Vor ResearchBlogging.orgeinigen Wochen hatte ich im Rahmen meines berufsbegleitenden Master-Studiums Umweltwissenschaften an der FU Hagen die Chance, über die Vor- und Nachteile finanzieller Anreizsysteme für den Umwelt- und Klimaschutz am Beispiel des UN-Programms REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) zu referieren. Da das zur Vorbereitung dieses Vortrags erarbeitete Konzeptpapier mir durchaus “blogtauglich” zu sein scheint, führe ich es für den “Frischen Wind” gerne noch der Zweitverwertung als Blogpost zu (und ja, demnächst gibt es hier auch wieder echte, neue Blogbeiträge – nur noch ein paar Tage Geduld…).

1 Was ist REDD+?
1-1 Ausgangssituation

Die weltweite Entwaldung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem zentralen ökologischen Problem – insbesondere wegen ihres Beitrags zum Klimawandel sowie zum Verlust von Biodiversität – entwickelt. So schrumpfte die globale Waldfläche zwischen 1990 und 2005 im Durchschnitt um über 13 Millionen Hektar pro Jahr, wobei vor allem tropische Regenwälder stark betroffen waren. Diese Wälder stellen den artenreichsten Lebensraum des Planeten dar, der rund die Hälfte aller bekannten Spezies beherbergt. Darüber hinaus speichern sie große Mengen CO2, tragen zur Abkühlung weiter Landflächen bei und ernähren mehr als eine Milliarde Menschen weltweit (Collins et al. 2011, S. 262). Ihre Zerstörung führt daher nicht nur zu einem Verlust an Biodiversität sowie zu sozio-ökonomischen Verwerfungen, sie trägt auch ganz wesentlich zum Treibhauseffekt und damit zum Klimawandel bei. Zwischen 12% und 17% der weltweiten anthropogenen Treibhausgas-Emissionen lassen sich auf den Verlust von Wald zurückführen, der damit neben der Energiewirtschaft und noch vor dem globalen Verkehrs- und Transportwesen als zweitwichtigster Klimatreiber gilt (Angelsen & McNeill 2012, S. 33).

Die Bedeutung von Wäldern für den Klimaschutz ergibt sich aus deren Funktion als CO2-Senken: Rund 30% der weltweiten CO2-Emissionen werden durch Wälder absorbiert, was 15 t pro Jahr und pro ha Wald entspricht (Brown et al. 2011, S. 382). Weltweit sind etwa 683 Gt CO2 in Wäldern gespeichert, rund 274 Gt davon in den tropischen Regenwäldern (Bluffstone & Robinson 2012, S. 3). Obwohl eine effektive Bekämpfung des Klimawandels und insbesondere die Einhaltung des IPCC-Klimaziels einer Erwärmung von weniger als 2°C bis zum Jahr 2100 somit nur gelingen kann, wenn dem Verlust von Waldflächen Einhalt geboten wird, wurden Waldvernichtung und Landnutzung 1997 im Protokoll von Kyoto noch weitestgehend ausgeklammert. Der sich hierdurch ergebende Bedarf an einem weiteren politischen Instrument zur Begrenzung der Waldvernichtung soll nun mit REDD+ gedeckt werden.

1-2 Lösungsansatz

Die Abkürzung REDD steht für „Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation“, d.h. für die Verringerung von Treibhausgas-Emissionen verursacht durch Entwaldung und Waldschädigung. Das Programm wurde 2005 (als RED) als Bestandteil der UN-Klimarahmenkonvention ins Leben gerufen. Die Grundidee von REDD+ besteht in der Schaffung von finanziellen Anreizen für den Schutz von Regenwäldern durch lokale Bevölkerung, Wirtschaft und Politik in den waldreichen Staaten der Dritten Welt. Damit diese Wälder besser durch die Stakeholder vor Ort geschützt werden, wird dem durch Wälder gespeicherten und absorbierten CO2 bzw. den CO2-Äquivalenten ein monetärer Wert zugewiesen, so dass erfolgreiche Waldschutzmaßnahmen entsprechend vergütet werden können (Corbera 2012, S. 612). Die theoretische Grundlage dieser Zahlungen bildet dabei das von Thünen-Landnutzungsmodell, welches besagt, dass Land stets so genutzt wird, dass es (unter der Berücksichtigung von Opportunitäts-, Transaktions- und Implementierungskosten) einen maximalen Ertrag erbringt (Angelsen 2009, S. 126). Mit REDD+ entsteht somit derzeit das weltweit größte PES-System (Payments for Environmental Services). PES-Systeme sind leicht zu implementieren und häufig erfolgreich, da sie die Teilnahme nicht erzwingen (Freiwilligkeit) und zudem auf positive (Transferzahlungen) statt auf negative (Verbote, Strafen, Steuern) Incentives setzen (Wunder 2009, S. 223).

