Ende Februar findet jedes Jahr der Spurenworkshop der Spurenkommission der DGRM statt.

Zur Erinnerung: Der historische Zweck des Spurenworkshops war, die Ergebnisse der beiden jährlichen GEDNAP-Ringversuche für forensisch-molekularbiologische Labore vorzustellen und zu diskutieren.  Inzwischen ist die Veranstaltung, die tatsächlich einmal als ganz kleiner Workshop ihren Anfang nahm, aber zu einer großen internationalen Tagung mit Hunderten Teilnehmern und zahlreichen Industrieausstellern geworden, auf der auch immer etliche wissenschaftliche Vorträge präsentiert und Fortbildungsveranstaltungen angeboten werden und seit 2024 steht nun auch ein „neuer“ Ringversuch und die Diskussion von dessen Ergebnissen im Zentrum.

Das letzte Mal waren wir in Salzburg wo meine Doktorandinnen Kathrin und (damals noch, inzwischen ist sie Dr.) Annica und der Masterstudent Felix zu ersten Erkenntnissen aus unserem DFG-geförderten Projekt zu DNA-Transfer, zur Depositionstageszeitbestimmung von Blutspuren anhand der mRNA-Expression und dazu, wie man mittels „shinyApp“ und rfu-tot-Methode DNA-Anteile von individuellen Beiträgern zu einer Mischspur quantifizieren kann.

Dieses Jahr ging es also nach Greifswald. Weiter weg in Deutschland geht es kaum. Selbst von Kiel aus braucht man, wie ich mich noch erinnere, viele Stunden, von Köln aus waren es mit der Deutschen Bahn (einschl. Verspätung) deutlich mehr als derer 8. Die Schweizer und Österreicher Kollegen waren meist erst nach Berlin geflogen und mussten von da aus noch stundenlang mit dem Zug fahren. Doch es hat sich gelohnt!

Die Greifswalder Rechtsmedizin und deren Gruppe für Forensische Genetik, geleitet von der geschätzten Kollegin A. Klann, ist eine der kleinsten in Deutschland und dennoch – und die ganze Community war sehr dankbar und voller Anerkennung dafür – haben sie sich bereit erklärt, den gewaltigen Aufwand, eine Tagung wie den Spurenworkshop zu organisieren, auf sich zu nehmen. Und, das nehme ich vorweg, sie haben es ganz toll gemacht!

Auch Greifswald als Städtchen – zumal wir mit dem Wetter Glück hatten – ist wirklich ganz charmant und einen Besuch wert, zumindest, wenn man dort in der Nähe unterwegs ist, z.B., weil man Urlaub auf Rügen oder dem Darß macht.

Ich hatte leider nicht viel Zeit, rumzulaufen und mir etwas anzusehen, immerhin für eine kleine private Führung durch einen Bootsbaubetrieb hat es gereicht:

das Ding, auf dem das Boot steht, ist übrigens eine Slipanlage B)

Nach den Fortbildungen am Donnerstag und den Hersteller-Symposien am Freitagmorgen (drei der für unsere Community besonders wichtigen Firmen veranstalten traditionell jeweils ein Symposium für Anwender, bei dem sie neue Produkte vorstellen, beim Troubleshooting helfen und wo aber auch Wissenschaftler auftreten und unabhängig von der Firma über Tests und Validierungen der Produkte berichten – die Teilnehmer teilen sich dann jeweils auf die Symposien auf) begann am Mittag das wissenschaftliche Programm.

Für eigentliche Wissenschaftsvorträge war am Freitag fast keine Zeit, denn zuerst wurden die Ergebnisse des TrACE-Ringversuchs vorgestellt, dann stellten sich alle Posterautoren (s.u.) und danach alle Herstellerfirmen, die jeweils ihren eigenen Stand hatten, mit Minivorträgen vor.

