Ich hab mich schon viel zu oft nicht mehr aufgeregt! In meinen letzten Buchrezensionen habe ich fast ausschließlich Bücher vorgestellt, die ich gut fand und die ich deswegen auch gelobt und empfohlen habe. Aber das kann so ja natürlich nicht weiter gehen! Zum Glück habe ich im August neben einigen sehr schönen und interessanten Bücher auch eines gelesen, über das ich so richtig schön schimpfen kann…

Die perfekte Lesemaschine

Roland Reuß ist Literaturwissenschaftler und mag Bücher. Das ist prinzipiell ja noch nicht verwerflich; ganz im Gegenteil. Aber letztes Jahr hat er ein Buch mit dem Titel “Die perfekte Lesemaschine”: Zur Ergonomie des Buches” geschrieben. Darin erzählt er, was für ein fantastisch toller Gegenstand so ein Buch ist. Und auch das wäre noch kein Grund, sich aufzuregen. Immerhin besitze ich selbst viele hunderte Bücher, nehme sie gerne in die Hand; freue mich, wenn ich sie lesen kann, wenn ich die Seiten umblättern oder sie in meinen Regalen sortieren kann. Bücher sind ohne Zweifel nicht nur enorm nützliche und funktionale sondern auch sehr emotionale Gegenstände. Sie zu loben ist absolut gerechtfertigt – aber das, was Reuß in seinem Werk tut, ist alles andere als das. Ich habe selten so einen elitären, snobistischen und herablassenden Text gelesen wie “Die perfekte Lesemaschine”.

reuss

Kurz lässt sich der Inhalt so zusammenfassen: Früher war alles besser. Das Internet ist böse. Elektronische Texte sind noch viel böser. Bücher dürfen ausschließlich gedruckt gelesen werden. Aber bitte auch nur, wenn sie auf die richtige Art und Weise gedruckt werden. Und jeder, der etwas anderes behauptet, hat nicht nur keine Ahnung, keine Bildung und kein Niveau sondern beteiligt sich auch am Untergang des Abendlandes.

Und nein, das ist jetzt nicht übertrieben. Hier ist ein Zitat aus dem Buch, in dem es darum geht, dass man bei einem elektronischen Text nicht mehr vorab und dauerhaft festlegen kann, wie viele Zeichen in einer Zeile angezeigt werden:

“Wenn aber schon dieser grundlegende Parameter der Schriftapperzeption von einem Gestalter nicht bestimmt werden kann (und an ihm hängt mehr oder weniger die ganze Tradition abendländischen Lesens), läßt sich nur noch zwischen leichterer und schwererer typographischer Ohnmacht unterscheiden.”

Es steht also nicht weniger auf dem Spiel als die “ganze Tradition abendländischen Lesens”. Die natürlich jetzt auch durch meine Rezension gefährdet wird, weil mein Text abhängig vom Wiedergabegerät unterschiedlich angezeigt wird. Dieser Verfall von allem was gut, schön und heilig ist, zeigt sich unter anderem auch an der Verwendung der falschen Apostrophe. Reuß weiß ganz genau, wann man ein ‘ verwenden muss und wann ein ´ oder ein ` bzw. wann ein ” angebracht ist und wann nicht. Aber alle anderen wissen das anscheinend nicht mehr und schuld ist wieder einmal das Internet. Emails sind böse und Twitter ist böse und eine “umfassende theoretische Darstellung des Weltwirtschaftssystems” (fragt mich jetzt nicht warum Reuß gerade dieses Beispiel ausgewählt hat) kann niemals in elektronischer Form geschrieben werden und wenn, dann würde sie niemand verstehen können, weil man nur gedruckte Texte die absolut korrekt typographiert worden sind, vernünftig verstehen kann.

Es mag ja durchaus Gründe geben, warum man bestimmte Texte lieber gedruckt lesen möchte und nicht in elektronischer Form. Aber entsprechend seriöse und seriös vorgebrachte Gründe dieser Art konnte ich im Buch von Reuß nicht entdecken. Da wird nur ohne Ende über das “Netz” geschimpft und dieses Wort taucht immer in Anführungszeichen (und mit Sicherheit habe ich hier wieder die falsche Version verwendet) auf, so als wäre es eine Zumutung, diesen Begriff wie ein normales Wort zu behandeln.

Manche der Gründe für die Ablehnung nicht-gedruckter Bücher lassen sich nur schwer nachvollziehen. Reuß scheint beispielsweise der Meinung zu sein, das nur ein dreidimensionales Buch einen adäquaten Blick auf die Wirklichkeit zulassen würde. Die “Zweidimensionalität” eines Bildschirms sei eine “Verhaltensweise, die der Vernichtung der Welt applaudiert”. Andere Gründe sind schlicht und einfach nur von einem kaum zu ertragenden Snobismus geprägt. Ein Beispiel:

“Wie soll man beispielsweise etwas Sinnvolles über Joyce und den stream of consciousness oder die Form der Inversion in Hölderlins Dichtungstheorie schriftlich an das Publikum adressieren – in Blocksatz ohne Silbentrennung?”

Ja, wie nur, verdammt noch mal! All die tausenden Menschen da draußen, die verwirrt vor den großen Bücherstapeln mit den Unmengen von Texten über die Form der Inversion in Hölderlins Dichtungstheorie stehen und kein Wort kapieren, weil der unfähige Autor sie in Blocksatz ohne Silbentrennung geschrieben hat, können einem wirklich leid tun! Und wie oft habe ich schon probiert, etwas Sinnvolles über Joyce und den stream of consciousness zu vermitteln und dabei nicht bemerkt, dass nur deswegen niemand etwas verstanden hat, weil ich Vollidiot die falsche Blocksatzvariante verwendet habe!

