In den letzten zwei Tagen las man häufig die Schlagzeile: “Proteste in islamischen Ländern wegen Anti-Islam Film.” Für viele ist dies nur eine weitere Bestätigung der Dünnhäutigkeit und Gewaltbereitschaft der Muslime. Nichts neues seit den Protesten gegen die dänischen Karikaturen also: Westliche Meinungsfreiheit kollidiert mit islamischen Autoritarismus.

Trotz redlicher Bemühungen vieler Medien werden die Proteste primär durch diese Linse (Meinungsfreiheit gegen Islam) verstanden und dargestellt. Die Proteste finden in islamischen Ländern statt, der Film ist aber das Machwerk eines Individuums aus einem Land mit einem Namen, welches nicht primär als christlich definiert wird. Die Kernbotschaft, die beim durchschnittlich interessierten Publikum vermutlich hängen bleibt, ist ein weiterer Legostein für den Bau des nicht wirklich existierenden Zusammenprall der Kulturen.

Bevor ich mit meiner Kritik beginne, möchte ich aber eine Sache aus dem Weg räumen: Weder der Islam noch eine andere Religion sollten ein Recht haben, wegen ihrer Befindlichkeiten von allem was ihnen als diffamierend oder blasphemisch vorkommt, per Gesetz geschützt zu werden. Auch wenn es sich um miserable Satire oder absichtliche Provokationen handelt. Irgendjemand wird sich immer in irgendwelchen religiösen Gefühlen verletzt fühlen. Lebt damit und vertraut darauf, dass euer allmächtiger Gott die Sache schon selber regeln kann. Ausserdem ist geistlose Satire kein Verbrechen. Nicht in einem juristischen Sinn zumindest.

Aber einmal abgesehen davon, dass auch Christen schon vor nicht sehr langer Zeit Molotow-Cocktails geworfen haben, wegen eines vermeintlich blasphemischen Films, Religion als Erklärungfaktor für die Proteste (damals wie heute) greift viel zu kurz und verschleiert Politik und Kontext mehr, als das sie erklären würde. Zuerst zum Kontext. Gestern hat Blake Hounshell, ein Redakteur bei Foreign Policy und meist durchaus intelligenter Kommentator des Weltgeschehens folgendes getwittert:

Headline you will never see: Thousands of angry Jewish-Americans storm Egyptian embassy to protest anti-Semitic film.

— Blake Hounshell (@blakehounshell) September 14, 2012

Diese schlechte Analogie illustriert die Schieflage der Wahrnehmung dieser Ereignisse gut. Einmal abgesehen davon, dass ja keine “wütenden US amerikanischen Muslime” eine Botschaft gestürmt haben, ignoriert sie die völlig anderen Umstände. Die Aussage ist (wenn wir das Wort “niemals” nur rhetorisch und nicht buchstäblich verstehen) plausibel. Aber man könnte genau so sagen:

Schlagzeile die wir nie sehen werden: Pakistanis bringen Familie in den USA mit unbemannter Drohne um. Militante Regimegegner im Haus vermutete.

Es ist offensichtlich, warum dies sehr unwahrscheinlich ist. Der aktuelle geopolitische, ökonomische und technische Kontext erlaubt es Pakistan gar nicht, so etwas zu tun. Diese Aussage schafft kein moralisches Äquivalent, es erklärt nichts und bringt uns keine neuen Einsichten. So viele Faktoren werden verdreht, dass sie wertlos ist. Und nur weil die Aussage darum “korrekt” ist, macht das die Pakistaner nicht zu besseren Menschen.

Der zweite Punkt der in der Berichterstattung meines Erachtens untergeht, ist die Politik hinter den Protesten und Botschaftserstürmungen. Die Religion ist das Pulver und der Film ist der Funke. Aber es gibt jene die über Zeitpunkt und Ort bestimmen und darum bemüht sind, dass die Zündung nicht einfach spontan erfolgt. Diese sollten auch im Zentrum des Interesses stehen.

Global gesehen ist es für viele islamistische Bewegungen eine ausgezeichnete Gelegenheit sich als Hüter der eigenen Kultur zu definieren und sich gegen die Barbaren im Westen abzugrenzen. Sie haben genau so ein Interesse am Aufrechterhalten des Trugbildes eines Zusammenpralls der Kulturen, wie die islamophoben Populisten bei uns. Dazu kommt regionale Politik. In Libyen haben die Islamisten eine Wahlschlappe einstecken müssen. In Tunesien sehen sich die Salafisten mit einer starken Präsenz gemässigter Islamisten mit Regierungsverantwortung konfrontiert. In Ägypten gibt es unzählige andere islamistische Gruppierungen neben den Muslimbrüdern, die in gegenseitiger Konkurrenz stehen. Sie alle wollen sich in den drei Ländern als wahre Gläubige profilieren, als die treueren Anhänger Mohammeds erscheinen und so ihre Positionen festigen oder gar ausweiten. Liest man wie die Proteste zum Beispiel in Benghazi eskaliert sind, wird es offensichtlich, dass es ziemlich sicher nicht einfach ein spontaner Lynchmob war, der den Raktenwerfer auf die Schulter schwang, nachdem er auf YouTube den Film gefunden hatte.

1 / 2 / Auf einer Seite lesen

Kommentare (61)

  1. #1 seminym
    CH
    September 15, 2012

    1. Danke für den wunderbaren Artikel – er korrigiert meine doch auch etwas aus den Fugen geratene Perspektive.

    2. Für mich einfaches Gemüt sieht es dennoch nicht sehr vorteilhaft für die Muslime aus – ganz egal wie es zum Lynchmob kam (spontan, gesät oder gesteuert). Auch ich – manchmal ein Choleriker – empöre mich des öfteren; manchmal sicher zu recht, oft stellt sich meine Empörung im Nachhinein aber als unbegründet, verfehlt oder sonstwas heraus. Der Unterschied ist aber dieser: Wenn ich mich empöre, dann schreibe ich einen gehässigen Tweet, einen bösen Kommentar in einer Zeitung oder einen länglichen-einseitigen Blogpost – “die Muslime” aber schreiten zur Gewalttat – töten gar und dies aus absolut nichtigen Gründen und sie töten nicht mal den Verursacher, sondern irgendwelche Unbeteiligte.
    Das ist das Bild, das Muslime abgeben – egal ob sie nun gezielt dazu angestachelt wurden – wer sich zu Gewalttaten aufwiegeln lässt steht auf einem zivilisatorisch gaaaaaaaanz anderem Level als die gehässigen kommentarschreiber Europas (oder Filmemacher von wo auch immer).

  2. #2 Niels
    September 15, 2012

    Einmal abgesehen davon, dass ja keine “wütenden US amerikanischen Muslime” eine Botschaft gestürmt haben

    Ganz genau. Das ist sind die Gegensätze, die Blake Hounshell konstruiert.
    Erster Gegensatz: Juden und Muslime
    Zweiter Gegensatz: US-Amerikaner und Araber

  3. #3 Randifan
    September 15, 2012

    @ali
    “Thousands of angry Jewish-Americans storm Egyptian embassy to protest anti-Semitic film.”
    Würde so etwas geschehen, dann würde der ägyptische Präsident des Landes solche Filme verbieten.
    “Schlagzeile die wir nie sehen werden: Pakistanis bringen Familie in den USA mit unbemannter Drohne um. Militante Regimegegner im Haus vermutete.”
    Da warte ich noch auf die Schlagzeile:
    “Empörte Muslime lynchen Talibanen wegen gesprengter Moscheen und verbrannter Korane”.

