Medien haben ja sonst eher eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, und der Aufreger von gestern ist schnell vergessen, wenn morgen die nächste sprichwörtliche Sau durchs Dorf getrieben wird. Aber der Skandal um die Dieselmotoren von VW – genauer gesagt, um die Mogel-Software, die VW in seine Fahrzeuge eingebaut hatte – ebbt nicht ab. Dazu hat der Volkswagen-Vorstandschef Matthias Müller mit einem ziemlich peinlichen Radio-Interview (“wir haben nicht gelogen – wir hatten die amerikanischen Gesetze nicht richtig ausgelegt”) am Rand der North American International Auto Show in Detroit selbst tatkräftig beigetragen

Aber das war schon in deutschen Medien zu lesen und zu sehen, da will ich gar nicht weiter nachkarten. Doch aus den Reaktionen, die ich bisher aus Deutschland zu diesem Thema gehört habe, höre ich oft den Verdacht heraus, dass hinter dem Skandal ja doch nur die bösen Amis stecken, die sich auf diese Weise die lästige Diesel-Konkurrenz aus Europa und vor allem Deutschland vom Hals schaffen wollen. Das ist eine klassische Verschwörungstheorie und damit etwas, bei dem ich mich hier in meinem Blog ganz gerne beschäftige.

Im Kern laufen alle diese Theorien darauf hinaus, dass sich die amerikanischen Ermittler, auf Wunsch der US-Autoindustrie, auf den erfolgreichen Konkurrenten VW kapriziert und dort so lange gesucht hätten, bis sie was finden konnte, was sich zum Skandal aufmachen ließ. Und wie bei den meisten Verschwörungstheorien ist ein wahres Körnchen zu finden: Losgetreten wurde der Skandal tatsächlich im Auftrag des International Council on Clean Transportation – doch der ist, auch wenn er einen Sitz in Washington (DC) hat, keine amerikanische Organisation: Es gibt auch einen Sitz in Berlin. Finanziert wird diese nach amerikanischem Recht als gemeinnützig anerkannte Organisation von verschiedenen Klimaschutz-Stiftungen, darunter auch die European Climate Foundation und die William and Flora Hewlett Foundation.

Der ICCT hatte aber, wie mir Gregory Thompson erklärte, durchaus ein Augenmerk auf die als besonders umweltfreundlich angepriesenen Diesel-Pkw der deutschen Hersteller – vor allem im Hinblick auf die strengeren US-Standards. Es gab offenbar – hier verlasse ich mich auf die Auskunft Thompsons – schon einen Anfangsverdacht, dass sich diese auf dem Prüfstand ermittelten Werte stark von dem unterscheiden, was unter realen Straßenbedingungen aus dem Auspuff kommt. Der ICCT beauftragte daher Thompson, Professor für Ingenieurwissenschaft am Center for Alternative Fuels Emissions and Engines der West Virginia University, eine Stichprobe unter realen Verkehrsbedingungen durchzuführen. Der Bericht, den Thompson und seine Kollegen schließlich vorlegten, trat die Lawine los, die dann über Volkswagen herein brach (ich hatte hier schon mal kurz auf diesen Bericht hingewiesen).

Ab hier wird natürlich jeder echte Verschwörungstheoretiker kein Wort mehr von dem glauben, was mit Thompson zur Entstehung seines Berichts verriet: Welches Modell, welche Marke er und sein Team für die Stichprobe (die sicher auch erst mal dazu dienen sollte herauszufinden, ob sich die bisher nur bei Lastwagen üblichen Straßentests auch auf PKW ausweiten lassen) verwendeten, lag allein in ihrem Ermessen. “Wenn man sich im amerikanischen Markt umschaut, wer stellt da schon leichte Dieselmotoren für Personenfahrzeuge her? Niemand außer Jeep, so weit ich weiß.” So weit ich feststellen konnte, hat Chrysler (die Muttergesellschaft von Jeep) zwar einige Dieselmodelle im Sortiment, vor allem für den europäischen Markt – aber die Motoren dafür werden alle aus Europa geliefert, unter anderem auch von VW.

Dass sich Thompsons Team am Ende für einen VW Jetta (Bj. 2012) mit einem 2-Liter-Dieselmotor, einem Passat (2013) mit der gleichen Maschine, aber anderer Abgastechnologie sowie für einen BMW X5 entschied, habe nur daran gelegen, welche Dieselautos sie sich für diese Tests leihen konnten; eine Markenpräferenz habe es dabei nicht gegeben.

