Plagiatinspektor Fischbaums sechster Sinn

Dem geneigten Kishon-Leser dürfte die Figur des Steuerinspektors Fischbaum vermutlich bestens bekannt sein. Besagtem Herrn Fischbaum gelingt es zur großen Verblüffung seiner Vorgesetzten immer wieder, durch die scheinbar zufällige Ansprache beliebiger Passanten oder auch das ebenso zufällige Anklopfen an Wohnungstüren reuige Steuersünder aufzuspüren. Was seine Dienstvorgesetzten – und auch Fischbaum selbst – einem schon übernatürlich wirkenden sechsten Sinn zuschreiben, hat in der Kurzgeschichte des begnadeten israelischen Satirikers Ephraim Kishon jedoch einen ganz profanen Grund: Jeder betrügt bei der Steuer. Und wo jeder betrügt muss letztlich auch jeder noch so ungelenke Schuss ins Blaue eines leicht tollpatschig wirkenden Ermittlers in einem Treffer ins Schwarze enden.

Dass man im Hinblick auf die Dissertationen der politischen Elite unseres Landes inzwischen zu ganz ähnlichen Schlüssen gelangen könnte, ist das tragische Ergebnis einer ganzen Reihe von mehr oder weniger spektakulären Plagiatsfällen – von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Veronica Saß (CSU) über Silvana Koch-Mehrin (FDP), Jorgo Chatzimarkakis (FDP), Margarita Mathiopoulos (FDP), Matthias Pröfrock (CDU), Andreas Kasper (CDU) und Florian Graf (CDU) bis hin zu Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Egal wen sich die Plagiatssucher auch vornehmen, stets endet die Suche – mit der Ausnahme von Bernd Althusmann (CDU) – in einem Plagiatsskandal mehr oder minder großen Ausmaßes. Genau wie Kischons vermeintlich hellsichtiger Steuerinspektor kann man – so scheint es zumindest – gar nicht danebenliegen, wenn man sich die Dissertation eines Ministers, eines Bundestagsabgeordneten oder eines Landtagsabgeordneten vornimmt.

Kleiner Einschub: Tragischerweise hat Bernd Althusmann als bislang einziger Politiker der jüngeren Zeit, bei dem eine Plagiatsprüfung durch die eigene Universität zu dem Ergebnis kam, dass der Mann seinen Doktortitel zu Recht trägt, inzwischen nicht nur sein Ministeramt sondern auch noch sein Landtagsmandat verloren – und das, während überführte Plagiatoren wie Silvana Koch-Mehrin, Jorgo Chatzimarkakis oder Florian Graf ihre Wahlämter weiterhin mit einer großen Selbstverständlichkeit ausüben. Eine unbefriedigende Situation, die durch dem Umstand, dass der Wahlverlust Althusmanns – wie übrigens der gesamten niedersächsischen CDU – im Grunde auf einen weiteren (halb-)akademischen Hochstapler (und entgegen der medialen Narrative eher weniger auf irgendwelche „Leihstimmen“ für die FDP) zurückzuführen ist, sogar noch an Tragik gewinnt – aber das ist eine Geschichte für einen anderen Blogpost…

Dass dies ein für die deutsche Wissenschaft fataler – und völlig unzutreffender – Eindruck ist, muss an dieser Stelle vermutlich nicht weiter ausgeführt werden. Längst schon hat die Suche nach Plagiaten in den Dissertationen bekannter Politiker eine mitunter ungesunde Eigendynamik angenommen, werden Gelder umgesetzt und regelrechte „Abschussprämien“ ausgelobt. Wie in einer schlechten Reality-TV-Show wartet man darauf, den nächsten Mandatsträger über die Klippe der öffentlichen Meinung springen zu sehen – und rechnet schon gar nicht mehr damit, dass eine Plagiatsprüfung auch negativ ausfallen könnte. Tut sie es dann doch – wie etwa im Fall von Bernd Althusmann – findet die „Rehabilitierung“ medial kaum statt, da der Umstand, dass man bei einer wissenschaftlichen Arbeit nicht betrügt ja im Grunde eine derartige Selbstverständlichkeit ist, dass sie keiner weiteren medialen Beachtung bedarf.

