Viele deutsche Politiker haben heute – unter anderem in Social Networks wie Twitter und Facebook – den mehr als 16.000 Opfern des verheerenden Tōhoku-Erdbebens und des durch dieses ausgelösten Tsunamis gedacht, der genau heute vor zwei Jahren – am 11. März 2011 – weite Teile Japans verwüstete. Auch Claudia Roth, die Bundesvorsitzende der Grünen, hat sich diesem Gedenken angeschlossen, dabei jedoch einen zentralen Aspekt unterschlagen:

ClaudiaRoth

Diesen Text habe ich weder gekürzt noch in irgendeiner Form redigiert – tatsächlich findet die eigentliche Ursache für den Verlust von so vielen Menschenleben – der durch das Erdbeben ausgelöste Tsunami – hier nicht einmal im Ansatz Erwähnung. Statt dessen – und hier kann man sich sicher darüber streiten, ob es sich um eine bewusste oder eine unbewusste Form der Irreführung handelt – erweckt der Text ganz den Eindruck, als habe die ebenfalls durch den Tsunami verursachte Havarie in der Fukushima-Atomanlage fast 20.000 Japanern den Tod gebracht. Selbst als politikinteressierter Bürger mit etlichen Jahren an kommunalpolitischer Erfahrung kann ich mich nicht erinnern, jemals einen derart irreführenden Text zu einem Thema von solch garvierendem Ernst gelesen zu haben. Dass auch noch die Tagesschau sich heute einen nahezu ähnlich schlimmen Patzer gleistet hat – immerhin findet der Tsunami hier trotz der unmissverständlichen Aussage, 16.000 Menschen hätten durch die Fukushima-Havarie ihr Leben verloren, wenigstens noch Erwähnung – lässt mich einigermaßen fassungslos zurück.

Schade. Dabei wäre es so einfach, der Toten in Würde zu gedenken und dennoch daran zu erinnern, welche Erkenntnis wir aus der Havarie von Fukushima wirklich gewonnen haben – nämlich die, dass selbst eine nach westlichen Maßstäben sichere Atomanlage – und eben nicht nur ein schlecht gewartetes sowjetrussisches AKW – durch eine schwere Naturkatastrophe in eine Havariesituation gebracht werden kann – und dass eine Havarie auf viele Jahrzehnte hinaus schwer kontrollierbar bleiben kann. Selbst für überzeugte Atomkraft-Befürworter aus den Reihen von CDU und FDP war diese Erkenntnis vor zwei Jahren erschreckend genug, um eine gedankliche Wende im Hinblick auf die Atomkraft zu bewirken. Die Grünen, die eben genau vor solchen Extremsituationen schon längst gewarnt haben, als das Gros der deutschen Politik die europäischen AKW noch für unfehlbar sicher hielt, könnten – und sollten – dies durchaus als politischen Punkt verbuchen. Die Todesopfer der Tsunami-Katastrophe nun aber im Nachhinein der Reaktorhavarie zuzurechnen, ist instinktlos und überflüssig – und unterstreicht einmal mehr, warum immer mehr Wählerinnen und Wähler sich von der hochideologisierten deutschen Politik und ihren schrill geführten Debatten (man denke nur an die momentane Diskussion um die im Grunde selbstverständliche steuerliche Gleichstellung Homosexueller) abwendet…

Update: Auch Jürgen Trittin formuliert den Sachverhalt leider zweideutig. Ab 0:26:

“Über 19.000 Menschen starben bei Tsunami und Reaktorkatastrophe.”

Kommentare

  1. #1 Willeke
    11. März 2013

    Sehe ich aehnlich ist jedoch bei Politikern aller Parteien anzutreffen. Sprich eine Situation weniger in der Ursache zu werten. Die Rede vom Spitzenkandidaten der FDP auf dem am letzten Wochenende stattgefundenen Parteitag war auch so ein Beispiel.