    “Es stellt sich nun heraus, dass der Regisseur des Films vor allem Erotikfilme gedreht hat. Soviel zum Thema make love, not war!”
    Ziemlich unerheblich.

    “In Syrien verspotten Gegner des Assadregimes ihre empörten Glaubensbrüder mit sehr drastischen Worten
    Die Araber sind sehr emotional. Filme bringen sie zum Lachen, zum Weinen, zum Toben, zum Ausflippen und zum Töten. Aber wenn sie sehen, wie in Syrien Moscheen und Kirchen bombardiert, Korane verbrannt und Frauen beleidigt werden, kümmert es sie nicht. Weil es kein Film ist, sondern Realität. Wir wünschten, was gerade in Syrien passiert, wäre ein Film. Wenigstens dann würden die Araber etwas für uns tun.” Ein Assadgegner machte sogar folgenden Vorschlag:
    “Vielleicht sollten die Syrer einfach auch einen Film drehen, der den Islam beleidigt. Vielleicht stürmen die Ägypter dann die syrische Botschaft in Kairo.”
    Mich hätte es nicht erstaunt, wenn die Kriegsparteien einen vorrübergehenden Waffenstillstand geschlossen hätten, um die US-Botschaft in Damaskus gemeinsam zu sprengen. Aber in Syrien sind die Muslime viel klüger, als ihre Glaubensbrüder in Ägypten.
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-assad-gegner-spotten-ueber-wuetende-araber-a-855767.html

  4. #4 ali
    September 15, 2012

    @seminym

    “die Muslime” aber schreiten zur Gewalttat – töten gar und dies aus absolut nichtigen Gründen und sie töten nicht mal den Verursacher, sondern irgendwelche Unbeteiligte.

    Darum geht es doch in meinem Eintrag. “Die” USA haben mit Waffen mit aufgedruckten Bibelversen in Afghanistan gekämpft. Unbemannte Drohnen töten regelmässig Menschen in Pakistan/Afghanistan die als “Militante” bezeichnet werden. Kein Gerichtsfervahren, kein Schuldspruch, keine Beweisführung. Oft weiss man nicht einmal wer sonst noch in dem Haus war. Ist deswegen der Christ gewaltätig und tötet unbeteiligte? Oder ist es was gaaaanz anderes und zivilisiert, weil die Staatsmacht die Drecksarbeit übernommen hat?

    Menschen, nicht primär Muslime, töten andere Menschen.

    @Randifan

    “Es stellt sich nun heraus, dass der Regisseur des Films vor allem Erotikfilme gedreht hat. Soviel zum Thema make love, not war!”
    Ziemlich unerheblich.

    Tatsächlich? Es tut mir leid, dass ich es gewagt habe, mich in einem PS an einer humoristischen Nebenbemerkung zu versuchen. Zum Glück gibt es die Kommentatoren. Da wird man auf solche Verfehlungen sofort hingewiesen. Wegen solchen konstruktiven Feedbacks und Diskussionsbeiträgen macht das Bloggen Spass. /sarcasm off

    “Thousands of angry Jewish-Americans storm Egyptian embassy to protest anti-Semitic film.”
    Würde so etwas geschehen, dann würde der ägyptische Präsident des Landes solche Filme verbieten.

    Ich habe meine Zweifel. Aber noch viel wichtiger: Warum ist das “erheblich”?

    Die Araber sind sehr emotional. Filme bringen sie zum Lachen, zum Weinen, zum Toben, zum Ausflippen und zum Töten.

    Der Araber ist halt so. Er guckt The Wizard of Oz und dann muss er irgendwen um die Ecke bringen um die Spannung abzubauen.

    Sonst geht’s noch, oder?

  5. #5 seminym
    September 15, 2012

    @Ali

    Danke für die Antwort! Meine Begriffsstutzigkeit ist hier keine Bösartigkeit – es demonstriert wohl nur anschaulich, wie schwer es mir fällt die beiden Sachverhalte als gleichwertig anzusehen! Es ist wirklich krass wie leicht ich die Vereinfachungen und Pauschalisierungen die Muslime betreffend schlucke – mich mental aber immens gegen ähnliche Mechanismen gegen (nun – auch nicht “meine-n” Westen/Christen aber) die andere Seite erwehre. Unbehaglich.

  6. #6 Randifan
    September 15, 2012

    @Ali
    “Ich habe meine Zweifel. Aber noch viel wichtiger: Warum ist das “erheblich”?”
    Es ist eine Überraschung, dass die Juden bei diesem Thema so still geblieben sind. Dies könnte sich ändern, wenn der dortig Mob es schafft, künftig jede “Beleidigung” des Propheten im Keim zu ersticken.

    “Der Araber ist halt so. Er guckt The Wizard of Oz und dann muss er irgendwen um die Ecke bringen um die Spannung abzubauen.”
    Dies ist eine sehr unlogische Erklärung für die Zurückhaltung der islamischen Welt, wenn es um zerstörten Moscheen und ermorderten Glaubensbrüder in Syrien geht. Vielleicht sollten die Assadgegner auch so ein “islamfeindlichen” Film drehen, um Druck auf Assad auszuüben.

  7. #7 matthias
    September 15, 2012

    @Ali: Erstmal Danke für den Artikel! Aber diesen einen Satz solltest du vielleicht nochmal durchlesen:
    “Der Islam und keine andere Religion sollten ein Recht haben, wegen ihrer Befindlichkeiten von allem was ihnen als diffamierend oder blasphemisch vorkommt, per Gesetz geschützt zu werden.”
    Ich hab zumindest mehrere Anläufe dafür gebraucht…

  8. #8 Stefan
    September 15, 2012

    Dazu, dass immer sofort die Fahnen brennen fällt mir nur ein, dass das ziemlich anstrengend sein muss. Die müssen ständig die Fahnen von jedem westlichen Land zu Hause greifbar haben. Ich wüsste nicht wo ich die alle her bekommen sollte. 😀 (Achtung!: Das ist nur ein kleiner Scherz)

    So.
    Es gibt gewisse Grundrechte und, dass diese ihre unbeschränkte Gültigkeit haben ist auch gut und richtig so.
    Für mich fallen dieser Film und andere “künstlerische Äußerungen” absolut unter die Freiheit der Meinung und diese auch zu verbreiten.
    Das heißt noch lange nicht, dass ich das unterstütze.

    Solche gewaltätigen Ausschreitungen sind durch nichts zu rechtfertigen und absolut abzulehnen.

