Da der eigene Nachwuchs stetig näher rückt, sind meine Frau und ich heute mal durch diverse Läden getourt, um die noch fehlenden Fläschchen, Zahnungshilfen und Wickelunterlagen zu besorgen. Bei der Gelegenheit habe ich mir gleich mal in der “Spielend lernen”-Abteilung eines großen Magdeburger Kaufhauses einen Überblick des aktuellen Warenangebots für angehende Naturforscher/innen verschafft. Und siehe da: Es fand eine sichtbare Trennung in Produkte für “Boys” und Produkte für “Girls” statt, wobei selbst Ferngläser, Lupen, Teleskope und Mikroskope in doppelter Ausführung angeboten wurden. Das Mikroskop für “Boys” machte zumindest visuell einen fast schon professionellen Eindruck, komplett mit Objektträgern, Pipetten und diversen vorpräparierten Beispielobjekten (inklusive des obligatorischen Stubenfliegenbeins).

Wie das Mikroskop für “Girls” aussah?

Mädchenmikroskop

Auch wenn ich persönlich kein großer Freund von Frauenquoten bin, so muss ich doch zugeben, dass zumindest dieser Spielzeughersteller von einer stärkeren weilblichen Präsenz in Vorstand und Aufsichtsrat wohl nur profitieren könnte. Zumindest fällt es mir schwer zu glauben, dass der Gedankengang “Machen wir das Mikroskop doch pink und rosa und legen noch ein paar rosa Präparatbehälter oben drauf, damit wir auch ein paar Mädels für ein bisschen Wissenschaft begeistern können” dem Hirn eines weiblichen Produktmanagers entspringen konnte…

(Siehe auch: Science: It’s a girl thing.)

Kommentare (36)

  1. #1 Susann Sch
    3. November 2012

    Ich find dieses ganze rosa auch grauenvoll. Und wenn man dann umgekehrt mal nach Küchen- und Kaufladenzubehör schaut, gibts fast nur was für Mädchen…

  2. #2 Stefan W.
    3. November 2012

    Das verstehe ich nicht. Wieso sollte eher einem Mann einfallen, ein Mikroskop für Mädchen pink zu machen, als einer Frau? Sind die Käufer, die ihren Töchtern pinke Mikroskope kaufen, dann auch Väter, und nicht Mütter? Und wenn die Kinder selbst nach Mikroskopen verlangen, sind das auch nie die Töchter, sondern — ?

    Aber ja – wenn jemand sexistische Mikroskope für Mädchen produziert, dann ist das ein blöder/böser Mann. Wenn Mikroskope so beworben werden, dass sie nur Jungs ansprechen (Schwarz und Chrom?), dann steckt bestimmt auch ein böser, chauvinistischer Mann dahinter.

    Überhaupt stecken immer böse Männer dahinter. Und die armen Frauen, Werberinnen und Töchter sind die armen Opfer. Dumm, dass wir Männer sie nicht retten dürfen – das würde nur Geschlechtsstereotype zementieren. So sind wir verdammt das Patriachat bis zum St. Nimmerleinstag fortzusetzen. 😉

    Disclosure: Christian Reinboth ist in Wahrheit natürlich ein Mitglied unserer old-boys-Seilschaften, und dieser Blogbeitrag dient nur der Täuschung und Verblendung. Weißer Eurozentriker ist er übrigens auch.

  3. #3 Andreas
    3. November 2012

    Erstes Kind? Bei einer Tochter hast Du gegen rosa keine Chance. Zur Beruhigung: Es ist alles nur eine Phase…

    Für Deine Einkaufsliste: Der klassische Emmaljunga ist einer der wenigen Kinderwagen, der schmal genug für die Gänge in den Zügen ist.