Im Bericht selbst werden die Fahrzeuge übrigens nicht nach Marke und Modell identifiziert: Der Jetta wurde zum “Testfahrzeug A”, der Passat zu “Testfahrzeug B”, und die Daten des BMW wurden dem “Testfahrzeug C” zugeordnet. Und Daten gibt’s in dem Paper, das bereits im Mai 2014 vorgelegt wurde, also runde 15 Monate, bevor der Skandal publik wurde, mehr als reichlich: insgesamt 54 Grafiken sind nötig, um all die Details zu illustrieren.

Doch das spannende Resultat dabei ist ja nicht nur, dass bei den beiden VW-Modellen die Stickoxid-Werte weit – teilweise fast um das 40-Fache – über den unter Laborbedingungen gemessenen Werten lagen. Ebenso aufschlussreich war, dass dies beim BMW nicht der Fall war. Mit Ausnahme der Überland-Teststrecke mit vielen Steigungen und Gefällen (auf denen ganz generell praktisch alle Fahrzeuge schlechtere Abgaswerte als unter leichteren Fahrbedingungene zeigen) hatte der BMW die US-Grenzwerte für Stickoxide eingehalten. Und das war das Tüpfelchen auf dem “i”, denn obwohl Thompson sicher ist, dass seine Daten solide und die Messmethode an sich zuverlässig ist, wäre die Studie wahrscheinlich als misslungen angesehen worden, wenn nur VW-Motoren getestet und dabei solche enormen Abweichungen von den Erwartungswerten beobachtet worden wären.

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Kommentare (16)

  1. #1 Örw Es
    19. Januar 2016

    Geschichten von Lexus-Fahrzeugen, die bei drehenden Reifen und geöffneter Motorhaube einen Mapswitch hinlegen hörte man schon lange bevor der VW-Skandal publik wurde.
    Ich wage zu bezweifeln, das nur VW zu doof war, die richtigen inner- und außermotorischen Maßnahmen zur NOx-Reduktion zu ergreifen. Sie waren nun leider die ersten, die erwischt wurden. Was die Sache zusätzlich nach einer Verschwörung aussehen lässt, ist die exorbitante Strafe. Verglichen mit den Strafen die andere Konzerne für ihre vergehen bekommen haben.

  2. #2 Hobbes
    19. Januar 2016

    Verschwörungen sind hier natürlich Blödsinn. Der Betrug von VW ist eindeutig und die erforderliche Größe dafür bedeutet auch das es keine kleine Randerscheinung war.
    Die Regelung an sich war aber bereits sehr protektionistisch. Einen wirklichen Grund den Grenzwert für Stickoxide so niedrig zu wählen während CO2 und Benzinverbrauch extrem hoch seien dürfen gibt es zumindest nicht.

  3. #3 Karl Mistelberger
    19. Januar 2016

    > Doch aus den Reaktionen, die ich bisher aus Deutschland zu diesem Thema gehört habe, höre ich oft den Verdacht heraus, dass hinter dem Skandal ja doch nur die bösen Amis stecken, die sich auf diese Weise die lästige Diesel-Konkurrenz aus Europa und vor allem Deutschland vom Hals schaffen wollen.

    Lange vor den vermeintlich bösen Amis haben sich listige Österreicher mit dem Problem beschäftigt und folgendes heraus gefunden:

    The NOx emissions from the EURO 5 diesel vehicles were found to be higher than from EURO 4. Thus no NOx reduction in real world driving of the diesel car fleet was achieved since the introduction of EURO 1. This demonstrates clearly that the test procedure and the test cycle (NEDC) are not at all adequate to control real world NOx emissions. On board measurements (PEMS) for cars thus are urgently recommended and shall be introduced soon to prevent that also the EURO 6 fleet may have similar high NOx levels than EURO 5.

    https://ermes-group.eu/web/system/files/filedepot/10/HBEFA3-2_PC_LCV_final_report_aktuell.pdf

    Also wer es wissen wollte, der konnte es nachlesen. Doch es hat keinen interessiert und alle waren mit dem Staus quo glücklich und zufrieden. Zumindest hat niemand ernst zu nehmende Einwände gegen die ausgeübte Praxis erhoben.

