Seit einigen Jahren halte ich in wechselndem Kontext – mal für die Sternwarte Sankt Andreasberg, mal für verschiedene Volkshochschulen, für Umweltgruppen oder auch für unser An-Institut – einen sich beständig weiterentwickelnden, im Kern aber gleichbleibenden Einführungsvortrag zum Thema Lichtverschmutzung. Da es gestern Abend mal wieder soweit war – diesmal bei der Arbeitsgemeinschaft “Astronomie und Raumfahrt in Quedlinburg” im Bildungshaus „Carl Ritter“ in Quedlinburg – dachte ich mir, ich könnte den Vortrag samt Bebilderung ja eigentlich auch mal für den „Frischen Wind“ verbloggen. Insofern folgt an dieser Stelle eine dreiteilige Einführung in die Lichtsmog-Problematik ohne großen Neuigkeitswert, der für diejenigen Leserinnen und Leser, die mit dem Thema noch nicht vertraut sind, vielleicht aber einige interessante Einsichten bietet.

Teil 1: Wie kann Licht ein Umweltproblem darstellen?

Kaputte Lampe (Foto © Christian Reinboth)Sowohl der Begriff „Lichtverschmutzung“ als auch der eigentlich präzisere Begriff „Lichtsmog“ implizieren, dass Licht – also künstliche Beleuchtung bei Nacht – ein Umweltproblem darstellt. Wie aber ist das möglich? Licht an sich richtet doch keinen Schaden an? Diese Grundannahme ist nicht ganz richtig, wie sich am Beispiel der Straßenbeleuchtung zeigen lässt, die sich insbesondere auf drei Wegen negativ auf unsere Umwelt auswirkt: Erstens durch ihren hohen Energieverbrauch, zweitens durch den (früher) durch Quecksilber-Dampflampen verursachten Sondermüll und drittens dadurch, dass die künstliche Aufhellung der Nacht nicht nur – vor allem für Astronomen ärgerlich – das Licht der Sterne überstrahlt, sondern auch die natürlichen Lebensrhythmen vieler nachtaktiver Tiere empfindlich stört. Dieser dritte Effekt ist die eigentliche „Lichtverschmutzung“, um die es heute gehen soll – daher an dieser Stelle nur einige kurze Worte zu den ersten beiden Punkten: Energieverbrauch und Sondermüll.

Unser Wunsch nach möglichst hellen Straßen und möglichst weit sichtbarer Leuchtreklame kostet eine Menge Energie. Wie eine schon einige Jahre alte Untersuchung des VDI zu Tage brachte, werden allein für die öffentliche Straßenbeleuchtung – gemeint sind hier also nur Straßenlampen und keine sonstige öffentliche Beleuchtung etwa von Rathäusern, Denkmälern oder Parks – rund vier Milliarden Kilowattstunden bzw. vier Terawattstunden an Energie aufgewendet. Europaweit summiert sich das Ganze auf 35 Terawattstunden, was etwa dem 17-fachen jährlichen Output des Atomkraftwerks Biblis in Hessen entspricht, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft ich zehn Jahre lang gewohnt habe. Grob vereinfacht – aber auch wirklich nur ganz grob und unter Ausklammerung von Tagesverbrauchskurven und Netzauslastung – könnte man also sagen, dass wir europaweit 17 Atomkraftwerke nur für die Bestromung von Straßenlampen betreiben – ein hoher Energieverbrauch, der bei unserem gegenwärtigen Energiemix mit einem hohen klimarelevanten CO2-Output im Bereich von etlichen Millionen Tonnen einhergeht. Allein schon dieser Verbrauch und die damit einhergehenden Kosten für Kommunen – nicht selten stellt die Straßenbeleuchtung den größten Posten im Energiebudget dar – sind eigentlich Gründe genug, um sich als Kommune bzw. als Einwohner einer Kommune mit der Frage befassen zu wollen, wie man sparsamer und umweltschonender beleuchten könnte.

Das zweite Problem – der Sondermüll – wurde in den vergangenen Jahren durch die EU entschärft, die ein „Phasing-Out“ der in einigen Kommunen nach wie vor dominanten Quecksilberdampflampen – das sind die Lampen mit dem gemütlich-orangefarbenen hellweißen Licht – verfügt hat. Kommunen dürfen damit ihre alten Bestände zwar noch aufbrauchen, es dürfen aber seit 2015 keine neuen Leuchtmittel mehr in den Verkehr gebracht werden, womit das Ende der Quecksilberdampflampe quasi offiziell eingeläutet wurde. Noch sind – gerade in Kommunen in den neuen Bundesländern – aber noch eine Menge solcher Lampen in Gebrauch, was aufgrund deren besonders hoher Anlockwirkung insbesondere für nachtaktive Insekten ein Problem darstellt.

Light Pollution

Identische Himmelssicht mit und ohne Lichtsmog-Effekt. (Foto © Jeremy Stanley, Lizenz: CC BY 2.0, Quelle: Flickr)

Wenden wir uns nun aber dem eigentlichen Thema zu: Der Lichtverschmutzung. Diese wird durch die beiden Aufnahmen des Astrofotografen Jeremy Stanley perfekt illustriert. Beide Bilder zeigen das Sternbild Orion, links aufgenommen in der Dunkelheit eines sogenannten Sternenparks, rechts dagegen in der US-Stadt Orem in Utah mit circa 80.000 Einwohnern. Auch wenn die Kamera natürlich mehr vom Himmel einfängt, als das untrainierte menschliche Auge, ist der Qualitätsverlust deutlich wahrnehmbar: Von einem Himmel voller Sterne hin zu einem hellen, irgendwie ausgebleicht wirkenden Himmel, in dem letztendlich nur das Sternbild noch wirklich deutlich erkennbar ist. Ein Himmel, den wir so auch in Deutschland kennen – und bei dessen Anblick wir uns dann darüber freuen, dass wir das eine oder andere Sternbild ausmachen können, ohne zu ahnen, welche majestätische Aussicht uns da eigentlich entgeht.

Verantwortlich hierfür ist unser ineffizienter Umgang mit Licht – wohlgemerkt, unser Umgang mit Licht und nicht der Umstand, dass wir überhaupt beleuchten. Den Astronomen wird ja gerne nachgesagt, dass sie die Straßenbeleuchtung am liebsten ganz abschaffen möchten, was so – von der einen oder anderen Ausnahme abgesehen – aber sicher nicht stimmt. Die eigentliche Frage ist nicht ob, sondern wie beleuchtet wird. Das nachfolgende Bild der Züricher Innenstadt bei Nacht, aufgenommen von Kollegen der Anti-Lichtsmog-Organisation Dark Sky Switzerland, verdeutlicht das Problem: Ganz offensichtlich könnte man den hier intendierten Effekt – die Verkehrssicherheit auf Straßen und Gehwegen und eine akzentuierte Wahrnehmung der beiden angestrahlten Baudenkmäler – auch mit einem viel geringeren Maß an Beleuchtung erreichen. Stattdessen wird völlig ineffektiv und viel zu hell von unten nach oben beleuchtet und Licht grell und teilweise in regelrechten Flakscheinwerfer-Strahlen in den Himmel reflektiert. Kein Wunder, dass hier keine Sterne mehr zu sehen sind. Selbst wenn man auf den Anblick des Sternenhimmels weniger Wert legt und auch die Umwelteffekte für vernachlässigbar hält, muss einem, betrachtet man das Bild einmal mit den Augen des Ingenieurs – klarwerden, dass hier extrem ineffizient und damit unter großer Energieverschwendung beleuchtet wird.

Lichtverschmutzung in Zürich

Lichtverschmutzung in der Züricher Innenstadt. (Bildquelle: www.darksky.ch)

Das Phänomen, welches man auf diesem und dem nächsten Bild erkennen kann, wird von Experten als „Urban Sky Glow“ bezeichnet – eine Art „Lichtglocke“ (daher auch der Begriff “Lichtsmog” – abgeleitet von der Smogglocke) über Ortschaften, die dadurch verursacht wird, dass nach oben abgestrahltes Licht auf Schwebeteilchen in der Luft wie Nebeltropfen oder Staub trifft, und von diesen reflektiert, gebrochen und gestreut wird. Dieser Effekt führt dazu, dass der Himmel über manchen Städten auch in der tiefsten Nacht nicht mehr dunkel wird. Das nachfolgende Foto erhielt ich beispielsweise vor einigen Jahren von Norbert Heinze, der regelmäßig in Singapur unterwegs ist – und so sieht der Himmel dort um 2:00 Uhr in der Nacht aus.

Lichtverschmutzung in Singapur

Lichtverschmutzung in Singapur. (Foto © Norbert Heinze)

Eine solche Lichtglocke hat eine enorme Flächenwirkung, die sich mit Hilfe von „Walkers Gesetz“ – einer von Merle Walker entwickelten Formel – in etwa abschätzen lässt, wenn man die Einwohnerzahl kennt. Für eine Stadt wie Wernigerode mit knapp 35.000 Einwohnern lässt sich auf diesem Weg errechnen. dass man noch in einer Entfernung von 20 Kilometern mit einem Sky Glow rechnen muss, der etwa 19% über der Helligkeit des natürlichen Nachthimmels liegt.

Die bekannteste Skala zur Messung der Lichtverschmutzung ist die sogenannte Bortle-Skala, die nach dem US-Astronomen John Bortle benannt wurde. Diese reicht von 1 (ein perfekter dunkler Himmel ohne jede Beeinflussung durch künstliches Licht, wie man ihn beispielsweise über der Wüste oder über dem offenen Meer beobachten kann) bis zu 9 (der Himmel über einer Metropole wie Tokio oder New York). Zur Einordnung: In Wernigerode liegen wir etwa bei einer 4, in Halberstadt bei einer 5. In Sankt Andreasberg, Sorge, Elend und anderen Orten im Oberharz landet man – je nach Ort und Zeitpunkt der Messung – mal in der 3 und mal in der 2, was für einen Standort in Mitteleuropa hervorragend ist.

Bortle-Skala

Die Bortle-Skala. (Bildquelle: International Dark Sky Association)

Der Großteil der deutschen Bevölkerung lebt inzwischen unter einem Himmel der Klasse 5 oder 6, an dem man nicht mehr viele Sterne wahrnehmen kann. In einer repräsentativen Befragung durch Emnid konnte bereits im Jahr 2002 festgestellt werden, dass ein gutes Drittel aller Deutschen das leuchtende Band der Milchstraße – immerhin die Galaxie, in der wir leben – noch nie gesehen hat; und unter den Unter30-jährigen waren es bereits 40%. Heute, 15 Jahre später, muss davon ausgegangen werden, dass diese Zahlen nochmal deutlich angestiegen sind. Insbesondere vielen jungen Menschen, die in einer der größeren Städte aufwachsen, fehlt die Naturerfahrung, unter einem Himmel voller Sterne von deren Anblick geradezu erschlagen zu werden, mittlerweile völlig.

Bedenkt man, dass der Anblick des nächtlichen Sternenhimmels über die Jahrtausende währende Menschheitsgeschichte unzählige Künstlerinnen und Künstler, Forscherinnen und Forscher sowie religiöse Prophetinnen und Propheten inspiriert hat, kann man sich kaum vorstellen, dass der Wegfall dieser Erfahrung vollständig folgenlos bleibt. Betrachtet man alte Gemälde großer Künstler, die den Sternenhimmel zeigen – wie etwa die berühmte „Sternennacht über der Rhone“ von Vincent van Gogh – so ist man heute leicht versucht, die Sternenvielfalt als „künstlerische Übertreibung“ abzutun. Sie ist es aber nicht – vielmehr ist es stattdessen so, dass der Künstler einen Anblick wiedergegeben hat, den wir heute in dieser Form einfach nicht mehr bzw. kaum noch genießen können.

