Der kosmische Mikrowellen-Hintergrund von WMAP nach drei Jahren Beobachtungszeit. Violett entspricht -200µK, Rot +200µK im Vergleich zur mittleren Temperatur. Bild: Max Tegmark [4], gemeinfrei.

In Teil 2 der Urknall-Serie haben wir die Hintergrundstrahlung kennengelernt. Der Cosmic Background Explorer COBE hatte ein erstes grobes Bild geliefert und seine wichtigste Erkenntnis war die Gleichförmigkeit und die thermische Natur der Hintergrundstrahlung. Eigentlich Beweis genug für den heißen Ursprung des Universums, aber es soll ja noch ein paar vereinzelte Zweifler geben, für die die Strahlung angeblich nur Wärmestrahlung von durch Sternenlicht aufgewärmtem Staub ist. Dass diese Annahme absurd ist, zeigen die Ergebnisse, die von COBEs Nachfolger WMAP (und später PLANCK) sowie dem BOSS-Projekt gefunden wurden.

 

Das Kleingedruckte lesen

COBE hatte in der Mikrowellen-Hintergrundstrahlung bereits eine Temperatur-Variation (Anisotropie – der Begriff bedeutet, dass die Strahlung nicht in jeder Richtung gleichförmig – isotrop – ist) im Mikrokelvinbereich gefunden, aber seine Auflösung von 7° war viel zu grob, um daraus irgendetwas abzulesen. Daher schickte die NASA 2001 die Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP) ins All, deren Auflösung zwischen 0,9° bei 22 GHz und 0,23° bei 90 GHz lag, also von ca. 2 Vollmonddurchmessern bis zu einem halben reichte, und die 45-fach kleinere Temperaturdifferenzen messen konnte. Die Sonde verfügte dazu über zwei Radioteleskope mit 1,4 m Öffnung, die in verschiedene Richtungen des Himmels wiesen und Differenzen in der empfangenen Strahlungsleistung zwischen diesen Richtungen aufzeichneten. Die Sonde scannte über 9 Jahre lang vom aus Sicht der Sonne eine Million Kilometer hinter der Erde gelegenen Lagrange-2-Punkt den gesamten Himmel ab und erstellte die obige Temperaturkarte (hier mal als Kugel dargestellt, statt der üblichen Mollweide-Projektion).

Wenn auch die körnige Struktur auf den ersten Blick zufällig und nichtssagend erscheint – nichts könnte ferner von der Realität sein. Tatsächlich steckt in diesem Kleingedruckten Information über sämtliche Parameter des Urknallmodells und die Folgen dieser Strukturen finden lassen sich noch im heutigen Weltall wiederfinden.

Aber was sind das eigentlich für Sprenkel? Nach der Urknalltheorie sind es die Relikte von Druckwellen, die durch das Plasma gelaufen sind und die eingefroren wurden, als das Plasma des Feuerballs abkühlte und sich in ein transparentes, neutrales Gas wandelte. Der Theorie gemäß entstanden Materie und Strahlung nicht vollkommen gleichförmig verteilt an jedem Ort, sondern es gab minimale Dichteunterschiede (gemäß der Inflationstheorie hervorgerufen durch Dichtefluktuationen im Quantenvakuum, die durch die Inflation auf makroskopische Größe aufgebläht worden waren).

Dort, wo die Dichte zufällig etwas höher war, bestand ein gewisser Überschuss an Materie und Photonen. Die Photonen konnten sich aber im Plasma nicht frei bewegen, sondern wurden von jedem Elektron, dem sie begegneten, abgelenkt, und auch das Elektron erhielt dabei einen kleinen Stoß in die Gegenrichtung, denn Photonen haben bekanntlich einen Impuls.

Dort, wo aufgrund des Dichteunterschieds ein Photonenüberschuss bestand, herrschte demgemäß ein gewisser Licht-Überdruck, der die Elektronen nach außen anschob. Da die negativ geladenen Elektronen die positiven Wasserstoff- und Heliumkerne elektrostatisch anzogen, wurden so zwangsweise auch die Baryonen (die Kernteilchen, Protonen und Neutronen) mitgezogen.

