In meinem Zweitjob im Application Lab der Stabsstelle Forschung an der Hochschule Harz beschäftige ich mich aktuell – unter anderem – mit der Optimierung der Erfassung und statistischen Auswertung von Daten zu den hier beantragten sowie zu den tatsächlich genehmigten Forschungsprojekten, wie sie an jeder Hochschule jährlich hundert- bis tausendfach ablaufen. Und wenn man so eine Datenbank schon mal anfasst, stellt sich natürlich auch die Frage, welche Attribute sich – insbesondere im Hinblick auf spätere statistische Auswertungen – vielleicht noch sinnvoll ergänzen ließen.

Also warum nicht einfach mal hier im Blog fragen? Angenommen, ihr würdet eine Datenbank für die Erfassung von Forschungsförderanträgen (an EU, Bund, Länder, Industrie, Stiftungen etc. pp.) sowie bewilligten Projekten entwerfen – welche Daten würdet ihr hier z.B. aus Sicht von Forscher*innen, Mittelgeber*innen, Student*innen oder auch Bürger*innen erfasst oder ausgewertet sehen wollen? Oder noch etwas präziser formuliert: Abgesehen von den vielen natürlich längst erfassten und relativ unspektakulären administrativen Angaben (Mittelgeber, Datum der Einreichung, Forschungsfeld, Projektleitung, Fachbereich, Fördersumme, Datum der Ablehnung / Bewilligung etc.) – welche vielleicht eher ungewöhnlichen Angaben würden euch aus Sicht eines späteren Auswerters oder Datenbank-Nutzers interessieren?

Im Büro denken wir derzeit beispielsweise über folgende zusätzliche Attribute nach:

Projekteigenschaften

– Handelt es sich um ein interdisziplinäres Projekt? (ja/nein)
– Arbeiten im Projekt mehrere Professor*innen zusammen? (ja/nein)
– Arbeiten im Projekt verschiedene Fachbereiche zusammen? (ja/nein)
– Werden Projektergebnisse (mindestens partiell) Open Access publiziert? (ja/nein)
– Ergeben sich durch das Projekt positive Auswirkungen auf die Umwelt? (ja/nein)
– Ergeben sich durch das Projekt positive Auswirkungen auf die Gleichstellung? (ja/nein)

Partnerstruktur

– Beteiligt sich mindestens eine weitere FH am Projekt? (ja/nein)
– Beteiligt sich mindestens eine Universität am Projekt? (ja/nein)
– Beteiligt sich mindestens ein Unternehmen am Projekt? (ja/nein)
– Beteiligt sich mindestens ein kleines/mittleres Unternehmen (KMU) am Projekt? (ja/nein)
– Beteiligt sich mindestens ein ausländischer Partner am Projekt? (ja/nein)
– Beteiligt sich mindestens ein Partner aus einem anderen EU-Staat am Projekt? (ja/nein)
– Beteiligt sich mindestens ein Partner aus einem Nicht-EU-Staat am Projekt? (ja/nein)

Finanzstruktur

– Wurden Mittel für Partner aus der freien Wirtschaft bewilligt? (Summe)
– Welcher Anteil der bewilligten Mittel wird in Sachsen-Anhalt ausgegeben? (Summe)
– Welcher Anteil der bewilligten Mittel wird in „unserer Region“ ausgegeben? (Summe)

Was würde euch noch einfallen? Vielleicht hat ja hier noch jemand eine Anregung (gerne auch jenseits der Vorgaben des Projekts Kerndatensatz Forschung des DZHW), auf die meine Kolleg*innen und ich dank Innenperspektive und Tunnelblick nie gekommen wären…

Kommentare (10)

  1. #1 CM
    4. Oktober 2016

    Hallo

    Bei mancher ja/nein-Antwort würde mich vor Allem interessieren: Welche? Wie viele?