Sternennacht van Gogh

Vincent van Gogh: Sternennacht über der Rhone. (Lizenz: Public Domain, Bildquelle: Wikipedia)

Fragt man einmal bei Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern nach, wie sie eigentlich zu ihrer Studienentscheidung gelangt sind, so wird nicht selten auf eine Naturerfahrung in der Kindheit oder ein naturwissenschaftliches Hobby verwiesen: Von den Spaziergängen im nahegelegenen Wald bis hin zu Mikroskopie und Astronomie. Ist es verwegen, einen zumindest schwachen Zusammenhang zwischen dem Wegfall solcher Erfahrungen bzw. der zunehmenden Unmöglichkeit solcher Hobbies und dem stetig sinkenden Interesse der jungen Generation an den sogenannten MINT-Studiengängen (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu postulieren? Möglicherweise – aber eine nähere Untersuchung dieser Frage könnte sich meiner Einschätzung nach durchaus lohnen.

Nun wäre Lichtverschmutzung wohl leider ein vernachlässigtes Problem, würde es „nur“ die Community der Hobby-Astronomen betreffen. Tatsächlich greift Licht aber auch auf vielfältige Art und Weise in den „Lebensraum Nacht“ vieler nachtaktiver Arten ein, die sich über die Jahrmillionen der Evolution immer besser an die Dunkelheit angepasst haben. Aus den Medien bekannt ist das Bild junger Meeresschildkröten, die von hunderten freiwilligen Helfern über den beleuchteten Strand zum Wasser getragen werden müssen, weil sie den Weg von alleine nicht mehr finden und sich ohne Hilfe in den Dünen verirren und letztendlich dort verenden würden. Grund hierfür ist, dass die Beleuchtung nahegelegener Straßen, Ferienanlagen oder Ortschaften den Schattenwurf der Dünen verändert und damit den Orientierungssinn der Tiere durcheinanderbringt.

In meinen Vorträgen kommen solche Bilder eher selten vor – lieber zeige ich stattdessen Fotos von heimischen Nachtfaltern wie etwa dem Eichenspinner oder dem Eulenfalter, auch wenn diese Tiere von den meisten Zuhörern sicher als weniger niedlich empfunden werden. Es gibt im Harz – oder auch an den deutschen Küsten – nun aber eben keine Brutstätten für Seeschildkröten, dafür aber etliche heimische Arten – zu denen im Harz auch das Sommergoldhähnchen und diverse Fledermausarten gehören – die hier vor Ort von den Folgen der Lichtverschmutzung betroffen sind.

Da es nicht nur an dieser Stelle zu weit führen, sondern auch den üblichen zeitlichen Rahmen solcher einführenden Vorträge sprengen würde, die Auswirkungen künstlicher Beleuchtung auf nachtaktives Leben im Detail zu betrachten, sei nur schlaglichtartig auf einige Effekte verwiesen. Dass Licht in der Nacht Insekten anzieht, weiß jeder, der je in einer Sommernacht auf dem Balkon oder der Terrasse ein Licht eingeschaltet hat. Die nachfolgenden Fotografien von Prof. Dr. Gerhard Eisenbeis von der Uni Mainz, der sich als Entomologe über viele Jahre mit der Wirkung von künstlichem Licht auf Insekten beschäftigt hat, zeigen einen Anblick, den viele von uns noch kennen: Hunderte verendeter Insekten, die der Lichtsogwirkung von Lampen (hier: Natriumdampflampen) nicht entkommen konnten. Im Oberharz und in der Gegend um Bitterfeld-Wolfen habe ich solche Kugelleuchten wie rechts im Bild mit einer dicken Schicht toter Insekten selbst schon in Augenschein nehmen können – zum Glück werden es weniger. Es liegt auf der Hand, dass der milliardenfache Verlust von Insekten – allein an einer Quecksilberdampflampe verenden rund 450 Tiere pro Nacht – nicht ohne negative Folgen für betroffene Ökosysteme bleibt.

Todesfalle Straßenlampe

Todesfalle Straßenlampen. (Fotos © Prof. Dr. Gerhard Eisenbeis, Uni Mainz)

Wie bereits festgestellt, sind aber auch andere nachtaktive Lebewesen betroffen: Singvögel brechen sich an beleuchteten Gebäudefassaden zu hunderten das Genick – das Phänomen der sogenannten „Towerkills“, das vor einigen Jahren in Bonn eindrucksvoll durch den Biologen Heiko Herbig am Beispiel des LED-beleuchteten Posttowers untersucht wurde. Amphibien stellen die Paarung ein, Zugvögel finden plötzlich den Weg in ihre angestammten Überwinterungsgebiete nicht mehr, lichtempfindliche Fledermäuse werden durch grelle Beleuchtung aus für sie attraktiven Jagdgründen vertrieben – und kleine Seeschildkröten verlaufen sich auf ihrem Weg vom Schlupfplatz zum Wasser. Sogar Pflanzen werden (obwohl sie sich ja quasi von Licht ernähren) durch künstliches Licht belastet – so verlieren etwa durchgängig beleuchtete Laubbäume im Herbst ihre Blätter mit einer Verspätung von bis zu mehreren Wochen und werden dadurch anfälliger für winterliche Frostschäden.

Man könnte die Betrachtung der negativen Effekte an dieser Stelle nahezu beliebig lange fortsetzen – was auf jeden Fall deutlich geworden sein sollte, ist der Umstand, dass künstliche Beleuchtung in der Nacht sich auf lebende Organismen auswirkt. Zu Recht kann man hier die Frage stellen, wie es sich eigentlich mit dem Menschen verhält. Auch hierzu liegen mittlerweile interessante Untersuchungen vor, die klassische Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes und Schlafstörungen mit einer zunehmenden Überbeleuchtung in Verbindung bringen. Ein Effekt, der bereits gut erforscht ist, ist die Unterdrückung der Produktion des Schlafhormons Melatonin durch die Aufnahme von Licht mit hohen Weiß- und Blauanteilen kurz vor dem Schlafengehen oder während des Schlafens. Dies kann etwa die helle, klinikartige Beleuchtung des Badezimmers sein, in dem man sich kurz vor dem Gang ins Bett noch aufhält – oder das Licht des Handy- oder Tablet-Displays, in das man in der letzten halben Stunde vor dem Schlafengehen noch starrt. Beides führt dazu, dass die Produktion des Hormons, die normalerweise bei Dunkelheit und damit während des Schlafes erfolgt, erst mit einer Verspätung von bis zu einigen Stunden einsetzt woraus sich über einen längeren Zeitraum ein Melatonin-Defizit entwickeln kann, das wiederum mit Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen sowie Schlafstörungen einhergeht.

Zusammenfassend darf festgestellt werden, dass sich zu viel Licht in der Nacht durchaus auch negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken kann, hierzu aber noch viel Forschung zu leisten ist. Ergebnisse der letzten Jahre, die einen Zusammenhang von Kunstlicht mit dem Auftreten sehr ernster Erkrankungen wie insbesondere bestimmter Formen von Krebs vermuten lassen, sollten mit Sicherheit nicht überinterpretiert werden – das Thema „Wirkung von Licht auf die Gesundheit des Menschen“ hat aber eindeutig großes Potential (und eine gewisse Brisanz).

Teil 2: Wie lässt sich das Problem lösen?

Nachdem das Problem der Lichtverschmutzung nun erkannt ist, stellt sich natürlich die Frage, wie man es lösen kann. Wenn wir nochmal an die Bilder der überbeleuchteten Städte und Straßen denken, wird (hoffentlich) klar, dass man zur Begrenzung des Problems vor allem drei Ziele verfolgen müsste:

1. Zielgerichteter beleuchten – Licht nur dorthin strahlen, wo es auch benötigt wird
2. Energieeffizienter beleuchten – optimale Wirkung bei möglichst niedrigem Verbrauch
3. Naturfreundlicher beleuchten – möglichst geringe Anlockwirkung auf Insekten, Vögel etc.

DIALux-Simulation

Mit DIALux erstellte Beleuchtungssimulation. (Grafik © Christian Reinboth, HarzOptics GmbH)

Diese drei Ziele lassen sich auf verschiedene Art und Weise erreichen. An meinem An-Institut – der HarzOptics GmbH in Wernigerodearbeiten wir mit 3D-Lichtsimulationen, wie sie im obigen Bild zu sehen sind. Diese ermöglichen es, Straßenzüge und ganze Stadtviertel am Computer „künstlich“ zu beleuchten und nach derjenigen Kombination von Lampentyp und Leuchtmittel zu suchen, mit der die drei obengenannten Ziele – zielgerichtete Beleuchtung, energetische Sparsamkeit und eine geringe Anlockwirkung – unter den gegebenen Rahmenbedingungen wie etwa der Verkehrsdichte möglichst gut erfüllt werden können. Natürlich kommen dafür grundsätzlich nur Lampen in Frage, die ihr Licht nur dorthin abstrahlen, wo es auch objektiv benötigt wird. Die nachfolgende Grafik von Florian Schwendler verdeutlicht den Unterschied zwischen brauchbaren und weniger brauchbaren Lampen.

Leuchtentypen

Unterschiedliche Leuchtentypen tragen mehr oder weniger stark zur Lichtverschmutzung bei. (Grafik © Florian Schwendler)

Während die linke Kugelleuchte einen Großteil ihres Lichts sinnlos in die Landschaft strahlt und nur zu etwa einem Viertel überhaupt den zu beleuchtenden Gehweg beleuchtet, fokussiert die rechte, gut abgeschirmte Straßenlampe das Licht auf die zu beleuchtende Fläche. Jeder Laie – auch derjenige, der sich so gar nicht für Umweltbelange erwärmen kann – erkennt sofort, dass die rechte Lampe deutlich effizienter ist – und wenn man sie nun noch mit einem stromsparenden Leuchtmittel ausstattet, durch die Wahl des richtigen Lichtspektrums dafür sorgt, dass sie eine möglichst geringe Lockwirkung auf Insekten und andere nachtaktive Lebewesen (sowie eine geringe Störwirkung auf Astronominnen und Astronomen) entfaltet und sie außerdem spät in der Nacht bei wenig (oder gar keinem) Verkehr dimmt oder ganz abschaltet, kommt man dem Optimum schon recht nahe.

Leuchtensammlung

Verschiedene Beispiele für suboptimale Beleuchtung. (Fotos © Christian Reinboth)

Dass in vielen deutschen Kommunen leider noch ganz anders beleuchtet wird, sieht man an meiner ständig wachsenden Sammlung von Foto-Negativbeispielen: Leuchten im Baumkronen, Kugelleuchten, Doppelleuchten, sich gegenseitig anstrahlende Leuchten, in Fenster strahlende Leuchten, tagsüber brennende Leuchten, Bodenleuchten…die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Einer der Gründe, warum wir trotz aller technischen Fortschritte – gut abgeschirmte, energiesparende Lampen lassen sich ja bereits in hunderten Ausführungen am Markt kaufen – nach wie vor so ineffizient beleuchten, ist meiner persönlichen Einschätzung nach das mangelnde Beleuchtungsmanagement in vielen Kommunen. Oft befasst man sich mit der Anschaffung neuer Lampen nämlich nur dann, wenn neue Gebiete erschlossen und beleuchtet werden müssen oder wenn die Lebenszeit älterer Lampen ausgelaufen ist – also unregelmäßig und immer mit Blick auf die einzelne Straße oder auf das einzelne Viertel. Ein modernes kommunales Beleuchtungsmanagement fehlt in vielen Städten dagegen völlig – in manchen Verwaltungen kennt man – und das ist kein Scherz – nicht einmal die genaue Anzahl der eigenen Straßenlampen, geschweige denn deren Standorte. Eine langfristige Planung, die die ganze Kommune im Blick behält, ist auf einer derartig unzureichenden Datenbasis aber nicht möglich. Sinkende oder steigende Bevölkerungszahlen, ein sich veränderndes Verkehrsaufkommen, neue Busfahrpläne oder Gründung und Schließung von Unternehmen mit Nachtbetrieb, können den Beleuchtungsbedarf in einer Straße, einem ganzen Viertel oder sogar nur an einer einzigen Straßenecke schleichend oder auch von einem Tag auf den anderen verändern. Wie aber erfährt die Verwaltung zeitnah von solchen Veränderungen, so dass die Beleuchtung vor Ort ebenso zeitnah umgestellt werden kann?