Wenn das Plasma auf diese Weise ausgedünnt worden war, kühlte es ab und der Lichtdruck ließ nach, so dass es zunächst unter der eigenen Trägheit weiter expandierte, bis es durch die Schwerkraft abgebremst und wieder zu den ursprünglichen Massenzentren hin gezogen wurde. Denn dort ruhte noch die Dunkle Materie, die von den Photonen unbeeinflusst geblieben und von der im Vergleich 5-Mal leichteren baryonischen Materie nur wenig mitgezogen worden war. Die baryonische Materie kollabierte also wieder, komprimierte sich, erwärmte sich dabei, was wieder zu einem Photonenüberschuss führte und das Ganze begann von vorne – die Baryonen oszillierten um die Verdichtungszentren.

Photonen und Baryonen bildeten so etwas wie eine Flüssigkeit, in der die Druckunterschiede sich wie Schallwellen ausbreiteten. Daher bezeichnet man den Prozess als Baryonische Akustische Oszillationen oder BAOs [1]. Die ‘Schall’geschwindigkeit in dieser Flüssigkeit war extrem hoch, denn der Druck wurde im dünnen Gas fast ausschließlich vom schnellen Licht vermittelt, sie betrug etwa 170.000 km/s oder knapp 60% der Lichtgeschwindigkeit.

Als das Plasma dann durch die Raumexpansion so weit abgekühlt war, dass es rekombinierte (die Kerne die Elektronen wieder einfingen), konnten die Elektronen die Photonen nur noch bei wenigen Frequenzen absorbieren und die Photonen entkoppelten sich so von der Materie und gingen fortan alleine ihres Weges, die BAOs wurden in der Hintergrundstrahlung eingefroren, wo sie gerade waren.

 

Der Zusammenhang im Chaos

Das entstandene Muster kann man sich ungefähr so veranschaulichen: man schmeiße eine handvoll Kies in einen ruhigen Tümpel. Kurz nachdem die Steine im Wasser eingeschlagen sind, mache man von ein Foto der Wasseroberfläche. Jeder eingeschlagene Stein hat kreisrunde Wellen um den Einschlagsort verursacht, die sich nun alle überlagern, die einzelnen Wellenbögen sind nicht mehr erkennbar, man sieht nur ein Gewirr aus örtlichen Wellenbergen und -tälern. Wie weit sich eine jede Welle ausgebreitet hat, ist schwer zu erkennen, aber mit Statistik lässt es sich ermitteln: man untersucht dazu, in welchen Abständen die gleiche Wellenhöhe am häufigsten wieder auftritt (z.B. die Maxima der Wellenbögen), d.h. man betrachtet über welche Abstände die Wellenhöhen am stärksten miteinander korrelieren. Daraus lässt sich dann ein Diagramm anfertigen, das über den Winkelabstand die Stärke der Korrelation darstellt (wie oft sich im jeweiligen Abstand die gleiche Wellenhöhe im Tümpel bzw. gleiche Temperatur in der Hintergrundstrahlung wiederfindet).

WMAP ermittelte dabei folgendes Diagramm, welches rekonstruiert, wo die einzelnen Wellenberge der BAOs sich zur Zeit der Rekombination befanden:

WMAPs räumliches Spektrum der kosmischen Hintergrundstrahlung. Das Diagramm gibt an, in welchen Winkelabständen (obere x-Achse) Temperaturmaxima in der Hintergrundstrahlung auftreten. Die Spitze (first peak) zeigt an, wie weit Baryonische Akustische Oszillationen sich in der Hintergrundstrahlung ausbreiten konnten. Die weiteren Spitzen sind Schwingungen höherer Ordnung, die ebenfalls auftreten. Bild: Silvestri & Trodden, “Approaches to Understanding Cosmic Acceleration”, arXiv, gemeinfrei.

