Mit großem Interesse habe ich am Wochenende von Florians neuem Blog-Projekt – einer zweiwöchigen Reise durch Norddeutschland auf der Suche nach Spuren des Klimawandels in unserer Region – gelesen. Dabei fiel mir dann auch wieder ein, dass ich schon länger (aktuell ist meine Blog-Frequenz aufgrund mehrerer Antragsdeadlines leider äußerst eingeschränkt, was sich aber demnächst wieder ändern sollte) eine Klimastatistik vom Brocken verbloggen wollte, über die ich vor zwei Monaten gemeinsam mit Dr. Friedhart Knolle vom Nationalpark Harz im Rahmen des 20th International Symposium on Society and Resource Management (ISSRM 2014) an der Uni Hannover referieren durfte.

Der Brocken ist mit 1.141 Metern der höchste Berg im Harz sowie auch in ganz Norddeutschland. Seit der Eingemeindung von Schierke im Jahr 2009 gehört er zu meiner Wahlheimat Wernigerode und begegnet mir jeden Morgen auf meinem Weg zur Arbeit als Silhouette am Horizont. Auf dem Gipfel findet man nicht nur die Haltestelle der seit 1898 verkehrenden Brockenbahn sowie den sehenswerten Brockengarten mit über 1.600 teils äußerst seltenen Pflanzenarten, sondern auch eine der ältesten Wetterstationen Deutschlands: Bereits seit dem Jahr 1848 werden hier unter anderem Aufzeichnungen über Temperatur und Luftfeuchtigkeit geführt, unterbrochen lediglich durch die Kämpfe in der “Festung Harz” zum Ende des Zweiten Weltkriegs sowie die Besetzung des Gipfels durch sowjetische Truppen, die jedoch die Fortführung der Messungen schon ab 1947 wieder ermöglichten. Mit Hilfe dieser Daten lässt sich ein genaues Bild der Temperaturentwicklung auf dem Brocken während der vergangenen 165 Jahre zeichnen.

Klimawandel auf dem Brocken

Der Trend ist unverkennbar: Die Temperatur auf dem Brocken ist im Jahresmittel in 165 Jahren um fast 2,5 Grad (von 1,5 Grad auf fast 4 Grad) gestiegen. Während das Jahresmittel von 1848 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs nur ein einziges Mal in 100 Jahren oberhalb von 4 Grad lag, wurde diese Marke seit 1950 bereits in 12 von 63 Jahren überschritten – von denen wiederum 10 Jahre in die vergangenen drei Jahrzehnte fallen. Im August 2012 wurde mit 29 Grad die höchste Temperatur seit Beginn der Messungen verzeichnet.

Der Klimawandel ist im Harz also schon längst angekommen – und wirkt sich auch bereits auf die Natur am Brocken (beispielsweise durch die Verlängerung der Vegetationsperioden verschiedener Pflanzenarten) aus, wie man auf der Internetseite des Nationalparks Harz nachlesen kann. Nicht ohne Grund kämpft mittlerweile jeder Wintersportort im Harz um die Erlaubnis, Schneekanonen betreiben zu dürfen – aller negativen ökologischen Auswirkungen zum Trotz. Noch vor 30 Jahren hätte allein schon aus Kostengründen kein Harzort eine künstliche Beschneiung gewollt – auch wenn diese damals technisch durchaus schon realisierbar gewesen wäre. Es war einfach nicht erforderlich. Heute dagegen bietet selbst eine hochmoderne Kunstschneeanlage im Harz keine Garantie dafür, dass man die Pisten an mehr als einer Handvoll Tagen pro Saison öffnen kann.

Florian könnte hier im Harz bei seiner Suche nach Spuren des Klimawandels also durchaus fündig werden, würde seine Reiseplanung ihn am Lieblingsberg Goethes und Heines vorbeiführen. Aber auf dem Brocken war er ja schon mal unterwegs – und kann auf das nächste Sturmerlebnis sicher noch eine Weile verzichten…

HSB

Ein historischer Dampfzug der Harzer Schmalspurbahn auf dem Weg zum Brocken.

Brockengarten

Ein Blick in den Brockengarten mit seinen über 1.600 seltenen Pflanzenarten.

Brockenwarte

Die Brockenwarte verschwindet fast im für den Brocken typischen Nebel.

 

Kommentare (13)

  1. #1 F.Jeschke
    18. August 2014

    KLIMAWANDEL??Die Kurve zeigt a) keine Temp.Erhöhung seit 1988 und b) welche CO2-Erhöhung fand wodurch vor 160 Jahren statt?Postkutschenfrequenzerhöhung?
    also mal langsam mit der politisch korreketen Klimapanik….man kann diese Manipulationen ala PIK nicht mehr hören!!