  2. #2 Alex
    11. März 2013

    Nun ja, “unmissverständlich” ist die Tagesschau-Meldung sicherlich nicht. Aber es erfordert schon sehr viel bösen Willen, dieses abschließende “Dabei” nur auf den letzten Satz zu Fukushima und nicht wie offensichtlich gedacht auf die gesamte Meldung zur Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe zu beziehen.

  3. #3 Christian Reinboth
    11. März 2013

    @Alex:

    Ich habe den Tagesschau-Text mal transkribiert:

    “Ein Erdbeben der Stärke 9 hatte damals den Nordosten des Landes erschüttert und eine bis zu zwanzig Meter hohe Zunamiwelle ausgelöst. In der Folge kam es zu einem Reaktorunfall im Kernkraftwerk Fukushima. Dabei kamen ungefähr 16.000 Menschen ums Leben.”

    Ich finde, dass hier mit dem “dabei” schon äußerst missverständlich formuliert wurde, wobei der Text von Frau Roth natürlich noch deutlich missverständlicher ist, da er das Erdbeben und den Tsunami völlig unterschlägt…

  4. #4 Sark
    11. März 2013

    Eine kleine Korrektur:
    Fukushima Daichi galt nach westlichen Maßstäben niemals als sicher. Schon vor der Inbetriebnahme kamen große Zweifel auf, da der Kraftwerkstyp bereits veraltet war. Einige leitende Ingenieure haben in der Folge auch gekündigt.
    Diese Sicherheitsmängel hatten 2011 dann keine Auswirkung – man hatte nur nicht an einen Stromausfall gedacht – sicher war das Kraftwerk allerdings niemals.
    Erst 10 Tage vor dem Unglück wurde festgestellt, dass das Kühlsystem seit Jahrzehnten nicht mehr gewartet worden war.
    Reaktor 1, der die Hauptrolle spielte, sollte im März 2011 übrigens vom Netz gehen.

  5. #5 Karl
    11. März 2013

    Skandalöses Verhalten – auf dem Rücken von vielen Toten eine solche Lügen-Propaganda zu verbreiten. Unglaublich. Hoffentlich kriegen das die Japaner nicht mit. Man müsste sich zu Tode schämen. So manche Politiker sollten einfach mal die Klappe halten.

  6. #6 Tobias Schwarz
    Berlin
    11. März 2013

    Das Team von Claudia Roth hat eine Entschuldigung geschrieben:

    “Nochmal für alle an prominenterer Stelle: Es tut uns leid, dass wir aufgrund der Knappheit des Textes leider den Eindruck erweckt haben, als wären die insgesamt rund 16.000 Tote in Folge des Reaktorunfalls in Fukushima gestorben. Richtig ist natürlich, dass sie in Folge des am 11. März 2011 durch ein schweres Erdbeben ausgelösten Tsunamis gestorben sind, der auch zu den drei Kernschmelzen in Fukushima führte. Wir bitten diesen unbeabsichtigten Fehler zu entschuldigen. (Team Roth)”

    Quelle: http://www.facebook.com/Roth/posts/10151525995535664

  7. #7 Christian Reinboth
    11. März 2013

    Das ist allerdings eine etwas seltsame Entschuldigung. Im Internet (oder bei Facebook) war kein Platz mehr, deshalb mussten wir den zentralen Aspekt leider rausstreichen? Und: Claudia Roth lässt ihre persönlichen Statements von einem “Team Roth” verfassen und liest sie sich nicht mal selbst durch?

  8. #8 Spoing
    11. März 2013

    Trittin formuliert in dem Ausschnitt aber alles wage, da werden Dorbrindt und Brüderle gleich gesetzt, was ihre Meinung zur Steuergleichstellung der Lebenspartnerschaft angeht und da wird behauptet Merkels hätte das EEG-Gesetz so geändert das die ganzen Zusatzausnahmen möglich werden.
    Dabei hätte man auch ohne Tatsachen zu verdrehen die gleiche Kritik äußern können. Nämlich das Brüderle sich nicht gegen die CDU durchsetzen kann/will und das Merkel es versäumt(oder gar gewollt nicht gemacht) hat die Schlupflöcher zu schließen.

