Dem einen oder anderen Leser wird es sicher ähnlich gegangen sein – ich jedenfalls hatte am Wochenende gleich mehrere Gespräche zum Bankenrettungsplan für Zypern, in denen der Tenor “Gut, dass neben dem deutschen Steuerzahler endlich auch einmal die Bürger eines bankrotten Systems in Teilhaftung genommen werden” überdeutlich durchklang. Obwohl ich diese Einstellung grundsätzlich nachvollziehen kann – der momentane Plan sieht bekanntlich vor, dass von Bankguthaben unter 100.000 Euro eine einmalige Abgabe von 6,75% und von Guthaben über 100.000 Euro eine einmalige Abgabe von 9,9% erhoben wird – halte ich es für wichtig, sich einmal ein paar volkswirtschaftliche Grundlagen vor Augen zu führen, ohne damit jedoch den Untergangspropheten der “doomsday economics” nach dem Mund reden zu wollen.

Beginnen möchte ich mit der Frage, welche grundlegende Erkenntnis man als EU-Bürger aus dem Deal – wenn er denn in dieser Form vom Parlament aufrechterhalten wird – gewinnen muss. Für mich sticht vor allem die Einsicht heraus, dass die Einlagensicherungsgarantie des Staates für die in den Banken hinterlegten Vermögen offenbar nur noch eingeschränkt gilt – zumindest in Zypern (zu anderen Ländern weiter unten mehr). Wie Tim Worstall im Forbes Magazine zu Recht feststellt, existiert diese Garantie jedoch keineswegs primär aus rein altruistischen Gründen (also beispielsweise, um das über Jahre mühsam erarbeitete Vermögen des “kleinen Mannes” vor einer möglichen Bankenpleite zu schützen), vielmehr dient sie vor allem dem Zweck, die Arbeitsfähigkeit der Banken (und ihre Investitionstätigkeit) abzusichern.

Wie allgemein bekannt ist, arbeitet die Bank mit dem bei ihr hinterlegten Geld der Anlieger, indem sie es verzinslich verleiht. Ein Großteil des Kapitals wäre daher nicht von einem Tag auf den nächsten verfügbar, sollten sich alle (oder auch nur ein größerer Anteil) der Kontoinhaber plötzlich dazu entscheiden, ihr Geld vollständig abheben zu wollen. Einen solchen “bank run” kennen Freunde des klassischen Films vielleicht noch aus der Szene aus “It’s a Wonderful Life”, in der George Baily versucht, einen solchen zu verhindern. Das größte Problem an einem bank run ist dessen Eigenschaft einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Je mehr Kunden die Bank für unsicher halten und ihr Geld deshalb abheben möchten, umso größer werden die fiskalischen Schwierigkeiten, in die die Bank gerät.

Dass es selbst dann nicht zu derartigen Szenen kommt, wenn das Vertrauen in eine bestimmte Bank schwindet, hängt vor allem damit zusammen, dass der Staat die Einlagen der Sparer durch von Land zu Land verschiedene Methoden bis zu einer bestimmten Höhe absichert, d.h. notfalls etwa mit Geldern der Zentralbank in die Bresche springt, sollte die Bank entsprechende Forderungen nicht länger bedienen können. Das Vertrauen in diesen Mechanismus wird nun jedoch unglücklicherweise durch die pauschale Entwertung aller Guthaben in Zypern erodiert, was sich wiederum negativ auf schwächelnde Banken in anderen Staaten der Eurozone auswirken könnte. Warum dies so ist, kann man sich leicht vor Augen führen.

Angenommen, man verfügt als Bürger Griechenlands, Spaniens, Italiens oder Portugals über ein einlagengesichertes Guthaben bei einer regionalen Bank. Aus der Presse sowie aus dem politischen Diskurs weiß man, dass besagte Bank ähnliche strukturelle Defizite aufweist, wie dies bei den angeschlagenen zyprischen Banken der Fall ist. Die pauschale Entwertung der dortigen Guthaben führt wiederum zu einem klassischen spieltheoretischen Problem – dem sogenannten Gefangenendilemma. Während es für das Kollektiv aller Bankkunden am günstigsten wäre, die Ruhe zu bewahren und darauf zu hoffen, dass keine Abwertung oder maximal eine Abwertung im unteren Prozentbereich stattfindet, ist es für den individuellen Bankkunden dagegen rational, sein eigenes Geld so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen, um einer Abwertung um 10%, 15% oder vielleicht gar 20% zuvorzukommen. Sollte das zyprische Parlament heute einer Abwertung zustimmen, wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ob viele Sparer in den angeschlagenen Euro-Staaten tatsächlich so reagieren.

