Auf der Venus hat man außerirdisches Leben entdeckt! So lautet zuerst ein Gerücht das sich seit ein paar Tagen durchs Internet verbreitet. Heute wurde dann eine wissenschaftliche Facharbeit dazu veröffentlicht: “Phosphine Gas in the Cloud Decks of Venus”(pdf). Also “Phosphin Gas in den Wolken der Venus”. Klingt nicht mehr ganz so spektakulär. Ist aber dennoch enorm spannend, denn Phosphin ist ein Molekül, dessen Existenz dort nach Meinung vieler nur durch die Anwesenheit von Lebewesen erklärt werden kann.

Das ist natürlich Material für jede Menge Schlagzeilen. Aber bleiben wir mal bei den Grundlagen: Der Entdeckung von Phosphin auf der Venus. Was würde daraus tatsächlich folgen?

Was ist Phosphin?

Chemisch korrekt heißt Phosphin eigentlich “Monophosphan” und ist eine chemische Verbindung aus Wasserstoff und Phosphor. Drei Wasserstoffatome und ein Phosphoratom verbinden sich zu “PH3”. Das Zeug ist gasförmig, farb- und geruchslos und darüber hinaus brennbar und giftig. Wenn wir es hier auf der Erde im Labor herstellen, ist es meistens nicht absolut rein sondern durch andere Stoffe verunreinigt und dann nicht mehr geruchslos sondern mit einem eher unangenehmen Geruch nach Knoblauch und faulem Fisch. Entdeckt hat man das Zeug erstmals 1783 und seitdem verwenden wir es zum Beispiel zur Schädlingsbekämpfung oder bei der Herstellung von Leuchtdioden. Obwohl “entdeckt” eigentlich der falsche Begriff ist; Philippe Gengembre, ein Student des französischen Chemikers Antoine Lavoisier hat es 1783 bei chemischen Experimenten im Labor quasi aus Versehen erzeugt. Denn natürlich kommt es auf der Erde so gut wie gar nicht vor. Manche Bakterien können es erzeugen; die Art von Bakterien die in einer sauerstofffreien Umgebung leben. Sie können Mineralien “fressen” die Phosphate enthalten, die aufspalten und in Verbindung mit Wasserstoff entsteht Phosphin.

Phsophine. Als Modell. Schaut in echt ganz anders aus. (Bild: Public Domain)

Wie hat man Phosphin auf der Venus entdeckt?

Es klingt seltsam, dass man in der Astronomie Moleküle irgendwo im All beobachten kann. Kann man aber. Und zwar mit Radioteleskopen. In dem Fall waren das das James Clerk Maxwell Telescope (JCMT) in Hawaii (betrieben von Großbritannien, Kanada und den Niederlanden) und das Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) das von der Europäischen Südsternwarten in Chile betrieben wird. Wie das mit der Beobachtung von Molekülen im All funktioniert habe ich hier ausführlich erklärt. Die Kurzversion: Ein Molekül kann Energie aufnehmen (durch Strahlung von Sterne, durch Wärme, durch Stöße, etc). Diese Energie gibt es in Form von Strahlung wieder ab. Jedes Molekül gibt dabei eine ganz charakteristische Art der Strahlung ab die im Allgemeinen im Radiowellen/Millimeterwellen-Bereich liegt. Mit passenden Teleskopen kann man solche Wellenlängen aufspüren und auf die Existenz der Moleküle schließen. Auf der Venus funktioniert das ein bisschen anders; das Prinzip ist aber gleich. Dort entstehen auch in der Atmosphäre Radiowellen und die Moleküle können diese Wellen absorbieren. Auch hier blockt jedes Molekül eine ganz bestimmte Wellenlänge und wenn man die gesamte von der Venus kommende Strahlung mit einem Radioteleskop anschaut, dann fehlt genau diese Wellenlänge. Bzw. fehlen normalerweise mehrere, weil ja in so einer Atmosphäre viele verschiedene Molekülarten rumschwirren. Aber mit ausreichend viel Daten und jeder Menge Computerrechnerei kann man rausfinden, was es dort alles gibt. In diesem Fall: Phosphin. Natürlich nur wenn ausreichend viele davon vorhanden sind; ein einzelnes Molekül kann man damit natürlich nicht finden!