    Z. B. “Arbeiten im Projekt verschiedene Fachbereiche zusammen? (ja/nein)” – Falls ja: Welche?

    Zudem: Wieviele Stellen wurden/werden durch die bewilligten Mittel geschaffen? Für welche Dauer? (Statt der Frage nach Dauer könnte man auch unter den Projekteigenschaften die Laufzeit des Projektes abfragen – obschon die Stellenlaufzeiten nicht per se gleich den Projektlaufzeiten sind.) Jedenfalls könnte man differenzieren zwischen Stellenmitteln und Sachmitteln. Je nach involvierten Fachbereichen können die Diskrepanzen erheblich – und interessant – sein.

    Gruß,
    Christian

  2. #2 SD
    4. Oktober 2016

    Ich denke das man auch durchaus die bereits investierte Zeit zur Formulierung bzw. Abrundung der Anträge hinterlegen sollte. Dadurch sollte sich darstellen lassen wie viel Engagement bereits im Vorfeld in das Projekt gesteckt wird.
    Die Frage ist dann nur, inwieweit wird dies erfasst 😉

  3. #3 Christian Reinboth
    5. Oktober 2016

    @CM: Ich hatte auch schon darüber nachgedacht, vielleicht die absoluten Partnerzahlen zu erfassen, hatte aber bei Durchsicht des vorhandenen Datenmaterials den Eindruck, als ob uns das zu viele Kategorien liefern und damit die Aussagekraft künstlich beschränken würde. Wenn ich z.B. weiß, dass 40% der Anträge mit ausländischen Partnern geschrieben werden und 60% nicht, ist das vermutlich besser zu interpretieren als die Information, dass 8% der Anträge mit einem Partner, 7% mit zwei Partnern, 9% mit drei Partnern etc. erstellt wurden. Ist aber nur eine Vermutung – idealerweise sollten wir wohl beides erheben (ja/nein ließe sich ja leicht aus der Summe ableiten) und sehen, was sich daraus machen lässt.

    Zu den Stellen: Kommt definitiv auf die Liste! Vor allem die Angabe, wie viele Stellen in beteiligten Unternehmen (temporär und dauerhaft) entstanden sind, könnte für die langfristige Evaluation der Projektwirkung interessant sein.

  4. #4 Christian Reinboth
    5. Oktober 2016

    @SD: Für eine interne Auswertung wäre das in der Tat ein hochinteressanter Faktor, der aber extrem schwer zu erfassen ist – es sei denn, man loggt wirklich die Stunden mit, die über alle Beteiligten in einen Antrag geflossen sind. Vielleicht könnte man – um eine näherungsweise Vorstellung zu bekommen – ja aber auch den Aufwand für einzelne Anträge im Nachgang per Rückfrage – subjektiv und ordinal – erheben (z.B. “wenig Aufwand”, “durchschnittlicher Aufwand” oder “besonders hoher Aufwand”).

  5. #5 CM
    5. Oktober 2016

    Also Statistik ist die eine Seite, Politik die andere. Will sagen: Aggregieren kann die Zahlen für eine Auswertung immer noch. Wenn man dann aber zusätzlich sagen kann: “Darunter waren sogar 3 Kollaborationen mit MPIs und 1 mit Cambridge!” 😉

    Der Statistiker in mir möchte auch stets klare, unabänderliche Datenstrukturen, aber der Pragmatiker …

  6. #6 Frank Wappler
    http://free.wikipedia.now
    5. Oktober 2016

    Von Interesse finde ich:

    – Ist das Projekt aufschiebbar (autark) oder abhängig von (zu erwartenden) Ereignissen während der Dauer des Genehmigungsumfangs (z.B. seltenen Naturereignissen, temporärer Verfügbarkeit von Einrichtungen etc.) ?

    – Ist das Projekt Vorbedingung oder zumindest Entwicklungsschritt für (eventuelle) Folgeprojekte ?

    – Wie viel Aufwand wurde zur Anfertigung des vorgelegten Antrags betrieben ?

