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Drei Bedingungen für das bedingungslose Grundeinkommen

von Stefan Siegert

Ich bin Industriekaufmann und Diplom-Ökonom, habe lange Zeit in der Privatwirtschaft gearbeitet und bin seit einigen Jahren als Entwicklungshelfer tätig, aktuell auf den Philippinen.

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) wird seit ca. 10 Jahren immer wieder als neues Gesellschaftsmodell ins Gespräch gebracht. Viele aktuelle oder zukünftige Probleme in der Arbeitswelt (z.B. zunehmende Digitalisierung und Automatisierung bei gleichzeitiger Abnahme des Arbeitskräftebedarfs im traditionellen Sinne) sowie gesellschaftlich relevante Fragestellungen (soziale Ungleichheit oder als ungerecht empfundene, monetäre Wertschätzung unterschiedlicher Arbeit) scheinen sich damit vielversprechend lösen zu lassen. Bedingungslosigkeit auf einer Seite lässt sich allerdings nur schwer ohne neue Bedingungen auf der anderen Seite umsetzen. In diesem Artikel möchte ich ein paar dieser Bedingungen nennen, die zu erfüllen wären, um ein BGE realisieren zu können. In der aktuellen, häufig sehr polarisierten Diskussion, in der es oft anscheinend nur absolute Gegner oder Befürworter eines BGEs gibt, scheinen mir solch rationale Überlegungen mitunter etwas zu kurz zu kommen.

Eine Bedingung für ein BGE, die zumindest recht häufig noch genannt, wenn auch eher selten wirklich durchgerechnet wird, ist die Finanzierbarkeit. Der Finanzierungsbedarf am Beispiel Deutschland ist relativ leicht zu kalkulieren: Wenn 82,5 Mio. Einwohner jeweils 1.500 € BGE monatlich bekommen, kostet das BGE 82,5 Mio. x 1,500 € = 123,75 Mrd. € pro Monat oder 1,485 Billionen € pro Jahr. Dieses Geld müsste aus Steuermitteln aufgebracht werden, eine andere Quelle fällt mir jedenfalls nicht ein,

Der Bundeshaushalt, also alle Einnahmen des Staates auf Bundesebene, belaufen sich aktuell auf ca. 350 Mrd. €, die Einnahmen aller Bundesländer zusammen betrug 2017 368,2 Mrd. € und die aller Kommunen 2015 218 Mrd. €, in der Summe also 936,2 Mrd. €. Wollte man nun all diese Mittel zur Finanzierung eines BGEs einsetzen (eine sehr unrealistische Annahme, denn natürlich gibt jede Gebietskörperschaft auch Geld für andere Dinge aus), wäre selbst dann noch eine Finanzierungslücke von rund 550 Mrd. € pro Jahr zu schließen.

Womit man bei der nächsten Bedingung wäre, nämlich einem radikal veränderten Steuersystem. Verändert insofern, dass selbst bei Beibehaltung aller aktuellen Steuern zusätzlich noch einmal viel mehr Einnahmen generiert werden müssten. In der Tat fallen zwar einige Posten aus dem bisherigen Budget weg (Hartz IV, das von den Kommunen oder der Zuschuss zum Rentensystem, der vom Bund bezahlt wird), aber es ließe sich kaum vermeiden, den Staatshaushalt um 50% zu erhöhen. Dazu könnte man entweder pauschal alle Steuersätze anpassen (Mehrwertsteuer von 19% auf 28,5% usw.) oder man müsste neue Steuern einführen.

Deutschland ist ein reiches Land, da ist sicherlich bei der Einkommens-, Zinsertrags-, Erbschafts- oder Vermögenssteuer noch Luft nach oben. Leider sollte man auch hier die Erwartungen nicht allzu hoch schrauben. Das Vermögen der 500 reichsten Deutschen beträgt insgesamt 692,25 Mrd. €. Selbst im theoretischen Extremfall einer 100%igen Vermögenssteuer, also einer kompletten Enteignung (Auch dies ist wieder nicht sehr realistisch, beispielsweise gehören Dieter Schwarz, dem reichsten Deutschen, die Immobilien, in denen sich die Lidl-Filialen befinden. Möchte man ihn nun mit einer 100%igen Vermögenssteuer belegen, müsste er diese Gebäude verkaufen, allerdings nicht an die Albrecht-Familien, denen Aldi gehört, denn die wären ja gleichzeitig damit beschäftigt, Käufer für ihre eigenen Gewerbeimmobilien zu finden.) wäre ein BGE höchstens 16 Monate lang finanzierbar.