Dieser Auffassung hätte ich mich noch vor einem halben Jahr bedenkenlos angeschlossen. Inzwischen jedoch bemerke ich nicht nur bei meinen Gesprächspartnern sondern mitunter auch schon bei mir selbst, dass ich bereits bei der Ankündigung, die Dissertation von Herrn oder Frau XY werde demnächst in einem Wiki auf Plagiate überprüft innerlich fest damit rechne, dass diese Überprüfung zu einem weiteren skandalträchtigen Ergebnis führt. Und das gibt mir dann doch zu denken – schließlich ist mir rational ja sehr wohl bewusst, dass die überwältigende Mehrheit aller Doktoranden wissenschaftlich sauber arbeitet und weder die Nachwuchswissenschaftler noch die Wissenschaft unseres Landes (und übrigens auch nicht seine Politik) diese besondere Form des pauschalen Verdachts auch nur im Ansatz verdient haben.

Sollte es der Mehrzahl der anonymen und nicht-anonymen Plagiatsjäger tatsächlich nicht um den Kommerz oder gar das „Abschießen“ missliebiger Politiker, sondern vielmehr um die Aufdeckung wissenschaftlichen Fehlverhaltens und die Verteidigung wissenschaftlicher Standards gehen, so wäre es eine gute und dem Wissenschaftsstandort Deutschland wohltuende Geste, wenn man jeden Fall einer überprüften und für unkritisch befundenen Dissertation mindestens ebenso laut in Blogs, Wikis und den diversen Sozialen Netzwerken verkünden würden, wie man dies bislang im Falle vermuteter Plagiate tut.

Es mag naiv klingen – aber genau das würde ich mir von VroniPlag, PolitPlag und Co. wirklich ganz ernsthaft wünschen. Das – und dass wir den nächsten zwei Dutzend „sauberen Prüflingen“ abseits aller digitalen Shitstorms auch mal virtuell anerkennend auf die Schulter klopfen, bevor wir unsere Aufmerksamkeit dem nächsten enttarnten Plagiator zuwenden…

Kommentare

  1. #1 Pippi Lotta
    13. Februar 2013

    Für mich hat es einen sehr faden Beigeschmack, wenn Doktorarbeiten von Politikern ausgegraben werden, die schon Jahrzehnte vor sich hinstauben.
    Bei Guttenberg mag es noch “Zufall” gewesen sein, aber danach war es doch eigentlich nur noch Kalkül.
    Gleichzeitig ist es ebenso erschreckend, dass bei so vielen Arbeiten mehr oder weniger Fehler gefunden wurden.

    Aber es wundert mich doch wie viele Doktoren es unter den Politikern gibt, scheint also auch ein “Einstellungskriterium” zu sein und daher wohl der Grund dafür, dass viele die Promotion nur als Baustein ihrer politischen Karriere sehen.

  2. #2 threepoints...
    13. Februar 2013

    Da das Suchen nach den Fehlern und Unregelmässigkeiten – und die anschliessende Überzeugung der “Meute” eine Weile dauert, ist es wohl unmöglich, dass die rehabilitierende Feststellung, dass die Dissertation angemessen erstellt wurde, eine ähnliche “Laufzeit” im medialen Äther verbringt. Ganz zu schweigen davon, wie diese NAchricht dann dort verarbeitet und vom Rezipienen aufgenommen wird – leider ist die reine Weste heute tatsächlich mehr verdächtig, als vertrauenswürdig.
    Erst neulich habe ich wieder feststellen müssen, dass die nettesten gar nicht die wünschenswertesten Gegenüber sind. Hinter der “Nettigkeitsfassade” verbirgt sich mehr Lug und Betrug, als bei der authentischen Persönlichkeit – wobei es natürlich auch “authentisch nette” Menschen geben soll.