    (Fettes) ABER:
    Meiner Meinung nach wird im Zusammenhang mit dem Zusammenprall der Kulturen hier immer sehr kurz gegriffen.
    Ich merke das auch ganz klar in meiner Umgebung. Mal ganz ehrlich, wenn man “Ausländer” hört, sind doch eh fast immer Araber oder Türken gemeint. Nicht sehr weit von mir entfernt in Düsseldorf existiert die, glaube ich, größte japanische Gemeinde außerhalb Japans. Japanischer Kindergarten, japanische Lehrer an den Schulen, japanischer Tempel und und und, man kennt das ja sicher. Es käme doch niemand großartig auf die Idee diese Leute als Ausländer zu bezeichnen.

    Es bezieht sich fast immer auf Araber und Türken.
    Aber sind es wirklich immer nur diese die so empflindlich auf Provokationen reagieren?
    Ich hatte einige Male Kontakt zu einer christlich evangelikalen Gemeinschaft.
    Diese waren ebenso empfindlich.
    Vielen, nicht nur religiösen Menschen ergeht es so.

    Ich möchte hier mit einem Zitat schließen.

    Hagen Rether sagte einmal (wenn ich mich recht entsinne):” Versuchen Sie mal von Monty Python “Das Leben des Brian” im Kölner Dom aufzuführen, da können Sie Fundamentalisten kennenlernen.”

  9. #9 Wolf
    September 15, 2012

    Ich ahbe z.B. “Das Leben des Brian” zum ersten mal während des Konfirmandeunterrichts gesehen, zusammen mit unserem Pastor (der herzlich gelacht hat) und einem Kirchenvorstandsmitglied (der sich tierisch aufgeregt hat).
    (Hat nichts daran geändert, dass ich mittlerweile ohne bin)

    Interessantes Interview
    http://www.tagesschau.de/ausland/interviewabdel-samad100.html

    Meine Ansicht:
    Das was in Europa vor 500 Jahren begonnen hat, nämlich die allmähliche Lösung von der Religion als alles bestimmender Faktor (die bis heute nicht abgeschlossen ist! Siehe Thema “Beschneidung”), die Erziehung zum “Nur Menschen unseres Glaubens sind die Auserwählten, denen Gott seine “Liebe” schenkt”, das muss in der “islamischen” Welt alles noch geschehen, und sie müssen es selbst schaffen. Ob sie es schaffen ohne das ganze Blutvergießen, das es in Europa in den Religionskriegen / Bürgerkriegen / Befreiungskriegen / Bauernaufständen gab? Ich wage es zu bezweifeln, denn die Waffen von heute sind deutlich effizienter.
    (Das bedeutet nicht, dass ich uns Europäer und die Amerikaner als “zivilisierter” ansehen würde. Die Menschen in diesen Ländern hatten bisher einfach nicht die Chance sich zu befreien. Es wurde immer nur ein absoluter Herrscher durch einen anderen ersetzt. Sei es ein religiöser, weltlicher oder einfach ein Warlord gewesen.)

  10. #10 gaehner
    September 15, 2012

    Ich hab’ irgendwas von Wahl”kämpfen” in irgentwelchen Staaten gerüchteweise gehört …
    Der gute alte Adolph oder war’s Adolf hat schon im letzten Jahrtausend gezeigt das gezielte Desinformation usw. usf.
    QED
    Achja und das ganze noch OBDA

  11. #11 MartinB
    September 15, 2012

    @Ali
    Auch nach mehrmaligem Lesen glaube (hoffe) ich, dass du nicht das meinst, was dieser Satz sagt:
    “Der Islam und keine andere Religion sollten ein Recht haben, wegen ihrer Befindlichkeiten von allem was ihnen als diffamierend oder blasphemisch vorkommt, per Gesetz geschützt zu werden. ”
    Vielleicht solltest du auf einer “weder-noch”-Konstruktion ausweichen?

  12. #12 rolak
    September 15, 2012

    hmmm, das weder-noch habe ich als implizit mitgelesen — aber Du hast Recht, MartinB, die Änderung würde es eindeutig machen.

  13. #13 ali
    September 15, 2012

    @matthias, @MartinB, @rolak

    Ich habe es geändert. Danke für den Hinweis. Nach den Kurzschlüssen die hier bei früheren Posts alleine auf der Basis meines Namens gezogen wurden, ist es mir in diesem Zusammenhang wichtig eindeutig zu formulieren. Von den Zitat-Mienenarbeitern ganz zu schweigen.

    Da steht nun “weder…noch”.

  14. #14 Wurgl
    September 16, 2012

    Mich erstaunt ja doch die unterschiedliche Reaktion der Politik.

    Man vergleiche den Herrn Westerwelle zu Pussy Riots: «Die Freiheit der Kunst ist ein unverzichtbares Freiheitsrecht. Das sollte ein starkes Land wie Russland aushalten» und der selbe Westerwelle Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat ein entschiedenes Vorgehen der deutschen Justiz gegen Unterstützer des Anti-Islam-Videos “Innocence of Muslims” gefordert.

    Ja, natürlich gibt es gewissen Unterschiede, sowohl in der angenommenen Motivation als auch in der Art, dennoch sind beides Filmchen die ganz oder teilweise auf YouTube zu sehen sind. Und auch wenn diese Unterschiede existieren, ist die total konträre Reaktion ein und derselben Person innerhalb von wenigen Wochen doch höchst bemerkenswert.

  15. #15 Randifan
    September 16, 2012

    Die Aussage, das Mohammedvideo habe die gewalttätigen Proteste ausgelöst, wird immer fragwürdiger. Bei der Erstürmung der deutschen Botschaft in Khartum war viel zu viel Organisation und Vorbereitung beteiligt, um darin eine spotane Erhebung zu machen. Für ein paar Mohammedkarikaturen auf einer Demo einer deutschen Splitterpartei war der Aufwand viel zu groß, um dies nur mit verletzten religiösen Gefühlen zu erklären.

    http://www.welt.de/politik/ausland/article109245670/Der-sorgfaeltig-organisierte-spontane-Volkszorn.html

    “Offensichtlich hatte die sudanesische Regierung selbst Interesse an einer Eskalation. Präsident Omar al-Baschir – selbst ein Islamist – steht seit einiger Zeit unter zunehmendem Druck der noch fundamentalistischeren Fraktion im Land, ohne deren Hilfe er sich 1989 nicht an die Macht hätte putschen können.

    Im Februar drohten einflussreiche Geistliche der Regierung erstmals mit einer Revolution: Sollte al-Baschir einen ausschließlich auf der Scharia basierende Verfassungsentwurf nicht annehmen, werde man ihn stürzen, hatte der Iman der Großen Moschee in Khartum angekündigt.”

    Deutschland sollte irgendwelche Konsequenzen ziehen, es gibt Mittel und Weg die dortige Regierung für ihr handeln zu Verantwortung zu ziehen. Es muss nicht immer Gewalt sein.

  16. #16 michael
    September 16, 2012

    > Deutschland sollte irgendwelche Konsequenzen ziehen,..

    Dein Vorschlag ?

  17. #17 Stefan W.
    September 17, 2012

    P.S.: Es stellt sich nun heraus, dass der Regisseur des Films vor allem Erotikfilme gedreht hat. Soviel zum Thema make love, not war!

