unaufrichtigkeit gehört sicherlich die unwissende oder böswillige Fehlinterpretation von Aussagen:
    Nur als Beispiel:
    odet #2 behauptet:
    “Als Beispiel der Herr Sarrazin, dessen Buch sich zwar über 100.000 mal verkauft hat (was ich jetzt erschreckend finde), der sich aber trotz der Absatzzahlen in seiner Redefreiheit beschränkt fühlt, weil nicht alle Medien seine Ergüsse als geistiges Manna gepriesen haben.”
    Nein, Sarrazin fühlte sich keineswegs in seiner Redefreiheit beschränkt, weil nicht alle Medien ihm zustimmen. Er fühlte sich in seiner Redefreiheit beschränkt, weil die Bundesregierung wegen seiner Äußerungen sein Ausscheiden aus der Bundesbank erzwang (er hätte seinen Verbleib juristisch durchsetzen können, verzichtete darauf aber aus falscher politischen Rücksichtnahme). Und ja, durch Entlassungen dieser Art wird die Redefreiheit beschränkt – das galt ja auch in der DDR für Robert Havemann und es gilt genauso in der BRD für Sarrazin!

  36. #36 rolak
    Dezember 21, 2014

    Klingt alles schön und gut – es wird aber anscheinend vergessen woher dieses generelle Mißtrauen kommt: Doch nicht von einem versagenden System und der von ihm gesteuerten, die Wahrheit unterdrückenden Medien (falls dergleichen überhaupt auch nur ansatzweise konstatiert werden kann), sondern von denen, die schon länger im selben Duktus gegen sie wettern, von den vorherigen Schreiern ‘Lügenpresse’, aus der ungebrochenen Xenophobie-Tradition in weiten Kreisen der Republik.

    Daß bei ungenügend Widerstand gegen derartigen Aktionismus solch Zielen auf niederste Impulse enorme Menschenmengen bewegen kann, ist ja nun wahrlich nichts neues. Das ist allerdings ein Manko der gesamten Gesellschaft, nicht nur eines Teiles (‘die Politik’) – denn auch wenn es bei Wahlen heißt ‘seine Stimme abgeben’ heißt dies nicht, sich zwischen denselben mundversiegelt in den Ohrensessel zurückziehen zu können. Erfreulicherweise ist deutlich mehr als nur ein Ansatz der nötigen Reaktion vorhanden, auch wenn damit das Defizit der vergangenen Jahre nicht und schon gar nicht sofort egalisiert wird.

  37. #37 rolak
    Dezember 21, 2014

    Klingt alles schön und gut

    Kleine Korrektur: Das gilt selbstverständlich nicht für solch obskure Art der der Legendenbildung und Märtyrergenese, sondern war angeregt von Withold.

  38. #38 MX
    Dezember 21, 2014

    das galt ja auch in der DDR für Robert Havemann und es gilt genauso in der BRD für Sarrazin

    Was für ein Satz. Unwissend oder böswillig? Vermutlich beides.

  39. #39 Alisier
    Dezember 21, 2014

    Böswillig…nö, glaub ich nicht….wetten, dass er nicht mal weiß wer Havemann war?
    Der war halt irgendwie jemand, der die da oben geärgert hat. So wie der große Sarrazin, ein Nachfolger Hermann Kants, des großen Philosophen….aber wahrscheinlch meint er eh den großen Sarrasani, passend zu Dresden und Pegida….

  40. #40 C.Auinger
    Dezember 22, 2014

    Hallo Joseph Kuhn,
    was machst du in Randersacker? Holst du dir Wein?
    Du schreibst: “Wenn Nachrichten durch aktuelle Ereignisse “gelenkt” werden, wie z.B. bei BSE, Ebola oder der Krim, sollte man nicht von “gelenkten Nachrichten” sprechen.”
    Das greift zu kurz und entspricht gerade NICHT dem was ich verdeutlichen wollte.
    Ehr ist es vielleicht von einer anderen Seite her zu verstehen:
    Es gibt aktuell etliche Dutzend bewaffnete Konflikte auf der Welt. Warum also werden immer dieselben in den Mittelpunkt des Interesses gelegt? Stereotype sind z.B.: Moslem vs. Christen.
    Würden die Medien Afrika als Focus haben, würde sich unser Weltbild verändert darstellen. z.B.: Soziales vs: Wirtschaftsinteressen.
    Läge der Schwerpunkt auf Chinas Rolle wären die beherrschenden Themen z.B.: Wohlstand vs.Umwelt.
    Durch die verschiedenen Betrachtungen mit verschiedenem Schwerpunkt, ergeben sich völlig andere Annahmen wie die Welt “wirklich ist”. Da unser Bewußtsein noch nicht groß genug ist um ALLES zu erfassen, bestimmt immer der betrachtete Ausschnitt die Annahme der Realität. So kann man Realitäten erzeugen, indem man nur spezielle Ausschnitte der gesamt Realität anbietet.
    Also ich meine eben nicht, dass Nachrichten durch Ereignisse gelenkt werden, sondern das ein Bewußtsein durch Auswahl der spezieller Nachrichten aus dem großen Pool aller verfügbarer Nachrichten geschaffen, oder wenn man will, gelenkt werden kann.
    “dass abebbende Nachrichten nicht mehr in den Schlagzeilen erscheinen” war als nicht als trauernder Nachruf an Diese gedacht, sondern sollte nur den vorhandenen Pool an alternativen Themen einfach verdeutlichen, und gleichzeitig die anderen Aspekte ansprechen die dabei mitschwingen.
    (Lenkung der Aufmerksamkeit durch Neugierde usw..)
    Wenn das so wäre, und man das über die Jahre hinweg spürte, könnte man schon auf die Idee kommen, auf die Strasse zu gehen. Fühlt man sich eh nicht repräsentiert und gesehen, könnte das dazu beitragen dieses Gefühl der Unzufriedenheit auch gegenüber der Presse zu verlautbaren.
    Gruß
    Claus

