Das ist ein sehr relevantes Thema, das aber auch eine politische Note hat, denn während viele LKÄ ihre Arbeitslast nicht mehr bewältigen können, gibt es in vielen rechtsmedizinischen Instituten einen Mangel an Spuren zum Untersuchen – was Einkünfte für die Institute/Unikliniken erzeugt – aber auch, um daran nachwachsende forensische Genetiker auszubilden – eine besonders schlimme Folge dieser beklagenswerten Zustände haben wir vor ein paar Jahren in Berlin gesehen. Die LKÄ schreiben dann „Spurenpakete“ aus, wie es heißt, und externe Institute können sich darum „bewerben“, diese zu einem vereinbarten Preis „abzuarbeiten“. Leider sind in Deutschland auf diesem „Markt“ auch Privatlabore (mit ausschließlich kommerziellem Interesse an der Renditemaximierung) als Bewerber zugelassen und oft können rechtsmedizinische Institute, die ja auch Forschung und Lehre leisten (,die kein Geld bringen sondern kosten,) mit den Kampfpreisen der oft hochgradig automatisierten Privaten nicht mithalten. Hierzu zitiere ich nochmal einen Kommentar aus der SZ:

„Es ist zu befürchten, dass kommerzielle Anbieter, die im Unterschied zu einem Unilabor viel stärker auf den Preis achten müssen, sich diese Mühe nicht leisten können. Wer das billigste Angebot einhalten muss, könnte umso öfter zurückmelden, dass die Probe leider unauswertbar sei.“

Eine, wie ich persönlich finde, sehr unglückliche und im Interesse der Integrität der Strafverfolgung auch eigentlich untragbare Situation. An Dänemark, wo man die Idee, daß Privatlabore eine solch wichtige, hoheitliche Aufgabe durchführen, zurecht absurd findet, sieht man, daß es auch anders geht: da werden alle (!) Untersuchungen in der Forensischen Genetik der Rechtsmedizin Kopenhagen durchgeführt;  an der „Forensik-Katastrophe“ derzeit in Großbritannien sieht man hingegen, was passiert, wenn man den Prozess der Privatisierung nicht stoppt und am besten umkehrt

“Over 80% of external forensic services are now provided by a single large company Eurofins. This comes with risks: for the range and quality of service provision; for the stability of forensic science in the UK should Eurofins exit the market; and for the Forensic Science Regulator who may be unwilling to impose sanctions on a near-monopoly provider.”

(besagte Fa. hat sich vor einer Weile übrigens sogar hacken lassen und am Ende ein Lösegeld bezahlen müssen, um wieder an ihre Daten zu kommen, was damals unfassbarerweise nicht zu einem Umdenken geführt hat). Ich hoffe sehr und für uns alle, daß Deutschland nicht (weiter) diesen Weg geht und seine Institute für Rechtsmedizin und deren Bereiche für Forensische Molekularbiologie besser fördert, schützt und finanziert.

Mit diesem Themenblock endete der Freitag und am Samstag dann war ich ganz in meinem Element, denn es gab viele Vorträge zur Identifikation von Körperflüssigkeiten, einige davon mittels der forensischen RNA-Analyse.

Ein Vortrag von N. Clemens kam aus meiner alten Gruppe in Kiel, die ebenfalls forensische RNA-Analyse in der Fallarbeit nutzen. Hier stellten sie ihre Fortschritte bei der Entwicklung einer auf der Analyse von RNA-SNPs beruhenden Methode vor, um die Körperflüssigkeit „Speichel“ nicht nur in Mischungen von Körperflüssigkeiten identifizieren, sondern auch einer bestimmten Person zuordnen zu können (mit dem Standardverfahren, das auch wir hier nutzen, geht das nämlich nicht) und zwar ohne eine aufwendige, teure massiv-parallele RNA-Sequenzierung vornehmen zu müssen.

E. Hanf aus Ulm, eine weitere Gruppe, die die forensische RNA-Analyse auch in der routinemäßigen Fallarbeit einsetzt, präsentierte Ergebnisse zum Vergleich zweier Methoden – Kapillarelektrophorese und MPS – für die Analyse von mRNA und miRNA (meiner alten Liebe) zur Identifikation forensisch relevanter Körperflüssigkeiten (BFI). Damit steht sie in guter Ulmer Tradition, denn die Ulmer beschäftigen sich schon länger damit, die Qualitäten von mRNA und miRNA in der BFI zu kombinieren. Es zeigte sich, daß sich auch mit MPS mRNA/miRNA sehr gut analysieren lassen, sogar bei länger gealterten Proben. In einigen Aspekten ist der MPS-Ansatz der CE sogar überlegen und weniger störanfällig (auf den Preis, das darf ich an dieser Stelle sagen, trifft das allerdings nicht leider nicht zu, da MPS immer noch prohibitiv teuer ist).

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