Eine gute Wahlempfehlung abzugeben ist schwierig. Schlechte Wahlempfehlungen sind dagegen deutlich leichter. Welche der am Sonntag zur Wahl stehenden Parteien kann ich meinen Blog-Kollegen hier auf den ScienceBlogs also guten Gewissens nicht empfehlen?

Gut und weniger gut begründete Wahlempfehlungen finden sich in den letzten Tagen vor dem großen Urnengang in jedem zweiten Blog. Da die ScienceBlogs jedoch aus gutem Grund eine gewisse Neutralität wahren, werde ich mich in diesen Reigen allenfalls mit einer indirekten Empfehlung einreihen. Um das Wahlblogging der letzten Tage dennoch zu einem versönlichen Ende zu bringen, habe ich mir noch einmal die Programme der 24 Kleinparteien angesehen und mir überlegt, welche davon meinen Blog-Kollegen vermutlich am schnellsten die Zornesröte ins Gesicht treiben dürften.

Um dem Verdacht gleich vorzubeugen – es handelt sich bei diesem Blogpost keinesfalls um eine Satire – alle diese Parteien stehen am Sonntag tatsächlich zu Wahl, und alle verlinkten Zitate sind korrekt wiedergegeben – wer dies bezweifelt, möge es anhand der Links selbst überprüfen.

Wahltipp für Georg Hoffmann von Primaklima:

i-4f0898ff52e95463a00bf8a1aa44b466-zentrum-thumb-512x229.gif

Deutsche Zentrumspartei (Listenplatz 26)

Enttarnung der Klimalügner: Zentrumsstandpunkte zur Versachlichung

Der weltweite Klimaanstieg ist nicht menschengemacht, sondern hat seine Ursache in verstärkter Sonnenaktivität. Die Sonne und die Weltmeere sind treibende Kräfte des globalen Wetters, nicht die CO2- Emissionen. Der Einfluss von Emissionseinträgen in die Atmosphäre ist verschwindend gering.

Die vielfach heraufbeschworenen Klimakatastrophen haben eine Ursache- so wiederum laut Fachstimmen in der Presse – im Temperaturgefälle zwischen den Polkappen und dem tropischen Klimagürtel. Passen sich die Temperaturen an, gleichen sich die Unwetter auslösenden Spannungen aus.

Es geht schlicht um milliardenschwere Forschungsgelder. Mit Hysterie und Klimaverbrämung lassen sich öffentliche Mittel besser akquirieren als mit verantwortlicher Forschung, die sich an Naturgesetze gebunden sieht.

http://www.zentrumspartei.de/themenforum/umweltnatur/index.php

So wie man dem Heise-Forum eine gewisse Rolle bei der Entstehung der Piratenpartei nachsagt, komme ich nicht umhin zu vermuten, dass an der Neugründung der Zentrumspartei einige unserer Primaklima-Kommentatoren nicht gänzlich unbeteiligt gewesen sein können. Und wo wäre Georgs Kreuz besser aufgehoben, als bei seinen Stammlesern…

Wahltipp für Florian Freistetter von Astrodicticum Simplex
und Ulrich Berger von Kritisch Gedacht:

i-af31e26b4c7538bf98c5f4d0b1cd4585-violette-thumb-512x167.gif

Die Violetten – für spirituelle Politik (Listenplatz 10)

Um Spiritualität in Öffentlichkeit und Politik zu tragen, haben mit Beginn des 3. Jahrtausends Geistesfreunde aus mehreren Bundesländern die Partei “Die Violetten – für spirituelle Politik” gegründet.

Die Violetten sehen sich als Vertreter und Sprachrohr einer wachsenden Zahl von spirituellen Menschen an. Von all jenen, die sich der geistigen Dimension unserer Welt bewusst sind und die ihre ganzheitliche und nicht nur rein materialistische Weltanschauung auch in der Politik vertreten sehen möchten.

[…]

Aus spiritueller Sicht hat eine Erkrankung immer einen emotionalen oder geistigen Bezug, sie ist ein Zeichen oder ein Reinigungsprozess und dient der Entwicklung des Menschen. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise deckt die zugrunde liegenden Ursachen auf. Über den Weg der Erkenntnis kann Krankheit geheilt oder sogar vermieden werden, denn jeder Mensch hat das Potential, vollkommen gesund zu sein.