  4. #4 Chris
    Keller
    3. November 2012

    Hey,

    grausame Farbe, aber immerhin gibt es heute Mikroskope die direkt an Mädels adressiert sind. Das war schon schlimmer…

    Welcher Junge möchte nicht die Geheimnisse des Radios kennenlernen. Man kann aber nicht mit dem Selbstbau von UKW-Geräten oder gar von Nachrichtensatelliten beginnen. Das weiß niemand besser als Ing. Heinz Richter, unter dessen kundiger Leitung der junge Radiobastler bald beachtliche Fortschritte macht. Ob es sich um einen Detektorapparat, einen Transistorverstärker oder um einen Superhet handelt, stets weiß der Verfasser den Stoff so fesselnd darzubieten, daß einem gar nichts anderes übrigbleibt, als die Ärmel hochzukremnpeln und zum Lötkolben zu greifen. “Radiobasteln für Jungen” bringt aber nicht nur spannende Versuche, sondern gibt auch einen Einblick in die praktische Arbeit des Radiotechnikers. (blablabla)

    Klappentext innen Heinz Richter “Radiobasteln für Jungen” Auflage 9, rund 1970.

    Kopf hoch, die restlichen Probleme kriegen wir auch noch hin. 😉

  5. #5 Radicchio
    3. November 2012

    “Bei einer Tochter hast Du gegen rosa keine Chance.”

    unsinn. man muss nur konsequent sein.

  6. #6 Andreas
    3. November 2012

    @Radicchio träum weiter… die Kinder erziehen die Eltern…

  7. #7 Radicchio
    3. November 2012

    das sind doch nur ausreden. irgendwer kauft schließlich das rosa genderzeugs. und das sind nicht die kinder. konsequent sein bedeutet auch, dass verwandte und bekannte kein rosa zeug anschleppen. das muss man ihnen halt klar machen.

  8. #8 alex
    Siegen
    3. November 2012

    “Wenn Mikroskope so beworben werden, dass sie nur Jungs ansprechen (Schwarz und Chrom?)”

    Wer sagt das, dass die nur Jungs ansprechen?
    Ich gehöre noch der Orange-Grün-Generation an, bin in den 70ern Kind gewesen. Rosa gab’s da auch, ich muss sogar zugeben, dass ich mein rosa Kleid zur Hochzeit meines Patenonkels 73, als ich vier war, so toll fand, dass ich das ein Jahr später wieder anziehen wollte, als ich allerdings ein bisschen rausgewachsen war und mit viel Widerstand dran gehindert wurde.

    Aber bei meinem Chemiekasten haben mich Farben nicht interessiert und die Autos, mit denen ich in meiner Plastiktankstelle mit Parkhaus rumgefahren bin, die waren auch alle nicht rosa.

    Selbst mein Barbiezeugs war nicht rosa, sondern orange-braun. Rosa Pferde gab es damals noch nicht. Ich habe die auch gar nicht vermisst und aufm Ponyhof gab’s die auch nicht.

    Wer weiß, wer sich das rosa Zeug für Mädchen ausdenkt? Es ist mir wurscht, Herr Stefan W., ob das Frauen oder Männer sind, aber die gehören alle in den Hintern getreten.

  9. #9 Phero
    3. November 2012

    Jetzt mal abgesehen davon, dass “spezifische Mädchenmikroskope” überflüssig sind wie ein Kropf – was ist denn so schlimm an rosa allgemein?

  10. #10 FoxD
    4. November 2012

    @Radicchio: Konsequent kein Rosa? Warst du scjonmal Babysachen kaufen? Wenn du mal etwas für Mädels geeignetes gefunden hast (was nicht rosa ist!), dann kauf lieber alles doppelt in jeder Größe… Ansonsten wirst du es schwer haben die kleine 2 tage lang anzuziehen, weil unisex Babysachen sind verdammt selten, gefühlte 95% der Sachen sind Rosa oder Blau… Was die kleine zuhause anhat ist mir ja egal, aberes würde mich nerven wenn alle sich nach meinem Jungen erkundigen, nur weil ich zu eitel bin sachen mit Rosa zuzulassen… Man kanns ja auch übertreiben…

  11. #11 Julia
    4. November 2012

    Ich finde es auch fürchterlich, und vor allem so schade, dass die Kinder so eingeschränkt sind, im Ausdruck ihrer Vorlieben. Auch Kleidung, bei zB H&M oder auch anderen gibt es Kleidung streng nach Geschlecht sortiert, mit den entsprechenden Farben. Auch blöd für Jungs, die bunte Farben mögen. Unser Sohn hat sehr gerne rosa getragen, und unsere Tochter fand Dinosaurier T-Shirts super. Bis beide in die Schule kamen, wo andere ihnen sagten, “das sind Jungs Sachen” respektive Mädchen. Da haben sie sich nicht mehr getraut. Das ist schon zum großen Teil der soziale Druck, den Erwachsene auf die Kinder ausüben. Die Firmen haben die Möglichkeit, dagegen anzugehen. Gab es letztens nicht eine Programmierer Barbie?