An dieser Stelle kommt man mit klassischen Finanzierungsüberlegungen und Steuern also erst einmal nicht weiter, Man könnte einfach Geld drucken, wie das viele Staaten kurz vor dem Staatsbankrott in der Vergangenheit gerne gemacht haben. Das Problem hierbei war, das damit automatisch immer eine enorme Geldentwertung einherging, die Inflationsraten stiegen überproportional. Für das BGE würde dies bedeuten, dass die Preise steigen würden und damit das BGE wieder zu erhöhen wäre – ein Teufelskreis.

Inflation ist allerdings ein interessantes Stichwort, das einen zwangsläufig zu einer weiteren Bedingung führt: einer Neudefinition von Geld. Geld erfüllt in seiner jetzigen Form verschiedene Funktionen, es dient als Tausch- und Zahlungsmittel, als Wertaufbewahrungsmittel und als Recheneinheit. Eine Gesellschaft, die ihrer Währung vertraut, verlässt sich darauf, dass diese Funktionen erfüllt werden. Das bedeutet z.B., dass man für einen bestimmten Betrag einen Gegenwert in Form von Waren, Dienstleitungen oder auch Arbeitskraft bekommen kann. Wird nun in so großem Maße, wie beim BGE angedacht, Geld ohne Gegenleistung zur Verfügung gestellt, hätte dies einen enormen Einfluss auf die Funktionen Wertaufbewahrungsmittel und Recheneinheit. Die Folgen wären also auch ganz ohne Geld zu drucken inflationäre Tendenzen.

Bisher ist noch kein Ort der Welt bekannt, an dem die dortige Währung nicht exakt diesen, sich auch gegenseitig bedingenden, Geldfunktionen folgt. Um mit dem BGE nicht in die Inflation zu treiben, wäre also ein ganz neues Geld zu erfinden, wie auch immer das aussehen mag.

Fazit: Selbst bei nur diesen drei Themen wird die Komplexität der extremen Auswirkungen auf andere Bereiche bei Einführung eines BGEs sehr deutlich. Es wäre eben nicht damit getan, es „einfach mal auf lokaler Ebene auszuprobieren“, wie es gerne gefordert wird. Im kleineren Rahmen ließe sich vielleicht noch die Finanzierung regeln, ggf. auf Kosten anderer Gebietskörperschaften, und die Auswirkungen auf die nationale oder globale Geldstabilität hielten sich ebenfalls in Grenzen. Würde man dagegen eine gesamte Volks- oder Weltwirtschaft mit einbeziehen, wären die oben erwähnten Konsequenzen unvermeidbar.

Die anfangs erwähnten Missstände des abnehmenden Arbeitskräftebedarfs aufgrund zunehmender Automatisierung usw. sind jedoch vorhanden und fordern Antworten. Es scheint nur sehr schwierig zu sein, solche Probleme durch bedingungslose, finanzielle Zuwendungen zu beheben, da dies an anderen Stellen nur noch viel mehr Fragen aufwirft und unkalkulierbare Risiken zur Folge hätte.

Vielleicht sollte man das BGE mal etwas anders andenken.

Vor einiger Zeit war wieder der kostenlose ÖPNV im Gespräch, der ja zumindest Transportleistung für alle Bürger bedingungslos anbieten würde. Wie wäre es dann noch mit sozialem Wohnungsbau in einer neuen Form, in der jeder eine Wohnung kostenlos gestellt bekommt? Dazu eine Kantine, in der man jederzeit unentgeltlich essen kann, und die Grundversorgung wäre gesichert ohne gleich das ganz große BGE-Rad zu drehen. Das würde ebenfalls viel Geld kosten, aber es käme zielgerichtet der Bevölkerung zugute, die dann, ähnlich wie beim BGE, eben nicht mehr unbedingt jede Arbeit annehmen muss. Außerdem würde dieses Modell nicht zu ganz so großen Verwerfungen auf anderen Ebenen führen.