    Erotikfilme oder Pornos, oder ist das das gleiche?
    “make love, not war!” war ja das Motto eines Beatles, der dann doch lieber Platten oder irgendwas mit Medien machte, statt Love. Love ist ja recht eintönig auf Dauer.

    Die verlachten Amateurschauspieler schienen mir auch eher zweitklassige Profis zu sein, und nicht Leute von der Straße. Allerdings ist mein Interesse an dem langweiligen Streifen rasch erlahmt – ich könnte quasi nichts erzählen, was da in Dialogen verhandelt wird.

  18. #18 Randifan
    September 17, 2012

    Hisbollah kündigt im Libanon Angriffe auf westliche Einrichtungen und Proteste
    ” Diese müssten darauf dringen, dass der Prophet Mohammed und der Koran auf der ganzen Welt respektiert würden.”

    http://www.welt.de/politik/article109261122/Hisbollah-kuendigt-eine-Woche-der-Proteste-an.html

    Was für eine Bande Heuchler, wo bleiben derren Protest, wenn Muslime die eignen Heiligtümer ohne Respekt behandeln?

  19. #19 ali
    September 17, 2012

    @Stefan W.

    Erotikfilme oder Pornos

    Das war mein Versuch der Übersetzung von “Softcore porn”.

  20. #21 Stephan
    September 17, 2012
  21. #22 Wolf
    September 17, 2012

    Insbesondere das:
    “[…]Da hilft nur eines: Der Besuch in einer Oase der Vernunft, dem arabischen Sender Al-Jazeera. Der meldet, immer mehr Syrer wunderten sich darüber, dass ein Video über Mohammed in der islamischen Welt für mehr Aufregung sorgt als das Blutbad in Syrien. “Liebe Moslems”, schreibt ein Leser, “unser Prophet wäre über die Morde, die Assad in Syrien begeht, viel mehr beleidigt als über irgendeinen respektlosen Film”.”

  22. #23 anmasijo
    September 17, 2012

    Bei allem Liberalismus, den ich mir für meine persönliche Einstellung gerne auf die Fahne schreibe, kann ich in diesem Fall wirklich gar kein Verständnis mehr für die “Protestaktionen” in den angesprochenen Staaten aufbringen. Ob nun spontan, gelenkt, gefördert oder wie auch immer initiiert, zeugen sie für mich einfach nur von ent-idividualisierter Dummheit, oder auch Nicht-Bildung, von einer Gestrigkeit, die ich unserer Welt schon lange nicht mehr zugetraut hatte.
    Ich finde, man darf, auch als Staat, hier ruhig mal eindeutig Stellung beziehen und das diplomatische Gefasel für ein paar Takte vergessen. Es ist nicht in Ordnung, wegen “nix” so einen Aufstand zu machen, zu verletzen, zu töten, Hass zu schüren.
    Wenn dieses vordergründig “religiös” motivierte, dämliche Fahnengefackel und Bildergetrampel tatsächlich unser Bild vom arabischen Moslem prägen soll, dann bitte: lasst sie doch in Ruhe für 100, 200 Jahre ihr Religions-Dings machen. Der böse Westen hält sich raus. Aus allem. Aus jeglicher Förderung und aus jeglichem Handel, auch wenn letzteres weh tut. Dann kann der wahre Hintergrund dieses Fanatismus’, dann können die Nutznießer dieser Polarisierung mal zeigen, wie diese Form der Kleingeistigkeit mit den Gegebenheiten dieses Planeten in unserem Jahrhundert zurecht kommt.
    Ich bin so wütend über dieses ewige Machtgerangel, um das es einzig geht, dass ich mein so lange geübtes “Verständnis” aller Positionen wirklich langsam aufgeben muss…

  23. […] aus ähnlichen Protestwellen einordnet. Lesenswert ist der Beitrag auf Zoon Politikon, der einen „Zusammenprall der Unkulturen“ sieht und diesen der These eines „Zusammenpralls der Kulturen“ […]

  24. #25 nihil jie
    September 17, 2012

    “P.S.: Es stellt sich nun heraus, dass der Regisseur des Films vor allem Erotikfilme gedreht hat. Soviel zum Thema make love, not war!”

    so weit ich weiss handle sich herbei um Pornos keine Erotik… udn Pornos sind nicht die Liebe sondern Leistungssport 😉

  25. #26 Stefan W.
    September 17, 2012

    @nihil jie: War schon.

    @anmasijo

    Aus jeglicher Förderung und aus jeglichem Handel, auch wenn letzteres weh tut.

    “Weh tut” ist gut. Sie haben unser Öl. Das ist von vitalem Interesse für uns – nicht irgendwie schmerzhaft.

  26. #27 Mortimer
    September 17, 2012

    Ein Video aus einem fremden Land, in einer fremden Sprache welches man nie gesehen hat (und auch sonst kaum jemand) soll die Motivation für öffentliche Proteste sein? Ich glaube eher, dass die Medien so etwas aufblasen, weil sie von der Xenophobie der Menschen profitieren.
    Auf der Titelseite einer Kölner Zeitung mit großen Buchstaben war das am Sonntag sehr gut zu sehen.

  27. #28 rolak
    September 17, 2012

    Ziemlich passend auch der Jesus&Mo strip von letztem Freitag.

  28. #29 anmasijo
    blue marble
    September 17, 2012

    @ Stefan W:
    Ja, natürlich, das ist klar und die schon wieder provokante Formulierung betont unsere “Erpressbarkeit”.
    Doch bevor mir Naivität vorgeworfen wird, relativiere ich meine Aussage gerne darauf, dass wir unsere Abhängigkeiten rasch verringern sollten, um doch ein bisschen mehr Gesprächsbereitschaft auf vernünftiger Basis erwarten zu können.

  29. #30 Georg Hoffmann
    September 17, 2012

    Ok, Ali, alles, was du schreibst, gekauft bis aufs letzte Komma.
    Du erinnerst dich sicher an unsere Diskussion nach den Wahlen in Tunesien. Was ist dein erster Eindruck vom Trend nach dem arabischen Fruehling? Werden die Islamisten demokratisiert durch den Prozess oder wird der demokratische Prozess islamisiert? Kurz, werden denn nun durch den Fruehling die Dinge besser? Hat die Demokratie es geschafft durch ihre nagende Untergrundtaetigkeit, Toleranz zu foerdern und den Dialog voranzubringen, oder machen die Massen jetzt endlich, was sie vorher nicht durften? Kurz, steht’s 1:0 oder 0:1?

  30. #31 Brucer
    September 17, 2012

    Ganz ehrlich: Dein Blog ist für mich eine wie Bibel für kluge, simpel formulierte Betrachtungen zur Welt.
    Ok, ist etwas komisch formuliert. Was ich sagen wollte: Immer wieder eine Lust zum Lesen und: Dankeschön!

  31. #32 Wolf
    September 18, 2012

    Was anderes: Was ist eigentlich gerade in Syrien los? Irgendwie liest man davon so gut wie nichts mehr. Der “Film” (ja ich habe versucht es mir anzuschauen, aber Marionettentheater fand ich zuletzt als Kind interessant, und Dialoge sollen zwar überbewertet sein, aber irgendiwe…) scheint ja wichtiger zu sein als tägliche Todesopfer.