  41. #41 Withold Ch.
    Dezember 22, 2014

    @ rolak # 36

    … Doch nicht von einem versagenden System …

    Das “System” versagt schon nicht und gibt sich ja eine Heidenmüh, uns alle rasch ans Glasfasernetz anzuschliessen.
    Aber ich zweifle, ob dem “Volk” dann reiner Wein eingeschenkt wird. (Sorry, bisschen strapaziertes Bild …).
    Und die Medien unterdrücken die Wahrheit schon nicht, sie verschleiern sie auch nicht vor uns, im Gegenteil machen sie uns Mut im Aushalten von Disparität.

    … ungebrochenen Xenophobie-Tradition in weiten Kreisen der Republik.

    Turban zu Lederhose, – ist das zumutbar? Empfinden sich die Deutschen denn immer noch als eine Stammesgesellschaft? Das könnte eine gewisse Veranlagung zu Xenophobie indizieren.
    In dieser Republik wird vielleicht aus Angst vor wiederkehrenden Albtäumen zu sehr am Ideal einer homogenen Gesellschaft gehangen, anstatt sich zu überlegen, wieviel Heterogenität eine Gesellschaft verträgt, bevor Teile dieser Gesellschaft wirklich verloren gehen können.

    Im Widerstand gegen solchen Aktionismus kannst Du auf mich zählen, das schon, aber die Suche nach einer Erklärung für diese vorweihnächtlichen Aufmärsche ist für mich noch nicht abgeschlossen.

  42. #42 rolak
    Dezember 22, 2014

    noch nicht abgeschlossen

    Sicher nicht, Withold, der Kommentar war (in diesem Punkt) auch nicht die Deklaration der letztendlichen begründenden Wahrheit, sondern Einspruch gegen eine imho unangemessene Schuldzuweisung (zu banal: System, zu lokal: Politiker*), insbesondere aber gegen die obskure Auffassung, das Geschehen sei nicht mehrheitlich bzw wesentlich den pegidösen Agitatoren anzulasten.

  43. #43 Dr. Webbaer
    Dezember 22, 2014

    @ Herr Möller :

    [Sarrazin] hätte seinen Verbleib juristisch durchsetzen können, verzichtete darauf aber aus falscher politischen Rücksichtnahme (…)

    Diese Aussage deckt sich mit dem Kenntnisstand dieses Schreibers. Es zeugt aber von einer gewissen Größe keine Rechtsmittel eingelegt zu haben.

    MFG
    Dr. W (der bemerkt, wie der Islam polarisiert in der BRD)

  44. #44 Dr. Webbaer
    Dezember 22, 2014

    @ chris :

    Ich würde das auch ohne Probleme “Hetze” nennen können, was da auf seine Mitmenschen (was die Leute da bei Pegida auch sind) abgelassen wird.
    (…)
    Derart Hetzen finde ich absolut nicht angebracht. Vielleicht könnte man stattdessen mal sein Mitleid mit diesen Menschen kundtun?

    Mitleid ginge auch.
    Ansonsten: Sie meinen die Pegida-Aktivisten sind ‘Hetzer’?

    MFG
    Dr. W

  45. #45 Joseph Kuhn
    Dezember 22, 2014

    @ C.Auinger:

    “was machst du in Randersacker? Holst du dir Wein?“

    Ich hole Wein, denke über seine gesundheitlichen Wirkungen nach und frage mich, wann Bad Randersacker Kurort wird.

    “Da unser Bewußtsein noch nicht groß genug ist um ALLES zu erfassen, bestimmt immer der betrachtete Ausschnitt die Annahme der Realität.“

    Das ist in gewisser Weise und als Momentaufnahme richtig. Ein Thema steht auf der Agenda, ein anderes tritt in den Hintergrund oder bleibt grundsätzlich außerhalb der Betrachtung. Entscheidend ist, welche Mechanismen hier wirksam sind, z.B. z.B. die Unvermeidbarkeit der Tatsache, dass Aufmerksamkeit fokussiert ist, journalistische Recherchemöglichkeiten, tradierte Wahrnehmungsmuster, das gezielte Ausblenden bestimmter Dinge usw. Das sollte man auseinander halten.

    “So kann man Realitäten erzeugen, indem man nur spezielle Ausschnitte der gesamt Realität anbietet.“

    Der Satz vermengt wiederum den Bild-Hintergrund-Mechanismus mit Manipulation. Wie schon weiter oben gesagt: Es gehört zum Wesen von Medien, bestimmte Dinge (z.B. News) in den Vordergrund zu rücken und dadurch notwendigerweise andere – zumindest zeitweise – auszublenden. Das allein macht Medien noch nicht manipulativ.