So etwas ähnliches hat man schon mal versucht, nannte sich Sozialismus. Nun ja. Und das BGE klingt am Ende eben doch spannender und spektakulärer. Aber vielleicht sollte man so eine Alternative zumindest einmal durchrechnen …

Kommentare (26)

  1. #1 Gerald Fix
    23. September 2018

    Dieses Geld müsste aus Steuermitteln aufgebracht werden, eine andere Quelle fällt mir jedenfalls nicht ein.

    Das ist natürlich schlecht, wenn Ihnen dazu keine andere Finanzierungsquelle einfällt.

    Die mir bekannten Modelle des BGE verrechnen es mit Sozialleistungen. Dies dürfte auch der Punkt sein, der zu den größten Differenzen in den Diskussoinen führt – welchen Sinn soll es haben, dem Hartz-4-Empfänger seine Leistungen zu streichen und dafür ohne Bedarfsprüfung BGE zu bezahlen, während es Herr Aldi zusätzlich erhält?

  2. #2 hto
    23. September 2018

    Man kann das ganze aber auch sehr viel einfacher gestalten:
    Wenn GRUNDSÄTZLICH alles Allen gehören darf, so dass die wettbewerbsbedingten Symptomatiken “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei” keine Macht mehr haben, kann PRINZIPIELL alles OHNE Steuern zahlen, OHNE manipulativ-schwankende “Werte”, OHNE “Sozial”-Abgaben, OHNE irrationalen Zeit-/Leistungsdruck zu / in einer Karriere von Kindesbeinen, usw. organisieren, auf der Basis eines UNKORRUMPIERBAREN Menschenrechts zu KOSTENLOSER Nahrung, MIETFREIEM Wohnen und KASSEN-/KLASSENLOSER Gesundheit.

  3. #3 Bernd
    23. September 2018

    In der Tat fallen zwar einige Posten aus dem bisherigen Budget weg [..]

    Wenn man das Thema schon anhand konkreter Zahlen abhandelt, sollten diese auch in dem Abschnitt der Wegfallpositionen herangezogen werden. Ansonsten guter Artikel.

  4. #4 hto
    23. September 2018

    zu #2
    Dies wäre dann eine Leistungsgesellschaft in wirklich-wahrhaftiger Menschenwürde!?

  5. #5 Stefan Siegert
    23. September 2018

    Super, das geht ja gleich richtig los mit Kommentaren, vielen Dank dafür.

    zu #1: Vorschläge, woher das Geld ansonsten kommen soll, sind immer willkommen. Margaret Thatcher (was die wohl von einem BGE gehalten hätte? :-) ) soll mal gesagt haben, dass sie Sozialleistungen (das BGE wäre ja eine) total gut fände, aber man möge ihr bitte einmal erklären, wer die bezahlen soll, wenn nicht Unternehmen oder die Menschen, die in diesen Unternehmen arbeiten. Und das sind dann eben Steuern, bzw. auch Abgaben, Gebühren, Beiträge zu Sozialversicherungen usw., was im Zusammenhang mit der Finanzierung eines BGEs aber das gleiche ist.

    zu #2: Stimmt, das ist ein anderer, denkbarer Ansatz, dann allerdings mit neuen Bedingungen, z.B. Abschaffung des Privateigentums oder Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

    zu #3: Ja sorry, hier war ich leider nicht detailliert genug, die Zahlen müsste man tatsächlich einmal genauer durchrechnen. Die Endlichkeit der Finanzierbarkeit ist allerdings auch so schon offensichtlich, hoffe ich.