Finanzielle Transparenz bei allen Kranken-, Gesundheits- und Heilkassen ist selbstverständlich. Der ganzheitliche Ansatz und die Einbeziehung alternativer Heilweisen führen zu einer erheblichen Kostensenkung im Gesundheitsbereich.

http://die-violetten.de/de/programm

Wenn das nicht die ideale Partei für Florian und Ulrich ist. Dieses Wahlprogramm verlangt doch geradezu, dass mindestens einer der beiden der Partei beitritt, um uns künftig mit Insider-Berichten zu erfreuen. Nur so ließe sich vermutlich auch in Erfahrung bringen, ob die Violetten dieses Jahr zum letzten Mal bei einer Bundestagswahl angetreten sind – denn ob 2013 noch gewählt werden kann, steht bekanntlich in den Sternen…

Wahltipp für Jörg Rings von Diax’s Rake
und Ali Arbia von Zoon Politikon

i-e9b86763aae0535607a8f6f7397e950b-christliche-mitte-thumb-512x105.gif

Christliche Mitte – für ein Deutschland nach Gottes Geboten (Listenplatz 11)

Die CHRISTLICHE MITTE – mit ihrem vollen Namen – “für ein Deutschland nach GOTTES Geboten”, hat das Ziel, das öffentliche Leben nach den Geboten GOTTES, dem göttlichen Grundgesetz, umzugestalten und alle öffentlichen Einrichtungen zu den christlichen Werten zurückzuführen, in der Erkenntnis, daß alle in unserer Zeit beklagten Übel erwachsen sind aus der Abwendung vom göttlichen Willen, den ER in Seinen Geboten auf dem Berg Sinai geoffenbart hat.

1 / 2 / Auf einer Seite lesen

Kommentare (20)

  1. #1 Florian Freistetter
    25. September 2009

    Tja, Schade das Ulrich und ich beide Österreicher und nicht wahlberichtigt sind… 😉 Ansonsten könnten die Violetten natürlich mit unseren Stimmen rechnen 😉

  2. #2 Marc Scheloske
    25. September 2009

    @Florian:

    Keine halbseidenen Ausreden bitte! Ich erwarte zügig die Gründung eines österreichischen Ablegers der Violetten (wenn es den nicht ohnehin schon gibt in Östereich)! 😉

    Und zu Christians letztem Absatz und der Aufforderung, sich mit den Wahlprogrammen auseinanderzusetzen, möchte ich noch kurz hinzufügen, daß man sich (wenn einem das zu mühsam ist) wenigstens den Wahl-o-Mat vornehmen sollte. Diese 5 Minuten, die man für die Fragen benötigt, sind wirklich sehr, sehr gut investierte Zeit.

  3. #3 Jörg W.
    25. September 2009

    Die Highlights des Pluralismus 😉
    Schon blöd, dass wer wählt, auch undemokratische Gesinnung wählen darf.
    Danke für die Zusammenstellung. Hoffentlich bleibt uns die Buntheit erhalten, auch wenn bei der einen oder anderen Partei das Grausen den Nacken hochsteigt.

  4. #4 Thilo
    25. September 2009

    In Österreich gibt es die Violetten als Partei vielleicht nur deshalb nicht, weil sie dort schon die Mainstream-Parteien unterwandert haben 🙂 Jedenfalls bekommt man diesen Eindruck beim Lesen mancher Berichte auf “Kritisch Gedacht”.

  5. #5 Fischer
    25. September 2009

    LOL! Sehr schöne Zusammenstellung. Gibt es die Naturgesetz-Partei eigentlich noch?
    Die MLPD habe ich persönlich wegen der ungewöhnlich skurrilen Slogans (“Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte”) besonders in mein Herz geschlossen.

