Vor 50 Jahren sind wir das erste Mal auf dem Mond gelandet. Aber jede Premiere hat auch eine Generalprobe. Im Fall der Apollo-11-Mission die am Ende Neil Armstrond und Buzz Aldrin auf die Oberfläche des Mondes gebracht hat, war das die Apollo-10-Mission. Und um die soll es heute in meinem 50tägigen Blog-Countdown zum Jubiläum gehen. Denn ein wichtiges Stück Technik das damals verschwunden ist, ist heute (vielleicht) wieder aufgetaucht.

Apollo 10 flog am 18. Mai 1969 ins All. Zuvor hatte ja schon Apollo 8 gezeigt das man in der Lage war, den Mond zu umrunden und Apollo 9 zeigte, dass die Mondlandefähre im Prinzip funktionierte. Apollo 10 sollte nun beides zusammenführen und deswegen taten Eugene Cernan, Thomas Stafford und John Young das, was nach ihnen Armstrong, Aldrin und Collins tun sollten. Beziehungsweise taten sie FAST genau das gleiche. Sie flogen zum Mond. Sie umkreisten den Mond. Sie trennten die Landefähre vom Kommandomodul. Sie näherten sich mit der Landeoberfläche dem Mond. Aber sie landeten nicht.

Fast da! Aber nur fast… (Bild: NASA, gemeinfrei)

14 Kilometer über der Mondoberfläche drehten sie wieder um. Sie wären zwar vermutlich auch da schon in der Lage gewesen, tatsächlich zu landen; trotz einiger Computerprobleme. Aber ein Start vom Mond zurück ins All wäre dann nicht mehr möglich gewesen. Die NASA hatte absichtlich nicht genug Treibstoff mitgeschickt um sicher sein zu können dass Cernan und Stafford nicht vielleicht doch spontan eine echte Landung versuchten.

Wäre es eine echte Landung gewesen, dann wäre die Mondlandefähre zuerst komplett auf dem Mond aufgesetzt. Beim Rückflüg ins All wäre dann aber die sogenannte “Abstiegsstufe” dort geblieben. Das ist das Teil, das man nur zum Landen braucht. Die “Aufstiegsstufe” die ins All fliegt wäre dann aber auch nicht lange im Einsatz gewesen. Nachdem die Astronauten wieder zurück ins Kommandomodul geklettert wären, hätte man auch sie im All zurück gelassen. Um auch das zu simulieren, wurde die Abstiegsstufe einfach im All abgesprengt so dass sie später auf den Mond stürzen würde. Die Aufstiegsstufe schickte man nach der Rückkehr zum Kommandomodul auf eine Umlaufbahn um die Sonne. Man wollte sie nicht im Mondorbit lassen, aus Angst sie könnte aus Versehen Apollo 11 in die Quere kommen.

Snoopy, gesehen von Charlie Brown aus (Bild: NASA, gemeinfrei)

Der Name der Mondlandefähre war “Snoopy” und das Kommandomodul hatte das Rufzeichen “Charlie Brown”. Gemeinsam mit Young, Stafford und Cernan ist auch Charlie Brown wieder zurück zur Erde geflogen. Wo Snoopy sich rumtreibt, war aber unbekannt. So genau war seine Bahn nicht bekannt um das Ding leicht wiederfinden zu können. Und da der Weltraum groß, so eine Aufstiegsstufe aber eher klein ist, hat sie seit 1969 niemand mehr zu Gesicht bekommen.

Bis vor kurzem. 2011 begannen Amateurastronomen damit, nach Snoopy zu suchen. Und einer von ihnen, Nick Howes, denkt, er hätte Snoopy gefunden. Zumindest ist er sich “zu 98% sicher”. Die ganze Geschichte kann man zum Beispiel hier oder hier nachlesen.

“The heliocentric orbit looks good, the object is artificial, and the size is right.”

sagt Howes in einem der oben verlinkten Interviews. Aber absolut sicher wird man es erst wissen, wenn das Objekt nahe genug ist um per Radar abgetastet zu werden.

Momentan trägt es die Bezeichnung “2018 AV2”, befindet sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne auf der es 382 Tage für eine Runde braucht und ist zur Zeit mehr als 50 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Damit ist es nur in den allergrößten Teleskopen sichtbar. Wir müssen noch bis zum 4. Juli 2037 warten, dann erreicht es mit einem Abstand von 6,4 Millionen Kilometer seinen “nächsten” Abstand zur Erde.

Es wäre schön gewesen, wenn wir rechtzeitig zum Jubiläum auch das verlorene Requisit der Generalprobe wieder gefunden hätten. Auch aus wissenschaftlicher Sicht; man kann sicher viel lernen, wenn man untersucht wie so eine Raumfähre nach 50 Jahren im All aussieht. Aber wer weiß – vielleicht kriegen wir Snoopy ja doch noch mal ein wenig genauer zu sehen. Das 75. Jubiläum der ersten Mondlandung kommt ja auch noch irgendwann…

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

Kommentare (15)

  1. #1 SkeptikSkeptiker
    25. Juni 2019

    Na Hauptsache, Snoopy wurde nicht auf der Rückseite der Sonne heimlich von Maschinenwesen umgebaut und kommt dann 2037 als Superintelligenz “S’opy” der Erde in die Quere. Schon das Datum 4. Juli sehe ich als klaren Beweis für dieses Szenario 😉
    .
    (Achtung – kann Spuren des Drehbuchs “Star Trek – der Film” enthalten)

  2. #2 bote19
    25. Juni 2019

    Snoopy hat von seiner Hundehütte aus genau die Mondlandung beobachtet. Dann hat er es Woodstock erzählt und der hat es weiter an Florian erzählt.