Die Teleskop von ALMA (Bild: ESO/C.Malin)

Aber das heißt auch nicht, dass die Venus jetzt voll mit Phosphin ist. Zwanzig Molekülen pro Milliarde Moleküle lautet das Ergebnis der Beobachtung. Also nicht viel. Aber genug um die ForscherInnen zum Nachdenken zu bringen. „Als wir die ersten Hinweise auf Phosphin im Spektrum der Venus erhielten, war das ein Schock“, hat eine der beteiligten Wissenschaftlerinnen gesagt… Und in ihrem Artikel schreiben die AutorInnen: “The presence of even a few parts-per-billion of phosphin is completely unexpected for an oxidized atmosphere”. Selbst so kleine Mengen an Phosphin sind also komplett unerwartet in einer Atmosphäre wie der Venus. Eigentlich sollte das Zeug gar nicht da sein, weil es durch chemische Prozesse von selbst schnell wieder verschwindet. Je nach Atmosphärenschicht überlebt es nur Stunden bis ein paar hundert Jahre. Alles extrem kurz in planetarischen Maßstäben. Wie kommt es da also hin?

Was macht das Phosphin auf der Venus?

Das ist nun die große Frage. Die Venus gilt ja eher als extrem lebensfeindliche Welt. Auf ihrer Oberfläche herrschen Temperaturen von fast 500 Grad Celsius. Die Atmosphäre die darüber liegt ist extrem dick und dicht und voll mit Gasen wie Kohlendioxid, Schwefeldioxid und Stickstoff. Die Wolken in dieser Atmosphäre bestehen zum großen Teil aus Schwefelsäure – alles nicht unbedingt angenehm. Aber es gibt dort tatsächlich Regionen, wo es nicht ganz so schlimm ist. 50 bis 60 Kilometer über der Venusoberfläche liegt die Temperatur zwischen 0 und 60 Grad Celsius. Der atmosphärische Druck dort entspricht dem Druck am Boden der Erde. Und es gibt Wasser: Wenn die Schwefelsäure abregnet und sich dem Venusboden nähert, wird es irgendwann so heiß, dass sie sich zersetzt; unter anderem in Wasserdampf. Deswegen spekuliert man schon länger darüber, dass sich in diesen Atmosphärenschichten der Venus vielleicht doch Leben entwickelt haben könnte. Ich habe erst kürzlich über eine Arbeit berichtet in der – rein theoretisch – überlegt wurde, wie der Lebenszyklus solcher Venus-Mikroben aussehen könnte.

Soweit die Theorie. In der Realität hat man auf der Venus noch nie irgendwelche konkreten Spuren von Leben entdeckt. Aber Phosphin zählt zu den chemischen Stoffen, die man als “Biomarker” bezeichnet. Also etwas, dessen Existenz man ohne das Vorhandensein von Leben nur schwer erklären kann. Freier Sauerstoff ist so ein Fall. Sauerstoff reagiert enorm gern mit anderen Atomen. Wenn irgendwo Sauerstoff freigesetzt wird, existiert er deswegen nicht lange sondern verbindet sich – zum Beispiel mit Wasserstoff zu Wasser. Wenn ein Himmelskörper, so wie unsere Erde, eine relevante Menge an Sauerstoff in seiner Atmosphäre hat, dann muss es eine Quelle geben, die immer wieder neuen Sauerstoff nachliefert. Was in unserem Fall die Pflanzen, also Lebewesen sind. Es gibt auch andere Möglichkeiten wie Sauerstoff freigesetzt werden kann, aber wenn man auf einem Planeten einen ganzen Schwung solcher Biomarker findet, wäre das ein gutes Indiz dafür, dass da tatsächlich leben sein könnte.

Venus und ihre Wolken. Was darin ist, sieht man leider nicht… (Bild: NASA, Public Domain)

Und Phosphin gehört mit dazu. Die Astrochemikern Clara Sousa-Silva hat in einem Artikel im Scientific American vom letzten Jahr folgende bedenkenswerte Worte geschrieben:

“[I]f we find phosphine on a rocky planet in the habitable zone, where it has no false positives, we will have found life.”

Frei übersetzt: “Wenn wir auf einem Planeten mit fester Oberfläche in der habitablen Zone Phosphin entdecken und es keine andere Erklärung dafür gibt, haben wir Leben gefunden.”.