Anschließend gab es zwei interessante Vorträge zur DNA-Analyse aus Einzelzellen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und yours truly sprach ein paar düstere Worte der Warnung (s.u.). Den Abschluß des Tages bildete ein neues „Format“, wie man heute wohl sagt, getestet, denn es gab erstmals einen monothematischen Block mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema: „Erfahrungsaustausch zur Auswahl und Priorisierung von Spuren“.

Der Hintergrund hierzu ist, daß, einfach gesagt, an Tatorten durch die Polizei mehr Spuren gesichert werden, als mit der verfügbaren Laborkapazität durch die LKÄ abgearbeitet werden können. Vertreter verschiedener KÄ, einer Privatfirma und eines rechtsmedizinischen Instituts erläuterten in kurzen Vorträgen, wie sich das Spurenaufkommen zusammensetzt, wie häufig bestimmte Spurenarten erfolgreich bearbeitet werden können (so, daß ein auswertbares DNA-Profil erstellt werden kann), wie sie mit der hohen Spurenlast umgehen, z.B. in dem sie „Priorisierungsalgorithmen“ verwenden aber auch, in dem Polizisten und Spurensicherer geschult und dafür sensibilisiert werden, daß eine rationales Verfahren zur Reduzierung sehr wahrscheinlich unauswertbarer Spuren schon am Tatort umgesetzt wird. Als hilfreich hat sich auch die Rückmeldung an Spurensicherer erwiesen, wie gut/schlecht bestimmte Spuren, die sie gesichert hatten, auswertbar waren.

Das ist ein sehr relevantes Thema, das aber auch eine politische Note hat, denn während viele LKÄ ihre Arbeitslast nicht mehr bewältigen können, gibt es in vielen rechtsmedizinischen Instituten einen Mangel an Spuren zum Untersuchen – was Einkünfte für die Institute/Unikliniken erzeugt – aber auch, um daran nachwachsende forensische Genetiker auszubilden – eine besonders schlimme Folge dieser beklagenswerten Zustände haben wir vor ein paar Jahren in Berlin gesehen. Die LKÄ schreiben dann „Spurenpakete“ aus, wie es heißt, und externe Institute können sich darum „bewerben“, diese zu einem vereinbarten Preis „abzuarbeiten“. Leider sind in Deutschland auf diesem „Markt“ auch Privatlabore (mit ausschließlich kommerziellem Interesse an der Renditemaximierung) als Bewerber zugelassen und oft können rechtsmedizinische Institute, die ja auch Forschung und Lehre leisten (,die kein Geld bringen sondern kosten,) mit den Kampfpreisen der oft hochgradig automatisierten Privaten nicht mithalten. Hierzu zitiere ich nochmal einen Kommentar aus der SZ:

„Es ist zu befürchten, dass kommerzielle Anbieter, die im Unterschied zu einem Unilabor viel stärker auf den Preis achten müssen, sich diese Mühe nicht leisten können. Wer das billigste Angebot einhalten muss, könnte umso öfter zurückmelden, dass die Probe leider unauswertbar sei.“

Eine, wie ich persönlich finde, sehr unglückliche und im Interesse der Integrität der Strafverfolgung auch eigentlich untragbare Situation. An Dänemark, wo man die Idee, daß Privatlabore eine solch wichtige, hoheitliche Aufgabe durchführen, zurecht absurd findet, sieht man, daß es auch anders geht: da werden alle (!) Untersuchungen in der Forensischen Genetik der Rechtsmedizin Kopenhagen durchgeführt;  an der „Forensik-Katastrophe“ derzeit in Großbritannien sieht man hingegen, was passiert, wenn man den Prozess der Privatisierung nicht stoppt und am besten umkehrt

“Over 80% of external forensic services are now provided by a single large company Eurofins. This comes with risks: for the range and quality of service provision; for the stability of forensic science in the UK should Eurofins exit the market; and for the Forensic Science Regulator who may be unwilling to impose sanctions on a near-monopoly provider.”