    Und Perfektionismus ist zwar allenorte hoch angesehen, aber selten wirklich gewürdigt und angenommen (gechweige denn bezahlt).

  3. #3 Chemiker
    13. Februar 2013

    schließlich ist mir rational ja sehr wohl bewusst, dass die überwältigende Mehrheit aller Doktoranden wissenschaftlich sauber arbeitet und weder die Nachwuchswissenschaftler noch die Wissenschaft unseres Landes (und übrigens auch nicht seine Politik) diese besondere Form des pauschalen Verdachts auch nur im Ansatz verdient haben.

    Eine rationale Begründung für diese Überzeugung würde mich schon interessieren. Das ist doch ungefähr so, wie wenn man blind aus einem Faß Äpfel dreimal hintereinander einen Apfel zieht und jedes Mal einen faulen erwischt. Wer wird dann sagen „Super, ich habe die drei faulen erwischt, der Rest im Faß ist also gut“?

    Natürlich habe ich es hier leichter, denn in meinem Fach gibt es keine Plagiate — relevant sind die eigenen Resultate, nicht die Literaturübersicht. Letztere ist zwar in der Diss drin, interessiert aber gewöhnlich niemanden (und ist auch nur sehr dezent mit Fußnoten aufgerüstet).

    Dafür gibt es natürlich das Problem der gefälschten Resultate, das biz zum /dev/urandom-generierten Primärdatensatz gehen kann. Aber dagegen hlft kein Wiki, sondern nur ein Labor, das das ganze nachmißt.

  4. #4 Sebastian Fiebiger
    Berlin
    13. Februar 2013

    > Plagiatinspektor Fischbaums sechster Sinn

    Was hat Fischbaum mit Plagiaten zu tun?

  5. [...] Frischer Wind – Plagiatinspektor Fischbaums sechster Sinn [2] N-TV – Plagiatsjäger kündigt Prüfung [...]

  6. #6 CM
    13. Februar 2013

    Vielleicht sollte man etwas mehr zwiscen “Statuspromotionen” und anderen unterscheiden. (Natürlich ist kein Wissenschaftler gänzlich frei von Narzissmus, aber der Gehalt mancher hier angesprochener Dissertationen ist derart dünn, dass man schon stark nach einer wissenschaftlichen Leistung suchen muß.) Mit dieser Kovariate verliert sich u. U. auch die Komponente des Zufalls (Politik & Parteifarbe ~ gefälschte Dissertation). Und damit auch verlöre sich auch manches Erstaunen …

    Nur so eine Spekulation.

  7. #7 Anwalts_Liebling
    13. Februar 2013

    also erstmal bin ich Kishon-Fan und habe alle seine Bücher… und sein Roman “der Fuchs im Hühnerstall” sei dir mal empfohlen (Kurz: abgehalfterter Politiker geht in die tiefste Provinz um in einem Kaff mal den Leuten Politik beizubringen – geniale Satire!!!). Zum Thema… das Dilemma ist einfach, das Politiker im Zentrum stehen . und demzufolge wird alles um sie herum mit Interesse verfolgt. XYZPlag wäre bei Enthüllung von Lieschen Müller völlig uninteressant. Da muss es schon eine Schavan sein. Schon das ist für mich ein Punkt der sauer aufstösst. Gilt auch für wikileaks… ohner Enthüllungen über den Schurkenstaat USA wäre das eine Seite im Nirwana des Internet… (kennt das eigentlich noch jemand??? Lange nichts mehr geleakt…) – d.h. wenn die nächsten 20 Abgeordneten oder Minister “sauber” sind – dann wird auch das Interesse sinken… Ist übrigens auch bei Banken oder Versicherungen zu merken – wenn der Ruf ruiniert ist, einfach lange genug in Deckung gehen, positive Werbung platzieren und der Rest wird vom Gehirn erledigt – irgendwann verschwindet auch der letzte Skandal im Nirgendwo…