Nun, die Venus hat eine feste Oberfläche. Sie befindet sich – je nachdem wie genau man es definieren möchte – in der habitablen Zone der Sonne. Und wir haben dort Phosphin gefunden. Gibt es dort also Leben?

Lebt da was auf der Venus?

Bevor man zu so einem weitreichenden Schluss kommen kann, muss man sich zuvor erst einmal sehr sicher sein, dass es wirklich keine anderen Quellen für das Phosphin gibt. Wir wissen mittlerweile, dass es auf der Venus immer noch Vulkanismus gibt. Diverse Mineralien könnten dadurch in die Atmosphäre gelangen. Eine Atmosphäre die sich stark von der unterscheidet die wir von der Erde kennen; eine Atmosphäre in der es Gewitter, Blitze und jede Menge energetische Phänomene gibt. Wer weiß, was da alles an chemischen Reaktionen abgeht? Die Forscherinnen und Forscher die die aktuelle Arbeit veröffentlicht haben, sind allerdings der Ansicht, dass die potenziellen natürlichen Quellen auf der Venus nur einen winzigen Bruchteil des nachgewiesenen Phosphin erklären können. Der Rest muss eine andere Quelle haben. Und da bleibt derzeit nur “Leben”.

Das bedeutet alles immer noch nicht, dass da wirklich Leben auf der Venus existiert. Das heißt nur, dass wir derzeit nicht genau sagen können, dass das Phosphin nicht von Lebewesen produziert worden ist. Es kann genau so gut sein, dass wir noch nicht gut genug verstanden haben, wie Planeten funktionieren. In ihrem Artikel formulieren es die AutorInnen so:

“If no known chemical process can explain PH3 within the upper-atmosphere of Venus, then it must be produced by a process not previously considered plausible for Venusian conditions. This could be unknown photochemistry or geochemistry, or possibly life.”

Wenn von den bekannten Prozessen keiner in Frage kommt um die Menge von Phosphin in der Venus zu erklären, dann muss es entweder ein unbekannter chemischer Prozess sein. Oder Leben… Irdische Bakterien, so wird weiter argumentiert, wären jedenfalls vermutlich in der Lage solche Phosphin-Mengen zu produzieren.

Gerade die Venus ist notorisch schlecht von Raumsonden erforscht. Landungen gab es dort nur eine Handvoll und seit 1985 gar keine mehr. Aus der Umlaufbahn haben wir die Venus zwischen 2006 und 2014 erforscht. Aber verglichen etwa mit dem Mars wissen wir nix über die Venus! Wer weiß, welche geochemischen Prozesse dort abgehen… So oder so bedeutet der Nachweis des Phosphins auf der Venus, dass wir etwas neues lernen werden und müssen. Auch wenn die Entdeckung von Leben natürlich ein bisschen spektakulärer ist als ein besseres Verständnis der Planetologie.

Die Wissenschaft ist – gezwungenermaßen – konservativ was große Entdeckungen angeht. Man kann nicht einfach nach Lust und Laune irgendwelche Revolutionen verkünden; und die Entdeckung außerirdischen Lebens wäre definitiv eine Revolution. Selbst wenn uns nach noch längerem Nachdenken keine nicht-lebendige Quelle für das Venus-Phosphin einfällt wird man vermutlich nicht gleich die Entdeckung von “Alien-Bakterien” verkünden. Dafür werden wir – zumindest ist das meine Meinung – zur Venus fliegen und die Atmosphäre mit entsprechenden Instrumenten aus der Nähe untersuchen müssen. Was aber erstens sowieso schon längst dringend notwendig wäre und zweitens jetzt noch notwendiger ist.

Venus Express verglüht in der Atmosphäre unseres Nachbarplaneten. Es wird Zeit für eine neue Venus-Sonde! (Künstlerische Darstellung: ESA–C. Carreau)

Dass die Sache aufregend und potenziell spektakulär ist, sehen auch andere so. Zum Beispiel der Astronom Leonardo Testi, der in der Pressemitteilung so zitiert wird:

“Die abiotische Produktion von Phosphin auf der Venus ist nach unserem derzeitigen Verständnis der Phosphinchemie in der Atmosphäre von Gesteinsplaneten ausgeschlossen. Die Bestätigung der Existenz von Leben in der Venusatmosphäre wäre ein bedeutender Durchbruch für die Astrobiologie. Daher ist es unerlässlich, diese aufregenden Ergebnisse mit theoretischen und beobachtenden Studien weiterzuverfolgen, um die Möglichkeit auszuschließen, dass Phosphin auf Gesteinsplaneten auch einen anderen chemischen Ursprung haben könnte als auf der Erde.”

