Obamadon – das Urzeitvieh des Präsidenten

Präsident der Vereinigten Staaten zu sein, ist sicher kein einfacher Job. Er hat aber auch seine guten Seiten. Manchmal bekommt man einen Friedensnobelpreis (wofür auch immer…), und manchmal wird man sogar in biologischen Art- oder Gattungsnamen verewigt. Dieses Glück hatte jetzt (nicht zum ersten Mal) Barack Obama. Eine Eidechse aus der Kreidezeit hat jetzt den schönen Namen “Obamadon gracilis” bekommen, zu Deutsch “graziler Obama-Zahn”.

Obamadon wurde bei einer Untersuchung von Schlangen und Eidechsen aus der Kreidezeit in einer Museumssammlung entdeckt und als neue Art erkannt. Es handelte sich um eine etwa 30 Zentimeter lange Eidechse, die durch ihre besonders geraden Zähne auffiel. Hier der entscheidende Auszug aus der Veröffentlichung:

Etymology. The genus name refers to Barack Hussein Obama and odon (Greek) = tooth, in reference to the tall, straight teeth, and the
manner in which Mr. Obama has acted as a role model of good oral hygiene for the world.

[Etymologie: Der Gattungsname bezieht sich auf Barach Hussein Obama und odon (Griechisch) = Zahn, in Bezug auf die langen geraden Zähne und die Art in der Mr. Obama der Welt als Vorbild für gute Mundhygiene gedient hat.

Weitere Informationen aus einem Interview gibt es bei US-News:

"The name was something we came up with back in late 2008, in the wake of the election when everything was all hope-y and change-y, we said we should name a dinosaur after him and call it the Obamadon...I think everyone can find something to like in it—liberals will think it's an honor, conservatives can say, 'Well, it's some wretched extinct lizard.'"

Auf die Idee kamen wir Ende 2008 nach der Wahl, als alles voll Hoffnung und Wandel war [kann man hope-y sauberer übersetzen?], wir sagten, wir sollten einen Dinosaurier nach ihm benennen und nannten ihn Obamadon… Ich denke, jeder kann daran etwas gut finden – die Liberalen werden denken, es ist eine Ehre, die Konservativen können sagen “Naja, ist ja nur ne olle ausgestorbene Echse.]

Ein Bild von Obamadon und weitere Infors gibt es noch bei Boston.com (bitte für’s Bild anklicken, sonst kriege ich Ärger wegen Copyright-Verletzungen; Obamadon ist die kleine blaue Echse im Vordergrund.)

Die wissenschaftliche Arbeit befasst sich übrigens nicht so sehr mit Obamadon, sondern mit der Frage, ob am Ende der Kreidezeit auch die Eidechsen und Schlangen ein Massenaussterben erlitten. Bisher hatte man angenommen, dass das nicht der Fall war, sondern dass sie die Katastrophe ganz gut weggesteckt haben. Die neue Untersuchung zeigte aber, dass über 80% aller Eidechsen- und Schlangenarten damals ausstarben. Da ich ja zu den wenigen Leuten gehöre, die das Aussterben der Dinosaurier eher langweilig finden (viel spannender ist es, herauszufinden, wie sie gelebt haben), lasse ich mich darüber jetzt nicht weiter aus.

Stattdessen können wir uns noch andere biologische Artnamen angucken. Obamadon ist zum Beispiel nicht die erste Art, die nach Obama benannt wurde, da gibt es schon Etheostoma obama, eine Barsch-Art, und Caloplaca obamae, eine Flechtenart. Der Barsch wurde nach Obama benannt, um seinen Einsatz für den Umweltschutz zu honorieren, die Flechtenart wegen seines Engagements für Wissenschaft und Bildung.

Auch andere Politiker haben Arten nach sich benannt bekommen – George W. Bush zum Beispiel einen Käfer, Agathidium bushi. Dazu gab es gleich noch A. cheneyi, A. rumsfeldi und A. vaderi – der letzte nach Darth Vader benannt. Agathidium-Käfer ernähren sich von Schleimpilzen und werden deshalb im Englischen auch als Schleimpilz-Käfer (slime mold beetles) bezeichnet. Die Forscher selbst haben bestritten, dass damit eine Beleidigung impliziert sei; nun ja, wer will, kann’s glauben.

Eine vollkommen klare Beleidigung findet man unter biologischen Namen aber auch: Die beiden berühmten Dino-Forscher Marsh und Cope im 19. Jahrhundert beispielsweise mochten sich ja nicht so besonders gern, um es vorsichtig auszudrücken. Marsh benannte trotzdem eine Mosasaurus-Art zu Ehren von Cope, mit dem schönen Namen Mosasaurus copeanus. Den gleichen Scherz gibt es noch einmal mit dem Artnamen Phycomyces blakesleeanus.

Die beiden PaläontologInnen Elsa Warburg und Orvar Isberg waren sich ebenfalls nicht grün, Warburg benannte eine Art Isbergia planifrons (planifrons bedeutet “Flachschädel” und ist eine Beleidigung), Isberg revanchierte sich mit Warburgia crassa (crassa=fett).

Falls ihr noch mehr lustige Artnamen sucht, habe ich hier die ultimative Stöberseite. Dort findet sich auch die (inzwischen leider nicht mehr gültige) Bezeichnung Abra cadabra, die Gattungen Ittibittium und Hunkydora (hunky-dory heißt soviel wie “supi”), oder auch das Wettrennen um den ersten oder letzten Eintrag der Species-Listen, mit Namen wie Aa, Aaadonta, Zyzzyzus und Zyzzyx und nicht zu vergessen die Mottengattung La mit den Arten La paloma, La cerveza und La cucaracha.

 

Kommentare

  1. #1 Ludmila
    http://www.scienceblogs.de
    20. Dezember 2012

    Interessant, so bleiben Fehden der Nachwelt erhalten. ;-)

  2. #2 Naivi
    28. Dezember 2012

    Toller Artikel, wird gleich weitergeleitet.