    – Welche Investitionen würden vergeudet und welche erworbenen Fähigkeiten würden wieder verloren, falls das Projekt gar nicht bzw. erst mit Aufschub gefördert würde ?

  7. #7 Aveneer
    5. Oktober 2016

    Sicherlich schwer zu erfassen
    Wie Innovativ
    Aber dann noch:
    Anzahl Publikationen zum Thema
    Anzahl sonstiger Publikationen
    (Gesamt und je “Teilnehmer)
    Ggf. Mit impact factor.

  8. #8 Dr. Webbaer
    6. Oktober 2016

    Das ‘Forschungsvorhaben’ ist hier dem Anschein nach, das was verwaltet werden soll. [1]
    Insofern gilt es weitere Entitäten zu identifizieren, die erfasst und idF gepflegt werden könnten, relational, Datenhaltung ist idR heutzutage relational und über sogenannte RDBMSe unterstützt.


    Wer dbzgl. üben will, könnte sich bspw. eine x-beliebige Schule herausgreifen und für diese ein ERM entwerfen, designen, wie es neudeutsch heißt.

    Ischt nicht wirklich einfach, die Tabelle ‘Projekte’ bietet sich an, weitere Tabellen wie ‘Personal’ oder ‘Förderschaft’, Organisationen meinend, die wiederum auf Personal zu verweisen hätten, womöglich ebenso, auch die Rahmenbedingungen meinend, ‘Verträge’ und ‘Normen’ (ISO und so) und ‘Sponsoren’ oder ‘Partner’ ebenso.

    Opi Webbaer hat bereits wegen der im WebLog-Artikel aufgetischten und als womöglich zentriert zu verstehenden Frage ‘Welche Attribute würdet ihr in einer Datenbank für Forschungsprojekte ergänzen wollen?’ zumindest im Moment kein gutes Gefühl bei diesem Vorhaben.
    Entitäten dürfen Attribute zugewiesen werden.

    MFG + schöne Woche noch,
    Dr. Webbaer

    PS:
    Abär gerne mal nachfragen, wie es i.p. Aufwand, Frontend und Backend so ausschauen könnte, sofern der hiesige Antrag (halbwegs) ernst gemeint war.

  9. #9 Dr. Webbaer
    6. Oktober 2016

    Nachtrag:
    [1]
    Um eine Datentabelle geht es also nicht.

  10. #10 René
    10. Oktober 2016

    Als Nicht-Statistiker würde mich interessieren, welche Fragen denn überhaupt den ganzen Daten adressiert werden sollen? Ist die Verteilung der Fördermittel auf einzelne Institute wichtig? Muss ggf. noch nach Fachbereichen unterschieden werden? Sollen die Daten für strategische Entscheidungen herangezogen werden? Im Extremfall könnte sich herausstellen, dass ihr zwar sehr viele Daten erhoben habt, die wichtigen Fragen aber dennoch nicht beantworten könnt. Eine wichtige Erkenntnis aus Verkehrssimulationsstudien an der Uni :)

    Die Erfassung des Aufwands halte ich auch für sehr interessant. Die Wahl der drei vorgeschlagenen Stufen muss wohlüberlegt sein, damit nicht 90% aller Anträge in die Kategorie “besonders hoher Aufwand”.

    für Personalplanungen könnte der Wert “Zeitdauer zwischen Antrag und Zuwendungen” interessant sein. Zumindest könnte auf Basis der Vorerfahrungen bei einem Projektträger eine Art Indikator für zu erwartende Verzögerungen berechnet werden.

    Bei Publikationen würde ich noch die Art der Publikation erfassen, auch wie oben vorgeschlagen mit Impact Factor, sofern möglich. Eventuell ist es nützlich, die im Rahmen eines Projektes betreuten Bachelor-/Masterarbeiten und zusätzlich zu den Personalstellen auch die HiWi-Stellen zu erfassen.

    Aber wie oben gesagt, das hängt immer von der zu beantwortenden Frage ab :)

    Grüße
    René