  6. #6 Christian Reinboth
    25. September 2009

    @Fischer: Nein, die sind schon 2004 dem Gesetz der Natur zum Opfer gefallen:

    Die Vorschläge der Partei fanden bei keiner Wahl genügend Anklang, um Mandate erringen zu können. Auf einer Bundesversammlung im Jahr 2001 beschloss die Partei, nicht mehr an Wahlen teilzunehmen. In den Jahren 2003 und 2004 wurden die Naturgesetz-Parteien weltweit aufgelöst.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Naturgesetz_Partei

    Weltweit? Nein! Ein von unbeugsamen Schluchtenbewohnern bevölkertes Land hört nicht auf, der Vernunft Widerstand zu leisten. Mit anderen Worten – natürlich gibt es noch eine Österreichische Naturgesetz-Partei:

    http://www.ayurveda.at/oenp/
    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96NP

  7. #7 Jörg
    25. September 2009

    Hmmm ich bin noch etwas unentschlossen zwischen der Christlichen Mitte und der Partei Bibeltreuer Christen…

  8. #8 TATsache
    25. September 2009

    Konkurrenz belebt das Geschäft! Man sollte jetzt wirklich die Zeit nutzen bevor man zur Tat schreitet. Es sind noch wenige Tage bis zu den Wahlen. Bitte informiert euch und geht wählen. Hier eine Zusammenfassung der Parteien… http://loom.tv/channel.php?c=19242

  9. #9 Christian W
    25. September 2009

    Verzichtet keinesfalls auf euer Wahlrecht und vor allem – gebt eure Stimme am Sonntag einer demokratischen Partei.

    Oder gebt eine ungültige Stimme ab!

    Das wird leider immer noch viel zu häufig vergessen, wer keine Partei wählen will, muss in sein Wahllokal gehen und seine Stimmen ungültig machen. Wer gar nicht erst hingeht, wählt eben die oben Genannten, weil er dadurch deren Chancen auf ein Ergebnis von mindestens 5 von Hundert abgegebenen Stimmen vergrößert.

  10. #10 Georg Hoffmann
    25. September 2009

    Danke Christian. Vielleicht schaffe ich es noch am Sonntag meine Stimme in der Botschaft abzugeben. Mein Opa habe immer Zentrum gewaehlt, sagt mein Vater. Die Kompetenz in Klimafragen ist ein Grund mehr diese schoene Familientradition mal wieder aufzunehmen.
    Ausserdem kann man dann das nette Fraeulein (die am Ende kokett die Schulter zeigt) als Direktkandidatin waehlen. Toll.
    Gibt es rein aestetische Ausschlussargumente um eine Partei nicht zu waehlen? Der Werbespot der NPD laesst vermuten, dass eventuell Schnäuzer und spielende Kinder an Gewaessern eine Partei sofort unwaehlbar machen. Weitere Vorschlaege?
    Gibt es eigentlich noch diese Partei, die im Wahlspot versucht hat, eine Levitation ihres Spitzenkandidaten zu zeigen? Die koennten dem Zentrum noch gefaehrlich werden.

  11. #11 Anhaltiner
    25. September 2009

    @Christian W: eine ungültige Stimme ist wie eine nicht abgegebene Stimme: Am Ende zählt das Verhälnis der abgegebenen gültigen Stimmen und es wird auch kein Sitz im Bundestag wegen Ungültigkeit von Stimmen gestrichen.

    Wer keine Partei im Bundestag unterstützen will der kann ja eine Nischenpartei wählen (die freuen sich über jede Stimme – gibt vieleicht keinen Sitz aber Geld)

  12. #12 Christian Reinboth
    25. September 2009

    @Georg: Das Zentrum beruft sich ja nicht umsonst auf ihre lange Geschichte bis zurück ins Jahr 1870 – zumindest das naturwissenschaftliche Weltbild scheint ja noch fest um 1870 verwurzelt zu sein… Die Partei mit dem schwebenden Spitzenkandidaten gibt es übrigens leider nur noch in Österreich:

    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96NP

    Zum NPD-Wahlwerbespot fällt mir ehrlich gesagt nicht viel ein – was die Nummer mit dem geschnitzen Holzschiffchen bedeuten soll, hat sich mir leider nicht erschlossen.

  13. #13 Georg Hoffmann
    25. September 2009

    @Christian

    Zum NPD-Wahlwerbespot fällt mir ehrlich gesagt nicht viel ein – was die Nummer mit dem geschnitzen Holzschiffchen bedeuten soll, hat sich mir leider nicht erschlossen.

    Das ist doch klar. Die Botschaft ist: Das ist noch deutsches Spielzeug aus deutschen Eichen mit einem deutschen Messer geschnitzt fuer die Ewigkeit und kein billiger Plastikschrott aus China, der ungluecklich macht.

