Die Diskussion beruhigt sich ein wenig, die Beschimpfungen haben nachgelassen. Da die letzten Tage sowieso zur Mineratts-Verbots-Initiativ- Woche geworden sind bei zoon politikon, versuche ich es mit noch etwas Humor zum Wochende. Am Sonntag schreibe ich eventuell eine internationale Presseschau zum Thema sollte ich die Zeit dazu finde und wende mich dann hoffentlich wieder internationalem zu.

Während in der Schweiz wegen des Abstimmungsresultats die SVP sich in völlig anderen Fragen bestätigt sieht und sich in einer Art politischen Variation von Lars Fischers Deppen Syllogismus in wildes Assozieren versteigt (Europapolitik, Direktwahl des Bundesrates, Ausschaffungsinitiative, Personenfreizügigkeit mit der EU…) schaut man auf der andern Seite des Atlantiks mit Unglauben und Humor auf das Ergebnis.

Die Abstimmung verschaffte der Schweiz einen Auftritt in der Daily Show inklusive Interview mit dem Schweizer UN Botschafter in New York. Vielleicht hätte er es besser bleiben lassen sollen. Einem Rebranding des Schweizer Humors war es kaum dienlich.

Übrigens hätte Bin Laden vielleicht auch “Ja” gestimmt, obwohl man ein Zeichen gegen den radikalen Islam setzen wollte. Nein, ich mein kein taktisches “Ja” für die Verstärkung der weitgehend imaginären Front, sondern eines aus Überzeugung.1 In der Botschaft der Exekutive zur Initiative habe ich folgende Einschätzung gefunden und konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen:

Gewisse fundamentalistische, streng orthodoxe Musliminnen und Muslime und Islamisten leben und streben nach dem Ideal der islamischen Frühzeit, in der es noch kein Minarett gab. Entsprechend betrachten sie dieses auch als spätere Hinzufügung (bid’a), die dem «reinen Islam» nicht entspricht und deshalb aus ihrer Sicht zu verbieten ist. Das Minarett hat demnach in gewissen islamistischen Kreisen, die einen religiös-politischen Machtanspruch vertreten, keine besondere Bedeutung. Vielmehr hat das Minarett in islamischen Ländern eine politische Symbolbedeutung für die Staatsmacht, die von den Islamisten primär bekämpft wird.

Schönes Wochenende und vorsicht mit Symbolen!

1Ich weiss nicht wirklich ob Bin Laden tatsächlich dieser Ansicht ist und dieser spezifischen Orthodoxie angehört. Aber das Bild war zu schön um darauf zu verzichten.

Kommentare (9)

  1. #1 Erich Müller
    Dezember 5, 2009

    Humor und Unglauben in jenem Land, dass tausende von Moslems ohne Prozess eingesperrt hat und in drei islamischen Ländern direkt Krieg führt sowie in vielen anderen militärisch präsent ist?

    Scheinheilig.

  2. #2 hape
    Dezember 5, 2009

    genau, weil die ja alle von John Stewart selbst eingesperrt wurden, da darf er dann auch keine Witze mehr machen ;).

  3. #3 ali
    Dezember 6, 2009

    @Erich Müller

    Nicht nur wurden sie alle von Jon [sic] Stewart persönlich eingesperrt, er war auch immer der Hofberichterstatter und der grösste Fan der Bush Administration.

    Natürlich ist dann der Sketch auch gleich nicht mehr lustig. Ein Nichtraucher der sich über Nichtraucher lustig macht? Not funny!

    Zugegebenermassen auch aus persönlichem Interesse möchte ich im Zusammenhang mit der Minarettverbotsinititative bitten, auf Sippenhaft Argumente zu verzichten.

  4. #4 Christian A.
    Dezember 6, 2009

    Hahaha! Jon Stewart ist immer eine Reise wert, der Mensch macht eine sehr lustige Sendung! Aber mal kurz ne Frage: Das letzte Plakat ausgenommen, sind die anderen Plakate tatsächlich verwendet worden, um Stimmen im Referendum zu gewinnen? Vor allem die beiden mit den Schafen und den Raben/Krähen waren ja wohl ziemlich heftig!

  5. #5 ali
    Dezember 6, 2009

    @Christian A.

    Die beiden anderen Plakate sind zwar echte SVP Plakate, stammen aber von anderen Volksabstimmungen. Das Schafplakat war für eine Initiative der SVP zur “Ausschaffung krimineller Ausländer” und die Krähen waren im Abstimmungskampf gegen die Personenfreizügigkeit mit der EU (und deren Erweiterung auf Bulgarien und Rumänien). Dem Stil ist man treu geblieben.

    Ich finde auch, dass das letzte Plakat für SVP Standards relativ zahm war (es gibt noch ein ganze Reihe solcher Kampagnen der Partei).

  6. #6 David Bowman
    Dezember 7, 2009

    “Perversion der Lichtensteiner Demokratie”

    57% wollen den “Schweizer-Werten” folgen:

    http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/liechtensteiner_wollen_grenzwerte_nicht_senken_1.4117547.html

  7. #7 Christ
    Dezember 8, 2009

    Die Schweiz ist ein viel demokratischeres Land als Deutschland. Auch in D gäbe es bei einer Volksumfrage keine andere Antwort als in der Schweiz, da heutzutage der Islam mit Gewaltbereitschaft synchron gesehen wird und Angst und Schrecken verbreitet.

  8. #8 Demokrat
    Dezember 8, 2009

    Nachdenken: Minarett-Verbot, die Schweizer sind deswegen

    intolerant und was sind die, die Mehrheitsentscheidung

    der Schweizer nicht akzeptieren?

  9. #9 MoritzT
    Dezember 11, 2009

    Demokrat, darf ich Sie höflich bitten, diese Diskussion hier nicht erneut vom Zaun zu brechen? Ihre Meinung ist allen regelmäßigen Lesern bekannt und wurde an anderer Stelle umfassend diskutiert. Die Diskussionen werden nicht besser, lehrreicher oder inhaltlich wertvoller, indem man stets die gleichen Argumente wiederholt. Bitte gestehen sie den Lesern hier den Platz zu, andere Aspekte der Diskussion zu beleuchten.