  6. #6 Mars
    23. September 2018

    ich kann bezüglich der finanziereung auch andere dinge aufzählen. die ersten 9000 euro p.a. sind steuerfrei – auch bei herrn Aldi, und natürlich müssen dann alle – aber wirklich alle – sozielleistungen, steuererleichterungen (schlupflöcher) und zuschüsse gegengerechnet werden. hier laufen ja subventionen, dessen namen ja selbst die finanzminister nicht mehr kennen.

    zudem würden ja dann nicht alle 83 Mio mitbürger einfach nicht mehr arbeiten.
    wer mehr will, kann ja mehr verdienen, auch darauf werden weiterhin steuern behoben werden.
    und es müssen ja nicht gleich 1500 € sein – grundversorgung liegt heute bei ca 850 €.

    und es geht schon sehr viel länger als 10 jahre. vorreiter war Götz Werner – sein büchlein kostet weniger als 5 euro … lässt aber sehr viel tiefer blicken.
    ausserdem laufen derzeit schon einige kleine versuche mit ausgelosten menschen, die BLG bekommen – zumindest ein jahr lang. die aussagen derer, was sie mit dem geld machen ist z.t hochinteressant

    Fakt: allein beim ersten punkt sehe ich erheblichen nachholbedarf an information, da muss ein ökonom aber besserer leistung bringen

    mir genügt das nicht!

  7. #7 Stefan Siegert
    23. September 2018

    zu #6:

    Der Eingangssteuersatz liegt aktuell bei 14% ab 9.000 EUR pro Jahr. Wenn man also das Einkommen darunter auch so besteuern möchte und wir der Einfachheit halber einmal annehmen, dass alle 82,5 Mio. Einwohner mindestens so viel verdienen, sind wir bei (9.000 EUR x 14%) x 82,5 Mio. = 104 Mrd. EUR. Das reicht noch immer nicht.

    Das Schließen von Schlupflöchern usw. lässt sich gut in das Beispiel der 100%igen Vermögenssteuer integrieren. Selbst wenn man den Reichen alles weg nähme bekommt man nicht genug Geld.

    Der Hinweis, dass natürlich die Leute weiterhin arbeiten würden ist sehr wichtig. Meine Annahmen beruhen ja gerade darauf, dass alle genauso weiter arbeiten wie bisher, denn ein großer Teil der bisherigen Steuereinnahmen ist die Einkommensteuer. Sollten die Menschen tatsächlich weniger arbeiten, müssten die Löhne steigen oder die Einkommensteuer oder was auch immer, ansonsten reicht das Geld noch viel weniger.

  8. #8 hto
    23. September 2018

    BGE – und die Hierarchie des imperialistischen Faschismus darf weiter den KOMMUNIKATIONSMÜLL ihrer Vorstellung von Gerechtigkeit VERERBEN!?

    BGE – es wundert mich nicht, dass die Bildung zu systemrationaler Suppenkaspermentalität solche Auswüchse entwickelt und dem maroden Bildungssystem somit den Dünger für “ganz neuen” Stress liefert.

  9. #9 Spunk123
    23. September 2018

    Das BGE dürfte dann auch das umlagefinanzierte Rentensystem zumindest teilweise umfassen, weil das BGE im Grunde und pauschal gesprochen von der Rente abzuziehen wäre – Daneben gibt es aber auch noch kapitalbasierende Systeme wie die Rechtsanwalts- und Ärzteversorgung- Einsparungen dürften sich wiederum dadurch ergeben, dass der Staat Pensionen nur abzüglich des BGE zahlen müsste – und ggf. keine Riesterrente/Rüruprente fördern würde. Aber diese Überlegungungen zeigen doch wie komplex das Thema ist, da wir aktuell ein hoch komplexes System haben.

  10. #10 Andreas
    23. September 2018

    Es ist schön zu hören, dass die Bedingungen eines BGE (relativ zum bestehenden System) genannt werden. Der Artikel suggeriert aber, dass ein BGE zu weit vom bestehenden System entfernt ist. Eine Utopie. (Hier empfehle ich das Buch “Utopia for Realists” von Rutger Bregman.) Das ist aber gerade der Kern bei der BGE Diskussion. Eine Utopie, wenn man es schon als Argument aufführt, ist ein Pro und kein Contra. Es zielt gerade darauf hinaus Bedingungen im bestehenden System zu lockern, entfernen oder eventuell auch neue zu schaffen (wobei die Tendenz klar zu weniger Bedingungen ist, womit viele Menschen leider ein Problem zu haben scheinen).

    Auch die Beschreibungen der drei genannten Bedingungen sind zu kurz gedacht.

