Heute ist Asteroid Day. Dieser Tag soll dazu dienen, den Menschen etwas über Asteroiden zu erzählen. Über die Gefahren, die von ihnen für die Erde ausgehen; über die Möglichkeiten die wir haben, um diesen Gefahren zu begegnen und die Chancen, die in der Erforschung der Asteroiden zu finden sind. Der Asteroid Day wird von Wissenschaftlern, Ingenieuren, Raumfahrern, Künstlern und jeder Menge anderer interessierter Leute organisiert und unterstützt und überall auf der Welt gibt es heute spezielle Veranstaltungen bei denen die Asteroiden im Mittelpunkt stehen. Unter anderem auch in Berlin, Hamburg, Graz und Wien (dort kann man nicht nur einer Diskussion mit Österreichs einzigem Astronauten zuhören, sondern auch bei freiem Eintritt eine Führung durch die berühmte Meteoritensammlung machen – was ich nur sehr empfehlen kann).

Meteoriten in Wien

Meteoriten in Wien

Ich selbst bin ja gerade in Lindau bei der jährlichen Tagung der Nobelpreisträger. Asteroidenforscher sind da aber leider keine darunter (obwohl ich persönlich ja der Meinung bin, dass die Erforschung der Ursprünge und der Entstehung unseres Sonnensystems, der Erde und allem anderen – und nichts anderes ist Asteroidenforschung! – ja durchaus nobelpreiswürdig wäre…).

Aber ich habe in den vergangenen Jahren schon so viel über Asteroiden in meinem Blog (und anderswo) geschrieben, dass eigentlich genug Material vorhanden ist, um den ganzen Asteroid Day lesend zu verbringen. Ich werde vermutlich nicht mehr alle Artikel finden – hoffe aber, eine interessante Auswahl präsentieren zu können.

Fangen wir mit dem Datum an: Warum findet der Asteroid Day gerade am 30. Juni statt? Weil das der Jahrestag einer der letzten großen Kollisionen zwischen der Erde und einem Asteroid ist! Am 30. Juni 1908 explodierte über der sibirischen Tundra bei Tunguska ein großer Himmelskörper und richtete enorme Zerstörung an. Was damals passiert ist, habe ich in diesem Artikel genauer beschrieben. Damals ist glücklicherweise kaum jemand verletzt worden und vermutlich niemand gestorben. Aber wäre der Tunguska-Asteroid 4 Stunden und 47 Minuten später mit der Erde zusammengestoßen, dann hätte sich unser Planet ein Stückchen weiter gedreht und anstatt über der sibirischen Tundra zu explodieren, hätte er die Stadt St. Petersburg zerstört!

Dass solche Ereignisse nicht nur in der Vergangenheit sondern auch in der Gegenwart stattfinden, hat uns im Februar 2013 der Meteor von Tscheljabinsk gezeichnt. Dort passierte das gleiche wie damals in Tunguska; nur war der Asteroid etwas kleiner und hat deswegen zwar jede Menge Sachschaden angerichtet, aber keine Menschenleben gefordert. Was vor zwei Jahren über Russland passiert ist, habe ich hier ausführlich zusammengefasst.

Es ist also durchaus angebracht, über Asteroiden Bescheid zu wissen. Eine kurze Einführung habe ich in meinem Artikel “Asteroiden im Sonnensystem” gegeben, der erklärt, welche verschiedenen Gruppen es gibt und wodurch sie sich unterscheiden. Asteroidengürtel gibt es ja einige zwischen den Planeten und wir stellen sie uns – dank entsprechender Hollywoodfilme – meistens völlig falsch vor. Wie viel Platz in einem Asteroidengürtel wirklich ist, habe ich hier erklärt.