    Ich will hier natürlich nicht die These in den Raum stellen, dass es keine „Medienwirklichkeit“ gibt, dass unsere Medien keine Interessen haben oder keinen Moden folgen. Aber man muss aufpassen, dass man das nicht pars pro toto nimmt und vor allem nicht die Existenz eines großen Manipulators suggeriert, wir haben ja durchaus eine pluralistische Medienlandschaft. Formulierungen wie „Realitäten erzeugen“ oder „Ausschnitte der Realität anbieten“ lesen sich leicht wie die Absichten eines solchen „großen Manipulators“, der übrigens ein Bewusstsein haben müsste, das groß genug ist, alles zu erfassen und auszuwählen.

  46. #46 Dr. Webbaer
    Dezember 22, 2014

    @ Herr Dr. Kuhn :

    Ich will hier natürlich nicht die These in den Raum stellen, dass es keine „Medienwirklichkeit“ gibt, dass unsere Medien keine Interessen haben oder keinen Moden folgen. (…)

    Es soll einmal auf das Bundesdeutsche bezogen die These in den Raum gestellt werden, dass Medien zunehmend weniger vom direkten Verkauf leben und dass sie zunehmend von Inhaber- oder Besitzverhältnissen gesteuert sind, eben auf die BRD bezogen.

    Ließe sich dieser Verdacht auch I.E. erhärten?

    MFG
    Dr. W (der weiter oben schon auf die zunehmende Mischung von Nachrichtenmeldung und kommentarischem Meinungsbeitrag verwies; Ältere, die bspw. noch die (auch: bundesdeutsche) Medienwelt der Sechziger und Siebziger kennen, könnte dies besonders aufstoßen?!)

  47. #47 Dr. Webbaer
    Dezember 22, 2014

    * Älteren
    >:->

  48. #48 Alisier
    Dezember 22, 2014

    “Vor allem Gebildete und Gutverdienende glauben, die Berichterstattung sei einseitig und politisch gelenkt.”
    Aufmacher der neuesten auf Zeit-online als Headline publizierten Umfrage.
    Wie schon anderswo bemerkt: ich denke, es wäre an der Zeit den Begriff “Bildung” zu überdenken. Ausbildung ist eben nicht gleich Bildung.
    Und ich erinnere mich in dem Zusammenhang immer an eine Diskussion über komplexe ökologische Fragen, in der jemand seine merkbefreite Position damit untermauerte er sei schließlich Arzt….für mich ist dieses “Gebildete meinen” ein Autoritätsargument in neuem Gewand, selbst wenn es nicht so gemeint sein sollte. Es wird aber dennoch von manchen genau als solches verstanden werden.

  49. #49 wereatheist
    Dezember 23, 2014

    @Rainer Möller, #35:
    Den Vergleich DDR/Robert Havemann zu D/Thilo Sarrazin finde ich ausgesprochen amüsant.
    Der arme Sarrazin, im Hausarrest und unter permanenter Überwachung.
    M.a.W. Sie Sind ein Idiot

  50. #50 wereatheist
    Dezember 23, 2014

    @Dr Webbaer, #46:

    Ältere, die bspw. noch die (auch: bundesdeutsche) Medienwelt der Sechziger und Siebziger kennen, könnte dies besonders aufstoßen?!)

    OOOh ja, ich erinnere mich noch recht gut an das ZDF-Magazin mit G. Löwenthal, und was soll ich sagen?
    Die sahen sich zwar sicher nicht als Gegenstück vom ‘schwarzen Kanal’, aber de facto waren sie es, und es war oft genug Propaganda.
    Die Steigerung: Lies, damn Lies, and Propaganda

  51. #51 Sim
    Dresden
    Dezember 23, 2014

    Lügen bedeutet ja mit Vorsatz etwas falsches zu sagen. So ein Vorsatz ist oft schwer nachzuweisen aber, dass falsche Dinge auch in den Medien behauptet werden kommt ja nun leider doch hin und wieder vor. Und auch durch das weglassen von Informationen kann ein falscher Eindruck entstehen oder durch Übertreibung.

    Wenn man sich mal die Mühe macht das Positionspapier von Pegida durchzulesen dann hat man dort nicht viel Angriffsfläche. Man spricht sich für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus, man ist gegen Rassismus, man ist für friedliche Muslime und für sexuelle Selbstbestimmung. Echte Streitpunkte ergeben sich ja nur da wo es heißt, dass man gegen die Aufnahme von “Wirtschaftsflüchtlingen” ist und das die geltenden Gesetze umgesetzt werden sollen.

    Darüber könnte man diskutieren, wenn es hier irgendwo um Inhalte gehen würde. Stattdessen werden hier Leute aufs übelste beleidigt und mit Ausdrücken belegt weil es sich hier um Themen handelt die einen gewissen Geruch haben. Einer der Wortführer hat eine kriminelle Vergangenheit, es laufen hier und da ein paar Nazis mit rum. Da kommt natürlich ein fauler Apfeleffekt zum tragen.

    Wenn bei 100 Leuten ein Nazi dabei ist, dann sind das also 99 Leute die sich mit einem Nazi abgeben und sich dafür rechtfertigen müssen und nicht etwa der Nazi was der bei den 99 Leuten macht.