    Zuerst einmal wurde (wieder einmal!) die Finanzierung falsch angegangen. Abgesehen vom gewählten BGE Modell, muss bei der ‘Finanzierung’ die Menge des Geldes betrachtet werden, welche umverteilt wird (Netto). Nicht die gesamte Geldmenge (Brutto). Siehe hier

    https://theconversation.com/why-universal-basic-income-costs-far-less-than-you-think-101134

    Zweitens, ja das BGE ist vereinfacht gesagt eine Steuerreform. Man könnte einen radikalen Wandel machen, von heute auf morgen (eher eine schlechte Idee, meiner Meinung nach). Oder aber man führt es Schritt für Schritt ein, bei der die Eigenschaften eines BGE (Bedingungslosigkeit, Universalität, Existenzminimum, …) Etappenweise umgesetzt werden.

    Drittens, ein BGE hat keineswegs eine Inflation zur Folge und es ist auch keine Neudefinition des Geldes nötig. (Erinnerung: ein BGE zielt auf eine Umverteilung bestehender Ressourcen. Es ist keine zusätzliche, neue Quelle). Die Diskussion um ein BGE beinhaltet aber sehr wohl eine Neudefinition von Arbeit. D.h. jede Form von Arbeit – nicht nur Erwerbsarbeit! – soll wertgeschätzt werden ohne ihr dabei einen expliziten Wert zuzuordnen. Anders ausgedrückt, man bekommt eine zugesicherte Basis (monetär!) DAMIT man arbeiten kann. Es kann z.B. eine Weiterbildung sein, eine Auszeit (aus welchen Gründen auch immer), eine ehrenamtliche Tätigkeit oder aber auch in Form einer Erwerbsarbeit als zusätzliches Einkommen (ein Teil davon wird dann im Sinne eines BGE umverteilt).

  11. #11 Joseph Kuhn
    23. September 2018

    Wenn die Leute nach Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens nicht mehr arbeiten würden, würden sie verhungern und merken, dass man Geld nicht essen kann.

    Zumindest die Bauern und Lebensmittelhändler, natürlich auch die Hersteller von Traktoren und die Leute, die die Straßen bauen, auf denen die Kartoffeln in die Städte kommen, müssten weiterarbeiten. Wenn man die Kartoffeln mit sauberen Wasser zubereiten will, auch die Angestellten der Wasserbetriebe, dann die der Energiebetriebe – die bekömmliche Kartoffel will gekocht sein. Nicht zu vergessen die Beamten, die das Grundauskommen auszahlen, auch wenn man sich darüber streiten kann, ob Beamte im Wortsinn “arbeiten” (Herr Maaßen, übernehmen Sie!). Die brauchen wiederum Bleistifte, Ärmelschoner und Butterbrotpapier für ihr Pausenfrühstück, auch das muss alles hergestellt werden. Mehr dazu am nächsten 1. April.

  12. #12 rolak
    23. September 2018

    Die brauchen wiederum Bleistifte

    Ach, die dürfen doch schon lange nicht mehr in Umlauf gebracht werden (..nicht unter 4 Jahre Griffel), Joseph, seit dieser uns von der Brüsseler Spitzenknebelung aufgedrückten RoHS. Selbst der Name ist giftfrei und schonend zu halten: Stift aus nichttropischem Holz mit abdunkelndem Innenteil.

    Abends in Ruhe einen verlöten ist aus demselben Grunde ebenfalls nicht mehr drin: Lötzinn bleifrei, Zinnbecher sinnfrei, stattdessen Grießbrei – sad, so sad…

  13. #13 Stefan Siegert
    23. September 2018

    zu #9: Konsequent zu Ende gedacht kann man bei einem BGE auf die Rente auch komplett verzichten. Das freut den Arbeitnehmer ebenso wie den Arbeitgeber, weil die Lohnnebenkosten sinken. Und das spart auch in den öffentlichen Haushalten Geld ein, wie schon oben erwähnt z.B. den staatlichen Zuschuss zur Rente. Allerdings …

    zu #10: … bleiben immer noch Staatsausgaben übrig, die zu finanzieren sind, die Straßen müssen gebaut und instandgehalten werden. Schulen wären auch nicht schlecht, Polizei, Gerichte, Beamte usw. Ich denke, meine 50%-Einsparungsidee ist nicht ganz unrealistisch.