Die Maxima der Kurve verraten etwas darüber, aus welchen Bestandteilen die Materie zusammengesetzt war [2]. Die ungeradzahligen Maxima (1, 3, 5…) entsprechen den Verdichtungen der baryonischen Materie, die geradzahligen (2, 4, 6…) den Ausdünnungen dazwischen. Die Verdichtung in den ungeraden Maxima wird durch die Eigengravitation der baryonischen Materie bestimmt – viel Masse sorgt hier für hohe Maxima. Die Ausdünnung wird durch die Rückstellkraft, d.h. Gravitation der zurückgebliebenen Masse im Zentrum bestimmt – hier verrät sich die Dunkle Materie.

 

Die Geometrie des Universums

Das erste Maximum (“First Peak”) liegt bei ca. 1° und entspricht der äußersten Wellenfront – so weit konnten sich die BAOs seit dem Urknall in Kombination ihrer Ausbreitungsgeschwindigkeit und der Hubble-Expansion ausbreiten. Den Absolutwert kann man aus den beiden bekannten Geschwindigkeiten ausrechnen und dem Winkelabstand gegenüber stellen – man erhält so ein Standardlineal. 1° in der Hintergrundstrahlung entsprechen 450.000 LJ Entfernung. Anhand der Größe dieses Winkels kann man weiter erschließen, ob die Geometrie des Raums flach, positiv (wie eine Kugel) oder negativ (wie eine Sattelfläche) gekrümmt ist.

“Flach” bedeutet hier, dass die Euklidische Geometrie gilt: Dreiecke haben eine Winkelsumme von 180°, der Satz des Pythagoras gilt, Kreise haben die Fläche πr² usw. Da unser Weltall dreidimensional ist, gilt alles dies auch in drei Raumdimensionen, “flach” heißt also nicht etwa zweidimensional wie ein Blatt Papier, sondern unverzerrt in allen drei Raumdimensionen.

Positiv gekrümmt ist eine Kugeloberfläche, hier gilt statt Euklid die sphärische Trigonometrie: Winkelsummen im Dreieck sind > 180°1, Pythagoras ist nicht erfüllt, Kreisflächen sind < πr² etc. Im dreidimensionalen Universum gilt dies wiederum in allen 3 Raumdimensionen, es gibt kein sichtbares “Kugelinneres”, wir befinden uns quasi in der Oberfläche einer vierdimensionalen Kugel. Ein solcher Universum heißt auch “geschlossen”. Bei negativer Krümmung ist alles umgekehrt: Winkelsummen im Dreieck sind < 180°, Kreisflächen > πr², Pythagoras gilt aber auch nicht. So eine Weltall heißt “offen”.

Aus der bekannten Entfernung und der Raumexpansion können wir berechnen, in welchem Sehwinkel 450.000 LJ erscheinen sollten, und 1° ergibt sich genau dann, wenn das Weltall flach ist:

Nach der Allgemeinen Relativitätstheorie kann das Weltall nur bei einer ganz bestimmten kritischen Dichte flach sein. Etwas dichter, und es kollabiert (geschlossen), etwas weniger, und es expandiert überproportional (offen). Ohne Dunkle Energie expandiert ein flaches Universum ewig mit einem Grenzwert des Hubble-Parameters von 0 (Stillstand im Unendlichen). Mit Dunkler Energie bestimmt diese den Grenzwert > 0.

 

Das Rezept des Universums

Das Verhältnis des zweiten Maximums zum ersten verrät die Dichte der baryonischen Materie: je höher das zweite Maximum ist, desto größer ist die Ausdünnung, desto leichter konnte der Lichtdruck die Materie auseinander treiben, und dies gelingt besser mit weniger baryonischer Materie. Das heißt umgekehrt, je niedriger das zweite Maximum im Vergleich zum ersten ist, desto mehr baryonische Materie ist vorhanden.