    Ist doch auch mal eine interessante Frage:
    Wieviele tote Zivilisten braucht es, um das öffentliche Interesse von einer verbrannten Fahne abzulenken? Ich denke die müssen sich da unten noch etwas anstrengen, aber vielleicht setzt Assad ja bald C Waffen ein. [Zynismus off]

    Zum geplanten Verbot für den Film habe ich ein schönes Zitat von Johann Nestroy gefunden:
    “Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern,
    die ältere heißt Inquisition. Die Zensur ist das lebende Eingeständnis der Herrschenden, dass sie nur verdummte Sklaven treten, aber keine freien Völker regieren können.”

  32. […] Einen guten Zwitscherer habe ich bei Ali Arbia (aka zoon politicon) aufgelesen: Headline you will never see: Thousands of angry Jewish-Americans storm Egyptian […]

  33. #34 cydonia
    September 18, 2012

    Mein Senf:
    Könnten wir nicht einfach, wenn jemand hier in den Blogs sagt, dass er etwas aus religiösen Gründen ablehnt, sich aus religiösen Gründen beleidigt fühlt, sich aus religiösen Gründen Wasauchimmer…. ihn oder sie unisono mit einem großen Bannfluch belegen, der deutlich macht, dass Religion nie, niemals und nimmer ein Argument ist, sondern lediglich etwas über die (meist unhinterfragte) Sozialisierung des Äußernden verrät?
    Guter Post. Und wenn jetzt wieder die Blasphemie-Debatte aufflackert(Westerwelle hats schon versucht…wer hat dem eigentlich seine Berater vermittelt?), müsste eigentlich auch klar und deutlich gemacht werden, dass es bei uns bei solchen Gelegenheiten meistens nicht brennt, WEIL saftige Blasphemie schon lange zu unseren Gesellschaften gehört.

  34. #35 Stephan
    September 19, 2012

    Kunstfreiheit gilt auch für schlechte Filme

    http://hpd.de/node/13998

    “Es wäre ein fatales Zeichen, würde die westliche Welt aus Rücksicht auf die verletzten Gefühle religiöser Fundamentalisten ihre eigenen Wertmaßstäbe verraten!”, erklärte Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon am Stiftungssitz in Oberwesel. “Die Kunstfreiheit gilt selbstverständlich auch für schlechte Filme. Jede Konzession gegenüber religiösen Fundamentalisten würde sie dazu ermutigen, kritische Auseinandersetzungen mit dem Islam künftig noch brutaler zu verhindern. Eine offene Gesellschaft sollte solchen Bestrebungen in aller Entschiedenheit entgegentreten.”

  35. #37 ali
    September 19, 2012

    @Georg Hoffmann

    Ich finde es immer noch zu früh um das zu beurteilen. In keinem der Länder wo ein Umsturz stattgefunden hat, sehen wir etwas wie eine stabilisierte Situation. Am ehesten noch in Tunesien, aber die Verzögerungen mit der Verfassung und gewisse zweifelhafte Aktionen der Machthaber (übrigens nicht nur der Islamisten) lassen es besser erscheinen, auch hier noch mit einem Urteil abzuwarten.
    Dazu kommt, dass wie im Artikel auch geschrieben, die Situation in den verschiedenen Ländern auch sehr unterschiedlich ist.
    Sprechen wir aber einmal nur von den Unruhen die hier Thema sind, ist die Tendenz eher, dass dies von islamistischen Gruppen angezettelt wurden, die nicht an der Macht beteiligt sind. Daher auch der starke Verdacht auf primär politische Absichten. Wenn die neue Situation also Islamisten gemässigt hat, dann jene die eingebunden sind. Sie scheint aber auch Gewalt zu generieren bei jenen die vor der Tür bleiben mussten. Aber wie gesagt, ich glaube nicht, dass man schon Schlüsse ziehen kann, da diese Länder alle in einer (instabilen) Transitionsphase stecken.

    Das mit den “Massen” ist mir übrigens etwas zu suggestiv. Bedenkt man die “Massen” die gegen ihre autoritären Herrscher protestiert haben, dann sind diese Proteste numerisch kaum relevant.

    @Stephan

    “Es wäre ein fatales Zeichen, würde die westliche Welt aus Rücksicht auf die verletzten Gefühle religiöser Fundamentalisten ihre eigenen Wertmaßstäbe verraten!”

    Es wäre ja leider nicht das erste mal (Überwachung, Minarettverbote, racial profiling…)

  36. #38 Stephan
    September 19, 2012

    Der Tugendterror der wütenden Salafisten

    Die Forderung islamischer Fundamentalisten, ihr Glauben müsse vor jeglicher Kritik geschützt werden, geht zu weit. Wir dürfen nicht nachlassen, für die Errungenschaften der freien Welt zu kämpfen. Von Necla Kelek

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article109308790/Der-Tugendterror-der-wuetenden-Salafisten.html

    Die eigentliche Provokation ist eine andere

    Die Reaktionen vieler Politiker hier, von der Bundesregierung bis hin zu den Moderatoren des ZDF, zielen in Verkennung der tatsächlichen Ursachen, auf Konfliktvermeidung. Das mag für den Moment die Sache beruhigen, ist aber eine Fehleinschätzung. Es wird wieder ein Video, ein Lied, ein Buch geben, über das man sich aufregen wird. Wir können ja nicht zu denken und zu arbeiten aufhören, damit wir die Islamisten nicht provozieren.

    Die eigentliche Provokation für diesen Teil der Welt ist nämlich nicht ein Schmähvideo, sondern der Lebensstil, der Erfolg und die Freiheit des Westens – und die eigene Perspektivlosigkeit. Sie verstehen nicht, warum Allah zulässt, dass es den Ungläubigen besser geht als ihnen.

  37. […] ScienceBlogs: Zusammenprall der Unkulturen […]

  38. #40 Frank S
    September 19, 2012

    Wie sehen dort eigentlich die Interessen der Bevölkerung selbst aus – bzw. wie weit gehen dort überhaupt die Gemeinsamkeiten und Gegensätze innerhalb der Bevölkerung selbst?

    Werden Freiheiten im “westlichen” Sinne angestrebt oder sehnt man sich vor allem die Freiheit von Fremdherrschaft und der Herrschaft selbstherrlicher Diktatoren?

    Und nicht zuletzt: Wie wird eine solche Provokation wie dieses Video jenseits von Fanatikern und aufgepeitschtem Mob aufgenommen – und wie beeinflusst es die Haltung der Bevölkerung zum “Westen” ?

  39. #41 Wolf
    September 19, 2012
  40. #42 Stephan
    September 20, 2012

    Skandalöse Umkehrung des Täter-Opfer-Prinzips

    http://www.cicero.de/salon/mohammed-video-eine-skandaloese-umkehrung-des-taeter-opfer-prinzips/51908

    Es sollte selbstverständlich sein, dass das Prinzip der Kunstfreiheit auch für schlechte Filme gilt. Wo kämen wir denn hin, wenn wir es von ästhetischen Kriterien oder gar vom Einverständnis religiöser Fanatiker abhängig machen würden, ob ein Film in Deutschland gezeigt werden darf oder nicht? Bundesinnenminister Friedrich gab in diesem Zusammenhang wahrlich keine gute Figur ab. Wären die Demokraten früherer Zeiten angesichts der massiven religiösen Proteste, mit denen sie zu kämpfen hatten, so schnell eingebrochen wie er, würden in Europa womöglich noch heute die Scheiterhaufen brennen.

