Am Freitag Abend ist nicht nur der Asteroid 2012 DA14 knapp an der Erde vorbei geflogen. Über Russland ist am Freitag Morgen ein anderer Asteroid in die Atmosphäre der Erde eingetreten und hat dabei große Zerstörungen verursacht in deren Folge viele Menschen verletzt wurden. Die Berichte darüber waren verständlicherweise zu Beginn ziemlich konfus, es gab jede Menge Spekulationen, falsche Aussagen in den Medien und ganz allgemein jede Menge Verwirrung. Mittlerweile weiß man schon ein wenig mehr, was da passiert ist und ich möchte probieren, die Ereignisse ein wenig zusammenzufassen.

Was ist passiert?

In der Überschrift habe ich das Wort “Meteor” verwendet. In den Medienberichte kann man aber auch viele andere Begriffe lesen. Da ist von “Meteoriten” zu lesen, von “Meteoriteneinschlägen” von einem “Asteroideneinschlag” oder einem “Meteoritenhagel”. Ich habe mich heute für “Meteor” entschieden, denn genau das war es, was man in Russland beobachten konnte. Die Vielzahl der Begriffe ist aber tatsächlich ein wenig verwirrend, daher fangen wir am besten mit einer kurzen Erklärung an (hier ist eine längere Erklärung). Ein Felsbrocken, der durchs All fliegt, heißt “Asteroid”. Wenn ein Asteroid mit der Erde kollidiert und in die Atmosphäre eintritt, dann kann man vom Boden eine helle Leuchterscheinung beobachten. Das nennt man “Meteor” oder “Feuerball” (oder auch “Sternschnuppe”, wenn es nur ein kleines Objekt ist). Wenn tatsächlich ein Teil des Objekts auf der Erde aufschlägt, dann nennt man diese Bruchstücke “Meteoriten”. Das, was man auf allen Videos des russischen Ereignis sehen kann, ist daher ein Meteor. Vielleicht gibt es auch Meteoriten, die eingeschlagen sind – aber dazu später noch mehr.

Rauschspur des Meteor am Himmel über Russland (Bild: Nikita Plekhanov, CC-BY-SA 3.0

Rauschspur des Meteor am Himmel über Russland (Bild: Nikita Plekhanov, CC-BY-SA 3.0

Es war nicht der Einschlag eines Asteroiden, der die großen Zerstörungen in Russland verursacht hat, sondern ein Airburst. Ein Asteroid bewegt sich mit großer Geschwindigkeit, typischerweise sind es einige 10 Kilometer pro Sekunde. Wenn sich ein so schnelles Objekt durch die Atmosphäre der Erde bewegt, dann wird die Luft vor dem Asteroid enorm stark komprimiert. Es entsteht jede Menge Hitze und zusammen mit der Kompression führt das zu einem Auseinanderbrechen des Objekts. Wenn aus einem großen Objekt schlagartig viele kleine Objekte werden, vergrößert sich gleichzeitig ebenso schlagartig die gesamte Oberfläche. Die kleinen Bruchstücke präsentieren der Atmosphäre insgesamt eine viel größere Oberfläche als es der noch intakte Asteroid tat. Es gibt also viel mehr Fläche, an der die Reibung mit der Luft stattfinden kann und die Reibungshitze erhöht sich plötzlich enorm stark. Dadurch explodieren die Bruchstücke regelrecht und eine große Schockwelle entsteht. Das ist der “Airburst” und der Grund für die Zerstörungen. Die Schockwelle breitet sich aus, erreicht den Boden und kann dort Fensterscheiben zerbrechen oder Häuser einstürzen lassen. Wie schlimm die Folgen tatsächlich sind, hängt von der Stärke der Druckwelle ab und davon, wie weit über dem Erdboden sie ausgelöst wird. Im April 2012 beispielsweise fand ein Airburst über Kalifornien statt. Damals gab es nur einen lauten Knall und die Fensterscheiben in den Häusern zitterten. 1908 gab es einen Airburst über dem sibirischen Tunguska, der ungleich stärker war, Millionen Bäume fällte und eine gewaltige Katastrophe angerichtet hätte, wäre das Ereignis über bewohntem Gebiet passiert. Der aktuelle Airburst in Russland lag irgendwo dazwischen. Die Häuser blieben weitesgehend intakt, nur die meisten Fensterscheiben zersprangen. Die vielen Verletzten wurden auch hauptsächlich durch die vielen Scherben und die resultierende Panik verletzt.

Wie stark ein Airburst ist, hängt davon ab, wie groß das Objekt ist und wie hoch in der Atmosphäre es explodiert. Momentan ist das folgende Szenario das wahrscheinlichste, um die Ereignisse in Russland zu erklären. Um 4 Uhr 20 mitteleuropäischer Zeit traf ein etwa 15 Meter großer Asteroid über der Region Tscheljabinsk auf die Atmosphäre der Erde. Er bewegte sich zu diesem Zeitpunkt mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 Kilometer pro Sekunde und traf die Erde in einem relativ flachen Winkel (weniger als 20 Grad). In ungefähr 50 Kilometer Höhe begann das etwa 7000 bis 10000 Tonnen schwere Objekt auseinanderzubrechen. Vom Boden aus konnte man nun einen Meteor sehen. Er wurde schnell heller und die Lichterscheinung dauerte knapp 30 Sekunden. Die meiste Energie des Airburst wurde in 15 bis 20 Kilometer Höhe freigesetzt und entsprach einer Explosion mit einer Stärke von 300 bis 500 Kilotonnen TNT Äquivalent (die Atombombe von Hiroshima hatte eine Sprengkraft von etwa 15 Kilotonnen TNT Äquivalent). Die Druckwelle des Airburst erreichte den Boden einige Sekunden bis Minuten später (deswegen hört man auf den Videos den Knall auch oft erst lange nach der Lichterscheinung).

Dieses schöne Video zeigt den Meteor aus der Sicht des Wettersatelliten Meteosat-9

Wo ist der Asteroid eingeschlagen?

Die Schäden am Boden wurden durch die Druckwelle verursacht und die Menschen durch die vielen Scherben verletzt und nicht durch herabfallende Teile des Asteroiden selbst. Ob von dem Asteroiden tatsächlich etwas auf den Boden gefallen ist, ist noch unklar. Es ist wahrscheinlich, dass zumindest ein paar Bruchstücke übrig geblieben und auf dem Erdboden aufgetroffen sind. Ob man sie aber auch finden kann, wird sich noch zeigen. Irgendwelche rauchenden Krater sind aber auf jeden Fall nicht zu erwarten. Vor allem deswegen, weil Meteorite entgegen populären Darstellungen nicht glühend heiß sind. Die Steine aus dem All fallen nach dem Auseinanderbrechen des Asteroiden mit vergleichsweise geringer Geschwindigkeit auf die Erde und da die Luft in der oberen Atmosphäre recht kalt ist, kühlen auch die Meteorite schnell aus. Außerdem ist es schwer, Meteorite in besiedeltem Gebiet zu finden – dort ist einfach zu viel los und es liegt zu viel anderer Kram in der Gegend herum. Es ist kein Zufall, dass man Meteorite sehr oft in der Wüste oder der Antarktis findet. Dort können sie ungestört herumliegen und fallen dank der monotonen Umgebung leichter auf. In Eis eines zugefrorenen Sees in der Region hat man nach dem Airburst ein großes Loch gefunden. Es könnte durch den Einschlag eines Bruchstücks entstanden sein, muss aber nicht. Das werden erst genauere Untersuchungen zeigen. Es scheint aber zumindest wahrscheinlich, dass hier tatsächlich ein Meteorit runter gekommen ist und auch Astro-Blogger Phil Plait hält das Loch für einen Einschlags”krater”. Die Wissenschaftler werden sicherlich ihr bestes tun, um doch noch ein paar Meteorite zu finden. Denn die sind nicht nur für Sammler äußerst wertvoll, sondern auch für die Wissenschaft. Das gilt ganz besonders in diesem Fall, wo man dem Meteorit ein konkretes Einschlagsereignis zuordnen kann und dank der vielen Beobachtungen auch eine Bahn rekonstruieren kann. Bei den meisten Meteoriten die wir auf der Erde finden wissen wir ja nicht, wann das Ding runtergekommen ist und aus welcher Gegend des Sonnensystems es stammt. In diesem Fall hätten wir all diese Informationen und das macht die Daten die man von den Meteoriten gewinnen könnte viel wertvoller.

Wie oft passiert so etwas?

Muss man nun Angst haben, dass uns bald wieder Asteroiden auf den Kopf fallen? Nein – wenn solche Ereignisse häufig wären, dann hätten wir auch häufiger davon gehört. Obwohl Airbursts an sich schon vergleichsweise häufig sind. Es hängt halt immer von der Größe ab – und davon, ob wir etwas davon mitbekommen oder nicht. Die Erde wird ständig von Objekten aus dem Weltall getroffen! Pro Tag landen einige Dutzend Tonnen Material aus dem All auf unserem Planeten. Das allermeiste davon ist aber kosmischer Staub, der einfach nur harmlos herunterrieselt ohne das wir etwas davon merken. Wenn wir in einer klaren Nacht den Himmel beobachten, dann sehen wir auch so gut wie immer Sternschnuppen. Die entstehen durch millimetergroße Staubkörnchen, die mit der Erde kollidieren. In einer normalen Nacht gibt es davon immer welche zu sehen. Manchmal sieht man auch richtig viele davon – das sind die Sternschnuppenschauer die man ein paar Mal pro Jahr beobachten kann, wenn die Erde die von staubigen Kometen hinterlassenen Überreste durchquert. Die Sternschnuppen entstehen hoch oben über dem Boden. Manchmal sieht man aber auch etwas größere Sternschnuppen, die richtig hell werden. Das nennt man dann “Bolide” oder “Feuerball” und sie werden von Objekten verursacht, die einige Zentimeter groß sind. Noch größere Objekte verursachen dann die Airbursts. Die meisten davon bemerken wir nicht. Sie finden so weit oben statt, dass am Boden weder etwas zu hören und oft auch nichts zu sehen ist. Wir wissen davon nur dank diverser Technik (zum Beispiel von den Infraschallmessstationen, die überall auf der Welt verteilt sind, um unerlaubte Atombombentests zu registrieren). Objekte mit einem Durchmesser von einem Meter treffen die Erde im Durchschnitt einmal pro Monat. Objekte mit einem Durchmesser von 15 Meter, so wie der aktuelle russische Asteroid, treffen uns im Schnitt einmal in 100 Jahren. Dieses Diagramm (aus “The flux of small near-Earth objects colliding with the Earth”, Brown et al. 2002, Nature 420) gibt einen Überblick:

Brownfreq

Die horizontale Achse zeigt oben den Durchmesser des Asteroiden an und unten die freiwerdende Energie der Boliden. Die vertikale Achse gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der uns Objekte entsprechender Größe pro Jahr treffen (beide Achsen sind logarithmisch). Die Datenpunkte sind Ergebnisse verschiedener Beobachtungskampagnen.
Mit einem Ereignis wie dem in Russland ist also statistisch alle 100 Jahre zu rechnen. Aber Achtung! Die Statistik ist hinterhältig. Das heisst jetzt nicht, dass wir nun 100 Jahre Ruhe haben werden, bevor wieder etwas passiert. Es heisst auch nicht, dass die Wahrscheinlichkeit eines ähnlichen Airburst um so größer wird, je mehr Zeit vergeht. Asteroideneinschläge können nicht “überfällig” sein. Vielleicht kommt nächstes Jahr schon wieder ein ähnliches Ereignis, vielleicht auch erst in 1000 Jahren. “Einmal in 100 Jahren” bedeutet in diesem Fall nur, dass in jedem Jahr eine Wahrscheinlichkeit von 1/100 für so ein Ereignis besteht. Und dann muss man noch einen wichtigen Faktor berücksichtigen: Die Wahrscheinlichkeit gilt für die ganze Erdoberfläche. Die besteht aber größtenteils aus Ozean, aus Wüste, aus Wald und anderen unbewohnten Gebieten. Nur ein kleiner Teil der Erdoberfläche ist tatsächlich von Menschen besiedelt und die Wahrscheinlichkeit, dass der Asteroid genau über besiedeltem Gebiet runter kommt ist deswegen natürlich viel geringer!