Hinzu kommt das meiner Einschätzung nach nicht unerhebliche Problem, dass ein Großteil des eingezogenen Vermögens aus dem Ausland und insbesondere aus Russland und damit aus dem EU-Ausland stammt. Zahlreiche russische Oligarchen und – so muss man vermuten – auch Entscheidungsträger der russischen Unterwelt halten erhebliche Summen in zyprischen Banken. Es darf angenommen werden, dass weder die russische Regierung der teilweisen Enteigung von legitim erworbenem Vermögen ohne Protest zusehen, noch sich die russische Mafia einen 10%igen Geldabzug einfach so gefallen lassen wird – in Summe reden wir hier ja auch nicht von einigen Millionen Euro, sondern vielmehr von einigen Milliarden Euro, die russischen Anlegern hier verlorengehen. Sowohl durch die russische Regierung als auch durch das organisierte Verbrechen in Russland wird eine ohnehin bereits instabile Situation jedoch um zwei weitere unberechenbare und damit im Grunde nicht wünschenswerte Elemente ergänzt. Man stelle sich nur einmal das öffentliche Echo für den Fall vor, die russische Regierung könnte für ihre Bürger eine Ausnahme erwirken, während dies der zyprischen Regierung für ihre Bürger nicht gelingt.

All diese Probleme machen es meinem Erachten nach eher unwahrscheinlich, dass der Beschluss vom Wochenende in der derzeit vorgesehenen Form jemals umgesetzt wird – egal, ob ihn nun das Parlament oder am Ende doch die EZB selbst wieder kippt. Alles andere wäre eine echte Überraschung – und würde für mehrere finanzpolitischer Präzedenzen sorgen…

Kommentare (34)

  1. #1 Lars Fischer
    18. März 2013

    Ich habe mit der Argumentation über das Vertrauen der Anleger so meine Probleme. Zum einen ist es ja nicht völlig abwegig, dass auch Vermögen besteuert werden kann, und es wird ja auch immer wieder gefordert und auch gemacht, ohne dass das Bank-Run-Geschrei losgeht. Zum anderen läuft das Argument darauf hinaus, grundsätzlich immer nur diejenigen zu belasten, deren “Vertrauen” am wenigsten wert ist. Finanzpolitik als Suche nach dem leichtesten Opfer?

    Und dann habe ich inzwischen auch den Verdacht, dass die ganze Geschichte bei vielen Akteuren Teil einer politischen Agenda ist. Auf der einen Seite sorgt man sich krokodilstränig um das “Vertrauen” der Sparer, aber die gleichen Leute beschwören dann die apokalyptischsten Visionen, um eine eventuelle Vertrauenskrise zu befeuern. Es geht meinem Eindruck nach systematisch darum, alle Arten von Vermögen gegen Belastungen zu immunisieren, so dass der Staat bei Arbeitslohn, indirekten Steuern und staatlichen Leistungen zugreift und dafür die Vermögen schont.

    Ich seh das ja an meinem eigenen Vermögen: Egal wie sehr Arbeitnehmer, Leistungsempfänger und der Staat in der Krise bluten, die Kohle liegt hoch und trocken. Wer hat, ist sicher, wer vom Einkommen lebt, trägt die Lasten.

  2. #2 Georg Hoffmann
    18. März 2013

    Wohl wahr, Christian. Andererseits ist natuerlich ein Steuertransfer aus sagen wir Holland nach Nikosia (Athen, Madrid, etc) auch etwas, was sich nicht positiv auf etwa Steuermoral oder allgemein auf den Willen zu demokratischer Mitwirkung etwa in Holland auwirkt (anti EU Populismus,, etc etc). Es gilt also ein Wahl zu faellen, zwischen verschiedenen Uebeln.
    Was also ist gerecht? Ich denke schon, dass es grundsaetzlich gerecht ist, in so einer Gemeinschaft wie der EU Gelder zu transferieren. Offensichtlich ist bei vielen in Deutschland, Holland, Oesterreich etc aber mittlerweile eine Schmerzgrenze erreicht (zu Recht oder zu Unrecht).