Die meisten dieser Asteroiden sind uns auch nicht gefährlich. Nur die erdnahen Asteroiden können mit der Erde kollidieren und über die habe ich besonders oft geschrieben:

Nicht 12, sondern nur 8 Asteroiden - aber immerhin haben wir die schon mal aus der Nähe gesehen! (Bild: NASA/JPL-Caltech/JAXA/ESA)

8 Asteroiden die wir schon mal aus der Nähe gesehen haben (Bild: NASA/JPL-Caltech/JAXA/ESA)

Wenn es um gefährliche Asteroiden geht, dann will man natürlich auch wissen, ob man was dagegen tun kann. Kann man – allerdings nicht das, was man so aus den Kinofilmen kennt. Wie Asteroidenabwehr in der Realität aussehen kann, habe ich in vielen Artikel beschrieben. Zum Beispiel meiner Serie zur Asteroidenabwehr: Asteroidenabwehr: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5. Ich habe aber auch zwei Podcastfolgen über Asteroidenabwehr aufgenommen: Teil 1 und Teil 2. Ich habe auch über die “Konferenz der Weltretter” berichtet, bei der verschiedene Methoden der Asteroidenabwehr diskutiert worden sind.

Natürlich sind Asteroideneinschläge auch immer ein beliebtes Thema für Verschwörungstheoretiker und Weltuntergangspropheten. Ich weiß gar nicht, wie oft ich in den letzten Jahren in Artikel erklären musste, dass die Behauptung “Asteroid XYZ wird demnächst mit der Erde kollidieren!” nicht stimmt, auch wenn sie von irgendwelchen Typen im Internet verbreitet wird. Oder das man sich keine Sorgen machen muss, wenn ein Asteroid an der Erde vorbei fliegt, weil er ja vorbei fliegt – auch wenn die Medien solche Ereignisse gerne nutzen um ein bisschen Panik zu machen. Ich will die ganzen Artikel zu diesem Thema jetzt auch nicht alle raussuchen, sondern nur auf diesen Beitrag verweisen, der alles zusammenfasst. Und natürlich ließe sich so ein bevorstehender Einschlag auch nicht geheim halten, wie ich hier erklärt habe.

Anstatt irgendwelche Weltuntergangsspinnereien zu widerlegen macht es viel mehr Spaß, sich mit der Erforschung der Asteroiden zu beschäftigen. Auch da habe ich viel zu viele Artikel geschrieben um sie hier alle aufzulisten (wer zu viel Zeit übrig hat und mir ne Freude machen will kann aber gerne mal mein ganzes Blog durchgehen und einen thematischen Katalog all meiner Asteroidenartikel erstellen 😛 ), aber hier sind ein paar, die sich mit besonders interessanten Objekten beschäftigen:

Sehr cool sind natürlich die Trojaner! Diese Asteroiden, die sich ihre Bahn mit einem Planeten teilen, haben mich auch zu meiner Zeit als Wissenschaftler beschäftigt und ich habe viel über sie geschrieben:

Und als Podcast gibt es die Trojaner natürlich auch!

Besonders schön und vor allem ungefährlich sind Kollisionen zwischen der Erde und Asteroiden in ihrer Erscheinungsform als Sternschnuppe. Alles wissenswerte zu diesem Thema habe ich in diesem Artikel zusammengefasst. Und natürlich auch erklärt warum eine Sternschnuppe leuchtet und Meteore manchmal grün sind.

Ein grüner Meteor am Himmel über der Schweiz (Copyright: Kachelmann GmbH/Mark Vornhusen)

Ein grüner Meteor am Himmel über der Schweiz (Copyright: Kachelmann GmbH/Mark Vornhusen)

Asteroiden und andere Kleinkörper des Sonnensystems – zum Beispiel Kometen und Zwergplaneten – werden zur Zeit intensiv von Weltraummissionen untersucht und auch darüber habe ich berichtet. Hier eine kleine Auswahl an Artikeln:

Und dann hab ich noch ein paar Artikel zu verschiedenen Themen, die ich spontan gefunden habe:

Wer wissen will, wo man die Asteroiden überall ganz konkret in unserem Alltag antreffen kann, den möchte ich auf meine “Asteroidenreise” verweisen. Im Frühjahr 2014 bin ich mit dem Fahrrad von Jena nach Wien gefahren und habe unterwegs nach Asteroiden Ausschau gehalten:

  • Tag 1: Bei den Kometen im Vogtland. Die Reise begann leider bei kaltem Wetter und noch kälteren Regen. Ich habe es trotzdem von Jena bis ins thüringische Greiz geschafft und unterwegs Georg Samuel Dörffel getroffen, der sich noch vor Isaac Newton mit der Dynamik von Kometenbahnen beschäftigt hat.
  • Tag 2: Bei den Kleinplaneten in Franken. Leider wurde das Wetter auch am zweiten Tag nicht besser. Dafür wurde es gebirgig und ich bin durch Sachsen bis nach Oberfranken geradelt. Unterwegs habe ich etwas über die Entstehung des Wortes “Asteroid” gelernt und den Unterschied zwischen Planeten und anderen Kleinkörpern im All.
  • Tag 3: Bei Eros in der Oberpfalz. Der dritte Tag war definitiv der schlimmste der ganzen Reise. Es war immer noch kalt und regnerisch. Und es war immer noch bergig. Und ich hab mir in einem fränkischen Straßengraben den Kopf blutig geschlagen. Aber das war es Wert, denn das Ziel an diesem Tag war der Geburtsort von Erhard Weigel, dem Erfinder des “Astrodicticum Simplex”.
  • Tag 4: Bei Keplers Asteroidenchaos an der Donau. Am vierten Tag wurde die Reise dann so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Warm, sonnig und eine angenehme Strecke. Ich bin durch Bayern bis zur Donau geradelt und habe in Regensburg Station gemacht. Und dort über Kepler und chaotische Asteroidenbahnen nachgedacht.
  • Tag 5: Bei der Entstehung des Lebens in Niederbayern. Bei sonnigen und freundlichen Wetter ging es am fünften Tag weiter nach Deggendorf. Und dort konnte ich mir überlegen, ob das Leben nicht vielleicht auf Asteroiden aus dem All zur Erde gekommen ist.
  • Tag 6: Bei den Vulkanoiden in Vilshofen. Der sechste Tag war der letzte Tag in Deutschland. Unterwegs habe ich ein paar hypothetische Vulkanoiden getroffen und über Astronomen in Kampfjets nachgedacht.
  • Tag 7: Bei den Asteroidennamen aus Oberösterreich. Am siebten Tag meiner Reise bin ich dann nach Österreich gekommen. Und die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz war ein guter Ort, um herauszufinden, warum Asteroiden so oft so komische Namen haben.
  • Tag 8: Beim unsichtbaren Licht im Mostviertel. Bei bestem Sommerwetter bin ich am achten Tag in Ybbs angekommen. Ob dort wirklich ägyptische Sklaven die Göttin Isis verehren, konnte ich leider nicht verifizieren. Aber ich habe einiges über unsichtbares Licht herausgefunden.
  • Tag 9: Bei den Radioteleskopen in der Wachau. Die Ankunft in meiner alten Heimatstadt an Tag 9 war leider wieder ein wenig verregnet. Aber auch wenn der Himmel von Wolken bedeckt war, gab es Gelegenheit sich zu überlegen, wie Astronomen Asteroiden beobachten können, ohne sie dabei zu sehen./li>
  • Tag 10: Der Asteroideneinschlag im Kloster. Nach der langen Radtour von Jena bis Krems habe ich mir ein paar Erholungstage gegönnt. Aber dabei weiterhin nach interessanten Asteroidengeschichten gesucht. Und sie in alten Überlieferungen aus einem Kloster gefunden, die von großen Kollisionen zwischen Himmelskörpern sprechen.
  • Tag 11: Waffen aus Asteroiden. Der elfte Tag stand im Zeichen der Archäologie. Aus den Asteroiden, die vom Himmel gefallen sind, haben die Menschen in der Vergangenheit viele nützliche Dinge gemacht. Zum Beispiel die berühmten Meteoritenschwerter.
  • Tag 12: Bergbau auf den Asteroiden. Auch in der Gegenwart wollen die Menschen die Asteroiden nutzen und ihre Rohstoffe abbauen. Die Pläne, die derzeit dazu existieren sind aber eher nicht so vielversprechend, wie ich an Tag 12 meiner Reise herausgefunden habe.
  • Tag 13: Der Asteroidengürtel von Wien. Nach drei Ruhetagen in Krems ging es dann endlich weiter zum Ziel in Wien. Dort habe ich die weltgrößte Sammlung ehemaliger Asteroiden im Naturhistorischen Museum besucht und enorm viel gelernt!