    Aber so wie die Fragen gestellt werden scheint mir das eh eher ein Werbevideo zu sein, als ein wirkliches Interview.

    Immerhin wurden dieses Jahr auf so geschmacklose Ideen verzichtet wie 18.000 Lichter vor einem AKW auf zu stellen.

    Bei jedem Zwischenfall in dem es um Themen für unseren Innenminister geht schreit gleich die ganze Opposition auf (zurecht!) wie geschmacklos es doch ist solche Vorfälle zu Instrumentalisieren.
    Wieso ist das in diesem Fall anders? Zumal es ja um keine Erkenntnis geht die auf diese Verdreherei angewiesen ist. Das das nur Unachtsamkeit ist kann ich eigentlich nicht glauben.

  9. [...] Fukushima – Heute jährt sich die Katastrophe in Japan zum zweiten Mal. Und dabei läuft bei einigen Menschen offenbar das Köpfchen heiß. Ich bin wirklich kein Atomfreund – ganz im Gegenteil – aber Wahrheit muss Wahrheit bleiben. Und in Japan sind (noch) keine 20.000 Menschen durch einen Reaktorunfall gestorben, sondern durch die Folgen eines Erdbebens bzw. des folgenden Tsunamis. Das lässt nicht nur Claudia Roth (absichtlich?) unter den Tisch fallen. [...]

  10. #10 Tobias Schwarz
    Berlin
    11. März 2013

    Da steht nicht, dass kein Platz war, sondern das knapp formuliert wurde. Schon ein Unterschied und durch persönliche Stile in der Formulierung erklärbar. Und das Teams schreiben halte ich bei der täglichen Agenda einer Abgeordnete, die auch Parteivorsitzende ist, für vollkommen normal und akzeptabel, solange es offen kommuniziert wird, was hier der Fall ist. Überhaupt war das mal wieder nur ein Beispiel dieses deutschen Shitstorm-Übertreibens.

  11. #11 tp1024
    12. März 2013

    Ich schrieb zu dem Thema im Januar einen Essay.

    http://tp1024.wordpress.com/2013/01/06/hiding-the-death-and-devastaion/

    (Inzwischen wurde der Wikipedia-Artikel wenigstens minimal geändert. Man erfährt aber noch immer mehr über zerstörte Glasfaserkabel als über zerstörte Städte.)

    Zur Frage ob Fukushima Daiichi sicher war (antwort: NEIN) schrieb ich einen weiteren:

    http://tp1024.wordpress.com/2013/01/11/what-1975-knew-about-fukushima-daiichi/

  12. #12 Marén
    12. März 2013

    @Tobias: Seh ich genauso.

    Den Sinn dieses Artikels verstehe ich echt nicht. (Auch nicht, warum die meisten Kommentatoren einhaken.) Klare Formulierungen sind wichtig, sich allerdings über solche auszulassen, die – zumindest offensichtlich – keiner unlauteren Absicht gefolgt sind, ist Krümelkackerei.

  13. #13 Christian Reinboth
    12. März 2013

    @Tobias: Es tut mir leid, aber das kann ich “Team Roth” nicht so einfach abkaufen. Das gepostete Statement umfasste exakt 119 Wörter – da wäre es kein Problem gewesen, noch zwei weitere Wörter (z.B. “des Tsunamis” nach “Opfern”) einzufügen. Der Knappheit des Textes hätte dies jedenfalls keinen Abbruch getan.

    Ich will mal an einem weniger emotional besetzten Beispiel versuchen zu demonstrieren, welche Probleme mir die Art der Formulierung (nicht nur von Frau Roth, sondern – wie oben gezeigt – auch von anderen) bereitet. Nehmen wir mal an, Sie führen eine Studie zur Biotoxizität einer bestimmten Chemikalie durch und setzen im Rahmen dieser Studie mehrere Versuchsreihen von Drosophila-Taufliegen eben dieser Chemikalie aus. Ein toxischer Effekt ist nicht feststellbar.

