Der März war ein Roman-Monat. Ich habe nur ein einziges Sachbuch gelesen; stattdessen zur Abwechslung einen ganzen Schwung Krimis und noch den einen oder anderen Roman. Die Wissenschaft hat aber in den meisten Büchern trotzdem eine Rolle gespielt.

Klimawandel-Wissenschaftskrimi

Die Romane des Biologen Bernhard Kegel mag ich gerne. Mir hat “Der Rote” wirklich gut gefallen (und ich habe hier davon erzählt), weil es so ganz anders war als die typischen Bücher dieses Genres (und weil darin Riesentintenfische vorgekommen sind!). Und ich fand “Ein tiefer Fall” hervorragend (hier gibt es mehr dazu), weil es nicht nur wissenschaftlich interessant ist, sondern auch das Thema “Betrug in der Wissenschaft” in eine coole Krimi-Handlung packt. Der neuen Roman von Kegel heißt “Abgrund” – und ich fand ihn zwar gut, bin aber trotzdem ein wenig hin und her gerissen.

abgrundkegel

Hauptperson ist wie in den anderen beiden Romanen der Kieler Biologe Hermann Pauli. Diesmal ist er mit der Kommissarin Anne Detlefsen (die er im letzten Band kennengelernt hatte) auf Urlaub. Und wie es sich für einen Biologen gehört sind die Galapagos-Inseln das Reiseziel. Kollegen von Pauli entdecken dort einen seltsamen Hai und Pauli macht sich auf aufs Meer um das Tier zu identifizieren. Währenddessen bleibt Detlefsen zurück auf der Insel und gerät dort in Proteste von lokalen Fischern, seltsame Brandstiftungen und junge Wissenschaftler, die gegen den Klimawandel protestieren.

Das Buch ist seltsam zweigeteilt. Einerseits ist da “biologische” Handlung, bei der Pauli und seine Kollegen im Ozean nach dem komischen Hai suchen. Und dann gibt es die “Krimihandlung”, in der Detlefson probiert herauszufinden, wer die Schiffe im Hafen angezündet hat und ob die jungen Wissenschaftler etwas damit zu tun haben. Am Ende gibt es eine – wenn auch sehr vage – Verbindung zwischen beiden Strängen, die mit Klimawandel, Artensterben und Evolution zu tun hat. Aber man hat das Gefühl, Kegel konnte sich diesmal nicht entscheiden, ob er einen Wissenschaftsroman wie “Der Rote” schreiben will oder doch lieber einen echten Krimi wie “Ein tiefer Fall”.

Das Buch entstand im Rahmen eines Projekts zur Wissenschaftsvermittlung via Roman und so konnte Kegel auch die Recherchereise in den Pazifik finanzieren. Diese Recherche merkt man, denn die Lokalitäten werden sehr eindringlich und anschaulich beschrieben. Und im Buch findet sich auch sehr viel sehr interessante Wissenschaft. Es ist ein Buch, das man auf jeden Fall lesen sollte. Aber trotzdem bleibt das Gefühl, dass es nicht so eine runde Geschichte ist, wie sie es hätte sein können…

“So was ähnliches wie Wissenschaft”-Thriller

“Earthcore” von Scott Sigler ist definitiv kein Krimi (auch wenn fleißig gemordet wird) sondern eher ein (Horror)Thriller und man kann nur mit sehr guten Willen sagen, dass das Buch mit Wissenschaft zu tun hat (auch wenn Wissenschaftler zu den Hauptfiguren gehören).

earthcoresigler

Es geht um eine amerikanische Firma die Bodenschätze sucht und in der Wüste von Utah eine gewaltige Menge an Platinum findet. Mehrere Kilometer tief unter der Oberfläche; tiefer als man bis jetzt je eine Mine gebaut hat. Aber zum Glück gehört das Paradebeispiel eines Klischee-Wissenschaftlers zum Personal. Der Typ ist echt ärgerlich. Er kann ALLES, beherrscht jede Wissenschaft; baut und erfindet in einer Tour allen möglichen Krempel und ist natürlich ein sozial unfähiges Arschloch. Wie man sich Wissenschaftler halt so vorstellt…