Was hat das mit dem anderen Asteroid zu tun?

Viele Leuten haben natürlich einen Zusammenhang zwischen dem Meteor in Russland und dem Vorbeiflug des Asteroiden 2012 DA14 am gleichen Tag vermutet. Es scheint ja auch irgendwie nahe zu liegen: Da hört man jahrelang nichts über Asteroiden in den Medien und dann finden gleich zwei dramatische Ereignisse an einem Tag statt. Das kann doch kein Zufall sein. Doch, kann es. Ich habe oben schon erklärt, wie schnell sich die Asteroiden im All bewegen. Der eine kam am Morgen, der andere am Abend und dazwischen haben sich sowohl Asteroiden als auch die Erde sehr weit bewegt. Beide kamen auch aus unterschiedlichen Richtungen auf die Erde zu. Die beiden Objekte hatten also völlig unterschiedliche Bahnen und Michael Khan von der ESA hat auch sehr schön vorgerechnet, dass zwischen beiden Ereignissen kein Zusammenhang besteht.
Hier schlägt wieder einmal die selektive Wahrnehmung zu. Wie ich hier erklärt habe, fliegen immer wieder mal Asteroiden an der Erde vorbei (und meistens berichten die Medien nicht darüber) und wie wir oben gesehen haben, gibt es täglich Boliden und Meteore am Himmel zu sehen. Es ist also nicht so unwahrscheinlich wie man denken mag, dass einmal beides davon fast gleichzeitig passiert.

Warum hat man das Ereignis nicht vorhergesehen?

Warum konnten die Astronomen nicht vorhersehen, dass ein Asteroid über Russland auseinanderbrechen wird? Sie haben ja auch vorhergesehen, dass 2012 DA14 am Abend an der Erde vorbei fliegen wird? Dafür gibt es zwei Gründe: Größe und Geld!

Der russische Asteroid war nur 15 Meter groß, 2012 DA14 hatte einen Durchmesser um die 60 Meter. Und je größer ein Asteroid ist, desto heller erscheint er uns auch am Himmel und desto leichter ist er im Teleskop zu finden. Es ist daher logisch, dass man die großen Asteroiden zuerst finden. Der erste Asteroid, der 1801 entdeckt wurde, war gleichzeitig auch der größte Asteroid im Asteroidengürtel mit einem Durchmesser von fast 1000 Kilometern. Die wirklich großen Asteroiden – alles mit einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer – haben wir mittlerweile fast alle entdeckt. Hier sind kaum überraschende Annäherungen zu erwarten. Bei den kleinen Objekte wird es aber natürlich schwieriger. Dieses Bild zeigt, wie es aussieht:

Das sind die Ergebnisse der Beobachtungen des WISE-Satelliten. Die gezeichneten Asteroiden zeigen die Menge an, die wir momentan kennen (ein Bild entspricht 100 Objekte). Die grün gefüllten Umrisse zeigen die noch unbekannten Himmelskörper an, die leeren, dunkelgrünen repräsentieren die unbekannten Asteroiden eines alten Modells, bevor man die WISE-Daten hatte. Für den Bereich der Asteroiden zwischen 500 bis 1000 Metern kennen wir zum Beispiel momentan 1200 Objekte (12 gezeichnete Asteroiden). 300 davon (3 grün gefüllte Umrisse) haben wir noch nicht entdeckt. Die alten Modelle haben allerdings vorhergesagt, dass es noch 1200 unentdeckte Asteroiden gibt (3 grün gefüllte plus 9 dunkelgrüne leere Umrisse).

Die großen haben wir also fast komplett, die kleinen eher nicht. Das ist nicht nur ein Problem der Größe, auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Manche Asteroiden befinden sich auf Bahnen, auf denen man sie von der Erde aus nur am Tag beobachten kann. Das geht aber natürlich nicht, weil da das Licht der Sonne zu hell ist. Um die zu finden, braucht man Teleskope im Weltraum. Und die kosten viel Geld und sind meistens mit anderen Aufgaben ausgelastet. Das Problem haben aber auch die Teleskope auf der Erde. Es gibt zwar einige spezielle Beobachtungsprogramme, die explizit auf der Suche nach neuen Asteroiden sind. Und natürlich gibt es die tausenden Hobby-Astronomen die gerade bei der Asteroidensuche wichtige Arbeit leisten und immer wieder neue Objekte entdecken. Aber es gibt keine globale koordinierte Überwachung und besonders auf der Südhalbkugel der Erde ist das Netz noch sehr lückenhaft, wie dieses Bild hier zeigt:

skycoverage

Das ist der gesamte Himmel und die bunten Punkte zeigen an, welche Bereiche davon von welchen Teleskopen beobachten werden. Und gerade im Süden sind da doch noch viele Lücken (hier könnt ihr euch selbst solche Diagramme basteln). Und wenn man die Asteroiden gefunden hat, muss man sie auch noch danach immer wieder beobachten, um die Bahn möglichst exakt bestimmen zu können. Auch das braucht Ressourcen, die momentan nicht immer vorhanden sind.

Man könnte das natürlich ändern. Die Suche nach Asteroiden stellt keine unverhältnismäßig große Schwierigkeit dar. Wie man Asteroiden sucht und findet, haben die Astronomen schon recht gut gelernt. Was fehlt ist das Geld. Die Suche nach Asteroiden ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht sehr “aufregend”; die Suche nach extrasolaren Planeten, nach fernen Galaxien, schwarzen Löchern und all die anderen astronomischen Fachgebieten bringen mehr Prestige. Und natürlich auch mehr Fördergelder. Es gäbe mehr als genug Astronomen, die sich mit der Suche nach Asteroiden beschäftigen würden. Aber mit der Publikation der Entdeckung des 673.287ten Asteroiden kann man im derzeitigen wissenschaftpolitischen System keine Karriere machen. Mein ehemaliger Kollegen von der Uni Wien, der Astronom Siegfried Eggl, der beim Projekt NEOShield arbeitet, hat mir im Januar ein Interview zum Thema gegeben und dabei folgendes zum Thema “Suche nach gefährlichen Asteroiden” gesagt:

“Die finanziellen Mittel dafür sind allerdings überschaubar, um es positiv zu formulieren. Man muss sich immer die Frage gefallen lassen ob es sich überhaupt lohnt Geld in Asteroidendetektion und -abwehr zu investieren? Dabei wird die Bedrohung durch Himmelskörper von politischen Entscheidungsträgern oft als nicht immanent empfunden.”

Vielleicht war das Ereignis in Russland für die Politiker dieser Welt ja ein kleiner Weckruf. Vielleicht wird jetzt endlich mal ein wenig mehr Geld in diesen Bereich der Astronomie investiert. Vielleicht kann man nun endlich größere Teleskope für die Suche nach Asteroiden anschaffen, vielleicht sogar ein eigenes Weltraumteleskop und vielleicht gibt es auch genug Geld, um ausreichend Personal bei den Suchprogrammen zu beschäftigen. Dieses schöne Bild kursiert seit einiger Zeit im Internet. Es existiert schon seit letzten Jahr, hat also mit den aktuellen Ereignissen nichts zu tun, fasst aber die Lage gut zusammen:

asteroids-are-natures-way-of-asking

Asteroiden stellen keine unmittelbare Gefahr dar. Jedes Jahr fordern Erdbeben, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen, Waldbrände und andere Naturkatastrophen wesentlich mehr Todesopfer (von Kriegen, Verkehrsunfällen und anderen menschengemachten Problemen ganz zu schweigen). Aber deswegen sollte man die Asteroiden auch nicht ignorieren. Ich habe schon vor einigen Jahren eine Serie über Asteroidenabwehr geschrieben: Asteroidenabwehr: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5. Und was ich damals geschrieben habe, gilt heute immer noch:

“Auch wenn Einschläge anderer Himmelskörper ein relativ seltenes Ereignis sind, sind sie doch potentiell so gefährlich, dass wir sie nicht ignorieren dürfen. Vor allem dann nicht, wenn wir prinzipiell die Möglichkeit haben, etwas dagegen zu tun.
Auch wenn man über die mühsame Suche nach Asteroiden keine actionreiche Hollywoodfilme mit Bruce Willis drehen kann, ist sie doch das allerwichtigste bei der Asteroidenabwehr. Asteroidensuchprogramme sind nicht sonderlich aufregend oder prestigträchtig. Trotzdem sollte man hier Geld investieren – und nicht kürzen, so wie das leider immer wieder vorkommt.”

Hoffen wir, dass die Politiker sich durch die aktuellen Ereignisse ein wenig inspirieren lassen und vielleicht doch ein wenig mehr Geld in die Beobachtung des Himmels investieren…

Kommentare

  1. #1 Thomas Römer
    17. Februar 2013

    Gute Zusammenfassung, wie immer! Eine Anschlussfrage: Ich habe jetzt an mehreren Stellen gelesen, dass es nicht nur weitere Feuerbälle über Kalifornien und Kuba gegeben habe, sondern auch letztes Jahr Mitte Februar eine erhöhte Anzahl von von auffälligen Meteoren zu sehen gewesen sei. Dies könnte ja dafür sprechen, dass wir hier einen neuen Sternschnuppenstrom beobachten. Kann man das irgendwo verifizieren (bzw. kannst du das bestätigen)? Gibt es so was wie das Minor Planet Center, wo auch Beobachtungen kleinerer Ereignisse gesammelt werden?