    Nun kommt ein Politiker – der die besagte Chemikalie schon immer für besonders gefährlich hielt – und fasst Ihre Ergebnisse wie folgt zusammen:

    “Ein Jahr nach dem Versuch war bereits keines der Versuchstiere mehr am Leben. Dies sollte uns eine Mahnung sein, nicht leichtfertig mit Stoffen zu hantieren, die wir nicht vollständig beherrschen können.”

    “Moment mal”, werden Sie nun antworten, “Taufliegen leben im Schnitt doch ohnehin nur 45 Tage – da ist es doch ganz logisch, dass nach einem Jahr keine Tiere mehr am Leben sind. Und warum wird nicht auf die eigentlichen Ergebnisse meiner Untersuchung eingegangen?”

    “Tja”, antwortet Ihnen der Politiker, “da habe ich wohl etwas knapp formuliert. Sachlich falsch ist das, was ich geschrieben habe, ja aber zum Glück nicht.”

    Knappe Formulierung und sachliche Richtigkeit hin oder her – ich bin mir sicher, dass Sie in diesem Fall recht schnell zu dem Schluss kämen, dass hier zugunsten einer politischen Agenda die Wahrheit verdreht wird. So ähnlich fühle ich mich, wenn ich lese: “Vor zwei Jahren gab es eine Havarie im AKW Fukushima – heute gedenken wir den 16.000 Toten” und mir dann erklärt wird, dass der Satzteil, aus dem hervorgegangen wäre, dass die 16.000 Toten mit der Havarie gar nichts zu tun haben, leider aus Gründen der Knappheit und des persönlichen Formulierungsstils entfallen musste. Schön ist so etwas jedenfalls nicht.

  14. #14 Lars Fischer
    12. März 2013

    Ich persönlich nehme Team Roth die Erklärung schon deswegen nicht ab, weil derartige Manipulationen, rhetorische Tricksereien und dreiste Lügen in diesem und ähnlichem Kontext dauernd vorkommen, insbesondere auch bei Umweltverbänden. Das Muster ist einfach zu vertraut, als dass ich denen ein pures Versehen noch glauben könnte.

  15. #15 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com/2013/02/16/wir-waren-papst/
    12. März 2013

    Der Text ist nicht zu entschuldigen.

    Es starb ja akut von den 16 000 Menschen kein einziger an einer Atomkatastrophe.

    Es ist schon eine Instrumentalisierung an einem solchen Jahrestag das Interesse ganz einseitig auf den AKW-Aspekt zu lenken. Dann aber die Beben- und Flutopfer wieder mit reinzunehmen, um das Horrorszenario aufzublasen, und mit umgesiedelten Strahlenflüchtlingen (stimmen die Hundertausende?) zu verrühren ist übelste Propaganda.

    Wer sowas fahrlässig macht, der ist schon so im Rausch der eigenen Ideologie und mit Scheuklappen beengt, dass es peinlich ist.

  16. #16 Spoing
    12. März 2013

    @Stefan W.
    So weit ich das gelesen habe sind immer noch 150.000 Leute betroffen, welche nicht in das Gebiet zurück kehren können. Allerdings wurde auch erwähnt, dass viele Bürger sauer sind, da die Wiederaufbauarbeiten schleppend vorangehen und erst 10% der zerstörten Häuser errichtet wurden. Es ist somit nicht wirklich nachvollziehbar welcher Teil davon aufgrund der Kontaminierung nicht zurück kann und welcher aufgrund der Unzugänglichkeit der Gebiete.

    Hier mache ich den Medien allerdings keinen Vorwurf, da das selbst in Japan nicht klar sein wird. Da gibt es zu viele Einzelinteressen die sich den Schwarzen Peter zuschieben, als das man genauere Details so einfach glauben kann.

