Ja, genau – so reden echte Wissenschaftler ūüėČ

Naja – am Schlu√ü wird der M√∂rder endlich gefangen. Es war ein fanatischer Kreationist, der ein Doppelleben als erfolgreicher Naturwissenschaftler gef√ľhrt hat. Da aber alle seine Kollegen an den b√∂sen Darwin glaubten, mussten sie sterben. Unterst√ľtzt von einem ebenso fanatischen Hirnforscher, der den √úbermenschen schaffen will, werden alle umgebracht und nebenbei wird auch noch der Meteorit beiseite geschafft.

Ach ja – und auch die Knochen des “Missing Link”! Die hat n√§mlich Teilhard de Chardin in China ausgebuddelt und dann sind sie irgendwie im Archiv des Museums gelandet. Abgesehen davon, dass die Autorin nicht viel Ahnung hat, was ein “Missing Link” heutzutage ist – sie beschreibt es so:

“Die letzte Unbekannte der Darwin’schen Revolution… Das fehlende Element dieser langen Geschichte, die von Kopernikus bis Einstein, √ľber Galilei, Newton und Darwin das Bild, welches der Mensch von sich selber besa√ü, so tiefgreifend ver√§ndert hatte. Und ihn von seinem Sockel gest√ľrzt hatte, um ihn stattdessen auf die B√§um klettern zu lassen.”

– spielen diese Knochen f√ľr die Handlung eigentlich auch keine Rolle.

Fazit: Wer (l/s)eichte Lekt√ľre f√ľr den Strand sucht oder ein paar Stunden auf dem Flughafen/Bahnhof festsitzt, ist mit diesem Buch gut bedient. Wer sich einen interessanten Wissenschaftsthriller erhofft, wird entt√§uscht. Die Autorin hat wenig Ahnung von Wissenschaft und auch was den Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft angeht werden haupts√§chlich alte Vorurteile aufgew√§rmt.

P.S. Und schon wieder mal gibt es die √ľblichen Himmelsmechanik Klischees: Flugbahnen von Himmelsk√∂rpern sind (so wie in den ganzen Kinofilmen) sofort als 3D-Animation verf√ľgbar. Und man kann die Flugbahn eines Meteoriten, von dem man nichts anderes als den Absturzort auf der Erde kennt, definitiv nicht bis zum Orionnebel zur√ľckverfolgen! Auch nicht, wenn man ein hochdekorieter Astronom aus dem Vatikan ist ūüėČ


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Kommentare (9)

  1. #1 Kathy
    15. August 2009

    “Und man kann die Flugbahn eines Meteoriten, von dem man nichts anderes als den Absturzort auf der Erde kennt, definitiv nicht bis zum Orionnebel zur√ľckverfolgen! Auch nicht, wenn man ein hochdekorieter Astronom aus dem Vatikan ist ūüėČ ”

    Ach, du bist doch nur neidisch weil DU das nicht kannst! ūüėČ

  2. #2 BlauerEngel
    16. August 2009

    Vielleicht gefaellt Dir dieser Titel aus dem Jahr 2002:
    Timeline (von Michael Crichton)

    Beschreibung
    Eine Mischung aus Erkenntnissen der Quantenphysik, die geringf√ľgig eine Spur in die Zukunft weitergedreht werden, kombiniert mit einem Ausflug ins Mittelalter.

    Ein Forscherteam aus Historikern, Architekten und Physikern arbeitet in Frankreich an Ausgrabungen der Burg La Roque. Gesponsert wird ihre T√§tigkeit von der amerikanischen High-Tech-Firma ITC. Nach einem Besuch bei ITC kehrt der leitende Professor nicht zurueck. In den Ausgrabungen finden sie jedoch eine merkw√ľrdige Nachricht: “Helft mir”, datiert vom 07.04.1357 – in der Handschrift des Professors.

    Sie finden heraus, das es ITC gelungen ist, Menschen ins 14. Jahrhundert zu transportieren. Nur mit der R√ľckkehr in die Gegenwart gibt es noch Schwierigkeiten.
    Einige Forscher machen sich auf den Weg, den verschollenen Professor zurueckzuholen

    Schoene Gruesse
    BlauerEngel

  3. #3 Florian Freistetter
    16. August 2009

    @Blauer Engel: √úber Timeline hab ich hier schon mal geschrieben. Nicht so toll…

  4. #4 ali
    16. August 2009

    Ich bin ja immer noch auf der Suche nach einem vern√ľnftigen Buch, in dem ein Astronom oder eine Astronomin eine Hauptrolle spielt.

