Was, schon Sommerloch? Wie das Ungeheuer von Loch Ness taucht auch Einsteins Gehirn – oder, ersatzweise, sein Intelligenzquotient – in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen in den Medien auf, was meist ein Zeichen für eine Flaute “echter” Nachrichten ist. Und so lese ich auf der AOL-Newsseite (ja, ich benutz’ diesen Dinosaurier noch – aus alter Treue) die Schlagzeile “IQ eines Sechsjährigen höher als Einsteins?” – zwar mit Fragezeichen, aber dennoch sensationalistisch. Die Quelle dieser Meldung, Cincinnati.com ist zwar etwas vorsichtiger und schreibt “Lokaler ‘Einstein’ ist erst 6 Jahre alt”, aber die Idee ist die gleiche.

Muss ich’s noch sagen? Einsteins IQ ist nie getestet worden (es ist also reine Spekulation zu sagen, dass er bei etwa 160 gelegen haben muss), und der IQ ist zudem nur ein relativer (kein absoluter) Vergleichmaßstab, bezogen auf Altersgruppen. Würde mich nicht wundern, wenn die BILD heute eine Schlagzeile im Stil von “Sechsjähriger ist klüger als Einstein” dichtet …

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Kommentare (8)

  1. #1 Tors10
    19. März 2009

    Sehr wahr! Zudem gleicht kaum ein Test einem anderen, da viele unterschiedliche Institute ihre eigenen Normen und Fragebögen verwenden, die sogar regelmäßig überarbeitet werden.

  2. #2 dulsbergnord
    19. März 2009

    Richtig interessant wird Einsteins angeblicher IQ aber erst, wenn man hinzufügt, daß Einstein ja angeblich auch gesagt habe, wir nützten nur 10% unseres Hirns. :)))

    Wobei… bei bestimmten Nachrichtenleuten könnte das ja sogar hinkommen. 🙂

  3. #3 Sim
    19. März 2009

    Der IQ ist wirklich ein sehr fragwürdiges konstrukt. Eine Abbildung der kognitiven Fähigkeiten in ein Intervall der reellen Zahlen wird der Sache doch bei Leibe nicht gerecht. Klar man kann die Deppen von den Hochbegabten trennen, aber dazu bedarf in der Regel nicht eines Tests.

    Dann gib es ja noch Autisten die in manchen Bereichen als Höchstbegabte abschneiden. Da würde doch jeder IQ-Wert in die Irre führen. Nein der IQ ist eine viel zu schwammige Kenngröße. Es gibt soviele Teilbereiche die darin einfließen: räumliches Vorstellungsvermögen, Merkfähigkeit, Kombinationsgabe usw., dann wie der Mensch sich in Prüfungssituationen verhällt, Müdigkeit, Konzentrationsfähigkeit. Und was nützt einem am Ende eine gute Auffassungsgabe wenn man Faul wie die Sau ist und ein anderer dafür etwas länger braucht aber motiviert bis in die Haarspitzen ist? Ich weiß ja nicht ob IQ-Tests Lernfähigkeit testen/testen können. Aber das wäre ja wohl auch eine nicht zu unterschätzende Fähigkeit des Menschen.

    Und nein wir nutzen nicht nur 10% unseres Hirns. Das ist eine typische Urban Legend.

    https://blog.my-skills.com/2008/02/13/mythos-wir-nutzen-nur-10-unseres-gehirns.html

  4. #4 knorke
    19. März 2009

    @Sim

    Naja, ein besseres Maß für die Intelligenz des Menschen hat sich bisher offensichtlich nicht durchgesetzt – insofern hat ‘n IQ Test durchaus was für sich. Es gibt ja auch Untersuchungen, die nahelegen, dass einige der von Dir genannten Teilbereiche miteinander zusammenhängen – wenn auch eher lose, wie es scheint. Jedenfalls wird der IQ über verschiedene Teilbereiche operationalisiert (Merkfähigkeit, sprachliche Intelligenz, räumliches Vorstellungsvermögen etc.).

    Deine Kritik verstehe ich also nicht so ganz, und erst Recht nicht, wenn man bedenkt dass Müdigkeit und Konzentrationsfähigkeit ja kein Maßstab für Intelligenz sind, sondern die Intelligenzleistung bloß moderieren (wie übrigens auch Durst oder Dunkelheit..).

    Das mit der Lernfähigkeit ist ‘ne gute Frage. Andererseits – kann Lernfähigkeit nicht auch eine Kombination aus Merkfähigkeit und Kombinationsgabe sein (mal hemdsärmelig ausgedrückt…)? Wo wäre da der Unterschied?

  5. #5 Tors10
    19. März 2009

    Das mit der prozentualen Hirnnutzung ist glaube eher so gemeint,
    welcher Anteil der neuralen Areale zum Messzeitpunkt gerade aktiv sind.
    Und da ist jedes % unbedeutend, solange man nicht hinreichend versteht, wie die Gesamtheit der Hirnareale das Bewusstsein abbilden.

    Von daher kann es auch gut möglich sein, eine hohe Prozentuale Hirnnutzung
    sich negativ sogar destruktiv auf den IQ bzw. die kognitiven Fähigkeiten auswirken.