    Bei VW gab es aber trotzdem Probleme, denn die Firma hatte allzu knapp kalkuliert. Selbst der lasche Testzyklus bot keinen Spielraum mehr für die erbärmlich ausgelegte Technik.

    Dass man bei VW den Weg des offenen Betrugs wählte resultierte wohl aus der optimistischen Annahme, dass wie bei der Festlegung des Testzyklus selbst wohl alle Augen zugedrückt werden würden. Was Europa betrifft scheinen die Verantwortlichen von VW wohl Recht behalten zu haben.

  4. #4 Jürgen Schönstein
    19. Januar 2016

    @Örw Es

    Was die Sache zusätzlich nach einer Verschwörung aussehen lässt, ist die exorbitante Strafe. Verglichen mit den Strafen die andere Konzerne für ihre vergehen bekommen haben.

    Welche Bußgelder/Strafen und wieviel Schadenersatz VW am Ende zahlen muss, steht noch nicht fest. Dass wir solche exorbitante Summen lesen, liegt ja nicht an irgend einer geheimen Verschwörung, sondern daran, dass die “Gebührensätze” der Environmental Protection Agency bekannt sind. Sie wurden ja nicht willkürlich für VW, sondern schon lange vorher klar festgelegt und sind für alle einsehbar, hier zum Beispiel:

    Under Section 205(a) of the Act, 42 U.S.C. 8 7524(a), the maximum penalty for violations of the vehicle and engine requirements under Title I1 of the Act is $25,000 per vehicle or engine, with two exceptions. The maximum penalty for violations of the tampering prohibition when committed by any person other than a manufacturer is $2,500 per vehicle, and the maximum penalty for violations of the defeat device prohibition is $2,500 per device. These maximum penalty amounts were increased from $25,000 to $32,500 and from $2,500 to $2,750 for violations occurring after March 15,2004, through January 12,2009, and to $37,500 and $3,750 for violations occurring thereafter (see Civil Monetary Penalty Inflation Adiustment Rule, 69 Fed. Reg. 7 12 1 (Feb. 13,2004) and Civil Monetary Penalty Inflation Adiustment Rule, 73 Fed. Reg. 75340 (Dec. 11,2008)).

    Da steht’s, mit dem Datum “Januar 2009” versehen, ganz klar in der Novellierung des Paragraphen § 7524(a) des Luftreinhaltungsgesetzes (Clean Air Act): 37.500 Dollar Bußgeld pro Fahrzeug, das von seinem Hersteller mit einem “defeat device” (also einer vorsätzlich eingebauten Schummelmethode) ausgerüstet wurde, um die Abgasnormen zu umgehen. Diese “Preisliste” ist auch für Nicht-Juristen unter der Rubrik Vehicle and Engine Certification Requirements ziemlich leicht auf der EPA-Website zu finden.

  5. #5 Jürgen Schönstein
    19. Januar 2016

    @Hobbes

    Die Regelung an sich war aber bereits sehr protektionistisch. Einen wirklichen Grund den Grenzwert für Stickoxide so niedrig zu wählen während CO2 und Benzinverbrauch extrem hoch seien dürfen gibt es zumindest nicht.

    Doch, auch wenn’s für uns Europäer nicht so zwingend logisch erscheint. Stickoxide sind ein wesentliches Problem in Ballungsräumen wie beispielsweise Los Angeles, das ja bekanntlich schwer unter Smog leidet, während Kohlendioxid für die Entstehung von Smog meines Wissens eher eine untergeordnete Rolle spielt.

    Womit ich nicht die Vorschriften an sich bewerte – strengere Werte bei Stickoxiden und CO2 wären am besten, global gesehen, doch diese Vorschriften reflektieren in der Tat eine reale Problemlage und sind nicht (nur) willkürlich gegen irgendwelche ausländische Hersteller gerichtet. Und was den Benzinverbrauch angeht, so ist der zwar (nicht nur) meiner Ansicht nach in den CAFE-Standards der USA viel zu hoch festgelegt – aber das ist ja kein Nachteil für europäische Anbieter. Nirgendwo steht, dass ihre Autos mehr verbrauchen müssen.