  2. #2 webmantz
    17. Februar 2013

    Vielen Dank für diesen ausführlichen Beitrag, der “eigentlich” alle Fragen bezüglich des Meteors am Freitag beantworten sollte. Die Anführungszeichen deshalb, weil ich jetzt schon den ersten Kommentar à la “ich hab solche Angst, geht jetzt die Welt unter” am Horizont sehe.

    leider befürchte ich, dass die Nachwirkungen dieses Ereignisses zu gering sind und zu schnell in Vergessenheit geraten, als dass sich nachhaltig etwas an der Förderung von Asteroiden-Suchprogrammen ändern wird. Immerhin ist in gut 2 Wochen Papstwahl, wer erinnert sich dann noch an einen Meteor über Sibirien?
    Was ganz anderes wäre es, wenn so ein Ding direkt über New York explodiert und ein bis zwei Wolkenkratzer eingestürzt wären. Traurig aber wohl wahr.

  3. #3 Florian Freistetter
    17. Februar 2013

    @Thomas Römer: ” Kann man das irgendwo verifizieren (bzw. kannst du das bestätigen)? Gibt es so was wie das Minor Planet Center, wo auch Beobachtungen kleinerer Ereignisse gesammelt werden?”

    Ja, es gibt Feuerball- bzw. Meteor-Netzwerke. Und durchaus auch neue bzw. noch Meteorströme: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/08/10/neue-und-alte-sternschnuppen-es-ist-wieder-zeit-fur-perseiden/

  4. #4 tanteHilde
    Darmstadt
    17. Februar 2013

    Vielen Dank für diesen wie immer auch für Laien gut verständlichen Beitrag. Wissensvermittlung ist auch mit einfachen Worten möglich. Weiter so.

  5. #5 Dietmar
    17. Februar 2013

    Ich werde das heute Abend gründlich lesen. Nur mal schnell loswerden möchte ich: Ich musste bei dem Vorfall an Hoimar von Ditfurth denken, der mal darüber schrieb, das solch ein Ereignis dazu führen könnte, dass die damaligen Supermächte, dies als Erstschlag missinterpretieren könnten. Das was in kosmisch/historischen Maßstäben also ganz schön knapp.

  6. #6 Dietmar
    17. Februar 2013

    Ach: Und der Asteroid-Census sieht aus, wie die Größen-Verteilung der Bruchstücke, wenn man Porzellan zerwirft.

  7. #7 AmbiValent
    17. Februar 2013

    Die eine Überschrift sollte entweder “Warum hat man das Ereignis…” oder “Warum wurde das Ereignis…” heißen.

  8. [...] Verfolgung war und wie die Erde seine Bahn verändert hat, ein Stimmungsbild aus Russland, noch eine Zusammenfassung und bemerkenswerte Videos vom Boliden und dem 'Einschlag' seiner [...]

  9. #9 Spritkopf
    17. Februar 2013

    Weiß man schon, welchen Eintrittswinkel in die Erdatmosphäre der Meteor hatte? Bei anfänglichen 18 km/s Geschwindigkeit und einer Dauer von ca. 10 Sekunden zwischen erstmaligem Aufleuchten in 50 km Höhe und der Explosion bei 15 – 20 km müßte seine Flugbahn recht flach gewesen sein. Selbst wenn ich die atmosphärische Abbremsung mit einrechne (oder sagen wir mangels Wissen: auswürfele), schätze ich den Eintrittswinkel auf 20 – 30 Grad.

  10. #10 Alderamin
    17. Februar 2013

    @Spritkopf

    Weniger als 20°.

  11. #11 Spritkopf
    17. Februar 2013

    Danke, Alderamin.

  12. #12 McPomm
    17. Februar 2013

    Asteroiden stellen keine unmittelbare Gefahr dar. … Aber deswegen sollte man die Asteroiden auch nicht ignorieren.

    Richtig. Mittelbare Gefahr ist auch Gefahr. Und im Gegensatz zu Vulkanausbrüchen und Erdbeben sind Einschlagort und -zeitpunkt mit hoher Genauigkeit vorhersagbar, wenn man die Asteroiden kennt. Und das spricht doch schon allein für Asteroidenerfassung und -beobachtung, oder? Es sei denn, es ist technisch, politisch und finanziell unmöglich, ein himmelsumfassendes (automatisches/autonomes) Beobachtungssystem zu errichten.

  13. #13 Andreas Morlok
    Münster
    17. Februar 2013

    >Ach: Und der Asteroid-Census sieht aus, wie die Größen-
    >Verteilung der Bruchstücke, wenn man Porzellan zerwirft.

    Kein Zufall – die Asteroiden haben viele Kollisionen hinter sich, vor allem in der Debris Disk Phase. Da sollte sich eine ähnliche Verteilung ergeben (z.B. Asphaug et al. 2006).

  14. #14 Tomi
    Dzt. Madrid
    17. Februar 2013

    In diesem Zusammenhang: was ist von den Aussagen der Eso Szene zu halten die Meteor Eisen besondere Eigenschaften zuschreiben?? Wer sagt das in den Trümmern ( so welche gefunden werden ) überhaupt Eisen / Nickel drinnen ist?
    Lg. Tom

  15. #15 Florian Freistetter
    17. Februar 2013

    @Tomi: So gut wie alle Meteoriten enthalten Eisen. Und an diesem Eisen ist natürlich nichts magisch-besonderes. Das ist normales Eisen.

  16. #16 JaJoHa
    17. Februar 2013

    @Tomi
    Das Eisen hat Mustern bei angeätzten Schnittflächen, weil die Schmelze langsam abgekühlt ist.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Meteoric_iron
    Das sieht man da halt viel besser als bei “normalen” Eisen, weil die Kristalle größer sind (aber wenn du das genauso bei normalen Stahl machst und das einfach mit dem Mikroskop betrachstest sieht das ähnlich aus, auch hier nochmal detailiert im Link
    http://en.wikipedia.org/wiki/Widmanst%C3%A4tten_pattern

  17. #17 Chris204
    17. Februar 2013

    Eine Frage:
    Was wäre passiert, wenn der Asteroid nicht in einem schrägen Winkel sondern direkt senkrecht auf die Erde gefallen wäre?
    Und ist das überhaupt möglich, denn durch die Erdrotation dreht sich die Erde ja sozusagen immer unter dem Asteroiden hinweg und zwingt ihn doch somit in eine nicht senkrechte Bahn?

  18. #18 Paul
    17. Februar 2013

    Ich hätte ein Fragen zu Meteoriten und hoffe es kann mir jemand erklären. Was leuchtet, die Luft oder verdampftes Meteor-Material? Ich dachte die Hitzeentwicklung bei einem in die Atmosphäre eintretenden Objekt entsteht durch Kompression und nicht durch Reibung. So ein Steinbrocken aus dem All ist ja nicht sehr warm, die 20-30s in der Atmosphäre in denen er durch Wärmestrahlung aus dem heißen Gas erwärmt wird dürften eigentlich nur die äußeren Schichten betreffen. Wie warm ist ein Meteorit wenn er runter kommt?

  19. #20 Clewi
    17. Februar 2013

    Gibt es vielleicht eine sinnvolle Möglichkeit die Überwachung über Projekte wie bei Zooniverse mit Freiwilligen zu betreiben? Mit Solar Watch oder Planet Hunters scheint es ja auch zu klappen!

  20. #21 Nekrassow
    17. Februar 2013

    Die sog. Widmannstättenschen Figuren an angeschliffenen und angeätzten Schnittflächen von Eisenmeteoriten sind auf die unterschiedliche Löslichkeit der Eisen-Nickelkristalle zurückzuführen. Die nickelreicheren Taenitkristalle sind beständiger als die nickelarmen Kamacitkristalle.

  21. #23 Florian Freistetter
    17. Februar 2013

    @Paul: “Was leuchtet, die Luft oder verdampftes Meteor-Material?”

    Die Luft, quasi. Nennt sich “strahlende Rekombination”. Hier hab ich was dazu geschrieben_ http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/08/11/ein-himmel-voller-sternschnuppen-die-perseiden-erreichen-morgen-ihr-maximum/

  22. #24 Florian Freistetter
    17. Februar 2013

    Hab grad mal geschaut ob eine der “großen” Talkshows bei ARD/ZDF in der kommende Woche den Meteor im Programm hat. Keine einzige… Da sieht man mal wieder, was Wissenschaft in den Medien wert ist.

  23. #25 AmbiValent
    17. Februar 2013

    Ich würde eine Talkshow zum Thema eher schlecht finden, eine Wissenschaftssendung mit vielen Erklärungen wäre besser. Am besten sollte zumindest kurz die Entwicklung des Sonnensystems durchgegangen werden, bevor man sich um die heutigen Asteroiden kümmert, und wie die manchmal auf andere Bahnen gelangen können. Dafür bräuchte man natürlich einen Experten für Asteroiden, der auch gut erklären kann…

  24. #26 Herbert
    17. Februar 2013

    Südlich von Tscheljabinsk wurden offenbar kleinere Meteorite im Schnee gefunden, und die Partikel, die rund um das Loch im Eis am See Chebarkul gesammelt wurden, wurden in der Zwischenzeit untersucht und tatsächlich als meteoritisches Material (genauer: als gewähnliche Chonrite) erkannt. Wenn das stimmt, wäre das Streufeld ~65 km lang.

  25. #27 Herbert
    17. Februar 2013

    @Florian, Paul:
    Das rötliche Leuchte, wie es etwa hier in der Rauschspur zu sehen ist, dürfte aber tatsächlich thermische Strahlung von vergkühenden Partikeln des Meteoroiden sein:

    http://z2.d.sdska.ru/2-z2-5e1ba16b-a637-4418-a606-edac7219c233.jpg

  26. #28 Olaf aus HH
    Hamburg, D, Europa, Erde, ...
    17. Februar 2013

    Toll – danke für diesen Artikel !
    Ich erinnere mich an einen wohl Meteor/-iten, der etwa Mitte Dezember 1999 (das exakte Datum weiß ich nicht mehr) abends ca. 20:30 Uhr über Hamburg und mein Wohnhaus in etwa West-/ Ostrichtung gerauscht ist – zwei Tage später wurde in den Lokalmedien darüber berichtet.
    Es leuchtete durchs Fenster kurz auf und gab ein zischend/ prasselndes/ knisterndes Geräusch dazu, keinen Knall.
    In dem Moment hatte ich gerade ein recht umfangreiches Weihnachtsbastelgeschenk für eine sehr gute Freundin fertiggestellt (die letzte Schraube eingedreht) und mich gerade richtig darüber gefreut, daß es gelungen war. Und dann dazu diese “Segnung” !
    Vermutlich hat das Ding die Atmosphäre nur gestreift und ist dann etwas gezaust weitergeflogen ins irgendwo.
    Kann man heute rekonstruieren, was das genau war ? Gibt es dafür ein Verzeichnis oder Register ?

