Wie gehen wir als Gesellschaft mit den Folgen des demographischen Wandels um? Können neue Technologien Pflegedienstleister dabei unterstützen, immer mehr ältere Mitmenschen möglichst optimal zu versorgen – oder wird die Pflege durch zu viel Technik entmenschlicht? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigen wir uns an der Hochschule Harz seit etwa einem Jahr – Grund genug, unsere TECLA-Projekte einmal in einer kleinen Blogserie vorzustellen.

In den letzten zwei Monaten hatte ich im Blog etliche krawallige Diskussionen, die eher wenig mit Wissenschaft zu tun hatten. Für diesen Monat habe ich mir vorgenommen, die Debatten wieder etwas herunterzufahren, indem ich einige unserer laufenden Projekte an Hochschule und Institut vorstelle und berichte, welche Fragen uns derzeit so umtreiben.

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Campus der Hochschule Harz (Quelle: Wikipedia)

Beginnen möchte ich mit einem Projekt, das mich gerade in den letzten Wochen sehr stark in Anspruch genommen hat, und das es (hoffentlich) wert ist, in mehreren konsekutiven Blogartikeln vorgestellt zu werden: Unserem ZIM-NEMO-Netzwerk TECLA, in dem ich seit Oktober des vergangenen Jahres neben Uwe Witczak als einer von zwei Netzwerkmanagern beschäftigt bin. Das Akronym TECLA steht dabei für „TEChnische PfLegeAssistenzsysteme”, womit die zentrale Forschungsfrage des Projekts bereits benannt wäre: Welche technischen Hilfsmittel könnten in der stationären wie in der ambulanten Pflege zukünftig zum Einsatz kommen, um dem drohenden Engpass entgegenzuwirken? Wie lässt sich die medizinische Versorgung in ländlichen Gegenden wie etwa dem Harzkreis verbessern? Wie können wir es älteren Menschen ermöglichen, länger in den eigenen vier Wänden zu leben, auch wenn sie körperlichen Einschränkungen unterworfen sind?

Bevor ich mich diesen Fragen zuwende und in den nächsten beiden Blogbeiträgen zwei unserer TECLA-Teilprojekte – die Adaption von digitalen Stiften für den Einsatz in der ambulanten Pflege sowie die Konzeptionierung von Hausassistenzssystemen – detaillierter vorstelle, möchte ich in diesem Post zunächst zwei Einstiegsfragen klären: Warum ist es sinnvoll, sich überhaupt mit technischen Pflegeassistenzsystemen zu beschäftigen – und wie sehen eigentlich Struktur und Ziele von ZIM-NEMO-Netzwerken wie dem unseren aus?

Die Motivation – demographischer Wandel und Pflegeengpass

Auch wenn der demographische Wandel bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten von der Politik thematisiert wird, ist die Problematik heute, da sich bereits die ersten Probleme – etwa bei der medizinischen Versorgung im ländlichen Bereich – deutlich abzeichnen, viel stärker in den Vordergrund gerückt. Unter dem Begriff der Demographie versteht man allgemein gesprochen die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Bevölkerungsentwicklung, die vor allem die Untersuchung von Phänomenen wie Fertilität oder Migration mit primär statistischen Methoden einschließt. Eine der Entwicklungen, die die Demographen derzeit besonderes beschäftigt, ist der demographische Wandel, der sich in vielen europäischen Staaten – inklusive Deutschland – beobachten lässt, und der primär durch die Überschreitung der Geburtenrate durch die Sterberate gekennzeichnet ist, die wiederum zu einer langsamen Überalterung der Bevölkerung führt.

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Anteil der über 65jährigen an der Bevölkerung europäischer Länder (Quelle: Wikipedia)

Es wird geschätzt, dass bereits im Jahr 2035 die Hälfte der Menschheit älter als 50 Jahre sein wird – und knapp ein Drittel bereits aus dem aktiven Berufsleben ausgeschieden sein dürfte. Eine der Kennzahlen, die diese Entwicklung wohl am besten ausdrückt, ist der sogenannte Altenquotient – der Prozentsatz der Bevölkerung, die die Altersgrenze von 65 Jahren bereits überschritten hat. Für die Bundesrepublik ist nach [Meyer & Schulze 2008] damit zu rechnen, dass der Altenquotient von gegenwärtig etwa 30% bis zum Jahr 2050 auf über 50% ansteigen wird – hinsichtlich des Anteils der über 80jährigen – der sogenannten Hochaltrigen – ist [Baumgärtner et al. 2009] zufolge sogar mit einer Verdreifachung von einem Bevölkerungsanteil von derzeit 5% auf etwa 15% zu rechnen.

Wie man sich leicht vorstellen kann, führt eine derartige Überalterung auf zahlreichen Ebenen zu sozialen, wirtschaftlichen und politischen Problemen. Immer weniger arbeitende Menschen werden zukünftig nicht nur für sich und ihre Familien, sondern auch für immer mehr Rentner aufkommen müssen. Immer mehr pflegebedürftige Senioren werden von immer weniger jungen Pflegekräften betreut werden müssen. Berufstätige werden in immer größerem Umfang privat für ihre eigene Altersvorsorge sparen müssen – und sich vermutlich immer häufiger fragen, wie leistungsfähig das staatliche Rentenwesen noch sein wird, wenn ihre berufliche Laufbahn sich irgendwann einmal dem Ende zuneigt.

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Bevölkerungsschwund in Sachsen-Anhalt seit 1950 (Quelle: Statistisches Landesamt)

Die Politik verfolgt zahlreiche Ansätze, um der Demographieproblematik beizukommen – höheres Kindergeld, bevorzugte Einstellung von Eltern im öffentlichen Dienst, verstärkte Anwerbung von – gerade medizinischen – Fachkräften aus dem Ausland etc. pp. All diese Maßnahmen können jedoch – selbst wenn sie erfolgreich umgesetzt werden können – bereits sichere Versorgungslücken nicht vollständig schließen, da zu einem Zeitpunkt X, an dem zu wenige Berufseinsteiger verfügbar sind, keine 18jährigen „aus dem Hut gezaubert” werden können. Dass es zukünftig etwa in der medizinischen Versorgung entsprechende Lücken geben wird, steht daher leider bereits so gut wie fest, woraus sich wiederum die Frage ableitet, wie die Gesellschaft damit umgehen kann und sollte.

Besonders betroffen – der Harzkreis

Eine Frage, die uns im Harzkreis stärker tangiert, als dies in anderen Kreisen und Städten der Fall ist – bis zum Jahr 2015 rechnet das Statistische Landesamt für unseren Kreis mit einem Rückgang der Bevölkerung um etwa 22.000 Personen, bis 2025 um mehr als 39.000 Personen, was wiederum über 15% der gegenwärtigen Bevölkerung entspricht. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass es 2025 über 10.000 pflegebedürftige Menschen im Harzkreis geben wird, die zu versorgen sind [LSA 2007]. Für die Webseite unseres Partnerprojekts TECLA WZW habe ich hier im vergangenen Jahr schon mal versucht, die demographische Entwicklung des Harzkreises grob zu skizzieren.

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Alterszusammensetzung der Bevölkerung von Sachsen-Anhalt in 2005 und Prognose der Alterszusammensetzung für 2025 (Quelle: Statistisches Landesamt)

Wie die meisten anderen Landkreise (nicht jedoch die kreisfreien Städte) Sachsen-Anhalts verliert auch der Harzkreis (den es verwaltungstechnisch erst seit der Kreisgebietsreform im Jahr 2007 gibt, gemeint sind bei älteren Vergleichen daher stets die kombinierten Zahlen der drei vorherigen Altkreise Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg) seit etwa Mitte der 50er Jahre kontinuierlich Einwohner. Ein besonders drastischer Bevölkerungsrückgang ist für die Stadt Quedlinburg zu verzeichnen: Während Wernigerode von 2000 bis 2005 etwa 3,8% und Halberstadt knapp 4,6% ihrer Einwohner verloren hat, bringt die Weltkulturerbestadt Quedlinburg es im gleichen Zeitraum auf ganze 7,1%.

Neben der natürlichen Bevölkerungsentwicklung ist für diesen deutlichen Rückgang vor allem die erhebliche Abwanderung in Richtung „Westen” verantwortlich. Die Wanderungsstatistik für das Jahr 2005 [WandStat 2007] zeigt, dass Halberstadt eine Abwanderung von 300 Einwohnern (bei 2551 Zuzügen und 2851 Wegzügen), Wernigerode von 318 Einwohnern (bei 2265 Zuzügen und 2583 Wegzügen) und Quedlinburg von 593 Einwohnern (bei 1699 Zuzügen und 2292 Wegzügen) zu verzeichnen hat. Allein die drei großen Städte des Landkreises haben damit nur im Jahr 2005 über 1000 Einwohner durch Wegzüge verloren.