Die weiteren Maxima verraten etwas über die Dichte der Materie relativ zur Strahlung. Wenn der Strahlungsdruck gegenüber der anziehenden Masse zu stark dominiert, drückt sie die Materie so effektiv auseinander, dass sie sich danach kaum wieder verdichten kann, was die Maxima kleiner ausfallen ließe. Die Größe insbesondere des dritten Maximums besagt somit, dass eine bestimmte Menge Materie (gleich welcher Art) vorhanden gewesen sein muss und mit ihrer Gravitation alles zusammen gehalten hat. Zieht man die baryonische Materie davon ab, verbleibt die Dunkle Materie.

Durch sorgfältige Analyse des Spektrums und Vergleich mit Simulationen kann man somit erschließen, wie sich das Plasma zusammensetzte. Die sichtbare Materie trug demnach nur 5% zur kritischen Dichte bei, die aus dem Winkelabstand des ersten Maximums zwingend folgt, die Dunkle Materie weitere 27%. Der fehlende Rest von 68% muss demnach in der Dunklen Energie stecken.

Diese Zahlen passen gut zu den völlig unabhängig davon ermittelten Werten aus der lokalen Umgebung (Geschwindigkeiten von Galaxien in Galaxienhaufen, Hubble-Konstante und ihre zeitliche Entwicklung). Eine kleine, bisher unerklärte Differenz verbleibt.

Es erscheint jedoch vermessen, die Hintergrundstrahlung mit an Staub gestreutem Sternenlicht zu erklären, das dann nur ganz zufällig Strukturen aufweist, aus denen man unter Annahme der Urknalltheorie auf die richtigen Werte für die Dichten von leuchtender und Dunkler Materie sowie Dunkler Energie kommt.

 

Der End-BOSS macht den Deckel drauf

Und es gibt noch einen handfesten Beleg, dass die Hintergrundstrahlung das Plasma des Feuerballs sein muss: denn die BAO-Strukturen entwickelten sich weiter, während das Weltall expandierte. Dort, wo die Materie sich verdichtet hatte, zog sie sich zusammen und bildete Filamente aus Galaxienhaufen. Durch die Hubble-Expansion vergrößerte sich das Muster um den Faktor ca. 1100 (genauer: 1089). Das erste Maximum von ehemals 450.000 Lichtjahren liegt heute bei 500 Millionen Lichtjahren – also sollte sich in der großräumigen Verteilung der Galaxien bei diesen Abständen eine Häufung finden.

Ein Projekt namens BOSS (Baryon Oscillation Spectroscopic Survey) hat im Rahmen des Sloane Digital Sky Surveys (SDSS), eine systematische Kartierung von 1,5 Millionen Galaxien in einem umgebenden Volumen von 650 Milliarden Kubiklichtjahren vorgenommen, um nach den Spuren der BAOs im heutigen Universum zu suchen. Hier eine Karte, in der ich den relevanten Umfang von ca. 500 Millionen LJ als blaue Kreise an zwei prominenten Stellen hervorgehoben habe, wo schon für das bloße Auge eine ringförmige (in Wahrheit kugelförmige) Häufung erkennbar ist:

Schnitt durch die SDSS-Galaxiendurchmusterung. Der Schallhorizont (s.u.) aus den Baryonischen Akustischen Oszillationen ist als blauer Kreis um zwei Orte gelegt – die Galaxien häufen sich entlang dieses Horizonts. Bild: M. Blanton and SDSS, gemeinfrei. Kreise vom Autor eingezeichnet.