  12. #12 Lulu
    4. November 2012

    @FoxD

    Meine Tochter ist zwar schon 12, aber es war kein Problem, Kleindung für Mädchen in anderen Farben zu finden. Sie hatte zwar – KiTa bedingt – eine sehr kurze rosa Phase, aber diese dauerte nur wenige Monate. Und manche Leute sind so doof, sie erkundigen sich auch dann nach dem “schönen Bübele”, wenn dieses “Bübele” die Haare zu Zöpfchen gebunden hat.

    Seit einigen Jahren aber hat meine Tochter eine ausgeprägte Abneigung gegen alles was auch nur annähernd rosa ist. (Die meisten ihrer Freundinnen übrigens auch.) Ihr Mikroskop ist klassisch schwarz und sie hat nicht weniger Spaß daran.

  13. #13 Suse
    4. November 2012

    Ich wollte als Kind auch unbedingt ein Mikroskop haben, so echt wie möglich, also definitiv schwarz. Hab ich auch bekommen. Ein rosa Mikroskop hätte auf mich schon damals, glaub ich, wie Spielzeug gewirkt, und das war ja nicht was ich wollte.
    Hm. Kann es sein, dass das mit dem Rosa/Hellblau-Kram in den letzten Jahren eher schlimmer wird als besser? Liegt sicher an den einschlägigen Spielzeug-Welten (Lilifee und was es da alles gibt).

  14. #14 Andreas
    4. November 2012

    @Suse Ich habe kein belastbares Datenmaterial, aber ich meine in den 80ern war der rosa/hellblau-Kram wesentlich schlimmer. Zumindest in unserem Bionade-Biedermeier Stadtteil überwiegt der Anteil der Hessnatur- gegenüber den Cheap & Awful-Kunden. Wir haben hier sogar einen sehr schönen Laden in der Nähe (http://www.naturladen-bs.de/), wo es nicht nur rosa/hellblau gibt.

    Ich bin schon gespannt auf den sicherlich interessanten Blogeintrag Ferbern vs Familienbett, wenn das Baby dann da ist.

  15. #15 rolak
    4. November 2012

    erkundigen sich auch dann nach dem “schönen Bübele”, wenn dieses “Bübele” die Haare zu Zöpfchen gebunden hat

    Da bist Du jetzt aber argumentativ vom Regen in die Traufe geraten, Lulu

  16. #16 Radicchio
    4. November 2012

    was ist denn so schlimm an rosa allgemein?

    @Phero
    an der farbe als solcher ist erstmal gar nichts schlimm. es könnte auch grün oder orange sein, das ist in grunde egal. schlimm ist, dass mittels farben und symbolen bereits vorgeburtlich mit der geschlechtssegregation begonnen wird. damit werden den kindern geschlechtspszifisch unterschiedliche interessen und eigenschaften suggeriert. 20 jahre später wundert man sich dann warum frauen keine MINT-fächer studieren wollen und versucht mit bemitleidenswertem aktionismus à la girls day dagegen zu steuern.

    rosa mädchensachen sind für jungs tabu »iiih, das ja für määädchen!«, protestiert der junge, der mit einem rosa fahrrad fahren soll. er hat mittels farblicher codierung und anderen interventionen gelernt, dass dinge, die für mädchen sind, an seiner identität kratzen. wenn er eine rosa mütze trüge, könnte man ihn für ein mädchen halten und das wäre eine katastrophe. er will dringen ein “richtiger” junge sein, und richtige jungs grenzen sich von mädchen ab. es soll sogar mütter geben, die befürchten, kleine jungs könnten durch rosa anoraks schwul werden.

    es würde mich nerven wenn alle sich nach meinem Jungen erkundigen, nur weil ich zu eitel bin sachen mit Rosa zuzulassen

    ganz genau, FoxD. das rosa-hellblau ding ist ein ausdruck des geschlechtsrollenverständnisses der eltern – nicht der kinder.