    Was die Bereitschaft der Menschen angeht, trotz BGE weiterhin zu arbeiten, bin ich recht optimistisch, ich denke, so gut wie jeder würde sich langfristig eine Aufgabe suchen. Komplex wird es nur bei Tätigkeiten, die keiner gerne macht, die erwähnte Landwirtschaft beispielsweise. Wahrscheinlich müssten hierfür die Löhne steigen und damit auch die Lebensmittelpreise … und ob dann das BGE noch ausreicht, oder ob ein Land dann nicht sogar ins Agrarzeitalter zurück fällt, ist schwer vorherzusagen.

    Soweit ins Spekulative wollte ich aber in meinem Artikel auch gar nicht gehen, ich wollte lieber erst einmal die offensichtlichen und noch einigermaßen nachvollziehbaren Herausforderungen zur Diskussion stellen.

  14. #14 hto
    23. September 2018

    @Kuhn #9

    Tja, Vernunft und Verantwortungsbewusstsein im Wettbewerb wird das BGE sicher nicht fördern – besonders die Bauern als Grundbesitzer, denen heute schon zuviel Subventionen …, die werden, wenn sie im Wettbewerb noch weniger mithalten können, fauler werden und sich noch mehr anderen Geschäftsfeldern zuwenden.
    Und der Wettbewerb und somit Ausbeutung und Spaltung der jetzt schon “Gemeinschaft” wird zunehmen, was dem faschistischen Grundgedanken unserer derzeitigen Welt- und “Werteordnung” sicher sehr zusagt.

  15. #15 NorbertN
    23. September 2018

    Sehr guter Artikel, das mit der Inflation daran habe ich noch gar nicht gedacht.

    Wahrscheinlich würde es zu einer Parallelwährung führen. Eine harte Währung mit der man alles kaufen kann in den Intershops und eine schwache Währung so eine Art DDR-Mark.

  16. #16 Tim
    23. September 2018

    Es gibt eine wunderbar geeignete Rechtsform, mit der BGE-Freunde ihren Traum schon heute umsetzen könnten: die Genossenschaft. Alle zahlen etwas ein, alle erhalten einen identischen Betrag ausgezahlt.

    Natürlich ist offensichtlich, warum so etwas noch nicht versucht wurde. Den BGE-Freunden geht es ja darum, dass eben andere ihren Traum bezahlen sollen, nicht sie selbst. Wir alle sozialistische Märchen scheitert auch das BGE an der Realität.

  17. #17 Withold Ch.
    23. September 2018

    Ein sehr gut geschriebener Artikel zu einem hochaktuellen Thema.

    So schön und gut die Idee eines BGE auch ist, so scheint sie wohl kaum realisierbar zu sein, obwohl sie im Grunde eine wichtige Prämisse für soziale Gleichheit und Gerechtigkeit darstellen würde.

    Die Frage, wie sich eine auf siebeneinhalb Milliarden angewachsene Weltbevölkerung jetzt (und in Zukunft noch wachsend) lokal und global organisieren und verwalten soll, dürfte immer dringender werden. Nur mal bezogen und eingeschränkt auf die Befriedigung der vier elementaren Grundbedürfnisse “Ernährung / Wohnung / Kleidung / Medizin” wäre die Bereitstellung eines entsprechend bemessenen BGEs ev. möglich. Das wäre aus kultureller und zivilsatorischer Sicht für viele Menschen schon mal eine noch nie dagewesene Wohltat.

    Ein bisschen nüchterner betrachtet, dh aus Sicht eines evolutionären Prozesses, als dessen Teil wir uns auch verstehen müssen, haben wir es zwar an die Spitze einer Pyramide von Lebewesen geschafft, durch Kampf, Wettbewerb und schlichtem Überlebenstrieb, und unter sehr viel Gewalt- Leid- und Schmerzerfahrung, aber gleichzeitig haben wir unseren Planeten mit all seinen Ökosystemen infolge der Duldung von patriarchalisch-hierarchischen Herrschafts- und Wirtschaftssystem in einen gefährlichen Stresszustand gebracht.

