Es müssen die Nachwirkungen der meiner Weisheitszahn-Operation sein, denn wenn ich meinen Kopf noch ganz beisammen hätte, würde ich das Thema Radhelm vermutlich meiden wie ein Veganer die Metzgerei. Aber diese Studie über die begrenzte Wirkung einer Radhelmpflicht, die im British Medical Journal veröffentlich wurde und auf die ich via Lars Fischer und Spektrum.de aufmerksam wurde, kann ich nicht gänzlich unkommentiert stehen lassen.

Worum geht’s? In sechs der zehn Provinzen Kandas wurde zwischen 1994 und 2003 eine Helmpflicht für Radfahrer eingeführt. Diese Studie hat nun, anhand der Daten des National Trauma Registry zwischen 1994 und 2008 untersucht, ob in den Provinzen mit Helmpflicht eine deutliche Verringerung der Fahrradunfälle mit Kopfverletzungen, verglichen mit den Provinzen ohne Helmpflicht, zu beoachten ist. Und in desem Zeitraum gingen die Kopfverletzungen in den Provinzen mit Helmpflicht in der Tat deutlich zurück: Um 54 Prozent bei Kindern und Jugendlichen, und um 26 Prozent bei Erwachsenen. Trotzdem kommen die VerfasserInnen zum Schluss, dass die Helmpflicht nicht viel bringt – da auch in den Provinzen ohne Helmpflicht ein Rückgang zu beobachten ist, zumindest bei den Kindern: Dort sank im Untersuchungszeitraum die Zahl der Kopfverletzungen bei Kindern und Jugendlichen um 33,1 Prozent (bei Erwachsenen gab es keinen Rückgang).

Also nochmal langsam zum mitlesen: Bei Kindern und Jugendlichen in Provinzen mit Helmpflicht ging die Zahl der Unfälle mit Kopfverletzungen um mehr als die Hälfte zurück, in Provinzen ohne Helmpflicht dagegen nur (dazu gleich mehr) um etwa ein Drittel. Bei Erwachsenen ging die Helmpflicht mit einer Reduktion von gut einem Viertel einher, während in den Provinzen ohne Helmpflicht kein Rückgang zu beobachten war. Klingt eigentlich nach der Aussage: Helmpflicht nützt.

Doch weil die VerfasserInnen einen deutlicheren Rückgang erwartet hätten, und zudem ja auch ohne Helmpflicht weniger Köpfe eingedellt wurden, kommen sie zum Schluss, “the incremental contribution of provincial helmet legislation to reduce hospital admissions for head injuries seems to have been minimal” – also: der Zusatznutzen sei minimal. Aber ehe die Helmgegner nun jubeln und Siegestänze aufführen: Die Studie bestreitet nicht die Schutzwirkung der harten Hüte, im Gegenteil: Sie empfiehlt ausdrücklich das Tragen derselben. Sie sieht nur keinen Sinn darin, das Tragen derselben gesetzlich vorzuschreiben.

Doch bei all dem hat dese Studie einen ganz gewaltigen Haken, der in einem einzigen Satz zum Ausdruck kommt: “The national trauma registry does not include information on helmet use” – auf Deutsch, es gibt gar keine Daten dazu, ob die Verunglückten einen Helm getragen haben oder nicht. Und damit steht schon mal fest, dass diese Studie nichts (ich schreib’s noch einmal ganz groß und fett:

Nichts!

) über die Schutzwirkung von Helmen aussagt, sondern lediglich eine Einschätzung dazu gibt, ob es sich lohnt, das Tragen gesetzlich vorzuschreiben. Und da liegt halt der Haken: Wer keinen Helm tragen will, der trägt ihn vermutlich auch nicht, wenn es zur Pflicht wird. Oder er/sie setzt ihn nur lose auf, ohne den lästigen Kinnriemen zu schließen, was den Helm beim Unfall absolut wirklungslos macht. Aber wer einsieht, dass so ein Kopf durchaus von ein paar Zentimetern Puffermaterial profitieren kann, wenn er auf den Asphalt aufschlägt, braucht vermutlich kein Gesetz, um dies dann auch zu tun. Denn nur, weil es in vier von zehn Provinzen Kanadas keine gesetzliche Auflage gibt, einen Helm zu tragen, heißt das ja nicht, dass dann auch keine getragen werden. Ich trage meinen Fahrradhelm ja auch, ohne dass ich gesetzlich dazu gezwungen bin – und ebenso tun es die Hunderte von Radfahrern, die mir täglich begegnen.

Die nachfolgende Tabelle, die ich hier gefunden habe, zeichnet in klareres Bild darüber, wie hilfreich Fahrradhelme sind:
HelmetAccidents

(Datenbasis: Insurance Institute for Highway Safety)

Nachtrag: Die Tabelle wird klarer wenn man weiß, dass etwa die Hälfte aller amerikanischen RadfahrerInnen Helm trägt, siehe hier.

flattr this!

Kommentare (63)

  1. #1 bronte
    13. Juni 2013

    Naja, so sagt die Tabelle wenig darüber, wie hilfreich Fahrradhelme sind: Dort steht ja nur, dass etwa in 1994 97% der getöteten Fahrradfahrer keinen Helm trugen. Ohne zu wissen, welchen Anteil die Helmträger an den Fahrradfahrern haben (oder vermutlich genauer: bei welchem Anteil der per Fahrrad zurückgelegten Strecke Helm getragen wurde), sagt das nichts über den Nutzen eines Helms aus. Hätte etwa in 1994 nur 1% der Fahrradfahrer einen Helm getragen, könnte man aus der Tabelle sogar schließen, dass der Helm gefährlich ist.