    Ist es gerecht so eine 6% Verstaatlichung der Spareinlagen von normalen Zyprioten durchzuführen? In wie weit kannten diese wohl das Geschäftsmodell dieser Banken, welche zu einem nicht geringen Anteil in der Beihilfe zur Geldwäsche bestand? Ich habe gelesen (und meine zwei zypriotischen Arbeitskollegen haben es mir bestaetigt), dass der Weg vom Flughafen Nikosia mit Werbeplakaten in Kyrilisch vollgestellt waren, die attraktive Anlegemoeglichkeiten fuer die gerade ankommenden russischen Urlauber empfahlen. Konnte man (also der kleine Zypriot auf der Strasse) sich nicht ueberlegen, dass solch ein Geschaeftsmodell der Bank seines Vertrauens nicht so ganz koscher ist? Warum wird dem einzelnen eigentlich immer so wenig Verantwortung fuer seine Entscheidungen auferlegt, wenn er doch andererseits Vertraege unterschreiben darf, waehlen darf etc etc?

  3. #3 Christian Reinboth
    18. März 2013

    @Lars Fischer: Zum Vertrauen der Anleger: Wer sein Geld in einer italienischen oder spanischen Bank hat, muss doch – sollte die Sache in Zypern glatt durchgehen – damit rechnen, dass ihn in naher Zukunft ein ähnlicher Abzug trifft. Das Konto über Nacht eingefroren, 5% oder 10% weg, keine Möglichkeit der Einflussnahme. Die logische Konsequenz daraus kann doch nur lauten, die Kohle noch schnell in Sicherheit zu bringen, bevor das passiert – und das ganz unabhängig davon, ob man nun 1.000, 10.000 oder 100.000 Euro auf besagter Bank hat. In dem Moment, in dem ich mit so etwas rechnen muss, sinkt doch mein Vertrauen in die Sicherheit meines Kapitals auf meiner Bank ungemein. Und ob es so gut ist, so etwas auch noch zu forcieren…

    Ich seh das ja an meinem eigenen Vermögen: Egal wie sehr Arbeitnehmer, Leistungsempfänger und der Staat in der Krise bluten, die Kohle liegt hoch und trocken. Wer hat, ist sicher, wer vom Einkommen lebt, trägt die Lasten.

    Das ist natürlich völlig richtig, im Grunde ja aber eine allgemeine (traurige) Lebenserkenntnis. Egal ob Eurokrise, Rentenkrise oder demografische Krise – wer ordentlich hat, kommt stets mit trockenen Füßen durch den Regen. Mit der spezifischen Frage, ob die EZB derzeit in Zypern richtig oder falsch handelt, hat das ja aber eigentlich wenig zu tun…

  4. #4 Christian Reinboth
    18. März 2013

    @Georg Hoffmann: Die Frage nach der Eigenverantwortung der Bankkunden zu stellen, ist sicher richtig. Aber nimm doch beispielhaft mal eine Stadt wie Gialousa (4.500 Einwohner) oder Sotira (4.000 Einwohner). Wie viele verschiedene Banken nicht-zypriotischer Herkunft wird es in solchen Orten geben? Wie viele Bankautomaten, über die man auch ein Konto im Ausland laufen lassen kann? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Zypriot außerhalb von Nikosia viel Auswahl hat, wenn es um die Eröffnung eines Kontos oder eines Sparbuchs geht…

    Ich denke schon, dass es grundsaetzlich gerecht ist, in so einer Gemeinschaft wie der EU Gelder zu transferieren. Offensichtlich ist bei vielen in Deutschland, Holland, Oesterreich etc aber mittlerweile eine Schmerzgrenze erreicht (zu Recht oder zu Unrecht).