Dann gibt es noch eine Archäologin, Hinweise auf eine mysteriöse Hochkultur, wo eigentlich gar keine Hochkultur sein dürfte und den ganzen Geheimdienst/Auftragskiller/Verfolgungsjagd-Quatsch, ohne den so viele Autoren anscheinend nicht auskommen. Ich will den Inhalt nicht spoilern, aber man braucht nicht sonderlich viel Fantasie um sehr schnell herauszukriegen, um was es geht (und man schafft es auf jeden Fall schneller als die Protagonisten im Buch). Zwischendurch wird seitenlang gekämpft, gestorben, gemordet und gemetzelt.

Eigentlich ist das Buch gar nicht so schlecht, wie ich hier darstelle. Es ist durchaus spannend und originell was die Details angeht. Und wenn man mal angefangen hat, will man es auch zu Ende lesen. Aber das ständige Gemorde, diesen ganzen Geheimdienstquatsch und die ewigen, eigentlich irrelevanten Rückblenden (damit man auch mitkriegt, was für gebeutelte Existenzen die Figuren des Buchs sind!) hätte man sich sparen können. Sigler schreibt so, als würde er es auf eine Verfilmung anlegen und ignoriert dabei, das ein Buch eben anders funktionieren muss als ein Film…

Übrigens: Obwohl die englische Version die ich gelesen habe, erst vor kurzem erschienen ist, gibt es schon seit Jahren eine deutsche Ausgabe: “EarthCore”.

Die grüne Lüge

Das Sachbuch des März stammt von Kathrin Hartmann und heißt “Die grüne Lüge”. Hartmann ist Expertin für “Greenwashing” und genau darum geht es in dem Buch. Dass in Sachen Umweltschutz mit unserer Welt sehr viel nicht so läuft wie es sollte, ist eigentlich eine triviale Aussage. Wir verschwenden Ressourcen, pusten fossile Brennstoffe in die Gegend, holzen Wälder ab, und so weiter – und alles nur, damit wir all die schönen Produkte kaufen können, die wir kaufen wollen (bzw. die zu kaufen uns die Werbung eingeredet hat). Was tut man dagegen? Umweltbewusst einkaufen! Nur Fair-Trade-Kaffee! Nur Fisch mit Gütesiegel! Nur Produkte mit gutem, zertifiziertem Palmöl! Kleidung mit aus dem Ozean gefischten Recycel-Plastik! Und so weiter. Die Welt ist voll mit “grünen” Produkten und wir müssen sie nur kaufen, damit alles besser wird.

hartmannluege

Nur ist das Blödsinn. Man kann die Welt nicht durch Konsum retten. Denn der zügellose Konsum ist es ja, der die Probleme erst geschaffen hat. Noch mehr Konsum, selbst wenn er “grün” ist, macht die Sache nicht besser. Sondern ist vor allem weg für die Wirtschaft, auch noch aus unserem schlechten Gewissen Profit zu schlagen. Wie dieses Greenwashing im Detail funktioniert, hat Hartmann in ihrem Buch ausführlich, sehr erschreckend und ziemlich deprimierend dokumentiert. Es ist teilweise erstaunlich, mit was für Tricks die Firmen durchkommen. In vielen Fällen machen sie im wesentlichen überhaupt nichts und behaupten einfach nur, das Produkt wäre “grün”. Und weil sie das so überzeugend behaupten und weil wir so gerne etwas gegen unser schlechtes Gewissen tun wollen, sind wir dann auch so brav und kaufen diese Produkte.

“Die grüne Lüge” ist ein wichtiges Buch und man sollte es gelesen haben. Auch wenn ich manche Dinge nicht ganz so radikal sehe wie Hartmann. Ich bin durchaus der Meinung, dass neue Technik; neue wissenschaftliche Erkenntnisse in Zukunft zu einer Reduzierung der Umweltprobleme führen können. Was aber natürlich nichts an dem Befund Hartmanns ändert, dass man die Welt nicht durch Einkaufen retten kann; selbst wenn man uns noch so viele “innovative” Produkte vorsetzt. Konsum und Kapitalismus sind die Ursache der Probleme und wenn man etwas ändern will, wird man auch genau hier ansetzen müssen.