Die statistische Analyse von BOSS bestätigt den Eindruck. Man findet eine klare Häufung der Galaxiendichte in Abständen von knapp 500 Millionen Lichtjahren, wie das nächste Bild verdeutlicht, quasi das (allerdings spiegelbildliche) Pendant zum obigen räumlichen Spektrum der Hintergrundstrahlung:

Korrelation der Galaxiendichte in Abhängigkeit von der Entfernung. Die Entfernung ist in der Einheit 1/Hubble-Konstante (diese dividiert durch 100) angegeben; bei einer Hubble-Konstante von 70 km s-1 Mpc-1 bedeutet eine Einheit somit 1,42 Mpc und die Spitze bei 105 Einheiten entspricht 150 Mpc = 490 Millionen LJ. Dies entspricht dem Abstand des ersten Maximums in der Hintergrundstrahlung nach Wachstum um den Faktor 1100 durch die kosmologische Expansion. Bild: SDSS-Blog, Anderson et al. 2013b, gemeinfrei.

Es ist argumentativ wenig überzeugend, dies alles als Zufall abzutun – die Strukturen in der Hintergrundstrahlung geben die auf unabhängige Weise bestimmte Zusammensetzung des Universums wieder und, expandiert um die aus der Größe der Strukturen ebenso folgenden Rotverschiebung, die auch aus der Temperatur der Hintergrundstrahlung ableitbar ist, finden sich eben jene Strukturen in der heutigen Verteilung der Galaxien wieder. Das heutige Universum ist also nachgewiesenermaßen ein Abkömmling des Feuerballs. Damit ist der Urknall meiner Auffassung nach absolut wasserdicht abgesichert.

Aber damit nicht genug, im nächsten Teil gibt’s noch weitere Argumente.

Eine Übersicht und Zusammenfassung aller Artikel dieser Reihe gibt es hier.

 

Referenzen

[1] Prof. Edward L. Wright, “Listening for the Size of the Universe“, UCLA Astronomy & Astrophysics, 2014.

[2] Prof. Wayne Hu, “Ringing in the New Cosmology, Intermediate Guide to the Acoustic Peaks and Polarization” (ff.), Kavli Institute for Cosmological Physics, University of Chicago, Chicago, IL 60637, 2001.

[3] “WMAP Observatory Overview“, NASA.

[4] Max Tegmark, “A high resolution foreground cleaned CMB map from WMAP“, The Universes of Max Tegmark, 11. Mai 2006.

[5] SDSS, “SDSS III, BOSS Publications and Results“, 2013.

[6] SDSS, “Astronomers map a record-breaking 1.2 million galaxies to study the properties of dark energy“, 14. Juli 2016.

1 Zum Beispiel hat das Dreieck vom Nordpol über den 0. Längengrad zum Äquator, von dort nach +90° Länge am Äquator und von dort dem 90. Längengrad entlang wieder zum Nordpol 3 rechte Winkel, also 270°; kleine Dreiecke haben kleinere Winkelsummen, aber stets > 180°.

Kommentare (14)

  1. #1 Spritkopf
    27. Februar 2019

    Dass die Strukturen im CMB Dichtemaxima im Plasma zur Zeit der Rekombination repräsentieren und bei einem flachen Universum 1° Winkelausdehnung haben müssen, hatte ich schon gehört. Aber wie diese Dichtemaxima genau zustandegekommen sind und was man noch alles aus ihnen ablesen kann, wusste ich noch nicht. Insbesondere dass man in ihren “Obertönen” das Verhältnis von baryonischer zu Dunkler Materie wiederfindet, welches man heute in den Umlaufgeschwindigkeiten von Galaxien beobachtet, finde ich bemerkenswert.

    Danke für den Artikel. Wieder was gelernt.

  2. #2 schlappohr
    27. Februar 2019

    Wenn ich das richtig verstehe, sind die riesigen Voids zwischen den Filamenten also die Überbleibsel der ehemaligen BOAs? Aber dann verstehe ich eins nicht: nachdem das Plasma abgekühlt und die Elektronen eingefangen waren, haben sich die Photonen davon gemacht. Aber was ist mit der Materie, also dem abgekühlten Gas? Müsste das nicht in den Zentren der Voids weiterhin vorhanden sein?