    Einer der Grundpfeiler der Währungsunion war mal die Annahme, dass ein europäischer Staat nicht für die Verschuldung eines anderen Staates in Haftung genommen werden kann. Bei diesem Grundsatz hätte man vielleicht bleiben sollen – nun werden Zug um Zug immer mehr Grundsätze außer Kraft gesetzt, um marode Banken am Laufen zu halten. Und die Aussetzung der Einlagensicherung ist schon ein ziemlich harter Schnitt…

  5. #5 Georg Hoffmann
    18. März 2013

    @Christian
    “Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Zypriot außerhalb von Nikosia viel Auswahl hat, wenn es um die Eröffnung eines Kontos oder eines Sparbuchs geht…”

    Mich stoert einfach, dass am Ende immer nur nichtahnende Opfer bei solchen Dingen uebrigbleiben. Im anderen Fall (alles geht gut und nach Schweizer Modell (die Schweiz waescht weiser) blieben doch eine gewisse Menge Geldes beim zyprischen Staat oder zyprischen Bankkunden – per hoher Zinsen bei einer florierenden Bank – uebrig) haette sich jeder Buerger von Gialousa wahrscheinlich seiner Bauernschlaeue und Weitsicht geruehmt. Ein Antrag aus Bruessel, dass dieses schmutzige Geschaeft mit russischem Schwarzgeld jetzt endlich eingestellt werden muesse, waere natuerlich mit Nationalstolz bruesk zurueckgewiesen worden: EInmischung in die inneren Angelegenheiten.
    Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen, der Buerger von Gialous ist nicht mehr bauernschlau sondern ahnungslos und um EInmisschung aus Bruessel wird gebeten.

    PS Habe gerade im Kaffeeraum unsere Zypriotin gefragt, ob sie jetzt 6% aermer waere. “Ja, und obendrein hat mein Vater alles Geld bei mir auf dem Studentenkonto, damit er keine Steuern zahlen muss”.

  6. #6 Regina
    18. März 2013

    Würde diese Zwangsmaßnahme auch bedeuten, dass ich automatisch +6,75 + Zinsen mehr Schulden habe? Was bedeutet das eigentlich für den Gesundheitsbereich? Bezahlen Patienten den Arzt, Krankenhausaufenthalte direkt in Zypern? Was wenn die Lebens-Ersparnisse so stark schrumpfen, dass ich mir in ein paar Monaten den Arzt nicht mehr leisten kann?
    Ich kann mir nur wünschen, dass das Fehlverhalten der Banken nicht auf dem Rücken des “kleinen Mannes” ausgetragen wird!

  7. #7 Gerald Fix
    18. März 2013

    Heiner Flassbeck hat in seinem Blog darauf hingewiesen, dass die Sparer nicht das alleinige Problem sind. Von den Abzügen sind auch Gelder betroffen, die zufällig zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sind … Wenn Sie gerade in diesem Moment einen Kredit für Ihren Hauskauf ausbezahlt bekommen, dann zahlen Sie richtig drauf.

  8. […] (Christian Reinboth zum selben Thema.) […]

  9. #9 s.s.t.
    19. März 2013

    Auch auf Zypern wurde mehr Geld ausgegeben, als vorhanden war.

    Hier in Dt.sind die Bankkonten z.Zt. vor Zugriffen noch sicher, aber Vermögenssteuer, ick hör dir trapsen. Hier stopft man noch die Löcher mit Sondersteuern, wie dem Soli (soll nach gewissen Vorstellungen demnächst “Straßencent” heißen), Steuererhöhungen oder mit der kalten Progession. Wo genau da der Unterschied zu Zypern liegt, weiß ich nicht. Aber Unterschiede hin oder her, wie soll man denn die Löcher stopfen?

  10. #10 Georg Hoffmann
    19. März 2013

    @sst
    Der Spiegel Bericht zu den Demos in Nikosia ist ganz aufschlussreich. So fordern viele Demonstranten die Griechische Loesung, dh Einfrieren der Gehaelter der Beamten, Pensionen etc. Warum ist es also gerechter, einen Beamten oder Pensionaer (der ev kein Erspartes hat) zu enteignen statt jemaden, der zumindest durch sein Konto dort in Kontakt zu den Banken steht, die gerettet werden sollen und der ALLES verlieren wuerde, wenn die Bank schlicht zugemacht wird.

  11. #11 Dr. Webbaer
    19. März 2013

    Man würde erwarten, dass die Anteilseigner oder Schuldner von Banken zur Kasse gebeten werden, wenn Banken in Schwierigkeiten geraten.

    Man hätte sich hier auf sozusagen klassische Investoren und Kreditoren beschränken können.

    Das wollte man nicht, und das macht die Sache interessant.

    Die im Artikel vorgenommene Reflektion zum Thema überzeugt nicht umfänglich.

