Eine Frage der Mitverantwortung

Zwei Nachrichten, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben könnten: Am vergangenen Freitag hatte ein der 20-jährige Adam Lanza bei einem Amoklauf in der Sandy-Hook-Grundschule von Newtown (Connecticut) 20 kleine Kinder und sechs Erwachsene erschossen; am Dienstag dieser Woche wurden in Pakistan fünf Frauen, die an einer Polio-Schutzimpfaktion in Karatschi beteiligt waren, von Attentätern – vermutlich Anhänger der Taliban – systematisch ermordet. Und doch werfen beide blutige Nachrichten eine gemeinsame Frage auf: die nach der Mitverantwortung.

Im Fall Adam Lanza ist es die Mitverantwortung jener, die allem gesunden Menschenverstand zum Trotz darauf beharren, dass Sturm- und Schnellfeuergewehre für jedermann und -frau erhältlich sein müssen, und die sich jeglichem politischen Bestreben widersetzen, den Waffenbesitz zu kontrollieren. Wenn die Waffen dann aber, wie es beinahe unausweichlich scheint, blutig missbraucht werden (Amokläufe sind dabei, trotz des Entsetzens, das sie auslösen, gar nicht mal das eigentliche Problem – tausendfach mehr Menschen fallen in den USA “normalen” Schießereien zum Opfer, die bestenfalls mal ein paar Zeilen in den Nachrichtenspalten der Lokalzeitungen bekommen), dann kann es natürlich nur die Schuld und Verantwortung des Schützen sein – eine Mitverantwortung der Gesellschaft, die Waffen in die Hände von psychisch instabilen Menschen drückt, ist natürlich auszuschließen.

In Pakistan ist die Mitverantwortung, um die es mir hier geht, schon etwas subtiler: Offenbar benutzen die Taliban in ihrem Terror gegen die Bevölkerung den Missbrauch eines Impfprogramms auf der Jagd nach Bin Laden als Vorwand, um humanitäre Hilfsprogramme zu attackieren. Und das wirft die Frage auf, welche Mitverantwortung die CIA hier trifft, die ein neutrales medizinisches Hilfsprogramm missbraucht hatte (dazu noch, wie mein Bloggerkollege Ali Arbia hier berichtet hat, völlig nutzlos). Die Antwort, dass Geheimdienste nun mal nicht immer mit blitzsauberen Mitteln vorgehen können, dass die Beseitigung Bin Ladens notwendig und gerechtfertigt war, und dass man, wie man im Amerikanischen sagt, nun mal kein Omlett zubreiten könne, ohne dabei ein paar Eier kaputt zu machen – all diese Argumente habe ich schon gehört. Aber das Problem ist halt, dass die Neutralität von internationalen Gesundheitsaktionen (sei es das Rote Kreuz oder der Rote Halbmond, seien es die Ärzte ohne Grenzen oder die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen) aus gutem Grund in den Genfer Konventionen völkerrechtlich verankert und geschützt ist. Nur dann können sie ihre Aufgabe erfüllen, die gerade in Kriegs- und Krisengebieten wichtiger ist denn anderswo.

Darf man aber Mitverantwortung fordern, wo doch das Böse in diesen Fällen schon so eindeutig und bequem im gestörten Attentäter, in den verbohrten religiösen Fanatikern lokalisiert wurde? Darf es so etwas wie Mitverantwortung geben, wo dies doch zwingend auch unsere eigene Mitverantwortung einschließt, da wir die Gesellschaft – mal im engeren, mal im weiteren Sinn – sind, die diese Vorwände oder die Rahmenbedingungen geliefert hat? Wäre das Leben nicht so viel einfacher, wenn wir immer die Guten und die anderen immer die Bösen wären, und die Guten per Definition nie eine Mitverantwortung für etwas Böses übernehmen müssten? Wenn die Welt schwarz und weiß, ganz ohne Grau- und Zwischentöne wäre?