Lichtpunktkarte

Eine Lichtpunktkarte für den Ortsteil Förste in Osterode. (Grundkarte: Open Street Map, Lizenz: CC-BY-SA 2.0)

In unseren gemeinsamen Projekten mit Kommunen versuchen wir diesem Problem mit dem Aufbau eines fortlaufenden kommunalen Beleuchtungsmanagements zu begegnen. Hierfür werden sämtliche Lichtpunkte – wie im obigen Beispiel zu sehen – per GPS-Kartierung in einem Geoinformationssystem (GIS) erfasst und zugleich mit weiterführenden Angaben (Leuchtentyp, Mastzustand, Leuchtmittel, Verbrauch, nächster planmäßiger Leuchtmittelaustausch etc.) in einer verbundenen Datenbank hinterlegt. Mit Hilfe eines solchen GIS – wir verwenden hierfür übrigens die Open Source-Software QGIS – lassen sich gleichzeitig die Beleuchtungsbedürfnisse beurteilen, indem Daten zur Verkehrsdichte, zu Schulwegen, zu Bushaltestellen, zu Zebrastreifen, zu Unfallschwerpunkten etc. pp. ebenfalls erfasst und visualisiert werden. Liegen nun auch noch Informationen über die Straßengeometrie vor – also beispielsweise zur Höhe der Masten oder zu deren Abstand vom Straßenrand – hat man nicht nur alle Angaben beisammen, um sicher feststellen zu können, welcher (minimale) Beleuchtungsaufwand an einer bestimmten Stelle existiert, sondern verfügt zugleich auch über alle Daten für eine softwaregestützte Beplanung des Areals unter Einsatz von freier Software wie DIALux. Kombiniert man nun Datenbank, GIS und Planungssoftware mit einer regelmäßigen Aktualisierung der Datenbestände, verfügt man als Kommune – voilá – über ein ausgereiftes Lichtplanungs- und -managementsystem.

DIALux-Animation

Mit DIALux-erstellte Beleuchtungssimuation. (Grafik © Christian Reinboth, HarzOptics GmbH)

In diesem Kontext sei noch kurz auf die beiden Fragen eingegangen, die meinen Kollegen und mir im Rahmen der Einrichtung solcher Managementsysteme am häufigsten gestellt werden: Lohnt sich die Umrüstung auf LED-Beleuchtung? Und werden die Straßen durch weniger Beleuchtung (also z.B. durch geringere Helligkeit, Dimmbarkeit oder Nachtabschaltungen) nicht grundsätzlich unsicherer?

Zur ersten Frage – LEDs: LEDs eignen sich meiner persönlichen Einschätzung nach sogar sehr gut für die Eindämmung der Lichtverschmutzung – allerdings nur dann, wenn man sie richtig und mit Bedacht einsetzt. Grundsätzlich erfüllen sie alle der drei eingangs aufgestellten Bedingungen: Sie lassen sich genauer ausrichten, womit eine zielgerichtete und damit bessere Beleuchtung erleichtert wird, sie verbrauchen deutlich weniger Energie als andere Leuchtmittel (und lassen sich zudem noch stufenlos dimmen) und sie ziehen darüber hinaus weit weniger Insekten an, als dies bei anderen Leuchtmitteln der Fall ist (die Anlockwirkung von LED auf andere nachtaktive Lebewesen wurde bislang leider kaum untersucht). Die geringere Anlockwirkung erklärt sich übrigens offenbar dadurch, dass Insekten dank ihrer kürzeren Nervenbahnen das „Flackern“ getakteter Leuchten im Gegensatz zu Menschen umsetzen können und die Leuchten daher nicht als kohärente Lichtquellen wahrnehmen. Alles in allem lässt sich mit LEDs also energiesparend, insektenschonend und lichtsmogarm beleuchten – eine Erfahrung, die ich selbst schon in mehreren Projekten machen durfte. So war ich etwa vor einigen Jahren an der Entwicklung der unten zu sehenden LED-Straßenlampe beteiligt, die heute in Wernigerode und anderen Orten im Einsatz ist. Die beiden seitlichen Flügel können beliebig winkelverstellt werden, so dass der Lichtkegel unterhalb der Lampe in Abhängigkeit von Masthöhe und Mastabstand praktisch zentimetergenau auf die zu beleuchtende Fläche angepasst werden kann. In Wernigerode, wo mit diesen Lampen 2009 noch relativ neue Natriumdampflampen ersetzt wurden, konnte bei einer begleitenden Untersuchung der Wernigeröder Stadtwerke eine Energieeinsparung von 46,5% und eine hohe Zufriedenheit der Anwohner mit der neuen Beleuchtungssituation festgestellt werden.

LED-Straßenlampe

LED-Straßenlampen in der Marklingeröder Straße in Wernigerode. (Foto © Andreas Müller)

Löst sich das Problem der Lichtverschmutzung dank der LED also in Luft auf? Leider nein – denn obwohl die LED auf der einen Seite eine besonders lichtsmogarme Beleuchtung ermöglicht, ermöglicht sie auf der anderen Seite eben auch neue Beleuchtungsorgien bis dato unbekannten Ausmaßes. Da LEDs so wenig Energie verbrauchen und zudem so flexibel einsetzbar sind, kann man mit ihnen auf einmal viel mehr, viel länger und viel heller beleuchten, als dies mit herkömmlichen Leuchtmitteln der Fall war. Das Spektrum der neuen Möglichkeiten reicht vom „Flak-Scheinwerfer“ auf dem Dach der Dorfdiskothek über die ganze Nacht hindurch beleuchtete Plakatwände und Werbeschilder bis hin zur Beleuchtung kompletter Hochhausfassaden. Hinzu kommen zahlreiche sogenannte “Lichtkunst-Installationen”, die – sofern sie nicht nur temporär betrieben werden – ebenfalls erheblich zur allgemeinen Lichtverschmutzung beitragen. Unterm Strich muss man daher leider konstatieren, dass die LED leider eher zu mehr als zu weniger Lichtverschmutzung geführt hat – ein geradezu klassisches Beispiel für den sogenannten Rebound-Effekt aus der Umweltökonomie: Weil eine neue Technik weniger Energie verbraucht, wird auch weniger auf deren Energieverbrauch geachtet, der in der Folge ansteigt.

Zur zweiten Frage – der nach der Sicherheit: Als ein Tier, welches sich primär visuell orientiert, fühlt sich der Mensch grundsätzlich in Umgebungen sicherer und damit wohler, die er gut überblicken kann. Rein instinktiv fühlen wir uns daher in einer hell beleuchteten Außenumgebung sicherer, als in einer dunklen oder weniger hell beleuchteten Umgebung – aber sind wir es auch? So gut wie alle bisher zu dieser Frage durchgeführten Untersuchungen kommen zum gleichen Ergebnis: Weniger Beleuchtung führt weder zu mehr Verbrechen noch zu mehr Unfällen – sie führt kurioserweise allerdings auch dazu, dass die meisten Anwohner meinen, es käme zu mehr Verbrechen und Unfällen. Gezeigt hat sich dies unter anderem 2007 in der Stadt Rheine, die aus Kostengründen eine sogenannte Nachtabschaltung – eine totale Deaktivierung aller Lampen zwischen 1:00 und 3:30 Uhr in der Nacht – einführen musste und die das Vorhaben durch die dort angesiedelte Fachhochschule der Polizei begleiten ließ. Das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen: 72.000 Euro eingesparte Energiekosten und 420 t weniger in der kommunalen CO2-Bilanz – und das bei gleichzeitig stabilen Verbrechens- und Unfallzahlen. Eine ebenfalls durch die FH durchgeführte Befragung der Anwohner ergab aber auch, dass viele Befragte der Ansicht waren, ihre Straße sei durch die Nachtabschaltung deutlich unsicherer geworden und dass es seitdem häufiger zu Straftaten und Unfällen käme. Obwohl die Abschaltung objektiv betrachtet nur als Gewinn für die Kommune bezeichnet werden kann – eingespartes Geld und positive Umwelteffekte bei gleichzeitig nicht verringerter Sicherheit – führte die Unzufriedenheit der Einwohner in den Folgejahren dazu, dass die Beleuchtung wieder eingeschaltet wurde. Sozusagen der „Gegeneffekt“ wurde 2004 im Rahme einer Studie des britischen Innenministeriums nachgewiesen: Die Installation einer besonders hellen Straßenbeleuchtung im Londoner Stadtteil Wandsworth führte über mehrere Jahre weder zu einer Reduktion der Straftaten noch zu einer Abnahme an Verkehrsunfällen. Doch auch hier zeigte sich der psychologische Effekt: Viele der befragten Anwohner gaben zu Protokoll, ihr Viertel sei durch die hellere Beleuchtung schon spürbar sicherer geworden.

Man sieht also: Es gibt hohe psychologische Hürden, die auf dem Weg zu einer besseren Beleuchtung erst einmal überwunden werden müssen. Wie hoch diese Hürden manchmal liegen, zeigt das Beispiel Goslars. Dort sollte vor fünf Jahren aus Kostengründen eine Nachtabschaltung eingeführt werden, der eine minutiöse Vorbereitung durch die Verwaltung vorausging. Unter anderem wurde in sämtlichen benachbarten Kommunen, die aus Spargründen bereits ihre Beleuchtung herunterfahren mussten, nach Veränderungen in den Einsatzzahlen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten gefragt – mit dem Ergebnis, dass es nirgendwo zu Auffälligkeiten gekommen ist. Dennoch liefen Teile der Einwohnerschaft und des Stadtrates so lange Sturm gegen die Idee, bis sie aufgegeben und neues Sparpotential an anderer Stelle gesucht werden musste.

Teil 3: Der Harz als Sternenpark?

In Vorträgen, in denen ich die Zeit dafür habe, mache ich abschließend gerne noch etwas Werbung für den Harz als astrotouristisches Ausflugsziel. Tatsächlich gehört der Harz zu den letzten acht Arealen in Deutschland, in denen ein noch fast natürlich dunkler Nachthimmel vorgefunden werden kann, wie diese Aufnahme der Milchstraße über Sankt Andreasberg von Michael Schomann eindrucksvoll belegt. Im Bild ebenfalls zu sehen – als orangefarbener Schimmer am linken unteren sowie am rechten unteren Bildrand – sind übrigens die beiden Lichtglocken von Braunlage und Nordhausen.

Milchstraße

Blick auf die Milchstraße von Sankt Andreasberg aus. (Foto © Michael Schomann)

Tatsächlich ist der Himmel insbesondere über dem Oberharz noch so dunkel – eine Klasse 2 auf der Bortle-Skala – dass der Harz eines Tages sogar zu einem „Dark Sky Park“ – einem Sternenschutzpark – zertifiziert werden könnte. Diese hohe Auszeichnung wird durch die International Dark Sky Association weltweit an Gegenden – meist ausgewiesene Naturschutzgebiete – verlieren, in denen man nicht nur noch einen dunklen Nachthimmel genießen kann, sondern in denen sich Kommunalpolitik und Bürger auch der Bewahrung des Kulturguts „Nachthimmel“ verschrieben haben. Weltweit gibt es derzeit etwa 50, in Deutschland immerhin schon ganze drei solcher Sternenparks: Den Naturpark Westhavelland, den Nationalpark Eifel und das Biosphärenreservat Rhön.
Erfreulicherweise erfüllt auch der Harz viele Grundvoraussetzungen für eine solche Zertifizierung: Der Himmel ist dunkel, rund um Einrichtungen wie die Sternwarte Sankt Andreasberg und das Planetarium Wernigerode existiert eine lebendige Astro-Community mit vielfältigen Bildungsangeboten für die breite Öffentlichkeit – und mit dem Nationalpark Harz gibt es sogar eine an der Thematik durchaus interessierte Institution, die für die Trägerschaft in Frage käme. Wenig Interesse zeigen – zumindest bislang – allerdings die Kommunen vor Ort, die derzeit nur begrenzt bereit sind, die Möglichkeiten der Nutzung von Licht für touristische Zwecke einzuschränken.