(besagte Fa. hat sich vor einer Weile übrigens sogar hacken lassen und am Ende ein Lösegeld bezahlen müssen, um wieder an ihre Daten zu kommen, was damals unfassbarerweise nicht zu einem Umdenken geführt hat). Ich hoffe sehr und für uns alle, daß Deutschland nicht (weiter) diesen Weg geht und seine Institute für Rechtsmedizin und deren Bereiche für Forensische Molekularbiologie besser fördert, schützt und finanziert.

Mit diesem Themenblock endete der Freitag und am Samstag dann war ich ganz in meinem Element, denn es gab viele Vorträge zur Identifikation von Körperflüssigkeiten, einige davon mittels der forensischen RNA-Analyse.

Ein Vortrag von N. Clemens kam aus meiner alten Gruppe in Kiel, die ebenfalls forensische RNA-Analyse in der Fallarbeit nutzen. Hier stellten sie ihre Fortschritte bei der Entwicklung einer auf der Analyse von RNA-SNPs beruhenden Methode vor, um die Körperflüssigkeit „Speichel“ nicht nur in Mischungen von Körperflüssigkeiten identifizieren, sondern auch einer bestimmten Person zuordnen zu können (mit dem Standardverfahren, das auch wir hier nutzen, geht das nämlich nicht) und zwar ohne eine aufwendige, teure massiv-parallele RNA-Sequenzierung vornehmen zu müssen.

E. Hanf aus Ulm, eine weitere Gruppe, die die forensische RNA-Analyse auch in der routinemäßigen Fallarbeit einsetzt, präsentierte Ergebnisse zum Vergleich zweier Methoden – Kapillarelektrophorese und MPS – für die Analyse von mRNA und miRNA (meiner alten Liebe) zur Identifikation forensisch relevanter Körperflüssigkeiten (BFI). Damit steht sie in guter Ulmer Tradition, denn die Ulmer beschäftigen sich schon länger damit, die Qualitäten von mRNA und miRNA in der BFI zu kombinieren. Es zeigte sich, daß sich auch mit MPS mRNA/miRNA sehr gut analysieren lassen, sogar bei länger gealterten Proben. In einigen Aspekten ist der MPS-Ansatz der CE sogar überlegen und weniger störanfällig (auf den Preis, das darf ich an dieser Stelle sagen, trifft das allerdings nicht leider nicht zu, da MPS immer noch prohibitiv teuer ist).

Besonders wichtig fand ich den Vortrag aus Münster von M. Lienesch, die über die ziemlich untererforschte aber forensisch sehr relevante Körperflüssigkeit „Präejakulat“ sprach. Wenn es z.B. bei einem Sexualdelikt nicht zu einer Ejakulation kommt, können dennoch Spuren von Präejakulat vorhanden sein. Nach heutigem Verständnis enthält dieses keine Spermien und einige der verfügbaren Vortests auf Sperma reagieren negativ auf Präejakulat. Dennoch enthält es ausreichend DNA um einen Täter identifizieren zu können. In der Studie aus Münster wurde Präejakulat von 65 Männern systematisch untersucht, um besser zu verstehen, welche Methoden sich zu seinem Nachweis eignen; erste Untersuchungen des Proteoms (der Gesamtheit der Proteine) zeigten, daß sich Präejakulat hierin deutlich von Sperma unterscheidet, so daß sich dadurch ggf. Ansätze für eine eigene, spezifische Nachweismethode für Präejakulat ergeben können.

Nicht über RNA und Körperflüssigkeiten sondern über die skelettierten Überreste der Anna Maria Karolina (1696-1750) im Wittelsbacher Grabmal im Münchner Dom, das 2023 geöffnet wurde, sprach die Kollegin M. Diepenbroek aus München. Sie hatten einen Zahn, einen Mittelfußknochen, eine Rippe und ein Stück vom Oberschenkel mit modernsten Methoden untersucht, dabei auch die mitochondriale DNA einbezogen und herausgefunden, daß der Schädel im Grab zu einem Mann gehört hatte. Die Untersuchung des Fußknochen, der weiblich war, zeigte eine Verwandtschaft zu dem Schädel. Die Rippe und der Oberschenkel gehörten anscheinend zu einer dritten weiblichen Person.