  17. #17 Spoing
    12. März 2013

    “Überhaupt war das mal wieder nur ein Beispiel dieses deutschen Shitstorm-Übertreibens”

    Das verstehe ich nicht ganz. War die Aussage von Roth Shitstormübertreibung? Wenn ja, wie kann man so etwas verteidigen? Gerade Politiker sollte sich an so einem Volkszornkathalysator nicht beteiligen sofern sie sich selber nicht nur als populistische Bauernfänger sehen.
    Sollte es auf die Reaktion auf Roth bezogen gewesen sein, dann kann ich es noch weniger nach voll ziehen. Denn ein Fall in dem auch nur ein Toter von einem Pro-Akw Politiker relativiert worden wäre oder vergessen worden wäre, hätte einen ungleich größeren Sturm der Entrüstung ausgelöst als die Instrumentalisierung des Todes von 16.000 Menschen.

    Ich finde es erschreckend, wie oft solche Aktionen sogar als legitim angesehen werden um das Ziel zu erreichen.Sei es in dem gefälschten Bild der Hundeverbrennung zur EM, die unsägliche Genmais Studie aus Frankreich oder was weiß ich. Oft mals wird dann behauptet, “solange nur einer umdenkt hat sich die Lüge gelohnt”. (zum Glück sind das immer nur vereinzelte Spinner)
    Mit solchen Aussagen im Hinterkopf ein Statement zu lesen in dem das grauenhafte Schicksal vieler Tausender so zurecht gebogen wird, dass es zu der politischen Agenda passt. Da geht mir die Hutschnur hoch. Da gibt es von der Legitimierung der Aussage her keinen Unterschied zu der Argumentation eine totalitäre Diktatur zu legitimieren.

    Das es nur Unachtsamkeit war, kann ich mir, zumindest in der Summe der Ereignisse seitens der Grünen nicht denken. Mich würde mal interessieren, für wie hoch die Opferzahl durch das KKW-Unglück geschätzt in Deutschland wird.

    Wenn man der Ökofraktion solche PR-Maßnahmen durchgehen lässt, müsste man sie auch am rechten Rand hinnehmen. Und spätestens hier sind sich ja wenigstens alle einig das das falsch zuordnen von Todesfällen eine Schweinerei dar stellt.

  18. #18 s.s.t.
    12. März 2013

    @Marén

    …sich allerdings über solche auszulassen, die – zumindest offensichtlich – keiner unlauteren Absicht gefolgt sind…

    Das einzige was zumindest offensichtlich ist, ist entweder eine unlautere Absicht oder eine grenzenlose Dummheit, die zu dieser Formulierung geführt hat. Eine dritte Möglichkeit ist nicht vorhanden. Man möge sich also den Schuh anziehen, der einem am besten passt.

  19. [...] auch Jürgen Trittin scheint die Trennung von Amt und Mandat politischem Wunsch und Wirklichkeit nicht richtig zu [...]

  20. #20 tp1024
    12. März 2013

    Spoing:

    Betroffen waren die Bewohner von 375.000 Häusern mit etwa 750.000 Haushalten, die komplett oder teilweise zerstört sind. (Es gab noch viel mehr leichter beschädigte.) In Japan gibt es im Durchschnitt 2,55 Einwohner pro Haushalt. Betroffen ist also eine Bevölkerung etwa so groß wie Hamburg. (1,8 mio Menschen)

    Davon fanden auch nach einem halben Jahr knapp 3/4 eine neue Wohnung oder eine Unterkunft bei Bekannten und Verwandten, 500.000 lebten in Notunterkünften.

    http://www.jeef.or.jp/yelp/2012/02/environment-related-problems-caused-by-tohoku-earthquake-and-fukushima-nuclear-disaster/

    Die Jahresdosis der Strahlung durch Cs-134 und Cs-137 ist in der Gegend um das Kernkraftwerk auch deutlich gesunken. Von einer “Todeszone” kann übrigens keine Rede sein.

    http://www.world-nuclear-news.org/uploadedImages/wnn/Images/Fukushima_Radiation_map_2011_2012%201280×967.jpg

    Die roten Bereiche auf der Karte entsprechen etwa der Hälfte der Dosis der die Astronauten und Kosmonauten auf der Mir oder ISS ausgesetzt sind. (Dort etwa 200mSv/Jahr, im Orbit 300-600mSv/Jahr.) Die halten sich dort selbstverständlich ein halbes Jahr am Stück auf, teilweise auch mehrfach und länger am Stück.