    MFG
    Dr. W

  12. #12 Dr. Webbaer
    19. März 2013

    * oder Gläubiger von Banken

  13. #13 Dr. Webbaer
    19. März 2013

    @Reinboth

    Einer der Grundpfeiler der Währungsunion war mal die Annahme, dass ein europäischer Staat nicht für die Verschuldung eines anderen Staates in Haftung genommen werden kann. Bei diesem Grundsatz hätte man vielleicht bleiben sollen – nun werden Zug um Zug immer mehr Grundsätze außer Kraft gesetzt, um marode Banken am Laufen zu halten. Und die Aussetzung der Einlagensicherung ist schon ein ziemlich harter Schnitt…

    Die No-Bailout-Klausel befürworten Sie, und die Einlagensicherung ebenfalls?

    Sehen Sie es mal anders: Staaten, die im unzureichend skalierenden Euro-System fiskalisch hopp gehen müssten, gehen nun aus anderswo stattfindender Panik nicht mehr hopp, was wiederum die Wahrscheinlichkeit für das allgemeine Hopp-Gehen drastisch erhöht.

    Die erst 2009 implementierte allgemeine Einlagensicherung ist ein Instrument um dieses allgemeine Hopp-Gehen bestmöglich sicherzustellen, die Aussetzung der o.g. Einlagensicherung eine Art Gegenwehr derjenigen, die noch fiskalische Überlebenschancen sehen.

    MFG
    Dr. W

  14. #14 Spoing
    19. März 2013

    Bei der No-Bailout-Klausel war es rückwirkend meiner Meinung nach das Problem, dass sie aus innerpolitischen Gründen immer noch her halten musste als jeder schon wusste das sie längst Geschichte war. Klare ansagen wären hier nötig gewesen. Zum Schluss hieß es zwar: Geld gegen Strukturreformen zu einem ausgeglichenen Haushalt. Aber bis dahin wurden schon zu viele Rettungen durch geführt.

    Moralisch gesehen, ist es schwer zu sagen wie das hinzu ziehen der kleineren Sparer zu bewerten ist. Ich glaube man hat durchaus eine Verantwortung gegenüber seiner Umgebung die so weit geht, das die Duldung offensichtlicher Missstände einen auch in die Verantwortung der Konsequenzen mit einbezieht. Wenn ich auf den Beifahrersitz eines zu schnell fahrenden Fahrzeuges bin, muss man zwar nicht sagen: Selber Schuld am Unfall. Aber auf all zu großes Mitleid würde ich dann auch nicht bauen.

  15. #15 Spoing
    19. März 2013

    Noch eine Frage:

    Soweit ich das mitbekommen habe, handelt es sich ja um Banken, welche definitiv Pleite sind. Wie wäre denn die Lösung:
    Der Staat übernimmt die insolventen Banken und sagt: Wir emittieren Aktien der Bank und zwar so, dass jede Geldeinlage dazu verpflichtet wird Aktien im Wert von 6% (oder 9% bei größeren Einlagen) zu erwerben. Jedoch werden so weit auch Aktien für den Staat ausgegeben das 51% beim Staat bleiben. Sollte dies keine Einigung finden, lassen wir die entsprechende Bank crashen.
    Dadurch würde die Aktie abstürzen und somit die Aktionäre mit im Boot sein und die Leute deren Geld ja auch gerettet wurde, wurden auch zu Kasse gebeten.
    Und aus theoretischer Sicht wäre damit das Problem umgangen, das ein Staat auf die Spareinlagen der Bürger zugreift, da er hier ja als Bankeigentümer und Insolvenzverwalter agiert. Es könnten somit keine gesunden Banken getroffen werden. (Wenn bisher nur der Glaube an eine bedingungslose Rettung durch den Staat den Bankrun verhindert, dann ist das Vertrauen in die Bank schon so weit gesunken das diese eh keine Zukunft mehr hat)

  16. #16 s.s.t.
    19. März 2013

    @Georg Hoffmann

    Die Einsparungen im ÖD wurden hier schon seit x Jahren durchgeführt, siehe z.B. http://www.bmi.bund.de/cae/servlet/contentblob/132454/publicationFile/13166/Der_oeffentliche_Dienst_in_Deutschland_Id_21754_de.pdf
    Die ‘Gerechtigkeit’ dieser Maßnahmen wurde hier allerdings nicht sonderlich thematisiert

  17. #17 Dr. Webbaer
    19. März 2013

    @Spoing
    Man könnte jedenfalls versuchen diejenigen zu rupfen, die vom System profitiert haben, den bei zypriotischen Banken Anlegenden darf das unterstellt werden.