Zum Buch gibt es auch einen Dokumentarfilm, der gerade in den deutschsprachigen Kinos läuft. Den habe ich noch nicht gesehen – aber vielleicht kennt ihn ja jemand aus der Leserschaft und kann etwas darüber erzählen. Hier sind jedenfalls ein Trailer und ein Bericht aus dem deutschen Fernsehen:

Was ich sonst noch gelesen habe

  • Heide Goody & Ian Grant: “Oddjobs 2: This time it’s Personnel”. Ich war ja bisher schon sehr von den Büchern von Goody & Grant begeistert (siehe hier). Und hab mich daher sehr gefreut, dass es eine Fortsetzung von “Oddjobs” gibt. Die britische Behörde für die Abwicklung (Abwicklung, nicht Verhinderung oder Herbeiführung!) des Weltuntergungs durch dämonische Aliengötter die die menschlichen Seelen demnächst auf ewig Höllenqualen leiden lassen, geht immer noch ihrer Arbeit nach. Ok, wenn man das nur mit einem Satz zusammenfasst, dann klingt das ziemlich absurd. Die Ausgangslage würde aber auch bei genauerer Beschreibung nicht weniger absurd werden. Deswegen sage ich nur: Oddjobs 2 ist ein geniales, originelles und sehr lustiges Fantasybuch. Lest es – und den Rest von Goody & Grant auch.
  • Heide Goody & Ian Grant: “Disenchanted”. Siehe oben! Die Bücher der beiden sind super. Auch das hier, wo es um eine Art modernes Märchen-Medley geht.
  • Oddjobs

  • Lisa Gallauner: “Teufelsziel”. Gallauners Krimis mag ich deswegen so gerne, weil sie in meiner österreichischen Heimat, der Wachau spielen. Und weil sie nicht nur spannend sind, sondern die Wachau auch sehr schön und gut lebendig werden lassen. Zu ihren anderen Büchern habe ich hier und hier etwas geschrieben.
  • Oskar Feifar: “Dorftratsch”, “Saukalt” und “Fingerspitzengeführl”: Noch mehr Regionalkrimis aus Niederösterreich. Diesmal aber weniger gut. Also schon spannend und lustig und besser als vieles, was man sonst so kriegt. Aber Feifar möchte andauernd so klingen wie Wolf Haas, schafft das aber nicht und das macht die Lektüre leider oft ein wenig nervig.
  • Thea Dorn: “Berliner Aufklärung”: Das war ein netter Krimi! Ein wenig obskur zwar, weil er im Milieu der philosophischen Fakultät einer Berliner Uni spielt und sowohl Opfer, Täter als auch Verdächtige Philosophen sind bzw. da irgendwie drin hängen. Aber gerade das macht das Buch auch so liebenswürdig, wenn auch die Handlung nicht sonderlich glaubwürdig 😉 Der Krimi hätte durchaus länger sein können – es ging alles immer irgendwie ein wenig schnell für meinen Geschmack. Ansonsten aber ein sehr schönes Buch.

Das wars für den März. Auf meiner Leseliste für den Osterurlaub hab ich schon wieder ein paar schöne Werke stehen. Mehr dazu gibt es dann in einem Monat wieder hier im Blog!

Die Links zu den Bücher sind Amazon-Affiliate-Links. Beim Anklicken werden keine persönlichen Daten übertragen.

Kommentare (19)

  1. #1 Florian
    29. März 2018

    Mal wieder vielen Dank für die Empfehlungen. Ich bin dadurch schon auf so einige interessante Bücher gestoßen. So zum Beispiel “Paradox” von Phillip P. Peterson. Mittlerweile gibt es ja dazu auch einen 2. Teil, der aber teils sehr gemischte Kritiken erhält. Hat den schon jemand gelesen und kann was bzgl. Empfehlung sagen?