Dies sind keine rhetorischen Fragen…

Kommentare

  1. #1 Gandalf
    19. Dezember 2012

    Oh je, jetzt gehts hier weiter. Na da haste dir ja was auf die Fahnen geschrieben. Traurig ist, dass du grundsätzlich mit deinen Fragen richtig liegst. Wenn du das Waffengesetz gerne verschärft hättest, dann werd doch wenigstens mal konkret. Einfach nur platt mal komplettes Waffenverbot zu fordern, dann mal wieder nur “Sturm- und Schnellfeuergewehre” (was auch immer du dir da drunter vorstellst) und nie zu schreiben wieso gerade das die beste Lösung eines Problems ist und wieso die Täter nicht einfach auf andere Mittel ausweichen oder sich Waffen illegal bescahffen sollten. Das kann man doch so kaum ernst nehmen. Ich wäre mir zum Beispiel sicher das viele Leute, mit einem Sachkundenachweis als Vorraussetzung für und dem Ausschluss von Gewaltverbrechern und Pychatriebekannten von Waffenbesitz, einverstanden wären. Gerade hier müsste doch rationales Denken kultiviert sein. Leider begnügst du dich aber einfach damit Leuten mit anderer Meinung “allem gesunden Menschenverstand ” abzusprechen, bleibst selbst aber komplett vage in deiner Position und machst nichtmal anstalten diese zu begründen. Wie auch, du weißt es ja scheinbar selbst nicht wie die aussieht. Einfach mal “irgendwas mit weniger Waffen” kann ja wohl kaum ne ernstzunehmene Meinung sein. Diese rhetorischen Taschenspielertricks ziehen zwar bei vielen Leuten, so das sie die Formel “Weniger Waffen = Weniger Gewalt” nicht mehr hinterfragen. Am Ende wird sich das aber rächen, weil man nicht mehr ernst genommen wird von Leuten die zu klug sind für billige Phrasen. Das Momentum der Masse ist zwar mächtig aber auch sehr flüchtig. In zwei Monaten interessiert sich schon kein Mensch mehr dafür. Und das mein ich nicht höhnisch, denn vermutlich gibt es sinnvolle Beschränkungen des Waffenrechts in den USA. Leider werden die wohl nicht umgesetzt werden, weil die die sie durchsetzen könnten lieber undifferenzierte, unsensible und emotionale Positionen vertreten. Sehr bezeichnend auch das du zu deinem zweiten Thema keine echte Meinung hast außer dass da irgendwie irgendwas falsch läuft. Hat sich wohl keine billige Lösung angeboten. CIA komplett abschaffen, klingt halt dann doch zu sehr nach Witz.

    • #2 Jürgen Schönstein
      19. Dezember 2012

      @Gandalf

      Einfach nur platt mal komplettes Waffenverbot zu fordern, dann mal wieder nur “Sturm- und Schnellfeuergewehre” (was auch immer du dir da drunter vorstellst) und nie zu schreiben wieso gerade das die beste Lösung eines Problems ist und wieso die Täter nicht einfach auf andere Mittel ausweichen oder sich Waffen illegal bescahffen sollten.

      Wo habe ich “einfach platt ein komplettes Waffenverbot” gefordert? Wo ignoriert, dass Gewalt nicht nur mit Waffen verübt wird? Das sind Sachen, die Du hinein liest. Aber ich habe nur den Wunsch geäußert, dass sich meine amerikanischen Mitbürger endlich mal von der irrwitzigen Idee verabschieden könnten, dass unbegrenzter Waffenbesitz die Antwort auf alles und ein heiligeres Gut als das Leben sein solle. Das “Argument”, dass es Gewalt auch ohne Waffen gäbe, ist übrigens keines, das es unbestreitbar ist, dass es eine andere (und garantiert weniger tödliche) Gewalt zur Folge hätte. Die Zahlen sprechen einfach für sich, und den Finger in die Ohren stecken nahnahnahnah… ist kein Argument.

  2. #3 no name
    19. Dezember 2012

    Freitag hatte ein der 20-jährige Adam Lanza
    dazu noch, wie men Bloggerkollege
    Beseitigung Bin Ladens nitwendig
    Darf man aber Mitverantortung

    Bitte danach löschen.