  6. #6 Sim
    19. März 2009

    Gut, ich versuche mich besser zu erklären 🙂

    Ich kritisere nicht per se den Versuch Intelligenz zu messen und der IQ ist sicherlich auch bei einigen speziellen Untersuchungen eine brauchbares Maß. Aber nur weil er etabliert ist heißt es ja nicht, dass es das beste Maß dafür sein muss.

    Ich plädiere nur für einen Verantwortungsbewussten Umgang mit dem IQ-Begriff in der Gesellschaft die lernen muss wo die Grenzen des IQ-Begriffes liegen. Denn er kann missbraucht werden. Allein die Tatsache dass der IQ in reellen Zahlen angegeben wird verleitet doch dazu ihn anzuordnen. Ein IQ von 110 ist größer als ein IQ von 100. Aber was soll das bedeuten? Der eine hat vieleicht in einem Teilbereich wesentlich besser abgeschnitten als der andere. In einem anderen Teilbereich, der nicht so stark gewichtet wird, war es andersrum. Warum sollte es dann gerechtfertigt sein zu sagen ein Mensch wäre schlauer als der andere und was sagt das im konkreten Fall aus? Denn wieviel Information lässt sich denn im Zweifelsfall aus so einem Quotienten ablesen? Spätestens wenn Studenten mit einem bestimmten IQ Studiengebühren erlassen werden oder Firmen ihre Mitarbeiter nach solchen Kriterien einstellen sollte man doch kritisch hinterfragen wie sinnvoll das sein kann und ob damit nicht andere Personen diskriminiert werden.

    Der Verweis darauf, dass Müdigkeit und Konzentrationsfähigkeit den IQ beeinflussen soll nur noch auf ein weiteres Problem des IQ hinweisen. Dass man ihn nämlich nicht eindeutig bestimmen kann. Darüber hinaus kann sich der IQ auch noch ändern, denn das Hirn wächst und gedeiht mit dem Menschen, es kann in gewissem Maße trainiert werden oder verkümmern.

    Beim Lernen kommt es wohl auch insbesondere darauf an was gelernt werden soll. z.B. ob es sich um eine Fremdsprache handelt, die Fähigkeit ein Musikinstrumment zu spielen, einen Mathematischen Sachverhalt nachzuvollziehen, ein Spiel (Schach, Tetris) zu meistern, eine Programmiersprache zu lernen… und zusätzlich auf die Motivation die Jemand mitbringt diese Dinge zu lernen. Merkfähigkeit und Kombinationsgabe sollten sicher vorhanden sein aber es sind wohl sicher nicht alle Zutaten die man fürs Lernen braucht, geschweige denn dass man aus dem IQ ablesen könnte wie es um die Lernfähigkeit eines Menschen bestellt ist.

    Ich hoffe mein Anliegen nun etwas verständlicher ausgedrückt zu haben ^^

    ~Sim

  7. #7 Maus
    19. Mai 2009

    Hm. Diese Meldungen sind absoluter Schwachsinn.. nähmlich aus drei Gründen..
    1. Der IQ kann erst ab einem alter von ca. 10 Jahren verlässlich gemessen sein. Diese Kinder werden sicher sehr schlau sein, aber das kann in den nächsten Jahren auch noch abnehmen..
    3. Es ist egal, wie alt die Person ist. Der IQ bleibt bis auf kleine Schwankungen immer gleich.. Das heißt, wenn diese Kinder erst mit 30 Jahren entdeckt worden wären, würde man sicher nicht so ein großes Theater darum machen..
    2. Der Prozentanteil für einen IQ von über 160 liegt zwar unter 0.01, aber wenn man das auf die gesamte Weltbevölkerung rechnet, kommen bestimmt mehrere Tausend wenn nicht soger Millionen zusammen. Will man jetzt jedes Mal ne Meldung in die Zeitung schreiben?

  8. #8 Christian A.
    19. Mai 2009

    Tors10:

    Von daher kann es auch gut möglich sein, eine hohe Prozentuale Hirnnutzung sich negativ sogar destruktiv auf den IQ bzw. die kognitiven Fähigkeiten auswirken.

    Ich vermute, du hast recht 😉
    Für bestimmte Hirnareale bzw. Zelltypen im Gehirn ist nachgewiesen, dass sich die Stärke der Verbindung zwischen ihnen, die synaptische Stärke, potentiell von jedem Aktionspotential (das ist ein “Feuern” des Neurons) verändert werden kann. Die synaptischen Gewichte machen das Gehirn aus, d.h. Erinnerungen sind in den kollektiven Synapsen gespeichert. Wenn man eine hohe Grundaktivität hätte, kann ich mir vorstellen, dass alte Erinnerung zu schnell von neuen Eindrücken gelöscht werden oder wenn das einfach nur ein Rauschen ist, dass die Erinnerungen einfach verloren gehen. Aber das ist noch insgesamt zu wenig erforscht, würde aber Sinn machen, angesichts der relativen Ereignislosigkeit im Gehirn auch sehr schlauer Leute 😉