Ernsthaft: Es mag ja sein, das in den hohen Sphären der Literaturwissenschaft und Textkritik tatsächlich ein akademisches Interesse daran besteht, nicht nur seriöse Inhalte zu produzieren sondern einen Teil des Inhalts auch über dessen Form zu kommunizieren. Und ohne Zweifel gibt es anderswo Bücher, deren Wert nicht nur aus dem Inhalt allein besteht. Große Bildbände (Übrigens: Die Verwendung von Farbfotos findet Reuß auch schrecklich; nur schwarz-weiß ist seriös) machen sich auf einem Ebook-Reader natürlich nicht so gut. Und viele bibliografische Kostbarkeiten sind nur ob ihrer Gegenständlichkeit kostbar und nicht wegen des Inhalts. Manchmal liegt der Wert eines Buchs in den Anmerkungen früherer Besitzer (wie zum Beispiel in diesem Fall).

Aber bei all der Liebe für das Buch scheint Reuß einen ganz wesentlichen Punkt zu vergessen: Ein Buch ist mehr als ein Gegenstand. Viel mehr. Das hat der große Astronom und Wissensvermittler Carl Sagan so gut gesagt wie kein anderer:

“Über die Jahrtausende hinweg spricht ein Autor leise aber klar direkt in deinem Kopf. Das Schreiben ist vielleicht die größte aller menschlichen Erfindung und verbindet Menschen, die einander nie kennen gelernt haben; Bürger verschiedener Epochen. Bücher brechen die Fesseln der Zeit. Bücher sind der Beweis, das Menschen imstande sind, Magie zu entfalten.”

Bücher sind vor allem dazu da, Geschichten zu erzählen. Und damit sind nicht Romane und andere Belletristik gemeint. Sachbücher erzählen genau so Geschichten wie wissenschaftliche Aufsätze, Lyrik oder Comics. Ich hab das vor ein paar Monaten schon mal betont: Wer Bücher liest, lernt die gesamte Welt kennen! Die Zukunft und die Vergangenheit, die Heimat und die Fremde, die Welt draußen vor der Tür und die Welt in den Köpfen anderer Menschen. Ja, die äußere Form eines Textes kann durchaus dazu beitragen, das Verständnis zu fördern oder zu behindern. Aber im Allgemeinen ist das Buch ein Medium, das die Geschichte vom Kopf eines Menschen in den Kopf eines anderen Menschen transportiert. Und das funktioniert mit einem gedruckten Buch genau so wie mit einem elektronischen Text. Es funktioniert mit einem Hörbuch auf CD genau so wie bei der vorgelesenen Gute-Nacht-Geschichte für Kind (das überhaupt kein physisches Medium braucht, um von einer Geschichte gefesselt zu werden). Den Wert der Geschichten in den Büchern zu ignorieren und stattdessen rein auf der äußeren Form zu beharren, ist keine Buchliebhaberei mehr, sondern reiner Fetischismus!

Aber natürlich hält Reuß auch das, was ich gerade gesagt habe, für großen Unsinn:

“Das allgegenwärtige content-Gerede und in seinem Gefolge oder als Parallelaktion (man weiß es gar nicht) die Verlotterung in der Behandlung von Schrift tritt dagegen nicht nur 2500 Jahre ästhetischer Reflexion mit Füßen. Mit seinem Implikat, es käme bei Zu-Lesendem auf die spezifische Form nicht an; mit der naiv zu nennenden Vorstellung, irgendwo auf der Welt läge unformierter ‘Inhalt’ einfach so vor, verrät es nur, daß es geistigen Gehalt so geringschätzt, daß es ihm nicht einmal mehr eine angemessene Inkarnation zu wünschen vermag. Im Kierkgaardschen Sinn ist diese ganze Art zu denken (wenn man diese Verweigerung, die Tradition des Nachdenkens über das Verhältnis von Materie und Form überhaupt nur zur Kenntnis zu nehmen, noch so nennen kann) Ausdruck tiefer Verzweiflung.”

Laut Roland Reuß bin ich also tief verzweifelt (zumindest im Kierkegaardschen Sinn). Ich selbst bin Herrn Reuß aber gewissermaßen dankbar für das Buch (und auch Julia, die mir dieses Buch geschenkt hat!). Denn es hat mir wieder ins Bewusstsein gerufen, warum ich Bücher so sehr mag. Warum ich meine Wohnung mit immer mehr Büchern anfülle und warum auch die Zahl der Bücher auf meinem Ebook-Reader immer weiter wächst. Warum ich weiterhin Tag für Tag Texte verfasse, die sowohl elektronisch als auch gedruckt erscheinen. Vielen Dank, Herr Reuß! Und vielen Dank auch, dass ihr “Buch” genaugenommen nur eine Broschüre von 88 Seiten Länge ist (ich wäre eigentlich überzeugt gewesen, dass alles ohne harte Buchdeckel rundherum ebenfalls des Teufels ist). Mehr hätte ich auch auf keinen Fall vertragen…