    Das ist übrigens dennoch ein guter Grund, in diesen rot markierten Gegenden nicht dauerhaft zu wohnen. Aber es ist – entgegen der Berichterstattung – nicht im Ansatz ein Grund um sein Leben oder seine Gesundheit fürchten zu müssen, wenn man sie für einige Zeit betritt.

    Die gelblichgrünen Bereiche (16-33mSv/Jahr) entsprechen im Durchschnitt ungefähr der Hintergrundstrahlung in Denver (20mSv/Jahr) oder Kerala (30mSv/Jahr). http://www.doh.wa.gov/Portals/1/Documents/Pubs/320-063_bkvsman_fs.pdf

    Wo sich keine erhöhten Krebsraten nachweisen lassen:
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19066487

    Leider wird die Bevölkerung darüber nicht informiert und stattdessen die größtmögliche Panik geschürt.

  21. #21 Georg Hoffmann
    12. März 2013

    Unglaublich.
    Ich bin sicher die meisten haben so oder so verinnerlicht, dass es sich um das Erdbeben in Fukushima handelt (einige 100km vom Epizentrum entfernt) und nicht dem in Tohoku.

    Jetzt gerade rausgekommen, der radiologische Bericht zu den 25000 Arbeitern, die dort nach den Reaktounfaellen taetig waren.
    http://sciences.blogs.liberation.fr/home/2013/03/fukushima-2-ans-les-doses-des-travailleurs.html

    Mittlere Dosis 25 mSv fuer die ca 2000 TEPCO eigenen Arbeiter und 9mSv fuer die restlichen 23000. Sechs Arbeiter sind auf 250mSv gekommen.
    Insgesamt 7 Tote sind unter diesen Arbeitern zu beklagen, zwei sind am Tage des Erdbebens verstorben, drei hatten einen Herzinfarkt, eine Arbeiter ist an Leukaemie verstorben. Er war niemals ionisierender Strahlung ausgesetzt gewesen (0.5 mSv) und einer an einem septischen Schock , ebenfalls ohne bekannten Zusammenhang mit den 5mSv, die er erhalten hat.
    Die deutsche Berichterstattung ist schlicht unglaublich.

  22. #22 tp1024
    12. März 2013

    Die Inzidenzrate von Leukämie beträgt übrigens ungefähr ein Fall pro 10.000 Menschen pro Jahr. Nach 2 Jahren sind bei 25000 Leuten also etwa 5 Leukämiefälle zu erwarten. (Nur etwa 3, wenn man bedenkt, dass etwa die Hälfte davon nur im zweiten Jahr tätig war.)

    http://www.cancerresearchuk.org/cancer-info/cancerstats/types/leukaemia/incidence/uk-leukaemia-incidence-statistics

    Davon stirbt etwa jeder Dritte innerhalb der ersten 5 Jahre:

    http://www.lls.org/content/nationalcontent/resourcecenter/freeeducationmaterials/generalcancer/pdf/facts.pdf (Seite 13)

    Wenn man in der weiteren Umgebung der Provinz Fukushima nach Leukämiefällen sucht, wird man also jedes Jahr auf 100 neue Fälle pro Million Einwohner stoßen … (evtl. etwas mehr, das ist auch abhängig von der Altersverteilung – das größte Krebsrisiko ist hohes Alter – und die Einwohner dieser Gegend sind selbst für Japan überdurchschnittlich alt)

  23. #23 Stephan
    13. März 2013

    Was ich nicht mag an diesem reisserischen journalistischen Orgasmus ist, dass man 16’000 Tote erwähnt und sie direkt mit dem “atomaren Abgrund” in Verbindung bringt. Wer schreibt so dummes Zeugs? Dieses politische, nicht-faktenbasierte Hetzen ist doch nicht mehr zeitgemäss. Habt ihr Deutschen noch Zeit und Geld für solche Leute?