Zu einem Problem könnte sich perspektivisch vor allem die Beleuchtung von Skipisten mit Flutlicht und einer auf Schnee natürlich besonders starken Reflexion nach oben entwickeln, wie sie derzeit etwa am Skigebiet Wurmberg bei Braunlage geplant (aber noch nicht realisiert) ist. Für die Bemühungen um eine Sternenpark-Zertifizierung sind solche – im Falle von Braunlage schon seit vier Jahren – genehmigten, aber noch nicht umgesetzten Projekte natürlich ein großer Hemmschuh, da man vor Bauabschluss nicht wissen kann, ob die Beleuchtung einigermaßen umweltverträglich umgesetzt wird, oder ob es in einigen Jahren im Harz so aussieht wie auf diesen beiden (zusammenmontierten) Fotos von Christoph Ries, die das bayerische Skigebiet am Wendelstein einmal mit ein- und einmal mit ausgeschalteter Pistenbeleuchtung zeigen. Im Sinne der Bewahrung des Kulturguts „Nachthimmel“ im Harz, hoffe ich jedenfalls, dass uns solche Lichtorgien auch in Zukunft erspart bleiben. Und über den „Sternenpark Harz“ reden wir dann vielleicht in ein paar Jahren noch mal…

Wendelstein

Durch beleuchtete Skipisten verursachte Lichtverschmutzung am Wendelstein. (Fotos © Christoph Ries)

Kommentare (32)

  1. #1 Joseph Kuhn
    8. März 2017

    Interessanter Beitrag. Auf La Palma hat man wegen der Europäischen Nordsternwarte schon vor 30 Jahren ein “Himmelsgesetz” erlassen, um die Lichtverschmutzung einzudämmen. Der Sternenhimmel dort ist ein Erlebnis.

  2. #2 ThoSou
    8. März 2017

    Kleine Korrektur:
    “Quecksilberdampflampen – das sind die Lampen mit dem gemütlich-orangefarbenen Licht ”
    Das sind die Natriumdampflampen die mit 589nm schön gelb leuchten.

  3. #3 Christian Reinboth
    8. März 2017

    @Joseph Kuhn: Vielen Dank! Ja, Spanien ist in Sachen Lichtsmog-Gesetzgebung definitiv schon weiter als wir – wie beispielsweise auch Italien und Slowenien. Aber was nicht ist, kann ja noch werden…

    http://www.home.uni-osnabrueck.de/ahaenel/darksky/gesetz.html

  4. #4 Christian Reinboth
    8. März 2017

    @ThoSou: Stimmt – völliger Blödsinn. Habe ich gleich um einen Korrekturhinweis ergänzt – vielen Dank für den Hinweis!

  5. #5 Alderamin
    9. März 2017

    Danke für den Artikel. LEDs sind meiner Ansicht nach die Pest der Beleuchtungstechnik. Ja, sie sind sparsam und dimmbar, aber die Weißlicht-LEDs haben ein breites, fast kontinuierliches Spektrum, das sich nicht so leicht filtern lässt, wie Quecksilber- oder gar Natriumdampflampen (die auch schon vergleichsweise sparsam waren). Sie haben zudem meist einen hohen Blauanteil, der mit OIII und H-Beta kollidiert (und auch Insekten anlockt; es gibt sicherlich geeignetere LED-Typen, nur sehe ich die nirgends im Betrieb, sondern nur die kaltweißen, die am hellsten sind).

    Am allerschlimmsten sind aber die großen Werbebildschirme, die ihr ganzes Licht zur Seite strahlen, wo es den Dunst aufhellt. Wir haben zwei solcher Bildschirme in 3 bzw. 4 km Entfernung, die nachts nicht einmal von Tageshelligkeit herunter gedimmt werden. Die machen bei leicht dunstigem Wetter auf dem nahe gelegenden Feld zwischen unserem und dem Nachbardorf den Himmel bis fast zum Zenit im Nordosten und Süden unbrauchbar. Es gab neulich mal eine Messung der Quellen der Lichtverschmutzung in Wien, da war nur 1/3 auf die Straßenbeleuchtung zurück zu führen, 1/3 waren Gebäudebeleuchtungen und 1/3 Werbebeleuchtung, wenn ich mich recht entsinne. Selbst wenn wir die Straßenbeleuchtung abschalten würden, blieben 2/3 der Lichtverschmutzung erhalten, und die dürfte dank LED-Technik zukünftig noch zunehmen, wenn die Innenstädte demnächst aussehen wie kleine Times- oder Picadilly-Squares. Es bräuchte dringend eine Regulierung für Werbebeleuchtung, aber die Regierung interessiert sich einen feuchten Kehricht für den Nachthimmel, wie mehrere gescheiterte Petitionen gegen Beamer zeigen. Allenfalls lokale Erfolge werden erzielt. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Leider.

  6. #6 SkeptikSkeptiker
    Randpolen
    9. März 2017

    Ich erinnere mich an die herrliche Nächte in Nepal am Annapurna im letzten Herbst, als ich mit meiner SR nach einer halben Minute die Milchstraße über den Gletschergipfel und dahinter tiefschwarzer Himmel “abgelichtet” habe, und natürlich auch mal eines der mittlerweile beliebten Zeitraffervideos… 2h -> 20s
    Im Isergebirge (Grenzgebirge Polen/Tschechien – östlich von Sachsen – ausgedehntes Langlaufgebiet :-)) ist man auch dabei, einen Sky-Park einzurichten, man google “Izerska oblast tmave oblohy” – bei mir praktisch um die Ecke….

  7. #7 Existenzquantor
    9. März 2017

    Komisch, die Beleuchhtung trägt wesentlich zur subjektiven Sicherheit der Bevölkerung bei. Dies abschaffen zu wollen, kann doch nicht im Sinne der CDU sein, dies hieße ja, Kriminalität gutzuheißen, oder?

    Insgesamt ein Beitrag mit der Note 6 Minus, nur Gelaben, keine Kenntnis, einfach nur interessengesteuert ohne Wissen.

  8. #8 Laie
    9. März 2017

    Sehr guter und ausführlicher Artikel, danke!

    @Alderamin
    Sie haben vollkommen recht, der Blauanteil der LED-Leuchtmitteln stellen ein enormes Problem dar.

    Mich wundert, warum Wien da nicht aktiv wird, da ja in Wien die Grünen mit in der Regierung sitzen, und daher auf Umweltthemen, wie die Lichtverschmutzung doch eher reagieren müsste?

    Oder sind die nur noch im Namen grün?

    Wenn die EU es schon schafft, die Glühbirnen abzuschaffen, die genau das beschriebene Problem verhindern, da sie keinen (hohen) Blauanteil haben (danke EU), dann erkennt man, dass von der EU hier auch nichts Positives zu erwarten ist.

  9. […] die Milchstraße gesehen haben, halte ich für einen Skandal, und deshalb in ich mehr als fro, dass Christian Reinboth einen so guten und ausführlichen Artikel über Lichtverschmutzung geschrieben hat. Ich frage mich immer wie Lokalpolitiker ihren Kinder erklären was Sterne sind und warum so […]

  10. #10 Alderamin
    10. März 2017

    @Laie

    Glühlicht als Straßenbeleuchtung zu verwenden, wäre der komplette Wahnsinn, weil die 90% des Stroms in Wärmestrahlung umsetzen.

    Und die EU hat nichts mit der Beleuchtungsorgie in Deutschland zu tun. Auch wenn es in gewissen Kreisen ungemein beliebt ist, nationales Versagen auf die EU zu schieben. Die Alternative zu den Regeln der EU wären wieder in jedem Land verschiedene Vorschriften für den Warenverkehr, die erlassen würden um die eigene Industrie zu schützen. Im Endeffekt würde das für die Firmen zu einem großen Aufwand führen, die Vorschriften für alle möglichen Märkte umsetzen zu müssen, und die Prüfung der Einhaltung dieser Vorschriften würde bei weitem mehr Verwaltungsaufwand verursachen, als dies in der EU der Fall ist. Im Endeffekt würde dann alles teuerer werden. Die Briten werden das in den nächsten Jahren eindrucksvoll demonstrieren, das Gejammer dort wird noch groß sein, die Brexiter werden es allerdings auf alles mögliche schieben, nur nicht den Brexit.

    Wenn das Wiedereinführen nationaler Grenzen und Regeln gut wäre, dann müsste es dieser Logik folgend noch besser sein, Deutschland wieder in Herzogtümer aufzuteilen und an jeder Burg am Rhein Zoll zu kassieren. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum auf diesen Staatenbund, der uns so lange Frieden und Wohlstand gebracht wird, herumgehackt wird. Unpopuläre und manchmal unsinnige Entscheidungen gibt es wohl, aber die gibt’s national doch nicht minder (gerade kam wieder was über die blödsinnige Maut im Radio). Als wenn ein nationaler Alleingang daran irgendetwas ändern würde.

  11. #11 CM
    10. März 2017

    Komisch, die Beleuchhtung trägt wesentlich zur subjektiven Sicherheit der Bevölkerung bei. Dies abschaffen zu wollen, kann doch nicht im Sinne der CDU sein, dies hieße ja, Kriminalität gutzuheißen, oder?

    @Existenzquantor: Bitte nochmal lesen und drüber nachdenken. Hinweis: “subjektive Sicherheit” != evidente sicherheitsrelevante Vorkommnisse != festgestellte kriminelle Handlungen. Der Artikel spricht den Aspekt im Übrigen ebenso differenziert and wie vergangene spezifische Posts meines Namensvetters. Und: Ja, die Politik unternimmt zu wenig. Nur: Wer ist “die Politik”? Wir alle sind Staatsbürger und können unsere Stimme erheben. Wenn wir das ahnungslos und laut tun, dienen wir unserer Sache jedoch wenig.

    (Und nicht jeder kann sich überall engagieren. Kommentieren eines Threads ist billig, doch wirkliches Engagement kommt im Zeitbudget sehr teuer, insb. wenn man berufstätig ist und Familie hat – auch das sollten Kritiker (ich eingeschlossen) stets bedenken.)

    Insofern finde ich die wiederholte Thematisierung der Lichtverschmutzung gut und wichtig und hoffe, dass sie aus dem Schattendasein (verzeiht das Wortspiel) herauskommt.

  12. #12 CM
    10. März 2017

    @Aldemarin: danke für #9!

