“Vor hunderten Jahren schufen indische Künstler eine wunderschöne Serie von Bronzestatuen des tanzenden Shiva. In der Gegenwart haben Physiker die fortgeschrittenste Technik benutzt, um die Muster des kosmischen Tanzes darzustellen. Die Metapher des kosmischen Tanzes vereint so alte Mythologie, religiöse Kunst und moderne Physik.”
Denn eigentlich ist es nicht “Shiva”, den die Statue zeigt, sondern Nataraja, eine der vielen Erscheinungsformen dieser Hindu-Gottheit. Shiva zeigt sich hier als “König des Tanzes”, dessen “kosmischer Tanz” den hinduistischen Zyklus von Schöpfung, Zerstörung und Wiedergeburt des Universums zeigt. So wie Nataraja also die hinduistisch-religiöse Vorstellung der Kosmologie repräsentiert, repräsentiert das CERN die moderne, wissenschaftliche Erforschung von Anfang und Ende des Universums. Und wenn Indien dem CERN ein Geschenk macht, dann ist eine Shiva-Statue durchaus passend und kein geheimes Zeichen irgendwelcher Weltuntergangsfantasien…
Aber diese Realität interessiert die Verschwörungstheoretiker und aufmerksamkeitsheischenden Apokalyptiker natürlich nicht. Und von den vielen Menschen, die deren Unsinn – leider – viel zu naiv in den sozialen Netzwerken verbreiten, sind leider auch wenige bereit, darüber nachzudenken und die Sache kritisch zu betrachten. Wenn es irgendwo im Internet steht oder in einem YouTube-Video erzählt wird UND noch dazu spektakulär-angstauslösend ist, dann wird jede Aussage für echt gehalten. Das mangelnde Wissen über Physik und Astronomie tut sein übriges und wenn dann auch noch die “normalen” Medien (zum Beispiel hier, hier, hier oder hier) das Thema aufgreifen, dann hilft das nicht unbedingt (denn das ja immer nur “ironisch” gemeint ist, kriegt leider auch nicht jeder mit).
Auf welche Weise auch immer hat sich jedenfalls wieder mal eine Weltuntergangstheorie entwickelt, die vermutlich nicht verschwinden wird, bevor der 23. September nicht vorbei ist. Bis dahin wird sie noch viele weitere Details entwickeln. Und keine noch so ausführliche Erklärung wird die Weltuntergangsfanatiker bzw. diejenigen, die ernsthaft Angst haben, davon abbringen, dass da vielleicht doch was passiert.
Dabei wäre es ganz einfach, die Angst vor diesem Unsinn los zu werden. Man muss sich nur ein wenig mit der Welt beschäftigen. Ein bisschen etwas über Physik und Astronomie lernen zum Beispiel und zwar auf eine vernünftige Art! Man könnte in die Stadtbücherei gehen und dort ein paar populärwissenschaftliche Bücher zum Thema lesen. Oder mal bei einem astronomischen Verein vorbei schauen und sich ein bisschen was vom Himmel zeigen lassen. Einen der vielen öffentlichen Kurse oder Vorträge über Wissenschaft besuchen, die überall von Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen angeboten werden. In der Schule mit den Lehrern sprechen und sie bitten, diese Themen ausführlich im Unterricht zu behandeln (oder vielleicht sogar ein großes Projekt daraus zu machen). Möglichkeiten gäbe es viele – aber man muss sie halt auch wahrnehmen. Im Gegensatz zu Angst und Panik landet Wissen leider nicht von selbst im eigenen Kopf…

Roter Mond bei der Finsternis am 15. April 2014 (Bild: Tomruen, CC-BY-SA 3.0)
Die Welt wird am 23. September 2015 genau so wenig untergehen wie sie zu all den anderen in der Vergangenheit vorhergesagten Terminen untergegangen ist. Nicht durch ein “Dimensionstor” am CERN – und übrigens auch nicht durch den “Blutmond” und dem “Jüngsten Gericht”! Warum es sich bei der Mondfinsternis am 28. September 2015 um ein ganz normales Ereignis handelt, habe ich ebenfalls früher schon ausführlich erklärt: “Vier Mondfinsternisse und ein Weltuntergang: Die angebliche Apokalypse im Jahr 2015”. Und einen die Erde vernichtenden Asteroideneinschlag am 23. oder 24. September 2015 wird es auch nicht geben! Das erklärt nicht nur ganz offiziell die NASA sondern auch ich in einem weiteren Artikel: “Panik(mache) vor Asteroideneinschlag und Weltuntergang am 24. September 2015”.
Der 23. September 2015 wird ein ganz normaler Tag werden. Am CERN genau so wie anderswo. Ich werde vielleicht einen Kuchen für den zweiten Geburtstag meines Neffen backen. Am CERN werden die Physiker ihrer Arbeit nachgehen, so wie sie das auch an jedem anderen Tag machen. Und genau das sollten auch all diejenigen tun, die Angst vor dem Weltuntergang haben: Das, was sie auch sonst machen würden. Der 23. September ist ein ganz normaler Tag – und wenn ihr ihn trotzdem zu einem besonderen Tag machen wollt: Dann macht ihn zu dem Tag, an dem ihr damit anfangen habt, ein bisschen mehr über das Universum zu lernen!










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