    Dieser faule Äpfeleffekt greift jetzt noch viel weiter. Meine Heimatstadt wird gerade aufs übelste medial verunglimpft weil hier ein paar Tausend Leute mit ein paar faulen Äpfeln in ihren Reihen in der Gegend rumlungern. Und dann werden auch noch großspurig Erklärungen nachgereicht warum das hier gerade in Dresden so ein großer Erfolg ist die Pegida Bewegung und an der Stelle machen die Autoren dann gerne denselben Fehler den sie Pegida gerne unterstellen: Alle Leute über einen Kamm scheren. Da wird von der Nazivergangenheit fabuliert und Spießbürgern und das das ja alles nur in Dresden so möglich sei.

    Erstmal ist Pegida ein Medienprodukt. Da sind Selbstverstärkungseffekte am Werk. Die Medien berichten, da kommen noch mehr, die Medien berichten noch mehr weil noch mehr da sind, da sinds beim nächsten mal wieder mehr und so weiter. So konnte sich diese Demo von anfangs 350 Leuten zu 17500 Leuten hochschaukeln. Das sind doch größtenteils Eventteilnehmer. Die kommen von überall her München, Berlin, Köln, Wien, Amsterdam usw. Manche finden sich in da in einer der Positionen wieder, andere wollen einfach mal gucken und wieder andere wollen bissl Action. Und natürlich scheißt der Teufel immer auf den größten Haufen. Natürlich kommen die neuen Eventtouristen zur Demo mit der größten medialen Aufmerksamkeit und die findet nunmal in Dresden statt weil die Initiatoren hier angefangen haben.

    Aber das ist doch ein Witz: Dresden ist eine Großstadt mit über 500.000 Einwohnern. Selbst jetzt bei der größten aufgeblähten Teilnehmerzahl von 17.500 und selbst wenn das alles Dresdner wären, was sie nicht sind, dann wäre das nicht einmal 4% der Stadtbevölkerung. Da ist doch bei jedem Dynamo Spiel mehr los ( über 26.000 Zuschauer im Schnitt in der 3. Liga )

    Über 90% der Stadtbevölkerung hat mit Pegida gar nichts am Hut! Über die Gegendemonstrationen wird auch kaum berichtet. Klar, dass die bei diesem Spiel um Aufmerksamkeit schließlich den kürzeren ziehen. Am 8. Dezember waren die Pegida und die Gegendemos ungefähr gleich groß mit rund 10.000 Teilnehmer jeweils. Aber irgendwo haben die Leute auch mal was besseres zu tun als jeden Montag auf der Straße rumzuturnen während bei Pegida wirklich ständig neue Leute von überall aus dem Bundesgebiet nachrücken.

    Und dann gehen in München 12.000 Leute, was weniger als 1% der Stadtbevölkerung ist auf die Straße und sind für Freiheit und Toleranz und dann muss ich lesen, dass jetzt die weltoffenen Münchner den tumben Dresdnern zeigen was Toleranz ist obwohl in Dresden prozentual gesehen sogar mehr Demonstranten für Toleranz und dergleichen auf die Straße gehen. Und damit wird wieder dem nächsten Kilschee vorschub geleistet: weltoffener Wessi Vs. rückständiger, rechtsradikaler Ossi.

    Es ist so lächerlich. Wir haben mehr Ausländer in der Stadt als Pegidademonstranten. Und da schlag ich jetzt nochmal den Bogen zur Presse. Dafür, dass sie all diese Fakten mal ins rechte Licht rückt, wäre sie zuständig. Stattdessen arbeitet man sich an einem selbstgeschaffenen Phänomen ab. Ich bin froh wenn der ganze Spuk vorbei ist.

    Frohe Weihnachten.

  52. #52 generatoren-der-irrelevanz.de
    bei Dresden
    Dezember 23, 2014

    @Sim Sie bringen die ganze Unreife gegenwärtiger Debattenkultur auf den Punkt. Ich hatte auf Twitter versucht, diesen einfachen Sachverhalten — Anzahl der Gegendemonstranten in Dresden vom 8. Dezember und prozentuales Verhältnis zu Einwohner und Gegendemonstrant in Dresden und München — Gehör zu verschaffen, aber da will kaum jemand etwas von wissen.

  53. #53 Alisier
    Dezember 23, 2014

    Gut Sim, wahrgenommen. Und Verständnis für dein Verärgertsein habe ich auch.
    Das Positionspapier der Pegida sehe ich aber im Gegensatz zu dir als eine ideale Angriffsfläche, unter anderem weil die Forderungen belegen, dass sich die Schreiber entweder null mit der aktuellen Gesetzgebung auskennen, oder sich aber, falls sie sich doch auskennen sollten, einer klassischen Agitationsmethode bedienen um Ahnungslose aufzuhetzen. Nicht schön, egal wo das passiert.

  54. #54 rolak
    Dezember 23, 2014

    ideale Angriffsfläche

    Was auch schon lokal vorexerziert wurde, Alisier.

  55. #55 Alisierg
    Dezember 23, 2014

    Danke rolak….Die Punkte 9,13, 16, 17 sind z. B die, bei denen aus meiner Sicht als erstes Diskussionsbedarf besteht. Bei vielen anderen Punkten wäre es auch nötig, ein paar Fragen an die Verteidiger der Positionen zu stellen.