    Der amerikanische Markt ist ja nun wirklich kein Neuland für deutsche Hersteller; nicht wenige Modelle (vor allem die SUVs von BMW, Mercedes und Porsche) wurden sogar erst mal ganz gezielt für den US-Markt entwickelt und werden auch in den USA hergestellt. Hier überraschtes Unwissen und Nicht-Verstehen der Gesetze zu heucheln, ist einfach nur dumm. Und wenn ich mir anschaue, wie wenige “echte” US-Modelle in Deutschland rumfahren, dann könnte ich den Protektionismus-Vorwurf mindestens ebenso leicht auf europäische Zulassungsvorschriften münzen.

  6. #6 astroklaus
    19. Januar 2016

    Wenn schon Verschwörungstheorie, dann doch eher so: irgendein Schlaumeier hat den Verantwortlichen bei VW eingeredet, sie kämen mit entsprechender Lobbyarbeit mit ihrer plumpen Methode durch. In Europa geht das ja auch.
    Allgemein bekannt ist die typische Diskrepanz zwischen den NEFZ-Verbräuchen und denen auf der Straße (was gleichzeitig Steuern spart und den Eindruck erweckt, es gäbe hier wesentlichen Fortschritt).
    Neu ist das indes nicht: ich habe Mitte der 90er in Frankreich ein Neufahrzeug gekauft, das zur Erreichung einer günstigeren Steuerklasse absichtlich ab Werk zu große Reifen montiert hatte (inklusive offizieller Genehmigung). Damit ging dann natürlich der Tacho nach und ich habe mich über den hohen errechneten Verbrauch gewundert. Beim Umzug nach D mußte ich dann sofort neue Reifen kaufen, sonst hätte ich hier nicht fahren dürfen.

  7. #7 CG909
    20. Januar 2016

    Auf dem 32C3 letztes Jahr war der Abgasskandal auch Thema und da wurde auch der Code des Motorsteuergeräts eines VW Sharan untersucht:
    https://media.ccc.de/v/32c3-7331-the_exhaust_emissions_scandal_dieselgate.

    Der Betrug durch VW war da absolut eindeutig. Das Motorsteuergerät lief praktisch immer im “alternativen” Abgasmodus, in den eigentlich nur bei Betrieb außerhalb der Motorspezifikationen (zu heiß, etc.) geschaltet werden soll, wenn das normale, detaillierte Abgasmodell nicht mehr korrekt angewendet werden kann und das Hauptziel von “so viel NOx wie möglich vermeiden ohne Ammoniak auszustoßen” zu “Ammoniakausstoß auf jeden Fall vermeiden” wechselt.
    Nur wenn das Fahrverhalten genau dem Testzyklus entsprach wurde in den Normalmodus zurückgeschaltet.

    In dem Zusammenhang gabs auch eine interessante Theorie zur Motivation von VW: Nach US-Recht muss man wohl bei einem voll funktionsfähigen Auto zwischen zwei Wartungsintervallen nur Treibstoff nachfüllen. Alle anderen Flüssigkeiten müssen solange reichen, sonst kann der Hersteller verklagt werden. Wenn die AdBlue-Tanks unterdimensioniert waren, wollte VW möglicherweise so Klagen vermeiden.

  8. #8 astroklaus
    20. Januar 2016

    @CG909:
    Interessante These mit dem AdBlue-Tank! Dann scheinen mir die verantwortlichen VW-Leute aber noch dümmer zu sein als bislang sowieso schon gedacht – die ganze Filterei umzustellen, ist ja doch einiger Aufwand und man kann zur Ansicht kommen, daß sich die Manipulation lohnt. Aber wegen eines nur um ein paar Liter größeren Tanks?
    Allerdings habe ich auch gelesen, daß Daimler zur Gewichts- und damit CO2-Ersparnis serienmäßig reichlich kleine Kraftstofftanks einbaut. Gegen Aufpreis kann man dann eine “normale” Größe bekommen (Daimler läßt dann einfach für viel Geld eine Trennwand im Tank weg…).

