In den kommenden Tagen will ich mit dem schon vor längerer Zeit angekündigten DIALux-Tutorial ein kleines – und hoffentlich langanhaltendes – Blog-Experiment starten. Im ersten Posting soll es neben Inhalt und Aufbau des Tutoriums um die Frage gehen, was das Ganze mit meinen eigentlichen Blogthemen Energieeffizienz und Umweltschutz zu tun hat.

Nachdem mir die Suche nach Interessenten für ein DIALux-Tutorial im letzten Monat innerhalb einer recht kurzen Zeit mehrere Kommentare, fast zwei Dutzend E-Mails und etliche hundert Klicks eingebracht hat, habe ich mich dazu entschlossen, mich an einer kleinen Blogserie zum Thema DIALux zu versuchen. In den nächsten Monaten wird der Themenbereich der softwargestützten (und ökologischen) Beleuchtungsplanung hier im “Frischen Wind” daher den meisten Raum einnehmen, auch wenn es natürlich weiterhin Artikel zu anderen Themen geben wird – nur eben nicht mehr ganz so viele wie bisher…

Was genau ist eigentlich DIALux?

Bei DIALux handelt es sich um eine frei verfügbare Software zur Lichtplanung, mit der sich von der Bad- oder Wohnzimmerbeleuchtung über die Arztpraxis oder Büroetage bis hin zu Sportplätzen und kompletten Straßenzügen eine Vielzahl möglicher Beleuchtungsszenarien zweidimensional planen und dreidimensional simulieren lässt. Über zahlreiche Plugins lässt sich ein Großteil der aktuell am Markt erhältlichen Lampentypen vergleichsweise einfach in das Programm integrieren, zudem lassen sich auch eigene Goniometer-Messdaten in DIALux erfassen (was die Datenerfassung anbelangt, sitzt eine fleißige studentische Arbeitsgruppe in unserem Labor übrigens gerade über einer teilautomatisierten Lösung).


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Für ein demnächst startendes Projekt zur energieeffizienten und autarken Versorgung von Bushaltestellen simuliere ich derzeit probehalber schon einmal ein paar Haltepunkte…

Das Ziel derartiger Simulationen ist dabei natürlich dem Planer überlassen – vom Versuch, eine “lichtkünstlerisch-ästhetische” Ausleuchtung vorzubereiten bis hin zur Suche nach der Leuchtenkonfiguration mit dem niedrigsten Energieverbrauch oder dem geringsten Beitrag zur Lichtverschmutzung ist prinzipiell alles möglich, wobei der Fokus dieses Tutorials vor dem Hintergrund meiner Projekte zur LED-Beleuchtung bzw. zur Lichtverschmutzung wohl primär auf der ökologischen Verträglichkeit bzw. Energieeffizienz liegen wird.

Was hat ein DIALux-Tutorial im „Frischen Wind” zu suchen?

Sehr viel. Als ich vor über zwei Jahren angefangen habe, auf den ScienceBlogs zu bloggen, waren Energieeffizienz, regenerative Energiequellen sowie der Umweltschutz sozusagen meine Kernthemen – daher auch der Blogtitel „Frischer Wind”. Während ich mich anfangs noch recht eng an diesen Themen orientiert habe, kamen mit der Zeit mehr und mehr „Zusatzthemen” wie die Homöopathie oder historische Betrachtungen wie beispielsweise zu Pruitt-Igoe oder Neuschwabenland hinzu. Und obwohl mir das Schreiben nach wie vor großen Spaß macht, habe ich doch mehr und mehr das Gefühl, von meinen eigentlichen Kernthemen wegzukommen – auch wenn natürlich Blogposts über die Funktion von Anemometern längst nicht so viele Leser finden, wie ein Rant über den Magdeburger Homöopathie-Master.

Und da im Rahmen von “Pepsigate” ja ohnehin die große Diskussion über die Zukunft der ScienceBlogs ausgebrochen ist, möchte ich mich an einem „Back to the Roots” versuchen – ein wenig angelehnt an Thilos schöne Blogserie (mit bereits 129 Folgen!) zur Topologie von Flächen, die in meinen Augen das darstellt, was ich mir von einem Mathe-Blog erwarte (auch wenn ich inhaltlich schon lange nicht mehr mitkomme). Etwas Ähnliches – wenn auch längst nicht so anspruchsvolles – habe ich mit dem DIALux-Tutorial vor, das sich an Fachleute und interessierte Laien wendet und in dem ich versuchen will, das Thema umweltfreundliches Lichtdesign über den reinen Umgang mit der Software hinaus möglichst breit zu erfassen.


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Wie lässt sich – bei ausreichender Beleuchtung des Gehwegs – die Menge an schlafstörendem Licht reduzieren, das durch die Fenster dieses Hauses fällt?

