Heute gibt es die nächste Folge dieser Serie, in der ich kurz von Entwicklungen aus meiner eigenen Forschung, Arbeit (Fälle, über die ich sprechen darf) oder von nebenberuflichen Tätigkeiten und Aktivitäten, von denen ich hier im Blog schon zuvor regelmäßig berichtet habe (GWUP, Skeptikerkram, Vorträge, Slams, TV- und Podcast-Präsenzen etc.), erzähle.
Forschung, Lehre und Wissenschaft:
Letter an FSI:Gen
Im Juli 2025 gab es einen wichtigen Fortschritt für die Qualitätssteigerung der Forschung zu DNA-Transfer, -Prävalenz, -Persistenz und -Rückgewinnung (TPPR) im Kontext mit der Begutachtung auf Aktivitätenebene: schon in einer Arbeit von 2019 [1] hatten wir gefordert, daß es seitens der Fachzeitschriften strengere Auflagen hinsichtlich von Qualität und Dokumentation bei Studien zu TPPR gemacht werden sollten, bevor diese veröffentlicht werden, da ein nennenswerter Teil der Forschung zu diesem Thema von schlechter Qualität bzw. so unzureichend dokumentiert ist, daß man damit nichts anfangen kann. Die wichtigste Fachzeitschrift unseres Feldes, FSI:Genetics, ist dem nun nachgekommen und stellt ab sofort Mindestanforderungen an TPPR-Studien [2].
Allerdings gab es in dem Papier ein paar unklare Punkte und war eine der Forderungen unserer Meinung nach zu voreilig (da noch nicht auf Daten stützbar), so daß wir einen zwar sehr positiven „Letter to the Editor“ geschrieben haben [3], der aber dennoch Anregungen und Kritikpunkte enthielt. Eine Reihe von Wissenschaftlern hat sich uns angeschlossen und den Brief mitgezeichnet. Wir hoffen aufrichtig, damit in Form eines Dialogs in der Community zu einer Verbesserung der Forschung zu TPPR beizutragen.
Annicas DFG-Antrag
Meine ehem. Doktorandin inzwischen Post-Doc Annica hat erfolgreich an der von mir mit geleiteten und inzwischen abgeschlossenen DFG-Nachwuchsakademie teilgenommen. Sie (wie auch meine anderen beiden Mentees, wie ich nicht ganz unzufrieden verkünden darf) hat eine Förderzusage für ihr Projekt „TRACES of Alcohol: Targeting RNA to Assess the Consumption of Ethanol from biological Stains“ (dt. Untersuchung von RNA aus biologischen Spuren zur Beurteilung von Ethanolaufnahme) erhalten und wird Ende dieses Jahres mit der Bearbeitung beginnen. Ein weiteres Projekt zur Analyse differentiell exprimierter RNA zur Beantwortung einer forensisch relevanten Fragestellung. #RNArules! Ich freue mich sehr und bin stolz 😊
Dr. Neis!
Am 09.07. hat mein (von Peter Schneider geerbter) Doktorand Max Neis endlich seine Verteidigung gehabt und ist nun „Dr. nat. med. Neis“. Sein Thema war die „Individuelle Zuordnung der Komponenten humanbiologischer Mischspuren durch hochauflösende massiv-parallele Sequenzierung (MPS)“ (wovon die Daten schon lange publiziert sind [4] – es ging dabei um die Lösung eines speziellen Problems in der forensischen RNA-Analyse). Das Ding auf seinem Kopf ist ein selbstgebastelter Doktorhut. Wer das nicht kennt: in manchen akademischen Feldern, z.B. bei uns in den Life Sciences, ist es üblich, daß die Gruppe eines Doktoranden ihm einen solchen Hut bastelt, auf dem Dinge, Sprüche, Photos befestigt werden, die den Doktoranden, seinen Charakter, seine Doktorandenzeit, gemeinsame Erinnerungen etc. humorvoll darstellen 😊
Herzlichen Glückwunsch, Maxi, auch noch mal an dieser Stelle!
TV-/Podcast-/Interview-/Vortragsaktivitäten:
Skepkon 26
Im Mai fand die Skepkon 26 wie auch im Jahr zuvor in Regensburg statt. Hier der Bericht. Dort habe ich wieder einen Vortrag ge-, aber ich habe mich auch wieder mit verschiedenen Leuten unterhalten. (Leider dauert es mal wieder ziemlich lange, so daß die Vorträge der Skepkon immer noch nicht online sind; ich sage Bescheid, wenn es soweit ist). Unter anderem mit Sinan von Sinans Woche. Mit ihm habe ich mich über mein Vortragsthema „Faking Science“ unterhalten, das Gespräch ist hier zu sehen.
Mit Ali Hackalife, der auch bei der Skepkon als Sprecher dabei war, habe ich später in seinem Podcast „Auch interessant“ ebenfalls und noch etwas ausführlicher über Betrugsmodelle in der Wissenschaft und beim wissenschaftlichen Publizieren gesprochen. Hier zum Anhören.