Und am Ende schreiben die ForscherInnen in ihrer Arbeit auch noch mal explizit:

“Even if confirmed, we emphasize that the detection of phosphine is not robust evidence for life, only for anomalous and unexplained chemistry”

Wenn da Phosphin ist, dann ist das also erstmal KEIN Beweis für die Existenz von Leben auf der Venus. Sondern vorerst nur ein Beweis für ungewöhnliche und unerklärte chemische Vorgänge. Wie die dann tatsächlich erklärt werden können, ist wieder eine ganz andere Frage.

Wo kommt das Leben auf der Venus her (sofern es überhaupt da ist)?

Aber wenn da wirklich Leben ist: Wo kommt es her? Darüber lässt sich noch mehr spekulieren und noch weniger wissen als über die restlichen Punkte. Als die Venus vor 4,5 Milliarden Jahre entstanden ist, war sie vermutlich ein sehr viel lebensfreundlicher Planet als jetzt. Mit halbwegs angenehmen Temperaturen; mit Ozeanen und Wasser auf der Oberfläche. Erst später, als sich wegen der Nähe zur Sonne immer mehr Wasserdampf in der Atmosphäre angesammelt hat und der Treibhauseffekt immer stärker wurde, ist die Venus zu der Gluthölle geworden die wir heute beobachten. Aber vielleicht hat sich damals dort einfaches Leben entwickelt? Und in den habitablen Wolkenschichten bis heute überlebt? Vielleicht ist das Leben auch von der Erde importiert worden? So wie bei uns Meteoriten einschlagen die von anderen Himmelskörpern stammen, können anderswo Meteoriten von der Erde einschlagen. Eventuell ist das frühe Leben der Erde per Meteorit zur Venus gereist. Oder es war umgekehrt – das können wir nicht beantworten, solange wir das hypothetische Venus-Leben nicht im Detail und im Labor genetisch untersuchen können. Nur so lässt sich herausfinden, ob es eine Verwandtschaft gibt und wer zuerst da war.

So oder so: Die Venus ist ein spannender Himmelskörper und nun nochmal deutlich spannender geworden als zuvor. Ich hab es schon oft gesagt und sag es gern noch einmal: Der Mars ist schön und gut. Aber wir sollten auch unseren anderen Nachbarplaneten erforschen. Wer weiß, was wir in den dicken Wolkenschichten der Venus noch alles finden. Das sehen auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler so und schließen ihren Artikel mit:

“Ultimately, a solution could come from revisiting Venus for in situ measurements or aerosol return.”

.

Da kann ich absolut nichts dagegen einwenden!

Kommentare (32)

  1. #1 Kerberos
    14. September 2020

    Hallo Florian,
    warum schreibst du durchweg den Plural von Phosphin?

  2. #2 Jan
    14. September 2020

    @Kerberos:
    Ich halte es für wahrscheinlicher, dass das ein Anglizismus ist.

  3. #3 Florian Freistetter
    14. September 2020

    Ist schon korrigiert

  4. #4 Till
    14. September 2020

    “[I]f we find phosphine on a rocky planet in the habitable zone, where it has no false positives, we will have found life.”

    Frei übersetzt: “Wenn wir auf einem Planeten mit fester Oberfläche in der habitablen Zone Phosphine entdecken und es keine andere Erklärung dafür gibt, haben wir Leben gefunden.”.

    Bei der Übersetzung habe ich etwas gestutzt. Nachdem ich den Originaltext studiert habe würde ich es eher so übersetzen: “Wenn wir auf einem Planeten mit fester Oberfläche in der habitablen Zone Phosphine entdecken, haben wir Leben gefunden, da wir dort keine andere Erklärung dafür haben.”

    Die Aussage ist also meines Erachtens im Original stärker als in Deiner Übersetzung.

  5. #5 Kerberos
    15. September 2020

    “”ist schon korrigiert””
    na, der Erfolg hält sich in Grenzen.