Die Zahlen (eine ausführlichere Darstellung findet sich wie oben schon verlinkt hier) lassen erahnen, dass der Harzkreis – obwohl er insbesondere dank des Tourismus wirtschaftlich sehr gut aufgestellt ist – mit größeren Zukunftssorgen hinsichtlich der Überalterung zu kämpfen hat. Neben dem Fachkräftemangel, von dem bereits heute Unternehmen in der Region betroffen sind (wenn auch noch nicht in gravierendem Ausmaß), ist insbesondere die medizinische Versorgung in der Fläche (d.h. außerhalb der drei großen Städte) gefährdet – und auch hier zeigen sich bereits heute erste Lücken, wenngleich diese in Relation zu dem, was man in 15 oder 20 Jahren befürchten müsste, noch vergleichsweise harmlos sind…

Die Demographie als Thema für die Hochschule Harz

Angesichts der bedrückenden Aussichten ist es kein Wunder, dass die demographische Entwicklung nicht nur ein Thema für die Kommunalpolitik, sondern auch für die Hochschule Harz ist, wobei sich die drei an der Hochschule angesiedelten Projekte primär auf die Frage konzentrieren, wie die zu erwartenden Engpässe in der medizinischen Versorgung durch den Einsatz technischer Assistensysteme zumindest teilweise ausgeglichen werden könnten. Im Fokus stehen dabei insbesondere Hausassistenzssysteme, die es älteren Menschen auch bei Vorhandensein gesundheitlicher Einschränkungen ermöglichen, länger in der vertrauten Lebensumgebung wohnen zu bleiben und in geringerem Umfang auf ambulante Dienstleister angewiesen zu sein. Ebenfalls von Interesse sind Hilfssysteme, die von ambulanten und stationären Pflegedienstleistern eingesetzt werden könnten und die dabei die Mitarbeiter entweder zeitlich entlasten oder die Qualität der Pflege merklich verbessern.

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Das Telemonitoring-System “AiperMonitor” der Aipermon GmbH ist eines von mehreren Vitalwert-Überwachungssystemen die im Telemonitoring-Testraum evaluiert werden.

Neben “meinem” ZIM-NEMO-Netzwerkprojekt TECLA, das auf das ich nachfolgend noch im Detail eingehen werde, ist auf dem Wernigeröder Campus noch das von Prof. Fischer-Hirchert geleitete “Schwesterprojekt” TECLA WZW angesiedelt, wobei das WZW für den Mittelgeber – das Wissenschaftszentrum Wittenberg – steht. Im Rahmen dieses Projekts entsteht unter anderem eine Art Telemonitoring-Testraum im Wernigeröder IGZ, in dem marktverfügbare Hardware aus dem Telemonitoring-Bereich – also etwa Blutdruck- oder Blutzucker-Messysteme, Sturzsensoren oder Pulsuxiometer – auf Zuverlässigkeit, Handling und Genauigkeit getestet und miteinander vergleichen werden sollen. Das im Gegensatz zu den beiden TECLA-Projekten am Halberstädter Standort beheimatete und eher soziologisch ausgerichtete Projekt komoserv (Koordination und Moderation in Servicepartnernetzwerken der ostdeutschen Wohnungswirtschaft) von Prof. Apfelbaum verfolgt dagegen das Ziel, die Anforderungen älterer Mieter an ihre Wohnumgebung sowie die Vorbereitungen der Harzer Wohnbaugesellschaften auf den demographischen Wandel zu evaluieren.

Das ZIM-NEMO-Netzwerk TECLA

Das dritte Projekt im Bunde ist das erwähnte ZIM-NEMO-Netzwerk TECLA, in dem ich seit vergangenem Oktober als Netzwerkmanager tätig bin und das voraussichtlich noch bis Ende 2013 gefördert wird. Bei ZIM-NEMO (= Netzwerkmanagement Ost) handelt es sich um eine Fördermaßnahme des Bundeswirtschaftsministeriums. Gefördert wird das Management von Netzwerken, in denen sich Unternehmen verschiedener Branchen (darunter mindestens sechs KMU) zusammenfinden, um die gemeinschaftliche Entwicklung neuer Technologien und Dienstleistungen zu verfolgen – im Falle unseres Netzwerks gehören zu den Partnern unter anderem Medizintechnik-Unternehmen wie etwa die GETEMED AG und die AIBIS GmbH, medizinische Dienstleister wie der Dedelebener Pflegedienst Krüger oder die Wernigeröder Ahorn-Apotheke, Wohnbaugesellschaften wie die WWG oder die HaWoGe und Software-Spezialisten wie die brain SCC oder die TIBP GmbH. Die Hauptaufgaben des zweiköpfigen Netzwerkmanager-Teams bestehen dabei in der Erarbeitung technischer Konzepte sowie wirtschaftlicher Verwertungsmodelle für besagte Pflegeassistenzsysteme sowie der Beschaffung öffentlicher und privater Geldmittel für deren Realisierung.

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Insgesamt vier Teilprojekte werden derzeit durch das Netzwerk bearbeitet:

Hausassistenzssystem: Im Rahmen dieses Teilprojekts soll evaluiert werden, welche Anforderungen ältere Mieter und Wohnbaugesellschaften im Harzkreis an AAL-Technologie bzw. Hausassistenzssysteme haben, wobei in die Bereiche Sicherheit (z.B. Rauchmelder oder Fenster- und Türsensorik), Dienste (z.B. Lieferservices oder Rufbusse), Kommunikation (z.B. medizinisches Teleconsulting oder seniorengerechte E-Mails) und Gesundheit (z.B. Impfkalender oder Intergration von Geräten für das Vitalwert-Monitoring) unterschieden wird. Eine wichtige Herausforderung stellt hier neben der Suche nach einem tragfähigen Geschäftsmodell für künftige Betreiber eines solchen Systems insbesondere die juristische Seite da, da etwa geklärt werden muss, welche Haftungsrisiken sich aus dem Vorhandensein zusätzlicher Vitalwert-Daten für den jeweils betreuenden Pflegedienst ergeben könnten.

Digitaler Stift: Über dieses Teilprojekt hatte ich neulich schon mal kurz berichtet, hier geht es im wesentlichen darum, digitale Stifte für den Einsatz im Pflegebereich zu optimieren (damit befassen sich selbstverständlich auch schon andere) sowie sie um ein fotografisches System für die kontinuierliche Dokumentation chronischer Wunden für Hausärzte oder auch externe Wundmanager zu erweitern (unser Alleinstellungsmerkmal). Im Vordergrund steht dabei das Ziel, möglichst viele Eigenschaften solcher Wunden (wie etwa Unterminierung, Lokalisation oder auch Wundgrund) möglichst exakt über eine digitale Fotografie zu erfassen und ggf. durch nachgeschaltete Software wie W.H.A.T. auswerten zu können.

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Digitaler Stift aus dem TECLA WZW-Technikum

Tourenoptimierung: Ziel dieses Teilprojekts ist die Entwicklung einer Software, die Pflegedienste und Apotheken-Lieferservices bei der Planung von Touren (insbesondere Ressourcen wie Schlüssel, Präferenzen der Klienten hinsichtlich des Pflegepersonals etc.) sowie bei der Wegeoptimierung unterstützen soll. Auch hier gilt es, zahlreiche rechtliche Aspekte zu bedenken, da etwa die nötige Bestimmung der Fahrzeugposition nicht der Kontrolle von Mitarbeitern – etwa hinsichtlich der Pausenlänge – dienen darf.

Gesundheitsportal: Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern verfügt Sachsen-Anhalt (noch) nicht über ein (Online-)Gesundheitsportal. Das Ziel dieses Teilprojekts ist es zu evaluieren, zu welchen Kosten und mit welchen Inhalten ein solches Portal aufgebaut werden und wie es möglichst effizient mit den Videotext-Systemen regionaler TV-Stationen wie etwa dem RFH intergriert werden könnte. Auf diese Weise könnten dann nicht nur gesundheitsrelevante Informationen (wie beispielsweise Ärzte-Notdienstlisten), sondern auch mobilitätsrelevante Angaben (etwa zur Barrierefreiheit lokaler Veranstaltungen) über ein Medium zur Verfügung gestellt werden, das von der Zielgruppe der über 70jährigen – im Gegensatz zum Internet – häufig und gerne genutzt wird.

Soweit ein kurzer Überblick über unser Netzwerk und seine Projekte. Zwei davon – das Projekt zum digitalen Stift sowie das zum Hausassistenzssystem – werde ich in den kommenden Wochen hier noch ausführlicher vorstellen – und da wir für jedes unserer Netzwerkvorhaben ohnehin gerade einen Evaluationsbericht für den Mittelgeber verfasst haben, habe ich jede Menge spannendes Material, das ich für den „Frischen Wind” und – zumindest wenn ich die Zeit dazu finde – auch noch für die Wikipedia (trotz aller diesbezüglichen Sorgen) webtauglich aufbereiten und „zweitverwerten” kann.