Der ökologische Hintergrund des Themas liegt dabei auf der Hand: Öffentliche und private Beleuchtung ist nicht nur für einen beträchtlichen Anteil am derzeitigen Energieverbrauch verantwortlich – und trägt damit natürlich auch zum Klimawandel bei – sie schadet darüber hinaus – zumindest im Außenbereich – zahlreichen nachtaktiven Tierarten und beraubt uns unserer freien Sicht auf den nächtlichen Sternenhimmel. Eine intelligente und ökologisch verträgliche Lichtplanung ist daher gleich auf mehreren Ebenen umweltrelevant: Sie hilft, Energie und CO2 einzusparen, Pflanzen und nachtaktive Tiere zu schonen sowie natürlich überflüssige Lichtverschmutzung zu minimieren.

Der einfachste und effizienteste Weg, um intelligente Lichtplanung zu betreiben, sind wiederum softwaregestützte Simulationen, wobei DIALux als zum einen besonders weit verbreitete und zum anderen auch für kommerzielle Zwecke kostenfrei erhältliche Software eine Sonderstellung unter den Planungsprogrammen einnimmt. Aus diesem Grund soll es in den nächsten Monaten im „Frischen Wind” primär um die Frage gehen, wie sich vor allem Außenbeleuchtung mit Hilfe von DIALux ökologisch verträglich planen lässt – auch wenn es hier natürlich nach wie vor auch Blogposts zu anderen Themen geben wird.

Und wie soll so ein “blogbasiertes Tutorial” funktionieren?

Über diese Frage habe ich mir ziemlich lange Gedanken gemacht und hoffe, nun eine brauchbare Lösung gefunden zu haben. Anfangs dachte ich, ich müsse im Grunde ein vollständiges Tutorial „vorschreiben” – angefangen bei eher langweiligen Themen wie Download und Installation – und abschnittsweise im Blog veröffentlichen. Diesen an sich naheliegenden Gedanken habe ich nach einiger Vorplanung allerdings aus verschiedenen Gründen verworfen. Zum einen fällt es mir sehr schwer, eine vernünftige Struktur für einen chronologischen Durchlauf der Software zu finden, zum anderen wüsste ich gar nicht, wie ich die theoretischen Aspekte der Lichtplanung in einer derartigen Struktur unterbringen sollte.

Hinzu kommt, dass es mich sicher mehrere Monate kosten würde, ein vollständiges Tutorial auszuarbeiten, in denen das Blog mehr oder weniger stillläge – und da würde es vermutlich nicht lange dauern, bis ich eine böse Mail vom Redaktionsteam bekäme…

Unser aktuelles Bushaltestellen-Szenario im Video: Im nächsten Schritt soll versucht werden, die wichtigsten Flächen bei minimaler Lichtverschmutzung so effizient zu beleuchten, dass eine autarke Versorgung per Solarzelle möglich wird.

Ich will daher versuchen, das Tutorial schrittweise direkt hier im Blog zu entwickeln, indem ich mich einzelnen Fragen wie zum Beispiel „Wie lässt sich die Straßenbeleuchtung für eine mehrspurige Straße bei gegebenem Mastabstand optimieren?” oder „Welche Informationen kann ich aus einer Falschfarbendarstellung der Leuchtdichte ablesen?” widme.

Zwischendurch werde ich dann auch immer wieder mal interessante Simulationsergebnisse präsentieren oder mit der Lichtplanung verbundene theoretische Aspekte wie zum Beispiel die Berechnung der Lichtstärke in Lux oder die Vermessung von Abstrahlcharakteristika besprechen. Ich hoffe, auf diese Weise sowohl die Funktionalität der Software als auch die theoretische Basis der Lichtplanung nach und nach erschließen zu können und irgendwann vielleicht sogar genügend Einzelartikel zusammenzuhaben, um sie mit einem allgemeinen Vorbau zu Download, Installation und Bedienung zu einem “richtigen” (chronologischen) Tutorial vermengen zu können, das sich dann in Form eines PDFs bereitstellen ließe.


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In dieses Basketballfeld habe ich letzte Woche mühsam noch Körbe und Basketbälle importiert, bevor das zugehörige Projekt leider wieder abgeblasen wurde…

Jeglicher Input in Form kritischer Kommentare oder E-Mails ist mir bei diesem Projekt natürlich willkommen – ansonsten bin ich bereit, für das Experiment auch mal das Risiko einzugehen, dass Kommentar- und Klickzahlen erst mal zurückgehen. Und sollte sich in den Zugriffsstatistiken zeigen, dass die Lichtplanungs-Thematik tatsächlich überhaupt nicht von Interesse ist, kann ich das Tutorial ja auch jederzeit beerdigen und wieder zum „regulären” Blogbetrieb zurückkehren…

Kommentare (2)

  1. #1 Wirbel
    17. August 2010

    Schön das du es durchziehst, freu mich schon!

  2. #2 kommentarabo
    17. August 2010