  3. #4 Gandalf
    20. Dezember 2012

    Jürgen (keine Ahnung wie man sich korrekt in Kommentaren anspricht ich erdreiste mich jetzt einfach mal zum du), das mit dem kompletten Waffenverbot hast du so wohl nie geäußert richtig, es war auch eher als eine mögliche Maximalforderung deines Meinungsspektrums gedacht, dessen Schwammigkeit ich ja eben in der Hauptsache kritisiert hab. Schreib ich so schlecht? Ich hab immer das Gefühl das sämtliche Antworten sich einen Punkt raussuchen den in Frage stellen und dann einfach allgemein vorsichhinreferieren und das was ich eigentlich im Kern sage völlig ignorieren. Aber geschenkt, wird wohl an mir liegen, denn wenn dein einziges Anliegen ist das “unbegrenzter Waffenbesitz [nicht] die Antwort auf alles” sein kann, würd ich dir einfach mal zustimmen. Der zweite Teil des Satzes ist wieder vollkommen undifferenziert, ich denk das weißt du wohl selber. Deine Zahlen würden mich übringens mal brennend interessieren. Und mal wieder der Vorwurf der Ignoranz und Unsachlichkeit und das wo du keinerlei Argumente bringst, jeglicher sachlichen Diskussion ausgewichen bist und es immer noch tust und deine Position so zusammenfasst: “Aber ich habe nur den Wunsch geäußert, dass sich meine amerikanischen Mitbürger endlich mal von der irrwitzigen Idee verabschieden könnten, dass unbegrenzter Waffenbesitz die Antwort auf alles und ein heiligeres Gut als das Leben sein solle”, ernsthaft? Und zu guter Letzt hast du noch ein Argument fehlinterpretiert. Nochmal zum mitschreiben: Es wird nicht bestritten das Waffenverbote bestimmte Situationen entschärfen würden, es wird bestritten das diese Situationen nicht anders, besser und ursächlicher verhindert werden können ohne grundlegende Freiheitsrechte einzuschränken. Beispiel sind eben die Afroamerikaner. Wieso sollte es für Schwarze nicht möglich sein ähnlich gewaltfrei wie Weiße zu leben, mit Waffen? Wenn man sich hier nicht mit stupidem Rassismus disqualifizieren will, fällt mir da wirklich kein Argument ein. Dir? Neben deinen erwähnten Zahlen würd mich deine Meinung dazu auch aufrichtig interessieren.

    • #5 Jürgen Schönstein
      20. Dezember 2012

      @Gandalf
      Ganz einfach Antwort für Dich: Wenn Du nicht auf das eingehen willst, was ich schreibe, sondern statt dessen irgendwelche Interpetationen vornimmst (von wegen “Maximalforderung” und “Meinungsspektrum”), dann schreibst Du an die falsche Adresse. Und damit endet die Kommunikation. Meine Meinung interessiert Dich nachweislich nicht, da Du mir ja schon vom Start weg das Recht auf eine solche absprichst. Und die Zahlen auch nicht, die sind geliefert (und nein, ich muss mir Deintewegen nicht die Mühe machen, alles dreifach und vierfach zu schreiben). Und ja, der Zusammenhang zwischen Schusswaffenopfern und Schusswaffen ist ein eindeutig kausaler. Schusswaffen sind die conditio sine qua non des Schusswaffentötens.

  4. #6 Sven Türpe
    20. Dezember 2012

    Wäre das Leben nicht so viel einfacher, wenn wir immer die Guten und die anderen immer die Bösen wären, und die Guten per Definition nie eine Mitverantwortung für etwas Böses übernehmen müssten? Wenn die Welt schwarz und weiß, ganz ohne Grau- und Zwischentöne wäre?

    Tja, wie einfach wäre Dein Leben als Guter, ließest Du die Bösen ungestört böse sein? Hättest Du überhaupt die Freiheit, uneingeschränkt gut zu sein, wenn gleichzeitig die Bösen die Freiheit hätten, uneingeschränkt böse zu sein? Und wie gestaltete sich Dein Leben als Guter in der Gegenwart feindlicher Faktoren, die sich um Gut und Böse gar nicht scheren?

  5. #7 Leugnerentlarver
    20. Dezember 2012

    Ich bin sicher, dass viele der Amokläufer durch Schädigungen in der Erziehung durch negative Einflüsse der Ideologien der 68-Bewegung charakterlich fehlgeleitet wurden und viele weitere solche Pulverfässe herumlaufen.