  2. #2 A_Steroid
    19. August 2014

    rein subjektiv und aus der Erinnerung – ich bin Sauerländer und als Kind (geb. 1957) war unsere Gegend ein beliebtes Ziel für Holländer und Ruhrgebietler. Skilifte usw. – alles da. Heute gibt es m.W. noch einen in Wildewiese bzw. Kahler Asten…

  3. #3 Ulle
    19. August 2014

    Die Welt wird durch den Klimawandel grüner, und der Brocken ist ein Teil davon. Das ist doch mal eine gute Nachricht. Laßt die Wintersport-Freunde nur schimpfen. 🙂

  4. #4 facepalm
    20. August 2014

    Leider wird die Welt durch den Klimawandel NICHT grüner – der Anteil sehr trockener Gebiete an der globalen Landoberfläche und die Anzahl und Stärke von Dürren werden in den letzten Jahrzehnten größer.

    http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Dürren

    ganze Klimazonen werden sich voraussichtlich verändern und verschieben:

    http://koeppen-geiger.vu-wien.ac.at/shifts.htm

  5. #6 Andreas
    na
    20. August 2014

    @Christian Matthias-Schmidt-Berg im Harz waren die ersten in Europa, die Schneekanonen hatten. Ca. 1960.

  6. #7 Alderamin
    21. August 2014

    @Ulle

    Was ein anderer Beleg dafür ist, dass sich das Klima in der Tat ändert. Die Auswirkungen müssen ja nicht global und überall permanent nur negativ sein. Aber was nützt den Friesen, denen der Blanke Hans öfters zu Besuch kommt, den Düsseldorfern, denen der Gewittersturm massenweise die Bäume umknickt oder den Malediven-Bewohnern, die ihre Häuser auf Stelzen stellen müssen, die Tatsache, dass es in der australischen Wüste ein wenig mehr grünt?

  7. #8 Meinhardt
    23. August 2014

    Was mir immer ein Rätsel bleiben wird: Warum muß sich ein Wirtschaftsinformatiker und blablabla zum Klima äußern?

    Ist ihnen langweilig, fehlen ihnen die Themen oder sind sie einfach nur ein Klima-Mitläufer?

    Ihre Abbildung müßte bei 2012 übrigens in die Waagrechte oder nach unten zeigen – falls sie nicht manipuliert worden ist. Hoffentlich kennen sie den Unterschied zwischen einen spline und … (kann sich jeder selbst denken)

    MfG
    Meinhardt

  8. #9 Meinhardt
    23. August 2014

    Da mein Kommentar moderiert wird bin ich an einer Veröffentlichung nicht interessiert. Wer freie Meinungsäußerung ablehnt, den lehne ich auch ab. Eine Löschung wird ihnen vermutlich nicht schwer fallen.
    MfG
    Meinhardt

  9. #10 Nemesis
    Hel
    31. August 2014

    @Meinhardt

    Zitat: “Was mir immer ein Rätsel bleiben wird: Warum muß sich ein Wirtschaftsinformatiker und blablabla zum Klima äußern?”

    Vielleicht fühlt sich der Herr Reinboth ja ua schlicht als Mensch vom Klimawandel betroffen? Geht denn das Klima etwa nicht alle Menschen an? Oder dürfen Ihrer Ansicht nach da nur Klimawissenschaftler was dazu sagen? Ich zB bin kein Physiker, fühle mich aber trotzdem durch die Gravitation jeden Tag überall betroffen 🙂 :

    http://tinyurl.com/pf6lpth

  10. #11 facepalm
    18. September 2014

    Werter Herr Meinhardt, Christian Reinboth hat Hausrecht in seinem Blog und muss sich weder anpöbeln noch indirekt der Manipulation bezichtigen lassen – auch von Ihnen nicht. Falls Ihnen das nicht passt steht es Ihnen frei selbst einen Blog zu eröffnen.

  11. #12 facepalm
    18. September 2014

    @ ulle #4: Das ganze CO2-Düngen nützt genau gar nichts, wenn für die Pflanzen grundlegend das Wasser fehlt – siehe Minimumprinzip – und genau deshalb ist die Vergrößerung der sehr trockenen Gebiete sowie der Flächen mit Dürren wie in meinem Link unter #3 beschrieben durchaus negativ.

  12. […] ScienceBlogs-Kollege Georg Hoffmann hat seine Klimawette gewonnen – das Jahr 2014 ist das wärmste Jahr seit dem Beginn der Temperaturmessungen. Rückblickend betrachtet hätte ich die gleiche Wette auch für die Entwicklung der Temperaturkurve auf dem Wernigeröder “Hausberg” – dem Brocken (1.141 m) – eingehen können, die ich vor einem halben Jahr schon mal hier im Blog vorgestellt hatte. […]