  17. #17 Dr. W
    4. November 2012

    Der Markt kann so ehrlich wie grausam sein.

    Ob Positive Diskriminierung hier zu den anscheinend gewünschten Änderungen führt?

  18. #18 Dr. W
    4. November 2012

    @Radicchio
    Es gibt die Theorie, dass Frauen (und Männer) sozusagen einem ewig fortdauernden Suggestionsstrom unterworfen sind , und die Theorie, dass Frauen und Männer unterschiedliche Wesen sind.

    Bei ca. acht Lebendgeburten auf tausend Personen könnte man meinen, dass es eher an der unzureichenden Herausstellung der Unterschiede mangeln könnte, die Fragestellung sich quasi von selbst beantwortet.

    MFG
    Dr. W

  19. #19 WolfStark
    4. November 2012

    Gruselig aber leider nur allzu typisch. Es gibt halt in Spielzeugabteilungen nicht selten eine Mädchenabteilung und eine geschlechtlose wo alles bunt ist. Lego macht da ja jetzt traurigerweise auch mit und genauso das Überraschungsei. Ob man wohl auch Spielzeug für Schwarze herstellen dürfte oder würde das gegen irgendein Gesetz verstoßen?

  20. #20 Radicchio
    4. November 2012

    und die Theorie, dass Frauen und Männer unterschiedliche Wesen sind.

    zunächst einmal sind ja alle menschen unterschiedliche wesen und dennoch sind sie alle menschen.
    menschen auf geschlechtsstereotype festzulegen, ist gruppenbezogene gleichmacherei und bedeutet unfreiheit.

    aber manche (viele?) ziehen aus möglichst als groß definierten unterschieden handfeste vorteile und würden sich bedroht fühlen, wenn das andere geschlecht nicht “anders” wäre. das, Dr. W., wird durch stereotype sozialisation verursacht. wer als kind gelernt hat, dass jungs auf gar keinen fall eine rosa mütze(*) tragen dürfen, weil sie sonst keine richtigen jungs sind, der muss natürlich als mann auch an einen größtmöglichen geschlechtsunterschied glauben.

    (*) achtung: methapher.

  21. #21 Dr. W
    4. November 2012

    @Radicchio
    Man kann es eben so oder so (Theorie 1 oder Theorie 2, siehe oben) sehen, auch Zwischensichten bleiben zulässig; aber letztlich ist das weibliche Wesen für die Bestandserhaltung verantwortlich, “westlichen” Normen entsprechend auch eher weniger steuerbar. Und dieses Wesen könnte Rosa mögen, oder eben nicht eigen kontrolliert, sondern suggeriert (“eingeflüstert”), sein, also auf Blau “aufoktroyiert” verzichtend.

    Ihre Sicht darf so oder so ausfallen.

    MFG
    Dr. W (dem die ordinäre Zurschaustellung weiblicher Merkmale auch auf die Nerven geht, der ihr aber durchaus einen Sinn zumisst)

  22. #22 S. Bernstein
    4. November 2012

    @Dr. W
    Rosa als Farbe für Mädchen gibt es erst seit bzw. nach dem 2. Weltkrieg, vorher war Rosa = das kleine Rot die Farbe für Jungen, die Farbe für Mädchen war helblau = das kleine Blau, da Blau der Farbe der Jungfrau Maria ist, wie an den Mariendarstellungen auch heute noch sehen kann.

    Ansosnten halte ich es viel bedenklicher wenn, wie im Test nachgewiesen, weibliche Biographien entwertet werden und zwar von Männern und Frauen. Im Test waren identische Lebenläufe erstellt worden, aber einmal mit weiblichem und einmal mit männlichem Namen, dann sollten Personalverantwortliche die Bewerber der Reihe nach ordnen, wie sie sie denn einstellen würden.
    http://www.guardian.co.uk/science/occams-corner/2012/sep/25/2

  23. #23 Stefan W.
    http://home.arcor.de/hirnstrom/beschneidung/index.html
    5. November 2012

    Auch wenn ich persönlich kein großer Freund von Frauenquoten bin, so muss ich doch zugeben, dass zumindest dieser Spielzeughersteller von einer stärkeren weilblichen Präsenz in Vorstand und Aufsichtsrat wohl nur profitieren könnte.