Zum ersten Mal gab es übrigens, um das Programm etwas zu entzerren und mehr Raum für Diskussion zu schaffen, auch die Möglichkeit, Präsentationen im Posterformat darzubieten. Es waren fünf an der Zahl, die gut angenommen wurden und auf großes Interesse stießen. Folgerichtig wurden dieses Mal nicht nur einer sondern zwei gleichwertige Peter-Schneider-Young-Scientist-Awards für den besten Vortrag und das beste Poster vergeben:

Den Vortragspreis erhielt R. Wagner aus Berlin für „Identifizierung und Zuordnung von Körperflüssigkeiten in DNA-Mischspuren mittels MSRE-PCR und SNP-Analyse“, der Posterpreis ging an J. Schulte aus Basel für „Bewertung des Einflusses genetischer Variabilität auf den Cannabiskonsum im verkehrsrelevanten Kontext“.

Übrigens/natürlich war auch meine eigene Gruppe wissenschaftlich wieder im Programm vertreten. Felix, der Noch-Masterand, der nun kurz vor dem Abschluß seiner Arbeiten steht, erklärte, wie heterogen die Zusammensetzung von Hautabriebspuren, die im Zentrum der Forschung zu DNA-Transfer stehen, ist und demonstrierte, wie schwierig und aufwendig es ist, standardisierte, reproduzierbare Hautabriebspuren experimentell herzustellen, um Laborvergleiche, die Kathrin als Teil ihrer Arbeit organisiert, mit möglichst gleichen Startbedingungen zu ermöglichen.

Ich selbst hielt keinen im eigentlichen Sinne wissenschaftlichen Vortrag über aktuelle Forschung, sondern sprach aus gegebenem Anlass (später dazu vielleicht mehr) warnend über „Faking Science – Raubjournale, gefälschte Artikel und KI-Betrug“, die eine sehr ernste und wachsende Gefahr für die Wissenschaft und ihre Glaubwürdigkeit darstellen.

Außerdem war ich, zusammen mit Kathrin, die inzwischen wirklich zur Expertin geworden ist, einer der Referenten der Fortbildung „Indirekte DNA-Übertragungen und das „Activity Level“ in der Spureninterpretation“, zu der wir, neben der inzwischen sehr bewährten Richterin vom Münchner Landgericht M. Bogner, auch den Strafverteidiger F. Mello eingeladen hatten, um darzustellen, was Verteidiger zu diesem Aspekt wissen, wissen wollen, verstehen müssen, fragen werden und kritisch sehen. Eine, wie ich fand aber auch aus den Evaluationen hervorging, sehr gelungene und wichtige Veranstaltungen und Kathrin hat ihr Debut sehr gut gemacht.

Mit den üblichen Schlußworten ging dann am Samstagmittag der 46. Spurenworkshop in Greifswald, oder „Griffinwood“, wie ich zu sagen pflegte, zuende und ich kam nach langer Zugfahrt mit Umstieg in Berlin um ca. Mitternacht wieder in Köln an. Schön war’s und wie immer gab es viel Gelegenheit, Neues zu lernen, Bekanntes zu vertiefen und neue Ideen zum Ausprobieren zu entwickeln. Außerdem habe ich natürlich wieder viele nette Menschen, bekannte

“Er” war natürlich auch wieder da. Und hat immer noch einen Top-Shirtgeschmack;  v.l.n.r.: yours truly, mein alter Padawan Jan

und neue, getroffen, was mich stets besonders freut. Nächstes Jahr geht es dann nach Münster. Nach… Westfalen…. Ich (Rheinländer) habe mir vorgenommen, trotzdem hinzufahren! Alles für die Wissenschaft!😉 (Es schließt sich dann auch der Kreis, denn mein allererster Spurenworkshop, damals 2009, lange vor dem Start dieses Blogs, war auch in Münster).

flattr this!