  8. #8 Dr. Webbaer
    13. Februar 2013

    Das – und dass wir den nächsten zwei Dutzend „sauberen Prüflingen“ abseits aller digitalen Shitstorms auch mal virtuell anerkennend auf die Schulter klopfen, bevor wir unsere Aufmerksamkeit dem nächsten enttarnten Plagiator zuwenden…

    Wir haben es hier ja oft mit Agenturen zu tun, die gesellschaftlich bereits eingebundenen Kräften bei der Doktorarbeit wie auch bei der Suche des Doktorvaters zur Seite stehen, nicht immer unvergütet.

    Dass diese nun selbst Plagiierungssoftware am Start haben um ihre Machwerke abzusichern, ist sicherlich ehrenwert & kundenfreundlich, aber nicht unbedingt zum Beifall einladend.

    MFG
    Dr. W

  9. #9 Statistiker
    13. Februar 2013

    “Es mag naiv klingen – aber genau das würde ich mir von VroniPlag, PolitPlag und Co. wirklich ganz ernsthaft wünschen.”

    Es klongt nicht nur naiv, es ist naiv. Politplag & Co. sind ebenso wie andere Medien zuvörderst ein: medien. und die übermitteln Botschaften. Aber nehmen wir C. Reinboths Gedanken einmal auf. Wie müsste dann die Tietelseite einer Zeitung nach seinen Vorstellungen aussehen:

    “Super: Heute noch kein Asylantenheim in Rostock-Lichtenhagen angezündet!”

    “Weiter so: Berliner Fernsehturm immer noch nicht eingestützt. Ein Wunder der Technik!”

    “Bayern München steigt trotz Herbstmeisterschaft nicht ab. Hat es das schon mal gegeben???”

    “20-jähriges Jubiläum: Iran steht ein Jahr vor Einführung der Atombombe!” ***schlechtes Beispiel, diese nachricht stimmt***

    “Die Welt ist fassungslos: Steuererklärung von C. Reinboth offensichtlich korrekt! Bundesverdienstkreuz oder Doofheit? Stimmen Sie ab unter 01379….. nur 9,99 € pro Anruf aus dem Festnetz, Mobil abweichende Tarife.. nach oben natürlich…”

    Etwa so müsste das aussehen…. hmmmm, nicht sehr zielführend. Mann beißt Hund verkauft sich doch besser.

  10. #10 CM
    13. Februar 2013
  11. #11 egghat
    www.diewunderbareweltderwirtschaft.de
    13. Februar 2013

    Ja es ist naiv.

    Das Gerücht, der Skandal bekommt die Headlines. Die Fakten oder das Dementi nachher aber nicht. Oftmals wird ja nicht einmal der Skandal bis zu Ende berichtet, weil schon der nächste Skandal vor der Türe steht.

    Wenn die Schwavan noch drei Tage bis zum Papstrücktritt gewartet hätte …

  12. #12 rolak
    13. Februar 2013

    Was hat Fischbaum mit Plagiaten zu tun?

    moin Sebastian, es ist im allgemeinen durchaus sinnvoll, nicht nur die Überschrift, sondern auch den post zu lesen.

    • #13 Sebastian Fiebiger
      13. Februar 2013

      @rolak

      ICH habe den Artikel gelesen und auch die Parallelen (scheinbare Prognosefähigkeit) verstanden. Deshalb ist mir trotzdem unklar, weshalb Fischbaum jetzt ein “Plagiatsinspektor” sein soll.

  13. #14 Eruptiv
    Erde
    13. Februar 2013

    Irgendwie sind die selbsternannten Plagiatsjäger für mich das digitale Äquivalent zum Rentner, der mit dem Fernglas von seinem balkon Parksünder notiert.
    Ich habe wenig Mitleid mit den Ertappten, aber auch keine Sympathie für die Jäger.
    sed quis custodiet ipsos custodes?