  2. #2 JW
    29. März 2018

    Den Kegel habe ich mit dem selben Gefühl gelesen. Die beiden Stränge gingen nicht wirklich zusammen und dahe auch nicht für jeden empfehlenswert. Den Biologen freut es natürlich.
    Du hast vor 2-3 Jahren mal angekündigt “Nacht” von Paul Bogard lesen zu wollen. Ist das mittlerweile gelungen. Auch dieses Buch hat mich sehr zwiespältig zurück gelassen. Teilweise sehr informativ. Aber der laut Besprechung “poetische” Teile der Reise in die Nacht war dann oft doch recht langatmig. Ausserdem fehlten mir öfter die Kenntnisse der amerikanischen Literatur.

  3. #3 Florian Freistetter
    29. März 2018

    @Florian: Paradox hab ich irgendwann schon mal besprochen… Weiß nur nicht mehr, wann.

  4. #4 Silenus
    29. März 2018

    “Konsum und Kapitalismus sind die Ursache der Probleme und wenn man etwas ändern will, wird man auch genau hier ansetzen müssen.”

    Ich hoffe du bist nicht einer derjenigen, der als Antidot dazu Askese und Sozialismus empfiehlt.

  5. #5 Dampier
    29. März 2018

    @silenus

    Askese

    Etwas mehr Askese würde einigen gut tun, glaube ich … (da nehme ich mich nicht aus). “Wenn die Menschheit noch eine zukuft hat, wird es eine asketische zukunft sein”, legt Bruce Chatwin einem protagonisten seines buches “Traumpfade”, einem eremiten im australischen outback, in den mund. bin nicht sicher, ob er recht behalten wird, aber ich muss bis heute noch oft über den satz nachdenken.

    Damit zum buchtipp: “Der Nomade”. Es handelt sich um die Briefe Chatwins, die in aller welt zusammengetragen und hier kompiliert wurden. Vielleicht nur für fans des großen Reiseschriftstellers interessant, aber Bruce Chatwin war auch eine spannende Persönlichkeit. Eine Autobiografie hat er nie geschrieben, dieses Buch liest sich aber wie eine solche. Da “Reiseschriftsteller” mein (nie realisierter) absoluter Traumberuf ist, bin natürlich begierig auf solcherart einblicke … ich finde das buch kurzweilig und freue mich, nach ca. 20 jahren mal wieder in die welt chatwins abzutauchen.

    (sorry wg. groß/kleinschreibung etc. bin grad vorübergehend einhändig)

  6. #6 T
    29. März 2018

    @ FF
    Danke für den Buchtipp. Mir ist klar, dass eine Rezension verkürzend sein muss, aber im Falle der “Grünen Lüge” verkürzt du, glaube ich, etwas zu sehr. Ich vermute, dass du gar nicht rezensieren wolltest, sondern nur auf das Buch aufmerksam machen. Dennoch hätte ich mir ein paar mehr Informationen gewünscht, denn so wie du es dargestellt hast, ergibt es für mich wenig Sinn.

    Es ist natürlich richtig, dass der “zügellose Konsum (…) die Probleme erst geschaffen hat.”

    Was tut man dagegen? Umweltbewusst einkaufen! Nur Fair-Trade-Kaffee! Nur Fisch mit Gütesiegel! Nur Produkte mit gutem, zertifiziertem Palmöl! Kleidung mit aus dem Ozean gefischten Recycel-Plastik! Und so weiter.

    An dieser Schlussfolgerung kann ich nichts falsches entdecken. Ja, es scheint mir logisch zu sein, nur noch Klopapier mit glaubwürdigem Gütesigel zu kaufen und wenn ich schon mal Fisch esse, dann nur solchen aus nachhaltigem Fang. Wenn dieses Geschäftsmodell profitabel ist, um so besser. Es geht doch aber gar nicht um “noch mehr Konsum, selbst wenn er ‘grün’ ist”. Niemand, der bei Trost ist, behauptet, dass man noch mehr konsumieren sollte, aber wer fordert, dass ich auf Klopapier verzichten müsse, ist sicher auch nicht bei Trost. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass die Argumentation der Autorin auf völligen Konsumverzicht hinausläuft.