Kommentare (19)

  1. #1 RPGNo1
    13/03/2026

    Ah, Greifswald! Da habt ihr aber ein schönes Fleckchen Erde für den Workshop ausgesucht. MeckPomm und besonders seine Ostseeküste sind immer eine Reise wert.

  2. #2 Cornelius Courts
    13/03/2026

    “MeckPomm und besonders seine Ostseeküste sind immer eine Reise wert.”

    ja, fand ich auch (war schon auf dem Darß und auf Usedeom); wenn es bloß nicht so weit wäre…

  3. #3 RPGNo1
    13/03/2026

    Rügen, Usedom, Kühlungsborn (Mecklenburger Bucht). Ist bei mir aber auch eine Riesenanreise und funktioniert nur, weil ich bei der Eltern einen Zwischenstopp einlegen kann.

    Selbige Eltern sind übrigens seit der Wiedervereinigung große Fans von MeckPomm und haben inzwischen einen Großteil der Küste, aber auch die Mecklenburger Seenplatte abgegrast.

  4. #4 zimtspinne
    13/03/2026

    so weit.. !?

    du fährst doch nicht mit Bike dorthin, oder doch?

    Auf Rügen war ich auch schon, da sind die hübschen Steilküsten für dies und das 😉

  5. #5 zimtspinne
    13/03/2026

    oh verdammt, hatte dich noch in Kiel verortet….
    dass du freiwillig nach Köln zurückgekehrt bist inzwischen, hatte ich verdrängt ;D

  6. #6 Joseph Kuhn
    14/03/2026

    Privatlabore: Die Abgrenzung, was der Staat machen sollte und was Private machen können, ist ja eine über eure Community hinausgehende Diskussion. Konntet ihr speziell für eure Laborarbeiten Sortierkritierien identifizieren?

    Münster: Da wirst du sicher auf deinen Kollegen Prof. Karl-Friedrich Börne treffen. Vielleicht macht ihr mal ein Projekt zusammen? Muss ja nicht gleich zu “Faking Science” sein. Das Thema stand übrigens auch im Mittelpunkt des Cochrane-Symposiums 2025, dort ging es u.a. auch um KI-unterstützte Fakes bei biowissenschaftlichen Publikationen.

  7. #7 PDP10
    14/03/2026

    Den Gastauftritt von Cornelius möchte ich sehen!

    Dafür würde ich sogar (nach gefühlten 30 Jahren) den Tatort mal wieder einschalten … 🙂

  8. #8 Cornelius Courts
    16/03/2026

    @Jospeh: “Die Abgrenzung, was der Staat machen sollte und was Private machen können, ist ja eine über eure Community hinausgehende Diskussion.”

    Allerdings. Und bei hoheitlichen Sachen (z.B. auch Gefängnisse etc.) bin ich strikt gegen Privatisierung

    “Konntet ihr speziell für eure Laborarbeiten Sortierkritierien identifizieren?”

    Nein, für mein Labor speziell ist das (noch) nicht nötig, weil wir (noch) die Sachen schaffen, die wir bekommen (und ja auch meistens spezialisierte Anfragen an uns gerichtet werden, z.B. für forensische RNA-Analyse).

    ” Kollegen Prof. Karl-Friedrich Börne”

    Der sagt mir jetzt nichts, wer soll das sein? Der ist jedenfalls nicht aus der Rechtsmedizin, das wäre die Kollegin Pfeiffer bzw. seit ganz Kurzem kommissarisch der Kollege Schmeling. Und in der forensischen Genetik wäre es die Kollegin Vennemann.

    “macht ihr mal ein Projekt zusammen?”

    machen wir schon; die Münsteraner Forensische-Genetik-Kollegen nehmen an unserem Projekt zu forensischem Nukleinsäuretransfer teil.