  13. #13 Frank Hill
    Jena
    10. März 2017

    Die LED werden im Moment ziemlich gehypt- meiner Meinung nach in diesem Falle zu Unrecht.
    Es ist festzuhalten: Selbst kaltweisse LED (die effizientesten weißen LED die es gibt) liefern im praktischen Betrieb nur etwa 100 lm/W (in warmen Sommernächten weniger), Na-Dampf-Hochdrucklampen (high-pressure sodium vapor lamps –HPS-) hingegen ziemlich konstant 200 lm/W.
    D.h. die “Energieeinsparung” bei LED in der Strassenbeleuchtung ist lediglich der Abstrahlcharakteristik, die bei HPS annähernd kugelförmig (ca. 12 sr), bei LED gerichtet (typische Werte ca. 0,3 sr) ist, geschuldet.
    Um die energetischen Vorteile der LED voll auszunutzen zu können, ist also zumindest die Ausrüstung eines vorhandenen Leuchtenmasts mit einem neuen, flächigen Leuchtenkopf erforderlich. Die Naxchrüstung vorhandener Leuchten mit sog. “Refit”- LED- Leuchtmitteln in einem für Rundstrahler designtem Leuchtenkopf bringt kaum energetischen Vorteile.
    “Kaltweisses” LED- Licht wird keinesfalls als “angenehm” empfunden- weder von den Anwohnern, noch von den Straßenbenutzern (auch wenn das in der Presse von den LED- Apologeten so kommuniziert wird). Jena ist da warnendes Beispiel: Hier wurde überfallartig ein Großteil der HPS durch LED ersetzt, die Reaktion der Anwohner war entsprechend (googeln nach Jena+ Strassenbeleuchtung+ LED bringt entsprechende Reaktionen). Ein mir bekannter Chirug äusserte sich dahingehend, dass er unter einer LED- Strassenlaterne zwar problemlos operieren könnte, aber nur sehr ungern Fahrrad fährt- es ist eine enorme Belastung für die Augen….
    Zur Lichtverschmutzung:
    Weisses LED- Licht wird durch seinen Blauanteil stärker gestreut als das gelbe Licht der HPS. D.h., bei sonst gleicher Ausleuchtung erzeugt LED- Licht eine stärkere Lichtglocke als HPS. Das ist in Jena ebenfalls visuell sehr schön nachvollziehbar: Ich benutze in Jena zwei Beobachtungsstandorte, einen relativ stadtnah, einen am Stadtrand, wobei ein Berg das direkte Licht der Stadt ausblendet.
    Im Winter waren unter normalen Sichtbedingungen mit HPS- Beleuchtung von beiden Standorten aus mit bloßem Auge die Plejaden immer problemlos erkennbar, Theta Orionis im „Schwertgehänge“ des Orion meist auch, vom Stadtrand aus auch eine Andeutung des Orionnebels. Nach Austausch der HPS gegen kaltweisse „Refit“-LED- Lampen war Theta Orionis von beiden Beobachtungsstandorten aus nicht mehr zu sehen, die Plejaden nur noch vom Stadtrand aus.
    Mit dem „Reiseteleskop“ (Telementor mit AS 63/840) und einem UHC- Filter waren im Winter HPS – Beleuchtung auch vom stadtnahen Standort aus viele Deep-Sky- Objekte (Andromedanebel, Orionnebel, Rosettennebel, Eskimonebel, bei trockener Luft auch der Krebsnebel) relativ gut beobachtbar- nach dem Austausch der HPS durch LED selbst vom Stadtrand aus nur noch M31, der Eskimonebel und der große Orionnebel, besonders letzterer auf relativ hellem Untergrund und ziemlich kontrast- und konturlos.
    La Palma weiss schon, warum sie bei ihren HPS bleiben und sie nur abblenden…
    BTW: LED scheinen äusserst schädlich für Insekten (Pawson, S. M. and Bader, M. K.-F. (2014), LED lighting increases the ecological impact of light pollution irrespective of color temperature. Ecological Applications, 24: 1561–1568. doi:10.1890/14-0468.1) und auch für Fledermäuse (Stone, E. L., Jones, G. and Harris, S. (2012), Conserving energy at a cost to biodiversity? Impacts of LED lighting on bats. Glob Change Biol, 18: 2458–2465. doi:10.1111/j.1365-2486.2012.02705.x) zu sein. Ist aber nicht mein Fachgebiet, ich kann das nicht wirklich einschätzen. HPS sind übrigens, wie alle Entladungslampen, auch „getaktet“, die 50 Hz bleiben keiner Entladungslampe am Lichtnetz erspart….

  14. #14 Christian Reinboth
    10. März 2017

    @Existenzquantor:

    1) Subjektive Sicherheit ist etwas ganz anderes als objektive Sicherheit. Ja, nächtliche Beleuchtung steigert die subjektive Sicherheit – aber eben nicht die objektive Sicherheit. Genau das ist ja der springende Punkt.

    2) Die offizielle Position der CDU zum Thema Lichtverschmutzung wurde bereits 2009 durch die wissenschaftspolitischen Sprecher/innen der 16 Landtagsfraktionen formuliert. Leider wird sie nach wie vor kaum konsequent durchgesetzt.

    https://www.derwesten.de/politik/cdu-will-freien-blick-auf-die-sterne-id424244.html

    Insgesamt also maximal eine 4+ für Ihren Kommentar, da unzureichend recherchiert. 😀

  15. #15 Laie
    10. März 2017

    @Alderamin
    Ich schätze Deine Beiträge sehr und erkenne die gute Absichten, danke dafür!

    Bei der Lichtverschmutzung war in Deinem Beitrag #5 zu lesen, dass 1/3 durch die Beleuchtung in Haushalten
    verursacht wird. Dieses Drittel war früher Glühlampen-betrieben, und ist heute meist LED betrieben, wodurch viel mehr Nachtfalter und viele Insekten orientierungslos
    gebunden den Tod finden.

    Das weitere Drittel ist durch die Ausweitung der Reklame zu sehen, die auch sehr stark im Blaulicht-Bereich
    strahlt.

    Bei der Strassenbeleuchtung war von einem anderen Kommentator zu lesen, dass blaues Licht stärker streut.

    Wie könnte man die Bereiche verbessern? Meine Ideen dazu:

    1. Gebäudebeleichtung
    Zulassen von Glühbirnen im Privaten Bereich (nicht bei der Strassenbeleuchtung), sodass Schlafstörungen vermieden werden, und nachtaktive Insekten durch Fehlen von Blaulicht nicht mehr gestört werden. Unbestritten der Tatsache, dass Glühlampen einen geringen Wirkungsgrad haben.

    2. Reklame:
    Verordnungen, die sicherstellen, dass Blaulicht limitiert ist, bzw. die Lichtmenge insgesamt beschränkt sein muss.

    3. Strassenbeleuchtung:
    Die von allen dargebotenen Vorschläge, wie reduzierter Abstrahlwinkel in Kombination von Blaulichtfiltern.
    (Glühbirnen für die Strassenbeleuchtung würde ich nicht vorschlagen, das wäre unsinnig)

    Wenn getaktete Lichtquellen helfen, dann untersuchen, welche Frequenzen sich hierfür eignen und umsetzen.
    Offensichtlich sind der 100 Hz Lichttakt, den alte Quecksilber- und Natriumdampflampen bereits schon haben, nicht im richtigen Frequenzbereich, denn anderfalls würden die Insekten nicht davon angezogen werden.

  16. #16 Pddow
    12. März 2017

    Dann hier auch mal ein Kommentar von der anderen Seite, nicht als Nutzer sondern als Betreiber.
    Der Königsweg zwischen “Sicherheit” auf den Straßen und Sichtbarkeit des Nachthimmels ist natürlich ausgesprochen schwer findbar.
    Wir haben einen Sternenpark in der näheren Nachbarschaft aber auch eine Altstadt die es (wirklich) wert ist gesehen zu werden.
    Die Gebäudeanstrahlung schalten wir gegen Mitternacht ab. (weniger Menschen auf der Straße – kaum Beitrag zur subjektiven Sicherheit)

    Die wesentlichen Vorteile von LEDs gegenüber konventionellen Leuchten liegen zum einen in der höheren(oder gleichwertigen) Lichtausbeute und vor allem in der Wartungsfreundlichkeit.
    Höhere Lebensdauer – automatische Meldung bei Defekten.
    Die konventionellen Lampen müssen alle vier Jahre gewechselt werden. (vier Jahre sind 16.000 Betriebsstunden).

    Je kälter die Lichtfarbe einer LED ist, desto effizienter ist diese. In der Straßenbeleuchtung hat sich bei renommierten Herstellern ie Lichtfarbe von 4.000 Kelvin durchgesetzt.

    Eine Änderung der Beleuchtung bringt immer Ärger mit sich. (ich spreche da aus Erfahrung)
    Der Wechsel von weißem Quecksilberdampf auf Natriumdampf (gelb) gab einen Aufschrei. Und wenn stellenweise von Natriumdampf auf LED gewechselt wird wieder das selbe.
    Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier.

    Gegen Lichtverschmutzungen gibt es Verordnungen die auch einzuhalten sind.

  17. #17 Alderamin
    12. März 2017

    @Laie

    Ich habe noch einmal nach einem Artikel über die Untersuchungen in Wien gesucht und diesen gefunden:

    http://diepresse.com/home/panorama/wien/5170726/Lichtsmog_Wien-soll-wieder-dunkler-werden

    Darin steht: 1/3 Straßenbeleuchtung, 1/3 Werbung, 1/3 Himmelsstrahler (angestrahlte Gebäude). Die Glühbirnen in Wohungen spielen keine Rolle, deren Licht bleibt weitgehend drinnen (ich habe übrigens selbst aus wirtschaftlichen Gründen diejenigen Glühbirnen, die am meisten zu Hause benutzt werden, gegen gar nicht mehr so teuere LED-Leuchtmittel ausgetauscht, das spart mehr an Stromkosten als die Lampe selbst mehr als eine alte Glühbirne kostet, die auch noch weniger lange hält). Die alten Glühbirnen machen finanziell heute keinen Sinn mehr. Die warmweißen LEDs sind auch ästhetisch vergleichbar.

    Was Sinn machen würde, wäre ein Verbot, private Gebäude anzustrahlen (wird immer mehr Mode; sogar unser Vermieter tut das; es seien ja seine Kosten, sagt er). Öffentliche Gebäude sollten nach 23 Uhr nicht mehr angestrahlt werden. Und Geschäfte und Werbetafeln nicht mehr nach 24 Uhr beleuchtet sein. Die Straßenbeleuchtung kann dann durchgängig betrieben werden; wenn sie abgeschirmt und nach unten gerichtet ist, macht sie den kleinsten Teil der Lichtverschmutzung aus.

  18. #18 Laie
    15. März 2017

    @Alderamin
    Über das Nachlassen der Lichtleistung schweigen sich die Hersteller aus. Die anfängliche Leuchtstärke lässt leider stark nach. Die Umweltkosten der Herstellung sind auch bei Glühbirnen besser.

    Für den Hausbereich bin ich persönlich für einen Mischung aus den Möglichkeiten – je nach Bedarf. Für den gemütlichen Abend: Glühbirnen. Für das Arbeiten: LEDs oder derzeit besser noch Leuchtstoffröhren, da diese (derzeit) mehr Lichtstrom abgeben. (die haben auch 75% bis 80%Abwärme).

    Das diktatorische Verbieten der Glühbirnen im privaten Haushalt ist jedenfalls undemokratisch und falsch.

    Dem Verbot, unnötig Gebäude anzustrahlen zu verbieten, kann ich mich anschließen.

  19. #19 Alderamin
    15. März 2017

    @Laie

    Über das Nachlassen der Lichtleistung schweigen sich die Hersteller aus.

    Tun sie das? http://www.leds.de/LED-Lebensdauer/

    Das diktatorische Verbieten der Glühbirnen im privaten Haushalt ist jedenfalls undemokratisch und falsch.

    Ihre Verwendung ist ja gar nicht im privaten Haushalt verboten. Nur die Produktion von solchen mit hoher Leistung ist es. Ich habe noch ein paar 60W-Birnen im Keller gebunkert, hauptsächlich weil die LEDs anfangs so teuer waren und ich mich nicht an die Energiesparlampen gewöhnen konnte. Der Betrieb der Glühlampen ist nicht verboten; allerdings werde ich sie wohl nicht mehr verwenden. Ich habe hier am Schreibtisch eine total gemütliche, warmweiße Philips-LED von 6 W in Betrieb, deren Licht von Glühlicht mit bloßem Auge kaum zu unterscheiden ist.

    Regeln darüber, was produziert werden darf und was nicht, gibt’s im übrigen Millionen. Und was heißt schon “undemokratisch” – wir haben eine repräsentative Demokratie. Wenn man den Bürger wegen jeder Kleinigkeit fragen würde, was gäbe das für ein Chaos. Wenn jetzt wieder die Kritik an der EU kommt – die ist schon in der Grundfunktion als Freihandelsgemeinschaft genau dazu da, solche Bestimmungen zu treffen (gemeinsame Standards für die Industrie der Mitgliedsstaaten). Über solche Standards stimmt die Bevölkerung meines Wissens nach nie ab.

    Dem Verbot, unnötig Gebäude anzustrahlen zu verbieten, kann ich mich anschließen.