    • #8 Jürgen Schönstein
      20. Dezember 2012

      Auch nicht gerade eine argumentative Glanzleistung, das hier …

  6. #9 rolak
    20. Dezember 2012

    Klar, die 68er sind schuld, daß wir da nicht eher drauf gekommen sind. Abschaffung der Prügelstrafe die größte Bedrohung der Menschheit^^ Dagegen ist das Weltuntergangsgequatsche geradezu angenehm.

    Zu den Fragen, alles ‘imho’:
    /Mitverantwortung fordern/ ja
    /Mitverantwortung geben/ ja
    /Leben einfacher/ ja, deswegen gibt es so viele Manichäer.
    /schwarz-weiß einfacher/ ja, und langweilig

  7. #10 Sathiya
    20. Dezember 2012

    Ich finde den Text gut, er drückt auch meine Gedanken und Gefühle aus.
    Das Zerpflücken und Sezieren ist ermüdend und lächerlich.
    Hat einer der kritisierenden Herren denn mal den 2. Verfassungszusatz der Verfassung der USA gelesen? Oder den Wortlaut der Genfer Konvention? Darauf unter anderem bezog/bezieht sich der Artikel, wie ich ihn verstehe.
    Und darauf, ob und daß sich auch die “Guten” schuldig machten, wenn sie den “Bösen” böse Taten per Gesetz ermöglichen. (eine Verallgemeinerung, ja, extrem verkürzte Darstellung, ja, unzulässig – darüber streite ich nicht ;-) )
    Eine Anregung zum Nachdenken. Danke.

  8. #11 Gandalf
    20. Dezember 2012

    *Seufz* Ich bin mir sicher das du eine Meinung hast nur du äußerst sie nicht präzise und fundiert. Schade das du nicht auf meine Sachargumente eingehst. Ich hab mittlerweile auch genug zu dem Thema gesagt, da könnt ich ja fast einen eignen Blog anfangen. Abschließend bleibt wohl nur zu sagen das ich deinen Blog sehr gerne mag und deine Sachlichkeit grundsätzlich schätze. Darum war ich etwas irritiert dich so dogmatisch zu sehen. Aber wir sind ja alle nur Menschen, in dem Sinne, frohe Weihnachten.

  9. #13 Spoing
    21. Dezember 2012

    Wenn man von Mitverantwortung redet muss man dabei wieder ganz klar sagen, dass die Verantwortung der Täter und Beteiligten dadurch nicht geschmälert wird. Wer den Abzug drückt trägt auch die volle Verantwortung. Unsere Verantwortung beschränkt sich lediglich darauf Personen nicht in diese Situation kommen zu lassen oder sie gar da rein zu zwingen. (Schuld ist eben nichts was in der Summe immer 100% ergibt)
    Jemanden den Zugang zu Waffen zu erschweren sorgt somit ein Stück weit dafür, dass wir unserer Verantwortung gerecht werden. Die Frage bei jedem Gesetz ist natürlich die der Opportunitätskosten. Je nach stärke der Waffengesetze kann dies gerade wegen der Emotionalität des Themas schnell zu viel des Guten werden. Wobei sich mir der Sinn des Besitzes von vollautomatischen Waffen auch nicht erschließt.
    Aber man muss auch sagen, Verbote sind fast ausschließlich Symptombekämpfungen. Eine weitere Teilschuld ist somit auch noch wo anders zu suchen.
    Bei Amokläufen würde ich die so genannten 68er auch nicht völlig raus lassen. Immerhin haben diese, stärker als die meisten anderen Zeiten, für ein Bewusstsein gesorgt das die Schuld bei der Gesellschaft und nicht beim Individuum liegt. In Teilen ist dies natürlich auch richtig, aber in das extrem gesteigert (und jede Philosophie ist auch für ihre extremen verantwortlich) kann dies natürlich den Unterschied zwischen einem einfachen Suizid und einem Amoklauf ausmachen.
    Aber wie auch im Artikel erwähnt, Amokläufe sind verglichen mit den anderen Schusswaffentoten eher zu vernachlässigen. An diesen tragen die 68er jedoch auf keinen Fall eine Mitverantwortung.

  10. #14 threepoints...
    25. Dezember 2012

    Kernausage:

    “Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.”

    Das ist beim Amoklauf angesichts der Wahllosigkeit nicht mehr systematische Folge.

