Ein faszinierendes Modellprojekt: Die Villa Quinta Verde an der Algarve ist das erste vollständig mit LED beleuchtete Wohngebäude.

Über unser aktuelles Forschungsprojekt AULED – die Entwicklung einer regelbaren LED-Straßenlampe mit minimierter Lichtverschmutzung – hatte ich in diesem Blog ja schon mehrfach berichtet. Wie man an der geringen Artikeldichte im „Frischen Wind” sehen kann, beschäftigt mich das Projekt momentan so stark, dass ich kaum noch zum Bloggen komme (was sich aber ab nächster Woche hoffentlich wieder ändern wird)…

Seitdem ich mich mit den Möglichkeiten befasse, die LED-Beleuchtung für die Energieeinsparung bietet, denke ich bei jedem Beleuchtungselement, dem ich im Alltag begegne – von der Leselampe bis zur indirekten Treppenstufenausleuchtung – automatisch darüber nach, ob es sich durch LED ersetzen ließe. Ein Artikel in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift LPI (Lighting Press International) hat mich diese Woche daher besonders fasziniert: An der portugiesischen Algrave gibt es seit kurzem ein komplett mit LED beleuchtetes Musterhaus – die Villa Quinta Verde.

Träger des interessanten Projekts ist das Hamburger Unternehmen Stageled, welches hauptsächlich so genannte Lichtsteuerungen, d.h. Schaltsystemen für Ambient Lighting, vertreibt. Das bekannte Problem, dass LED nur ungern für die Innenraumbeleuchtung genutzt werden, da ihr Licht als unangenehm gilt, hat man geschickt durch den Einsatz von RGB-LED gelöst, mit denen sich angenehmes Mischlicht in verschiedenen Farbtönen erzeugen lässt. Mit RGB-LED hatte ich bislang eher wenig zu tun, da man sie aufgrund der vielen „Mischmöglichkeiten” kaum charakterisieren kann, weshalb bisher alle bei uns eingegangenen Anfragen nach entsprechenden Farbortmessungen im Sande verliefen.

Abgesehen davon bieten RGB-LED in der Beleuchtungstechnik viele faszinierende Möglichkeiten – wie eben auch das „Quinta-Verde-Projekt” demonstriert. Mehr als 500 LED sind im gesamten Gebäude verteilt und können über tragbare Touchpads von den Bewohnern einzeln sowie in Blöcken angesteuert werden. Dies ermöglicht es, die Beleuchtung quasi situationsabhängig zu verstellen – beispielsweise im Esszimmer, wo man per Knopfdruck zwischen dem eher neutralen Ambiente für ein Geschäftsessen auf die farbige Beleuchtung für ein Candelight Dinner umschalten kann.

Abgesehen davon, dass es schon ziemlich cool sein muss, in einem solchen Haus zu wohnen, zeigt das Musterprojekt deutlich, was mit LED-Beleuchtung auch im privaten Bereich in Zukunft alles möglich sein wird: Unterwassertaugliche Leuchten für den Gartenteich, RGB-LED für individuelle Raum-Farb-Kombinationen, High-Power-LED für die Außenbeleuchtung. Wenn man bedenkt, welche enormen Energieeinsparungen sich mit den kleinen Halbleiterbauteilen im Vergleich zur herkömmlichen Glühdraht-Beleuchtung (die ja eher eine Heizdraht-Beleuchtung ist) erzielen lassen, wird schnell klar, dass mit LED-Beleuchtung im privaten Bereich über den „Coolness-Faktor” hinausgehende, weitreichende ökologische wie ökonomische Implikationen verbunden sind.

Mal sehen, wann es das erste vergleichbare Musterhaus in Deutschland zu bestaunen gibt. Bis dahin bleibt das folgende Gebäude aus den USA weiterhin das faszinierendste Beispiel für den Einsatz intelligenter Lichttechnik in der Hausbeleuchtung (auch wenn es sich effizienztechnisch gesehen natürlich um eine völlige Fehlplanung handelt):

Kommentare (7)

  1. #1 Ludmila
    5. September 2008

    Du hast aber schon mal was von Lichtverschmutzung gehört, oder? Als halbe Astronomin kann ich jedenfalls diesem Haus nicht wirklich etwas abgewinnen. Ich will dann doch lieber die viel coolere Lightshow sehen: Die Sterne am Nachthimmel. Das geht aber nicht, wenn jeder so etwas veranstaltet.

  2. #2 Christian Reinboth
    5. September 2008

    @Ludmilla:

    1) In Ironie bist Du doch sonst so beschlagen…

    2) http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/2008/07/lichtverschmutzung-ein-okologisches-problem.php

  3. #3 Ludmila
    5. September 2008

    @Christian: *Ächz* Wer sagte noch, dass Ironie in geschriebenen Texten selbst dann nicht funktioniert, wenn man ein Blaulicht draufmontiert?

    Sorry, sorry, sorry. Was muss ich jetzt machen, um Buße zu tun?

  4. #4 florian
    5. September 2008

    @Ludmila: Ausserdem ist da rechts oben doch eh so ein hübscher Stern der ab und zu aufleuchtet 😉

  5. #5 UB
    5. September 2008

    psssst: Algarve, nicht Algrave!

  6. #6 Christian Reinboth
    7. September 2008

    @Ludmilla: Kann vorkommen. Sollte vielleicht Ironie-Tags verwenden. Gerade was die Lichtverschmutzung angeht, kann man mir und meinen Kollegen nun aber wirklich keine Vorwürfe machen, denn das gehört zu den wenigen Problemen, an denen wir tatsächlich aktiv forschen. Wenn die neuen LED-Straßenlampen in Serienfertigung gehen (in etwa 14 Tagen) werde ich vielleicht nochmal einen längeren Artikel verfassen, in dem ich erkläre, wie wir die Lichtverschmutzung damit effektiv eindämmen können.

  7. #7 Christian Reinboth
    7. September 2008

    @UB: Danke für den Hinweis, Fehler wurde korrigiert. Da es sich bei der Algarve um eine Urlaubsgegend handelt, die für nicht-habilitiertes Personal weit außerhalb der finanziellen Reichweite liegt, war mir die genaue Schreibweise leider unbekannt.