Die Skepsis gegenüber der Publish-or-Perish-Kultur, die droht, die allein von Neugier getriebene, unvoreingenommene Forschung zu untergraben, teile ich mit dem NZZ-Autor. Die Einschätzung, dass Wissenschaft zum Bluff verkommt, aber deswegen noch lange nicht …

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Kommentare (6)

  1. #1 tobalt
    6. Januar 2015

    Viele resultate sind keine Durchbrüche. Das ist auch normal. Was mich nur nervt ist wenn hirsch-index-gierige profs oder abt.-Leiter immer jedes ergebnis als bahnbrechend darstellen wollen. Oder besser gesagt müssen, um nicht ohne mittel dazustehen.

    Es ist überhaupt nichts schlimm an solchen Resultaten, nur eines und das ganz gravierend: es führt dazu dass gruppen mit einem langfristigen plan und zielgerichteter entwicklung ohne geld dastehen und andere letzlich wertlose gruppen, die kaum realen langfristigen fortschritt bringen, den ganzen hype um nichts verbreiten.

    insofern kann ich die aussagen des autors nur vollstens bestätigen. Auch teilergebnisse müssen klar mit einem ziel zerknüpft sein, finde ich.

  2. #2 Uli
    6. Januar 2015

    Ein weiteres Problem ist, daß die Überprüfung (Verifikation/Falsifikation) von Ergebnissen anderer Forscher leider nicht “sexy” ist und somit keine Fördergelder einbringt.

    Das hat auch zu diesem Marktschreier-Wettbewerb geführt, wo jeder nur noch weltverändernde und bahnbrechende Erkenntnisse verkündet.

    Wissenschaft (an Unis) ist hautpsächlich Ausbildung. Wenn was Sinnvolles bei rumkommt, um so besser. Ansonsten betrachtet man das besser als Kostenstelle, gibt der Uni das Geld was sie braucht und lässt sie einfach machen.

    Die weitaus meisten angehenden Wissenschaftler wollen ja von sich aus was Sinnvolles schaffen. dazu kommen sie aber um so weniger, je mehr sie ihre Zeit mit der Jagd nach Geld verschwenden…

  3. #3 Joseph Kuhn
    9. Januar 2015

    Nett ist jedenfalls der Kampf des Autors und der Redaktion mit dem p-Wert:

    “die von ihnen erhobenen Daten müssen «signifikant» sein, also kleiner als der berüchtigte p-Wert von 0,05.”

    Kleindatenforschung – vermutlich ein ganz neuer Wissenschaftszweig.

    “Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels hiess es, der p-Wert betrage 0,5. Tatsächlich beträgt er aber 0,05. Wir haben den Fehler korrigiert.”

    Schön, dass der p-Wert jetzt endlich feststeht. Das spart Arbeit. Wobei es etwas ungünstig ist, dass er genau den Wert eines konventionell häufig verwendeten Signifikanzniveaus hat.

    Der “Publish-or-Peris-Kultur” im letzten Absatz könnte man übrigens noch ein “h” spendieren.

  4. #4 Jürgen Schönstein
    10. Januar 2015

    @Joseph
    Vielen Dank für den Nachtrag, und ebenso vielen Dank fürs aufmerksame mitlesen. Bin ja schon froh, dass ich statt “Peris” nicht noch einen dümmeren Verschreibfehler gemacht habe…

  5. #5 rolak
    10. Januar 2015

    ein “h” spendieren

    Da war ich wohl nur mit Jürgen erfreut, daß es immerhin beim ‘r’ geblieben war – denn der typo, auf den schon lange gewartet wird, ist ‘publish or parish’ mit all sinen Deutungsmöglichkeiten…

  6. #6 Dr. med. Franz Amberg
    15. Januar 2015

    Das Problem stammt ja hauptsächlich her vom Klimakrieg, wo eine politisierte “Klimawissenschaft” in der Öffentlichkeit von sich selbst immer als von der “Wissenschaft” spricht und damit alle übrigen Fächer (Sinologie, Biologie etc. etc.) unverantwotlicherweise in Geiselhaft nimmt. Ich bin überzeugt davon, dass die miserable Wahrnehmung von “Wissenschaft” beim kleinen Mann hauptsächlich mit der postmodernen “Klimawissenschaft” zusammen hängt.