    Eine starke Demokratie ist auch eine wehrhafte Demokratie. Müssten jetzt nicht eigentlich die weltlichen, die säkularen Kräfte, zusammenstehen und sich gegen Provokateure (von Pro-Deutschland und Co.) und Islamisten gleichermaßen positionieren?
    Selbstverständlich. Einerseits müssen wir klar machen, dass Antimuslimismus ebenso menschenverachtend ist wie Antisemitismus. Andererseits dürfen wir nicht ignorieren, dass in der muslimischen Community noch immer vormoderne, patriarchale Werte von zentraler Bedeutung sind. Wir sollten in diesem Zusammenhang sehr deutlich unterscheiden zwischen einer humanistischen Islamkritik, die auf die Emanzipation aller Individuen ausgerichtet ist, und rassistischen oder xenophoben Initiativen, die islamkritische Argumente vorschieben, um Menschen auszugrenzen. Als offene Gesellschaft sollten wir einen dritten Weg einschlagen – gegen reaktionäre Islamverteidigung auf der einen und reaktionäre Fremdenfeindlichkeit auf der anderen Seite.

    Wundert Sie die Richtung der Debatte in großen Teilen der Medien und Politik: Da wird ein Video aufs Schärfste verurteilt und die Anschläge der Radikalen als Reaktion verharmlost. Das erinnert ein bisschen an die Zeit, da vergewaltigten Frauen gesagt wurde, ihr seid ja selbst schuld, wenn ihr euch so aufreizend anzieht.
    Ehrlich gesagt, wundert mich in dieser Hinsicht gar nichts mehr. Wir hatten eine ähnliche Situation ja schon vor 6 Jahren im Zuge des sogenannten Karikaturenstreits. Damals wurden die dänischen Karikaturisten beschuldigt, den öffentlichen Frieden zu gefährden. Eine skandalöse Umkehrung des Täter-Opfer-Prinzips! Denn nicht die an Leib und Leben bedrohten Zeichner gefährdeten den öffentlichen Frieden, sondern die religiösen Fanatiker, die in ihrem Wahn Hunderte von Menschen töteten, nur weil sie unfähig waren, auf satirische Kunst in angemessener Weise zu reagieren. Schon damals traten konservative Politiker als Trittbrettfahrer des islamischen Fundamentalismus auf und wollten den sogenannten Gotteslästerungsparagrafen verschärfen. Ich gehe davon aus, dass dies in absehbarer Zeit wieder geschehen wird.

    Ich teile hier die Einschätzung meines Stiftungskollegen Hamed Abdel-Samad, der den islamischen Fundamentalismus als Symptom einer fundamentalen Glaubenskrise des Islam deutet. Hoffnung macht dabei vor allem, dass sich zunehmend in allen Teilen der islamischen Welt aufgeklärte, liberale Muslime zu Wort melden, die einen grundlegenden Wandel fordern. Sollten sie sich durchsetzen können, würden wir über solche Absurditäten wie den Mohammed-Film keine hitzigen Debatten führen, sondern uns gemeinsam darüber amüsieren, wie irrsinnig schlecht doch die Computereffekte dieser überambitionierten Billigproduktion sind.

  41. #43 ali
    September 20, 2012

    @Stephan

    Ich teile hier die Einschätzung meines Stiftungskollegen Hamed Abdel-Samad, der den islamischen Fundamentalismus als Symptom einer fundamentalen Glaubenskrise des Islam deutet.

    Ich habe dazu einmal über einen Vortrag von Olivier Roy gebloggt. Roy deutet das Auflammen von Fundamentalismen allgemein als ein (letztes?) Aufbäumen gegen die weit fortgeschrittene Säkularisierung der Gesellschaft. Ich finde seine Argumentation ziemlich überzeugend (und hoffe er hat recht).

  42. #44 Wolf
    September 20, 2012

    “[…]Ich finde seine Argumentation ziemlich überzeugend (und hoffe er hat recht).”

    @Ali: das kann man wirklich nur hoffen, denn die Alternativen will ich mir gar nicht ausmalen.

  43. #45 Stephan
    September 20, 2012

    @Ali:

    Danke für den Link: http://scienceblogs.de/zoonpolitikon/2012/01/27/olivier-roy-die-ruckkehr-der-religion-ein-laizistischer-mythos/

    Ich lese es mir gerade durch…sehr interessant.

  44. #46 TSK
    September 20, 2012

    Damit die Selbstbeweihräucherung der westlichen Meinungsfreiheit nicht allzu drastische Auszüge annimmt, sei hier mal auf
    http://de.wikipedia.org/wiki/Tal_der_W%C3%B6lfe_%E2%80%93_Irak
    und
    http://de.wikipedia.org/wiki/Tal_der_W%C3%B6lfe_%E2%80%93_Pal%C3%A4stina

    verwiesen.
    Handlung ist kurz gesagt Rambo mit umgekehrten Vorzeichen: Ein guter Türke ballert amerikanische und israelische Bösewichter ab.
    (Wobei man sagen muß, dass sich die öffentliche Kritik hauptsächlich in Deutschland abgespielt hat. Soweit ich sehen kann, war es den Amerikanern scheißegal).

    Man vergleiche auch die Argumentation von http://hpd.de/node/13998 mit dem Link im brightsblog (der humanistische Pressedienst hat gar nicht reagiert)
    https://brightsblog.wordpress.com/2011/01/27/tal-der-wolfe-palastina/#more-14035
    http://www.migazin.de/2011/01/26/tal-der-wolfe-palastina/

    Ich weise auch mal darauf hin, dass die Titanic schon früher recht saftige Koran- und Muslimkritik verteilt hat und dies keine nachhaltigen Proteste verursacht hat:
    Google Bildsuche “Titanic” “Islam”

    – Wir lassen uns das Bildern nicht verbieten
    – Die Muslimbrüder kommen
    – Allah Tar
    – Religionen im Vergleich
    – Was passiert, wenn wir Afghanistan verlassen

  45. #47 Wolf
    September 21, 2012

    @TSK:
    Ich frage mich gerade, was du mit den Filmen sagen willst?
    Wurden Sie verboten?
    Wurden türkische Botschaften angezündet?
    Ist etwas passiert, ausser das Stoiber den Hals aufgerissen hat? WURDEN die Filme verboten? (Soweit ich das erkennen konnte hat dieser Politiker sich für ein Verbot ausgesprochen, weil er diesen Film als antisemitisch angesehen hat.)