Möglicherweise kann ich ja den einen oder anderem mit diesem kleinen Einblick zumindest ein wenig für unsere Arbeit begeistern – wenn das Feedback positiv ausfällt, schiebe ich vielleicht noch ein paar Artikel zu unseren anderen Projekten wie etwa AUBELE (autarke LED-Haltestellenbeleuchung) oder HOPE (Funktionsbauteile für POF-basierte Netzwerke) nach – unsere Arbeit im Bereich der LED-Farbortbestimmung hatte ich ja hier schon mal vorgestellt. Auf diese Weise kriegen wir vielleicht mal wieder etwas „actual science” in den „Frischen Wind”, mit der ich auch selbst etwas zu tun habe – auch wenn wir am An-Instiutut natürlich primär in der anwendungsorientierten und damit wirtschaftsnahen Forschung und – bis auf das Thema Lichtsmog – weniger in der Grundlagenforschung unterwegs sind – was aber mindestens ebenso spannend sein kann…

Übrigens: Die TECLA-Projekte der Hochschule Harz finden sich auch bei Facebook

Verwendete Quellen

[Baumgärtner et al. 2009] Baumgärtner, Barbara; Halder, Luca & Kolip, Petra: Qualitative Interviewstudie mit 50- bis 60-jährigen, alleinlebenden Bremerinnern und Bremern sowie Bremer Experten zu dem Thema: Wohnen im Alter in Bremen, Endbericht des Instituts für Public Health und Pflegeforschung (IPP), Bremen, 2009.

[LSA 2007] o.V.: Bevölkerung der Landkreise 2000 – 2005, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Magdeburg, 2007.

[Meyer & Schulze 2008]: Meyer, Sibylle & Schulze, Eva: Smart Home für ältere Menschen – Handbuch für die Praxis, herausgegeben vom Berliner Institut für Sozialforschung GmbH im Auftrag des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Berlin, 2008.

[WandStat 2007] o.V.: Wanderungsstatistik der Landkreise 2001 – 2005, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Mageburg, 2007.



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Kommentare

  1. #1 Logiker
    5. August 2011

    Den Artikel habe ich nicht gelesen, die Überschrift reichte. Demografischer Wandel (Herr Reinboth sollte mal die Rechtschreibung lernen), ich lach mich tot. Das ist CDU/FPD-Geschwafel ohne jeglichen wissenschaftlichen Hintergrund und nur gemacht, um die Gewinne der Ausbeuter zu stärken.

    Volkswirtschaftlich hat Herr R. nichts zu bieten, seine Beiträge sind reine Hetzpropaganda. Warum gibt sich ein seriöses Blog dafür her, Parteipropaganda zu veröffentlichen??????

  2. #2 Holgi
    6. August 2011

    @Logiker
    Ich habe deinen Kommentar nicht gelesen, aber ich glaube, Du bist ein Schwachkopf.

  3. #3 Mark
    6. August 2011

    @Holgi
    Ich habe seinen Kommentar gelesen und ich bin mir sicher, dass er ein Schwachkopf ist (oder ein billiger Troll)
    Kurz will ich noch einwerfen: Tatsächlich ist es für die Menschheit eine außergewöhnliche Situation, wenn die Bevölkerung schrumpft. Aber so extrem ist doch der Rückgang auch wieder nicht, oder? Ich meine, bei begrenzten Ressourcen kann man doch nicht immer wachsen. Der wissenschaftliche Fortschritt hat zwar dazu geführt, dass immer mehr Menschen ernährt werden können, doch wo und wann ist hier das Ende? Das ist sicher eine der interessantesten und diskussionswürdigsten Fragen im Allgemeinen.

  4. #4 michael
    6. August 2011

    @Mark

    Das ‘Ernähren können’ allein reicht ja bei weitem nicht. Das Leben besteht ja nicht nur aus Essen. Bereitstellung der notwendigen Ressourcen wie Wohnraum, Gesundheitsvorsorge,Energie… und sinnvolle Beschäftigung gehören auch dazu. Und das ganze muss irgendwie ‘erwirtschaftet’ werden. Insofern werden die kommenden Jahre sicher ‘interessant’ werden.

  5. #5 Matthias
    6. August 2011

    Hallo Christian, wie viele andere Berichte hier in deinem Blog, finde ich auch diesen hier sehr gut gelungen! Er gibt wirklich eine umfassende Einführung und selbst für mich gab es an der einen oder anderen Stelle noch Neues zu entdecken. Ich finde es auch sehr wichtig, so viele Personen wie möglich für das Thema zu sensibilisieren. Denn irgendwann trifft es wohl auch uns und dann möchte ich gut versorgt sein. Persönlich würden mich übrigens auch noch sehr die anderen von dir genannten Projekte interessieren, Aubele und wie hieß das andere noch?

  6. #6 Sim
    6. August 2011

    Ich bin auf jeden Fall für eine Roboter-Gesellschaft wo sich Roboter um die ganzen unangenehmen Aufgaben kümmern wie Fließbandarbeit oder Klos putzen. Und der Rest der Menschheit betreibt Wissenschaft oder Kunst oder fröhnt dem Mühßiggang vielleicht noch bissl Politik wer weiß.

    Jedenfalls ist auch dem demografischem Wandel nur mit guter Technik beizukommen. Oder Massenmorden, aber wer will das schon?

  7. #7 Joseph Kuhn
    6. August 2011

    Für manche Probleme im Pflegebereich gibt es technische Hilfen, für manche nicht, z.B. weil das menschliche Miteinander nicht durch Technik ersetzbar ist.

    Zum demografischen Wandel: Der Begriff “Überalterung” ist wertend, er lässt den steigenden Anteil Älterer negativ erscheinen und unterstellt zudem, es gäbe eine “normale” Altersverteilung, der gegenüber die derzeitige Entwicklung als “Überalterung” zu qualifizieren wäre. Das ist nicht der Fall. Hinzu kommt, dass der demografische Wandel kein neues Phänomen ist. In Bayern z.B. lag der Anteil der über 65-Jährigen Ende des 19. Jahrhunderts bei ca. 5 %, um 1950 bei knapp 10 %, derzeit bei ca. 20 % und im Jahr 2025 werden es ca. 23 % sein (Gesundheitsreport Bayern 2/2009, Gesundheit im Alter). So dramatisch anders als in den letzten 100 Jahren verläuft die demografische Entwicklung in Zukunft also nicht, was natürlich nicht heißen soll, dass man sich nicht dennoch darauf einstellen müsste – technische Hilfen in der Pflege eingeschlossen.

  8. #8 Intensivpfleger
    6. August 2011

    Mich würden ja vor allem die Ergebnisse des Testlaufs der einzusetzenden Technik durch den angeschlossenen Pflegdienst interessieren.
    Also konkret zB die Frage, ob durch den Einsatz des digitalen Stiftes und der damit verbundenen elektronischen Pflegedokumentation ein spürbarer Zeitgewinn resultiert. Und damit verbunden natürlich die Frage, ob dieser Zeitgewinn den Klienten (und damit natürlich auch den Pflegekräften) zugesprochen wird, oder ob daraus nur eine Arbeitsverdichtung durch mehr Klienten pro Tour resultiert.
    Außerdem wäre natürlich interessant, ob sich durch die eingesetzten Mittel die Qualität der Dokumentation verbessert. Da ich selbst mit einem wohl vergleichbaren System arbeite (Patientendatenmanagementsystem „Copra“ ) vermute ich, dass abgesehen von einer langen Übergangszeit, in der das Personal auf die Software geschult werden muss und entsprechende Erfahrungen sammelt, und in der auch noch zahlreiche Anpassungen der Software an die tatsächlichen Bedürfnisse vorgenommen werden müssen, man auch im ambulanten Bereich letztendlich durch die elektronische Patientenakte durchaus einen dtl. Zeit- und Qualitätsgewinn hat. Der Netto-Zeitgewinn wird aber idR durch die erheblich umfangreichere Sammlung von Daten wieder reduziert. Auch stellt sich mir die Frage, wie eine adäquate Qualitätssicherung vorgenommen wird. Am PC (oder vergleichbaren Eingabegeräten) ist schnell mal was angeklickt, was dann vielleicht gar nicht so durchgeführt wurde (nichtzuletzt auch durchaus unbeabsichtigt, zB infolge mangelnder Erfahrung mit dem System, oder technischen Problemen/Problemen mit der Technik). Da man im ambulanten Pflegedienst alleine arbeitet, ist hier eine direkte Überprüfung ja nicht möglich.
    Den rechtlichen Aspekt im Umgang mit den Daten (welche Daten, wo gesichert, wie gesichert, wer hat Zugriff…) könntest du auch gerne in einem Folgeartikel noch ausführlicher darstellen (fände ich interessant).