    “KI-unterstützte Fakes bei biowissenschaftlichen Publikationen”

    Yes, üble Sache das. Hatten wir auch gerade in der Community 🙁

  9. #9 zimtspinne
    16/03/2026

    @ Cornelius

    Prof. Boerne ist der Rechtsmediziner aus dem Münsteraner Tatort, der schon zwei oder dreimal überregional agiert hat, soweit ich mich erinnere.

    Hier ist ein kurzer Abriss:
    https://www.suedkurier.de/ueberregional/wissenschaft/Prof-Boerne-und-seine-faulen-Tricks-Wie-Gerichtsmediziner-tatsaechlich-arbeiten;art1350069,9072911

    Diese harsche Kritik mit dem Tatort ist vermutlich ein typisch deutsches Phänomen.
    Keiner will Polizeiarbeit und Rechtsmedizin so sehen, wie sie wirklich sind. Jeder weiß, dass kein Rechtsmediziner einen Teilzeitjob als Ermittler hat, manchmal auch einen Vollzeitjob im Schichtdienst, wie der Boerne.
    Der Rollencharakter wurde mit voller Absicht so angelegt und ist insofern auch ein Alleinstellungsmerkmal des Münsterischen Tatorts in der Krimilandschaft.

    Ich kann die Kritik aus der Profi-Perspektive, also zB aus deiner, durchaus verstehen. Aber andererseits wird niemals in der Unterhaltungsfilmindustrie die Realität abgebildet und das ist (meistens) auch gut so.

    Ansonsten ist der Professor Boerne schon badass wissenschaftlich/naturwissenschaftlich unterwegs. Mit esoterischen Anwandlungen seiner Kollegen hat er sich ja schon öfter mal rumschlagen müssen.

  10. #10 Cornelius Courts
    17/03/2026

    @zimtspinne: danke für die Erläuterung und den Link.
    Ich hab bei “Gerichtsmediziner” aufgehört zu lesen und bei “Tsokos” angefangen, zu lachen 😉

    Also, dieser Liefers spielt einen Rechtsmediziner, der auch ermittelt. Ich habe mal gegoogelt und als ich das hier gefunden habe: https://www.rnd.de/medien/whitney-houston-liefers-und-tsokos-untersuchen-tod-in-rtl-doku-ZH4EIJPLGZGDBBRAOWN2EYETWE.html
    hatte ich vor lauter Peinlichkeit fast das, was der Adoleszente vielleicht als “death by cringe” nennen würde…

    “Jeder weiß… ”

    leider nicht. Daher ja auch: https://scienceblogs.de/bloodnacid/2011/03/22/wie-bei-csi-nein-besser/

    “Ich kann die Kritik aus der Profi-Perspektive, also zB aus deiner, durchaus verstehen. Aber andererseits wird niemals in der Unterhaltungsfilmindustrie die Realität abgebildet und das ist (meistens) auch gut so.”

    Ich habe nochmal gegoogelt und herausgefunden, daß dieser Typ, der einen Forensiker bloß “spielt” dafür pro Folge > 200 T € bekommt, von unseren Zwangsgebühren!! Also viel mehr, als jeder von uns – also die echten Forensiker, die die eigentliche Arbeit machen – an Jahresgehalt bekommt und genug, um davon z.B. 2 Jahre forschen zu können (einschl. das Gehalt für einen Doktoranden) – Für eine einzige Folge von diesem abartigen Quatsch…
    Ich kann das alles nicht mehr….

  11. #11 zimtspinne
    17/03/2026

    @ Cornelius

    oh verdammt, jetzt hast du eine Würmerkiste aufgemacht, die ich nicht vorausgeahnt hab, sonst hätte ich es gelassen, Fürsprecher für das Publikum zu spielen ;D
    Hatte eh schon leichte Bauchschmerzen beim Schreiben, da die Dummheit der Menschen grenzenlos ist, wenn man nur zur Kenntnis nimmt, dass die Schauspieler, die Serienbösewichter in ihren Rollen verkörpern, regelmäßig auf der Straße (als Serienbösewicht) angepampt werden bzw sogar manchmal tätlich attackiert.
    Ich weiß das allerdings nur von Deutschland, ob es anderswo auch diese Idiotie gibt, keine Ahnung.