    Wäre dann aber auch nicht demokratischer… 😉

  20. #20 Laie
    16. März 2017

    @Alderamin
    Naja, das wäre blos Schadensbegrenzung der ursprünglichen diktatorischen Entscheidung – manchmal ist Schadenbegrenzung in der zeitlichen Reihenfolge als erster Schritt ja nicht so falsch! :)

    Es gab ein Verkaufsverbot, man kann keine 100W Birnen mehr kaufen, auch keine 60W Birnen mehr, obwohl in China diese nach wie vor erzeugt werden.

    Gäbe es das Verkaufsverbot nicht, so könnten kluge chinesische Geschäftleute ihre Glühbirnen ja bei uns anbieten, sie tun es aber nicht.

    LEDs haben einen kleinen aber nicht unerheblichen technologischen Nachteil. Wer große Helligkeit will, muss sie mit hohem Strom betreiben, wodurch sie sich Erwärmen. Erwärmung ist aber der Grund für vorzeitige Alterung. Helligkeit und Langlebigkeit sind gleichzeitig bei Beleucht nicht möglich.

    Wer seine LED-Lampen mit einem Zehntel der offiziell angegebenen Leistung betreibt kommt ungefähr in die Nähe der von Herstellern angegebenen Produktlebensdauer.

    Wenn die EU so toll wäre, warum konnte sich dann die deutsche Chemische Industrie durchsetzen – sodass genau nichts gekennzeichnet werden muss, das den Konsumenten über giftige Hilfs- und Verarbeitungsstoffe informieren würde? Nana, die EU ist alles andere als demokratisch!

  21. #21 Mario
    Illnau
    17. März 2017

    Passen dazu gibt es eine App namens “Verlust der Nacht” welche die Lichtverschmutzung zu quantifizieren versucht.

  22. #22 Alderamin
    17. März 2017

    @Laie

    Es gab ein Verkaufsverbot, man kann keine 100W Birnen mehr kaufen, auch keine 60W Birnen mehr, obwohl in China diese nach wie vor erzeugt werden.

    Richtig, aber man darf sie noch benutzen, wenn man sie hat oder sich aus dem Ausland bestellt.

    LEDs haben einen kleinen aber nicht unerheblichen technologischen Nachteil. Wer große Helligkeit will, muss sie mit hohem Strom betreiben, wodurch sie sich Erwärmen. Erwärmung ist aber der Grund für vorzeitige Alterung.

    Das Problem ist wohl eher, dass man ihre Speisespannung in der Glühlampe heruntertransformieren muss, was eine Menge Wärme freisetzt. Der Trafo scheint mir eher kaputt zu gehen, als die Lampe selbst (ich hatte das zweimal bei no-name-LEDs aus dem Baumarkt; an der falschen Stelle gespart). Der ist aber auch nur eine Krücke, wenn man die alten E27- und E14-Schraubanschlüsse weiter verwenden möchte. Wenn man Leuchten mit einem vernünftigen externen Trafo installiert, stellt sich das Problem nicht.

    Wer seine LED-Lampen mit einem Zehntel der offiziell angegebenen Leistung betreibt kommt ungefähr in die Nähe der von Herstellern angegebenen Produktlebensdauer.

    Halte ich ohne Beleg für übertrieben. Außerdem nimmt sich die Lampe an Strom, was sie braucht, da müsste man schon einen Dimmer vorschalten.

    Wenn die EU so toll wäre, warum konnte sich dann die deutsche Chemische Industrie durchsetzen – sodass genau nichts gekennzeichnet werden muss, das den Konsumenten über giftige Hilfs- und Verarbeitungsstoffe informieren würde?

    Wegen des Lobbyismus der Industrie bei unseren nationalen Politikern? Wer hat denn in der EU so dafür gekämpft, dass Hersteller großer Luxuskarossen mehr CO2 ausstoßen dürfen? Am Ende gibt’s aber auch gelegentlich mal die rote EU-Karte, z.B. wenn deutsche Städte die Feinstaub-Vorgaben nicht einhalten. Leider zuckt das Verkehrsministerium da gerne mit den Schultern und empfiehlt den Städten, doch Fahrverbote auszusprechen, die es nachher wieder kritisiert. Die EU für solch Eiertänze verantwortlich zu machen, übersieht die Hintergründe.

    Nana, die EU ist alles andere als demokratisch!

    Die EU ist ein Staatenbund, der sich gemeinsame Regeln aufgestellt hat. Die wichtigsten Entscheidungen treffen die gewählten Staatsoberhäupter. Mir persönlich wäre es ja auch lieber, wir hätten eine ordentlich gewählte europäische Regierung, die für alle länderübergreifenden Fragen verantwortlich wäre (z.B. für so was wie eine gemeinsame Außenpolitik oder die innereuropäische Verteilung von Flüchtlingen), aber die nationalen Regierungen lassen sich nur ungerne die Butter vom Brot nehmen.

    Die Alternative, jeder wurschelt für sich alleine, wäre jedenfalls eine Katastrophe. Wenn dereinst die Populisten siegen sollten, wird es auch wieder Krieg zwischen den europäischen Völkern geben. Wie man die Menschen gegeneinander aufstachelt, haben sie uns in den letzten Jahren eindrucksvoll gezeigt. Hatte ich als Jugendlicher noch nicht verstanden, wie die Nationalsozialisten je an die Macht kommen konnten, ist mir das heute völlig klar (ich habe es verstanden, allerdings dennoch keinerlei Verständnis dafür). Wie schnell sich der Ton zwischen den Nationen verschärfen kann, lesen wir derzeit täglich in der Zeitung. Wenn man zwei solche Spinner auf gegenerischen Seiten hätte, wäre der erste Schuss schnell gefallen. Die letzten 72 Jahre Frieden in (EU-) Europa sind die Ausnahme, nicht der Normalfall. Daher ist mir eine schlechte EU immer noch lieber als gar keine.

  23. #23 Laie
    17. März 2017

    @Alderamin
    Ich denke, die EU-Bürger haben kein Interesse an Kriegen, daher würden sie sich auch nicht zu Kriegen gegeneinander aufstacheln lassen. Die Behauptung, dass nur wegen der EU Frieden herrsche halte ich für übertrieben. Problematisch sind die vielen Lobbyistenvereine, wie Bankenlobby, die nun bestimmen, welche Politik die EU tatsächlich betreibt, nämlich nicht zugunsten der Bürger!

    LEDs sind Dioden und haben die Eigenschaft sich bei Stromfluss zu erwärmen. Erwärmte Halbleiter leiten den Strom besser, wodurch es zu einer weiteren Erwärmung kommt, bis bei einer Fixspannung eine Überhitzung eintritt. LEDs benötigen daher eine Konstantstromquelle, sodass es nicht zu einer Überhitzung kommt – ein Trafo alleine ist keine Konstantstromquelle. LEDs müssen auch auf ausreichend große Kühlkörper montiert werden, damit die Lebensdauer- zerstörende Wärme abgeleitet wird, was bei den alten Fassungen für Hochleistungs-LEDs nicht gut möglich ist. Die Industrie liefern fix und fertige Regulations-Chips, die nicht nur die LEDs schützen, sondern auch die Energie effizient, mit wenigen Umwandlungsverlusten umsetzen.

  24. #24 Alderamin
    17. März 2017

    @Laie

    Ich denke, die EU-Bürger haben kein Interesse an Kriegen, daher würden sie sich auch nicht zu Kriegen gegeneinander aufstacheln lassen.

    Hatten sie das denn 1939? Wie das geht, bekommen wir doch live vorgeführt. Erst installiert man sich genehme Richter und Militärs, dann unterdrückt man die freie Presse und macht mit gleichgeschalteten regierungsnahen Presse Propaganda für die eigene Partei, so dass man eine große Mehrheit im Parlament bekommt, dann entmachtet man das oberste Gericht, verfolgt die Opposition, und dann fehlt nur noch eine Fake-News, damit man einen Grund zum Zurückschießen hat.

    Ich habe ja auch mal gedacht, so blöde kann doch keiner sein, das nicht zu durchschauen, aber in der Türkei passiert es gerade und und in Polen und Ungarn sind die Regierungen dabei, sich alternativlos zu machen. Nicht umsonst läuft ein EU-Verfahren gegen Polen.

    Die Menschen waren 1939 auch nicht dümmer als heute. Und heute sind sie offenbar nicht schlauer, was sie eigentlich sein sollten.

  25. #25 Laie
    17. März 2017

    @Alderamin
    Aus diesen Gründen sehe ich die Entwicklung in der Türkich mit Erdogan als sehr problematisch an. Da sind Polen und Ungarn ja gar nicht vergleichbar – sondern beobachtungswichtig.

    1939, bzw schon vorher wurde auch eine nicht mit den Menschenrechten kompatible Religion in Deutschland eingeführt, in dessen Mittelpunkt der Führer stand, an dem nicht gezweifelt werden durfte. Zweifel waren die Todesstrafe, da gibt es Parallelen zu einer anderen Religion, bei dem die Kritik am Religionsführer ebenso fatal enden kann. Daher meine Sorge.

    Aber gegen wen sollten denn die Polen oder Ungarn Krieg führen? Das würde unter Bündnisstaaten auch keinen Sinn machen, gäbe es dann einen “Bündnisfall”? Ich denke nicht, dass Polen oder Ungarn Krieg führen wollten gegen eines ihrer Nachbarländer. Es würde auch wenig Sinn machen.

    Die Türkei hingegen mischt da gegen Kurden und in Syrien gegen Kurden ordentlich mit, das hat schon eine recht negative Qualität. Daher sollte man diesen Staat nicht auf die selbe Ebene wie Ungarn oder Polen stellen.

    Wenn die EU Frieden bedeuten sollte, dann müsste sie sich auch demokratischer ausgestallten und inhaltlich weniger ein Industrie- und Bankenlobbyverein sein. Positive Änderungen dahingehend würde ich sicherlich auch begrüssen.

  26. #26 Alderamin
    18. März 2017

    @Laie

    Ich denke nicht, dass die derzeitigen Regierungen in Polen oder Ungarn ein Interesse an militärischen Auseinandersetzungen haben. Aber sie untergraben die Demokratie, um an der Macht zu bleiben, sie erkennen die demokratischen Spielregeln nicht an. Man sieht dort, wie leicht sich die Demokratie aushöhlen lässt. Es braucht nur genügend empörte Bürger, die man durch Gerüchte und Propaganda erschreckend leicht zusammen trommeln kann, um ausreichende Mehrheiten in Parlamenten zu bekommen, die eine solche Aushöhlung ermöglichen – und wie man sieht schrecken demokratisch gewählte Regierungen davor auch nicht zurück. Wenn aber erst einmal die Verfassung und die Gerichte geschwächt sind, dann haben es Populisten jeglicher Couleur leicht, dies zu ihrem Vorteil auszunutzen. Im Dritten Reich kam alles zusammen, die Naivität der Bevölkerung, der Frust durch den Versailler Vertrag und die Weltwirtschaftskrise, und dann ein psychopathischer Populist, der zu Beginn ähnliche Mechanismen eingesetzt hat, wie sie auch in Osteuropa und der Türkei verwendet wurden. Nur ging er erheblich weiter. Auch, weil er es konnte.

    Aber wer garantiert, dass nach den jetzigen, vielleicht harmlosen Großmäulern nicht bald wieder ein Psychopath aus ihrer Partei folgt? Selbst wenn der nicht gleich einen Völkermord plant, man könnte ja mal versuchen, sein Territorium etwas zu vergrößern, und sich mit dem bösen Nachbarn auseinander zu setzen, lenkt vortrefflich von den eigenen innenpolitischen Fehlern ab. Sich ein Stück griechische Inseln oder Syrien einzuverleiben, traue ich Erdogan übrigens durchaus zu. Und Putin hat es ja sogar schon einmal durchexerziert. Wenn er damit durchkommt, vielleicht versucht er’s bestimmt wieder. Der böse Gorbatschow hat ja so viel Territorium ziehen lassen, das ureigenst russisch ist.