    Aber wie oben beschrieben ist es anderweitig natürlich immer so und war jahrtausende mehr unbewusste Wahrheit (im Resultat – so einer tot aus der Auseinandersetzung liegen bleibt). Das es eine archiaische Weißheit sei, möge man aus deutscher Sicht gern anmerken. Man hat hier das “Werkzeug” zum Töten unverfügbar gemacht, muß sich nun aber mit einer Reihe daraus folgender Phänomene herumschlagen.
    Übrigens ist die Todesstrafe in ähnlicher Struktur zu verorten. Nämlich als Nachvollzug solcher Grundlagen der Gefahrensituationen, in der sich ein Mensch (mehr oder weniger) freiwillig begibt.
    Es ist gleichzeitig Immunisierung und Bereinigung einer wünschenswert sich selbst nivellierenden homogenen Gemeinschaft. Unterm Strich steht eben die Freiheit jedes Einzelnen, in der sich selbst begebenen Gefahr umzukommen oder davon fern zu bleiben und weiter zu leben.
    Im Kern einer auslösenden Ursache steht also die (mehr oder weniger) freiwillige Entscheidung der Gesellschaft den Rücken zu zu drehen und sie zu bekämpfen. Derartige Individuen lässt man freien Lauf und ihre/die Verantwortung dafür tragen…die sich in logischer Konsequenz daraus ergibt. Schlichtweg ist es Sozialdarwinismus.

    Und wer solche Perspektiven nicht versteht, hat des Menschens Kulturgeschichte/Biografie nicht verstanden, ist aber weit von einer sich daraus ergebenen Gefahr entfernt.

  11. #15 pazifist
    31. Dezember 2012

    Haben sich die 20 Schulkinder und ihre Lehrerinnen “in Gefahr begeben”, weil sie zur Schule gegangen sind und “darin umgekommen” sind?

    Was soll das, threepoints? Deine “Perspektiven” verstehe ich tatsächlich nicht.

  12. #16 threepoints...
    1. Januar 2013

    Die Aussage bezog sich nicht auf Amokläufe – und schon gar nicht dieselben in Schulen, sondern die oben angesprochenen Schiessereien, bei denen erklärtermaßen mehr Menschen sterben, als eben bei den Amokläufen.

    Ich vergass das zu notieren. Wird die Perspektive jetzt besser vorstellbar?

  13. #17 pazifist
    1. Januar 2013

    “Wird’s besser, wird’s schlimmer
    fragt man alljährlich,
    doch seien wir ehrlich,
    das leben ist immer lebensgefährlich.” (Erich Kästner)

    Natürlich begibt man sich immer in Gefahr, wenn man den Fuß aus dem Bett/aus der Wohnung/aus dem Haus setzt. Auch IM BETT bleibt man vor dem Herzinfarkt nicht verschont.

    Die vernünftige Gesellschaft kann aber wesentliche Gefahrenquellen reduzieren, z.B. Schusswaffenverletzungen durch Schusswaffenbeschränkungen, Verkehrstote durch Geschwindigkeitsbegrenzungen, Rauchgasvergiftungen durch Rauchmelder-Pflicht u.s.w., ohne dass damit die persönlichen Freiheiten unzumutbar eingeschränkt werden.

    Unabhängig davon ist die persönliche Verantwortung grundsätzlich immer einzufordern.

  14. #18 threepoints...
    1. Januar 2013

    Ja, spitze rekombiniert.

    Kernaussage aber war bezüglich US-Amerikanischer Philosophie:
    wer sterben will (weil er selbst derartige Gewaltanwendung einplant) darf jederzeit eine Schiesserei mit jemanden beginnen und sich dann nicht beschweren, so er abgeschossen wird.

    Kriegsdienst könnte man gleich betrachten: Wer ihn leistet, geht dem Tode einen entscheidenden Schritt näher.

    Sozialpolitisch ergäbe sich daraus (statistisch) die Auslese Gewaltbereiter Individuen und ein Vorteil für alle anderen und der Politik und Exekutive, die daraufhin weniger Druckmittel aufwenden braucht – da der verbleibende Teil der Bevölkerung weniger Gewaltbereit und fähig sei. Eine darwinistische Auslese der Schwachen und Unsouveränen – anders ausgedrückt der funktional wünschenswert (im Sinne der sozialorganisation) Konditionierten.