  3. #3 Alderamin
    27. Februar 2019

    @schlappohr

    Das Gas hat sich in den Dichte-Wellenbergen verdichtet, wo es zuletzt hängen geblieben ist. Das sind die Zonen, die den ungeraden Maxima im räumlichen Spektrum entsprechen. Im Zentrum der Voids ist hauptsächlich Dunkle Materie zurück geblieben, aber sicher auch etwas normale Materie. Die Voids haben sich dann erst mit der Zeit ausgebildet, indem das Gas und die Dunkle Materie zu den Rändern oder zum Zentrum abgeflossen ist.

  4. #4 UMa
    28. Februar 2019

    @schlappohr, Alderamin:
    Hier gibt es errechnete Dichteprofile von Voids. Vielleicht hilft das ja weiter.
    https://arxiv.org/abs/1403.5499
    https://wwwmpa.mpa-garching.mpg.de/~komatsu/lecturenotes/Nico_Hamaus_on_voids.pdf

  5. #5 UMa
    28. Februar 2019
  6. #6 Alderamin
    28. Februar 2019

    Man darf sich auch nicht vorstellen, dass die Strahlung das Gas über weite Strecken bewegt hat, dazu war die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Strahlung viel zu groß und das Plasma zu träge, sondern es wurde nur wie bei Schallwellen lokal verdichtet und wieder auseinander gezogen. Es bewegte sich nur ein wenig hin und her. Aber dahin, wo es zuletzt dichter war, floss dann allmählich die umgebende Materie und erzeugt so Filamente und Voids.

  7. #7 Jens
    2. März 2019

    Hat man die Feinstruktur der Hintergrundstrahlung so voraus gesehen bevor sie gemessen wurde?

  8. #8 Alderamin
    2. März 2019

    @Jens

    Ja, denn man führte die heutige Struktur des Universums schon damals auf mutmaßliche Dichteunterschiede im Plasme der Hintergrundstrahlung zurück und war einigermaßen erstaunt, wie gering die von COBE gemessenen Temperaturdifferenzen tatsächlich waren, was dann einer der wichtigsten Gründe für den Bau von WMAP war.

  9. #9 Holger Gronwaldt
    9. März 2019

    Weiß jemand näheres über Dr. rer. net. Markus Blietz, der als evangelikaler Prediger solchen Unsinn verzapft:
    [youtube https://www.youtube.com/watch?v=9-qFa86mb7s?list=PL2G23eQwCqQVmMr9LuyzVgK7hbZGzZrAh&w=670&h=377%5D

    Wie ich herausgefunden habe, betreibt er ganz übles “quote mining”, d.h., er reißt Zitate aus dem Zusammenhang und schiebt seriösen Wissenschaftlern Aussagen unter, die sie so nie gemeint haben. Wie verträgt sich das eigentlich mit seinem – offensichtlich nicht mehr vorhandenem – Ethos als Wissenschaftler?

  10. #10 Spritkopf
    9. März 2019

    ganz übles “quote mining”

    Ach Mensch, Holger, das machen sie doch alle. Egal, ob Gitt, Scherer, Juncker oder jetzt Blietz – in dem Moment, wo sie auf Mission gehen, heißt es “Adé Wissenschaft” und “Adé Ratio”.

    Aber wie auch sonst? Wenn du vor der Aufgabe stehst, die Bibel als das einzig wahre naturwissenschaftliche Lehrbuch zu verkaufen, dann geht das nur über Unwahrheiten und Verdrehen von Fakten bis zur Unkenntlichkeit. Und du hast doch auch schon mit genügend Gläubigen diskutiert, um zu wissen, dass im Namen des HErrn gelogen werden darf, bis sich die Tapete an der Wand kräuselt.

    In den U.S.A. gibt es sogar ein Buch darüber: “Lying for Jesus”.

  11. #11 Holger Gronwaldt
    9. März 2019

    @Spritkopf,

    Ach Mensch, Holger, das machen sie doch alle. Egal, ob Gitt, Scherer, Juncker oder jetzt Blietz

    Natürlich, das ist schon klar. Die Frage, die ich hiermit zur Diskussion stellen möchte, ist nur, ob wir uns das gefallen lassen sollten?