    @Jan,
    ach was! (im Loriot-Ton)

    @Till
    Tertium non datur.
    Egal ob “original”, Florians oder deine Übersetzung,
    diese Art Schlußweise setzt voraus, daß das
    “tertium non datur” erst mal bewiesen werden muß.
    Ich schmunzle auch immer, wenn Sherlock so “beweist”.

  6. #6 Florian Freistetter
    15. September 2020

    @Kerberos: Cache-Problem? Eigentlich sollte alles korrigiert sein…

  7. #7 Captain E.
    15. September 2020

    Da wird es wohl Zeit für eine Eintauch- oder Ballonsonde.

  8. #8 Walter
    15. September 2020

    Da bahnt sich eventuell eine Sensation an und was wird kommentiert – Rechtschreibfehler….. du meine Güte! Hab ich aber schon öfters hier gesehen, dass solche Sachen wichtiger sind als der von Florian geschriebene Artikel…

    Nichtsdestotrotz – wenn es da wirklich Leben gäbe, wäre das ein ganz großer Wurf! Man darf gespannt sein.

  9. #9 RPGNo1
    15. September 2020

    Schöner Spruch: “If you give me the options of unknown chemistry, unknown geology, or unknown biology, then biology is always going to be a distant third behind the other two options” 🙂

    https://twitter.com/aussiastronomer/status/1305523174155726849

  10. #10 René
    Halle
    15. September 2020

    Wow was für eine Meldung. Erst dachte ich nur wieder so eine Schlagzeile aus der Kategorie “Schlechte Schlagzeilen”, aber hier könnte ja tatsächlich etwas dran sein. Apropo Venus erforschen: Die Venus ist nach der Erde auch mein Lieblingsplanet, weil er/sie in meinen Augen so extrem spannend und interessant ist. Was ist denn auf dem Mars schon los? Da gibt es kaum Wetter und die Athmosphäre ist so dünn und ansonsten nur rote Erde… Laaaaangweilig (im Vergleich zu anderen Planeten). Dagegen find ich ja noch einige Jupitermonde spannender 🙂
    Daher: Go Science! Conquer the Venus!

  11. #11 LigH
    15. September 2020

    Im Deutschen bevorzugt man die standardisierte Nomenklatur der Phosphane als ganze Familie von Wasserstoffverbindungen mit Phosphor, einzeln oder in Ketten (analog zu den Alkanen als Wasserstoffverbindungen mit Kohlenstoff{-ketten}).

  12. #12 Kerberos
    15. September 2020
  13. #13 Karl-Heinz
    15. September 2020

    Außerirdisches Leben als Möglichkeit nennen die Experten zwar, halten sie aber für insgesamt unwahrscheinlich. Mehr noch: Die Forscher betonen, dass das Phosphan in den Venuswolken mitnichten als Beweis für Leben taugt. Dort, in rund 60 Kilometern Höhe, herrscht zwar Zimmertemperatur, anders als auf der Oberfläche, wo das Thermometer auf im Mittel 470 Grad steigt. Dafür ist die Luft in den Wolken extrem austrocknend und wegen der allgegenwärtigen Schwefelsäure sehr sauer. Außerirdische Mikroben können dort also nur in exotischen Szenarien überdauern.

    https://www.spektrum.de/news/kein-leben-in-der-gluthoelle/1768056

  14. #14 ralph
    15. September 2020

    Könnte es auch vor Jahrmillionnen dort Leben gegeben haben und das Phosphin gast noch aus tieferen Schichten aus?
    Anders gefragt, falls die heutige Erde das Schicksal der Venus ereilen würde und alles Leben einem Hitzetod erliegen würde, wie lange wären Spuren von Leben noch in der Atmosphäre nachweisbar?

  15. #15 René
    Halle
    15. September 2020

    @ralph
    Steht doch im Beitrag. Phosphin kann nicht sehr lange in der Athmosphäre bleiben und würde recht schnell in andere Verbindungen übergehen. Da man aber eine nicht unerhebliche Menge gefunden hat, muss es quasi ständig nachproduziert werden. Ob nun durch Alienmikroben oder durch planetenchemische Vorgänge ist egal, aber irgendetwas muss ständig für Nachschub sorgen.

  16. #16 Florian Freistetter
    15. September 2020

    @Karl-Heinz:Ähm – genau das sage ich doch auch in meinem Artikel?