    Du sagst “Damit die Selbstbeweihräucherung der westlichen Meinungsfreiheit nicht allzu drastische Auszüge annimmt, sei hier mal auf[…] verwiesen[…]”
    Ja gut. Die Filme sind hier im Kino gelaufen soweit ich weiß. Meinst du der (ebenfalls schlechte) Mohammed Film wird in der Türkei in die Kinos kommen? Meinst du die Hürriyet wird eine Auflage mit den besten Mohammed Karikaturen rausbringen?

    Sorry, ich verstehe die Intention deines Posts nicht. Erkläre es mir bitte.

  46. #49 TSK
    September 21, 2012

    Ich frage mich gerade, was du mit den Filmen sagen willst?

    Ok, so ziemlich alle Kommentatoren hier haben gesagt, dass Sie es unterstützen, dass der Film hier frei gezeigt werden kann und dass sie jede Gewalt ablehnen.

    Zitat Stefan:
    Für mich fallen dieser Film und andere “künstlerische Äußerungen” absolut unter die Freiheit der Meinung und diese auch zu verbreiten.

    oder Ali:
    “Der Islam und keine andere Religion sollten ein Recht haben, wegen ihrer Befindlichkeiten von allem was ihnen als diffamierend oder blasphemisch vorkommt, per Gesetz geschützt zu werden.”

    Ich will damit sagen, dass Proteste und Verbotsforderungen
    durchaus nicht nur ein Kennzeichen gewaltbereiter Muslime sind, sondern hier auch in Deutschland vorkommen. *Und* das es böse Karikaturen in deutschen Printmedien gab, die in der islamischen Welt völlig ignoriert werden sind.

    Jetzt werfen wir mal ein Blick ins Grundgesetz:
    1. “Die Würde des Menschen ist unantastbar”.
    5. Das Recht auf freie Meinungsäußerung.

    Das heißt, dass der Schutz der Würde des Menschen höher wiegt als der Schutz der Meinungsfreiheit. Deshalb gibt es hier Beleidigungsklagen, Strafen für das Verwenden verfassungswidriger Symbole und Komplettverbote gewisser Medien.
    In den USA ist es genau umgekehrt: Der Schutz der Meinungsfreiheit wird höher gestellt.
    Wie sieht es denn mit der Religion aus ?

    Dies ist Paragraph 4:
    Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
    Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

    Das heißt ganz klar im Grundgesetz: Die freie und ungestörte Religionsausübung ist wichtiger als die Meinungsfreiheit !

    Nun könnte man argumentieren, dass die Reihenfolge nicht die Wichtigkeit wiedergäbe, doch genau das tut sie.

    Denn es gibt § 166 des Strafgesetzbuches:
    Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen
    (1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

    Und der Grund, warum dieser Paragraph überhaupt existiert, ist, dass Religionsfreiheit schwerer wiegt als
    Meinungsfreiheit (Ob das nun berechtigt ist, oder nicht, sei mal dahingestellt).

    Bautz. Das Video ist nach deutschem Recht illegal und der Ersteller könnte hier verurteilt werden.

  47. #50 Wolf
    September 21, 2012

    “Das heißt ganz klar im Grundgesetz: Die freie und ungestörte Religionsausübung ist wichtiger als die Meinungsfreiheit !”

    Das ist, mit Verlaub, Blödsinn! Dieser § gibt dir ausschließlich das Recht DEINE PESÖNLICHE Religion zu wählen. An welchen imaginären Freund du glauben willst ist dir vollkommen überlassen.

    “Ich will damit sagen, dass Proteste und Verbotsforderungen
    durchaus nicht nur ein Kennzeichen gewaltbereiter Muslime sind[…]”
    Echt? Ich kann mich nicht erinnern, das im Zuge der Filme der türkische Botchafter umgebracht wurde. Ich kann mich ach nicht erinnenr, dass irgendjemand die Thailändische Botschaft angegriffen hätte.
    Die Forderung von einem Verbot, ist erst einmal nichts weiter als eine Meinungsäußerung, die von §5 GG geschützt wird. Dass ein solches Verbot AUFGRUND §55 GG nicht durchgeführt werden kann, sollte eigentlich einleuchtend sein, oder?

    Wow, noch ein Rechtsgelehrter, wie der Physiker. Du weißt schon, dass das durch ein Gericht entschieden wird und nicht durch dich?

    “[…]Und der Grund, warum dieser Paragraph überhaupt existiert, ist, dass Religionsfreiheit schwerer wiegt als
    Meinungsfreiheit […]”
    Und das ist wiederum, mit Verlaub, Blödsinn.

  48. #51 Wolf
    September 21, 2012

    @TSK:

    “[…]Ok, so ziemlich alle Kommentatoren hier haben gesagt, dass Sie es unterstützen, dass der Film hier frei gezeigt werden kann und dass sie jede Gewalt ablehnen.[…”
    Würdest du mir bitte die Stellen zeigen, an denen dieses Geschehen ist?
    Danke

  49. #52 TSK
    September 21, 2012

    Das ist, mit Verlaub, Blödsinn!

    1. Existiert der Paragraph §166 StGB, ja oder nein ?
    2. Ist dieser Paragraph auf das Mohammed-Video anwendbar, ja oder nein ? Wenn nein, warum nicht ?
    2. Wenn dieser Paragraph existiert, aufgrund welcher Abwägungen wurde dieser Paragraph aufgestellt ? Ich hätte gerne eine konkludente Argumentation, warum die Religionsfreiheit in Deutschland *nicht* höher gestellt wird als die Meinungsfreiheit und der Paragraph dennoch existiert.

    Wow, noch ein Rechtsgelehrter, wie der Physiker. Du weißt schon, dass das durch ein Gericht entschieden wird und nicht durch dich?

    Hast Du außer Deiner Empörung und Deines Un*glaubens*
    etwas zu bieten, was meiner Interpretation des Grundgesetzes und des Paragraphen §166 widerspricht ?

  50. #53 Stephan
    September 21, 2012

    Respekt? Wovor denn?

    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-09/religion-ideologie-respekt/komplettansicht

    Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese so freundlich wirkende Haltung diametral gegen die Streitkultur der Aufklärung verstößt, auf der der moderne Rechtsstaat gründet. “Mehr Respekt bitte!” ist ein Totschlagargument, das jede vernünftige Debatte zum Erliegen bringt.

    “Respekt” (von lateinisch “respectus”: Zurückschauen, Rücksicht) bezeichnet eine Form der Achtung und Ehrerbietung gegenüber einer anderen Person, ihren Handlungen oder Überzeugungen. Keine Frage: Für aufgeklärte Zeitgenossen ist es eine pure Selbstverständlichkeit, Menschen als Menschen wertzuschätzen. Doch gilt dies auch für alle Überzeugungen, die Menschen an den Tag legen? Ganz gewiss nicht.

    Wie etwa könnten wir aus einer aufklärerischen Perspektive heraus Glaubensüberzeugungen respektieren, die noch immer – im 21. Jahrhundert! – gegen Schwule und Ehebrecherinnen agitieren?

    Nein, hinter solchem Respekt verbirgt sich meist bloß Ignoranz beziehungsweise Feigheit, die sprichwörtlich geworden ist: Der Klügere gibt nach – was der Dummheit schon häufig zum Sieg verholfen hat.