  56. #56 Sim
    Dezember 23, 2014

    @ Alisierg, rolak

    Ihr habt schon recht, dass es da noch genug Angriffsfläche gibt. Als ich meinen Beitrag abgeschickt hab ist mir dann auch schon noch aufgefallen, dass ich in dem Abschnitt relativ lasch mit den Positionen umgegangen bin. Ich will die Pegida ja auch gar nicht großartig verteidigen es ist eher so, dass ich mich gezwungen gefühlt habe etwas in die Richtung zu sagen weil die Kritik oftmals so überzogen und unter der Gürtellinie ist, dass es sich im Vergleich schon wieder liberal liest. Die Art und Weise der Angriffe schüren den Konflikt einfach nur weiter und wirken eher eskalierend.

    Die Ansichten der Pegida-Teilnehmer reichen von berechtigt, gut gemeint über naiv und grußelig bis hin zu rechtsradikal. Da ist alles dabei nur der Anteil der jeweiligen Meinungspositionen ist sicher nicht ganz klar. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass sich dort jeder in der Gruppe ein bisschen verstanden fühlt obwohl die Positionen teilweise weit auseinanderklaffen.

    Nur die Nazischablone passt eben nicht so ganz und das war denke ich ein Fehler dort so pauschal am Anfang draufzuknüppeln mit der Nazikeule, weil dann kommen die jetzt erst Recht und Lügenpresse-Reflexe zum tragen, dann spielt da auch noch so ein RTL-Reporter Hobby-Nazi es ist doch alles Wasser auf die Mühlen dieser Leute.

    Deswegen tut man gut daran, sachlich die Punkte der Positionspapiers abzuarbeiten und Kontra zu geben wo es geboten ist und ansonsten einfach mal links liegen lassen, so dass sich das auch mal wieder zerstreut. ( Insgeheim wünsch ich mir einen richtig schönen Schneesturm, dass nichts mehr fährt und hier keiner mehr Lust hat aufzutauchen. )

    Einfach ganz subversiv rangehen und sagen: gut Pegida hat jetzt das Thema Asyl und Flüchtlinge angerissen, da reden wir doch einfach mal über die Lebensumstände der Flüchtlinge in Deutschland. Wer kann was tun, was muss besser werden, wie kann man helfen? Tatsächlich soll ja sogar die Hilfsbereitschaft und Breitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen in Dresden gestiegen sein im Zuge dieser ganzen Demonstrationen, da hat es am Ende vielleicht doch noch was Gutes.

  57. #57 Orci
    Dezember 23, 2014

    @#35: Interessanterweise hat ihm das am Ende nicht gerade zum Nachteil gereicht – seine Pension entspricht der Höhe, die bei ursprünglicher Vertragslaufzeit fällig gewesen wäre und unmittelbar nach seinem Weggang von Berlin konnte er als Dozent für Finanzpolitik an der Verwaltungsuniversität zu Speyer wieder Fuß fassen. Die Bundesbank geht in ihrer Stellungnahme ja auch auf die Gründe ein, die sie zu ihren Schritten veranlasst haben. Insgesamt kann ich mir vorstellen, dass die ganze Geschichte den Verkaufszahlen seiner Bücher (zusammen rund 2,5 Millionen Exemplare) nicht eben geschadet hat…

  58. #58 wereatheist
    Dezember 24, 2014

    [Semi-OT] Wenn man das ngram-Spiel mit “Systempresse” versucht, erhält man eine 1-Peak-Verteilung. Und jetzt raten alle mal, wann besagter Peak war :O

  59. #59 WolfInSheepSkin
    Dezember 24, 2014

    Dieser Blog gehört natürlich auch zur Lügenpresse, nur mal so gesagt.

  60. #60 wereatheist
    Dezember 24, 2014

    solange er nicht zur SYSTEMpressse gehört…OK

  61. #61 wereatheist
    Dezember 24, 2014

    Wie auch tieffliegende jungfrauen

  62. #62 Positron
    Dezember 24, 2014

    Ist die Berichterstattung über PEGIDA eigentlich objektiv?

    Das bezweifelt zumindest der junge Herr hier:
    http://www.feuerbringer-magazin.de/2014/12/23/natuerlich-wird-nicht-objektiv-ueber-pegida-berichtet/

  63. #63 Hobbes
    Dezember 24, 2014

    “natuerlich-wird-nicht-objektiv-ueber-pegida-berichtet/”

    Aktuell versammeln sich Montags zwischen 10 und 20 Tausend Menschen in Dresden und demonstrieren aus unterschiedlichen Gründen von denen manche bei Teilen der Bevölkerung Erinnerungen an nationalsozialistische Umtriebe erinnert.

    So objektiver Part abgehakt. Was machen wir mit dem Rest der Zeitung?
    Pressefreiheit heißt nicht das alle Objektiv berichten müssen. Es heißt das jeder berichten darf wie er will. Und das nicht gelogen wird. Interpretationen sind immer Subjektiv und niemand hat ein Grundrecht gemocht zu werden denn die Grundpflicht jemanden zu mögen lässt sich mit Recht niemand aufzwingen.

  64. #64 Earonn
    Dezember 28, 2014

    “natuerlich-wird-nicht-objektiv-ueber-pegida-berichtet/”

    Hallo Pegida,
    wie man in den Wald hineinruft….

