Am 6. Juni 2012 wird sich letztmalig zu unseren Lebzeiten ein sogenannter Venustransit – ein sichtbarer Durchgang der Venus direkt vor der Sonnenscheibe – beobachten lassen. Ein ganz besonderes Ereignis, das sich erst im Jahr 2117 wiederholen wird – und das man darum auf jeden Fall miterleben sollte. Wer im oder um den Harz herum lebt, kann dies etwa in Sankt Andreasberg tun – wozu ich alle Interessierten schon heute herzlich einladen möchte.

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Der Venustransit des Jahres 2004 (Quelle: Wikipedia)

Wie ich letzte Woche bei Astrodicticum Simplex gesehen habe, startet Florian eine ganze Blog-Reihe zum Thema Venustransit, deren erste Folgen ich nur wärmstens empfehlen kann. Ich hoffe mal, dass er bis Juni noch Zeit für viele weitere Artikel findet, schließlich gibt es eine Menge enorm faszinierender Geschichten, die mit dem Transit in Verbindung stehen – so die des Astronomen Johannes Kepler, der im 17. Jahrhundert erstmalig den Transit der Venus korrekt prognostizierte, diesen jedoch nicht mehr erleben konnte, da er ein Jahr zuvor verstarb. Oder die Geschichte der Astro-Expedition des großen britischen Abenteurers James Cook, der 1769 nach Tahiti reiste, um den Transit dort beobachten zu können. Oder die Geschichte des Komponisten John Philip Sousa, dar vom Anblick des Venustransits im Jahr 1882 so begeistert war, dass er dem Event ein Musikstück widmete. Oder die tragische Geschichte des französischen Astronomen Guillaume Le Gentil, dessen Leben durch die Jagd nach dem Venustransit völlig zerstört wurde. Auch viele wissenschaftliche Erkenntnisse sind mit der Beobachtung von Venustransits verbunden – etwa die Entdeckung, dass die Venus über eine eigene Atmosphäre verfügt oder die (nahezu) exakte Bestimmung der astronomischen Einheit durch Johann Franz Encke im 19. Jahrhundert.

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Deckblatt des 1883 von John Philip Sousa veröffentlichten Marschs “Transit of Venus” (Quelle: Wikipedia)

Alles Themen, die ich gerne unseren beiden ScienceBlogs-Hausastronomen überlasse – mir geht es heute eher darum, jeden Harzer Sternenfreund, der noch nicht weiß, wo sie oder er den Transit beobachten möchte, zum gemeinsamen Beobachten und Staunen mit dem Team der Sternwarte Sankt Andreasberg auf die Jordenshöhe nach Sankt Andreasberg einzuladen. Der Sternwarten-Verein, in dessen Vorstand ich seit vergangenem Jahr aktiv bin, und von dessen Arbeit ich auf den ScienceBlogs schon des öfteren berichtet habe, wird hier ab 4:30 Uhr mit genügend Helioskopen und Filterbrillen (warum die wirklich wichtig sind, wird hier hervorragend erklärt) vor Ort sein, um auch jedem Interessierten ohne eigenes Astro-Equipment einen Blick auf den Venustransit ermöglichen zu können.

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Simuliertes Sichtprofil von der Andreasberger Jordanshöhe in Blickrichtung Sonnenaufgang (Erstellt mit dem Panorama Maker)

Dass die Jordanshöhe sich als Beobachtungsort eignet, belegt diese Simulation, die unser vereinseigene Experte für Astro-Technik, Michael Koch, mit Hilfe dieses tollen Tools von Dr. Ulrich Deuschle erstellt hat (das Tool erstellt allerdings „nur” die Bergpanoramen, den Lauf der Sonne muss man noch selbst errechnen und einzeichnen). Ein wenig die Sicht wird uns zu Beginn des Sonnenaufgangs der Rehberg nehmen, der Großteil des Transits dürfte sich aber gut beobachten lassen – wenn das Wetter mitspielt, was man im Voraus natürlich nie wissen kann. Ich hoffe jedenfalls auf gute Sichtbedingungen und darauf, dass uns ein paar tolle Fotos des Venustransits gelingen, die es dann natürlich hier im Blog zu sehen geben wird…

Also nochmal zum Notieren, falls uns jemand besuchen kommen möchte:

Beobachtung des Venustransits 2012
am 06. Juni 2012 von 5:15 bis 7:30 Uhr
auf der Jordanshöhe in Sankt Andreasberg

Ergänzung: Unser Beobachtungsort für den Venustransit wird nicht auf dem Schotterplatz direkt an der Straße sein, sondern wir folgen dem dort beginnenden Weg etwa 500m weiter nach Osten. Hinter den Schullandheimen heisst der Weg “Am Gesehr”. Dort ist eine Wiese, von wo wir bessere Sicht nach Nord-Osten haben.

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Mit Hilfe der Software Stellarium erstellte Simulation des Blicks auf den Venustransit für den Beobachtungspunkt Sankt Andreasberg am 6. Juni um 5:18 Uhr

Wer dies möchte, kann mir an creinboth@googlemail.com eine E-Mail schreiben, ich lasse euch dann in den Info-Verteiler der Sternwarte eintragen, über den es bis zum 06. Juni noch Updates zu möglichen Änderungen an Ort und Zeit (sowie zu weiteren Beobachtungsevents im Harz) gibt. Ob im Harz oder anderswo – die Chance, den letzten Venustransit unseres Lebens zu beobachten, sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. Ich würde mich jedenfalls freuen, den einen oder anderen Leser mal in Andreasberg kennenzulernen.

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Teleskoptreffen auf der Sankt Andreasberger Jordanshöhe

Weitere Informationen zum Venustransit 2012 im Internet:

Kommentare (5)

  1. #1 Roman
    15. Mai 2012

    ein sehr guter, und wissenschaftlicher betrag !!!
    DANKE Christian
    grüsse aus wien

  2. #2 Roman
    15. Mai 2012

    meinte “Beitrag” sorry,

  3. #3 Stefan
    15. Mai 2012

    Hallo zusammen,

    ja, die Beiträge von Astrodicticum Simplex sind wirklich ganz gut – aber das ist längst, schon seit 2003, alles ganz ausführlich online. Schaut mal unter http://www.venus-transit.de/ oder http://www.venustransit.de/ nach. Und wer Englisch kann, findet noch mehr Infos zu allen Themen rund um den Venustransit unter http://www.transitofvenus.org/ und http://www.transitofvenus.nl/ .

    Clear Skies!

    Stefan

  4. #4 Jan Hattenbach
    24. Mai 2012

    Na, dann wünsche ich euch allerbestes Wetter bei euch oben. Der Platz ist sicher ziemlich gut zur Beobachtung des Transits! Clear Skies!

  5. #5 Christian Reinboth
    26. Mai 2012

    @Jan: Vielen Dank! Wollen wir mal hoffen, dass das Wetter mitspielt…