  27. #29 Andreas Morlok
    Münster
    17. Februar 2013

    >Zwischenzeit untersucht und tatsächlich als meteoritisches >Material (genauer: als gewähnliche Chonrite) erkannt.

    Das wäre eine ziemliche Enttäuschung – bloss kein LL6 Chondrit oder so … Gibt es da eine Quelle für ?

  28. #30 Tatjana
    17. Februar 2013

    Etwas verstehe ich nicht. Von den 500-1000m Asteroiden sind noch nicht alle entdeckt. Florian schreibt das fast alle entdeckt sind.Aber 1200 bzw. 300 von denen nicht. Das beunruhigt ja schon noch….

  29. #31 Alderamin
    17. Februar 2013

    @Tatjana

    Das alte Modell ist überholt, es sind also lediglich 300 der großen Brocken nicht entdeckt. Vor 20 Jahren kannten wir kaum welche von denen.

    So oder so sind Einschläge solch großer Brocken sehr selten. Aus der Grafik oben geht hervor, dass diese nur alle paar Millionen Jahre zu erwarten sind. In dieser Zeit wirst Du statistisch gesehen 50 mal vom Auto überfahren. Da würde ich mir mehr Sorgen um die Autos machen…

  30. #32 JaJoHa
    18. Februar 2013

    @Tatjana
    Schau dir mal den Plot mit den doppellog Achsen an. Da siehst du wie viele Objeke einer gewissen Größe/Energie du pro Jahr zu erwarten hast. Wenn du die Skalierung der Achsen nicht verstehst, dann kann jemand hier das kurz erklären.
    Man erkennt da relativ deutlich, das größere Ereignisse SEHR viel seltener sind als die kleinen.

  31. #33 Tatjana
    18. Februar 2013

    Ja aber viell. sind die millionen jahre schon bald vorbei oder ich wasele wegen meiner Unsicherheit schon wieder wirres Zeug :/

  32. #34 patec
    18. Februar 2013

    @Tatjana: Man kann das nicht einfachso sagen. Wenn da steht “alle 1.000.000 jahre”, dann ist das nur ein Durchschnittswert. Es können dann auch 2.000.000 Jahre zwischen zwei Einschlägen vergehn, oder auch nur 10 Jahre.
    Es gibt keinen Rythmus wie beispielsweise bei Vulkanen.

    Viel wichtiger ist doch, dass die großen, wirklich gefährlichen Brocken mitlerweile fast alle bekannt sind, und kein einziger davon befindet sich auf Kollisionskurs.

  33. #35 sebi
    18. Februar 2013

    Erstere Aussage macht keinen Sinn, da es sich bei der Auftreffwahrscheinlichkeit um eine statistische Größe handelt und man es hier nicht mit zeitlich periodischen Einschlägen zu tun hat. Der zweite Teil scheint mir da schon deutlich plausibler.

  34. #36 sebi
    18. Februar 2013

    War natürlich an Tatjana gerichtet.

  35. #37 Rico
    18. Februar 2013

    DAnke für diesen aufschlussreichen Artikel. Ich habe bei Youtube noch eine schöne Zusammenstellung einiger sehr beeindruckender Bilder des Ereignisses gefunden.
    http://www.youtube.com/watch?v=2FCJOuLXIz4
    Ist schon unglaublich wie viel Energie so ein “kleiner” Brocken freisetzt.

  36. #38 Silvia
    18. Februar 2013

    @ Tatjana:

    das Leben ist gefährlich.

    Aber machst Du Dir Gedanken darüber, daß Dir beim morgentlichen Gang zum Bäcker ein Hubschrauber auf den Kopf fällt? Daß ein Zug mit defekten Bremsen aus den Schinen springt und Dich plattmacht? Oder ein Lkw ungebremst in Deine Wohnung donnert? Ein Flugzeug genau auf Dein Haus fällt? Ein Erdbeben alles plattmacht? Die Straßenbahn aus den Schinen springt? Ein Staudamm bricht und die Wassermassen Dein Haus wegspülen? Dich bei einem Gewitter der Blitz trifft?

    All diese Dinge kommen wesentlich häufiger vor, als daß einer der wenigen bislang noch nicht bekannten Steinerbrocken aus dem All auf die Erde fällt und massiv Schaden anrichtet.

    Deine Angst kommt sicherlich daher, daß Du Flugzeuge, Hubschrauber, Züge und Straßenbahnen und auch Staudämme aus der täglichen Erfahrung kennst, aber die Gefahren aus dem All nicht wirklich einschätzen kannst.

    Lese ein bischen etwas übers All, geh mal zu einer Sternwarte und schau durch die dortigen Teleskope, geh auch mal in ein Planetarium, dann hast viel bessere Vorstellungen davon. Und dann verschwindet die Angst vor dem Unbekannten. ;)

  37. #39 DasKleineTeilchen
    18. Februar 2013

    danke florian, sehr ausführlicher artikel, der quasie keine frage offen lässt. schätze, spätestens nach diesem ereignis dürfte auch klar sein, daß tunguska tatsächlich ein airburst war.

    @dietmar #5

    haha, ja, allerdings! wenn das teil noch in den späten 80gern runtergekommen wäre, hätts gefährlich werden können. die alte provogarde alá schirinowski fabuliert ja auch aktuell bei diesem boliden von nem “amerikanischem waffentest” *lach*.

  38. #40 Alexander
    Hannover
    18. Februar 2013

    Vielen Dank für diese kompetente Zusammenfassung der Ereignisse.

  39. #41 Nina
    Hamburg
    18. Februar 2013

    Vielen Dank, Florian!!!

  40. #42 Alderamin
    18. Februar 2013

    @Tatjana

    sind die millionen jahre schon bald vorbei

    Wie patec schon sagte, es gibt hier keinen Rhythmus. Die Ankunftszeiten von Asteroiden gehorchen im Prinzip derselben Statistik wie die Ankunftsraten von Kunden in einem Geschäft. Wenn Du bei Edeka oder Rewe an der Türe stehst und zählst, wie viele Leute da reinkommen, dann wirst du pro Stunde eine gewisse Zahl erhalten, sagen wir 100. Dann kannst Du sagen dass in 1 h = 3600 s 100 Leute reingekommen sind, also alle 36 s einer, und das ist dann die mittlere “Zwischenankunftszeit”.

    Nun haben sich die Leute aber nicht abgesprochen, als sie zu Hause losgingen, keiner wusste vom anderen, und so kommen sie auch unabhängig voneinander an. D.h. es ist für den nächsten Ankommenden völlig Wurst, ob sein Vorgänger vor 36 Sekunden ankam oder vor einer. Er selbst wäre auch dann genau zu dieser Uhrzeit angekommen, wenn sein Vorgänger sich statt dessen Salz beim Nachbarn geborgt hätte und gar nicht zum Laden gefahren wäre.

    So kann man aus der letzten Ankunft eines solchen unabhängigen Ereignisses nichts folgern. Vor dem Einschlag des Asteroiden über Russland war die Chance eines solchen ca. 1 zu 100 pro Jahr und heute ist sie das genau so und ebenso in 100 Jahren.

    Das ist anders als bei Erdbeben oder Vulkanausbrüchen an einem bestimmten Ort, wo sich mit der Zeit Spannungen aufbauen (weil die Kontinentalplatten aneinander vorbeirutschen und sich dabei verhaken) oder Magmakammern auffüllen. Solche Ereignisse sind nicht unabhängig voneinander, da gibt es einen gewissen Rhythmus und die Ereignisse werden mit zunehmender Wartezeit immer wahrscheinlicher und wohlmöglich auch stärker, wenn sie dann eintreten.

  41. #44 Naivi
    18. Februar 2013

    Ich hab Freitag das Netz durchforstet um mir einen Überblick zu verschaffen, aber alles war so verwirrend und spekulativ, dass ichs am Ende gelassen habe.

    Also : Danke für die Zusammenfassung

  42. #45 Chemiker
    18. Februar 2013

    Wovon hängt es eigentlich ab, wie so ein Meteoriten­krater aussieht?

    Ich habe vor ein paar Jahren einmal einen in Doğubayazıt (Türkei) besichtigt. Der war gar nicht trichterförmig, sondern wirkte eher wie ein sehr breiter (20 m, würde ich aus der Erinnerung schätzen) Brunnenschacht. Er ist nur ein paar Meter tief, vermutlich ist in den über 100 Jahren seit dem Einschlag bereits genug Dreck hineingefallen.

    Das Loch ist aber wirklich ziemlich zylindrisch, sieht fast wie ein Schuß­kanal aus. Der Felsboden wurde einfach glatt durchschnitten; die Wände sind gezackt aber echt regelmäßig.

    Es wurde auch nichts weggeschoben oder aufgehäuft, die Umgebung ist ganz flach. Und komisch ist auch, daß der „Schacht“ so gerade in die Tiefe führt, als der der Meteorit genau vom Zenit gefallen wäre.

    Ist das für Krater dieser Größe normal, oder woran kann das in diesem speziellen Fall liegen? Am felsigen Untergrund?

    Falls meine Beschreibungen zu vage sind: Photos kannst Du Dir mit meteor crater Doğubayazıt ergoogeln.

  43. #46 Drumer
    18. Februar 2013

    Chris: “Was wäre passiert, wenn der Asteroid nicht in einem schrägen Winkel sondern direkt senkrecht auf die Erde gefallen wäre?”

    Darüber hatte ich mich auch mit meinem Vater unterhalten und spekuliert. Gibt es dazu Daten?

    Theoretisch müsste er ja dann durch weniger Atmosphäre und würde dementsprechend auch nicht so lange abgebremst. Er sollte also größer (und schneller?) sein, wenn es zum Airbust kommt.
    Die Erdrotation sollte ja bei den Geschwindigkeiten keine so große Rolle spielen, oder?

  44. #47 Wurgl
    18. Februar 2013

    @Chemiker: Die engl. Wikipedia verlinkt auf diesen Krater Das passt aber gar nicht zu deiner Beschreibung?

  45. #48 Martin
    18. Februar 2013

    Hallo,

    als Zusatzinformationen gibt es hier noch die Flugbahn des Meteoriten zusammen mit den Abdeckfaechern der Fruehwarnradare Russlands als kmz File fuer Google Earth: http://russianforces.org/did_russian_early-warning_syst.html

    Und hier noch die vermutete Flugbahn des Meteoriten zusammen mit den Nuklearanlagen um Tscheljabinsk: http://www.fas.org/blog/ssp/2013/02/meteors-against-nukes.php

  46. #49 Florian Freistetter
    18. Februar 2013

    @Chemiker: “Wovon hängt es eigentlich ab, wie so ein Meteoriten­krater aussieht?”