  14. #15 rolak
    13. Februar 2013

    ICH habe

    Oha, so laut. Und als einziger^^ Sind ‘Spielerei mit Sprache und Namen’ oder ‘Metapher’ für Dich Wortkonstruktionen, die Du mit Bedeutung verbinden kannst?

    • #16 Sebastian Fiebiger
      13. Februar 2013

      Ich spiele auch gerne mit Worten, habe dabei aber eine leichte Vorliebe für Sinnhaftigkeit ;-)

  15. #17 Christian Reinboth
    13. Februar 2013

    @Anwalts Liebling: Großartiges Buch. Auch sehr schön (und hochpolitisch): Kischons “Mein Kamm” (1997).

    @egghat: Exakt diesen Gedanken hatte ich am Montag auch, als die Nachrichten aus Rom über den Ticker liefen…

    @Sebastian Fiebiger: Die Überschrift zielte einfach nur auf die Feststellung ab, dass man Kishons Geschichte heute sehr gut mit einem Plagiatsjäger anstelle eines Steuerinspektors nacherzählen könnte, ohne dass sich die Pointe ändert – daher auch der bis auf die Ergänzung “Plagiat” identische Titel. Mehr steckt nicht dahinter…

  16. #18 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com
    14. Februar 2013

    schließlich ist mir (…) bewusst, dass die überwältigende Mehrheit aller Doktoranden wissenschaftlich sauber arbeitet

    Dieser Satz verwundert mich auch. Inwiefern ist das eine Frage des Bewusstseins?

    Düsseldorf muss Monate lang prüfen, ob eine einzelne Arbeit korrekt ist, und CR kann mit seinem Bewusstsein flugs die überwältigende Mehrheit der Akademiker screenen? CR so eine Art Röntgenblicksuperman?

    Ich halte viel eher nicht für plausibel, dass die Politiker so speziell sind, und clever genug die verborgene Schwäche im System zu finden. Viel plausibler finde ich, dass das System offensichtliche Schwächen hat, die auf breiter Basis ausgenutzt werden, und natürlich nicht nur von Leuten die in die Politik drängen, sondern auch von solchen die in die Wirtschaft gehen oder die an den Unis bleiben.

    Die Schwächen sind so jedermann bekannt, der sich durchmogeln will, und das Uniwesen durch und durch korrupt.

    Und was den medialen Nachhall betrifft: Es gibt schon genug Claquerjournalismus. Gerade bei Frau Schavan konnte man sehen, wie überall gelobt wurde, sie sei doch so eine gute Ministerin gewesen. Belegt wurde das nicht – nur das Gegenteil von den wenigen, die das nicht bewusstlos nachgeplappert haben.

  17. #19 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com
    14. Februar 2013

    schließlich ist mir (…) bewusst, dass die überwältigende Mehrheit aller Doktoranden wissenschaftlich sauber arbeitet

    Dieser Satz verwundert mich auch. Inwiefern ist das eine Frage des Bewusstseins?

    Düsseldorf muss Monate lang prüfen, ob eine einzelne Arbeit korrekt ist, und CR kann mit seinem Bewusstsein flugs die überwältigende Mehrheit der Akademiker screenen? CR so eine Art Röntgenblicksuperman?

    Ich halte viel eher nicht für plausibel, dass die Politiker so speziell sind, und clever genug die verborgene Schwäche im System zu finden. Viel plausibler finde ich, dass das System offensichtliche Schwächen hat, die auf breiter Basis ausgenutzt werden, und natürlich nicht nur von Leuten die in die Politik drängen, sondern auch von solchen die in die Wirtschaft gehen oder die an den Unis bleiben.

    Die Schwächen sind so jedermann bekannt, der sich durchmogeln will, und das Uniwesen durch und durch korrupt.