    Konsum und Kapitalismus sind die Ursache der Probleme und wenn man etwas ändern will, wird man auch genau hier ansetzen müssen.

    Vollkommen einverstanden. Aber das Problem zu erkennen, genügt nicht. Was ist denn nun die Alternative? Die Antwort müsste mindestens lauten, sich zu informieren und bewusster zu konsumieren, oder kommt die Autorin zu einem anderen Schluss? Dass sich viele Konsumenten von angeblich ‘grünen’ Produkten mit wertlosen Gütesigeln täuschen lassen, ist ein Problem. Also muss man die schwarzen Schafe entfernen. Macht die Autorin Vorschläge, wie das zu schaffen ist?

  7. #7 Florian Freistetter
    29. März 2018

    @T: “An dieser Schlussfolgerung kann ich nichts falsches entdecken. Ja, es scheint mir logisch zu sein, nur noch Klopapier mit glaubwürdigem Gütesigel zu kaufen und wenn ich schon mal Fisch esse, dann nur solchen aus nachhaltigem Fang. “

    Ja, das ist tatsächlich logisch. Das Problem, das in dem Buch behandelt wird, ist folgendes: Das grüne Klopapier, der nachhaltige Fang, das ökologisch unbedenkliche Palmöl sind nicht unbedenklich, nachhaltig oder grün. Genau das ist es ja, worum es beim “Greenwashing” geht. Ein überwiegender Teil der Produkte, die uns als “ökologische und verantwortungsvolle Alternative” empfohlen werden, sind nichts davon. Sondern nur ein Marketing-Trick von Firmen, die gemerkt haben, dass sie mit solchen Labels das schlechte Gewissen vieler Konsumenten ausnutzen können.

    Es geht um eine kollektive Selbsttäuschung, bei der auch Politik, Medien, etc bewusst oder unbewusst mitmachen. Und natürlich sind Information und bewusster Konsum der Weg, den man gehen wird müssen. Man muss sich aber auch im klaren Sein, dass man, selbst wenn man ab jetzt nur noch echte Gütesiegel hat und wirklich nur noch “gute” Produkte kauft, die Welt nicht durch Einkaufen retten kann. Das wird wirklich nicht ohne irgendeine Änderung im System gehen (auch wenn ich jetzt damit keine “Revolution” o.ä. meine). Ob und wie es die geben kann, lässt sich aber weder planen noch vorhersagen.

  8. #8 T
    29. März 2018

    @FF
    Das finde ich sehr unbefriedigend. Eine Änderung des Systems (was auch immer damit gemeint ist) können wir nur politisch erreichen. Bedeutet das, dass der Einzelne machtlos ist? Nein. Ich halte es durchaus für vorstellbar, dass eine relevante Anzahl von bewussten Konsumenten diese Änderung des Systems politisch und eben durch ihr Konsumverhalten erzwingen kann. Daher sehe ich für mich und jeden anderen Einzelnen nur einen Weg, nämlich den des bewussten Konsums und somit der Unterstützung von ökologisch produzierenden Unternehmen. Ich rede nicht von Bio-Supermärkten, das ist klar. Und ohne Verzicht, wo es möglich ist, z.B. auf ein Auto in der Stadt, wird es nicht gehen. Auch das ist klar. Dennoch halte ich die Phrase, man könne die Welt nicht durch Einkaufen retten, für kontraproduktiv und falsch. Man kann. Nochmals: Was wäre die Alternative? Was ist deine Lösung?

  9. #9 Florian
    29. März 2018

    @FF: Ja genau, ich schrieb ja, dass ich auf Grund der Besprechung auf Paradox gekommen bin. Mir ging es darum, ob jemand schon den zweiten Teil der letztes Jahr(?) herauskam gelesen hat.