    Wie groß ist denn zur Zeit die weibliche Präsenz in Vorstand und Aufsichtsrat?

    Zumindest fällt es mir schwer zu glauben, dass der Gedankengang “Machen wir das Mikroskop doch pink und rosa und legen noch ein paar rosa Präparatbehälter oben drauf, damit wir auch ein paar Mädels für ein bisschen Wissenschaft begeistern können” dem Hirn eines weiblichen Produktmanagers entspringen konnte…

    Hier sind 2 Dinge fraglich: Erstens, welche Relevanz die von Ihnen vermutete Motivlage für die Entscheidung eine rosa Mikroskop zu vermarkten hat – insbesondere die Idee, die treibende Kraft könnte das Interesse sein, Mädchen zur Wissenschaft zu bringen. Ich würde eher etwas so profanes wie “Umsatz generieren, Gewinn machen” erwarten und nicht die Wahrnehmung eines Bildungsauftrags.

    Zweitens: Welche Unterschiede in weiblichen/männlichen Hirnen bestehen, die es wahrscheinlich machen, dass mit Frauen im Vorstand die Produktpalette eine für Frauen emanzipatorische Tendenz erfahren würde?

    Wenn die Frauenhirne heute schon solch kleine Wunderwerke vollbringen und männlichen Hirnen insofern vorraus sind – ist es dann nicht die erhabene Pflicht den Status Quo so zu belassen wie er ist, um diesen intellektuell/moralischen Vorteil der Frauen nicht zu verspielen?

    Die Argumentation enthält einen unreflektierten Zirkelschluss und überzeugt mich nicht.

  24. #24 Radicchio
    5. November 2012

    Zumindest fällt es mir schwer zu glauben, dass der Gedankengang “Machen wir das Mikroskop doch pink …” dem Hirn eines weiblichen Produktmanagers entspringen konnte

    ich kann mir das sogar sehr gut vorstellen. es sind ja nicht männer, die weibliche stereotype und rollenmuster praktizieren und kindern vermitteln, sondern es sind die frauen selbst.

    so erstaunt es auch nicht, dass es für dieses unsäglich sexistische mädchen-lego bereits lieferschwierigkeiten zu vermelden gibt.

    http://www.sueddeutsche.de/b5j38G/939444/Lego-Kloetze-werden-knapp.html

    der erfolg gibt den produzenten von genderprodukten recht. die leute kaufen sie und scheren sich einen scheiß drum, ob eine handvoll feministinnen protestiert. das selbstbestimmte, frei entscheidende individuum, dass sich von werbung nicht beeinflussen lässt, ist eine legende.

  25. #25 Andreas
    5. November 2012

    Vorstand und Aufsichtsrat?
    Das ist wohl wohl zwei bis drei Etagen zu hoch gegriffen.
    Entschieden wird so etwas wohl eher in der Marketing-Abteilung, Und da wird der Frauenanteil entschieden höher sein als im Vorstand.

  26. #26 inga
    5. November 2012

    Ich habe den Eindruck, dass das Gegendere bei Spielsachen immer schlimmer wird. In meiner frühen Kindheit in den Siebzigern war das jedenfalls in der sozialen Schicht meiner Eltern verpönt, ich spielte mit Barbie, Legoeisenbahn, einem Elektronikbaukasten und musste unter Anleitung meines Vaters mein Fahrrad immer hübsch selbst reparieren. Mir scheint fast, meine Generation hat da eine Art Nachholbedarf (obwohl ich meinem fiktiven Kind keinen Rosakram kaufen würde). In meinem (nicht repräsentativen) Bekanntenkreis sind diesbezüglich übrigens tatsächlich die Männer schlimmer mit ihrem Prinzessinnen-Getue hinsichtlich ihrer Töchter. Ihre Frauen sind gebildet und haben Karriere und sind bodenständige Anpackerinnen, aber das Töchterchen muss verhätschelt und in rosa Plüsch gepackt werden… Das verstehe doch wer will.