    Schließlich üben diese Leute einen unheilvollen Einfluss auf ihr Zuhörer aus, unter denen sich auch viele junge Menschen befinden. Wie viele von denen gehen dann evtl. für eine wissenschaftliche Laufbahn verloren?

    Auf den wissenschaftlichen Ethos habe ich ja schon hingewiesen.

    Dass man u. U. etwas erreichen kann, ergibt sich vielleicht aus der Tatsache, dass Scherer auf seiner privaten Website sich vom Junge-Erde-Kreationismus distanziert:

    Anders als der Kreationismus denke ich, dass ein junges Alter (“Schöpfungsalter”) des Universums und der Erde nur entgegen der meisten derzeit akzeptierten astronomischen und geophysikalischen Daten geglaubt werden kann. Auch die Annahme, dass die meisten geologischen Schichtfolgen in einem Jahr gebildet wurden, erscheint mir mit geologischen und paläontologischen Daten unvereinbar.

    Quelle

    Ist immerhin ein Anfang. Ich werde mal bei Gitt und Blietz anfragen, wie sie sich zu dieser Aussage stellten.

  12. #12 Spritkopf
    9. März 2019

    @Holger

    Die Frage, die ich hiermit zur Diskussion stellen möchte, ist nur, ob wir uns das gefallen lassen sollten?

    “Sich das (nicht) gefallen lassen” halte ich für die falsche Wortwahl. Wenn du was gegen Blietzens Unsinn tun willst, dann nimm dir seine Videos vor und widerlege, was er in ihnen behauptet. Eine Plattform zur Veröffentlichung wird sich finden, ob nun hier bei Scienceblogs als Gastbeitrag, bei der Tube als Reactionvideo oder – wenn es um Evolution geht – auch als Gastbeitrag bei der AG Evolutionsbiologie. Zur Not kannste auch gern bei mir einen Gastbeitrag schreiben, aber da ist die Leserreichweite, sagen wir freundlich, begrenzt. 😉

    Schließlich üben diese Leute einen unheilvollen Einfluss auf ihr Zuhörer aus, unter denen sich auch viele junge Menschen befinden.

    Ganz ehrlich: Wer sich zu Vorträgen zu Universumsentstehung und Evolution zu fundamentalistischen Christen begibt, weil er seinen Glauben festigen möchte, der ist für den rationalen Diskurs so gut wie verloren.

    Es gibt zwar immer wieder Schäfchen, die aus irgendeinem Anlass das Gehörte hinterfragen und zu der Erkenntnis gelangen, dass der kreationistische Sermon hinten und vorn nicht stimmen kann, aber den Antrieb dazu muss jeder selbst finden.

    Auf den wissenschaftlichen Ethos habe ich ja schon hingewiesen.

    Laut seiner Selbstbeschreibung ist Blietz kein Wissenschaftler, sondern Patentmanager in der Industrie.

  13. #13 jaydoe
    Köln
    19. März 2019

    man stelle sich vor die religion über die ihr so “mit schmackes” ablästert käme daher die wissenschaft nicht ab zu tun, nein sie sogar fördern und nähren und einfordern von den menschen die glauben, und das eine würde das andere stützen

    wer widerspräche dort noch? nur noch die hartnäckigsten leugner 😉

    grüße und frieden und einsicht in die dinge

  14. #14 Alderamin
    19. März 2019

    @jaydoe

    na ja, der Entdecker der kosmologischen Expansion war Jesuit. Der Vatikan unterhält immer noch eine Sternwarte (mittlerweile in Arizona). Und Johannes Paul II war der Forschung auch nicht abgetan, erkannte gar die Evolution an.

    Aber irgendwo kommt es dann halt doch zum Konflikt, wo ER als Ursache oder Steuermann ins Spiel kommt. Bleibt auch immer weniger Platz, wo er noch eine Lücke füllen könnte.