    Beklagt dich nicht. Finde mal eines in dem die Hauptfigur einen Abschluss in Internationalen Beziehungen hat…

  5. #5 Florian Freistetter
    16. August 2009

    @Ali: Na dann lass uns doch gemeinsam ein Buch ein schreiben! Ein Astronom und ein “Internationaler Bezieher” (?? Gibt es da kein Hauptwort? Kein Wunder, das niemand dar√ľber schreibt…) machen sich gemeinsam auf um… um was zu machen? Ideen?

  6. #6 Pan
    16. August 2009

    Das liegt doch – gerade nach dem letzten Post! – auf der Hand:

    Ein latent verr√ľckter Astronom entdeckt durch sein selbstentwickeltes Superteleskop ein UFO. Nat√ľrlich handelt es sich hierbei nicht um Hochzeitslaternen, Flugzeuge, Satelliten oder Leuchtreklame, sondern tats√§chlich um ein Alientransportger√§t.
    Daraufhin sendet der Astronom Signale, diese werden dank des universellen √úbersetzungsger√§ts auch verstanden und versetzen die Aliens in Panik, denn die Mission war ja geheim. Um jetzt nicht vom Ober-Alien vernichtet zu werden, beamen die Aliens den Astronom und dessen zuf√§lligerweise (vllt k√∂nnte man ihm eine √ľberlebenswichtige Funktion zuweisen und ihn was kochen lassen, verr√ľckte Wissenschaftler ern√§hren sich ja grunds√§tzlich nur von Dosenravioli und dem, was Mama so vorbeibringt.) anwesenden Freund mit IB-Abschluss (‘internationaler Bezieher’ klingt f√ľr mich nach Drogenboss…), in ihr Raumschiff und bringen beide als Geiseln/Versuchsobjekte/Zootiere auf ihren Heimatplaneten.

    Jetzt entwickelt sich eine totaaal lustige Geschichte, der Astronom bringt sich durch unbedachte Kommentare immer in akute Lebensgefahr, der F.m.IB-A. muss das verhindern. Viel Slapstick vom tolpatschigen (aber sooo niedlichen) Astronom, viel (immer unverstanden!) Ironie und Zynismus vom F.m.IB-A.

  7. #7 TSK
    16. August 2009

    Man mag ja viel gegen Michael Crichton sagen, aber insbesondere den Film “Andromeda – T√∂dlicher Staub aus dem Weltall” (lief Samstag im Fernsehen) finde ich eines der besten und √ľberzeugendsten Wissenschaftsthriller, insbesondere da sich wirklich M√ľhe gegeben wurden, die Fakten plausibel zu halten. Jedoch keine Astronomen dabei.

    Dagegen sind solche B√ľcher einfach halt platt. Und die Plotelemente sind f√ľr Astronomen bzgl. Thriller halt rar ges√§t, wenn die Ausbildung ein Punkt der Handlung
    ist….was bleibt au√üer Meteoritenentdecker √ľbrig ?

    Hm, wie wäre es mit einem angeblich entdeckten, unerhört wertvollen Maja-Kodex,
    der zum Streitpunkt zweier Länder wird, weil er in der Nähe der Grenze entdeckt
    wurde und eine Gro√ümacht, um alte Rechnungen zu begleichen, ein Land unfair unterst√ľtzt ? Ein Himmelsmechaniker, der den angeblichen Kodex untersucht, findet
    bei seinen Untersuchungen heraus, dass alles pa√üt, aber irgendwie…stimmt doch was
    nicht. Und der Diplomat, der beide Seiten (mehr oder minder erfolgreich) dazu bringt,
    einen Krieg zu vermeiden, obwohl eine Seite st√§ndig unfair und kriminell arbeitet, bekommt spitze Ohren, als der Astronom Zweifel √§u√üert, die er offiziell nicht begr√ľnden kann.

  8. #8 Florian Freistetter
    17. August 2009

    @TSK: Himmelsmechaniker sind √§u√üerst selten Spezialisten f√ľr Maya-Kodizes…

  9. #9 TSK
    17. August 2009

    > Himmelsmechaniker sind √§u√üerst selten Spezialisten f√ľr Maya-Kodizes…

    Es geht nicht um die √úbersetzung, sondern um die √úberpr√ľfung der darin
    angegebenen astronomischen Positionen.
    Franz Krojer hat z.B. ein sehr gutes Buch “Die Pr√§zision der Pr√§zession”
    geschrieben, in denen mit Retrokalkulationen der Almagest und
    babylonische Keilschrifttafeln bestätigt werden, was die
    These der “Phantomzeit” – Velikovskianer widerlegt.
    Die fr√ľher vom Astronomen Hermann verwendeten Sonnenfinsternisse
    haben den schwerwiegenden Nachteil, dass sich die Zeitpunkte teilweise
    im Kreise drehen, weil zur Datierung ebenfalls Retrokalkulationen
    benötigt werden.

    Die Maja-Kodizes wurden u.a. anhand der darin astronomischen
    Positionen datiert.