Blasmusikpop und Makarionissi

Wenden wir uns wieder erfreulichen Büchern zu. Im Kurzurlaub Anfang August war ich kurzfristig ohne Buch. In einem Buchladen habe ich dann “Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam” von Vea Kaiser gefunden. Die Existenz dieses Buchs war mir natürlich bewusst. Als es 2012 erschienen ist, gab es ja jede Menge Rummel um “Blasmusikpop” und die Autorin. Gefühlt wurde damals auf jedem Fernsehsender und in jeder Zeitschrift darüber berichtet und ausschließlich positiv und euphorisch. Ich bin dann bei sowas ja immer automatisch ein wenig skeptisch, irrational stur und lese das Buch dann absichtlich nicht. Aber eben weil das irrational ist habe ich mir das Buch nun doch besorgt. Ich habe mich auf die Terrasse gesetzt, die erste Seite aufgeschlagen und angefangen zu lesen. Und nachdem ich ein paar Stunden später die letzte Seite umgeblättert hatte, kann ich nun berichten: “Blasmusikpop” ist ein absolut großartiges Buch und der ganze Rummel damals war mehr als gerechtfertigt!

veakaiser

Vea Kaiser kommt aus Niederösterreich. Und ihr Buch spielt auch in Österreich; in einem nicht näher lokalisierten Bergdorf in den Alpen: St. Peter am Anger. Das liegt so richtig am Arsch der Welt und ist entsprechend rückständig und von ebenso rückständigen Bauern bewohnt. Bis eines Tages einer der Bewohner an einem Bandwurm erkrankt, nicht arbeiten kann und sich die Zeit damit vertreibt, alles über Bandwürmer zu lernen, was es zu lernen gibt. Fasziniert von der Medizin beschließt er, das Dorf zu verlassen, nach Wien zu gehen und Medizin zu studieren. Das tut er auch – lässt aber Frau und Tochter zurück. Der ungebildete Handwerker kommt als gebildeter Arzt wieder nach St. Peter und verzweifelt dort nicht nur an der Ignoranz der restlichen Bevölkerung sondern auch seiner Tochter. Sein Enkelkind aber will er aus der dumpfen Dorf-Tristesse retten und sorgt für dessen Bildung. Johannes wächst zu einem echten “Nerd” heran, dessen Interesse aber eher bei Geschichte und Geisteswissenschaft liegen, womit er aber wunderbar in das Klostergymnasium des Nachbarorts passt.

Das Buch überspannt mehrere Generation und endet in der Gegenwart. Vea Kaiser erzählt die Geschichte des Dorfes und vor allem die Geschichte von Johannes, der nicht nur mit den üblichen Problemen des Erwachsenwerdens zu kämpfen hat sondern auch mit einem bildungsfeindlichen Umfeld und einer bildungsfeindlichen Familie. Das Buch ist – wie schon gesagt – absolut hervorragend. Es ist spannend, es ist ist skurril, es ist lustig, es ist intelligent und ich habe schon lange keinen Roman mehr gelesen, der mir so viel Spaß gemacht hat! Wenn ihr es noch nicht kennt, dann lest es bitte auf jeden Fall!

Noch beeindruckender ist der Erfolg von “Blasmusikpop” wenn man berücksichtigt, dass es der Debütroman von Vea Kaiser war, sie das Buch während ihres Studiums geschrieben hat und bei der Veröffentlichung erst 23 Jahre alt war. Das lässt einerseits auf eine große Karriere als Schriftstellerin hoffen; andererseits aber auch befürchten, dass es nur ein einmaliger Erfolg war. Ich hab mir aber trotzdem direkt im Anschluss an “Blasmusikpop” das im Mai diesen Jahres erschienene zweite Buch von Kaiser besorgt: “Makarionissi oder Die Insel der Seligen”.

Auch dieses Buch habe mit großer Freude gelesen. Wieder ist es eine Geschichte, die in einem kleinen Bergdorf beginnt und sich über mehrere Generationen bis in die Gegenwart erstreckt. Wieder ist es voll mit skurrilen Gestalten und absurden Einfällen. Aber es ist trotzdem ganz anders als “Blasmusikpop”. Diesmal fängt die Geschichte in den 1950er Jahren in einem griechischen Dorf mitten im Nirgendwo an. Im Laufe der Zeit wechselt der Schauplatz nach Zürich, Chicago, Hildesheim und St. Pölten (St. Pölten!!). Und schließlich auf die griechische Insel Makarionissi. Ich versuche erst gar nicht, die Handlung zu erläutern, ohne dabei zu spoilern. Lest einfach zuerst “Blasmusikpop”. Dieses Buch ist wirklich großartig. Und wenn euch das gefallen hat, dann lest auch “Makarionissi” – ihr werdet es dann sicherlich ebenso gerne lesen.

Die Kunst der Navigation

Neben der snobistischen Literaturwissenschaft und guten Romanen habe ich im August auch noch ein empfehlenswertes Sachbuch gelesen. Es heißt “The Lost Art of Finding Our Way” und wurde vom Physiker John Huth geschrieben. Eine deutsche Ausgabe gibt es nicht, was schade ist. Denn das Buch hätte durchaus eine große Leserschaft verdient. Der Titel sagt im Wesentlichen schon, worum es geht: Orientierung.