    Abgeleitet aus solcherart These:

    Sei es geradezu nötig gewesen, dass es zu aller Zeit immer auch Situationen gegeben hat, in denen man derart Auslese hat ermöglichen können (Krieg…), andernfalls die Sozialgemeinschaft (Land, Nation, ..) nicht “regierbar” gewesen wäre.
    Anstatt also solcherart unintegrierbare Individuen offensichtlich wegen ihrer Oppositionshaltung zu Richten, “veranstaltete” man eben regelmässig Krieg, in dem sich solche “abreagieren” konnten und eben auch mit hoher Wahrscheinlichkeit starben.

    In dieser These ist auch der “unschuldige” nicht unschuldig an seinem Schaden. Jeder kann sich nach kräften aus dem konflikt herraushalten, es sei denn, es besteht eine Kriegseinsatzpflicht.

    Es tut sich die Frage auf, durch welche Strategie/Methode solcherart im modernen domokratischen Staatsgebilde abgelöst wurde? Dazu muß man vielleicht tendenzielle Extremresultate von modernen Staatsstrukturen analysieren, damit dieser Art Auslese erkennbar wird – denn es sei nicht anzunehmen, dass dies ersatzlos gestrichen sei. Dies ist immer nur eine Frage, wie lange die letzte Auslese inder vergangenheit lag und wie sichdie Bedingungen seit dem entwickelt haben.

  15. #19 threepoints...
    4. Januar 2013

    Die These der quasi-natürlichen Selektion gewaltbereiter (desintegrierter) Individuen durch (unangemessenen) Schußwaffengebrauch steht noch immer unwidersprochen im Raum.
    http://scienceblogs.de/geograffitico/2012/12/19/eine-frage-der-mitverantwortung/ (Kommentar: threepoints…25/12/2012)
    Dabei meint es, dass sich nur jene in einer Schiesserei gegenüberstellen, die dies tendenziel auch leichter/bereitwilliger eingehen würden (ausgenommen die Exekutive).
    Eine andere These besagt auch: Ein Problem muß schnell zur Eskalation gebarcht werden, damit sich nicht potenziale Anstauen, die noch größere Schäden (meint hier Opfer) hervorrufen.
    Diese beiden zusammen ergeben, da Schußwaffengebrauchwillige möglichst schnell in einer Schiesserei ums Leben kommen sollen (oder zumindest dabei auffällig werden), daass sich das unsichtbar schwehlende Problem dabei erkennbar macht – zum Ausbruch kommt.

    Bedeutet auch, dass der Tod im Zweifel eingeplant ist. Und wer hätte schon Mittleid mit einem Schiesswütigen?

    Und jetzt ein Gleichnis der Selektionswilligkeit einer Gesellschaft:

    Alkohol und Tabak. Legal an jeder Ecke zu erwerben, womit sich jeder sein Leben ruinieren kann. Frühzeitiges Ableben ist damit gewährleistet und es braucht für das Individuum keine Altersversorgung. Bei Drogen ebeno. Jeder darf sich zudröhnen (und gesundheitlich schädigen) – der Handel, Kauf und Besitz sei jedoch verboten.

    Und kommt auf keinen Fall mit Eigenverantwortung. Jede Psyche ist von seinem Umfeld abhängig. Und wenn ein diesbezüglich nützliches Umfeld den Umgang mit dem Individuum verweigert, besteht keine Möglichkeit auf Eigenverantwortung mehr, weil diese immer auch vom Umfeld abhängig sei.

    Irgendwer aus Mitteleuropa, der sich eines Tages nur noch in der Umgebung eines islamischen Terrorissten aufhalten kann (weil der da Gesellschaft findet), wird sich gegen dort herrschende Verhältnisse nicht einfach so auf Dauer erwähren können und zum Bruder im Geiste werden.

    Es bliebe Einsamkeit jederman übrig – aber da wird es eben eng mit Eigenverantwortung. Einsamkeit macht mürbe und sucht nach Zerstreuung. Also bleibt Alkohol und Tabak (oder gar Drogen), die jenem dann das Leben dann kurzweiliger machen, aber auch effektiv verkürzen.