  17. #17 Karl-Heinz
    15. September 2020

    @Florian Freistetter

    @Karl-Heinz:Ähm – genau das sage ich doch auch in meinem Artikel?

    Natürlich…

    Ich wollte nur den Kontrast hervorheben. Die einen sind fasziniert davon eine Signatur vom Leben auf der Venus gefunden zu haben und die anderen schütteln nur den Kopf und können sich Leben auf der Venus überhaupt nicht vorstellen. Ich persönlich wäre einer zukünftigen Mission Richtung Venus nicht abgeneigt.
    So ich hoffe, dass mein vorangegangenes Kommentar jetzt nicht mehr so negativ gesehen wird. 🙂

  18. #18 Christoph
    15. September 2020

    Hab mir gestern den Live-Stream angeschaut. Beim Stichwort Biomarker musste ich an die alten russischen (Venera) und amerikanischen Sonden (Pioneer-Venus) denken. Schon damals ist den Forschern die besondere Zusammensetzung der Atmosphäre aufgefallen ( https://sciencev1.orf.at/science/news/59147 )
    Es gab ungewöhlich viele Schwefelwasserstoffe und weniger Kohlenmonoxid als angenommen. Alles Dinge, die auf einen Stoffwechsel von Mikroorganismen hindeuten könnten. Da wurde auch reichlich spekuliert.
    Interessant ist auch die multimodale Partikelgrößenverteilung in der Venusatomsphäre ( https://www.astrobio.k.u-tokyo.ac.jp/imamura/wp/wp-content/uploads/2020/08/Knollenberg_Hunten_1980.pdf ).
    Dazu kommen die ungewöhlichen, UV-Licht schlucken Wolkenbänder, deren Ursprung und Zusammensetzung bis heute nicht geklärt sind.

    Ich denke, da werden sich gerade einige die Finger wund schreiben für neue Missionsanträge zur Erforschung der Venusatmosphäre.

  19. #19 ralph
    15. September 2020

    @René
    …oder, wie ich spekulierte, aus tieferen Gesteinsschichten des Planeten ausgasen.

  20. #20 W
    15. September 2020

    Erster Namensvorschlag für die Sondenmission zur Venus: All Summer in a Day – viele Buchstaben für ein langes Akronym 😉

  21. #21 Kebsn
    15. September 2020

    Ich wage eine Prognose:

    Wird sich als abiotischen Ursprungs herausstellen…

  22. #22 Kerberos
    16. September 2020

    Und noch ein Kommentar:
    https://xkcd.com/2359/

  23. #23 Ichbins
    16. September 2020

    Wie immer sehr schön geschrieben. Vielen Dank 🙂

  24. #24 Julian
    17. September 2020

    Danke für den interessanten Artikel! Ich bin sehr begeistert! (Wer einen Rechtschreibfehler findet darf ihn behalten 🙂 )

  25. #25 Peter
    3. Oktober 2020

    Lebewesen, so wie wir sie kennen, benötigen Wasser und vermehren sich bei Temperaturen von unter 0 °C (Kryophile) bis ca. 122 °C (Hyperthermophile).
    Man müsste eine Raumsonde zur Venus schicken, die ein Fluggerät aussetzt, welches längere Zeit durch die oberen, nicht zu heißen Atomsphärenschichten fliegt und Proben nimmt und untersucht. Vielleicht eine Art kleines Flugzeug bzw. eine Drohne (oder einen kleinen Zeppelin o. Ballon, falls man eine Hülle findet, die der Schwefelsäure lange genug standhält). Eventuell könnte man auch Proben aus der Atmosphäre sammeln und diese zur Erde zurückbringen. Dies wäre zwar technisch aufwändiger, aber man könnte dann auf der Erde die Proben mit mehr Methoden (z. B. Nachweis von Nukleinsäuren, Mikroskopie usw.) genau untersuchen.
    Interessant wären auch die Temperaturen im Venusboden. Direkt auf der Oberfläche ist es mit ca. 437 °C bis 497 °C sehr heiß. Aber schon einige Meter bis einige hundert Meter darunter könnte es kühler sein (das kennt man ja auch hier von der Erde).

  26. #26 Karl-Heinz
    3. Oktober 2020

    @Peter

    Aber schon einige Meter bis einige hundert Meter darunter könnte es kühler sein (das kennt man ja auch hier von der Erde).