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Huth erklärt, wie man sich auf dieser Welt orientieren kann. Und das so umfassend, wie es nur geht (manchmal vielleicht ein wenig zu umfassend). Es geht längst nicht nur um die Navigation anhand der Sterne oder die Funktionsweise von Kompass und Karte. Diese Themen werden natürlich auch sehr ausführlich abgehandelt – aber Huths Buch geht weiter darüber hinaus. Es enthält jede Menge historische Informationen darüber, wie Menschen in der Vergangenheit ihren Weg über die Erde gefunden haben. Huth erklärt die unterschiedlichen Techniken der Wikinger oder der Polynesier, sich auf dem Meer zu orientieren. Er erzählt, wie Entdecker und Forscher es vermieden haben, sich zu verlaufen bzw. sich aufgrund falscher Navigation so sehr verirrt haben, dass sie bei ihren Expeditionen zu Tode kamen. Er behandelt die neurologischen Vorgänge die dazu führen, dass wir die Orientierung verlieren und was im Gehirn passiert, wenn wir uns einen Weg durch unbekanntes Gelände suchen. Huth untersucht Mythen und navigatorische Hausmittel der Form “Moos wächst immer auf der Nordseite von Bäumen”. Er gibt praktische Tipps wie man Wind und Wetter, Wellen und Vögel, Flugzeuge und Planeten und jede Menge andere Objekte und Phänomene zur Orientierung nutzen kann. Er erklärt, wie das Magnetfeld der Erde entsteht, wie ein Segelschiff funktioniert, wie man einen Sextant benutzt, warum Wellen sich so verhalten wie sie es tun und wie man am Sternenhimmel die Zeit abliest.

“The lost Art of Finding Our Way” ist eine Fundgrube an Wissen über unsere Welt und zu Methoden, sich auf ihr zu orientieren. Und auch wenn das heute dank Smartphone und Navi kein großes Problem mehr ist, lohnt es sich trotzdem, darüber Bescheid zu wissen. Denn GPS und Navi-App mögen einen zwar zuverlässig ans Ziel bringen. Aber wer weiß, wie es auch ohne geht, lernt dabei Dinge, die man ansonsten nicht lernen würde und sieht die Welt danach ganz anders.

Was ich bisher schon rezensiert habe

Ich habe schon ausführlich über den lesenswerten Science-Fiction-Roman “Learning the World” von Ken MacLeod und seinen originellen Blick auf das Thema “Erster Kontakt mit Außerirdischen” geschrieben. Und natürlich habe ich mich auch im August wieder mit der Biografie einer Astronomin beschäftigt: Diesmal war es Hypatia von Alexandria.

Was ich sonst noch gelesen habe

Nicht mehr viel.

  • Ich habe das Buch “Endlich Mitwisser: Die allerbesten Fragen – beantwortet von Professor Holger” (Danke nochmal fürs Geschenk). Es ist genau das, was es verspricht zu sein: Eine Beantwortung von typischen Alltagsfragen, die Radiohörer gestellt und die Holger Wormer beantwortet hat. Vieles davon kennt man vielleicht schon, wenn man sich öfter mit solchen Themen beschäftigt, aber insgesamt ist es ein unterhaltsames Buch für zwischendurch, die man problemlos unterbrechen kann: Jede Frage wird auf höchstens zwei Seiten beantwortet und man muss nie mehr als ein bis zwei Minuten am Stück lesen (was das Buch übrigens zur idealen Klo-Lektüre macht).
  • “Valhalla” von Thomas Thiemeyer. Ich war ja von Thiemeyers Buch “Nebra” sehr begeistert. Ich fand auch “Magma” mit seiner Mischung aus Geologie und Aliens recht spannend. Ich hab dann aber festgestellt, dass beide Bücher beim mehrmaligen Lesen doch sehr verlieren, was immer ein Anzeichen dafür ist, das ein Buch nicht ganz so toll ist wie es den Eindruck erweckt. Extrem enttäuscht war ich dann von “Korona”; das war einfach nur noch lächerlich und wissenschaftlich schlecht recherchiert. Dementsprechend skeptisch habe ich mich zur Lektüre von “Valhalla” durchgerungen. Wieder ist es eine Mischung aus Wissenschaft und Mystery; diesmal geht es um Nazis, uralte Ruinen unter dem Eis von Spitzbergen und einen Killervirus. Na ja. Kann man lesen. Muss man aber nicht.

Die Links zu den Bücher sind Amazon-Affiliate-Links. Beim Anklicken werden keine persönlichen Daten übertragen.

Kommentare (34)

  1. #1 Harry
    Carpentras
    31. August 2015

    So, jetzt hab ich bei dem Reuß-Buch bei Amazon auf “Ich möchte dieses Buch auf meinem Kindle lesen” geklickt! 🙂
    (Sorry für die falschen Anführungszeichen)

  2. #2 Mike
    Berlin
    31. August 2015

    Snobistische Buchliebhaber: Hier noch ein Link zu einem ähnlich sonderbaren Menschen: https://www.buchreport.de/nachrichten/nachrichten_detail/datum/2014/02/05/unfug-beschiss-und-niedergang.htm

  3. #3 TheBug
    31. August 2015

    Hat der Herr Reuß auch kritisiert, dass man eigentlich auf den Bäumen hätte bleiben sollen?