  65. #65 weyoun
    Dezember 30, 2014

    spannende entdeckung, ab 28:50 im ersten teil, rufen die teilnehmer “frei”,”sozial und national”, das ist bei den autonomen nationalisten eine gängige parole gerufen.
    bei 28:58 ist am rechten rand des bildes folgende nachfolgend verlinkte person zu sehen:
    http://www.bnr.de/files/imagecache/facebook/bilder/DSC09871%255B2%255D.jpg.
    es handelt sich um ein mitglied des mc schwarze schar, die machen/machten in koks und wohnungsprostitution.
    das sind die besten doitschen die man sich für geld kaufen kann

  66. […] lesenswert: Der Beitrag von zoon politikon, dem ich den Hinweis auf die Booksearch im Zeitverlauf […]

  67. #67 Wollux
    Berlin
    Januar 1, 2015

    Man kann Google natürlich auch ab 1800 suchen lassen und stellt dann fest, dass der Begriff “Lügenpresse” schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im “Bürgerlichen Realismus” durchaus gebräuchlich war und gewisse Journalisten ähnlich beliebt waren wie heute:

    Siehe Gustav Freytag: “Die Journalisten” (1853)

    http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-journalisten-3710/1

    Da war der Begriff “Lügenpresse” durchaus auch schon geläufig und von Nazis war weit und breit noch nichts zu sehen – aber das zur Kenntnis zu nehmen passt wohl nicht in’s Konzept!

  68. #68 ali
    Januar 2, 2015

    @Wollux

    Die Zeitspanne habe ich gewählt, weil ich möglichst vergleichbare Zahlen haben wollte und nicht weil nur diese Selektion mein Argument unterstützt. Die Anzahl der jährlich publizierten Bücher vervielfachtes sich über die letzten 200 Jahre und wuchs anfangs exponentiell. Ich denke es wäre fair in einem ersten Kommentar mir den guten Willen noch zuzugestehen und nicht gleich manipulative Absichten zu unterstellen. Erstens schulden wir das der Diskussionskultur hier. Zweitens ist das Revidieren von Meinungen in Anbetracht neuer Informationen möglich, ist das hier doch zuerst ein sozialwissenschaftliches Blog und nicht vorrangig eine Meinungsspalte. Belege haben da eben eine wichtige Rolle zu spielen. Also bitte nicht gleich mit Vorwürfen einsteigen, weil sonst reicht meine Freundlichkeit auch nicht weit.

    Nun zu den Daten. Ich habe mir die verlängerte Zeitspanne angeschaut und sehe nicht, wie es meinen oben gemachten Aussagen widerspricht.

    1. Ich schreibe explizit (und in Vorwegnahme von Kommentaren wie deinem), dass mein Argument nicht ist, wer “Lügenpresse” sagt, sei wie die Nazis. Der Peak von 1916 würde ja dazu auch schon nicht ins Bild passen.

    2. Es ist korrekt, dass der Begriff vorher auch schon eine Blüte erlebte. Diese war aber lange nicht so ausgeprägt wie die späteren oben abgebildeten. Dies rechtfertigte meine Auswahl ebenfalls.

    3. Der erweiterte Zeithorizont bestätigt eigentlich ziemlich gut was ich geschrieben habe. Der nächste Gipfel ist verdächtig nahe am Deutsch-Französischen Krieg und liegt in einer Zeit als der moderne Nationalismus sozusagen erfunden wurde. Ich habe den Verdacht, dass der kleinere Peak davor mit den Märzrevolutionen in Verbindung steht (als auch die Zensurbestimmungen geändert wurden) aber ich kenne mich da zu wenig aus.

    Nun hoffe ich, dass du ebenso bereit bist zu überdenken, was gerade “ins Konzept” passt und was nicht, wie du das von anderen auch erwartest.

  69. #69 Wollux
    Berlin
    Januar 2, 2015

    @ Ali

    Als der Begriff “Lügenpresse” vor einigen Wochen durch die Medien und deren Foren ging, habe ich ihn “gegoogelt” und auch sofort ein Diagramm incl. 19. Jahrh. – soweit ich erinnere von einem Wissenschaftler veröffentlicht – gefunden und im Zeit-Forum entsprechend argumentiert.

    Als ich dieser Tage den Beitrag noch einmal “ergoogeln” wollte, war das Netz voll mit Beiträgen und Foren, die den Begriff mit dem Nationalsozialismus in Verbindung brachten und die Geschichte dieses Begriffes nach 1900 beginnen ließen.

    Eines davon schien mir dieses Forum . Was ich tatsächlich übersehen habe, ist dass Ihnen weniger um die Geschichte des Begriffes als vielmehr wohl um ihre These: “Es ist auch ein ideales “Argument” um in einem Krieg alles vom Tisch zu wischen, was die Gegenseite sagt oder sagen könnte und so die Information zu kontrollieren.” geht.

    Ich habe also dieses Forum schlicht mit anderen verwechselt – was ich bedauere – und konnte dswegen auch nicht auf Ihre Argumentation eingehen, weil ich sie (noch) nicht kannte.