  9. #9 Kai
    20. Januar 2016

    Ich will ja nicht den Begriff “Verschwörungstheorie” nutzen, aber die ungeklärte Frage für mich ist, warum gerade der Zeitpunkt genutzt wurde um die “Bombe” zum Platzen zu bringen. Wie im Artikel beschrieben und auch schon Vorautoren geschrieben haben war dieser “Zustand” schon länger bekannt.
    Und nun können wir wieder zur Verschwörung zurück: Das ganze wurde genau zu Beginn der IAA hochgekocht, auf der VW ja seine neue Dieselgeneration präsentieren wollte/präsentiert hat. Hier kann man sich natürlich sehr schön einen Zusammenhang vorstellen.
    Auch würde ich einen “politischen” Zeitpunkt für so etwas niemals ausschließen, da Wissen sehr häufig als gezielte Waffe eingesetzt wird. Natürlich will man selbst in der Presse stehen einen Tag bevor der Mitbewerber etwas neues vorstellt. Sieht man immer wieder sehr schön an Google vs. Apple 🙂

  10. #10 CG909
    20. Januar 2016

    @astroklaus: Natürlich ist es nur eine These, aber unter der Annahme, dass der zu kleine AdBlue-Tank erst sehr spät aufgefallen ist (möglicherweise war er groß genug für die Strecken, die ein typischer Europäer zurücklegt, aber nicht für die USA), wäre eine Umplanung des Tanks vielleicht teurer gewesen und dann wurde halt die Verbrauchskorrektur in Software vorgenommen.

    Jetzt hab ich auch meine Quelle für die These wiedergefunden: https://blog.fefe.de/?ts=a8813909

  11. #11 ak18
    20. Januar 2016

    Ok – ich muss gestehen, ich kenne mich in der US – Amerikanischen Kraftfahrzeug – Szene nicht so aus.

    Sehr wahrscheinlich werden hier Benziner die bevorzugten Fahrzeuge sein. Wenn aber die Diesel von VW einen guten Absatz finden, werden doch sicher auch andere europäische und fernöstliche Marken ein Stück von Kuchen haben.

    Was mir jetzt aber nicht in den Kopf will.. warum gibt es dann keinen Rundumcheck aller Diesel – Anbieter auf realistische Verbrauchs- und Ausstoßwerte – oder gab es den und ich habe es nur nicht mitbekommen?

    Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass VW allein diese Vorgaben nicht erfüllen kann. Das würde ja bedeuten, dass sie hier im Vergleich grottenschlechte Autos bauen.

    Das letzte Wort über die Höhe der Strafzahlung ist ja auch noch nicht gesprochen. Für mich wäre es aber nicht nachvollziehbar, wenn es über der von GM wäre, deren Zündschlossproblem weit über 100 Menschen direkt das Leben gekostet hat.

  12. #12 Basilios
    Denpa Kyōshi
    20. Januar 2016

    @astroklaus

    Allerdings habe ich auch gelesen, daß Daimler zur Gewichts- und damit CO2-Ersparnis serienmäßig reichlich kleine Kraftstofftanks einbaut. Gegen Aufpreis kann man dann eine “normale” Größe bekommen (Daimler läßt dann einfach für viel Geld eine Trennwand im Tank weg…).

    Wo kann man das nachlesen?

  13. #13 Basilios
    Denpa Kyōshi
    20. Januar 2016

    @akt18

    Was mir jetzt aber nicht in den Kopf will.. warum gibt es dann keinen Rundumcheck aller Diesel – Anbieter auf realistische Verbrauchs- und Ausstoßwerte – oder gab es den und ich habe es nur nicht mitbekommen?

    Im Artikel oben steht doch drin, daß in der ursprünglichen Untersuchung der ICCT (die diesen Skandal ans Licht brachte) neben zwei Fahrzeugen von VW auch ein BMW getestet wurde. Und VW deshalb, weil im Gegensatz zu einem Dieselmotor von z.B. Renault (die übrigens inzwischen auch anfangen nach zu arbeiten) gerade VW eben mit dem Versprechen für besonders saubere Dieselmotoren warb.

    Das Problem dürfte darin begründet sein, daß es einen Rundumcheck vom Gesetzgeber durchaus gibt. Das sind eben diese genormten Fahrzyklen. Für eine Fahrzeugzulassung in den USA muss ein Fahrzeughersteller dem Gesetzgeber nachweisen, daß er diesen Fahrzyklus mit den geforderten Abgaswerten durchfahren kann. Ansonsten darf man das Auto dort gar nicht auf dem Markt anbieten, weil man gar keine Zulassung dafür bekommt. Eigentlich eine gerechte Idee, weil für alle Hersteller gleich und somit eine leicht nachstellbare Vergleichbarkeit gegeben ist. Und genau auf diesen gesetzlich geprüften Fahrzyklus hin wurde eben bei den besagten VW-Dieselmotor in einen speziellen Modus geschaltet, der anscheinend auf Einhaltung der Abgasnorm hingebogen war, aber für den realen Betrieb des Fahrzeugs völlig kundenuntauglich (und wohl außerhalb des Prüfstandes nie benutzt).