Die Vorbereitung und Umsetzung von REDD+ soll in drei Phasen erfolgen: Während die erste Phase der Schaffung von Kapazitäten (z.B. Regenwald-Monitoringsystemen oder Verwaltungsstrukturen) sowie der Erarbeitung nationaler und regionaler Waldschutzkonzepte dient, werden im Rahmen von Phase 2 durch freiwillige Geldgeber (konkret z.B. durch Norwegen in Indonesien) finanzierte Pilotprojekte implementiert und evaluiert, anhand derer ermittelt werden soll (Best Practice Approach), wie sich REDD+ am besten in der Fläche umsetzen lässt. In Phase 3 – die bislang aufgrund der noch offenen Finanzierung nicht eingeleitet werden konnte – erfolgt dann der globale Start von REDD+.

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Kommentare (4)

  1. #1 lapuce
    14. November 2014

    Steht der Kurzname des Studiengangs stellvertretend für die Lebensbedingungen, denen man als Vollzeit arbeitender Student ausgesetzt ist?

    Sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen. Ansonsten grossartiger Artikel. Ich hoffe, es gab eine gute Note auf das Referat?

  2. #2 Gerti
    München
    23. Dezember 2014

    Ich finde nicht, dass man sich mit der Teilnahme am REDD-Projekt vor der Verantwortung drückt. Ich habe das nicht verstanden… kann man mir es vielleicht noch einmal erklären?

    VG
    Gerti Kosten senken Klima schützen

  3. #3 michanya
    21. September 2016

    … der Regenwald bestimmt auch unser Klima. Heute sehen wir mit Klimakarten die Temeraturzonen – der Berg gibt hier auch mit jedem Höhenmeter seine Zone wieder.

    Man versucht heute mit Pappelholz dem Bedarf an Holzpellets nachzukommen.

    Abholzung – BRUTAL – gabs auch im Mittelalter und besonders die Seefahrt hat auch hier viel Holz benötigt – VENEDIG als City auf Stelzen war schon damals ein ArchitekturProjekt mit Ausmaßen – vergleichbar mit BRASILIA einfach geplant.

    Nachforsten die MISCHUNG machts also Mischwald mit Vielfalt – robust gegen den Klimawandel und Bodenkultur …

    Das BAUMHAUS kannte schon Tarzan und ist Natur PUR – einfach Liane runter …

    HERZLICH WILLKOMMEN – biotec4u

  4. #4 michanya
    21. September 2016

    … der Regenwald bestimmt auch unser Klima. Heute sehen wir mit Klimakarten die Temeraturzonen – der Berg gibt hier auch mit jedem Höhenmeter seine Zone wieder.

    Man versucht heute mit Pappelholz dem Bedarf an Holzpellets nachzukommen.

    Abholzung – BRUTAL – gabs auch im Mittelalter und besonders die Seefahrt hat auch hier viel Holz benötigt – VENEDIG als City auf Stelzen war schon damals ein ArchitekturProjekt mit Ausmaßen – vergleichbar mit BRASILIA einfach geplant.

    Nachforsten die MISCHUNG machts also Mischwald mit Vielfalt – robust gegen den Klimawandel und Bodenkultur …

    Das BAUMHAUS kannte schon Tarzan und Jane ist Natur PUR – einfach Liane runter …

    Herzlich willkommen – biotec4u