    Auf der anderen Seite geht die Gesetzmäßigkeit verloren, es wird nun wild & wahlfrei gehandelt von der Eurokratie.

    Sinnvoll wäre es gewesen G seinerzeit nicht zu retten und nun auch Z nicht zu retten, aber die Eurokratie, die sich von nationalen Interessen weitgehend gelöst zu haben scheint und nun amüsanterweise eigene Interessen vertritt, wird nun anzunehmenderweise versuchen alle reinzureiten. Sekt oder Selters, wobei der Sekt mittlerweile sehr unwahrscheinlich wird.

    Witzig auch, dass eine nun in D auftauchende Partei nun sage und schreibe als rechtsradikal verleumdet wird, weil sie den Euro als das erkannt hat, was er ist: Als unzureichend skalierendes Währungssystem, das Abwertungen nationaler Währungen verunmöglicht und in der Lage ist einzelne Länder herunterzuziehen wie auch das Gesamtsystem zu ruinieren.

    MFG
    Dr. W (der froh ist kein Doitscher zu sein, nicht in der Union zu sein, keinen Euro zu haben – und nicht ökologistisch in Luftverschmutzung zu machen)

  18. #18 Dr. Webbaer
    19. März 2013

    @Spoing

    Der Staat übernimmt die insolventen Banken

    Können Sie in Z [1] vergessen, Z hat von seinem total überdimensionierten Bankensektor gelebt und auf diese Art und Weise einen Bürgerwohlstand geschaffen, der den Wohlstand Ds übertrifft.
    Selbstverständlich auf sozusagen griechische Art und Weise, also unnatürlich.

    MFG
    Dr. W

    [1] der griechische Teil Zyperns bleibt gemeint

  19. #19 s.s.t.
    19. März 2013

    @Georg Hoffmann

    Hier noch eine hübsche Statistik zur Gehaltsentwicklung im ÖD in Europa: http://www.statistiker-blog.de/archives/lohnsteigerung-deutschland/802.html

    Während zwischen 1999 und 2009 die ÖD-Gehälter in Griechenland um 108 % stiegen, stiegen sie in Dt. um 13 % (Durchschnitt EU: 35 %). Offensichtlich hat der eine oder andere Pleitestaat einen gewissen Nachholbedarf. Jedenfalls bin ich nicht bereit diese goldenen Hängematten zu finanzieren (was aber leider nichts daran ändern wird, dass ich trotzdem dazu gezwungen werden werde).

  20. #20 pseudonymus
    19. März 2013

    1. Es ist anscheinend gerade keine Vermögenssteuer sondern eine “Bankguthabenabgabe”, wenn Gerald Fix oben recht hat. Ob den Bankguthaben irgendwoanders Schulden gegenüberstehen, scheint ja keine Rolle zu spielen.

    2. Die durch die Einlagensicherung eigentlich gesetzlich gesicherten Bankguthaben zu belasten, halte ich auch für hoch problematisch. Was ist die Einlagensicherung dann noch wert?

    3. Wer allerdings mehr als 100.000 Eur auf seinem Konto parkt, geht ein Risiko im Fall der Bankenpleite ein. Da ist es doch völlig ok, eigentlich sogar volkswirtschaftlich geboten (um die Anlage bei Banken mit riskanten Geschäften nicht noch zu belohnen) und in seinem Interesse, sein nicht-gesichertes Guthaben heranzuziehen um den Eintritt des Risikofalls abzuwenden. Das sollte nicht der Steuerzahler leisten.