    Aber dieses Gender-Dings beschränkt sich ja nicht auf Spielzeug, oder warum ist der Männerrasierer, der mit Mach3 hinter Gitter muss etwas anderes als der sanfte pinkfarbene Frauenrasierer, der die weichgezeichnete Göttin in dir weckt?

  27. #27 Sim
    5. November 2012

    Das Problem mit diesem Mädchenspielzeug ist, dass Jungs diskriminiert werden. Mädchen dürfen immer mit allem spielen, egal ob mit rosa Knuddelteleskopen oder Laser-Haifisch-Raketenwerfern. Aber wehe ein Junge spielt mal mit ner Barbie…

  28. #28 Lulu
    6. November 2012

    @Sim

    Neenee, Sim! Das ist keine Diskriminierung der Jungs. Es ist vielmehr so, dass ‘männliche’ Sachen sooo cool sind, dass es die minderwertigen Mädchen aufwertet, wenn sie sich damit abgeben. Aber “Weiberkramzeug” ist sooo uncool, dass es die höherwertigen Jungens voll runterzieht… und außerdem könnten sie deshalb auch noch schwul werden. [ironiemodus off]

  29. #29 GodsBoss
    Hier
    7. November 2012

    @Lulu:

    Moment mal, das heißt doch, dass sowohl Mädchen als auch schwule Jungs mit allen Spielzeugen spielen können, während die Hetero-Jungs in ihrer Wahl eingeschränkt sind. Und dann räubert man ihnen im Erwachsenenalter noch vor, sie seien privilegiert. 🙁

  30. #30 Lulu
    8. November 2012

    @GodsBoss

    Aber nicht doch! Das ist doch keine Einschränkung! Das ist Schutz der wertigen Jungen, damit sie von dem Weiberkrams nicht verdorben werden… oder noch schlimmer: auf die gleiche Stufe wie die minderwertigen Mädchen herabsinken!
    Und dass die Mädchen ‘gefahrlos’ mit männlichem Spielzeug (btw… wo hat ein z.B. Spielzeugauto seine spezifischen männlichen Geschlechtsteile *grübel*) spielen dürfen, das hat die doofe Emanzipation mit sich gebracht: die wollen sich doch tatsächlich auf die gleiche Stufe heben, wie die tollen Jungs!

    Spaß beiseite: die Einschränkung der männlichen Menschen kommt daher, dass das Weibliche (oder was dafür gehalten wird) negativ konnotiert ist. Für die Frauen ist es gerade noch so in Ordnung und milde belächelt (Emotionalität z.B.) Für einen Mann dagegen ein No-Go, da eines Mannes nicht würdig.
    Das Männliche ist hingegen erstrebenswert. Es wertet die Frauen und Mädchen auf. Aber ja nicht zu viel! Sonst wird frau gleich zur Lesbe. 😉

  31. #31 Gernot
    Bayern
    12. November 2012

    Ich kann mich aus eigener Erfahrung nur der Kritik des Satzes “Auch wenn ich persönlich kein großer Freund von Frauenquoten bin, so muss ich doch zugeben, dass zumindest dieser Spielzeughersteller von einer stärkeren weilblichen Präsenz in Vorstand und Aufsichtsrat wohl nur profitieren könnte.” anschließen.
    Als alleinerziehender Vater einer nunmehr 9-jährigen Tochter habe ich auch dieses Theater mitgemacht. Mit 4 Jahren wollte die Tochter gern blaue Kleidung haben, die ich ihr natürlich auch kaufte. Wenn sie aber am Wochenende bei Ihrer Mutter war, dann wurde sie darauf getrimmt nur rosa Sachen anzuziehen, da “ein Mädchen keine blaue Sachen trägt”.
    Von der Mutter kamen dann später auch solche Sprüche wie: “Bist verrückt geworden, ihr einen Mechanikbaukasten zu schenken? Sie ist doch ein Mädchen!”
    Inzwischen hat meine Tochter aber zum Glück ihre eigene Meinung und eigenen Geschmack entwickelt und lässt sich nicht mehr so leicht beeinflussen.