    Dass es unter der Venus kühler sein soll, kann ich mir nur schwer vorstellen. Im Inneren befindet sich eine Wärmequelle und auf der Oberfläche ebenfalls. Wie soll da eine Kältesenke in der Venuskruste entstehen?

  27. #27 PDP10
    3. Oktober 2020

    @Karl-Heinz:

    Das frage ich mich auch gerade …

    Auf der Erde ist das so. Unterhalb von etwa ein bis zwei Metern unter der Erde liegt die Temperatur fast überall auf der Welt bei ungefähr 14° C. Das geht oft weiter bis mehrere Hundert Meter Tiefe. Dann wirds wieder wärmer.

    Das liegt aber daran, dass die Durchschnittstemperatur der Erdatmosphäre an der Oberfläche im Jahresmittel bei genau diesen 14° C liegt.
    Die Temperatur im Boden pendelt sich dann halt über lange Zeiträume so ein. Energiebilanz. (Hauptsächlich wärme- Strahlungsenergie.)

    Aber auf der Venus?

    Das müsste mir mal jemand vorrechnen, wie das gehen soll …

  28. #28 PDP10
    3. Oktober 2020

    Da fehlt ein “und”. Also zwischen wärme- und Strahlungsenergie.

  29. #29 polymerix
    Netphen
    4. Oktober 2020

    According to the IUPAC (International Union of Pure and Applied Chemistry) Nomenclature of Organic Componds phospanes are organic derivatives of the trivalent phosphorus parent hydride (PH3=phosphane) named substitutively on the basis of this parent hydride name. The alternative name phosphine is not recommended.
    An example is ethylphosphane H3C-CH2-PH2
    The end-‘e’ is English and dropped in the German name.

  30. #30 Spritkopf
    4. Oktober 2020

    @PDP10

    Unterhalb von etwa ein bis zwei Metern unter der Erde liegt die Temperatur fast überall auf der Welt bei ungefähr 14° C.

    Kann man pauschal so nicht sagen. Die Bodentemperaturen auch in 6 oder 12 Meter Tiefe folgen den Oberflächentemperaturen, allerdings mit einem zeitlichen Versatz, der umso größer ist, je tiefer, und mit Amplituden, die umso kleiner sind, je tiefer. Siehe z. B. Wikipedia und dem dort angegebenen Link auf die Temperaturzeitreihen des Potsdam Institut für Klimafolgenabschätzung.

    Das geht oft weiter bis mehrere Hundert Meter Tiefe.

    Das gilt aber nur für Regionen, die entweder heute noch Permafrostböden haben oder diese noch vor kurzer Zeit (in erdgeschichtlichen Maßstäben betrachtet) hatten.

    Ansonsten kann man den geothermischen Temperaturgradienten an einem bestimmten Ort durchaus schon mit Bohrungen von 150 Meter Tiefe bestimmen. Ist auch abhängig davon, ob man in sedimentären, magmatischen oder metamorphen Gesteinsschichten bohrt (in Sedimentgestein muss man tiefer bohren, um den Temperaturgradienten messen zu können).

  31. #31 PDP10
    4. Oktober 2020

    @Spritkopf:

    Kann man pauschal so nicht sagen.

    Wollte ich auch nicht. Deshalb schrieb ich “fast” und “ungefähr”.

    Und das die über die Jahreszeiten der durchschnittlichen Lufttemperatur nachfolgen war mir schon klar. Die Schwankungen sind aber eben nicht so groß.

    Aber worum es mir eigentlich ging:

    So ungefähr im Mittel kommt die Bodentemperatur in einem gewissen Tiefenbereich der Durchschnittstemperatur der Erde in der Atmosphäre eben schon nahe. Wie sollte es auch anders sein?

    Daher bezweifel ich eben, was Peter in #25 geschrieben hat.

    Ich vermute mal, die Bodentemperaturen auf der Venus sind in ein paar Metern Tiefe eben bei deutlich über 100°.

  32. #32 UMa
    29. Oktober 2020

    Wohl doch kein PH3 in der Atmosphäre der Venus, sondern SO2.

    Villanueva et.al.: “No phosphine in the atmosphere of Venus”
    https://arxiv.org/abs/2010.14305