  21. #21 Spoing
    19. März 2013

    An den Bären:
    “D auftauchende Partei nun sage und schreibe als rechtsradikal verleumdet wird, weil sie den Euro als das erkannt hat, was er ist”
    Jein… es ist nun mal so, dass viele rechtsradikale den Euro stark ablehnen. Das in eine Partei die sich dies nun auf die Fahnen schreibt dann vermehrt auch diese Spinner eintreten ist eher normal als Verleumdung. Wichtig wird sein, wie sie mit diesen Kräften umgehen werden. Ähnliches war ja auch bei den Piraten. Wenn sie es schaffen nicht von radikalen Kräften übernommen zu werden kann man weiter sehen.
    Auch habe ich etwas gegen den Welpenschutz wie bei den Piraten. Ich kann es einfach nicht ausstehen, wenn immer alles außer man selber Schuld ist. Selbst wenn Parteien ungerecht behandelt werden, kann man sich da zwar drüber aufregen. Aber viele Politiker (oder auch nur Parteianhänger) versuchen diese Opferrolle regelrecht zu instrumentalisieren.

    “Selbstverständlich auf sozusagen griechische Art und Weise, also unnatürlich.”
    Wenn die Anspielung die Sexualpraktik beabsichtigt war, dann ein gutes Wortspiel.

    @pseudonymus:
    Zu 2. gab es eine solche staatliche Garantie auch in Zypern? Wenn ja wie hoch war die angesetzt?

  22. #22 Dr. Webbaer
    19. März 2013

    @Spoing
    Das passt jetzt nur indirekt zusammen, aber Doitschland hat keine rechten Parteien [1] mehr, wie anderswo üblich, und hat vermutlich genau deshalb den internationalistischen Touch, den imperialistischen auf die Eurozone bezogen…

    MFG
    Dr. W

    [1] Dr. W nicht rechts, aber rechte (vs. nationalsozialistisch-kollektivistische) Parteien decken üblicherweise etwa 25% des Wählerspektrums ab und sind in D, Stichwort: Kampf gegen Rechts, man stelle sich hier einen Kampf gegen Links und gegen die SPD vor, auf d-typische Art und Weise ausgemerzt. Das Echo kann man heutzutage noch hören, bspw. die AfD betreffend.

  23. #23 s.s.t.
    19. März 2013

    Nun ja, Zypern zeigt den Stinkefinger. Mit Reformen hat die “Finanzindustrie” (Quote) dort eh nix am Hut; könnte evtl. auch an den dortigen “korrupten Bankern und Politikern” (Quote) liegen. Augenscheinlich wollte Zypern nur eines, nur nicht die finanzstarken Oligarchen mit ihrem Graugeld verprellen, um mal von Steuern (pfui, bäh) ganz
    zu schweigen. Reichlich Zinsen auf Graugelder sind nat. positiv.

    Schaun wir mal, Münchhausen, der mit dem Sumpf und dem Schopf, lässt grüßen.

    Tja, Zypern hat ‘ne Menge bestellt, aber nun kommt die Rechnung; mit Tellerwaschen lässt sich die nicht so ohne weiteres begleichen.

    Übrigens, augenscheinlich ist die ‘Enteignung’ der Kleinanleger augenscheinlich auf zypriotischem Mist gewachsen.

  24. #24 Dr. Webbaer
    20. März 2013

    Übrigens, augenscheinlich ist die ‘Enteignung’ der Kleinanleger augenscheinlich auf zypriotischem Mist gewachsen.

    Klar, noch ein Gag. Vermutlich sogar mit dem Hintergedanken so nachverhandeln zu können. – Es würde nicht überraschen, wenn Z aus einer scheinbaren Annäherung heraus, die heute im zypriotischen Parlament geschauspielert wird, doch an die Kohle kommt, wobei auf die Übernahme der 5,6 Milliarden Euro per Sparer-Enteignung verzichtet wird.

    Denn Mutti hat bald Bundestagswahl, ist wegen ihrer persönlichen Karriereplanung anzunehmenerweise großzügig.

    MFG
    Dr. W

  25. #25 Dr. Webbaer
    20. März 2013

    Die SPIEGEL-Online Überschriften nehmen mittlerweile komische Züge an:
    -> Scheitern des EU-Hilfspakets: Russland soll Zypern-Krise abwenden
    -> Zyperns Erdgasvorkommen: Hoffen auf einen Milliardenschatz im Meer
    -> Angst vor Pleite: Kirche will Zypern retten

    Wobei der Zyniker hier eine Vorbereitungshandlung sieht, fürwahr.

    MFG
    Dr. W

  26. #26 Trottelreiner
    20. März 2013

    Naja, wo wir von einem “überdimensionierten Bankensektor” reden, was wäre dann mit Luxemburg oder der Schweiz?