  24. #24 Dalek
    13. März 2013

    Stephan: Wer so dummes Zeug schreibt? Ist das eine ernst gemeinte Frage oder nur rhetorisch gemeint?

    Falls ernst: Politiker natürlich. E. A. Blair lässt grüßen. Ja, der mit dem “Krieg ist Frieden”-Newspeek.

    Und ja, natürlich entschuldigen sich die GrünInNen im Nachhinein, so nach dem Motto: “war einE Irrtum/in und überhaupt/in wir wollen es nicht wirklich so, aber IrrInNen ist menschlich/in…

  25. #25 JanG
    Dresden
    13. März 2013

    Lars Fischer schrieb:
    “Ich persönlich nehme Team Roth die Erklärung schon deswegen nicht ab, weil derartige Manipulationen, rhetorische Tricksereien und dreiste Lügen in diesem und ähnlichem Kontext dauernd vorkommen, insbesondere auch bei Umweltverbänden. Das Muster ist einfach zu vertraut, als dass ich denen ein pures Versehen noch glauben könnte.”

    Dem kann ich nur zustimmen: gestern hab ich eine Sendung auf dem mdr gesehen, dort wurden aus 0,2 µSv/h gleich mal ein Erreichen des Jahresgrenzwertes wenn man sich einen Nachmittag dort aufhält. Das ist kein falsches Interpretieren mehr, das ist Lügen.

    siehe hier:
    http://www.kerngedanken.de/2013/03/denn-sie-wissen-sehr-wohl-was-sie-tun/

  26. #26 tp1024
    13. März 2013

    Das erinnert mich an eine Story die im September 2011 unwidersprochen durch die deutsche Presse schwappte. In Gorleben würden angeblich zu wenige Mädchen geboren. Vor dem Zwischenlager wurden noch mehr Mädchen als Jungs geboren, danach waren es mehr Jungs als Mädchen

    … was allerdings völlig normal ist. In Deutschland ist das Verhältnis 106 Jungs zu 100 Mädchen ….

    Auch dazu schrieb ich mal:

    http://tp1024.wordpress.com/2011/09/05/incoherentantinuclear-propaganda/

  27. #27 Dr. Webbaer
    14. März 2013

    @Reinboth
    Vergleichen Sie mal:

    “Ein Erdbeben der Stärke 9 hatte damals den Nordosten des Landes erschüttert und eine bis zu zwanzig Meter hohe Zunamiwelle ausgelöst. In der Folge kam es zu einem Reaktorunfall im Kernkraftwerk Fukushima. Dabei kamen ungefähr 16.000 Menschen ums Leben.”

    mit

    “Ein Erdbeben der Stärke 9 hatte damals den Nordosten des Landes erschüttert und eine bis zu zwanzig Meter hohe Zunamiwelle ausgelöst. Dabei kamen ungefähr 16.000 Menschen ums Leben. In der Folge kam es zu einem Reaktorunfall im Kernkraftwerk Fukushima.”

    Um solche absichtlichen Fehler, die den Inhalt entstellen, aber auch wegdiskutiert, verleugnet werden können, hat man gut bezahlte GEZ-Kräfte, die jeweilige politische Lager vertreten. Diesmal war wohl eine ökologistische Kraft [1] mit der Zuschauertäuschung beauftragt oder es hat sich selbst eine dementsprechend beauftragt.

    MFG
    Dr. W (der neben dem Artikel auch die Schreibweise ‘Zunami’ goutiert)

    [1] die natürlich mittlerweile auch aus der Union stammen könnte

  28. #28 Feldheld
    14. März 2013

    Jeder, der GEZ Gebühren zahlt, finanziert diese Demagogie mit!

  29. #29 JanG
    Dresden
    14. März 2013

    @Feldheld

    So recht habe ich mich nicht getraut, das Wort Demagogie zu benutzen, aber genau das ist es. Da wir ja aber nun alle diese Gebühr zu zahlen haben …

  30. #30 JanG
    Dresden
    14. März 2013

    @tp1024

    Interessanter Artikel, viele Dank dafür.