    Im Grunde passt das Konzept eines BGE nicht zu diesen Systemen, in denen der Wert von Gütern, Dienstleistungen und Arbeit nach den Bedingungen und Regeln von Markt, Wettbewerb, Kompetenz und Kompetition festgelegt wird, und die Berechtigung zur Teilnahme am Konsum an eine erbrachte oder noch zu erbringende Leistung geknüpft wird.

    BGE würde zwar nicht die Rückkehr ins Paradies, aber immerhin (Über)leben in weniger Angst und Furcht bedeuten.

    Die Idee einens BGE behauptet sich nun seit ein paar Jahren hartnäckig, dies kann zumindest auch als Zeichen einer wachsenden Einsicht dafür gedeutet werden, dass die Menschheit sich anders organisieren und verwalten sollten … 😉

  18. #18 Smamap
    23. September 2018

    Gleich wenn es um gefühlte Ungerechtigkeiten geht, mit einem anderen Wort …. um Neid, dann kocht die Kommentarmühle.
    Ich finde, all das ist am falschen Ende angesetzt. Bevor man um die ‘Ungerechtigkeit’ eines BGE diskutiert, sollte man mal daran gehen, die BESTEHENDEN Ungerechtigkeiten zu beseitigen, denn dann bräuchte es womöglich kein BGE mehr.
    Jemand oder eine Gemeinschaft, die bei uns viel Geld hat, erhält noch zusätzlich zahlreiche Möglichkeiten, dieses Geld zu mehren. ZB durch Steuervorteile oder zahlreiche Vergünstigungen. Etwas, wovon ein Geringverdiener oder ein Armer nur träumen kann. Diese Clientel muss um jeden Cent kämpfen. Mehr noch, das Mindeste, das ein Sozialstaat als Verpflichtung hat, wird noch ruduziert, wo es nur geht.
    Wenn all das, was jenseits von Einkommensgrenzen ist, Stichwort ‘Reichtum’, der Gemeinschaft zur Verfügung steht, dann gäbe es genügend Mittel, das Notwendige zu finanzieren, und niemand bräuchte ein BEG.
    Wobei ich immer von denen spreche, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht die Möglichkeit haben, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

  19. #19 Fat Boo
    23. September 2018

    Ein schöner Artikel, meinen Dank an den Autor! Insbesondere die letzten beiden Absätze haben mich stark schmunzeln lassen. Was mich auch nachdenken lässt wäre der Anreiz für Menschen anderer Nationalitäten ebenfalls vom BGE zu profitieren.

  20. #20 rolak
    23. September 2018

    ..ok, also doch noch etwas auf diesen merkwürdigen Text direkt Bezogenes:

    in der Summe also 936,2 Mrd. €. Wollte man nun all diese Mittel zur Finanzierung eines BGEs einsetzen (eine sehr unrealistische Annahme

    Erstaunlicherweise wäre es nach dieser Rechnung ebenfalls unmöglich, die aktuellen Sozialleistungen zu stemmen, immerhin ~1100Mrd€ (~30%Sozialquote, ~3300Mrd€ BIP 2017). Da scheint jemand etwas Grundlegendes nicht verstanden zu haben.

  21. #21 hto
    23. September 2018

    @Stefan Siegert

    zu #2 Das ist der einzige DENKWÜRDIGE Ansatz, denn schon das Christentum, also der “Grundpfeiler” der westlichen Welt- und “Werteordnung”, aber besonders Jesus im NT, hat diese sozialistische Gesellschaftsform WAHRHAFTIG propagiert, also zurück und weiter zur zweifelsfrei-eindeutigen Wahrheit, Mensch!

    Nach dem zweiten Weltkrieg waren wir, mit dem Aufbau einer auf das Gemeinwohl ausgerichteten Staatsform, FÜR die KURZE ZEIT der Euphorie, mit Staatsbetrieben auf einem richtigen Weg dem Geschäft und somit der Heuchelei und der Lüge den Sinn des Lebens zu entziehen!?

  22. #22 Stefan Siegert
    23. September 2018

    zu #10:

    Der Brutto-/Nettoeffekt ist bereits in der Rechnung berücksichtigt: Brutto wären 1,485 Bio. € zu bezahlen, sämtliche Steuereinnahmen (also auch die der Reichen, die ebenfalls das BGE bekommen sollen) werden zur Finanzierung genommen und die ‘Nettokosten’ (oder auch die Finanzierungslücke) beträgt 550 Mrd. €.