  4. #4 Spritkopf
    31. August 2015

    Florian, dann ändere bloß die “skurillen Alpenwissenschaftler” in “skurrile Alpenwissenschaftler”. Falls der Herr Reuß jemals durch blanken Zufall hierhinfinden sollte… na, da steht dir aber ein Einlauf im Flattersatz bevor, der sich gewaschen hat. 😉

  5. #5 brian
    31. August 2015

    @Mike: Ihr “sonderbarer Mensch” scheint mir aber in einigen Punkten nicht ganz Unrecht zu haben, besonders das Thema Zensur und gläserner Leser sind nicht von der Hand zu weisen

  6. #6 Nora
    31. August 2015

    Bei dem Reuß-Buch kam mir sofort der Gedanke, wie es sich eigentlich mit Büchern in Braille-Schrift verhält. Die gibt es ja schon wesentlich länger als das “Netz”. Oder wie ist es mit Leuten, die aufgrund ihrer Sehbehinderung (oder einfach nur so) auf Hörbücher oder Vorlesetools zurückgreifen? Aber auf sowas geht der wahrscheinlich überhaupt nicht ein, oder?

  7. #7 Sardor
    31. August 2015

    Gedruckte Bücher? Ich verstehe Texte nur auf Steintafeln!

  8. #8 kdm
    31. August 2015

    Es gibt einen Grund, weshalb die Wischer nicht Hölderlin bis Joyce lesen, sondern stattdessen twittern oder ohne Bewusstsein bei der Datenkrake Facebook ihren banalen Senf zur Einheits-Soße geben.
    .
    FF: Keinen Respekt vor der Buchkunst? Also der Kunst, ein lesbares, ja: schönes, zum Lesen einladendes Buch herzustellen, mittels Auswahl der Größe, Schrift, Druckart, Stärke und Farbton des Papiers, ganz (nee: NICHT) zu schweigen vom Autor, vom Übersetzer…
    Ja, ich lese lieber ein GUTES, und ein GUT GEMACHTES Buch als auf dem Lesegerät meiner lieben Gattin – die das aber nur aus Not hat und nutzt = weil Bücher in ihrer Sprache kaum bei uns erhältlich sind (außer die mit den knallig bunten Umschlägen für die D’ppen)
    .
    .”…falls Sie die „Ilias” als E-Book lesen wollen: Bitte, wir leben in einer freien Gesellschaft, jeder kann machen, was er will. Nur: Alles, was wir über uns wissen, verdanken wir der Überlieferung aus Büchern, und das seit bald zweitausend Jahren. Bisher aber gibt es keinen Beweis dafür, dass die elektronischen Geräte ähnlich lange überdauern werden. … Wenn wir im Keller Bücher finden, die wir einst als Kind gelesen haben, bewegt uns das. Wenn wir aber eines Tages die Diskette finden, die wir als Kind verwendet haben, kann unser Computer sie nicht mehr lesen, und die Diskette ist dieselbe wie die einer beliebig anderen Person.” (Umberto Eco, Dezember 2010, FAZ interview)

  9. #9 Veit
    31. August 2015

    Und ich weiß jetzt auch warum dein Astronomieverführer nicht als E-Book erhältlich ist…
    Aber wenn man von den Thesen des Herrn Reuß ausgeht, darf man auch keine Übersetzungen lesen und die Ilias muß auf Pergamentrollen veröffentlicht werden.

  10. #10 Spritkopf
    31. August 2015

    …falls Sie die „Ilias” als E-Book lesen wollen: Bitte, wir leben in einer freien Gesellschaft, jeder kann machen, was er will. Nur: Alles, was wir über uns wissen, verdanken wir der Überlieferung aus Büchern, und das seit bald zweitausend Jahren.

    Wenn, dann möchte bitte die Ilias vorgesungen werden. Und zwar in Altgriechisch! Neumodischen Kram wie Bücher gabs nämlich in ihrer Entstehungszeit noch nicht.

  11. #11 peer
    31. August 2015

    Was ich nur komisch finde: Reuß schreibt von ” 2500 Jahre ästhetischer Reflexion ” – das ist doch etwas merkwürdig. Schriftsteller, die von einem größeren Publikum gelesen werden (und ein Publikum, das lesen kann) gibt es erst seit 200 Jahren (+/-). Der Buchdruck selbst stammt aus dem 15. Jahrhundert und davon gab es auch keinen einheitlichen Schriftsatz oderTypus – von einer einheitlichen Rechtschreibung ganz zu schweigen (die gibts etwa seit 150 Jahre).

    Wie man auch sonst zu ihm stehen mag: Seine Ausführungen sind historischer Quark. Und damit prinzipiell auch erst mal seine Schlußfolgerungen.

  12. #12 MartinB
    31. August 2015

    @kdm
    Also ich habe auf nem e-book-Reader Goethe, Stifter, Austen, Trollope, Shakespeare – ja, und auch die illias – gelesen.
    Klar ist ein schön gesetztes Buch hübscher – auf der anderen Seite erscheinen viele Klassiker bei Reclam, da ist der Unterschied nicht so groß. Und so kann ich den kompletten Shakespeare und Austens sämtliche Romane und und und immer dabeihaben und sie dann lesen, wenn meine Stimmung gerade danach ist.

  13. #13 MartinB
    31. August 2015

    PS: Mal davon abgesehen, dass die Klassiekr als ebook meist kostenfrei oder für sehr wenig Geld zu haben sind (Shakespeares Collected Works kosteten bei Amazon so etwa 1 Euro…). Aber Leute ohne Geld sollen ja vermutlich eh nicht lesen. (Und Leute, die weitischtig sind und sich über die variable Schriftgröße auf dem Reader freuen, schon erst recht nicht.)