    Gibt es denn belastbare Zahlen, inwieweit eine vermehrte Sammlung medizinischer Messdaten bei gleichzeitiger Verbesserung der Kommunikation zw. Klienten und Arzt/Pflegedienst zu einem gesundheitlichen und wirtschaftlichen Vorteil führt? Also zB die Frage, ob gestürzte Personen, oder Personen mit stark abweichenden Vitalparametern schneller aufgesucht werden, und damit zB eine Vermeidung einer Krankenhauseinweisung oder Verkürzung von Liegezeiten in Krankenhäuern erreicht werden kann. Und dem gegenübergestellt der erhöhte Personal-, Zeit- und Kostenaufwand durch gehäufte (überflüssige?) Fahrten zum Klienten infolge Fehlalarmen o.ä. .

    Fragen über Fragen. Ich werde deinen Blog weiterverfolgen.

    Schöne Grüße vom
    Intensivpfleger

  9. #9 Hel
    6. August 2011

    @Christian

    Guter Artikel, vielversprechendes Projekt. Gerne mehr davon!

    @Logiker

    Demografischer Wandel (Herr Reinboth sollte mal die Rechtschreibung lernen), ich lach mich tot.

    *lol* Du Knalltüte, guckssu hier: http://www.duden.de/rechtschreibung/demografisch Setzen, Sechs!

  10. #10 Logiker
    6. August 2011

    Nun, ich bin ja ein Troll und Schwachkopf, okay. dafür denke ich aber nach, im Gegensatz zu Holgi und Mark. Dieses CDU-Gewinsel hier geht mir auf den Sack, und Holgi und Martk haben ja das Denken eingestellt udnbellen Kauder-Geschwafel nach.
    Wie der Christian, der ja nur nach einem fetten, gut dotierten posten in der CDU giert, um siene Mitmenschen zu diffamieren. Guten Tag zusammen, leckt euch weiter gegenseitig, belügt und betrügt euch und seid froh, wenn menschen, die anderer Meinung sind sind, brennen!

    Dann will es wieder keiner gewesen sein!!!!!

  11. #11 Dierk
    6. August 2011

    Lieber Logiker, wären Sie so nett, nicht die wirklich unschuldige Fachrichtung ‘Logik’ in das reinzuziehen, was Sie absondern? Ihre Beiträge haben ja nicht einmal mehr innere Logik. Außerdem täte ein klein wenig Korrektur lesen vor dem absenden eines Kommentars gut – nicht, weil ich Ihnen irgendeinen Rechtschreibfaschismus aufdrücken möchte, sondern weil es Lesbar- und Verständlichkeit erhöht. Ansonsten gilt: Zur Beurteilung eines Textes ersetzt Ideologie nicht Lesen.

    Unabhängig davon, wie die Altersstruktur der Gesellschaft in Zukunft aussehen wird, auch unabhängig davon, dass wir vor allem deswegen mehr “alte” Menschen haben, weil wir länger gesünder sind [was sich bisher nicht wirklich in unseren Definitionen niederschlägt], scheinen mir Projekte, die es den Menschen und der Gesellschaft leichter machen könnten, höchst interessant.

    PS: Offenbar ist es hier nötig zu erwähnen, in welcher Partei man ist. Ich bin in keiner.

  12. #12 Joseph Kuhn
    6. August 2011

    @ Dierk: mehr alte Menschen, weil wir länger gesünder sind, “was sich bisher nicht wirklich in unseren Definitionen niederschlägt”: Doch, theoretisch z.B. im Konzept der “gesunden Lebenserwartung”, empirisch z.B. in der Forschung zur “compression of morbidity”.

  13. #13 Dr. Webbaer
    6. August 2011

    @Mark

    Kurz will ich noch einwerfen: Tatsächlich ist es für die Menschheit eine außergewöhnliche Situation, wenn die Bevölkerung schrumpft. Aber so extrem ist doch der Rückgang auch wieder nicht, oder? Ich meine, bei begrenzten Ressourcen kann man doch nicht immer wachsen.

    Dieser Rückgang ist sicherlich extrem und über einige Generationen dezimierend: http://www.google.de/publicdata/explore?ds=d5bncppjof8f9_&met_y=sp_dyn_tfrt_in&idim=country:DEU&dl=de&hl=de&q=fertilit%C3%A4tsrate

  14. #14 Christian Reinboth
    6. August 2011

    Da ich leider gerade nur per Handy ins Netz komme, kann ich die vielen Kommentare derzeit nicht ausführlich beantworten – das wird aber spätestens am Montag nachgeholt. Dann kriegt sogar der Logiker eine Antwort… Der ausführliche Artikel zum digitalen Stift ist übrigens bereits in Vorbereitung.

  15. #15 fingerhut
    6. August 2011

    “der primär durch die Überschreitung der Geburtenrate durch die Sterberate gekennzeichnet ist, die wiederum zu einer langsamen Überalterung der Bevölkerung führt.”

    Nicht, dass mehr Menschen sterben als geboren werden, führt zum Steigen des Anteils der älteren Bevölkerung. Entscheidend ist das Verhältnis der neuen Generationen zu jenen, die noch nicht sterben. Z.B. kann eine höhere Sterbe- als Geburtenrate bei lange konstanter Geburtenrate zu einem Sinken des Anteils Älterer führen.

    Was sind die Kriterien, um die Entwicklung so negativ zu besetzen(_Über_alterung)?
    Würde es denn nicht reichen, die Veränderung mit neutralen Begriffen darzustellen, anstatt Boulevardsprache zu verwenden?

    “All diese Maßnahmen können jedoch [...] bereits sichere Versorgungslücken nicht vollständig schließen, da zu einem Zeitpunkt X, an dem zu wenige Berufseinsteiger verfügbar sind, keine 18jährigen „aus dem Hut gezaubert” werden können.”

    Das impliziert, dass man nur als 18jähriger in einem Pflegeberuf einsteigen kann. Warum folgt aus der Bevölkerungsentwicklung, dass nicht genug Einsteiger in Pflegeberufe zur Verfügung stehen können?

  16. #16 Dr. Webbaer
    6. August 2011

    Würde es denn nicht reichen, die Veränderung mit neutralen Begriffen darzustellen, anstatt Boulevardsprache zu verwenden?

    Naja, ist halt das Fachwort für diese Entwicklung u.a. auch im deutschen Raum. Oder vielleicht war gerade kein Euphemismus zur Hand?! – Wenn man auf die (mehr und mehr kommenden Probleme hinweist – “Wie man sich leicht vorstellen kann, führt eine derartige Überalterung auf zahlreichen Ebenen zu sozialen, wirtschaftlichen und politischen Problemen.” – scheint so ein Fachwort jedenfalls recht greiflich.

  17. #17 Stefan W.
    7. August 2011

    Zum einen gibt es in den letzten Jahrhunderten permanent Produktivitätszuwächse. Somit ist nicht ausgeschlossen, den heutigen Lebensstandard mit weniger Erwerbstätigen, anteilig an der Bevölkerung, zu halten.

    Unter Umwelt- und Ressourcengesichtspunkten ist das nur zu begrüßen.

    Daß zu viel Technik die Pflege entmenschlicht habe ich in typisch deutscher Romantik auch mal befürchtet, bis ein Senior erklärte, dass er lieber mit dem Aufzug fährt, als sich von einem Lakaien die Treppe hochtragen zu lassen – selbst wenn letzteres ein Gespräch nebenbei ermöglicht.

    Er will selbst bestimmen, wann er mit wem redet, und nicht Dienstleister, die aus Sentimentalität *Handarbeit* leisten, missbrauchen. Lieber chatter er dann im IRC mit Leuten, die er sich selbst aussucht.

  18. #18 emporda
    7. August 2011

    Leider enthalten die Kommentare nicht viel Gehirnschmals

    Die demographische Enwicklung der EU-27 kann man gut bei EUROSTAT nachlesen. Einerseits schrumpft die Bevölkerung der BRD in 40 Jahren von 82 auf 74 Millionen und weiter abhhmend, andererseits nehmen die Alten mit 65 und darüber von 20% auf 36% zu, darin sind die 80 Jahre und älteren mit 5% auf 11% beinhaltet.

    Die Zahl der abhängig Beschäftigten (Rentensystem) sinkt gleichzeitig von derzeit 28 Millionen auf unter 20 Millionen. Um 2050 kommen folglich auf jeden Beschäftigten etwa 1,5 Rentner, was nicht zu finanzieren ist. Die Zahl der Altenpflege müßte personell verdoppelt werden, was nur mit einer Dienstverpflichtung als “sozialem Jahr” zu machen wäre, damit wäre die Finanzierung immer noch offen. Bereits heute kostet ein Pflegeplatz je nach Stude von 2400 bis 3800 €/Monat, Geld das fast niemand hat.