    Und was den medialen Nachhall betrifft: Es gibt schon genug Claquerjournalismus. Gerade bei Frau Schavan konnte man sehen, wie häufig gelobt wurde, sie sei doch so eine gute Ministerin gewesen. Belegt wurde das nicht – nur das Gegenteil von den wenigen, die das nicht bewusstlos nachgeplappert haben.

    Am schlimmsten in der Außenpolitik. Wenn Frau Merkel nach Griechenland fährt, dann wird nur gefragt, ob sie erfolgreich die Griechen auf Kurs gebracht hat – kaum, ob diese Marschrichtung überhaupt gut ist. So eine Art Regierungsheimvorteil ist da immer am Werk.

    Oder der Papst tritt zurück, und dann muss berichtet werden, auch wenn man nichts hat, außer dass ein dt. Königskatholik erklärt, er habe es um 14:00 Uhr per SMS erfahren.

  18. #20 A.S.
    14. Februar 2013

    Ich finde es erstens sehr bedauerlich, dass der Beitrag durch den Vergleich mit Inspektor Fischbaum den Eindruck erweckt, dass VroniPlag sich beliebig Politiker/innen herausgreift und einen Zufallstreffer nach dem anderen landet. In Wahrheit gibt es einen nach strengen Kriterien durchgeführten Vorprüfungsprozess, und nur Arbeiten, von denen danach mit hoher Wahrscheinlichkeit vermutet werden kann, dass es sich um ein Plagiat handelt, kommen überhaupt in die öffentliche Überprüfung.

    Zweitens ist die Forderung nach einer öffentlichen Rehabilitierung bzw. einem öffentlichen Lob von Leuten, bei denen die Überprüfung kein Plagiat ergeben hat, schon allein deshalb absurd, weil ja damit gar nicht gezeigt wäre, dass kein Plagiat vorliegt (negative Aussagen können nicht bewiesen werden).

    Drittens sind deine Kommentare speziell zu Althusmann merkwürdig. Dass er sein Amt und sein Mandat verloren hat, ist nicht „tragisch“, es ist das Ergebnis einer demokratischen Wahl. Im Kontext eines Beitrags über Plagiatdokumentationsplattformen spielt der Fall ohnehin keine Rolle, weil die Vorwürfe gegen Althusmann nicht von einer dieser Plattformen, sondern von der Presse erhoben wurden. Eine öffentliche Entschuldigung wäre aber lächerlich gewesen, denn obwohl Althusmanns Arbeit im Kontext einer möglichen Aberkennung des Doktorgrades formal nicht als Plagiat bewertet werden konnte (was ich ja seinerzeit auf De Plagio sofort vorhergesagt hatte), handelte es sich um eine Collage aus Text- und Gedankenfetzen anderer Autor/innen, die zwar gerade noch als textliche Eigenleistung durchgeht, die aber wenig geistige Eigenleistung erkennen ließ.

    Ich nehme an, du ärgerst dich einfach, dass es mit Schavan jetzt auch mal eine hochkarätige CDU-Politikerin erwischt hat, und willst das nicht offen sagen. Das wäre ja nicht das erste Mal, dass deine Parteiloyalität deine Urteilsfähigkeit beeinträchtigt.

  19. #21 Christian Reinboth
    14. Februar 2013

    Ich finde es erstens sehr bedauerlich, dass der Beitrag durch den Vergleich mit Inspektor Fischbaum den Eindruck erweckt, dass VroniPlag sich beliebig Politiker/innen herausgreift und einen Zufallstreffer nach dem anderen landet. In Wahrheit gibt es einen nach strengen Kriterien durchgeführten Vorprüfungsprozess, und nur Arbeiten, von denen danach mit hoher Wahrscheinlichkeit vermutet werden kann, dass es sich um ein Plagiat handelt, kommen überhaupt in die öffentliche Überprüfung.