  32. #32 Stefan W.
    http://home.arcor.de/hirnstrom/beschneidung/index.html
    13. November 2012

    @Gernot:
    Seltsam – Ihrem Beispiel nach waren Sie es, ein Mann, der seiner Tochter Mechanikspielzeug und Blau ermöglichte, und eine Frau versuchte es zu vereiteln. Demnach würde ich eher tippen, dass (solche) Frauen nicht in den Vorstand sollten, weil sie sonst Mädchen vom Mechanikkasten abhalten, von blauen Klamotten und in der Folge Vorstandsposten … – Moment!

  33. #33 michael
    13. November 2012

    Ich würd eher tippen, dass (solche) Frauen nicht in den Vorstand wollen, weil das dem anerzogenen Frauenbild widerspricht.

  34. #34 Dr. W
    13. November 2012

    Wer mit Quoten positiv diskrimieren will, landet zwingend bei offener negativer Diskriminierung:
    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/medizinstudium-in-wien-frauen-bei-aufnahmepruefung-bevorzugt-a-848316.html

    MFG
    Dr. W (der aber kaum Zweifel hat, dass u.a. Frauen-, Schwulen-, “mit Immigrationshintergrund”-Quoten etc. in Doitschland kommen werden – ähnlich mickeymousemäßig verargumentiert wie im Blogartikel)

  35. #35 Dr. W
    17. November 2012

    Neben der sexistischen Variante gibt es natürlich noch die rassistische Variante der Positiven Diskriminierung:
    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/affirmative-action-an-universitaeten-gericht-in-michigan-kippt-verbot-a-867694.html

  36. #36 Manish
    CytdqHSykzQ
    1. Januar 2013

    mmh, puh , das war ja ein Rundumschlag.Vorweg, ffcr mich ist ‚Norient.com‘, mittlerweile seit lenagr Zeit, die einzige deutschsprachige Seite, die fcber globale Musik (‚Weltmusik 2.0‘ ist doch ein ehr fragwfcrdiger Begriff) lesenswerte Informationen verf6ffentlicht. Mir gefe4llt eure angenehm empathische, begeisterte Haltung zur Musik. aber verdammt, mfcssen es immer Kuratorien, Kuratoren, Avantgarden usw. usw. sein auf die ihr Bezug nehmt?Wer sich halbwegs in der (na gut, westlichen) Popue4rmusikgeschichte auskennt, weidf das die wirklich interessante (die Welt erkle4rende, zutiefst berfchrende ) Musik ehr aus dem nicht akademischen Bereich kam, von irgendwelchen Spinnern und von Leuten aus e4rmsten Verhe4ltnissen, die das unbedingte Bedfcrfnis hatten ‚etwas‘ auszudrfccken; die von der Musik lebten, weil sie eben nicht so mfchsam leben wollten wie die eigene Familie, Freunde. (Vielleicht artikuliere ich auch nur meine eigene etwas fcberholte Vorstellung von Musikgeschichte, -entwicklung.)Weil, so naiv ist der Artikel nicht, das in seinem (Sub?)text diese Widersprfcche nicht aufscheinen wfcrden (‚Exotica‘, die indischen und pakistanische Musiker zweiter Einwanderergeneration aus London, MIA ). dcber diese konkreten Klassenwidersprfcche auf die ja in globaler Hinsicht nochmal eins draufgesetzt wird: armes / reiches Land, Visa-wfcrdig oder nicht -wfcrde ich sonst gerne mehr lesen.Es gefe4llt mir auch, wie in den letzten Abse4tzen wieder auf die ganze furchtbare, stumpfe materielle Realite4t Bezug genommen wird: wer verdient, Modi der kulturelle Referenzen, wer bleibt lediglich Lieferant von Sounds.Indem Zusammenhang wfcrde mich als Ke4ufer dieser ganzen tollen Compilations (Soundway, Vampi Soul, Analog Africa, Sublime Frequencies ) mal interessieren, wer definiert (und aus welcher Perspektive) eigentlich die Musikgeschichte und deren ‚wichtige‘ Kfcnstler aus Regionen der Welt, aus denen es kaum gedrucktes/fcbersetztes zu lesen gibt ?Nebenbei: „Audioviren“ ist ein schf6ner Begriff.Ja, nochmals vielen dank ffcr diesen sehr anregenden, informativen -vielleicht etwas zu fcberfrachteten Artikel.Grudf Jf6rg