  10. #10 Anderas
    29. März 2018

    hast du eigentlich mal in die Polity-Serie von Neal Asher reingeschnuppert? Die sind doch recht gut geschrieben, finde ich.
    Ich hatte mit “infinity engine”, “war factory” und “dark intelligence” angefangen. Die drei gehören zusammen und haben mich fast zwei Wochen lang von wichtigeren Dingen abgehalten. :-)

  11. #11 mr. nice
    29. März 2018

    @ T:
    ich würde mich ebenfalls als “grüner” Konsument bezeichnen – fahre fast alles mit dem Rad, kaufe umweltbewusst ein, etc. Das Problem, das ich beobachte ist jedoch, dass für einen “umweltbewussten” Konsumenten, 10 nicht-umweltbewusste Konsumenten nachkommen. Nicht unbedingt in deiner Nachbarschaft, sondern global gesehen (va. Asien, Afrika).

    Subsummierend kann nur ein Paradigmenwechsel in der Ökonomie einen nachhaltigen Wandel induzieren. Dieser muß von oben nach unten vollzogen werden. Der umgekehrte Weg scheitert an den aktuellen kapitalistischen Akteuren. Solange Wachstum und Profit die Maximen der Wirtschaft sind, ist jeglicher Umweltschutz per se systemfeindlich und daher abzulehnen (siehe die aktuelle Debatte in DE was Dieselmotoren angeht. Anstatt dieses Momentum zu nutzen, wird noch mehr Geld in eine Technologie investiert, die am sterben ist – durch staatliche Intervention, was per Definition wettbewerbsverzerrend ist).

    Was in Wirklichkeit fehlt ist eine neue ökonomische Theorie, die den Kapitalismus (oder auch Neo-liberalismus von Hayek/Friedman, et al.) ablöst wie beispielsweise der Kapitalsmus den Merkantilismus abgelöst hat. Noam Chomsky hat in “Profit over People” eine hervorragende Kapitalsimuskritik veröffentlicht – sehr zu empfehlen!

    Fazit: klar kann jeder seinen Beitrag leisten, da aber die Mehrheit der Weltbevölkerung dies nicht macht, bleiben diese Initiativen großteils wirkungslos. Und ohne politische Unterstützung sowieso…bei der aktuellen Regierung in unserem schnitzelförmigen Land…aber lassen wir das besser 😉

  12. #12 JW
    29. März 2018

    Ich komme gerade vom Buchladen meines Vertrauens und dort habe ich ein anderes (hoffentlich) interesantes Buch entdeckt. Dava Sobel: Das Glas-Universum – Wie Frauen die Sterne entdeckten
    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es hier schon besprochen wurde. Ich freue mich jedenfalls schon drauf.

  13. #13 Silenus
    29. März 2018

    Wer tatsächlich glaubt, dass Konsum & Kapitalismus die Erde dahinraffen, der sollte “Enlightenment Now” von Steven Pinker lesen, oder sich ein paar Statistiken von Hans Rosling (Gapminder) bzw. humanprogess.org anschauen.

    Wirtschaftliche Entwicklung, menschlicher Erfindungsgeist und steigendes Umweltbewusstsein in den entwickelten Ländern haben zu unglaublichen Fortschritten in den letzten Jahrzehnten geführt.
    Trotzdem herrscht teilweise in den Medien und vor allem bei globalisierungskritischen Gruppen eine Stimmung als stünde es um uns schlechter als je zuvor. Das Gegenteil ist der Fall.

  14. #14 Florian Freistetter
    29. März 2018

    @Silenius: “als stünde es um uns schlechter als je zuvor. Das Gegenteil ist der Fall.”

    Über Rosling und seine Arbeit hab ich schon öfter gebloggt und ich gehöre sicher nicht zu denen die sagen, dass alles schlechter wird. Aber wenn man sich manche Dinge – Klimawandel et al – ansieht, dann besteht da definitiv Handlungsbedarf. Und per Shopping lässt sich die Welt nicht retten. Und wenn ich auch ein großer Fan des “menschlichen Erfindungsgeist” bin, wäre es doch auch ein wenig naiv, wenn man einfach davon ausgeht, das alle Probleme der Gegenwart schon irgendwie durch Innovationen in der Zukunft gelöst werden…

  15. #15 Florian Freistetter
    29. März 2018

    @JW: Liegt bei mir zuhause; gelesen hab ichs aber noch nicht.