    Das Rentensystem hat die Renten bereits gezielt verkürzt, die Durchschnittsrente nach 40 Jahren ud mehr beträgt etwa 860 €/Monat. In einer Metropole bleiben da nach Krankenkasse, Miete und Nebenkosten NULL € zum Leben, ohne Ehepartner mit einer zweiten Rente geht nichts. Die sozialen Leistungen wie Wohngeld, Befreiung von Fernsehgebühr, Telefongrundkosten müssen ja irgendwo herkommen, das Sozialbudget kann nicht verdoppelt werden.

    Eine Lösung ist nicht in Sicht.

  19. #19 fingerhut
    7. August 2011

    @webbär

    Wenn um eine Entwicklung zu beschreiben ein negativ konnotierter Begriff verwendet wird ist das miese Wissenschaft. Die Bewertung hat gefälligst nach der Beschreibung anhand klar angegebender Kriterien zu erfolgen. Auch wenn es im Fachgebiet weit verbreitet ist macht das daraus keine gute WIssenschaft. Es bleibt Scheisse.

  20. #20 Logiker
    7. August 2011

    @ emporda: Lassen Sie mal Ihren Gehirnschmalz an und denken 100 Jahre zurück. Dann werden Sie merken, dass Ihr CDUCSUFDP-Denken absolut daneben ist. LOGISCH denken, auch wenn es Ihnen und CR offensichtlich schwierig fällt. Naja, wo Dummheit hinfällt….. eklig, solche Leute in einem wissenschaftlichen Blog zu lesen.

    CR: Ersparen Sie sich eine Antwort: ich will keine Parteipüropaganda von vor 80 Jahren lesen. Wozu Ihre Meinung geführt hat, haben wir kennengelernt…..

  21. #21 Logiker
    7. August 2011

    “Frischer Wind” hat hier eine andere Bedeutung, und zwar die Bedeutung, die dieser “Frische Wind” für sich beansprucht. Naja, geistige Fürze wehen auch durch die Welt, aber sie stinken und sind nichts wert, so wie die geistigen Ergüsse dieses Ergusses….. ich kotz ab….

  22. #22 Dr. Webbaer
    7. August 2011

    Wenn um eine Entwicklung zu beschreiben ein negativ konnotierter Begriff verwendet wird ist das miese Wissenschaft.

    Eine sachorientierte ausdrückende Wissenschaft wird nicht an ‘negativ konnotierten’ Begriffen wie Artensterben, Kipp-Punkten, Nuklearkrieg, Regression, Osculation, Hundehusten und Mau-Mau-Krieg vorbeikommen. Man übt sich in modernen Gesellschaften natürlich – bspw. im Rahmen der sog. Vorurteilsforschung – sozial gerechte Sprache zu entwickeln, bis diese dann aber gemeinakzeptant vorliegt, wird aber womöglich noch einige Zeit vergehen.

  23. #23 Christian Reinboth
    8. August 2011

    So, nun kann ich mich endlich den Kommentaren widmen. Ich fange mal mit dem Logiker an, damit wir den unangenehmen Part gleich erledigt haben:

    @Logiker:

    Den Artikel habe ich nicht gelesen, die Überschrift reichte.

    Den Kommentar so zu beginnen ist eigentlich schon ein ziemliches Armutszeugnis…

    Herr Reinboth sollte mal die Rechtschreibung lernen.

    Die deutsche Rechtschreibung gestattet sowohl die Verwendung von “demografisch” als auch von “demographisch”, siehe Duden. Ich habe mir die ph-Schreibweise angewöhnt und stehe damit ganz sicher nicht alleine dar, siehe etwa den Themen-Schwerpunkt “Demographischer Wandel” bei der Bertelsmann-Stiftung oder den Promotionsstudiengang “Demographischer Wandel” der Uni Rostock. Oder können die auch alle nicht schreiben…?

    Das ist CDU/FPD-Geschwafel ohne jeglichen wissenschaftlichen Hintergrund

    Und das ist CDU-Gebashe ohne Verwurzelung in der Realität. Sämtliche demokratischen und im Bundestag vertretenen Parteien befassen sich mit dem demographischen Wandel, siehe:

    - Position der CDU zum demographischen Wandel
    - Position der CSU zum demographischen Wandel
    - Position der FDP zum demographischen Wandel
    - Position der SPD zum demographischen Wandel
    - Position der Grünen zum demographischen Wandel
    - Position der Linkspartei zum demographischen Wandel

    Zum sonstigen Verschwörungs-Unfug sowie zu den verbalen Ausfällen: Was soll man dazu zu noch sagen? Natürlich blogge ich hier nur, um einen fetten Posten bei der CDU abzustauben – da steht Blogging bekanntlich echt hoch im Kurs. Und selbstverständlich ist jeder, der sich mit dem Einsatz etwa von digitalen Stiften in der Pflege befasst eigentlich nur darauf aus, Menschen zu diffamieren, zu unterjochen und zu verbrennen… Ich meine: WTF? Bei zukünftigen Kommentaren bitte ich echt mal darum, wenigstens ein bisschen auf die Netiquette zu achten – bei weiteren Ausfällen oder Beleidigungen auch und gerade gegen Mitkommentatoren werde ich die IP sperren…

  24. #24 Christian Reinboth
    8. August 2011

    @Matthias:

    Persönlich würden mich übrigens auch noch sehr die anderen von dir genannten Projekte interessieren, Aubele und wie hieß das andere noch?

    Netter Versuch – aber über HOPE kann der Herr Projektleiter natürlich gerne selbst einen Gastbeitrag verfassen. Ich überlege ohnehin ob es nicht Sinn machen könnte, interessante Hochschul-Projekte dann und wann über Gastbeiträge im Blog vorzustellen – da kann HOPE gerne den Anfang machen…

  25. #25 Christian Reinboth
    8. August 2011

    @Joseph Kuhn & @fingerhut:

    Darf bzw. sollte man von einer “Überalterung” sprechen? Ich meine: Ja und nein. Gesellschaftlich betrachtet halte ich „Überalterung“ für den falschen Terminus, da er in der Tat impliziert, dass es so etwas wie eine ideale Altersstruktur existiert, von der alternativ durch Überalterung wie durch Überjüngung abgewichen werden kann, was sicher nicht der Fall ist. Im Hinblick auf systemspezifische Fragestellungen wie etwa die Stabilität des Rentensystems oder auch die Sicherheit der medizinischen Versorgung in ländlichen Räumen halte ich den Überalterungsbegriff allerdings für anwendbar, da innerhalb der Struktur eines beitragsbezogenen Versorgungs- und/oder Sicherungssystems durchaus eine Überalterung eintreten kann. Dass der Begriff eine an sich negative Konnotation hat, macht ihn für den wissenschaftlichen Bereich meines Erachtens nach nicht unanwendbar – man denke nur an andere Begriffe wie etwa Ozonloch, Artensterben (wurde ja schon vom WB genannt) oder Lichtverschmutzung, die ebenfalls eine negative sprachliche Konnotation besitzen und die sich trotzdem in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen finden…

    Das impliziert, dass man nur als 18jähriger in einem Pflegeberuf einsteigen kann. Warum folgt aus der Bevölkerungsentwicklung, dass nicht genug Einsteiger in Pflegeberufe zur Verfügung stehen können?

    Natürlich kann ich auch 40jährige noch zu PflegerInnen umschulen – das geschieht ja auch bereits und ist auf jeden Fall sinnvoll und zu begrüßen. Es liegt doch aber auf der Hand, dass die einen noch 40 oder 45 Jahre im Beruf tätig sein könn(t)en, während bei vielen älteren Berufseinsteigern nach spätestens 15 Jahren die Gesundheit die heftigen Belastungen des Pflegeberufs nicht mehr mitmachen dürfte…

  26. #26 Christian Reinboth
    8. August 2011

    @intensivpfleger: Vielen Dank für die vielen Fragen und Anregungen!

    Mich würden ja vor allem die Ergebnisse des Testlaufs der einzusetzenden Technik durch den angeschlossenen Pflegdienst interessieren.

    Derzeit prüfen und entwickeln wir ja noch, die Stifte werden erst in geringem Umfang von einem der Pflegedienste eingesetzt; in den nächsten Monaten werden aber weitere Pflegedienste hinzukommen. Mal sehen, wann wir dann evaluieren können, einige Monate dürften aber sicher ins Land gehen, bis man klare Aussagen zum Nutzen (oder Nichtnutzen) der Technik machen kann. Aus anderen, artverwandten Bereichen (Soziale Dienste, Luftrettung) liegen jedoch bereits Studien zum Einsatz digitaler Stifte vor, die ich auf jeden Fall diese oder spätestens nächste Woche in einem Blogpost zum Thema besprechen werde.