  51. #54 Wolf
    September 21, 2012

    @TSK:
    Ich wiederhole:
    Das ist, mit Verlaub, Blödsinn! Dieser § gibt dir ausschließlich das Recht DEINE PESÖNLICHE Religion zu wählen. An welchen imaginären Freund du glauben willst ist dir vollkommen überlassen.

    Den § 166 gibt es, weil in D die Trennung von Kirche und Staat noch nicht abgeschlossen ist. Eine Frage der Zeit.

    http://www.ibka.org/node/631

    Zu deiner Frage:

    Art GG:
    (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

    (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

    WO bitte ist denn die PERSÖNLICHE EHRE von jemandem verletzt, weil sich jemand anderes über Mohammed lustig macht? Mohammed´s Ehre kann ja nicht gemeint sein, der ist seit vielen Jahrhunderten tot.

  52. #55 Wolf
    September 21, 2012
  53. #56 Wolf
    September 21, 2012

    EIn Auszug:

    “Der erste Senat des BVerfG betonte allerdings, dass das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung als unmittelbarster Ausdruck der menschlichen Persönlichkeit in der Gesellschaft „eines der vornehmsten Menschenrechte überhaupt“ sei. Für eine freiheitlich-demokratische Staatsordnung sei dieses Recht schlechthin konstitutiv, denn es ermögliche erst die ständige geistige Auseinandersetzung. Es sei in gewissem Sinn die Grundlage jeder Freiheit überhaupt.

    Deshalb dürfe aus dem qualifizierten Gesetzesvorbehalt des Art. 5 Abs. 2 GG nicht geschlossen werden, dass der Geltungsanspruch der Meinungsfreiheit schon von vornhinein auf den Bereich beschränkt wäre, den ihm die einfachen Gerichte nach Auslegung und Anwendung der allgemeinen Gesetze belassen. Die allgemeinen Gesetze müssten vielmehr in ihrer das Grundrecht beschränkenden Wirkung ihrerseits im Lichte der Bedeutung dieses Grundrechts gesehen und interpretiert werden. Sein besonderer Wertgehalt, nämlich die grundsätzliche Vermutung für die Freiheit der Rede in allen Bereichen, namentlich aber im öffentlichen Leben, müsse gewahrt bleiben. Es finde daher eine Wechselwirkung in dem Sinne statt, dass die „allgemeinen Gesetze“ zwar dem Wortlaut nach dem Grundrecht Schranken setzen, ihrerseits aber aus der Erkenntnis der wertsetzenden Bedeutung dieses Grundrechts im freiheitlichen demokratischen Staat ausgelegt und so in ihrer das Grundrecht begrenzenden Wirkung selbst wieder eingeschränkt werden müssen.[…]”
    (zu finden in dem o.g. Link.)

  54. #58 Stephan
    September 24, 2012

    Pat Condell sagt es wie immer sehr schön und direkt:
    http://www.youtube.com/watch?v=GCXHPKhRCVg
    Ich möchte hinzufügen: „I am not only sick and tired of islam, I am sick and tired of every religion!“

  55. […] http://scienceblogs.de/zoonpolitikon/2012/09/15/zusammenprall-der-unkulturen/ Bevor ich mit meiner Kritik beginne, möchte ich aber eine Sache aus dem Weg räumen: Weder der Islam noch eine andere Religion sollten ein Recht haben, wegen ihrer Befindlichkeiten von allem was ihnen als diffamierend oder blasphemisch vorkommt, per Gesetz geschützt zu werden. Auch wenn es sich um miserable Satire oder absichtliche Provokationen handelt. Irgendjemand wird sich immer in irgendwelchen religiösen Gefühlen verletzt fühlen. Lebt damit und vertraut darauf, dass euer allmächtiger Gott die Sache schon selber regeln kann. Ausserdem ist geistlose Satire kein Verbrechen. Nicht in einem juristischen Sinn zumindest. […]

  56. #60 Stephan
    Oktober 26, 2012

    Dieser Artikel beschreibt es auch sehr schön. Lasst uns alle die Meinungsfreiheit verteidigen und nicht nach „Respekt“ rufen oder betonen, dass wir doch bitte nicht „provozieren“ dürfen. Was für eine feige Ausrede, was für eine schmierige Appeasement-Politik!

    Wenn “Respekt” zur Gefahr für die offene Gesellschaft wird

    http://freie.welt.de/2012/10/25/wenn-respekt-zur-gefahr-fur-die-offene-gesellschaft-wird/

    Zitat:

    Doch wie erweist man jemandem oder etwas eigentlich seinen Respekt? Respektvoller Umgang miteinander äußert sich nicht in kritikloser Duldung, im Gegenteil: Kritik, Auseinandersetzung, ja Streit und offen ausgetragener (gewaltfreier) Konflikt sind ebenfalls Ausdruck von Respekt, den man jemandem oder einer Sache erweist – indem man damit nämlich zeigt, dass man den Anderen und das Andere ernst nimmt und auf Augenhöhe betrachtet. Schonung aus Furcht, den anderen “beleidigen” zu können, kann auch Ausdruck von Herablassung und Verachtung sein.

    Nicht vorgefertigter, dekretierter Zwang zum Konsens, sondern das permanente Austragen von Konflikten schafft in einer offenen Gesellschaft haltbare gemeinsame Werte. Durch die Maxime eines falsch verstandenen “Respekts” droht dieses Grundprinzip unserer Freiheit ausgehöhlt zu werden. Wir sollten daher unbedingt auf die Warnung des Schriftstellers Salman Rushdie hören: “Es wird immer zu Respekt vor irgendwelchen Gefühlen geraten und zu Umsicht, noch einmal: Dies sind Codewörter für Angst. Wir sind in ganz wenigen Ländern auf der Welt privilegiert, sagen zu dürfen, was wir wollen. Es gibt nur wenige Länder auf der Welt, in denen wir dieses Geschenk haben. Wir müssen es wertschätzen. Alle anderen wollen es, wir haben es – lasst uns nicht benehmen, als ob wir es nicht brauchen.”

  57. #61 D Bachmann
    Oktober 29, 2012

    Clash of Cultures “nicht wirklich existent”? Wirklich? In unseren Innenstädten vielleicht noch nicht, aber das kann auch noch werden. Nein, solange die Situation in Neukölln so bleibt, dass die eine Gesellschaft delinquiert und Sozialgelder kassiert und die andere Gesellschaft über Integration debattiert und Sozialgelder bezahlt, kann man nicht von “Clash” reden. Was aber, wenn die zahlende Gesellschaft einmal nicht mehr mag? Es braucht Buschkowskys, die sich der nun einmal angerichteten Lage annehmen und pragmatisch das Beste daraus machen. Es braucht aber auch Leute die sich fragen, wie konnte es je zu einem Neukölln kommen, war das wirklich, was man erreichen wollte, und was müssen wir ändern, wenn wir verhindern wollen, dass wir in 30 Jahren Neukölln buchstäblich “überall”, von den Lofoten bis nach Tirol, vorfinden? Wenn wir das verhindern möchten, ist es allerhöchste Zeit, in Begriffen von “Zusammenprall” zu denken.