asteroidnow.jpg

Und wer jetzt immer noch mehr über Asteroiden und Kleinkörper im Sonnensystem wissen möchte, der kann sich gerne meine Bücher besorgen. Ich habe ein kleines eBook über die Rosetta-Mission geschrieben: Rosetta – Rendezvous im All. Und ein sehr ausführliches Buch über die Gefahren und vor allem die Chancen, die uns die Asteroiden eröffnen: Asteroid Now – Warum die Zukunft der Menschheit in den Sternen liegt.

Ich wünsche euch allen einen schönen Asteroid Day. Informiert euch über Asteroiden! Es lohnt sich!

Kommentare (11)

  1. #1 Jens
    30. Juni 2015

    Gute Zusammenfassung. Auf einem Blick alles über Asteroiden.

  2. #2 Higgs-Teilchen
    Im Standardmodell oben rechts
    30. Juni 2015

    Weiß jemand einen Link, wo ich die nächste sichbaren Kometen finden kann?

  3. #3 Alderamin
    30. Juni 2015

    @Higgs-Teilchen

    So was?

    http://www.kometen.info/

  4. #4 Higgs-Teilchen
    Im Standardmodell oben rechts
    30. Juni 2015

    @Alderamin

    Genau so was! Danke 🙂

  5. #5 woodzler
    30. Juni 2015

    Hast du schon “Seveneves” von Neal Stephenson gelesen?
    Bin grad bei ca. 2/5 und da spielen Asteroiden und ihre Nutzung durch die Menschheit eine große Rolle.
    Wäre interessant wie du die wissenschaftlichen Erklärungen in dem Buch beurteilst, Stephenson ist ja normalerweise sehr gewissenhaft bei der Recherche.

  6. #6 Florian Freistetter
    30. Juni 2015

    @woodzler: “Hast du schon “Seveneves” von Neal Stephenson gelesen?”

    Siehe hier: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=19152

  7. […] immer Verlass, wenn es um grottenschlechten Journalismus und hysterische Panikmache geht. Heute ist der “Asteroid Day” an dem überall auf der Welt Veranstaltungen stattfinden, bei denen über Asteroiden informiert […]

  8. #8 Braunschweiger
    30. Juni 2015

    Asteroids will rock you!
    Das Video zum Asteroid Day kann einem schon ein wenig Angst machen, so indirekt. Auch wenn der Grund vernünftig ist. “Queen” geht allerdings immer, und die Mehrdeutigkeit von “We will, we will rock you” ist klasse.

  9. […] Linksammlung: Bei Florian Freistetter gibt es hier aus Anlass des Asteroidentags eine Liste mit vielen interessanten Beiträgen zum Thema […]

  10. […] und die von ihnen ausgehenden Gefahren zu informieren – ich habe letztes Jahr schon darüber berichtet. Und will mich daher in diesem Jahr auch gar nicht wiederholen; über die Felsbrocken aus dem All […]

  11. […] 30. Juni ist der Internationale Asteroidentag. Ich habe schon 2015 darüber berichtet als er das erste Mal stattgefunden hat und auch kurz 2016. Jeder der meine Arbeit im Blog, in meinen Büchern und auf der Bühne mit den […]