    Und damit verbunden natürlich die Frage, ob dieser Zeitgewinn den Klienten (und damit natürlich auch den Pflegekräften) zugesprochen wird, oder ob daraus nur eine Arbeitsverdichtung durch mehr Klienten pro Tour resultiert.

    Offen gesprochen ist das eine Befürchtung, die auch mich umtreibt. Die Pflegedienste, mit denen wir im TECLA-Projekt zusammenarbeiten haben es sich zum Ziel gesetzt, ihre Mitarbeiter durch Software und Stifte zeitlich zu entlasten, um ihnen so die Möglichkeit zu geben, auch mal fünf Minuten mit dem einen oder anderen zu Betreuenden zu plaudern oder sich um kleinere Gefälligkeiten zu kümmern, für die sonst aufgrund des Zeitdrucks in der ambulanten Pflege keine Möglichkeit besteht. Selbstverständlich wäre es aber naiv zu denken, dass die Zeitersparnis, die sich mit entsprechender Technik realisieren lassen könnte, bei jedem Pflegedienst, der künftig solche Techniken einsetzt, auch im Sinne der Betreuten und Mitarbeiter wieder „ausgegeben“ wird. Ich befürchte, dass sich so etwas nicht verhindern lässt – theoretisch können schließlich alle Techniken, mit denen sich in Sozial- und/oder Pflegeberufen Zeit einsparen lässt, so eingesetzt werden, dass sie der Verbesserung der Qualität dienen, oder aber so, dass noch mehr rationalisiert und Personal eingespart werden kann…

    Außerdem wäre natürlich interessant, ob sich durch die eingesetzten Mittel die Qualität der Dokumentation verbessert.

    Die zur Thematik bereits existierenden Studien legen dies zumindest nahe, soweit es insbesondere die Kombination von Software und digitalen Stiften betrifft. Aus der Praxis weiß man, dass die Trefferquote bei der Formularerfassung oberhalb von 95% liegt, womit die Zeitersparnis nicht mit einem Qualitätsverlust in der Dokumentation erkauft wird – auch bei der manuellen Transkription von Formularen in Pflegesoftware am Ende der Schicht (ambulanter Dienst) oder während der Nachtdienste (Pflegeheim, kenne ich noch gut aus meiner eigenen Zivi-Zeit) treten schließlich Fehler auf. Aber auch dazu mehr im kommenden Artikel zum digitalen Stift.

    Auch stellt sich mir die Frage, wie eine adäquate Qualitätssicherung vorgenommen wird. Am PC (oder vergleichbaren Eingabegeräten) ist schnell mal was angeklickt, was dann vielleicht gar nicht so durchgeführt wurde (nichtzuletzt auch durchaus unbeabsichtigt, zB infolge mangelnder Erfahrung mit dem System, oder technischen Problemen/Problemen mit der Technik). Da man im ambulanten Pflegedienst alleine arbeitet, ist hier eine direkte Überprüfung ja nicht möglich.

    Über die unbeabsichtigte Erfassung nicht durchgeführter Leistungen haben wir uns noch gar keine Gedanken gemacht – danke für den Hinweis. Wenn wir von Software sprechen, ist die Gefahr sicherlich gegeben, bei digitalen Stiften würde ich mir da eher weniger Sorgen machen, da sich an den eingesetzten Formularen ja in aller Regel nichts ändern müsste, so dass man ähnlich viele Leistungen unbeabsichtigt erfassen würde, wie dies bisher der Fall war. Und da dürfte die Quote ja eher niedrig liegen…

    Den rechtlichen Aspekt im Umgang mit den Daten (welche Daten, wo gesichert, wie gesichert, wer hat Zugriff…) könntest du auch gerne in einem Folgeartikel noch ausführlicher darstellen (fände ich interessant).

    Werde ich machen. Zu rechtlichen Fragen lohnt sich vielleicht mal ein ganz eigener Artikel, da uns neben den von Dir genannten Problemen vor allem Haftungsfragen umtreiben, die wirklich schwer zu klären sind. Man überlege sich folgendes Szenario: Der ambulante Pflegedienst hat einmal pro Woche Zeit, den Blutdruck zu erfassen. Da die Ergebnisse von Blutdruckmessungen stark situationsabhängig sind (gerade die Treppe hochgelaufen vs. gerade aufgestanden), ergibt sich eine Reihe von Werten, die – bis auf medizinisch auffällige Werte – nicht viel für die Analyse hergeben. Mal angenommen, man könnte nun mit einem Telemonitoring-System zweimal am Tag zu definierten Zeiten den Blutdruck messen und diese Werte dem Pflegedienst über eine Datenbank zur Verfügung stellen. Viele PDLs, mit denen ich gesprochen habe, würden so eine Datenbank liebend gerne nutzen, haben aber natürlich die Sorge, dass die erfassten Daten etwa nach einem Todesfall durch einen von wütenden Angehörigen (“Das hätte man kommen sehen müssen.”) bestellten Gutachter zweitausgewertet werden könnten, der das natürlich gründlicher (und mit “hindsight”) tun könnte, als es im Regelbetrieb der Fall ist.

    Gibt es denn belastbare Zahlen, inwieweit eine vermehrte Sammlung medizinischer Messdaten bei gleichzeitiger Verbesserung der Kommunikation zw. Klienten und Arzt/Pflegedienst zu einem gesundheitlichen und wirtschaftlichen Vorteil führt? Also zB die Frage, ob gestürzte Personen, oder Personen mit stark abweichenden Vitalparametern schneller aufgesucht werden, und damit zB eine Vermeidung einer Krankenhauseinweisung oder Verkürzung von Liegezeiten in Krankenhäuern erreicht werden kann. Und dem gegenübergestellt der erhöhte Personal-, Zeit- und Kostenaufwand durch gehäufte (überflüssige?) Fahrten zum Klienten infolge Fehlalarmen o.ä.

    Jein. Zu Sturzsensorik gibt es bereits belastbare Studien, zu vielen anderen Formen des Telemonitorings meines Wissens nach noch nicht. Fahrten zu Fehlalarmen sind meiner Erfahrung nach kein großes Problem für Pflegedienste, die Monitoring-Systeme einsetzen, da bei fast allen Systemen etliche Hürden übersprungen werden müssen, bis tatsächlich ein Alarm ausgelöst wird (Selbsttest des Sensors, automatisierter Anruf beim Klienten, Anruf beim Klienten durch Mitarbeiter des Pflegediensts etc. pp.). Was es häufiger gibt sind “Fehlanrufe”, die aber ein geschickter Pflegedienst sehr gut zur “Kundenbindung” einsetzen kann. Mir haben jedenfalls “Testpatienten” aus dem Bereich der Notrufsysteme schon erzählt, wie begeistert sie sind, wenn bei einem versehentlichen Auslösen die nette Dame vom Pflegedienst anruft, überhaupt nicht wütend ist, dass man an den Knopf gekommen ist und sich gleich noch nach dem Befinden erkundigt. Den Wert, den solche und andere Systeme auf das (sehr wichtige) Sicherheitsempfinden älterer Menschen haben, kann meines Erachtens nach kaum überschätzt werden…

  27. #27 noch'n Flo
    8. August 2011

    @ Logiker:

    Kannst Du eigentlich auch etwas anderes, als Leute zu beleidigen und gegen CDU, CSU und FDP zu wettern? Wie wäre es z.B. mal mit Argumenten?

  28. #28 Intensivpfleger
    8. August 2011

    @Christian:
    Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

    Zum Thema „digitale Stifte“ willst du ja bald noch einen ausführlichen Blogbeitrag verfassen. Bzgl. Wunddokumentation bin ich schon sehr gespannt auf die Auswertung der Nutzung im tgl. Alltag.
    Auf unserer Intensivstation haben wir die Fotodokumentation der Wunden (die hier situationsgemäß sehr zahlreich und sehr vielfältig sind) ausführlich diskutiert. Letztendlich hat aber die Rechtsabteilung dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung gezogen, da es viel zu aufwändig gewesen wäre, von jedem einzelnen Bild die entsprechenden Rechte einzufordern. Die Einverständnis des Patienten, bzw. des amtlichen Betreuers einzuholen wäre gerade im Hinblick auf die in der Regel noch offene Betreuungssituation nicht zu stemmen. Eine rückwirkende Einverständnis eines Betreuers kann man ja leider nicht voraussetzen. Bin gespannt, wie dies im ambulanten Bereich gelöst werden soll.
    Die Sinnhaftigkeit einer Fotodokumentation stelle ich nicht in Frage. Für unser pflegerisches Arbeiten wäre eine Verlaufskontrolle durch Fotodokumentation von Wundverhältnissen ohne Zweifel wichtig und richtig.