    Deswegen: Nie, nie, nie Populisten hinterher laufen. Das ist die Lehre der Geschichte, die man den Kindern mit der Schulmilch und der Masernimpfung indoktrinieren müsste. Dann würde man vielleicht Lucke wählen, aber sicher nicht Petri.

  27. #27 Laie
    20. März 2017

    Ich vermute, es waren mehr Voraussetzungen gegeben, damit der sog. Populismus damals so gut funktionierte und die bekannte negative Entwicklung auslöste. Alle Anstrengungen den Verrückten damals zu entfernen scheiterten leider.

    Die Parallelen zur Türkei sind unverkennbar. Er machte bereits in Syrien gegen Kurden Krieg – wird im Westen leider nicht so thematisiert wie es sollte.

    Wir haben inzwischen ja genügend sog. Stellvertreterkriege, bei denen 2 Seiten durch andere Einflüsse solange aufgerüstet und dann aufgehetzt werden, ums die dann gegeneinander einzusetzen.

    Ich hoffe sehr, wir manchen da nicht mit, und zwar für keine Seite! Ob es den Türken in der Türkei helfen könnte zu erkennen, dass ihnen ihr Wahnsinniger doch selbst am meisten gerade schadet? Falls ja, wie sagen? Ich bin da überfordert, eine gute Antwort zu finden.

    Alle Seiten rüsten derzeit auch weltweit auf, ich habe da ein sehr schlechtes Gefühl…

  28. #28 Alderamin
    20. März 2017

    @Laie

    Ich vermute, es waren mehr Voraussetzungen gegeben, damit der sog. Populismus damals so gut funktionierte und die bekannte negative Entwicklung auslöste.

    Bundestagspräsident Jenninger hatte 1988 mal eine Rede über die damalige Sichtweise gehalten, die allerdings gründlich missverstanden worden war und man warf ihm vor, sich die Ansichten, die er er eigentlich in Verbindung zu den damaligen Bürgern gestellt hatte, zu eigen gemacht zu haben. Wirtschaftliche Gründe, das Gefühl, die Schmach von Versailles überwunden zu haben und “great again” zu sein, und natürlich der weit verbreitete Antisemitismus werden als Hauptgründe genannt. Kommt einem ziemlich bekannt vor (insbesondere wenn man Antisemitismus durch die allgemeinere Xenophobie ersetzt).

    Ich hoffe sehr, wir manchen da nicht mit, und zwar für keine Seite! Ob es den Türken in der Türkei helfen könnte zu erkennen, dass ihnen ihr Wahnsinniger doch selbst am meisten gerade schadet? Falls ja, wie sagen? Ich bin da überfordert, eine gute Antwort zu finden.

    Diejenigen in der Türkei, die von guten wirtschaftlichen Beziehungen zur EU abhängen, werden wohl merken, dass es bergab geht. Ob das die arme Bevölkerung im Hinterland mitbekommt, ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall würde ich nicht mehr in die Türkei reisen wollen (war aber auch erst zweimal da). Und man sollte klar Stellung beziehen, dass man nicht etwa aus Angst vor dem Terrorismus nicht mehr in die Türkei reisen will, sondern aus Missfallen an der dortigen Entwicklung.

    Und was die hiesige wahlberechtigte Bevölkerung betrifft, die bekommt ja die Kontroverse mit und hat die Möglichkeit, sich in unserer freien Presse zu informieren. Die sollte ein paar mehr Hintergründe aufzählen, was für Vollmachten das neue Präsidialamt denn genau umfasst und warum das kritisch zu sehen ist. Dazu wird meines Erachtens zu wenig konkretes gesagt.

    Unsere Regierenden müssen jedenfalls die Gratwanderung hinbekommen, auf der einen Seite nicht als Schwächlinge zu wirken, indem sie alle Beschimpfungen kommentarls hinnehmen, und auf der anderen Seite keine Sündenböcke Erdogans zu werden, denen man eine türkeifeindliche Haltung andichten kann, so dass er das türkische Volk hinter sich versammeln kann.

    Bestimmt nicht ganz zufällig lancierte der BND-Chef am Wochenende im Spiegel die Meldung, dass die Türkei keine überzeugenden Argumente für eine Beteiligung der Gülen-Bewegung am Putsch habe vorlegen können. Ich denke mal nicht, dass er eine solche Äußerung ohne politische Rückendeckung hat machen können.

    Auf jeden Fall sollten die in Deutschland lebenden beim Referendum Abstimmungsberechtigten die Chance bekommen, von hier aus abzustimmen, denn die haben die unvoreingenommenste Berichterstattung zur Verfügung. Wenn die nicht gegen das Präsidialamt stimmen, wer dann?

  29. #29 Laie
    20. März 2017

    Die schlechter werdende Qualität der Presse macht mir auch sorgen (ebenso inzwischen bei Fach-Journalen). Es gibt international einen Kampf um die besten Köpfe. Wenn das Verhältnis – egal wo – nicht ausgeglichen wäre, dann könnte Ausländerfeindlichkeit resultieren. Die Ursache ist aber eine andere, ein politisches Versagen.

    Zuviel Menschen mit Islam-Hintergrund und ohne Qualifikationen zugleich halte ich für eine Gefahr, da sich dann die Demokratie auch in eine Richtung entwickeln kann, die eine mehrheitliche Zustimmung zu für uns derzeit noch undemokratischen Forderungen ist. Das Verhältnis müsste ausgeglichen sein, die anderen eurpäischen Staaten helfen nicht mit (abgesehen von Schweden und Österreich), wodurch sich die Schieflage verstärkt, und leider auch die EU nicht als jene Solidar-Gemeinschaft funktioniert, wie viele noch glauben. (Das glaubte ich ja früher auch)

    Wäre die Politik klug, dann würde man im oberen Bereich auch suchen und finden – ob sie das im ausreichenden Ausmaß tut ist mir nicht bekannt. Es wäre ein sinnvoller Ausgleich, wäre aber nur mit ordentliche finanziellen Anreiz umsetzbar.

    Warum nicht mal Waffenexporte nach Saudi-Arabien und ähnliche extreme Länder verbieten? Diese sind ja auch Kriegstreiber im Hintergrund, nur wird das kaum oder viel zu wenig thematisiert. Naja, Politik eben.

  30. #30 Alderamin
    21. März 2017

    @Laie

    Wenn das Verhältnis – egal wo – nicht ausgeglichen wäre, dann könnte Ausländerfeindlichkeit resultieren

    Den Zusammenhang verstehe ich nicht. Meinst Du Breitbart und so was? Wir haben gute Presse, Spiegel, FAZ, Zeit etc., die Amerikaner auch. Es gibt auch schlechte und direkte Staatsprogpaganda wie RT. Erschreckend ist, dass viele Leute das nicht auseinander halten können, sondern das für wahr halten, was sie selbst gerne hören und glauben möchten. Das gab’s früher nicht in dem Maße, und das ist wohl ein Fluch des Internets (und der heutigen Sendervielfalt im Kabel und über Satellit), die es viel mehr Medien (und einzelnen; Blogs, Social Networks etc.) ermöglichen, unbelegte Behauptungen zu verbreiten. Früher konnte man sich darauf verlassen, dass die Presse die Überprüfung der Authentizität von Meldungen übernimmt. Das tut die gute Presse immer noch, während andere Quellen das teils nicht tun und teils bewusst falsche Meldungen verbreiten.

    Zuviel Menschen mit Islam-Hintergrund und ohne Qualifikationen zugleich halte ich für eine Gefahr, da sich dann die Demokratie auch in eine Richtung entwickeln kann, die eine mehrheitliche Zustimmung zu für uns derzeit noch undemokratischen Forderungen ist.

    Erstens sind wir mit 5% Muslimen noch weit davon entfernt, dass diese hier das Regiment übernehmen würden, zweitens ist das Problem in islamischen Staaten nicht der Islam an sich, sondern die fehlende Trennung von Kirche und Staat, die wir hier in Europa auch ein paar Jahrhunderte hatten. Im Prinzip würde ein Land mit Trennung von Islam und Staat auch funktionieren, in der Türkei ging das bisher und in Indonesien geht es beispielsweise auch.

    Dass es in den meisten islamischen Staaten nicht so läuft, muss man vor dem geschichtlichen Hintergrund sehen, wo z.B. im Iran der autoritäre Schah von einem religiösen Anführer gestürzt wurde, weil der die Leute hinter sich versammeln konnte. In diesen Ländern fehlt einfach die Zeit der Aufklärung, die wir in Europa durchgemacht haben, die Bildung der Bevölkerung, die nötig ist, um eine Demokratie zu tragen, und auch hier rollten viele Köpfe, bevor die Demokratie sich durchsetzte (sie war so unglaublich schwer zu etablieren, und sie kann so leicht verloren gehen). Aber in Europa haben wir heute diese Tradition, und wir haben eine Verfassung und die entsprechenden Organe, um die bestehende Ordnung aufrecht zu erhalten.

    Aber auch hier braucht es eine gebildete Bevölkerung, die keinen Populisten (oder Extremisten) nachrennt, sondern versteht, dass die scheinbar einfachste Lösung nicht immer auf eine komplexe Weltordnung anwendbar ist. Das hat erst einmal nichts mit der Religion zu tun. Eher mit der Integration. Man muss seine Mitbürger natürlich zu mündigen Staatsbürgern erziehen und vermeiden, dass diese von falschen Predigern indoktriniert werden. Aber wen trifft es denn da? Die Zurückgelassenen, die ohne Orientierung und Perspektive. Der Angreifer auf dem Pariser Flughafen Orly war z.B. mehrfach vorbestraft. Es sind ja nicht gerade die gewöhnlichne Muslime, die zu Terroristen werden, sondern eben solche ohne Perspektive. Dagegen hilft eine gute Bildung und Integration. Ausgrenzung und Xenophobie bewirken hingegen das Gegenteil. Deswegen legt es der IS doch so darauf an, einen Keil zwischen die Migranten und die übrige Bevölkerung zu schlagen. Die profitieren davon, wenn die Bevölkerung die Muslime ausgrenzt. Der beste Helfer für den IS in Deutschland ist die AfD.

    Das Verhältnis müsste ausgeglichen sein, die anderen eurpäischen Staaten helfen nicht mit (abgesehen von Schweden und Österreich), wodurch sich die Schieflage verstärkt, und leider auch die EU nicht als jene Solidar-Gemeinschaft funktioniert, wie viele noch glauben. (Das glaubte ich ja früher auch)

    Hier geht’s offenbar um die Verteilungsquoten. Ja, das ist eine Sauerei, und es sind gerade die Länder im Osten mit den populistischen Regierungen, die sich hier nicht mit Ruhm bekleckern (aber auch die Briten). Ich finde es aber gut, dass Kerneuropa sich jetzt enger zusammen schließen will und ein eigenes Tempo vorlegen, wo dann solche Fragen hoffentlich geklärt werden und diejenigen Länder, die sich verweigern, auch entsprechende Nachteile haben. Die EU kann nicht funktionieren, wenn jedes Land nur seine persönlichen Egoismen verfolgt und nimmt, was es kriegen kann, ohne auch zu geben. Das ist einer der Konstruktionsfehler der EU, die zu viel auf Konsens setzt und zu wenig Mittel hat, Mehrheitsentscheidungen der anderen gegenüber unwilligen Mitgliedern durchzusetzen bzw. abzustrafen. Aber die Einführung genau solcher Mittel scheitert natürlich dann auch an nationalen Egoismen, wer will sich schon gerne von außen rein reden lassen. Das wird ein langsamer, mühsamer Prozess, der in kleiner Runde beginnen muss und sich dann nach außen ausbreiten.

    Die Verteilung der Flüchtlinge soll übrigens bis Juni neu geregelt werden.

    Warum nicht mal Waffenexporte nach Saudi-Arabien und ähnliche extreme Länder verbieten?

