5) Nutzen für die Allgemeinheit schaffen – ein wichtiges „Verkaufsargument“: Zwar habe ich mich im Nachgang der Finanzierungsphase von „Silver Clips“ nur mit einigen Unterstützern austauschen können, habe aus diesen Gesprächen aber den starken Eindruck mitgenommen, dass die Schaffung von Werten für die Allgemeinheit ein großer Motivator für Unterstützerinnen und Unterstützer sein kann. Mir geht das bei der Entscheidung für oder gegen eine Beteiligung an einem Crowdfunding-Projekt übrigens selbst nicht anders: Wenn ich das Gefühl bekomme, dass aus einem Crowdfunding-Projekt heraus Erkenntnisse oder Infrastrukturen entstehen, die von allen – oder doch zumindest anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – später noch genutzt werden können, motiviert mich das als potentiellen Unterstützer umso mehr.

Für „Silver Clips“ haben wir diese Idee über das Versprechen realisiert, sowohl die Projektvideos allgemein zugänglich und unter einer freien Lizenz auf YouTube zu veröffentlichen als auch alle eventuellen Publikationen zum Projekt ausschließlich über Open Access-Kanäle laufen zu lassen, so dass wirklich alle am Thema Interessierten die Möglichkeit bekommen, sich vollumfänglich mit den Projektergebnissen auseinanderzusetzen, ohne dafür bezahlen zu müssen. Bei „Dem Himmel so nah“ entstehen dagegen neue Möglichkeiten zur barrierefreien Beobachtung des Sternenhimmels in einer ehrenamtlich betriebenen und somit auch allen Interessenten frei zugänglichen Einrichtung, wodurch sich in beiden Projekten der postulierte Nutzen für die Allgemeinheit einstellt.

Soweit einige private Überlegungen zu erfolgreichem Wissenschafts-Crowdfunding. Abschließen möchte ich diesen Blogpost gerne mit einem erst kürzlich aufgezeichneten Google Hangout des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft mit Sciencestarter-Manager Thorsten Witt, der natürlich noch zahlreiche weiterführende Beobachtungen und Tipps für Crowdfunding-Interessierte aus der Wissenschaft auf Lager hat.

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Kommentare (5)

  1. #1 CM
    27. Februar 2014

    Sehr interessante Aspekte! Vielen Dank für die Zusammenfassung.

    Insbesondere beim “langweiligen” Punkt 4 möchte ich nachfragen: Wie kann denn eine formal korrekte Lösung für die angesprochenen Fragen aussehen? Der Text klingt so ein wenig nach “es wurden dankenwerterweise die Bürokraten außen vorgelassen” ;-).

    Und: Wenn ein professionelles Video quasi Pflicht ist – wie sieht dann eine Gesamtkostenrechnung aus? Schließlich ist nicht jede Gruppe in der Lage das in Null-komme-Nichts selber zu machen, d. h. entweder wird Expertise eingekauft oder mühevoll angeeignet – dies kostet Geld. Oder gibt es eine einfachere Lösung, die mir nicht vor Augen ist?

    Danke,
    Christian

  2. #2 Christian Reinboth
    27. Februar 2014

    @CM: Vielen Dank für die Fragen, die ich nachfolgend so gut wie möglich zu beantworten versuchen werde.

    Eine formal korrekte Lösung kann meinem Erachten nach nur in der frühzeitigen Einbeziehung entsprechender Entscheidungsträger innerhalb der Hochschule bestehen. Im Fall von “Silver Clips” war dies der Prorektor für Forschung und Internationales, der die Idee, auch mal eine eher unkonventionelle Methode der Forschungsfinanzierung auszuprobieren, von Anfang an unterstützt hat. Ich vermute, dass man zum entspannten Arbeiten genau das braucht: Die Unterstützung des Professors bzw. der Professorin, der oder die das Projekt nach erfolgreicher Finanzierung betreuen soll sowie die Unterstützung der Leitungsebene. Wie man sowas organisieren kann, wird sicher von Hochschule zu Hochschule ganz verschieden sein. In unserem Fall hat es bestimmt auch geholfen, dass wir Thorsten Witt von Sciencestarter vorab einmal als Referenten nach Wernigerode eingeladen hatten, damit er das Crowdfunding-Prinzip den daran interessierten Professoren und Hochschulmitarbeitern vorstellen konnte.

    Zum professionellen Video: Für den späteren Erfolg der Finanzierung ist dieses sicher keine Pflicht – einige der erfolgreichsten Sciencestarter-Projekte haben erkennbar auf eine übermäßige Professionalisierung der Präsentation verzichtet, was ebenso erkennbar nicht geschadet hat. Hochschulintern war die Qualität des “Silver Clips”-Videos allerdings ein positiver Faktor, da es dazu beigetragen hat, auch skeptische Professoren davon zu überzeugen, dass hier tatsächlich ein “ernsthaftes” Projekt angestrebt wird.

    Was die Finanzierung angeht: Wenn man – wie wir – einen Medienstudiengang und damit entsprechende Profis direkt im Haus hat, kann man sowas beispielsweise über HiWi-Verträge finanzieren oder versuchen, ein studentisches Projekt daraus zu stricken. Wenn man sich dagegen externe Profis ranholt, zerstört man vermutlich das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Crowdfundings.

  3. #3 Marianne Wilmsmeier
    Rombach
    27. Februar 2014

    Hallo Herr Reinboth,
    ganz herzlichen Dank für den interessanten und ausführlichen Artikel über Ihre Erfahrungen. Ich würde Sie gerne, sofern Sie nicht anderweitig schon angesprochen bzw. aktiv geworden sind, einladen, sich dem German Crowdfunding Network (http://www.germancrowdfunding.net) anzuschließen, das erst seit kurzem besteht und den Gedanken des Crowdfunding flächendeckend in die Gesellschaft tragen möchte. Das Thema Crowdfunding im Wissenschaftsbereich ist mehr als spannend und bedarf auch einer besonderen Aufmerksamkeit. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich uns anschließen . Liebe Grüße, Marianne Wilmsmeier

  4. #4 CM
    27. Februar 2014

    Danke abermals für die Einschätzung / Erklärungen!

  5. […] vergangenen Jahr hatte ich hier auf den ScienceBlogs mehrfach um Unterstützung für zwei von mir mitbetreute Crowdfunding-Projekte bei Sciencestarter geworben, die […]