    Das mit den Zwangsgebühren für die Senderfamilie des ÖRR insbesondere Schauspielgagen ist jedenfalls ein Punkt…… und das besonders im Lichte des Auslagerns von “Spurenpaketen” an Privatlabore. Ich vermute, das ist auch etwas, das nahezu keiner der sonst sogar gut informierten Bevölkerungsanteile weiß. Woher auch?

    Ich denke zwar dennoch, dass die Kohle für manche Schauspieler besser angelegt ist als für Absurditäten wie Woke-Funk “Auf Klo” (oder so, gibt ja viele dieser Blüten), aber wo du recht hast, hast du recht.

  12. #12 zimtspinne
    17/03/2026

    @ Cornelius

    was hat es eigentlich mit Tsokos auf sich, abgesehen von der Männerfreundschaft mit Liefers?

    Ist das allgemein ein komischer Rechtsmediziner, was ja zu seinem Schaffensort Berlin passen würde 😀
    oder geht es um W. Houston speziell?

  13. #13 zimtspinne
    17/03/2026

    ah gut, ich ahne, was dich die Strin kräuseln lässt:

    RTL und blablabla…

    Tatsächlich hat sich das ungleiche Gespann für den Start der neuen RTL-Reihe „Todesrätsel mit Liefers und Tsokos“ (abrufbar beim Streamingportal RTL+) einen besonders großen Fall vorgenommen, an dem man sich leicht verheben könnte. Als knifflige Aufgabe gilt es nun, in der Rückschau bislang vielleicht übersehene Fakten rund um das Ableben von Whitney Houston vor zehn Jahren aufzudecken.

    allerdings hat er ja recht, dass es viele unentdeckte fremdverschuldete Tode gibt, lieber dreimal mehr hinschauen als einmal zu wenig bei der schluffigen Leichenschau.

  14. #14 Cornelius Courts
    18/03/2026

    @zimtspinne: “was hat es eigentlich mit Tsokos auf sich, abgesehen von der Männerfreundschaft mit Liefers?”

    tja… “T-Wort” ist schon ein sehr spezielles Thema. Sagen wir, es hat seinen Grund, warum er nicht mehr Professor an der Charité Rechtsmedizin ist. Und so etwas hier ist auch keine Hilfe, wenn man ernst genommen werden will: https://dr-tsokos.com/shop/
    Man darf sich auch die Frage stellen, ob es für jede Leiche, die er ja plakativ in aller Deutlichkeit (mir erkennbaren Tätowierungen etc.) zeigt bzw. “vorführt”, wirklich eine Einwilligung gibt…
    Und dann diese ganzen schrecklichen “Partizip-Bücher” (“Aufgeschnitten”, “Abgehackt”, “Durchgebacken” oder wie immer sie heißen mögen) und peinlichen Medienformate (s.o.) – der hat sich halt irgendwann entschieden, so ein Boulevard-Bajazzo und natürlich der “bekannteste Rechtsmediziner Deutschlands” (gibt es ja ein paar von) zu werden, Reibach zu machen und ist jetzt für unsere Community das, was Barbara Salesch wahrscheinlich für ernstzunehmende Juristen ist…

  15. #15 Cornelius Courts
    18/03/2026

    @zimtspinne: “allerdings hat er ja recht, dass es viele unentdeckte fremdverschuldete Tode gibt, ”

    die gibt es, ja, vor allem in Deutschland und die Gründe sind bekannt.