    Ja, Buchsatz ist eine Kunst und ein gut gesetztes Buch ein Kunstwerk. Aber die Illias bleibt auch dann kunst, wenn sie in comic Sans auf nem ebook-Reader gelesen wird. Da verwechselt jemand den Rahmen mit dem Bild…

  14. #14 Lercherl
    31. August 2015

    Roland Reuß hat sich schon früher durch bemerkenswerte Ignoranz ausgezeichnet, als Initiator des Heidelberger Appells gegen Open Access.

    Auch dürfte er bemerkenswert wenig Ahnung haben, wie elektronische Medien funktionieren. Dass billig gemachte E-Books oft eine grauenhafte Typographie haben, ist richtig, hat aber vorerst einmal gar nichts mit dem Medium E-Book zu tun: Das gilt für billig gemachte Papier-Bücher aber genauso (dort noch verschärft durch schlechte Bindung und Papier).

  15. #15 Turi
    31. August 2015

    @kdm Nein, auch Bücher überleben nur in sehr sehr seltenen Ausnahmefällen 2000+ Jahre. Wir können die Illias nur deshalb lesen, weil sie über die Jahrtausende immer wieder kopiert wurde. Etwas, was sich mit elektronischen Medien in Sekundenbruchteilen durchführen lässt. Und zwar unabhängig vom Inhalt.
    Durch das böse Internet und der damit möglichen verteilten Infrastruktur haben wir sogar ein System, welches uns ermöglicht, Informationen für sehr sehr lange Zeit zu sichern. Momentan bräuchte es eine globale Katastrophe, um zum Beispiel bei Google gespeicherte Daten zu verlieren. (Oder ein extremer Programmfehler im Datenverwaltungssystem bei Google, aber selbst da gibt es Backups die eine Datenrettung ermöglichen)
    Es ist schade, dass diese Systeme zum größten Teil in der Hand von Konzernen sind. Aber es gibt keinen zwingenden Grund, warum das so bleiben müsste.
    Dazu kommt, das IT Systeme es erlauben, eine gewaltige Menge an Informationen zu speichern. Auf eine Festplatte passen mehr Bücher, als alle Bibliotheken in Deutschland zusammen aufbewahren könnten. Und da heutzutage mehr Bücher geschrieben werden, als jemals zu vor, und wir im Idealfall all diese Bücher aufbewahren möchten, kommen wir um eine elektronische Speicherung gar nicht mehr drumherum.

  16. #16 Spritkopf
    31. August 2015

    @Turi

    Dazu kommt, das IT Systeme es erlauben, eine gewaltige Menge an Informationen zu speichern. Auf eine Festplatte passen mehr Bücher, als alle Bibliotheken in Deutschland zusammen aufbewahren könnten.

    Dazu ergänzend: Es wird ja immer gern das Argument von der Diskette, für die kein Diskettenlaufwerk mehr existieren würde, oder von der Festplatte, die kaputtgehen könnte oder für die es kein Interface mehr gäbe, gebracht. Für mich ist dieses Argument nicht besonders relevant.

    Meine Daten – u. a. auch Bücher – befinden sich sämtlich auf meiner normalen Datenplatte und werden regelmäßig gesichert. Zeigt die Datenplatte irgendwann erste Ausfallerscheinungen wie Lesefehler oder verdächtiges Klackern, dann wird sie gegen eine neue getauscht und alle Daten darauf in einem Rutsch herüberkopiert. Sie befinden sich also stets auf einem technisch aktuellen Medium und existieren zudem nochmal als Sicherheitskopie. Sorgen über die Lesbarkeit von alten CDs oder Disketten muss ich mir damit keine mehr machen.

    Die beiden einzigen Fälle, in denen es problematisch wird, ist, wenn die Hütte abbrennt oder wenn ich dermaleinst den Löffel abgebe und 50 Jahre später einer meiner Nachfahren die Bücher auf der Festplatte lesen möchte. Im Brandfall – zumindest wenn ich anwesend bin – kann ich mir jedoch die Festplatte wesentlich leichter in die Tasche stecken als die rund 20 Meter Buchregal, die bei mir herumstehen.

    Für meine Nachfahren muss ich dann leider sagen: Pech gehabt (auch wenn es mich in dem Moment vermutlich nicht mehr besonders interessieren wird).

  17. #17 Lercherl
    31. August 2015

    Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich bei einem gedruckten Buch mit Zoom-Geste die Schrift vergrößern will, wenn ich sie schlecht lesen kann. Gerade für ältere Semester sind E-Book-Reader, speziell solche mit Hintergrundbeleuchtung ein Segen. Ich habe auf meinem Tablet mehr als 2000 E-Books, die meisten davon eingescannte Drucke von archive.org im DjVu- oder PDF-Format, also mit allen Feinheiten der Typographie des Originals.

  18. #18 Red
    31. August 2015

    Also ich hab das Buch ja nun nicht gelesen, aber seine Argumentation bewegt sich für mich auf dem Niveau “wer xy behauptet ist doof.” Nur eben mit kunstvoll zusammengestellten Fremdwortparaden ausgeschmückt.

    Ich lese 2 Arten von Büchern:
    1.) Belletristik: Dafür brauch ich kein Printmedium, Unterhaltung, die ich meist einmal konsumiere und dann in den meisten Fällen nicht mehr.

