Dieses – heute sicher nicht mehr politisch korrekte Kinderspiel – enthält eine Erkenntnis, die nun von Psychologen der Michigan State University, der Columbia University und der Harvard University im Experiment nachgewiesen und in der aktuellen Ausgabe von Psychological Science veröffentlich wurde (Link ist hier): Die Angst vor Fremden (auch Xenophopie genannt) richtet sich überwiegend gegen fremde Männer. Xenophobie ist also, wie der Verlag in einer Pressemitteilung betont, keine “Emotion mit Chancengleichheit”.


Natürlich sind psychologische Laborversuche immer genau das: Experimente, die in gewisser Weise von der Realität des Alltags losgelöst sind. Aber lernen kann man daraus sicher dennoch – vor allem, wenn man wie in diesem Fall eine Hypothese, die durchaus dem Alltag entlehnt ist, als Ausgangsbasis nimmt. Da Männern historisch und stammesgeschichtlich überwiegend die Rolle des Aggressors bei “Out-Group”-Konfrontationen zukam, wäre es ja plausibel, wenn unser eingebautes Alarmsystem (das uns beispielsweise ja auch vor Spinnen oder Schlangen erschrecken lässt) tendenziell eher auf männliche als auf weibliche Fremde anspringt. Und genau das wollten die Forscher unter der Federführung von Carlos David Navarrete, Professor für Sopxialpsychologie an der Michigan State University, in ihrem Versuch testen.

Details des Studienaufbaus will ich hier nicht wiederholen, die sind in dem Paper (das nur sechs Seiten lang ist) nachlesbar. Nur so viel: Erst einmal wurden die insgesamt 157 Testpersonen (139 mit weißer Hautfarbe, 28 schwarz; 98 Frauen, 69 Männer) durch leichte Elektroschocks in Kombination mit Porträts weißer und schwarzer Männer und Frauen “kalibriert”, will heißen, eine künstliche Aversion – als Reaktion gemessen über den Hautwiderstand – gegen beide Hautfarben und Geschlechter erzeugt.

Ausgehend davon, dass die meisten dieser künstlich stimulierten Aversionen (die man auch gegen Schmetterlinge oder Singvögel erzeugen könnte) bereits nach kurzer Zeit abklingen, während die in unserer Natur “programmierten” Aversionen (zum Beispiel gegen Spinnen oder Schlangen) beständiger sind, wurden die Experimente nach einer Abkling-Phase ohne Elektroschochs wiederholt. Und während die Angstreaktionen gegen Frauen sowohl der eigenen als auch der fremden Hautfarbe in etwa dem gleichen Maß abklangen wie die Reaktionen auf Männer der eigenen “In-Group”, lag sie bei Männern der “Out-Group” etwa vier bis fünf Mal höher.

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Kommentare (3)

  1. #1 Saidiph ex omnes
    5. Februar 2009

    Ich glaub ich schmeiß mein Mathestudium!

    Als Psychologe darf man Leute mir Elektroschocks traktieren UND trägt sogar der Wissenschaft bei!
    Freude!

  2. #2 MartinM
    6. Februar 2009

    @ Saidiph ex omnes: Ja – denn es handelt sich bei den Versuchspersonen um Freiwillige. Ohne Experimente, die sich im “ethischen Grenzbereich” bewegen, konkret: Menschenversuche, die der Versuchsperson möglicherweise schaden – wäre die medizinische Forschung (ich rechne die Psychologie in diesem Zusammenhang zur Medizin) schwerlich möglich. Übrigens halte ich die meisten Versuchsreihen beim Testen neuer Medikamente für ethisch erheblich problematischer – denn ein seelisch stabiler Mensch wird durch einen leichten Elektroschock und eine durch Schmerz ankonditionierte Aversion nicht auf Dauer geschädigt. Anders gesagt: für diese Versuche würde ich mich ohne Weiteres als Proband melden – für viele Arzneimittelversuche hingegen nicht. (Nein, ich bin kein Masochist.)

  3. #3 raivo pommer
    3. März 2009

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