    Vom Material, in das der Meteorit einschlägt und vom Alter. Ein Krater im Schlamm wird anders aussehen als einer im dicken Felsgestein. Und ein Millionen Jahre alter Krater sieht anders aus als ein frischer.

  47. #50 Alderamin
    18. Februar 2013

    @Drumer

    Denke ich auch, wobei jeder Einschlagwinkel möglich ist, die Geschwindigkeit der Erddrehung ist verhältnismäßig klein (an den Polen sogar 0, am Äquator 1667 km/h) und der Anflug kann auch aus einem Winkel erfolgen, dass in Summe mit der Erdrehung gerade erst ein senkrechter Einschlag zustande kommt.

    Krater sind aber praktisch immer flach und kreisrund, egal aus welcher Richtung der Einschlag erfolgt. Bei einem Einschlag mit kosmischer Geschwindigkeit kommt es zu einer Explosion (Materie wird verdampft), die den Druck gleichmäßig in alle Richtungen erzeugt und es wird ein sehr viel größeres Loch ausgehoben, als der Durchmesser des Meteoriten. Lediglich sehr flach streifende Einschläge haben z.B. auf dem Mond einige wenige ovale Krater erzeugt. Zylindrische Röhren gibt es nie; auf dem Mond können diese nur aus Lavaröhren entstehen (und soclhe wurden auch gefunden).

    Die weitaus meisten Meteoriten sind jedoch so klein, dass sie in der Luft auf eine Fallgeschwindigkeit von ein paar hundert km/h abgebremst werden, die graben sich beim Einschlag dann lediglich in den Erdboden ein, es gibt keine Explosion und keinen richtigen Krater. Aber auch keine tiefe Röhre, dazu müsste der Boden sehr porös sein, wie Schaumstoff. Wüsste nicht, welche Art Boden das sein soll.

  48. #51 Grüse
    18. Februar 2013

    Super Artikel, nur eine Kleinigkeit hat mich gestört:

    Die vertikale Achse gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der uns Objekte entsprechender Größe pro Jahr treffen

    Würde eher sagen, dass die absolute Häufigkeit angegeben wird, Wahrscheinlichkeit ist m.M. nach an dieser Stelle nicht korrekt (Natürlich versteht aber jeder, was gemeint ist).

  49. #52 Ben: Frage zur Explosion
    18. Februar 2013

    Hi an Florian und in die Runde,
    Zitat:”Es gibt also viel mehr Fläche, an der die Reibung mit der Luft stattfinden kann und die Reibungshitze erhöht sich plötzlich enorm stark. Dadurch explodieren die Bruchstücke regelrecht und eine große Schockwelle entsteht. Das ist der “Airburst”. ”

    Zunaechst habe ich mehrfach schon gelesen, dass die Reibungshitze nicht sehr tief eindringe (Ableitung der Waerme nach aussen in die sehr kalte Umgebung). Der Schmelzrand bei Meteoriten sei stets nur ein paar mm dick, die Koerper seien innen kühl – erst recht bei Meter-grossen Stücken. Demnach dürfte es keine thermalen Spannungen geben? Warum steht dann überall, der Meteorit sei explodiert? War es nicht eher ein einfaches Auseinanderbrechen durch die Belastungen beim Abremsen aus 50-facher Überschallgeschwindigkeit?

    Zum “Airburst”: Natürlich erhöht sich die Oberfläche beim bzw. NACH dem Auseinanderbrechen und dementsprechend die Angriffsfläche für Reibung und somit die Entstehung zusätzlicher Wärme. Aber trägt diese Wärme zum “Aufleuchten” des Feuerballes bei? Anders ausgedrückt: Kann man am Tage einen 15 Meter grossen Berg aus Lava in 20 km Entfernung noch sehen?

    Also: zusätzlliche Wärme entsteht schon. Aber kann diese zusätzlich entstehende Wärme soviel Material verdampfen lassen, dass eine Druckwelle diesen Ausmasses entsteht, die selbst nach Expansion 20 km tiefer solche Schäden verursacht? Schwer vorstellbar… Oder doch nur ein gigantischer “Überschallknall”?

    Nun zum Leuchten: Sicherlich ist das, wie im Artikel geschrieben, ionisierte Luft. Dieses Leuchten nimmt aber doch mit der Geschwindigkeit zu, bis der Meteorit auseinander bricht und sich die Geschwindigkeiten schlagartig verringern.
    Aus der Ferne sieht das dann sicher aus wie ein schnelles Aufleuchten und wieder Abdunkeln. Also wie Explosion!

    Darauf will ich letztlich hinaus: Wieviel von dieser “Explosion” war denn nun eine Explosion?

  50. #53 Alderamin
    18. Februar 2013

    @Ben

    Den genauen Mechanismus des Zerbrechens kenne ich auch nicht, aber jedenfalls sorgt das Zerbrechen dafür, dass die verbleibenden Stücke noch mehr Angriffsfläche bieten und noch schneller abgebremst werden, wodurch sie noch schneller weiter zerbrechen. Das wird dann wohl wie eine Kettenreaktion ablaufen. Der größte Teil der Abbremsung des Meteors findet in diesem Moment statt, wenn sich die Oberfläche schlagartig vergrößert.

    Wie viel Energie frei wird, kann man leicht ausrechnen: Der Meteoroid wurde von ca. 18 km/s auf fast 0 abgebremst und hatte 7000-10000 Tonnen Masse. Also wurde fast die gesamte Bewegungsenergie in Wärme umgewandelt. Die Bewegungsenergie ist 1/2 m*v². Setzen wir also ein:

    1/2* 10e+6 kg * (18000 m/s)² = 1,62e+15 J

    1 kT TNT entspricht 4,184e+12 J, also wären das 1,62e+15 J / (4,184e+12 J/kT) = ca. 400 kT (ziemlich grob gerechnet, es wurden bis 500 kT genannt).

    Eine Energie von 500 kT entspricht etwa 30 Hiroshima-Bomben. Dass Atombombenexplosionen eine verheerende Druckwelle erzeugen, haben wir, denke ich, alle schon einmal in Filmen gesehen.

    Dass das Leuchten des Meteors zunimmt, dürfte hauptsächlich an der mit abnehmender Höhe dichter werdenden Luft liegen. Die ionisierte Luft leuchtet grün. Der verglühende Meteoroid selbst leuchtet eher organgefarben, das sieht man am Schluss, wenn der Feuerball richtig hell wird, und bei den weiter fliegenden Trümmerstücken. In diesem Moment zerlegt es den Meteoroiden und die meiste Energie wird frei. Und dann entsteht die Druckwelle.

  51. #54 Wurgl
    18. Februar 2013

    So ein Ding kann ja durchaus auch in den obersten paar Millimetern irgendwelche Stoffe haben, die sich bei der Hitze der Reibung zu Gas umwandeln — durch chem. Reaktion oder einfach durch verdampfen. Bei 1000 Grad ist vieles gasförmig. Und wenn dieses Gas den Körper nicht verlassen kann … rumms. Bei Vulkanen sind ja auch Gase für den Rumms verantwortlich.

    Nicht dass ich damit die Erklärung für alles abgegeben hab, aber einen kleinen Beitrag zum Rumms liefern die Gase wohl schon.

  52. [...] der All der Aufregung über den Meteor von Russland sollte man den Vorbeiflug des Asteroiden 2012 DA14 nicht vergessen. Der fand auch am Freitag statt, [...]

  53. #56 Dark_Tigger
    18. Februar 2013

    Ahh nach 3 Tagen endlich eine kompetente Zusammenfassung von jemanden mit Ahnung zu lesen ist doch schön.

    Aber wenn man so drüber Nachdenkt, ist Russland da doch ziemlich knapp an einer größeren Katastrophe vorbei geschrammt. Überlegen wir uns doch einfach mal was passiert wäre wenn dieser Brocken 5 oder 10 Sekunden länger druchgehalten hätte auf seinen Weg abwärts.
    Da wär vermutlich mehr Kaputt gegangen als ein paar Fenster.
    Wobei ich eigentlich im sibirischen Winter auch nicht ohne Fenster da sitzen möchte.

  54. #57 Ben: Frage zur Explosion
    18. Februar 2013

    @Alderamin:
    Danke für die Erklärungen. :)
    Aber 2-3 Fragen hättte ich noch:
    (1) Diese Berechnung der Energie kannte ich schon. Nur sollte nicht ein bedeutender Teil dieser Energie schon vor dem Auseinanderbrechen abgegeben werden. Immerhin war der Flug >30 Sekunden lang, bis das Teil fragmentierte? Weist du (oder sonst jemand), welchen Teil der kinetischen Energie zwischen Atmosphaereneintritt und Fragmentierung “verloren” ging?

    Ausserdem schreibst du:”Der verglühende Meteoroid selbst leuchtet eher organgefarben, (…) In diesem Moment zerlegt es den Meteoroiden und die meiste Energie wird frei. Und dann entsteht die Druckwelle.”
    (2) Sollte sich nicht erst der Meteorit zerlegen, dann vergrößert sich die Oberfläche und dann wird Energie frei und die Druckwelle entsteht?
    (3) Und was ist denn jetzt die Druckwelle? Der Meteoroid als einzelner kompakter Körper schiebt doch zunächst eine Menge Gas vor sich her (ich stelle mir das als Überschallknall vor)? Beim Zerlegen müsste sich diese Gasfront doch aber reduzieren. Das hiesse aber, dass durch die Hitze freiwerdende Gase dies zunächst kompensieren müssen und dann noch viel mehr Gas freigesetzt werden muss, um diese verheerende Schockwelle auszulösen?
    Besteht diese Druckwelle nur aus freiwerdende Gasen?

    Sorry für die vielen Fragen. Ich bin in Physik nicht ganz unbedarft, aber in einem völlig anderen Gebiet. Daher kollidiert hier mein Halbwissen mit Darstellungen in einigen populärwissenschaftlichen Zeitschriften :)

  55. #58 Chemiker
    18. Februar 2013

    Lieber Wurgel,

    danke für die Antwort. Ich habe sehr gelacht, denn das Bild zeigt einen Berg ein paar zehn Kilometer westlich vom Meteoritenkrater. Da hat irgend­jemand die Wikipedia (und damit auch Dich) gewaltig ver*rscht.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Mount_Tend%C3%BCrek

    Der Meteoritenkrater ist *ganz* knapp an der iranischen Grenze. Wenn Du Doğubayazıt auf der E80 Richtung Osten verläßt, dann biegt die Straße ein bißchen nach Süden und kommt zur Grenze. Der Krater liegt knapp auf der türkischen Seite der Grenze, nur einen Steinwurf nördlich der Straße. Zumindest sagt das die Erinnerung, und eine andere Grenzstation, mit der ich es verwechseln könnte, ist ja nicht in Sicht.