    Tja, weil unter anderem deutsche Industrie (Krauss-Maffei, Airbus etc.) daran gutes Geld verdienen und weil einem irgendeine Ordnungsmacht im nahen Osten lieber ist, als gar keine. Im Prinzip hätte man auch den Despoten Saddam im Amt lassen sollen. Am Ende hat es durch seine Beseitigung mehr Leid gegeben, als wenn man ihn hätte gewähren lassen. Die Demokratisierung von außen funktioniert nicht besonders gut, die muss schon aus dem Volk heraus kommen (und selbst dann ist die Chance gering, dass sie sich gleich durchsetzt; Frankreich hatte auch einen Napoleon Bonaparte, und Libyen hat zwei Regierungen, wenn man die so nennen kann). Die reale Welt ist eben leider so viel komplizierter, als Hollywoodfilme das gerne darstellen.

  31. #31 Laie
    21. März 2017

    Gemeint war beim Zuzug sich auszusuchen wer kommt. Auch wenn es für die Betroffenen nicht fair ist, haben Länder, die sich die besten Köpfe suchten und fanden, bessere Ergebnisse als jene, die die Restmenge nehmen.

    Dahingehend war meine Ausgeglichenheit gemeint, da ansonsten ja der Eindruck entsteht, von auswärts kommende wären alle so ungebildet und primitiv und dann auch ein Bild erzeugt, das auf alle übertragen werden könnte. Ab einer gewissen Menge, wird Integration auch schwierig, weil die Ressourcen begrenzt sind und Überforderung eintritt. Wie das zu lösen wäre, wenn man so weiter macht, weiß ich nicht.

    Was ich sagen will ist, das was gut wäre, und das was real machbar sind, kann sich dann schwer erfüllen lassen.

    Ob nun das Kerneuropa besser wird ist auch so eine Frage, und zwar aus der Sicht der anderen, die nicht gemeint sind. Geht es bei Kerneuropa künftig auch um Machtinteressen? Der Konstruktionsfehler der EU ist, dass das EU-Parlament zu wenig bestimmen darf, die Kommission mit irgendwelchen Experten aus irgendwelchen Gremien, die nicht demokratisch legimitiert sind dafür eher diktatorisch agiert.

    Ein Europa, das sich den Bürgern verpflichtet fühlt wäre gut, was wir haben ist aber ein Europa des den Lobbyvereine, dient, das ist schlecht. Das war auch zu sehen, wie schnell viel viel Geld für die Rettung von notleidenden Banken gab. Dabei sind es die Menschen, die Not leiden. Banken verzocken Geld, das wir dann über eine höhere Verschuldung finanzieren mussten.

    Der Iran war vor 1979 ein sehr moderner Staat, wirtschaftlich sehr stark und Frauen konnten sich dort auch unverschleiert und modern kleideten. Diesen offenen Geist gab es auch in Ägypten und anderen Staaten.

    Heute ist die Situation grundlegend anders, und ich sehe diese Entwicklung mit Sorge. Dort kann Verschleierung auch Schutz vor Übergriffen bedeuten. Was ist, wenn im schlimmsten Falle eine derart negative Entwicklung auch bei uns stattfände?

    Wäre der Trend umkehrbar? Ach bei uns? (Wieder weltoffenere Moslems zu haben?) Menschen aus Bosnien sind – wie es mir auffällt, eher weltoffen und modern.

    Wenn nun die Kiege und Hungerskrisen so weitergehen, dann ist die Frage, wohin die vielen Millionen denn gehen könnten? Das wird von der Menge her, wenn es in die zig bis hundert Millionen geht auch für ganz Europa zu viel, da es nicht so groß ist. Im Südsudan kein Frieden, einzelne “Rebellengruppen” bekämpfen sich. Hungersnot durch Krieg, Korruption und Klimawandel. Da soll noch jemand von “notleidenden” Banken reden!

  32. #32 Alderamin
    23. März 2017

    @Laie

    Gemeint war beim Zuzug sich auszusuchen wer kommt. Auch wenn es für die Betroffenen nicht fair ist, haben Länder, die sich die besten Köpfe suchten und fanden, bessere Ergebnisse als jene, die die Restmenge nehmen.

    Bei Flüchtlingen und um Asyl Ersuchenden geht es nicht um das Auswählen, sondern um das Schützen, eine Menschenpflicht. Die meisten (so z.B. aus dem Balkan) kehren später ohnehin zurück und haben nur ein befristetes Bleiberecht. Wir hatten vor Jahren mal eine Regelung (gilt die noch?) die es Firmen erlaubte, ausländische Mitarbeiter ins Land zu holen, wenn diesen ein gewisser Mindestlohn gezahlt würde (man erinnere sich an den Wahlspruch “Kinder statt Inder”) der genau den von Dir angesprochenen Fall behandelt; es kann nämlich nicht jeder Inder oder Chinese einfach hier hin ziehen.

    Das ist grundsätzlich etwas ganz anderes als der augenblickliche Flüchtlingststrom. Die Probleme hierbei liegen in der praktischen Umsetzbarkeit (Einzelfallprüfung, Probleme bei der Rückführung mit den Herkunftsländern etc., Härten bei jahrelang integrierten Personen und ihren Kindern). Die komplexe Problematik damit lösen zu wollen, dass man die Schotten dicht macht, ist für keine Seite zielführend.

    Ob nun das Kerneuropa besser wird ist auch so eine Frage, und zwar aus der Sicht der anderen, die nicht gemeint sind. Geht es bei Kerneuropa künftig auch um Machtinteressen?

    Es geht darum, um derzeitige Blockaden herum zu kommen. Im Prinzip eine Neugründung der EU als Teilmenge der bisherigen. Bzw. viele Teilmengen. Die wir de facto schon haben: EU, Euro, Schengen sind nicht deckungsgleich. Wir haben mit Norwegen und der Schweiz sogar Nicht-Mitgliedsländer im Schengen-Abkommen. Warum also nicht mit Verträgen gemeinsame Interessen europäischer Länder bündeln, in denen Rechte, aber auch Pflichten, geregelt sind? Das kann sehr weit gehen, man könnte auch nationale Kompetenzen (etwa Verteidigung) zentral auslagern (betrifft die Führung, nicht die Soldaten). Oder Finanzausgleich zwischen den Mitgliedern schaffen.

    Der Konstruktionsfehler der EU ist, dass das EU-Parlament zu wenig bestimmen darf, die Kommission mit irgendwelchen Experten aus irgendwelchen Gremien, die nicht demokratisch legimitiert sind dafür eher diktatorisch agiert.

    Den ersten Punkt sehe ich auch, den zweiten weniger – wie gesagt, soll das Volk über jede Regelung für die Industrie mitreden, oder überlässt man komplexe Fragen nicht lieber den Experten? Bei Grundsatzfragen sollte es aber sicherlich mehr Demokratie geben. Das Problem ist allerdings, dass den Lobbyisten auf der einen Seite die Populisten auf der anderen Seite gegenüber stehen und dann über TTIP und Gentechnik abgestimmt wird, ohne dass man die korrekten Fakten kommuniziert hat (bzw. gehen sie in unsachlichen Aussagen komplett unter).

    Es gab im Spiegel mal einen guten Vorschlag, dass man Leute aus dem Volk berufen sollte, die sich intensiv in ein Thema einarbeiten und die dann demokratisch über das Thema abstimmen dürfen. Das wäre mehr Volksbeteiligung und weniger Populismus.

    Ein Europa, das sich den Bürgern verpflichtet fühlt wäre gut, was wir haben ist aber ein Europa des den Lobbyvereine, dient, das ist schlecht. Das war auch zu sehen, wie schnell viel viel Geld für die Rettung von notleidenden Banken gab. Dabei sind es die Menschen, die Not leiden. Banken verzocken Geld, das wir dann über eine höhere Verschuldung finanzieren mussten.

    Banken sind Firmen wie alle anderen, die im Rahmen der gesetzlichen Grenzen wirtschaften müssen. Es ist eine Frage der Grenzziehung, was man an Zockerei zulässt (Trump will diese Grenzen beispielsweise wieder viel lockerer machen, was den US-Banken Vorteile verschaffen würde und europäische Banken benachteiligen. Dankeschön!) Banken sind per se deswegen nicht böse. Und wenn Banken pleite gehen, gehen auch Menschen den Bach runter, denn Banken verwalten Lebens- und Rentenversicherungen, Hypotheken etc. Wenn eine Bank pleite geht, verlieren Tausende oder Millionen ihre Alterssicherung. Firmen gehen pleite und Menschen verlieren ihre Jobs. Ja, Banker-Boni sind oft unverschämt, aber bei dem allermeisten Geld, um das es bei der Bankenrettung geht, geht es um Privat- und Firmenvermögen, weniger um Gewinne und Boni, die in der Bank bleiben. Das wird meistens vergessen. Bei der Bankenrettung ging es um die Rettung von Volkswirtschaften und privaten Existenzen.

    Der Iran war vor 1979 ein sehr moderner Staat, wirtschaftlich sehr stark und Frauen konnten sich dort auch unverschleiert und modern kleideten. Diesen offenen Geist gab es auch in Ägypten und anderen Staaten.

    Heute ist die Situation grundlegend anders, und ich sehe diese Entwicklung mit Sorge. Dort kann Verschleierung auch Schutz vor Übergriffen bedeuten. Was ist, wenn im schlimmsten Falle eine derart negative Entwicklung auch bei uns stattfände?

    Gibt es denn Grund bei uns zu einer Revolution, wie im Iran? Gibt es eine große Mehrheit von Menschen, die sich unterdrückt fühlt und die sich unter einer Religionsgemeinschaft mobilisieren ließe? Überhaupt nicht. Daher ist die Situation hier nicht mit dem Iran, der eine Diktatur war, vergleichbar. Selbst in der Türkei ist das nicht so, da wird der Islamismus von oben oktruiert, was auch nur möglich ist, weil Erdogan die Presse unter Kontrolle hat und damit die öffentliche Meinung einigermaßen steuern kann (mal sehen, ob es beim Referendum für 2/3 langt). Die 5% Muslime oder ein paar tausend Salafisten in Deutschland sind jedenfalls weit davon entfernt, hier eine islamische Revolution in Gang zu setzen. Viel mehr Angst machen mir fast 50% Zustimmung für einen rechten Bundespräsidentschaftskandidaten in Österreich. Und zweistellige Ergebnisse für eine Partei bei uns, die mit nationalsozialistischem Vokabular hantiert.

    Wäre der Trend umkehrbar? Ach bei uns? (Wieder weltoffenere Moslems zu haben?)

    Die haben wir doch längst, in der großen Mehrheit. Die werden nur übersehen, weil sie eben gut integriert sind.

    Wenn nun die Kiege und Hungerskrisen so weitergehen, dann ist die Frage, wohin die vielen Millionen denn gehen könnten? Das wird von der Menge her, wenn es in die zig bis hundert Millionen geht auch für ganz Europa zu viel, da es nicht so groß ist.

    Letztens wurde in einer Talkshow von einer Dame berichtet, dass die Flüchtlingszahlenn weltweit schon sehr lange konstant sind. Das Problem ist derzeit nur, dass der Krisenherd gleich nebenan ist. Von einer Grenze der (vorübergehenden) Aufnahmefähigkeit ist Europa insgesamt weit entfernt. Wir sind 500 Millionen. 80 Millionen Deutsche haben in den letzten Jahren rund 2 Millionen Flüchtlinge aufgenommen – wenn Europa als ganzes ähnlich handeln würde, wären 12,5 Millionen unterzubringen, rein theoretisch. Da ist noch viel Luft. Es muss halt auch an den Bedingungen gearbeitet werden, die Menschen in anderen Mitgliedsländern unterzubringen, und zwar so gut wie bei uns, so dass sie von dort nicht gleich weglaufen. Eine zentrale Erfassung der Menschen ist auch wichtig, damit sie nicht Anträge in vielen Ländern stellen können. Der Umgang mit der Krise war insgesamt stümperhaft, man hat nur reagiert, statt zu agieren, viel zu spät, als wenn man die Entwicklung nicht hätten voraussehen könnten. Das kann man der Regierung vorwerfen.

    Hmm, jetzt sind wir komplett weg vom Thema Lichtverschmutzung, wir sollten das hier beenden.