Quarks Radio
Ist schon eine Weile her, daß Quarks & Co. (wie es damals noch hieß) einen Beitrag über mich und die Molekulare Ballistik gemacht hat (leider nicht mehr abrufbar); damals war das noch ‘ne gute Sendung. Und obwohl der Youtuber und GWUP-Kollege Sinan aus guten Gründen Kritik an Quarks (zur heutigen Zeit bei Instagram) geübt hat, die ich im Übrigen teile, habe ich mit Sebastian Sonntag vom Audio-Format von Quarks doch ein Gespräch geführt. Und es war auch gar nicht woke, sondern sehr nett und – ich hoffe – informativ 😊
Social Media der Uniklinik Köln
Im Tatort, einer Krimiserie in der ARD, vom 11.01.2026 „Die Schöpfung“ wurde unsere Abteilung erwähnt (Minute 32:08-32:40), auch wenn wir unpräzise als „Forensiker“ bezeichnet wurden. Ich habe das – wie immer – nicht gesehen, wohl aber Medienleute von der Uniklinik Köln, die daraufhin mal bei uns nachgehört und um einen „Kommentar“ gebeten hatten, den sie dann gleich auch gefilmt haben. Anscheinend haben die Tatort-Macher wirklich auf unserer Website nachgeschaut, was wir können, haben es dann aber doch nicht genau genug gelesen…
Hier soll man es sehen können. Angeblich gibt es auch einen Beitrag auf „Ticktock“ (eine Art Video-Portal für Adoleszente, was ich aber nicht habe und haben werde, so daß Ihr da ggf. selber suchen müsstet…)
Nachdem uns die Medienabteilung der Uniklinik “entdeckt” hatte, entflammte ihr Interesse, so daß ich kurze Zeit später dann auch noch etwas über die Forensische RNA-Analyse und über den Karnevalsmord erzählt habe.
XY gelöst
Apropos „Karnevalsmord“: Ich hatte ja schon erzählt, daß in der Reihe „XY ungelöst“ ein Beitrag dazu erschienen ist. Hier nochmal der Link für Interessierte.
Printmedien:
Laborjournal
Das Laborjournal kennen die allermeisten Leute, die im weitesten Sinne in einem biomedizinischen oder lebenswissenschaftlichen Labor arbeiten. Der Bezug ist für Institute und Arbeitsgruppen an öffentlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen kostenlos, deshalb erhalten und lesen wir es hier regelmäßig. Vor 10 Jahren war ich auch schon einmal beim Laborjournal-Podcast zu Gast. Kürzlich nun habe ich nun ein sehr langes Gespräch mit einem Reporter und Autor des Laborjournals geführt und über sehr viele Themen aus unserem Bereich gesprochen. Für denselben Artikel hatte er auch den geschätzten Kollegen Walther Parson aus Innsbruck interviewt. Das hier ist draus geworden.
Der Kriminalist 
In „Der Kriminalist“, einer Fachzeitschrift für die Kriminalpolizei und die Kriminalitätsbekämpfung, herausgegeben vom Bund Deutscher Kriminalbeamter, ist in Ausgabe 7-8/2026 sogar als Titelbeitrag ein Text von meiner Doktorandin Kathrin (aka „Bro“) und mir zum Thema Spureninterpretation auf Aktivitätenebene erschienen. Titel: „Begutachtung biologischer Spuren auf Aktivitätenebene – DNA am Tatort – was sagt eine Spur tatsächlich aus?“ Ist kostenpflichtig, kann ich leider nicht verlinken, ist aber ein schöner Artikel geworden.
Fälle:
In Saarbrücken gab es im April 2025 (vermutlich) einen Mord. Vermutlich, weil zwar ein Saarbrücker Künstler vermisst wurde und wird, und man auch einen Verdächtigen und ein Motiv, aber eben keine Leiche, wohl aber Blutspuren und -spritzer, die auf eine mögliche Tat hindeuteten, gefunden hatte. Im März dieses Jahres war dann auch ich in diesem Fall als Sachverständiger für forensische RNA-Analyse geladen, um darüber zu berichten, welche Gewebe sich in den Spritzern nachweisen ließen (nämlich eben nicht nur Blut, sondern auch Skelettmuskelgewebe, was auf eine schwerere Verletzung – aber nicht notwendig eine tödliche – hindeutet). Am selben Tag äußerte sich auch ein Rechtsmediziner aus Saarbrücken, der nicht mehr an die „Zerstückelungshypothese“ glaubt, sondern von einem Schuß ausgeht. Im Juni dann meldete sich eine Zeugin, die den Vermissten gesehen haben will. Das ist der letzte mir bekannte Stand. Ich berichte mehr, wenn ich mehr weiß…
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Referenzen:
[1] Gosch A, Courts C. On DNA transfer: The lack and difficulty of systematic research and how to do it better (2019). Forensic Sci Int Genet. 40:24-36. doi: 10.1016/j.fsigen.2019.01.012.
[2] Gill, P., Hicks, T., Kokshoorn, B., van Oorschot, R. A., Taylor, D., & Parson, W. (2025). Minimum FSI: Genetics requirements for publishing data on DNA transfer and recovery, given activities. Forensic Science International: Genetics, 103330. doi: 10.1016/j.fsigen.2025.103330
[3] Broderius, K., Gosch, A., Bamberg, M., Foley, M. M., Kamphausen, T., Onofri, M., … & Courts, C. (2026). Letter to the Editor Response to “Minimum FSI: Genetics requirements for publishing data on DNA transfer and recovery, given activities”. Forensic Science International: Genetics, 84, 103507.
[4] Neis, M., Groß, T., Schneider, H., Schneider, P. M., & Courts, C. (2024). Comprehensive body fluid identification and contributor assignment by combining targeted sequencing of mRNA and coding region SNPs. Forensic Science International: Genetics, 73, 103125.



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