    Möglicherweise ist es ja das hier:
    https://maps.google.com/maps?q=39.354642,43.866856&ll=39.416759,44.37125&spn=0.001065,0.002049&num=1&t=h&z=19
    Allerdings sieht das fast wie ein Zwillingskrater aus, aber auf meinen Photos (und in meiner Erinnerung) kommt nur ein Loch vor. Wie breit das Loch war, kann ich wirklich nicht genau sagen, vielleicht waren die 20 m aus dem ersten Posting zu optimistisch.

    Die Photos, die ich im Web finde, sind alle gerade so schlecht wie meine. Das liegt einerseits daran, daß man nur vom Rand des Kraters hinein­photograpieren kann, weil es keinen erhöht gelegenen Aussichts­punkt gibt. Schlimmer ist allerdings, daß das türkische Militär hinterher alle Bilder begutachtet und jedes löscht, auf dem außer dem Krater noch irgendetwas anderes zu sehen wäre.

    Das Bild trifft es ungefähr:
    http://www.panoramio.com/photo/2030329

  56. #59 Christian der 1.
    18. Februar 2013

    Ad “Jahoha”

    “Schau dir mal den Plot mit den doppellog Achsen an …”

    Wieviel der deutschen oder auch österreichischen Bev. wohl solche eine grafik auf anhieb versteht ?

    3%-10% oder mehr ?

    das ist ja auch eigentlich der grund, warum wir/hauptsächlich ihr (die großen aufklärer hier, florian, alderamin etc.) hier ja auf total verlorenem posten stehen.
    ja florian hat eine gewisse aufklärerische wirkung, aber gegen den neuen “volksempfänger” youtube und co, doch in wirklichkeit auch keine/oder nur begrenzte chance.

  57. #60 Alderamin
    18. Februar 2013

    @Ben

    zu 1)
    Solange der Meteoroid nicht auseinanderbrach, hatte er viel weniger Reibungsfläche, also hatte er bis dahin auch weniger Energie verloren. Da befand er sich zudem noch in dünnerer Luft. Wieviel Energie frei wird, kann man an der Helligkeitsentwicklung erkennen, und das Gros war halt am Ende des Fluges. Selbst wenn er die Hälfte der Bewegungsenergie vorher schon verloren hat, waren das immer noch ein paar Atombomben-Äquivalente, die zum
    Schluss in kurzer Zeit frei wurden.

    2) Ja, aber die Fragmentierung wird ja unter der größer werdenden Hitze immer schneller, deswegen geht das ganze explosionsartig vonstatten. Jedes Bruchstück zerfällt wieder in weitere, die Zahl der Stücke und damit die Oberfläche wächst exponentiell an, und das ist die Explosion.

    3) Die Druckwelle entsteht sicherlich durch die erhitzte Luft. Was geht eigentlich bei einer Atombombenexplosion vor sich? Da wird in kurzer Zeit im wesentlichen nur eine große Menge Gammastrahlung frei (übrigens auch in einer exponentiell anwachsenden Explosion, der Kettenreaktion der zefallenden Kerne, deren frei werdende Neutronen weitere Kerne zum Zerfallen bringen), die erhitzt den relativ leichten Behälter der Bombe und die umgebende Luft. Oberhalb von ca. 3000 K ist die Luft durch Ionisation undurchlässig für elektromagnetische Strahlung und kann thermische Strahlung nur schlecht loswerden, deswegen baut sich ein mit Überschallgeschwindigkeit ausdehnender Feuerball auf, der letztlich als Druckwelle endet.

    Das dürfte bei einem großen Meteor ganz ähnlich ablaufen, wenn er auch nicht so heiß wird. Jedenfalls setzt er in kurzer Zeit eine große Menge Hitze frei, genau wie bei einer Atombombe. Und daher kommt die Druckwelle.

    Wenn der Meteor bis auf den Boden schlagen würde, dann gäbe es auch genau so einen “Atompilz” wie bei einer echten Atombombe, denn die heiße Luft im Feuerball würde rasch aufsteigen und Bodenmaterial mit hochreißen.

  58. #61 JaJoHa
    18. Februar 2013

    @Ben
    Ich hoffe das stimmt so halbwegs:
    Wenn du die barometrische Höhenformel annimmst (ist nur eine Näherung), dann merkst du das die Dichte mit steigender Höhe sehr schnell abnimmt. Das bedeutet, das mit dem Eindringen in tiefere Schichten die Dichte und damit auch die Reibung in etwa exponentiell zunimmt. Das heißt, es sollte nicht viel Energie verloren gegangen sein.
    Und Gase sollte der Impaktor doch nicht viele enthalten, ich tippe eher auf den Effekt, das die vorallem erhitzte Luft die Druckwelle erzeugt

  59. #62 Ben: Frage zur Explosion
    18. Februar 2013

    ok.
    Vielen Dank für die Antworten :)

  60. #63 Florian Freistetter
    18. Februar 2013

    @Ben: Zum Auseinanderbrechen des Meteoriten gibts hier nen netten Artikel: http://www.wired.com/wiredscience/2013/02/why-does-a-meteor-explode-in-the-air/

  61. #64 Nyarlathotep
    18. Februar 2013

    frage, wie ist man auf die 300 bis 500 KT sprengkraft gekommen? wenn ich diverse impaktsimulatoren im internet befrage, wie z.b.

    http://www.purdue.edu/impactearth/
    oder
    http://impact.ese.ic.ac.uk/ImpactEffects/

    dann komme ich bei exakter eingabe der bekannten daten des russland-meteors lediglich auf eine sprengkraft von 73 KT, die beim airburst freigesetzt wurden, während hingegen die energie des objekts VOR dem atmosphäreneintritt mit 205 KT angegeben wird. der durchschnittliche intervall einer kollision eines solchen objekts mit der erde, wird auch nur mit 32,5 jahren angegeben, nicht mit 100.

    allerdings habe ich bei den projektilparametern eine dichte von 3000 kg/m³ für ein objekt aus massivem gestein ausgewählt. wenn ich den gleichen vorgang nun mit einer dichte von 8000 kg/m³ für ein stark eisenhaltiges objekt wiederhole, dann bekomme ich etwas andere daten: dann läge die energie beim airburst bei etwa 430 KT. das würde dann also schon eher hinkommen. aber auch hier stimmt dann der durchschnittliche ereignisintervall immer noch nicht ganz überein. bei einem stark eisenhaltigen dieser größer, wird er mit 76,2 jahren angegeben, was immer noch kürzer als die angegebenen 100 jahre wäre.

    daher abschließend eine frage: stimmt es also, dass der russland-bolide wirklich zu einem großen teil aus eisen bestand?

  62. #65 Florian Freistetter
    18. Februar 2013

    @Nyarlathotep: stimmt es also, dass der russland-bolide wirklich zu einem großen teil aus eisen bestand?

    Nein. Das war ein normaler Chondrit. Wenn das Teil aus Eisen gewesen wäre, hätten wir jetzt im Ural einen knapp 100 Meter großen Krater und jede Menge Tote. Ich würde das Problem eher bei den Impaktsimulatoren suchen…

  63. #66 Alderamin
    18. Februar 2013

    @Nyarlathotep

    Na ja, der Durchmesser kann ja nur über die Dichte ermittelt werden, und die weiß man erst, wenn man Meteoriten gefunden hat (und davon war heute erstmals die Rede). Die ersten Analysen der NASA bezogen sich auf die Infraschallmessungen, die wohl die freigewordene Energie abschätzen ließen, d.h. man hat eine grobe Hausnummer für die Energie und daraus die vermutliche Größe, ausgehend von irgendeiner Annahme über die Dichte, ermittelt. Die sicherste Zahl ist also die Energie.
    Mittlerweile will man ja Meteoriten mit 10% Eisenanteil gefunden haben.

    Diese Impact-Rechner geben einem ohnehin nur einen groben Anhaltspunkt. Mich wundert allerdings auch, dass der Airburst so wenig von der Gesamtenergie des Einschlags ausmacht. Aber ich bin nun kein Experte und meine Rechnungen sind natürlich nur Größenordnungen, 1/2 mv² mit v von 18 km/s ist ja sehr simpel.

    Was die Häufigkeit betrifft, die habe ich anhand der angegebenen Energie im Diagramm abgelesen, so gut das auf dem Bildschirm geht. Da lande ich ungefähr bei 1e-2/Jahr für 0.5e+3 kt.

  64. #67 McPomm
    18. Februar 2013

    In diversen Artikeln von Online-Medien kann man eine DPA-Meldung vom 16.2. lesen, in der auf die NASA verwiesen wird:

    Die amerikanischen Experten haben die Umlaufbahn des Himmelsbrockens berechnet und veröffentlicht. Demnach kreuzte er auch die Bahnen von Merkur und Venus und kam dem Mars sogar recht nahe. Erst mit der Erde kollidierte er dann.

    Auf nasa.gov kann ich dies allerdings nicht finden.

  65. #68 Florian Freistetter
    18. Februar 2013

    @McPomm: “Auf nasa.gov kann ich dies allerdings nicht finden.”

    Die Umlaufbahn gibts hier: http://wiki.nasa.gov/cm/blog/Watch%20the%20Skies/posts/post_1360985685055.html

  66. #69 Nyarlathotep
    18. Februar 2013

    @florian

    also mit anderen worten: bei einem 15 m großen eisenasteroiden wäre es nicht zu einem airburst gekommen, stattdessen wäre er auf dem boden eingeschlagen?

    sind diese impaktsimulatoren wirklich so falsch bzw. ungenau? das kann ich mir nicht so richtig vorstellen, denn offenbar stimmen auch angaben bei der wikipedia, sowie direkt bei der NASA bezüglich asteroiden im großen und ganzen mit berechnungen genau dieser simulatoren überein. zudem werden diese simulatoren offifziell von universitäten zur verfügung gestellt.

  67. #70 Kallewirsch
    18. Februar 2013

    denn offenbar stimmen auch angaben bei der wikipedia, sowie direkt bei der NASA bezüglich asteroiden im großen und ganzen mit berechnungen genau dieser simulatoren überein

    So?
    Mit wievielen realen Ergebnissen hat man denn die Simulationsergebnisse bisher vergleichen können?