  16. #16 Silenus
    29. März 2018

    “Und wenn ich auch ein großer Fan des “menschlichen Erfindungsgeist” bin, wäre es doch auch ein wenig naiv, wenn man einfach davon ausgeht, das alle Probleme der Gegenwart schon irgendwie durch Innovationen in der Zukunft gelöst werden…”

    Das wäre in der Tat naiv, und bestehende Probleme, insbesondere im Umweltbereich, zu thematisieren, ist wichtig. Nur, die reflexartige Verteufelung des Kapitalismus, die damit oft einhergeht, halte ich für falsch.
    Ich denke, dass wir notwendige Innovationen und kreative Lösungen für zukünftige Herausforderungen nicht ohne wirtschaftliches Wachstum, insbesondere in den Entwicklungsländern, zustande bringen werden.

  17. #17 Jürgen
    Freiburg
    29. März 2018

    Eine grüne Lüge? Viele grüne Lügen!
    Ich hab den Film inzwischen gesehen letztes Wochenende. Sehr ernüchternd in der Beschreibung des Gesamtzustandes: Palmöl, Tesla, BP, (Wir tanken auch ihren Golf voll), Teerbrocken am Strand, Garzweiler (größtes Loch Europas), RWE, aber mit einem sehr kraftvollen, optimistischen Ende. Starke Frauen, Soziale Bewegungen, Widerstand!
    Kathrin Hartmann verfolge ich schon seit Jahren. Hab auch ihr Buch “Aus kontrolliertem Raubbau” gelesen. Sie ist inzwischen in der Fülle ihres Wissens angekommen und schöpft daraus.
    Alles von ihr, und auch der Film sehr empfehlenswert.
    Disclaimer: Saßen da allerdings zu sechst im Kino…

  18. #18 Anderas
    30. März 2018

    Garzweiler, ja. Wir haben so viel Strom dass wir 8% davon exportieren, aber die Braunkohle wird weiter betrieben. Das ist eins der Dinge ich ich mit meinem beschränkten Kopf nicht verstehen kann. 8% ist wirklich viel. (quelle: Agora Energiewende – kein link wegen dem Filter hier)
    Ich bin aber dagegen, daraus ein “dagegen” abzuleiten. Man kann was “dafür” tun, und das sollten wir auch. Elektroautos sind auch hier im Kohleland umweltfreundlicher als Diesel oder Benziner, also ja, lasst und Elektroautos konsumieren. Nur, nicht vor der Zeit: Solange der alte noch läuft, läuft er. Und läuft.

  19. #19 gaius
    1. April 2018

    Da ist wieder so ein kontraproduktiver moralischer Rigorismus am Werk.

    Es kommt doch nicht drauf an, dass jedes Unternehmen 100% seiner Versprechungen einhält. Es kommt erst recht nicht darauf an, dass jeder Konsum 100% “grün” ist (was nicht geht).

    Worauf es ankommt, ist, dass die Situation sich verbessert, Schritt für Schritt. Und selbstverständlich tut sie das, wenn ich mehr als umweltfreundlich zertifizierte Produkte kaufe als früher: Im Schnitt sind die – bei aller Unvollkommenheit – garantiert ein Stück umweltfreundlicher als das, was ich früher konsumiert habe.

    Es ist doch nicht rational zu sagen: Weil ich keine 100% erreichen kann, entscheide ich mich für 0%. Wenn ich 20% erreichen kann, ist das doch eine Verbesserung!

    Wenn einige weniger umweltfreundlich sind, als sie versprechen, dann muss man das eben im nächsten Schritt von denen einfordern. Wenn die Zertifizierungen nicht aussagen, was sie vorgeben, muss man eben im nächsten Schritt die Anforderungen anheben. Aber das funktioniert nur, wenn es diese Versprechen gibt, auf die man sich stützen kann, weil sie fürs Marketing interessant sind.

    Zu sagen: Leute kauft das nicht, weil einige der Versprechungen nicht stimmen, verhindert geradezu, dass ein solches System der schrittweisen Verbesserung in Gang kommt. Wir sollten es kaufen (dann wird das Thema interessant für die Unternehmen) und verlangen, dass sie ihre Versprechen halten.