  3. #3 Kerberos
    25. Juni 2019

    “”Wo Snoopy sich rumtreibt, war aber unbekannt. So genau war seine Bahn nicht bekannt um das Ding leicht wiederfinden zu können. “”

    The Red Baron has hit him!

  4. #4 Kerberos
    25. Juni 2019

    “”Vor 50 Jahren sind wir das erste Mal auf dem Mond gelandet. “”
    Ich lege Wert auf die Feststellung, daß
    ich bei den “Wir” nicht dabei war.

  5. #5 bote19
    25. Juni 2019

    Kerberos
    Treibe deine Separationsbestrebungen nicht auf die Spitze ! Die Mondlandung ist zeitlos, da kommt es auf ein paar Jährchen nicht an. Und du bist als Mensch Teil der Menschheit und kommst jetzt in den Genuss an diesem Triumpf teilzuhaben.
    Aha, ich verstehe, gehörst du zu den Außerirdischen, die die Mondlandung am liebsten nicht wahrhaben wollen ?

  6. #6 Captain E.
    25. Juni 2019

    Angesichts des Names hat diese Aufstiegsstufe sicherlich eine Menge gemacht: Bücher geschrieben, als Joe Cool herumgehangen, gegen den Roten Baron gekämpft, Fort Zinderneuf der Fremdenlegion verteidigt und ansonsten einfach nur auf der faulen Haut gelegen…. 🙂

  7. #7 Kerberos
    25. Juni 2019

    Hallo Bote19,
    Ich bin alt genug, um die erste Mondlandung live
    gesehen zu haben (mit amerikanischer Flagge!)
    Was den Rest betrifft (Teil der Menscheit, Triumpf etc)
    schreib das mal an einen gewissen Trump.
    Vor allem aber ist mir dieses “wir sind…” zu sehr
    Bildzeitung.

  8. #8 Bullet
    25. Juni 2019

    @Kerberos:
    ja, die Mondlandung war kein internationales Projekt. Von daher versteh ich, daß Leute, die in miniterritorialen Verhältnissen aufgewachsen sind, mit dieser Art der Vereinnahmung ein Problem haben. Aber du wirst einsehen, daß für einen typischen Klingonen, Tefroder, Alderaaner oder Arrakianer alles andere als ein “wir” eines Terraners unter der Rubrik “absurd lächerlich-kleinkariert” einsortiert würde.
    Da ich mich in den allermeisten Fällen eher als Terraner sehe denn als Mitteleuropäer mit DE-Postleitzahl (es sei denn, der DHL-Fuzzi findet mein Haus nicht), stört mich das “wir” bei der Mondlandung gar nicht.

  9. #9 Bernd
    Hildesheim
    25. Juni 2019

    Mondlandung 2024, jaja.

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/nato-neue-strategie-zu-kriegen-im-weltraum-a-1274258.html

    Wie sieht das denn so aus mit Solarstrom, wenn
    Satelliten für die Wettervorhersage zerschossen werden?

  10. #10 Jürgen Schönstein
    25. Juni 2019

    @Kerberos

    Vor allem aber ist mir dieses “wir sind…” zu sehr Bildzeitung.

    Die hatte allerdings damals ganz un-national getitelt “Der Mond ist jetzt ein Ami

  11. #11 Florian Freistetter
    25. Juni 2019

    Und in dem Fall ist das “wir” ja sogar offiziell erlaubt. Immerhin stand ja am LEM explizit drauf: “Wir kamen in Frieden und für die gesamte Menschheit”.

  12. #12 Captain E.
    26. Juni 2019

    Und das erste aufgebaute Experiment bei Apollo 11 stammte aus der Schweiz.

  13. #13 Braunschweiger (DE)
    26. Juni 2019

    Was meinst du, @Captain, hätt’st du uns das Experiment nicht verraten können? —
    Das Sonnenwindsegel SWCE? – Warum muss ich mühsam im Netz suchen, wenn du es für uns weißt?

  14. #14 Captain E.
    26. Juni 2019

    @Braunschweiger (DE):

    Das tut mir leid. Den Namen hätte ich aber auch nicht gewusst, nur dass es aus einer Art Flagge bestand, die Armstrong und Aldrin so ziemlich als erstes aufbauen mussten, um eben die Partikel des Sonnenwindes einzufangen.

  15. #15 Peter Wäckerle
    Bern
    26. Juni 2019

    Das kam sogar aus Bern :- )

    http://www.bernimall.unibe.ch/hintergrund/das_berner_sonnenwindsegel/

    …und wird dieses Wochenende gefeiert