    Sie scheinen mir allerdings davon auszugehen, dass der Begriff “Lügenpresse” ausschließlich als ein Kampfbegriff zur Diffamierung einer die Wahrheit schreibenden Presse benutzt wird – also um eine “Freie Presse” faktisch auszuschalten:

    “Wenn man davon ausgeht, dass der grösste Teil der Informationen in traditionellen Kanälen (im weitesten Sinn) per Definition wertlos ist, hat man gleich viel mehr Spielraum zu selektieren was als “Fakt” zu gelten hat”

    Wenn denn der Begriff “Lügenpresse” aber überhaupt einen Sinn hatte und hat, dann doch als Bezeichnung einer Presse, welche im Sinne des Machterhaltes der machthabenden Gruppe Lügen verbreitet! Und wenn diese Gruppen ihre Lügen verbreiten wollen, dann natürlich über eine ihr beflissen ergebenen Presse! Das würde für die Nazizeit sicherlich kaum jemand abstreiten, bei den Berichten in deutschen Zeitungen mit einem gewissen “Redaktionsstatut” über die von der CIA inszenierte Staatsstreiche und Rohstoffkriege der USA wird die Meinung auch heute nicht ganz so einhellig sein.

    Richtig scheint mir zu sein, dass wir uns wieder einer Krisensituation nähern und die Menschen sich von Medien, die mit den Mächtigen auf vielfache Weise verbunden sind, nicht vorbeten lassen wollen, wer die “Guten” und wer die “Bösen” sind.

    Natürlich geht es den Machthabern immer um die Kontrolle der Information – das Problem scheint mir, dass viele Journalisten da viel zu bereitwillig mitmachen!

  70. #70 wereatheist
    Januar 2, 2015

    @Wollux, #69:

    Wenn denn der Begriff “Lügenpresse” aber überhaupt einen Sinn hatte und hat, dann doch als Bezeichnung einer Presse, welche im Sinne des Machterhaltes der machthabenden Gruppe Lügen verbreitet!

    Nö, weder im 1. Weltkrieg noch im Nazireich wurde der Begriff in diesem Sinne gebraucht. Kleiner Tipp: es war die jeweils staatstragende Presse, die diesen Begriff gebrauchte…

  71. #71 Dr. Webbaer
    Januar 4, 2015

    Natürlich geht es den Machthabern immer um die Kontrolle der Information – das Problem scheint mir, dass viele Journalisten da viel zu bereitwillig mitmachen!

    ‘Machthaber’ in zumindest negativ konnotierten Sinne gibt es nicht in denjenigen Systemen, die den Ideen und Werten der Aufklärung folgend gesellschaftlich implementiert haben; der Machthaber wäre hier in jedem Fall das Volk (vs. sog. Bevölkerung, die nicht wahlberechtigt sein muss).

    Was für die BRD, zumindest Außenstehenden, auffällt, ist eine Disproportionalität die üblichen politischen Meinungen, äh, meinend.
    Explizit liberale und konservative oder rechte Medien haben dort einen nur geringfügigen “Impact”, es überwiegt stark die rot-grüne mediale Sicht.

    Das muss oder kann einer Demokratie (im besseren oder besten Sinne des Wortes, auch die DDR war bspw. demokratisch, der Iran und Nordkorea sowieso) nicht gut tun; hieraus wäre dann wohl auch die Begrifflichkeit ‘Lügenpresse’ abzuleiten, die u.a. von der sogenannten Pegida-Bewegung verwendet wird.
    Beachtenswert auch, dass diese Leutz nicht einmal mehr mit der “Lügenpresse” reden.


    Was die bundesdeutsche “Mutti” hier in ihrer Neujahresansprache zu ergänzen wusste, fand der Schreiber dieser Zeilen auch nicht so-o “prall”.

    MFG
    Dr. W

  72. #72 C.Auinger
    Januar 7, 2015

    Hallo alle zusammen,
    nach ganz wenigen tagen Pause,…, möchte ich ein bisschen weiterdiskutieren. Ich grüße meinen “Freund” Joseph Kuhn.
    Ich trinke auch gerade ein glas Wein, aber ausnahmsweise mal keinen Franken. Ist trotzdem gut.