  14. #14 Manuel
    25. September 2009

    Also wenn Stalin ein fett und unterstrichen “verdient”, dann Mao aber bitte erst recht 😉

    Ansonsten natürlich alles sehr vielversprechende Wahlvorschläge…hier in Bayern wählt man dann aber wohl doch die “Bayernpartei”, damit das mit der Unabhängigkeit dann endlich mal was wird. Bei nächster Gelegenheit wird dann wieder ein König eingesetzt und den Preußen gezeigt, wo der Hammer hängt…..öhhhh…

    Nein, ich glaube die 5%-Hürde hat schon ihre Berechtigung 🙂

  15. #15 Florian Freistetter
    25. September 2009

    In Deutschland gibt es so viele schöne, kleine interessante Parteien. In Österreich gibts lang nicht so viel Vielfalt…

    Zur Bayernpartei: Ich wollte ja mit ein paar Kollegen mal ne echte Piratenpartei gründen (das war 2005 oder so, da gabs die heutigen Piraten noch gar nicht). Da unsere Program vorgesehen hätte, das Bundesgebiet der neuen Piratennation Deutschland nur auf die Bundesländer mit Küste zu beschränken (die Bundeshauptstadt wäre dann natürlich von Berlin nach Helgoland verlegt worden), wollten wir auch der Bayernpartei eine Kooperation vorschlagen – denn Bayern wollten wir sowieso loswerden 😉 Die restlichen Länder hätten wir dann auf ebay versteigert – das hätte sicher gereicht, um mit dem Geld nen Haufen Wahlversprechen zu finanzieren 😉 Und ansonsten hätte die Finanzplanung diverse Kaperfahrten in Nord und Ostsee vorgesehen… “Deutschland braucht keinen Kanzerl, Deutschland braucht einen Kapitän!” Hmm – vielleicht sollte ich das Projekt wieder mal weiterverfolgen, jetzt wo die Piraten so populär geworden sind 😉

  16. #16 ali
    25. September 2009

    Ich und Jörg sollten beitreten und die Spaltung in die Christliche Rechte, Mitte und Linke vorantreiben. Denn der grösste Feind der Judäischen Volksfront ist…

    Köstlicher Beitrag. Zum Glück darf ich in Deutschland nicht wählen.

  17. #17 BreitSide
    25. September 2009

    Pass nur auf das erste “H” in der Überschrift auf!

    Ich traf neulich eine Leipziger Studentin und Lafo-/Gysi-Fan. Die konnte fast die gesamte Leugnerarie in weniger als einer Minute runterbeten. Das ist auch eine Kunst für sich…

    War sie da konform mit dem “Linken”-Parteiprogramm? Bin zu faul zum Suchen. Obwohl, der Wahlomat hat´s ja: nee, Klima ist da gar nicht gefragt.

    Weiter zum Parteiprogramm in der ARD-Übersicht:

    “Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2020 in Deutschland gegenüber 1990 halbiert werden.” Die Linke.

    Dann hat die Gutste da wohl was falsch verstanden…

    BS

  18. #18 Mario H.
    27. September 2009

    Danke für die Übersicht. Es wäre aber *noch* schöner gewesen, wenn mehr Parteien dabei gewesen wären.
    Zur NPD: Mutter sagt, dass die eigenen Bälger deutsch sprechen sollen. Da frage ich mich doch, ob Muttern selbst *nicht* deutsch sprechen kann. Sonst liegt das doch an ihr, oder verstehe ich das was falsch?
    @Florian Freistetter: die Idee, eine echte Piratenpartei zu gründen, finde ich – als Ostfriese (im Exil) sehr gut. Allerdings würde ich als Hauptstadt Marienhafe vorschlagen.
    Name der Partei: “Likedeeler”.

  19. #19 Ronny
    30. September 2009

    Und ? Was haben die Jungs so erreicht ?
    Also Stalin unterstreichen und Mao nicht, halte ich auch für hart 🙂

    Besonders unterhaltend finde ich immer die Aussage, dass alternative Medizin ja vieeeel billiger ist. Aber andererseits kein Wunder, wenn die Kunden wegsterben, dann reduzieren sich auch die Kosten.

  20. #20 Christian Reinboth
    2. Oktober 2009

    @Ronny: Völlig richtig, Mao muss natürlich auch noch unterstrichen werden. Habe das nachgeholt. Bei erster Lektüre des Wahlprogramms hat mein Verstand sich nach Stalin offenbar geweigert, weitere Klopper zu Kenntnis zu nehmen…