    Zum Thema Qualitätsverbesserung der Dokumentation:
    Natürlich ist es klar, dass sich vor allem die Lesbarkeit verbessert, und mit der Vereinheitlichung der Dokumentation und verstärkten Anwendung von vorformulierten Floskeln oder abzuhakenden Inhalten lässt sich auch die Übersichtlichkeit und der Quervergleich zw. den Akten erleichtern.
    Daß sich aber die Masse der erfassten Inhalte nicht wesentlich vergrößern wird (Zitat: „da sich an den eingesetzten Formularen ja in aller Regel nichts ändern müsste, so dass man ähnlich viele Leistungen unbeabsichtigt erfassen würde, wie dies bisher der Fall war “) glaube ich eher nicht. Ich mutmasse jetzt mal: seit der Einführung der elektronischen Patientenakte hat sich in meinem Arbeitsfeld (Intensivstation) der Umfang der zu dokumentierenden Daten ca verdoppelt, wobei bei uns ein Großteil der Daten automatisch erfasst wird (was einer spürbaren Erleichterung der Routinearbeit entspricht), ein guter Teil der Daten aber vorher nie standardmässig bei allen Patienten tgl.erfasst wurde (zB sämtliche Scores uä…). Da bleibt also abzuwarten, was der Praxistest im ambulanten Bereich zeigen wird.

    Zum Thema Qualitätskontrolle:
    Das ist natürlich ein sehr heikles Thema, da sich da bei entsprechendem Diskussionsverlauf naturgemäß die betroffenen Personenkreise schnell auf den Schlips getreten fühlen. Trotzdem die Anmerkung: die elektronische Datenerfassung verführt leider schnell zu irregulärer (=falscher, oder vorsätzlich fehlerhafter) Dokumentation. Es wird erwartet, dass bestimmte Handlungen durchgeführt wurden. Dies bedingt allein der Behandlungsvertrag des Klienten mit dem Pflegedienst, bzw. die Abrechnung des Pflegedienstes mit der Kasse. Ein handschriftlich formulierter Eintrag geht erfahrungsgemäß schwerer von der Hand, als ein bloßes Durchklicken erwarteter Klicks. Lass es mich einfach so formulieren: selbst in meinem Arbeitsbereich, wo man sozusagen per Handschlag die Patienten an den Folgedienst übergibt, und wo parallel zur tagesaktuellen Dokumentation sowohl Stationsleitung als auch Qualitätskontrollgremien tagesaktuell die Dokumentation querlesen und hinterfragen, gibt es mitunter falsche (im Sinne von nicht standardgerecht durchgeführter Arbeit) Dokumentation. Das ist eine menschliche Schwäche, die insbesondere da, wo unter enormem Zeitdruck gearbeitet wird, nicht auszuschliessen ist. Ich frage mich daher weiterhin: wie wird die Qualitätskontrolle im ambulanten Bereich (der nicht annähernd so einfach zu überwachen ist) gewährleistet?

    Zum Thema Haftungsrecht:
    Das ist ein wirklich extrem interessanter Themenkomplex. Ich bin schon sehr gespannt auf folgende Blogbeiträge von dir.
    Gerade zum Thema Herzrhythmusstörungen läuft schon ein längerer Feldversuch, der den benefit der Telemedizin gerade für Patienten mit Herzinsuffiziens zeigen soll. In der Charité Berlin gibt es ein eigens dafür eingerichtetes Zentrum für Telemedizin, deren Webseite aber gerade neu im Aufbau ist (deshalb nicht verlinkt). Fragen hierzu können sicher auch an die Bundesarbeitsgemeinschaft Pflegeexperten Herzinsuffiziens“ gestellt werden (http://www.pflegeexperten-herzinsuffizienz.de/index.html), deren Vorsitzender Oliver Deckwart Mitarbeiter des „Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin“ der Charité ist.
    In diesem Zusammenhang wäre zum Beispiel zu klären, inwieweit die eingesetzte Technik verlässliche Daten liefert.
    Die frei verkäuflichen Messsysteme, die zB zur Blutdrucküberwachung zur Verfügung stehen, liefern gerade im Hinblick auf die Rhythmusanalyse durchaus zweifelhafte Daten (meist falsch-arrhythmisch). Da wäre also auf jeden Fall eine weitergehende Analyse der eingesetzten Technik gerade im Zusammenhang mit der Datenverlässlichkeit wichtig.

    Zum Thema Wirtschaftlichkeit im Zusammenhang mit eingesetzter Technik:
    Es ist schwer zu formulieren…
    Aber solange der Einsatz der Technik nicht zu einer Verminderung der Kosten im Gesundheitssystem führt (sondern zu einer Erhöhung zum Beispiel durch eine Erhöhung der Lebensertwartung), kann man nicht weiter über dieses Thema frei diskutieren. Man muss eine Diskussionskultur etablieren, die vollkommen unabhängig von wirtschaftlichen Erwägungen (zB im Sinne von Gewinnerwartungen) nur den Nutzen der Leistungsempfänger sieht. Und man muss dabei akzeptieren, dass es auch Entscheidungen geben kann, die gegen den Nutzen Einzelner, den Nutzen der Allgemeinheit der Gesellschaft (im engeren Sinne der Zahler im Gesundheitssystem) voranstellt, um eine Bezahlbarkeit des Gesamtsystems zu gewährleisten. Im Rahmen der Ärzteschaft gibt es dieses Thema unter dem Stichwort „Priorisierung“. Im Rahmen der Gesamtleistung eines Gesundheitssystems müssen wir uns irgendwann dem Thema stellen: was ist sinnvoll, was soll bezahlt werden, was muss als Kassenleistung abgelehnt werden?
    Um diesen großen, gesamtgesellschaftlichen Konflikt, drücken sich momentan noch alle etablierten Parteien. Wir kommen aber nicht umhin, diesen Themenkomplex wertfrei auszudikutieren.

    Mit freundlichen Grüßen
    der Intensivpfleger

  29. #29 noch'n Flo
    8. August 2011

    @ Intensivpfleger:

    Letztendlich hat aber die Rechtsabteilung dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung gezogen, da es viel zu aufwändig gewesen wäre, von jedem einzelnen Bild die entsprechenden Rechte einzufordern.

    Tja, da sind wir hier in der Schweiz zum Glück schon einen Schritt weiter. Das Fotografieren von Wunden zur Verlaufsdokumentation ist hier selbstverständlich – und gesetzlich gedeckt (als Instrument der Qualitätskontrolle).

    War für mich auch neu, als ich vor 3 Jahren ins Land gekommen bin. Hat mir aber immer wieder sehr geholfen (und mir einmal sogar “den Arsch gerettet”).

  30. #30 Christian Reinboth
    9. August 2011

    @Intensivpfleger:

    Auf unserer Intensivstation haben wir die Fotodokumentation der Wunden (die hier situationsgemäß sehr zahlreich und sehr vielfältig sind) ausführlich diskutiert. Letztendlich hat aber die Rechtsabteilung dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung gezogen, da es viel zu aufwändig gewesen wäre, von jedem einzelnen Bild die entsprechenden Rechte einzufordern. [...] Bin gespannt, wie dies im ambulanten Bereich gelöst werden soll.

    Zunächst mal ist es natürlich erschreckend zu hören, dass medizinisch wirklich als sinnvoll erkannte Maßnahmen wegen einer – gemessen an Menschenleben – Trivialität wie Bildrechten (wegen denen sicher eh nie ein Patient klagen würde – wieso auch?) nicht umgesetzt werden – aber so ist das eben manchmal in Deutschland… Für den ambulanten Bereich sehe ich da weniger Schwierigkeiten, da (a) die “Fluktuation” hier nicht so groß ist, d.h. ein irgendwo überschaubarer Patientenstamm dauerhaft statt viele Patienten intensiv und kurzfristig behandelt werden, und man Fragen zu den Bildrechten daher vermutlich leichter klären kann sowie (b) teilweise bereits Foto-Dokumentationen angefertigt werden (oft mit Handykameras), so dass es im Grunde nur um eine technische Verbesserung und nicht komplett neue Verfahren geht, deren rechtliche Grundlage erst mal abgeklärt werden müsste (wobei ich ja den Verdacht habe, dass die meisten Pflegedienste, die heute schon Fotos anfertigen, sich auch noch nie mit Bildrechten befasst haben und die Problematik entweder gar nicht kennen oder aber annehmen, dass eh nichts schieflaufen wird…).