    ich schrieb:
    “Da unser Bewußtsein noch nicht groß genug ist um ALLES zu erfassen, bestimmt immer der betrachtete Ausschnitt die Annahme der Realität.“
    sie schrieben:
    Das ist in gewisser Weise und als Momentaufnahme richtig. Ein Thema steht auf der Agenda, ein anderes tritt in den Hintergrund oder bleibt grundsätzlich außerhalb der Betrachtung. Entscheidend ist, welche Mechanismen hier wirksam sind, z.B. z.B. die Unvermeidbarkeit der Tatsache, dass Aufmerksamkeit fokussiert ist, journalistische Recherchemöglichkeiten, tradierte Wahrnehmungsmuster, das gezielte Ausblenden bestimmter Dinge usw. Das sollte man auseinander halten.
    Ich entgegene:
    Genau davon spreche ich aber, und zwar nicht auseinander gehalten, sondern von den Möglichkeiten, jedes einzelne oder alle zusammen, zu steuern. Von dem ich glaube, dass das im großen Maß getan wird. Tradierte Wahrnehmungsmuster werden beibehalten wenn es nötig ist. Völlig neue Sichtweisen in den Mittelpunkt gestellt, wenn es gerade ins Konzept passt. (Energiepolitik bis Fukoschima, dann “Die Energiewende”)
    Recherchemöglichkeiten können geboten oder genommen werden. Was publiziert, oder dann weiterverfolgt wird, liegt doch letztendlich bei den Inhabern der Zeitungen. Ein Bayernkurier hat kein großes Interesse an der medialen Aufarbeitung der “Machenschaften” eines FJS oder seine sohnes Max, oder der Schwester.
    Oder sie hat GERADE ein Interesse daran. Abhängig davon sind Anzahl und Form der Berichterstattungen. Hat da nicht sogar einer aus der CSU Zentrale in manchen Redaktionen angerufen um Dinge “Klar zu stellen” ? Ich will mich nicht auf Parteien einschießen. So was passiert bei den meisten Parteien.
    Dies sind natürlich nur sehr grundlegende Beispiele, und der Bayernkurier ist natürlich ein Parteiorgan. Es zeigt jedoch, anschaulich, die wirksamen Mechanismen arbeiten. Da die Macht in den Medienlandschaften bereits sehr stark in den Händen von Konzernen, mit allen Möglichen Interessen,liegt, und sich immer stärker konzentriert, spiegeln sich auch immer stärker deren Interessen in den Meldungen. Ich sehe solche Mechanismen sehr deutlich, z.B.: auch ganz einfach in unserer Regionalpresse. Oder bei gekauften Artikeln als Werbemaßname. (Nicht immer als solche Gekennzeichnet!)
    Ich schrieb:
    “So kann man Realitäten erzeugen, indem man nur spezielle Ausschnitte der gesamt Realität anbietet.“
    Dieser Satz ist in sich stimmig, und in der Aussage auf das eben erwiderte bezogen.
    Sie schrieben:
    Es gehört zum Wesen von Medien, bestimmte Dinge (z.B. News) in den Vordergrund zu rücken und dadurch notwendigerweise andere – zumindest zeitweise – auszublenden. Das allein macht Medien noch nicht manipulativ.
    Ich erwidere:
    Das ALLEINE natürlich nicht. Aber das was ich oben ausführe schon.
    Sie schrieben:
    Ich will hier natürlich nicht die These in den Raum stellen, dass es keine „Medienwirklichkeit“ gibt, dass unsere Medien keine Interessen haben oder keinen Moden folgen. Aber man muss aufpassen, dass man das nicht pars pro toto nimmt und vor allem nicht die Existenz eines großen Manipulators suggeriert,
    ich erwidere:
    Hier gibt es gleich zwei Ungenauigkeiten.
    Erstens: “pars pro toto” vertrete ich hier nicht. Ich zeige Möglichkeiten auf, die Mechanismen zu verstehen. Daher rede ich in verallgemeinernder Weise, jedoch nicht um alles “Schwaz zu sehen”, sondern um die Zusammenhänge klarer heraus zu stellen.Das ist ein zulässiges Stilmittel.
    Zweitens: Ich unterstelle nicht die Existenz eines großen Manipulators. Ich unterstelle die Existenz von etlichen Manipulatoren, welche alle an ähnlichen Strängen ziehen.
    Deren Absichten sind kongruent.

    Lassen sie mich noch feststellen das sich meine Kritik an den Medien nicht alleine an den aktuellen Demos festmacht. Mein Antrieb hier zu posten war, zu helfen, den Blick auf (große Teile ) der Presse neu zu überdenken. In diesem Fall: Wer einmal erzählt was ein anderer ihm aufträgt, dem glaubt man nicht. Die Aufmerksamen haben mitbekommen, dass ich das Wörtchen “lügt” aus diesem Sprichwort herausgelassen habe.

    Ich bin kein Freund der rechten Bewegung, und habe gestern mit ca 100 000enden zusammen auf CAMPACT eine Pedition gegen die Pegidia unterschrieben.
    Vielleicht hilft diese, meine hier veröffentliche Meinung, ja dem einen oder anderen mitlesenden Pressevertreter, zu sehen, dass man an der Art seiner Arbeit auch gemessen wird.
    Ansonsten werde ich mich jetzt wieder meinem Weisburgunder zuwenden.
    Wenn sie mal Fragen zu unserem Wein haben, sie sind herzlich eingeladen.
    C.Auinger

    wir haben ja durchaus eine pluralistische Medienlandschaft. Formulierungen wie „Realitäten erzeugen“ oder „Ausschnitte der Realität anbieten“ lesen sich leicht wie die Absichten eines solchen „großen Manipulators“, der übrigens ein Bewusstsein haben müsste, das groß genug ist, alles zu erfassen und auszuwählen.

  73. #73 Joseph Kuhn
    Januar 11, 2015

    “Ansonsten werde ich mich jetzt wieder meinem Weisburgunder zuwenden.”

    Wohl bekommt’s. Ich hoffe, der Weisburgunder ist ein Weißburgunder und kein Weisburger 😉

  74. #74 rolak
    Januar 11, 2015

    hoffe, .. kein Weisburger

    Immer dieses unqualifizierte Herumhacken auf unbekannten Genüssen, Joseph, Weisburg-under ist doch nur die Lage, namentlich gebildet analog zum vielleicht bekannteren Daun-under in der Eifel. Kann halt nicht jeder ein Troll-inger sein.

    Nee im Ernst, seid achtsam für Verborgenes – ‘Fukoschima’ deutet ja auch dezent an, daß CA es Käse findet.