    Aber die Hybris und Borniertheit, daß dann da ein deutscher Boulevard-Rechtsmediziner zusammen mit einem Fernsehkasper, der, wenn ich das richtig sehe, einen vollkommen unrealistischen Rechtsmediziner im TV spielt (!), der also keine Ahnung von gar nichts hat und anzunehmenderweise bloß wegen seines Namens, der anscheinend vielen bekannt ist, mit in diesem “Format” ist, in die USA reisen, um den unfähigen Trotteln vom FBI und anderen Behörden dort endlich mal zu zeigen, wie man das richtig macht und alles besser wissen und sich anmaßen, ohne in dem Fall ermittelt zu haben, zu behaupten, das wäre alles anders gewesen etc. sind schon spektakulär. Und natürlich ist das extrem peinlich und lächerlich, im Prinzip fasst es dieses Photo ganz gut zusammen:
    https://www.rnd.de/resizer/v2/TDME6QULDZFVTACZFYSJU6FAKM.jpg?auth=5f1de08186a5f455a4be27ad38e203ea484ab2d52cd93c998e87822b0c1be037&quality=70&width=792
    😀

  16. #16 Staphylococcus rex
    18/03/2026

    Die Liaison von Gerichtsmedizin und Seifenoper begann aber schon etwas früher:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Quincy_(Fernsehserie)
    Muss ich mich jetzt schlecht fühlen, wenn ich Spass beim Anschauen hatte?

    Bei den frühen Folgen von Dr. House stand regelmäßig ein LightCycler von Roche im Zentrum der Aufmerksamkeit. Mir standen immer die Haare zu Berge, wenn die Leute im PCR-Labor ohne Kittel und Handschuhe rumgelaufen sind. Jedenfalls hatte ich bei Dr. House deutlich mehr kognitive Dissonanzen zu verdauen als bei Quincy. Ich vermute mal, bei begrenzten Budgets schlägt bei Fernsehserien die Dramaturgie regelmäßig den Realitätscheck, die kognitiven Dissonanzen dürften also eher zunehmen.

  17. #17 Cornelius Courts
    18/03/2026

    @Staphylococcus: “Muss ich mich jetzt schlecht fühlen, wenn ich Spass beim Anschauen hatte?”

    Keine Ahnung. Musst Du?

    “Ich vermute mal, bei begrenzten Budgets schlägt bei Fernsehserien die Dramaturgie regelmäßig den Realitätscheck”

    An Budget scheint es ja bei >200 T € Honorar pro Episode nur für einen (!) der beteiligten Schauspieler ja nun gerade nicht zu mangeln.
    Andernfalls kann sich der Tatort gerne melden, ich spiele denen für einen Bruchteil der Kohle gerne einen realistischen Rechtsmediziner (auch wenn ich selber keiner bin). Oder sie schicken mir das Drehbuch und ich streiche alles an, was Quatsch ist… sie könnten es so einfach haben 🙂

  18. #18 RPGNo1
    18/03/2026

    @Staphylococcus rex

    Muss ich mich jetzt schlecht fühlen, wenn ich Spass beim Anschauen hatte?

    Du muss nicht. 😉 Es soll ja auch Personen geben, die gewisse Trödel- oder Quizshows gerne gucken. *Unschuldiges Pfeifen”.

    Dr. House

    House war beste Unterhaltung. Der sympathischste Misanthrop der Fernsehgeschichte. 🙂

  19. #19 zimtspinne
    18/03/2026

    @Cornelius

    Der Tsoko-Shop ist top tier

    ich wusste gar nicht, dass es Fanartikel true crime und spezielle Shops dafür gibt…. aber nicht verwunderlich, alles was eine Fanbase hat, hat auch Fan-Shops, denn warum sollte man auf diese Einnahmequelle verzichten?

    Ich verfolge gar kein true crime mehr, allerdings war mir der T-Name auch zuvor nie untergekommen. Hat mich kalt erwischt jetzt 😉

    Hoffentlich fällt es Colin Wright oder Coyne nicht auch noch ein, auf das Influencer-Geschäft aufzuspringen, die beiden würden dann aber vermutlich ihr Portfolio mit Cat-Content vollstopfen bfff.