    Das Prinzip kennt man aus dem IT-Bereich schon lange. Dort gibt es auch diverse Benchmarks für CPUs oder Graphik-Prozessoren die dann wichtige Werbeaussagen zur Vergleichbarkeit im Wettbewerb liefern. Allerdings fingen manche Hersteller dann an ihre Produkte nur für diese Bechmarks gezielt zu optimieren. Die Laborwerte sehen dann traumhaft gut für die Werbung aus, aber als Kunde hat man davon keine bessere Performance (außer man will nur dem Benchmark beim möglichst schnell ablaufen zukucken 🙂
    In meinen Augen ist dort soviel Aktivität in eine bewusste Täuschung rein gesteckt worden, daß man hier nicht mehr von “nur geschummelt” reden kann.

  14. #14 ak18
    21. Januar 2016

    @basilios

    Das mit dem BMW als Vergleich hatte ich schon gelesen.
    Als Tester würde ich nun stutzig werden und mehrere Modelle als Vergleich überprüfen… nicht nur eines.
    Wenn dann VW im Vergleich tatsächlich derart aus dem Rahmen fällt ist die Häme angebracht.
    (Besonders da sie mit ihrer Sauberkeit werben!) Wenn aber viele Modelle weltweit ähnliche Werte in den unterschiedlichen Testsituationen (Prüfstand, realer Fahrtbetrieb,..) bringen, dann hat man ein ganz anderes Problem.
    Sicher hat VW betrogen, und die Show, die Herr Müller geboten hat, war auch nicht gerade toll.

  15. #15 Basilios
    Denpa Kyōshi
    21. Januar 2016

    @ ak18
    Wie schon geschrieben: Bei Renault haben sie inzwischen auch angefangen nachzuarbeiten. Warum wohl?
    Letztlich hängt es natürlich auch davon ab, was der Fahrzeughersteller bei seinem jeweiligen Motor als Abgaswerte angibt. Natürlich gibt es Motoren die viel schlechtere Werte liefern; aber die wurden vielleicht auch nicht als “Clean Diesel” verkauft. Und selbst wenn, ist das für VW keine Ausrede.

    Hier kann man einen ganzen Haufen an Informationen zum Thema lesen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/VW-Abgasskandal

  16. #16 Karl Mistelberger
    3. Februar 2016

    DEUTSCHE TECHNIK:

    Das technische Überwachungsinstitut TNO, so etwas wie der TÜV der Niederlande, hatte im Auftrag des niederländischen Umweltministeriums im Rahmen von Messungen auf der Straße bei Stadtgeschwindigkeiten Spitzenwerte von bis zu 2000 Milligramm Stickoxid (NOx/km) pro Kilometer gemessen. Das ist ein bis zu 40-fach höherer Ausstoß als auf dem Prüfstand.

    Der Hersteller gab an, dass die Abweichungen durch Messungen bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius entstanden seien. Der Hersteller bezeichnete die Temperatur in einer E-Mail an das niederländische Fernsehen, das über den Fall berichtete, als “bemerkenswert niedrig“.

    Es gebe, so Mercedes-Benz, an Bord der Diesel-C-Klasse, eine Vorrichtung in der Motorsteuerung, die unter diesen und anderen Bedingungen die Stickoxid-Reinigung reguliert. Das diene dem Schutz des Motors und sei damit erlaubt, so die Erläuterung des Stuttgarter Autobauers.

    https://www.spiegel.de/auto/aktuell/mercedes-manipulationsverdacht-bei-der-c-klasse-a-1075185.html

    Zehn Grad Celsius sind etwas mehr als die durchschnittliche Jahrestemperatur in Deutschland. Von bemerkenswert niedrig kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Das Verhalten des Autobauers mag zwar rechtlich gesehen kein Betrug sein. Auf jeden Fall handelt es sich dabei um Verarschung.