    2.) Fachbücher: Und da besonders Publikationen zu archäologischen Funden, Experimentalarchäologie, mittelalterliche Sachkultur usw. Hierbei gibts für uns Leser ein gravierendes Problem: Interessiert kaum jemand, Auflagen sind daher klein, Druckkosten pro Buch entsprechend hoch, ich hab nicht jedes Mal das Geld, mir für jedes Buch mal zwischen 60 und 300 EUR aus dem Gehalt zu brechen. Oder aber man kriegt die Sachen nur noch antiquarisch, dann kann man gut und gern mal 600 EUR und mehr auf den Tisch legen, nachgedruckt wird oft nicht, weil interessiert ja keinen (is klar für so viel Geld). Für genau solche Inhalte, ist es großartig, E-Bücher zu haben, günstig, unendlich vervielfältigbar, schnell und unkompliziert ver- und einkaufbar. Und mich interessiert der Geruch der Seiten und die Art des Absatzes einen Scheißdreck, wenn ich Informationen haben will. Das sind Bücher für mich. Informationen, die in mein Gehirn sollen, damit ich da drin was mit ihnen anfangen kann. Und ob die jetzt in korrekter Zeichensetzung daher kommt oder auf handgeschöpftem Büttenpapier oder als PDF-Dokument, ist mir dann relativ egal.

    Hat man wohl bei der Erfindung des Buchdrucks genauso gejammert über den fehlenden Respekt vor handgefertigten, blattgoldgezierten Pergamentseiten?

  19. #19 Florian Freistetter
    31. August 2015

    @Veit: “Und ich weiß jetzt auch warum dein Astronomieverführer nicht als E-Book erhältlich ist…”

    Doch – heißt da nur “Der Komet im Cocktailglas”, so wie die Hardcover-Ausgabe…

  20. #20 Florian Freistetter
    31. August 2015

    @kdm: “Es gibt einen Grund, weshalb die Wischer nicht Hölderlin bis Joyce lesen, sondern stattdessen twittern oder ohne Bewusstsein bei der Datenkrake Facebook ihren banalen Senf zur Einheits-Soße geben.”

    Also sind Leute, die elektronische Texte lesen, doofer als andere? Oder wie muss man das verstehen?

    “Keinen Respekt vor der Buchkunst? “

    Natürlich. Aber ein Buch ist nicht Selbstzweck. Ein Buch ist ein MEDIUM. Sich nur auf das Äußere zu konzentrieren hat nichts mit “Respekt” zu tun. Das ist, wie schon gesagt, Fetischismus.

  21. #21 Forodrim
    31. August 2015

    naja, der “sonderbare Mensch” Friedrich Forssman, der in den Kommentaren verlinkt ist, hat bei den Punkten recht, bei denen es nicht wirklich um das Medium “eBook” an sich geht, sondern eher um die rechtliche Gegebenheiten. Weiterverkauf von Büchern, Abschaltung von DRM Servern und mehr sind eher das Problem einer nicht mehr zeitgemässen Rechtslage.

    Sowohl Reuß als auch Forssman haben dabei das Problem, das sie beide offenbar nicht über ihren eigenen Tellerrand schauen können. Die Vorteile der eBooks, die Skalierbarkeit der Schriftgröße ist für Menschen mit Sehbehinderung z.B. sehr hilfreich, werden durch die eigenen Scheuklappen schlicht nicht gesehen.

  22. #22 Lercherl
    31. August 2015

    @Red:

    Hat man wohl bei der Erfindung des Buchdrucks genauso gejammert über den fehlenden Respekt vor handgefertigten, blattgoldgezierten Pergamentseiten?

    Selbstverständlich hat man das, mit Argumenten, die denen des Herrn Reuß bemerkenswert ähnlich sind. Sehr schön zusammengefasst in “Standardsituationen der Technologiekritik” von Kathrin Passig (leicht zu googeln)

  23. #23 Karsten
    Halle
    31. August 2015

    Da sind wieder interessante Lese-Vorschläge dabei – für mich als Bibliothekar ist natürlich insbesondere der Verriss des Lesens elektronischer Texte interessant. Vielleicht kann ich den unseren Fachreferenten als Buchvorschlag unterjubeln …
    (Nicht etwa, weil ich der Meinung des Snobs bin, sondern weil Kuriositäten wie diese nicht in Vergessenheit geraten dürfen …)

    Apropos: Deine Empfehlung vom 10.06. – The Three-Body-Problem – hat inzwischen den Hugo gewonnen!

  24. #24 Soturi
    31. August 2015

    Nunja, wenn Herr Reuß nicht in der Lage ist, inhaltlich was vernünftiges zu liefern, muss er das wohl durch die Verpackung kaschieren. Das ist genau wie bei einer Fertigpizza.

  25. #25 Kyllyeti
    31. August 2015

    “Wenn aber schon dieser grundlegende Parameter der Schriftapperzeption von einem Gestalter nicht bestimmt werden kann ….

    usw.

    Also eigentlich ist es mir doch total egal, in welchem Medium man sich einer unverständlich für mind. 95% aller Leser ausdrückt. Aber schade, wenn das in einem schön gemachten Buch passiert.

     

  26. #26 LasurCyan
    31. August 2015

    Das ist, wie schon gesagt, Fetischismus.

    Das ist wohl richtig, Florian. Sowas wie BuchstabenAbstände, passende Schriftschnitte, passende Papierwahl etc. sind inzwischen ziemlich elitärer Kram: Angewandte Kunst. Als solche sollte man das imho einfach auch betrachten und schätzen.

    Ansonsten bin ich ganz Deiner Meinung: Buch=Medium, völlig egal welches.