    Das Ganze auf die Schachtel zu schreiben, ist die scheinheiligste Ausrede, die ich in solchen Zusammenhängen kenne. Ansich untercheidet sich mein Vorwurf daran nicht von dem Vorwurf: “nicht die Waffe schiesst/tötet, sondern der Mensch”

    Der derart alleingelassene (desintegrierte) Mensch, der zur Waffe greift und schiesst (oder alternativ zu Drogen, Alkohol oder Tabak (sowieso) greift), kann all das nicht aus eigener Kraft verantworten. Es ist eine Art Sucht, Tabak, Alkohol oder Drogen zu konsumieren, wie es eine andere Art Sucht sei, mit der Waffe auf andere Menschen zuschiessen. Wobei ich den Unterschied zwischen Suchtproblematik und psychoseartiger Tötungsgedanken hier mal nicht deutlich in eine Dringlichkeitsskala einreihe. Exessiver Drogen- oder Tabak- oder Alkoholkonsum ist in dem Sinne nur eine weniger akute Psychose. Auch, wenn das die ICD 10 Liste anders vorschreibt zu handhaben.

    Faktisch meine ich, das hier zwei scheinbar völlig unterschiedliche Situationen gar nicht so viel unterschiedlich sind. Das Ergebnis ist das Gleiche: Es wird (vorzeitige) Tote geben.

    Ich will also erwarten können, dass man bei Verbot von Waffen auch Alkohol, Tabak und Drogen vollständig verbietet.
    Der Appell (anstatt ein Verbot) ist nahezu immer nur eine selbsterfüllende Prophezeiung für die Zukunft und erfüllt sich bei bestimmten Menschen aber mit absoluter Sicherheit nicht. Und hinichtlich meiner Selektonsthese muß angenommen werden, dass die Gesellschaft das unausgesprochen genau so will – dass diese Menschen sterben, sich gegenseitig oder selbst töten, damit sie eben aus der Welt sind. Sonst nämlich gäbe es längst keinen Tabak mehr, keinen Alkohol, keine Drogen – oder Prohibition. Prohibition – die streng geregelte Abgabe eines Gegenstandes, wäre das Pandant zur Waffengesetzgebung in Deutschland. Das gehörte genau so auch für Alkohol, Tabak und Drogen.

    Übrigens: Erst jüngst hat eine Komission entschieden, dass Raucherentwöhnungen keine Krankenkassenleistungen sein müssen. Die Haltung ist also immer noch klar; sie alle sollen verrecken – und das so baldest wie möglich. Jeder ist sich doch selbst der Nächste und derartige Versager gehörten am wenigsten dazu. Impliziter Sozialdarwinismus – nicht weit von Rasissmus entfernt.

    Also ich wäre durchaus beglückt über ein Waffenbesitzverbot – auch aus den anderen Gründen von euch in Artikeln und Kommentaren. Aber hauptsächlich desewgen, weil damit der Weg offen wäre, ein Bewusstein für lebensverkürzende Individualsituationen leichter erschaffen zu könnte und daran hinsichtlich Tabak, Alkohol und Drogen argumentiert werden könnte.

    Wer aber dies nicht im Zusammenhang denken kann, der entlarvt sich damit selbst als Anhänger einer unausgesprochenen (und auch kaum bewussten) Selektionssrategie – sei also einer der Schuldigen, die andere auf dem Gewissen haben (und weiterhin haben werden).

    Ihr könnt mich zwar wieder des Irrsinns bezichtigen, aber habt dann leider nichts verstanden, weil ihr zu sehr an euch selbst und die seinen denkt – wie es angesichts der Kinderopfer sei, wo Empörung ausbricht, die wir aber alle über solche systematischen Umwege auf dem Gewissen haben, nicht nur der Täter und dessen Umfeld.

    Spielerische Kapitalismuskonkurenz erzeugt nicht nur Leistungsfähigkeit und Höchstleistung, sondern zwangsläufig auch daran und darin versagende, die zu Opfern werden – oder eben zu Tätern. Verlierer lassen sich leider nur kurzzeitig mit der Spielthese (alles nur ein Spiel – also nicht entmutigen lassen) ruhig stimmen, bis sie feststellen, dass es für sie eben kein Spiel mehr sei.
    Und es ist auch kein Spiel, wird uns nur als solches verkauft, wenn kritik laut wird.