    Ja, eine sofortige Einführung ist problematisch, im Sinne der Nachhaltigkeit sollte man über entsprechende Zwischenetappen nachdenken. Volle Zustimmung hierzu.

    Eine Neubewertung von Arbeit sehe ich nicht als Bedingung, eher als das (erwünschte) Ergebnis einer erfolgreichen Einführung des BGEs.

    Das BGE als Utopie zu verstehen fällt mir leider etwas schwer. Eine gerechtere Welt sicherlich, weniger Wettbewerbsdruck auch, Frieden oder eine andere Gesellschaftsform gerne, aber einfach nur das bedingungslose Auszahlen von Geld?

  23. #23 Stefan Siegert
    23. September 2018

    zu #15:

    Eine Parallelwährung zum Decken der Grundbedürfnisse, ein interessanter Ansatz, das habe ich mir auch schon überlegt.

    Ich dachte zuerst an eine Kryptowährung, aber so richtig zu einer finalen Erkenntnis bin ich da noch nicht gekommen.

  24. #24 Stefan Siegert
    23. September 2018

    zu 19:

    Das ideale BGE müsste sowieso für die ganze Welt gelten.

    Aber das ist ohnehin einmal eine interessante Frage: Wie sähen die Rechnungen eigentlich für ein Land aus, das nicht zu den reichsten der Erde gehört?

  25. #25 Joseph Kuhn
    24. September 2018

    Herr Siegert, haben Sie “Fat Boos” Kommentar eigentlich verstanden? Ich glaube, er hat Angst vor Einwanderung in die Sozialsysteme. Nur aus Interesse: Was war denn Ihr Schwerpunkt im Ökonomie-Studium?

  26. #26 brunobruno@byom.de
    24. September 2018

    einiges wurde ja schon gesagt – mmn ein wirklich schlechter artikel!
    1500 euro – warum? wo stammt die zahl her?? alle unter 18 und über 65 bekommen – zu rente…kindergeld 1500 euro?
    davon wird dann auch steuer bezahlt? also auch 1-jährige und 80-jährige haben einen steuersatz??

    der ganze artikel beruht auf schlechten annahmen und schlechten zahlen!

    mit wohlwollen werden 50% (der arbeitenden bevölkerung) weiter arbeiten wollen! ärzte, steuerberater… etc. werden sich nicht mit 1500e in den “vorzeitigen ruhestand” begeben.

    man lässt beim BGE die steuer weg und reduziert das auf die hälfte (800e). wer weiterhin arbeitet zahlt dann darauf steuern. also weiterhin ca. 30mio. “steuerzahler” – wg. mir mit reduziertem steuersatz.

    das macht dann abzgl. von U18/ Ü65 ca. 30mio. bezieher.
    da sind wir selbst bei 30mio x 990e erst bei 30mrd. €!
    und dazu werden noch von mindestens 30% – 50% der bevölkerung steuern gezahlt!!

    und dazu kommen aber noch die erarbeiteten “mehrwerte” der BGE-bezieher!! auf die wieder steuern erhoben werden… von den erwarteten 30mio. BGE-beziehern werden 25mio. vor dem tv sitzen und bier trinken (konsum!) – aber 5mio. werden kreativ werden und einen (gesellschaftlichen/ kulturellen/ handwerklichen/ pekuniären) mehrwert erwirken und erwirtschaften!! und darauf ggfs. steuern zahlen.
    das ist ja der witz an der sache!!
    das wird im artikel nicht mal am rande erwähnt!

    sorry – ich hatte mir von dem artikel eine umfangreiche und detaillierte analyse erhofft – aber gekommen ist nur unzureichendes geschwurbel unter einer fragwürdig festgelegten meinung.

    @hto: ???
    was ist denn dein trip?!
    ist das eine christlich verbrämte kapitalismus-kritik?
    kapitalismus finde ich auch asozial – aber christentum ist asozialer!
    (und dabei möchte ich bitte auf wörtlicher definition bedingen – wie sie evtl. die wiki hergibt!!)