    Im Zweifel ist immer die Realität richtig und die Simulation fehlerhaft :-)

    (Was ich sagen will: Verlass dich nicht zu sehr auf Simulationen. Die Simulationen beruhen zu einem nicht unerheblichen Teil auf Modellbildung und was alles passiert wenn kleine, untersuchte Ereignisse, hochgerechnet werden. Ob das auch alles tatsächlich dann mit der Realität übereinstimmt, ist damit noch lange nicht gesagt. Die Realität hält immer wieder Überraschungen für die Simulatoren bereit)

  68. #71 Florian Freistetter
    18. Februar 2013

    @Nyarlathotep: “sind diese impaktsimulatoren wirklich so falsch bzw. ungenau? das kann ich mir nicht so richtig vorstellen, denn offenbar stimmen auch angaben bei der wikipedia, sowie direkt bei der NASA bezüglich asteroiden im großen und ganzen mit berechnungen genau dieser simulatoren überein. zudem werden diese simulatoren offifziell von universitäten zur verfügung gestellt.”

    Ich hab diese Simulatoren nicht getestet und nicht benutzt. Vielleicht liegts auch daran, wie man die Ergebnisse interpretiert. Es war jedenfalls mit Sicherheit kein Eisenasteroid! Die lösen sich nicht auf. Und die sind auch enorm selten. Und dann hätte man auch keine Chondrit-Meteoriten in der Gegend gefunden.

  69. #72 JaJoHa
    18. Februar 2013

    @Nyarlathotep
    Wie das Objekt sich zwischen Eintritt und Aufschlag/Airburst verhält sollte ja sehr stark von der Beschaffenheit abhängen. Ein kompaktes Objekt ohne Risse wird eher unten ankommen als ein von Rissen durchzogenes, bröseliges Objekt. Das kann man aber vermutlich nicht im Vorfeld sagen, welchen Fall man da hat

  70. #73 Nyarlathotep
    18. Februar 2013

    nun, asteroiden, die zu 100% aus eisen wird es sicher auch gar nicht geben. wenn, dann werden es höchstens asteroiden mit einem hohen eisenanteil sein. dennoch wird dann aber immer noch ein beträchtlicher anteil davon anderes material sein. die bei den simulatoren höchste auswählbare dichte von etwa 8000 kg/m³ entspricht ja der dichte von reinem eisen bzw. stahl. und ich kann mir nicht vorstellen, das etwas natürlich entstandenes zu fast 100% aus eisen besteht. es könnte höchstens sein, dass die dichte von 8000 kg/m³ die summe verschiedener elemente ist, aus der der asteroid besteht und auch noch schwerere elemente wie cobalt, kupfer und nickel anteilig die zusammensetzung ausmachen.

  71. #74 Alderamin
    18. Februar 2013

    @Nyarlathotep

    nun, asteroiden, die zu 100% aus eisen wird es sicher auch gar nicht geben. wenn, dann werden es höchstens asteroiden mit einem hohen eisenanteil sein.

    Deswegen heißen die Eisenmeteoriten auch Nickel-Eisen-Meteoriten ;-). Die gibt es schon und sie stammen aus dem Inneren größerer Planetoiden, die innen augfeschmolzen sind und sich differenziert haben: schwere Bestandteile sanken nach innen, die leichteren schwammen oben auf. Aber es gibt halt nicht viele Planetoiden, die es nachher wieder so zerlegt hat, dass die zertrümmerten Kerne sich als Meteoroiden im All verteilen konnten.

  72. #75 robsn
    18. Februar 2013

    Laienfrage: Ist die Annahme korrekt, dass eine Druckwelle sich immer mit Schallgeschwindigkeit ausbreitet?

  73. #76 schmu
    Wien
    18. Februar 2013

    Hallo, ich hätt hier mal eine Frage zum Energie – TNT Äquivalent:
    Laut wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/TNT-%C3%84quivalent) entspricht 1 kT TNT 4.184 TJ.
    Beim Eintritt des Asteroiden in die Atmosphäre wird ja grundsätzlich die Kinetische Energie frei.
    Diese entspricht laut Ihren Daten 1.134 PJ (mit m=7000t) bzw. 1.62 PJ (mit m=10000t).
    Daraus folgt ein TNT Äquivalent von 271 kT bzw. 387 kt TNT.
    In Ihrem Text schreiben Sie aber von 300 kT bis 500 kT TNT! Woher kommt dieser doch sehr große Unterschied?

  74. #77 JaJoHa
    18. Februar 2013

    @schmu
    Spontan würde ich vermuten, das da die Energie die potentielle Energie nicht berücksichtigt ist, da am “Rand ” der Atmosphäre zwar die kinetische Energie T vorliegt, aber noch U in potentieller Energie vorhanden ist. Summe L=T+U ist das, was beim Eintritt insgesamt frei wird. Das liefert grob 60MJ/kg, wenn ich mich grade nicht verrechnet habe

  75. #78 Paul
    18. Februar 2013

    Hi zusammen,

    Ich habe jetzt mal folgenden Rechner angeworfen:

    http://www.grc.nasa.gov/WWW/BGH/stagtmp.html

    Leider kann das Applet nicht mit Geschwindigkeiten über 7800 m/s umgehen, soll für die Überlegung jetzt mal egal sein. In 75km Höhe bei 7800 m/s erreicht die Luft in der Schockwelle vor dem eintretenden Objekt eine Temperatur von 24053 K, sollte also weiß-bläulich leuchten.

    Ich bin der der Erklärung mittels “strahlende Rekombination” noch nicht ganz zufrieden. Auf welchen Wellenlängen leuchtet ionisierter Stickstoff und Sauerstoff? Und wodurch wird die Luft ionisiert – durch Reibung oder durch die hohe Temperatur? Kann sich die Luft überhaupt an dem eintretenden Objekt reiben? Ich dachte in solchen Situationen wird die Luft einfach vor dem Objekt her geschoben und es bildet sich ein Mach-Kegel aus aber die Luft selbst tritt fast nicht mit dem Objekt in Kontakt!?

  76. #79 schmu
    18. Februar 2013

    @JaJoHa
    Nunja, aber bei diesem Airburst zereißt es den Asteroiden und die Bruchstücke fallen weiter auf die Erde. Sie liegen ja nicht nach der Explosion sofort auf der Erdoberfläche.
    Die Potentielle Energie kann daher eher nicht eingehen mein ich.

  77. #80 JaJoHa
    18. Februar 2013

    @schmu
    Teilweise wird sie eingehen. Der Airburst war in 20 km oder so. Das heißt, das wird die Grenzen deines Integrals verändern.

  78. #81 AmbiValent
    18. Februar 2013

    @schmu
    20 km sind weniger als ein halbes Prozent des Erdradius…. das fällt kaum ins Gewicht bei der Berechnung der Energie. Es ist natürlich für uns Menschen besser, wenn die Energie des Airburst sich nach der Explosion erst einmal in alle Richtungen verteilt statt direkt am Boden auf einmal freizuwerden.

  79. #82 Florian Freistetter
    19. Februar 2013

    @schmu: “Daraus folgt ein TNT Äquivalent von 271 kT bzw. 387 kt TNT. In Ihrem Text schreiben Sie aber von 300 kT bis 500 kT TNT! Woher kommt dieser doch sehr große Unterschied?”

    Also so groß würde ich den Unterschied nicht sehen. Man darf nicht vergessen, dass es keine exakte Daten gibt. Man kann den Durchmeser des Asteroiden nur schätzen und die Masse ist noch weniger genau bekannt, weil man das Material nicht kennt. Die Zahlen entstammen keinen exakten Rechnungen, sondern Schätzungen.

  80. #83 Wolfgang Flamme
    19. Februar 2013

    @Olaf aus HH (#28)

    Dann gehören Sie (wie ich auch) zu den eher wenigen Beobachtern, die schonmal einen Boliden beobachtet und ihn _praktisch gleichzeitig_ gehört haben.

    Es wurde lange Zeit als reine Sinnestäuschung abgetan; inzwischen bin ich aber auf Veröffentlichungen gestoßen, die das für ein reelles – wenn auch seltenes unzureichend erforschtes – physikalisches Phänomen halten.

  81. #84 Herbert
    19. Februar 2013

    @Chemiker:
    Das Loch in Doğubayazıt sieht deswegen nicht nach Meteoritenkrater aus, weil es kein Meteoritenkrater ist, sondern eine Karsterscheinung (Doline).

  82. #85 Herbert
    19. Februar 2013

    @Olaf, Wolfgang Flamme:
    Diese Schallwahrnehmungen, die gleichzeitig mit dem Meteor auftreten, werden “electrophonic sounds” genannt. Man führt das Phänomen auf extrem langwellige Radiostrahlung zurück, die vom Plasma des Feuerballs ausgeht. Ein geeigneten “Empfänger” (Fahnenmast aus Metall, o. ä.) kann diese Radiowellen dann in hörbaren Schall umwandeln. Mehr dazu hier:
    http://adsabs.harvard.edu/full/1992Metic..27..144K

  83. #86 Alderamin
    19. Februar 2013

    @Herbert

    Etwas ähnliches habe ich mal bei einem nahen Blitzeinschlag erlebt: die Küchenspüle aus Metall rasselte gleichzeitig mit dem Blitz und der Donner kam eine halbe Sekunde später. Kann allerdings sein, dass der Strom da über die Erde kam, nicht als Radiostrahlung.

  84. #87 Alderamin
    19. Februar 2013

    @robsn

    Laienfrage: Ist die Annahme korrekt, dass eine Druckwelle sich immer mit Schallgeschwindigkeit ausbreitet?

    Wenn keine mit Überschall explodierende Materie die Druckwelle anschiebt bzw. erzeugt, ja.

  85. #88 Herbert
    19. Februar 2013

    @schmu:
    Man muss sich erst mal vergegenwärtigen, wie die Energie bestimmt wird. Hauptsächlich geht das auf Infraschall-Messungen durch die Messstationen des Nuclear Test Ban Treaty zurück. Das sind Messstationen, die über die ganze Welt verteilt sind, um eventuelle nuklear Explosionen aufzuspüren.

    Aus den Messungen des Infraschalls kann man auf die Explosionenergie zurückschliessen. Erste Ergebnisse, wo nir die Daten weniger Stationen einfliessen, sind noch relativ unsicher – eine Abweichung um den Faktor 2 ist da sicherlich drinnen. Eine genaue Auswertung wir am Ende ein präziseres Ergebnis bringen.

    Aus der Explosionsenergie schliesst man dann auf die Masse des Meteoroiden zurück. Was man da rausbekommt, hängt wiederum davon ab, welche Geschwindigkeit man annimmt, und da gibt es natürlich auch noch Unsicherheiten. Und wenn man dann auch noch den Durchmesser bestimmen will, dann muss man auch die Dichte des Meteoroiden kennen. Dazu muss man wiederum wissen, aus welchem Material das Ding bestand (das weiss man jetzt, nachdem man Meteorite gefunden hat) und welche Porosität der Meteoroid hatte (d.h., ob er kompakt war oder ein “rubble pile”).

