Heute gibt es die nächste Folge dieser Serie, in der ich kurz von Entwicklungen aus meiner eigenen Forschung, Arbeit (Fälle, über die ich sprechen darf) oder von nebenberuflichen Tätigkeiten und Aktivitäten, von denen ich hier im Blog schon zuvor regelmäßig berichtet habe (GWUP, Skeptikerkram, Vorträge, Slams, TV- und Podcast-Präsenzen etc.), erzähle.
Forschung, Lehre und Wissenschaft:
Gordon-Research-Konferenz
Ich hatte letztes Jahr keinen eigenen Artikel darüber geschrieben, möchte aber doch noch kurz erwähnen, daß ich schmeichelhafterweise als Sprecher zur Gordon Research Conference (GRC) nach Maine in den USA eingeladen war, die dort im Juni letzten Jahres stattfand. Der Titel der Konferenz war „Connecting Fundamental Science, Innovative Methodologies, and Casework Applications“ und ich sprach über “TrACES of Time: Transcriptomic Analyses for the Contextualization of Evidential Stains” (s. auch hier).
Das war eine sehr angenehme aber auch sehr andere Erfahrung, weil das Konzept der GRC ganz anders ist, als man es von typischen „normalen“ Konferenzen kennt. Der Tagungsort ist stets bewußt sehr abgelegen, in meinem Fall in einem sehr schönen Hotel im Wald in einem Skigebiet, es gibt keine „Ausflüchte“ (große Städte o.ä.) in der Nähe, ich bin 3,5 h mit dem Auto von Boston aus dorthin gefahren. Man ist unter sich und bleibt es auch. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl ausgewählter Teilnehmer, die sich aus erfahrenen Wissenschaftlern und Nachwuchswissenschaftlern (die aber nicht zu unerfahren sein sollen) zusammensetzen und Unterhaltungen und Diskussionen außerhalb des Vortragssaals sind ausdrücklich gewünscht und werden sehr gefördert. Es wird zudem das Prinzip 2:1 streng eingehalten: auf jeden 20-minütigen Vortrag gibt es immer 10 Minuten Diskussion, es gibt also wirklich Zeit, Themen ausführlich und kritisch zu diskutieren. Auch herrscht Verschwiegenheitspflicht und Photoverbot, so daß auch ohne Bedenken unveröffentlichte Daten gezeigt und besprochen werden können. Jeden Tag gibt es zwei Sessions, am Morgen und am Abend nach dem Essen, bis 22 Uhr, dazwischen ist absichtlich viel „Freizeit“, die die Wissenschaftler bei Aktivitäten und – eben- Gesprächen, Diskussionen, Vernetzung verbringen (sollen). Ich fand das sehr gut und produktiv, auch wenn es etwas skurril sein kann, direkt neben einem bekannten Kollegen aus Australien mit Badehose bei 35°C Außentemperatur im Swimmingpool zu sitzen und sich über Details und Schwierigkeiten der forensischen RNA-Sequenzierung zu unterhalten und dann, noch tropfend und mit einem Handtuch um die Hüften, am Beckenrand ein paar Ideen aufzuschreiben; oder während man gerade schwitzend eine Hantel stemmt von einer frischen Post-Doktorandin angesprochen zu werden, ob ich mir mal ihren research proposal ansehen und mit ihr diskutieren könne etc.
Insgesamt war die GRC eine sehr angenehme, intensive Erfahrung, aus der viele Erkenntnisse, Inspirationen und neue Kontakte hervorgegangen sind und ich kann nur empfehlen, dort einmal hinzufahren, egal ob als jüngerer oder erfahrener Wissenschaftler, wenn man denn 1.) als Teilnehmer zugelassen wird und 2.) die nicht unerheblichen Kosten dafür aufbringen kann und will. Es wurde übrigend beschlossen, die nächste GRC zur forensischen DNA-Analyse in Europa stattfinden zu lassen, was den Aufwand für Europäer deutlich senkt und auch den für manche ungustiösen Besuch in den USA umgeht.
TV-/Podcast-/Interview-/Vortragsaktivitäten:
- Kortizes-Podcast
Als ich damals (s. Folge 1) bei Kortizes im Nürnberger Planetarium war, wurde auch ein Podcast aufgenommen, der kürzlich endlich erschienen ist.
- Noch mehr Skepkon 25:
die nächste Skepkon (wieder in Regensburg) ist nicht mehr so weit weg (yours truly wird dabei sein und berichten), doch hier kommen endlich noch ein paar Nachträge zur letzten Skepkon:
- die Skepkon 25 war in Regensburg. Dort habe ich einen Vortrag mit dem Titel “Dogs will not replace us. Ein Forensischer Molekularbiologe erklärt, warum Hunde keine DNA riechen können” gehalten. Hier kann man sich ihn ansehen.
- Auf der Skepkon gab es aber auch die besagte Panel-Diskussion zur vermeintlichen Kontaktschuld Varnans (ich hatte darüber berichtet). Auch diese kann man sich nun bei Youtube zu Gemüte führen.
- Und dann habe ich ja auch, wie erwähnt, den Imp getroffen, mit dem ich später das in Folge 4 verlinkte Gespräch zu allem möglichen geführt habe. Auf der Skepkon aber hatte ich erfolgreich seine Meinung zum (menschenrechtswidrigen, unlogischen, inkonsistenten und ideologisch-religiös überformten) Inzestverbot geändert.
- Ach ja, falls das hier Leute aus Köln und Umgebung lesen, die Interesse an der GWUP haben: es gibt inzwischen einen Kölner GWUP-Stammtisch, zu dem ausdrücklich auch Nichtmitglieder herzlich willkommen sind. Wer Interesse hat, kann sich beim Skepnet anmelden und findet dort mehr Infos und Termine.
- Sinans Woche
Der Youtuber und GWUP-Kollege Sinan Kurtulus war bei mir auf der Arbeit zu Besuch und hat einen sehr ausführlichen (und guten, wie ich finde) Beitrag über die Forensische Molekularbiologie, meine Abteilung in der Kölner Rechtsmedizin und dabei fast einen Vaterschaftstest gemacht…
- GWUP Connect
Mit dem Soziologen Christian Zeller, der auch ein GWUP-Kollege ist und auf der letzten Skepkon 25 einen sehr guten Vortrag zu Rassismus gegen Weiße gehalten hatte, habe ich ein interessantes und angenehmes Gespräch im Rahmen eines neuen GWUP-Videoformats „Wissenschaft und Gesellschaft“ geführt.
- Tagesspiegel
Am 19.02. erschien im Tagesspiegel ein Bericht über das Auslesen äußerer Merkmale aus der DNA bis hin zur Gesichtsrekonstruktion, über FIGG (forensisch-investigative genetische Genealogie) und den Einsatz von KI in der forensischen Genetik, yours truly kam auch zu Wort. (Der Bericht wurde später mehr oder weniger wortgleich auch bei n-tv, WELT und Augsburger Allgemeine veröffentlicht- warum auch immer….)



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