    Das ist mir zwar durchaus bewusst, kommt aber in der medialen Wahrnehmung der diversen Plagiatsaffären kaum jemals zur Sprache. Wer sich nicht näher mit der Arbeit von VroniPlag beschäftigt, nimmt im Grunde doch nur dies wahr:

    >Plagiatsvorwürfe im Internet > Uni prüft > Titel wird aberkannt
    > Weitere Plagiatsvorwürfe im Internet > Uni prüft > Titel wird ebenfalls aberkannt

    Etc. pp. in inzwischen leider x-facher Wiederholung. Hierdurch verfestigt sich leider der Eindruck, Betrügereien bei Dissertationen wären gang und gäbe. Für Menschen, deren vornehmliches Ziel der Schutz der Wissenschaft ist, kann dies kein Eindruck sein, den es zu kultivieren gilt. Dem könnte meinem Erachten nach leicht Rechnung getragen werden, würde man deutlicher kommunizieren, wie es um das Verhältnis von durchgesehenen Arbeiten zu geprüften Arbeiten zu solchen Arbeiten steht, in denen letztlich Plagiate gefunden werden konnten. Ganz davon abgesehen gibt es mit PolitPlag inzwischen mindestens eine Plattform, die durchaus den Eindruck erweckt, dass man hier (gegen eine Spende) beliebige Arbeiten durchleuchten lassen könnte.

    Zweitens ist die Forderung nach einer öffentlichen Rehabilitierung bzw. einem öffentlichen Lob von Leuten, bei denen die Überprüfung kein Plagiat ergeben hat, schon allein deshalb absurd, weil ja damit gar nicht gezeigt wäre, dass kein Plagiat vorliegt (negative Aussagen können nicht bewiesen werden).

    Ich kann nicht erkennen, warum es ein Problem sein sollte, nach einer Überprüfung ohne Plagiatsfunde auch mal auf dieses Ergebnis hinzuweisen. Dass mit einem solchen Ergebnis kein endgültiger Ausschluss der Möglichkeit verbunden ist, dass doch ein Plagiat vorgelegen haben könnte, ließe sich ja sehr einfach kommunizieren.

    Drittens sind deine Kommentare speziell zu Althusmann merkwürdig. Dass er sein Amt und sein Mandat verloren hat, ist nicht „tragisch“, es ist das Ergebnis einer demokratischen Wahl.

    Die Wahlniederlage der niedersächsischen CDU weist schon den einen oder anderen geradezu tragischen Aspekt auf, darunter der Vetting-bedingte Verlust eines praktisch sicheren Wahlkreises, mit dem ceteris paribus die Wahl gewonnen worden wäre. Hier haben sich erneut Mängel im Auswahlverfahren für Kandidaturen offenbart, über die auch nach dieser Niederlage leider kaum offen diskutiert wurde (während man sich statt dessen an Debatten um Leihstimmen-Kampagnen abarbeitet). Die ganze Geschichte böte aber – deshalb ja auch nur als Einschub formuliert – eigentlich Stoff genug für einen separaten Blogpost.

    Ich nehme an, du ärgerst dich einfach, dass es mit Schavan jetzt auch mal eine hochkarätige CDU-Politikerin erwischt hat, und willst das nicht offen sagen. Das wäre ja nicht das erste Mal, dass deine Parteiloyalität deine Urteilsfähigkeit beeinträchtigt.

    Diesen Spieß könnte ich leicht umdrehen und behaupten, dass mein Artikel Dich ärgert weil ich darin ein prominentes Mitglied Deiner Partei kritisiere, indem ich das kommerzielle Motiv der Plagiatssuche hinterfrage. So einfach kann und sollte man es sich nicht machen. Ich kenne wenige CDUler, die ihre Partei so häufig öffentlich kritisieren, wie ich dies tue – und wo ich meine Partei verteidige oder andere Parteien kritisiere, tue ich dies in der Regel verbal weit weniger aggressiv, als dies bei Dir im Hinblick auf die Piraten und ihre parteipolitische Konkurrenz der Fall wäre.