    Ansonsten disqualifiziert sich die Argumentationsstruktur “unnatürlich” außerhalb der Steinzeitinterpretation diverser Glaubensgemeinschaften (z.B. Ökos und Marktgläubige) eigentlich von selbst. Entweder alles is natürlich, weil es existiert und damit Teil der Natur ist. Oder alles ist künstlich, weil es Menschenwerk ist. Selbst das vielgescholtene katholische Naturrecht ist da weiter…

  27. #27 Dr. Webbaer
    20. März 2013

    Diese Analyse scheint brauchbar, das Game of Chicken und die unnatürliche Strategie der griechischen Zyprioten erklärend.

    HTH
    Dr. W

  28. #28 Trottelreiner
    20. März 2013

    Das ist, wie die Überschrift zeigt, zuerst einmal nur ein Kommentar; ein Kommentar KANN eine Analyse sein, muß aber nicht. Wenn man diesen Kommentar als Analyse bewertet, z.B. bezüglich der finanziellen Situation, ist er mangelhaft. Als Analyse zum Machtpoker wäre er eventuell zu verwenden, nur ist er hier SEHR oberflächlich. Um genau zu sein, er ist nicht einmal falsch.

    http://rationalwiki.org/wiki/Not_even_wrong

    Etwas mehr in Richtung Analyse ginge z.B.

    http://www.nakedcapitalism.com/2013/03/cyprus-bailout-stupidity-short-sightedness-something-else.html

    Wobei ich die Meinung dieses Artikels nicht unbedingt teile, aber zumindest sind da ein par mehr Fakten, über die man diskutieren kann.

    Ansonsten, noch einmal, wer bei der Wirtschaft mit “natürlich” argumentiert, begibt sich erst einmal auf dieselbe Stufe mit den Leute, die vom “natürlichen Gleichgewicht” quasseln. Ergebnis der wirklichen Ökologen nach jahrelanger Forschung, so etwas gibt es nicht. Lernt man denn heute in VWL gar nichts mehr, oder sind das wieder grösenwahnsinnige BWLer?

  29. #29 Dr. Webbaer
    20. März 2013

    @Trottelreiner
    Kooperationsbrüche mit Game of Chicken-Elementen gelten nun mal als unnatürliches Kooperationsverhalten, vielleicht analysieren Sie die griechisch-zypriotische Lage am besten erst einmal selbst oder mit einem Partner.

    MFG
    Dr. W (der sich nun einstweilen auszuklinken hat und für die Nachricht dankt)

  30. #30 Trottelreiner
    20. März 2013

    Hm, Beleg für die Nomenklatur?

    Wobei ich die Benennung einer Strategie, die so mehr oder weniger der ganzen “parental investment”-Geschichte zugrundeliegt als “unnatürlich” doch irgendwie als etwas weit am Fenster herausgelehnt betrachte. So ungefähr 10 Meter vom Fensterbrett entfernt, um genau zu sein.

    Aber da ist dann die Nomenklatur Mist.

  31. #31 Dr. Webbaer
    21. März 2013

    Problem gelöst: -> http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-verwirft-neue-zwangsabgabe-a-890163.html (kleiner Hinweis: die 5,8 Milliarden Euro werden nie zusammenkommen, die Sache wird aber ohne zypriotische Garantien von der Troika, vom ESM, vom WTF, und wie sie alle heißen – und von Merkel [1] sowieso abgenickt werden)

    MFG
    Dr. W

    [1] sie will sich anzunehmenderweise ihrer persönlichen Karriereplanung geschuldet bis zum 22.09.2013 durchbeißen

  32. #32 Dr. Webbaer
    21. März 2013

    * IWF
    🙂

  33. #33 Adent
    21. März 2013

    Die beste Lösung scheint mir immer noch diese zu sein:

    http://www.der-postillon.com/2013/03/eu-stellt-zypern-auf-ebay.html#more

  34. #34 gerd
    13. April 2013

    Es lebe der Schacher, hoch höher am höchsten Turm.

    Die Plebs braucht halt mehr Glyphosat auf den Teller, dann stirbt er schneller und kan sein Geld nicht mehr abheben.

    Nur keine Alternative zum derzeitigen Geld auch nur andenken.

    End of Sarkasmus.
    Have a nice day