  27. #27 gaius
    1. September 2015

    schon wieder einer, der eine Kulturtechnik mit der Kultur verwechselt …

  28. #28 Snofru
    1. September 2015

    Dass billig gemachte E-Books oft eine grauenhafte Typographie haben, ist richtig, hat aber vorerst einmal gar nichts mit dem Medium E-Book zu tun.

    Doch, ein wenig schon. Bestimmte Entwicklungen sind sehr eng mit der technischen Entwicklung verbunden. Damit ein Text ansehnlich in Blocksatz mit Silbentrennung dargestellt wird, braucht es einiges an Rechenzeit. Wenn man nun ein Buch (oder PDF) druckt, wo die Schrift- und Seitengröße fest ist, dann kann man das im Vorfeld machen. Will man allerdings, dass Schrift- und Seitengröße variabel sind (z.B. im Browser oder E-Reader) dann muss man die Rechenzeit unmittelbar vor der Anzeige aufbringen. Für einen E-Reader ist das gleich doppelt ungünstig: es dauert erheblich länger um Text anzuzeigen und die Akkulaufzeit ist deutlich kleiner. Daher wird schlicht darauf verzichtet den idealen Textsatz zu berechnen. Sieht nicht immer ideal aus, ist aber trotzdem angenehmer zu lesen.

    Auch die “falschen” Anführungszeichen haben einen technischen Hintergrund: Tastaturen haben üblicherweise nur eine Variante und die meisten Systeme haben halt nichts um das zu korrigieren (zumal das von der Sprache des Anwenders abhängt).

    Ich kann ja verstehen, dass Leute hohe Ansprüche an die Texte haben die sie schreiben einschließlich des Textsatzes. Trotzdem ist das noch kein Grund alles andere schlecht zu machen. Eines der besten Informatik-Lehrbücher die es gibt ist in einer Schriftart die ich total schrecklich finde. Trotzdem ist es einfach ein gutes Buch was ich gerne weiterempfehle.

  29. #29 Tabori
    Berlin
    1. September 2015

    @Snofru Darf ich fragen, welches Informatik-Lehrbuch du meinst?

  30. #30 Turi
    1. September 2015

    @Spritkopf Da stimme ich voll zu, dieses Argument ist Unsinn. Solange eine entsprechende Datenbank gepflegt wird, lassen sich Probleme mit veralteten Datenformaten vermeiden. Und solange die Daten auf einer Verteilten Infrastruktur (z.B. einer “Cloud”) gespeichert wird, kann ja nicht mal ein Brand oder selbst eine großflächige Naturkatastrophe dieses Daten was anhaben. Anders als der Papiervariante. Man muss sich nur an die Zerstörung des Kölner Stadtarchivs und den riesigen Verlust an Historischen Dokumenten erinnern. Wenn ein Datencenter im Erdboden versinkt, gibt es alle Daten die darauf gespeichert waren noch mindestens ein mal, wenn nicht sogar noch öfter auf der ganzen Welt verteilt.

  31. #31 Richard
    1. September 2015

    @Snofru Der Rechenaufwand für vernünftigen Computersatz ist inzwischen kein Argument mehr.

    Die dafür notwendigen Algorithmen (und deren praktische Umsetzung) sind inzwischen fast 40 Jahre alt, und seit etwa zwanzig Jahren sind handelsübliche, massenmarkttaugliche Computer schnell genug um das in “Echtzeit” (will sagen: deutlich schneller als man lesen kann) abzuarbeiten. Aktuelle mobile Rechnersysteme (auch die eher “schwächlichen” Varianten, die in dedizierten eBook-Lesegeräten verbaut werden) schaffen das ebenfalls locker.

    “Zuwenig Leistung” passt da als Ausrede nicht mehr. Der echte Grund für miese eBook-Typographie dürfte eher “kein Interesse” seitens der Hersteller und “ist auch so schon gut genug” seitens der Kunden sein.

    @Tabori: Ich würde auf Knuths “The Art of Computer Programming” tippen…

  32. #32 MBeer
    München
    1. September 2015

    @Richard: the art of Computer programming? Da finde ich genau, dass das eher ein Buch für unseren Herrn Kritiker geeignet wäre – der Inhalt ist eher Mau, eine Ansammlung von Algorithmen, wie davon entfernt vollständig zu sein, aber die Form – Knuth hat nur für das setzen dieser Bücher immerhin tex und Metafont entwickelt, weil ihm bestehende Textsatzsysteme zu unvollkommen waren-und das , diesiehden Büchern meiner Meinung nach sehr deutlich an – Form vor Inhalt!

  33. #33 Richard
    1. September 2015

    @MBeer: Naja, auch die Form ist nicht jedermanns Sache.

    Sicher, der Satz selbst ist gut (TeX ist immer noch so ziemlich das Nonplusultra für automatisierten Satz von Bleiwüsten allgemein und mathematischen Bleiwüsten im Besonderen), aber die “Computer Modern”-Fonts mag halt nicht jeder…

  34. #34 Snofru
    2. September 2015

    Cormen et al., Introduction to Algorithms. Irgendwer kam auf die Idee Times als Schriftart zu nehmen. Schreckliche Wahl! Aber naja, das ist meine Ansicht 🙂

    Donald Knuths Bücher hingegen sind vermutlich einige am besten gesetzten Bücher die es gibt. Knuth ist bekannt als Perfektionist nicht nur was Textsatz angeht. Deswegen dauert es auch ewig bis neue Bücher erscheinen. Mal hoffen, dass er noch Band 5 schafft. Ich glaube 6 und 7 werden nichts mehr.