    Daß sich aber die Masse der erfassten Inhalte nicht wesentlich vergrößern wird glaube ich eher nicht. Ich mutmasse jetzt mal: seit der Einführung der elektronischen Patientenakte hat sich in meinem Arbeitsfeld (Intensivstation) der Umfang der zu dokumentierenden Daten ca verdoppelt, wobei bei uns ein Großteil der Daten automatisch erfasst wird (was einer spürbaren Erleichterung der Routinearbeit entspricht), ein guter Teil der Daten aber vorher nie standardmässig bei allen Patienten tgl.erfasst wurde (zB sämtliche Scores uä…).

    Zumindest für die Pilotprojekte bin ich mir ziemlich sicher, dass keine zusätzlichen Daten erfasst werden, da eines der “Verkaufsargumente” gegenüber den Mitarbeitern im Hinblick auf die Akzeptanz solcher Techniken ja gerade darin besteht, dass man mit den bisherigen Formularen wie gewohnt auf Papier weiterarbeiten kann und dafür lediglich einen anderen Stift in die Hand nehmen muss. Wie es langfristig aussieht, vermag ich nicht zu beurteilen, halte die Annahme aber für durchaus realistisch, dass die Formulare irgendwann redesigned und mehr Daten erhoben werden, wenn die Technik reibungslos funktioniert und dies ohne größeren Aufwand hergibt. Wo auf jeden Fall mehr Daten anfallen ist der Bereich der Hausassistenzssysteme, d.h. etwa bei Waagen oder Blutdruckmessgeräten, die Klienten selbst verwenden und die dann ihre Daten an eine durch den Pflegedienst einsehbare Datenbank weiterleiten.

    Trotzdem die Anmerkung: die elektronische Datenerfassung verführt leider schnell zu irregulärer (=falscher, oder vorsätzlich fehlerhafter) Dokumentation. Es wird erwartet, dass bestimmte Handlungen durchgeführt wurden. Dies bedingt allein der Behandlungsvertrag des Klienten mit dem Pflegedienst, bzw. die Abrechnung des Pflegedienstes mit der Kasse. Ein handschriftlich formulierter Eintrag geht erfahrungsgemäß schwerer von der Hand, als ein bloßes Durchklicken erwarteter Klicks.

    Das ist natürlich eine gefährliche Debatte, weil man ja indirekt impliziert, dass es die Technik irgendwie begünstigen würde, dass nicht erbrachte Leistungen bei der Kasse abgerechnet werden. Was das betrifft, bin ich aus zwei Gründen skeptisch. Zum einen kann die Pflegedokumentation bei Einsatz eines digitalen Stiftes in der Wohnung des Klienten verbleiben (die PDL hat ja die Datenbank) und dort von den Klienten selbst als auch von deren Angehörigen eingesehen werden, was zunächst einmal mehr Transparenz schafft und es meines Erachtens nach eher unwahrscheinlich macht, dass man etwa eine “Haarwäsche” ankreuzt, wenn gar keine durchgeführt wurde. Zum anderen könnten die Stifte ja auch automatisch die Zeit mitloggen, so dass man stichprobenartig (z.B. durch den MDK) kontrollieren könnte, ob die Zeit in der Wohnung des Klienten zu den abgerechneten Leistungen passt. Wobei ich bei letzterem Punkt auch wieder ganz vorsichtig bin, da so etwas natürlich niemals in Mitarbeiterkontrolle ausarten darf. Alles in allem ein heikles Themenfeld.

    Aber solange der Einsatz der Technik nicht zu einer Verminderung der Kosten im Gesundheitssystem führt (sondern zu einer Erhöhung zum Beispiel durch eine Erhöhung der Lebensertwartung), kann man nicht weiter über dieses Thema frei diskutieren. Man muss eine Diskussionskultur etablieren, die vollkommen unabhängig von wirtschaftlichen Erwägungen (zB im Sinne von Gewinnerwartungen) nur den Nutzen der Leistungsempfänger sieht. Und man muss dabei akzeptieren, dass es auch Entscheidungen geben kann, die gegen den Nutzen Einzelner, den Nutzen der Allgemeinheit der Gesellschaft (im engeren Sinne der Zahler im Gesundheitssystem) voranstellt, um eine Bezahlbarkeit des Gesamtsystems zu gewährleisten.

    So schwer auszudrücken ist das ja eigentlich gar nicht, es ist bloß unangenehm, über Wirtschaftlichkeit im medizinischen Bereich reden zu müssen, da wir uns alle selbst im Krankheitsfall wünschen, dass nicht auf die Wirtschaftlichkeit geschaut wird, sondern dass wir selbst die bestmögliche Pflege erhalten. Ich will es mal anders und ein wenig positiver formulieren: Projekte, mit denen irgendwas im Gesundheitswesen verbessert werden soll, funktionieren in meinen Augen nur, wenn “win-win-Situationen” entstehen, da nur so eine Akzeptanz von allen Seiten gegeben ist. Dem Arzt und der Pflegekraft muss die Technik Arbeit ersparen, für den Patienten muss sie mehr Sicherheit und eine bessere Versorgung bieten und der Kasse muss sie Geld sparen – anders geht es nicht. Im Fall “digitaler Stift” ist eine solche Situation meines Erachtens nach gegeben (weniger Tipparbeit für die Pflegekraft, bessere Fotos für den Arzt, bessere Versorgung für den Patienten und schnellere Genesung für die Kasse), im Fall des Telemonitorings von Vitalwerten bin ich dagegen eher skeptisch (fragwürdige Qualität der Werte, mehr Arbeit für den Arzt, der sich das alles ansehen muss, unklare Haftungssituation für den Pflegedienst, unklarer finanzieller Nutzen für die Kasse)…

  31. #31 Hagen
    15. August 2011

    Bei den hier vorgestellten Dingen scheint es sich doch meist um Dokumentationssysteme zu halten, die Pflegekräfte und auch den Patienten mehr überwachen sollen. Im zweiten Schritt wird man (wie man es bisher i m m e r getan hat!) die Zeit des persönlichen Kontakt zwischen Patient und Pflegekraft reduzieren. Sonst wärs ja sinnlos. Ich denke, diese Projekte, die hier vorgeschlagen werden sind der falsche Weg. Und natürlich wird man mit diesen Dingern die Pausen kontrollieren!

    Der Engpass an Pflegekräften, der nicht drohend ist, sondern schon lange eingetreten, beruht doch hauptsächlich auf den unzumutbaren Arbeitsbedingungen und der lausigen Bezahlung. Und ein Großteil der Pflegekräfte checkt nach einer gewissen Zeit aus, weil Körper und Geist es einfach nicht mehr aushalten. Ob da so ein Zauberstift hilft?
    Wie wäre es denn mal damit, sich den Arbeitsplatz der Pflegenden direkt anzuschauen und mit Hilfsmitteln(die auch gern einen Computer eingebaut haben dürfen) die körperliche Arbeit zu erleichtern? Nach meiner Erfahrung mit dem deutschen Gesundheitssystem ist man gerne bereit hunderttausende Euros für technische Gimmicks wie Ultraschallgeräte etc. auszugeben. Wenn dann aber eine funktionierende Hebeeinrichtung angeschafft werden soll, damit sich eine Pflegekraft nicht zehn mal am Tag das Kreuz verrenkt, wird man sparsam. Habt Ihr auch was richtig praktisches, das funktioniert?

  32. #32 Christian Reinboth
    15. August 2011

    @Hagen:

    Im zweiten Schritt wird man (wie man es bisher i m m e r getan hat!) die Zeit des persönlichen Kontakt zwischen Patient und Pflegekraft reduzieren. Sonst wärs ja sinnlos.

    Nein, sinnvoll sind die vorgeschlagenen Entwicklungen auch dann, wenn man die Zeit für den zwischenmenschlichen Kontakt nicht reduziert – auch wirtschaftlich betrachtet. Dass solche Technik irgendwann allerdings auch für genau diesen Zweck eingesetzt wird, lässt sich leider nicht ausschließen. Die Gefahr besteht schon – sicher nicht bei den Pflegediensten, mit denen wir hier vor Ort zusammenarbeiten, aber ganz allgemein betrachtet lässt sich leider nichts ausschließen. Absolut jede Entwicklung, die Pflegekräfte zeitlich entlastet, kann schließlich grundsätzlich auch dazu genutzt werden, die Zeitpläne von Pflegekräften noch weiter zu straffen…

    Wie wäre es denn mal damit, sich den Arbeitsplatz der Pflegenden direkt anzuschauen und mit Hilfsmitteln(die auch gern einen Computer eingebaut haben dürfen) die körperliche Arbeit zu erleichtern?

    Grundsätzlich finde ich mechanische Hilfssysteme auch interessant, die Thematik liegt aber außerhalb unseres auf telepflegerische Dienste beschränkten Arbeitsbereichs. Wenn sich mal die Gelegenheit ergeben sollte, ein mechanisches Hilfssystem irgendwie zu integrieren, machen wir das aber sicher gerne. Welche Systeme wären denn aus der Sicht des Praktikers von besonderem Interesse?