    Davon ganz abgesehen würde die stärkere öffentliche Diskussion der Trefferquoten bei der Plagiatssuche einem echten Plagiatoren in meiner (oder auch einer anderen Partei) das Leben kein Iota erleichtern. Insofern gäbe es bei einer Umsetzung dieses Gedankens zumindest politisch betrachtet keinen Blumentopf zu gewinnen…

  20. #22 roel
    *****
    14. Februar 2013

    @Christian Reinboth “Die ganze Geschichte böte aber – deshalb ja auch nur als Einschub formuliert – eigentlich Stoff genug für einen separaten Blogpost.” Der würde mich freuen.

    Zurück zum Thema. Worauf Sebastian Fiebiger wahrscheinlich heraus wollte ist, dass Inspektor Fischbaums Stärke durch “scheinbar zufällige Ansprache beliebiger Passanten oder auch das ebenso zufällige Anklopfen an Wohnungstüren reuige Steuersünder aufzuspüren” in der Lage war.

    Die Plagiatsjäger spüren keine “reuigen” PlagiatorInnen auf, sondern immer PlagiatorInnen, die keine Schuld eingestehen. Das ist so ähnlich wie mit den Sportlern die Dopen und immer ihre Unschuld beteuern.

  21. #23 A.S.
    14. Februar 2013

    Diesen Spieß könnte ich leicht umdrehen und behaupten, dass mein Artikel Dich ärgert weil ich darin ein prominentes Mitglied Deiner Partei kritisiere, indem ich das kommerzielle Motiv der Plagiatssuche hinterfrage.

    Das würde aus zwei Gründen ins Leere laufen: Erstens, weil ich ja über die Piratenpartei selbst kaum ein gutes Wort verliere sondern sie im Gegenteil drastischer kritisiere, als es viele ihrer Gegner tun; zweitens, weil ich dieses „prominente“ Neu-Mitglied der Piratenpartei mehrfach öffentlich für die Art kritisiert habe, wie er versucht, aus seiner angeblich zentralen Rolle bei VroniPlag Ruhm und Reichtum zu schlagen. Dabei geht es mir nicht um das kommerzielles Interesse — Plagiatssuche ist Arbeit, und Arbeit darf bezahlt werden; er schädigt aber durch intransparente Arbeitsweisen, falsche Aussagen gegenüber der Presse etc. das Ansehen von VroniPlag und der Plagiatsdokumentation insgesamt.

  22. #24 Dr. Webbaer
    15. Februar 2013

    Muss man daraus folgern, dass der “Bremer Linguist” nicht in der Linkspartei ist, sondern bei den Piraten?

  23. #25 Anwalts_Liebling
    15. Februar 2013

    @A.S.: demjenigen (also mir…), der die Plagiats-Jagd (oder Hetze) verfolgt, hat den Eindruck, das es vornehmlich um Menschen aus dem “rechten” Lager geht (CDU CSU FDP). Lieschen Müller komt gar nicht vor und Links / SPD usw. vermisse ich ebenfalls. Zufall? Sicher nicht. Wikileaks hat auch praktisch nur aus USA Material bekommen. China und Russland??? Fehlanzeige…

  24. #26 Statistiker
    15. Februar 2013

    @ Anwalts Liebling: Vergleichen Sie bitte die Dr.-Dichte in der CDUCSUFDP mit der Dr.-Dichte in den anderen Parteien, dann wird Ihre Kritik obsolet.

    Naja, und C.H. Ist eh bekannt, einen wissentschaftlichen Blog politisch zu missbrauchen……

  25. #27 Christian Reinboth
    15. Februar 2013

    @Statistiker: Die Doktor-Dichte in CDU / CSU und FDP ist nicht wesentlich höher als die anderer Parteien. Die bürgerlichen Parteien liegen bei etwa 20%, die Linke bei 18 % und SPD und Grüne bei 13/14%: http://scienceblogs.de/frischer-wind/2011/03/21/wissenschaftler-im-bundestag-eine-crowdsourcingstatisik/