    In Summ gehen in die Rechnung also viele Parameter ein, die alle mit gewissen Unsicherheiten behaftet sind (insbesondere in den ersten, schellen Analysen) und so ist es nicht verwunderlich, dass (noch) unterschiedliche Angaben zu lesen sind.

  86. #89 Chemiker
    19. Februar 2013

    @ Herbert

    Das Loch in Doğubayazıt sieht deswegen nicht nach Meteoritenkrater aus, weil es kein Meteoritenkrater ist, sondern eine Karsterscheinung (Doline).

    Die These würde in der Tat einiges erklären, zumal in Ost­anatolien genug getrickst wird; nur ein paar Kilometer jenseits des Meteoriten­kraters kann man sich die Arche Noah (Nuhun Gemisi, den Rest macht Google Image Search) ansehen. Dabei handelt es sich aber nicht um eine archäo­logische Sensation, sondern um eine geo­logische Formation.

    Karst braucht doch Kalk, oder? Mit meiner sehr beschränk­ten geo­logischen Expertise (soll heißen: als blutiger Laie) hätte ich den Boden für Basalt gehalten.

    Kann ich irgendwo im Internet (oder sonstwo) mehr darüber nachlesen? Ich habe damals eine Schweinegeld dafür gezahlt, daß ich mir das ansehen kann; jetzt würde ich gerne wissen, was es eigentlich war.

  87. #90 Herbert
    19. Februar 2013

    @Chemiker:
    Ich will mich nicht auf Karst festlegen, vielleicht erinnere ich mich da falsch. Sagen wir allgemeiner, es ist ein Sinkhole. :)

    Im Internet kann ich (zumindest auf die schnelle) nichts finden. Ist aber auch nicht weiter verwunderlich, weil die Geologen ja nicht bei jedem Sinkhole ein Paper publizieren, in dem beweisen wird, dass es kein Meteoritenkrater ist.

    Aber hier ist die ultimative Internet-Referenz bezüglich Meteoritenkrater:

    http://www.passc.net/EarthImpactDatabase/

    Was da nicht aufgelistet ist, ist auch kein (verifizierte) Meteoritenkrater.

  88. #91 Wolfgang Flamme
    19. Februar 2013

    @Herbert (#85)
    Danke für das Stichwort “electrophonic sounds”, da läßt sich eine Menge Infos dazu finden.

    Damals war ich auf einer Wanderung quer durch Korsika, hatte das abendliche Etappenziel verfehlt und war auf der Suche nach einem geeigneten Lagerplatz als jemand plötzlich unmittelbar hinter meinem Kopf ein Streichholz anriß – das war zumindest im ersten Erschrecken mein Eindruck … das unregelmäßige Zischen/Krackeln und der aufflammende Lichtschein direkt hinter mir. Im Umdrehen sah ich dann den Boliden in Laufrichtung über meiner linken Schulter passieren.
    Gut möglich, daß der Alurahmen meines Rucksackes damals den ‘Empfänger’ darstellte.

    Der optische und akustische Eindruck waren jedenfalls so stark und zusammenpassend, daß mir der Widersinn dieser Gleichzeitigkeit erst viele Jahre später aufging.

  89. #92 Herbert
    19. Februar 2013

    Noch eine Ergänzung, weil oben schon vom “AtompilZ” die Rede war: Im Prinzip hat die Wolke, die wir von den Bildern kennen, eine derartige Pilzform. Aus zwei Gründen weicht die Form der Meteorwolke aber von einer typischen Pilzwolke ab:

    Erstens wurde hier die Energie nicht an einem Punkt freigesetzt (wie bei einer Atombombe), sondern entlang einer Linie. Deshalb ist der Pilz extrem in die Länge gezogen. Der Querschnitt durch die Wolke (senkrecht zur Bewegungsrichtung des Meteors) ist aber dennoch pilzförmig.

    Zweitens fand die Explosion (glücklicherweise!) so hoch über der Erdoberfläche statt. dass die in der Mitte nachströmende Luft keinen Staub vom Boden mit nach oben saugen konnte. Daher fehlt dem Pilz im Falle des Meteors der “Stiel”.

    Auf diese Weise ist die eigenartige, spiegelsymmetrische Form der Meteorwolke erklärlich. Wenn man sich Aufnahmen von Beobachtern ansieht, die mehr oder minder direkt unter der Wolke standen (wie z.B. hier, etwa bei 00:26 und 00:58:
    http://www.youtube.com/watch?v=joCUnvWYaww) sieht man auch, dass die beiden parallel laufenden Wolkenstränge durch das “Dach” des Pilzes verbunden sind.

  90. #93 Paul
    19. Februar 2013

    Habe hier eine Antwort auf meine Fragen gefunden (#4 + #5):

    http://rense.com/general28/top5.htm

  91. #94 MICHA KARSTEN ZERG
    erde , thüringen
    20. Februar 2013

    es iss doch erstaunlich wie groß teilweise die unwissenheit ist und das sich viele menschen in unserem bildungsland im tiefen tal der planlosigkeit aufhalten.
    der artikel ist gut aber die komment´s zeigen das deutschland echt ne bildungslücke hat und hier schreiben schonmal die , die interesse an einem extremen mainstreemthema haben wie astro ^^

    mfg karsten

  92. [...] Nachtrag Die Science-Blogs beschreiben das ganze auch recht schön [...]

  93. #96 Chemiker
    20. Februar 2013

    @Herbert

    Aber hier ist die ultimative Internet-Referenz bezüglich Meteoritenkrater:

    http://www.passc.net/EarthImpactDatabase/

    Was da nicht aufgelistet ist, ist auch kein (verifizierte) Meteoritenkrater.

    Danke. Diese Liste ist ja erstaunlich kurz. Offenbar ist der türkische Krater wirklich getürkt.

    Es steht auch ein Schild dabei (Türkçe und bad English), das behauptet, der Meteorit sei Septem­ber 1892 mit großen Effekten ein­geschlagen und nennt das Ding “the second largest crater in the world after the one located in Alaska)”. Naja.

  94. #97 Herbert
    20. Februar 2013

    @Chemiker
    Ich möchte den Leuten vor Ort gar keine böse Absicht unterstellen. Vielleicht ist das Loch tatsächlich 1892 eingebrochen, und die Leute glaubten damals (und viellciht auch heute noch), es wären tatsächlichdie Folgen eines Meteoriteneinschlags gewesen. Glaube kann Berge versetzen, und auch Löcher zu Kratern machen. :)

  95. #98 Florian Freistetter
    20. Februar 2013

    @Herbert: ” und auch Löcher zu Kratern machen.”

    Besonders im Chiemgau… Der “Unser See muss ein Krater sein!!”-Verein hat mir vor Weihnachten ja sogar extra ihre Vereinszeitung geschickt (wahrscheinlich deswegen, weil ich daran als böser Systemwissenschaftler erwähnt wurde). Aber die Krater-Lobby dort ist stark; die Geschichte vom Chiemgau-Impakt stand erst vor ein paar Tagen wieder in der Zeitung (Focus, glaub ich).

  96. [...] und explodierte über der russischen Provinz Tscheljabinsk als Meteor. Das Ereignis an sich ist nicht so selten und einmalig wie man denkt. Aber der spezielle Fall von Tscheljabinsk ist es! Zum ersten Mal seit wir vernünftige [...]

  97. [...] Woche konnten wir eine äußerst seltene Naturkatastrophe erleben: Die Explosion eines Meteors über Russland. In Italien findet derzeit ein wesentlich alltäglicheres Naturereignis statt: Der Ausbruch eines [...]

  98. [...] gibt es immer mehr Informationen über den Meteor, der kürzlich über Russland explodiert ist. Die Medien mögen das Thema vielleicht ignorieren, die Wissenschaftler aber forschen natürlich [...]

  99. [...] rumfliegen, sondern ab und zu mal mit einem Planeten zusammenstoßen, sollte spätestens seit dem Meteor über Russland im Februar allgemein bekannt sein. Der Erde geht es dabei noch relativ gut. Wir haben unsere [...]

  100. [...] sich noch jemand an den Meteor, der im Februar über Russland explodiert ist. Der war ja zumindest aus der Sicht der Medien schon am nächste Tag wieder vergessen. Dabei hat [...]

  101. [...] erinner euch sicher noch: Im Februar 2013 kollidierte ein kleiner Asteroid mit der Erde und zerbrach in der Luft über Russland. Es gab zum Glück keine Todesopfer aber die entstehende Druckwelle sorgte für jede Menge [...]

  102. [...] Meteor der im Februar über Russland zu sehen war, hat jede Menge Chaos und Zerstörung angerichtet. Zum Glück gab es nur Sachschäden [...]

  103. [...] zwar von ziemlichen vielen Menschen. Es handelt sich um ein Bruchstück des Himmelskörpers, der im Februar über Russland explodiert ist und dabei jede Menge Zerstörung aber zum Glück keine echte Katastrophe angerichtet [...]

  104. [...] sind durchaus real; das haben wir ja erst Anfang des Jahres anläßlich des Meteors von Tscheljabinsk wieder gesehen. Aber die Chance das 2013 TV135 auf die Erde trifft sind äußerst gering. Es lohnt [...]

  105. […] Fall des Meteoriten bei Tscheljabinsk am 15. Februar nun wirklich schon viel geschrieben und gebloggt. Da aber gerade ein paar Veröffentlichungen erschienen sind, die die Ergebnisse zusammenfassen, […]

  106. […] Florian Freistetter hat eine hochinformative Zusammenfassung zum gestrigen Meteor veröffentlicht. Wie immer einfach verständlich und wärmstens zur Lektüre empfohlen: […]

  107. […] im Februar 2012 ein Asteroid über Russland explodierte wurde uns wieder einmal mehr als deutlich vor Augen geführt, dass im Weltall jede Menge Objekte […]

  108. #112 rolak
    15. Februar 2014

    Well it was 20a single year ago today…

    Hoffentlich haben die damals Geschädigten so wenig Nachwirkungen wie nur eben möglich.

  109. […] die Erde treffen. Und auch dann rummst und blitzt es gewaltig: So wie zum Beispiel im Februar 2013, als so ein Ereignis über Tscheljabinsk in Russland stattfand. Solche “Meteore” (auch “Bolide” oder “Feuerkugeln” genannt) […]

  110. […] sein, wenn es um Zusammenstöße geht. Dass solche Ereignisse immer wieder stattfinden haben wir ja erst letztes Jahr wieder recht eindrucksvoll gesehen (übrigens: Der kürzlich entdeckte Asteroid 2014 UR116 ist keine Gefahr für die Erde). Sollte […]