  2. #2 Martin Windischer
    13. Juni 2013

    “Die nachfolgende Tabelle, die ich hier gefunden habe, zeichnet in klareres Bild darüber, wie hilfreich Fahrradhelme sind”

    Ich möchte jetzt nicht den Nutzen von Fahrradhelmen in Frage stellen, aber mich stört diese letzte Aussage. Denn alleine von der Tabelle kann man genau gar nichts über den Nutzen von Fahrradhelmen ableiten, solange man nicht weiß, wie viele Fahradfahrer überhaupt Helme tragen.

    Zum Vergleich kann man sich mal anschauen, was passiert, wenn wir statt des Kriteriums “trägt einen Fahrradhelm” das Kriterium “hat ein Tatoo eines rosafarbenen Einhorns auf der rechten Schulter” nehmen. So eine Statistik dürfte dann vermutlich ergeben, dass 100% der tötlich verunglückten Fahrradfahrer kein solches Tatoo gehabt haben. Fährt man also sicherer, wenn man so ein Tatoo hat? Wohl eher nicht.

  3. #3 Jürgen Schönstein
    13. Juni 2013

    @ #1 #2
    Habe eine Information ergänzt: Die Hälfte aller US-RadfahrerInnen trägt Helm (Quelle ist im Text angegeben). Ist es jetzt klarer?

  4. #4 Hanno
    Berlin
    14. Juni 2013

    Die Sache ist denke ich noch um ein paar Iterationen komplexer als hier dargestellt.
    Der wichtigste – und schwer zu erfassende – Punkt ist tatsächlich, dass die Frage, ob es individuell sinnvoll ist einen Helm zu tragen und ob es sinnvoll ist einen Helm vorzuschreiben zwei gänzlich unterschiedliche Fragen sind.

    Was nicht erwähnt wurde: Selbst wenn eine Helmpflicht zu weniger Unfällen führt, heißt das nicht unbedingt, dass sie gesundheitspolitisch sinnvoll ist. Denn das könnte ja auch heißen, dass die Leute weniger Fahrrad fahren – und dann a) sich insgesamt weniger bewegen und somit schädigen, b) mehr Auto fahren und damit wiederum durch Feinstaub, Lärm etc. die Gesundheit anderer schädigen. Jenseits dessen stellt sich auch noch die Frage, ob eine Diskussion, die zu sehr auf Fahrradhelme fokussiert ist, andere Maßnahmen zur Reduktion von Unfällen (etwa mehr und bessere Fahrradwege), die möglicherweise wirksamer sind, vernachlässigt.

  5. #5 Hanno
    14. Juni 2013

    Und ich vergaß: Man sollte unbedingt noch das Editorial zu der BMJ-Studie von Ben Goldacre lesen:
    http://www.bmj.com/content/346/bmj.f3817?ijkey=I5vHBog6FhaaLzX&keytype=ref
    Das stellt sehr schön dar, wie komplex die Angelegenheit ist.

  6. #6 Jürgen Schönstein
    14. Juni 2013

    @Hanno
    Ob eine Helmpflicht sinnvoll wäre, bezweifele ich auch. Das heißt aber nicht, dass Helmtragen nicht sinnvoll ist. Das Argument des Weniger-Fahrradfahrens beruht ja darauf, dass durch die Helmpflicht Gelegenheitsradler vom Gebrauch des Drahtesels abgeschreckt werden. Was aber nur dann der Fall ist, wenn man ihnen einredet, Helmtragen sei gefährlich, behindernd oder uncool – das sind die Argumente der Helmgegner. Aus praktischer Erfahrung und teilnehmender Beobachtung kann ich sagen, dass keines der drei Argumente greift – wenn man nicht will, dass es greift.

    Die Sache sieht doch eher so aus: Das Tragen von Fahrradhelmen reduziert die Zahl der Kopfverletzungen. Es sollte also auch ohne Zwang im Interesse der Radfahrerinnen und Radfahrer liegen, ihre Köpfe zu schützen. Dass dazu keine Gesetze, sondern bessere Aufklärung sinnvoller sind, bestreite ich nicht.

  7. #7 rolak
    14. Juni 2013

    Die Studie bestreitet strong die

    klingt zwar hübsch denglish, sollte aber doch wohl eher

    Die Studie bestreitet <strong>nicht</strong> die

    heißen. Hoffe ich.

    Die Tabelle könnte auch so interpretiert werden, daß im Schnitt signifikant diejenigen, die es nicht schaffen, die Nützlichkeit des Radhelms einzusehen, auch zum Radfahren bzw für den Straßenverkehr an sich nicht ausreichend geistig gerüstet sind 😉

  8. #8 Sven Türpe
    14. Juni 2013

    Praktisch sieht ein Faceplant mit Helm so aus.

  9. #9 Sven Türpe
    14. Juni 2013

    (Sorry, Link kaputt – 2. Versuch)

    Praktisch sieht ein Faceplant mit Helm so aus.

  10. #10 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com
    14. Juni 2013

    Was aber nur dann der Fall ist, wenn man ihnen einredet, Helmtragen sei gefährlich, behindernd oder uncool

    Uncool ist ja kein Argument, denn uncool kann alles und nichts sein, insbesondere das Gegenteil.

    Das Argument gegen den Helm lautet “es macht meine Frisur kaputt” und für Leute, die tatsächlich eine Frisur haben (ich habe nur Haare) kann man da nicht ganz von der Hand weisen.

  11. #11 Sven Türpe
    14. Juni 2013

    Das Tragen von Fahrradhelmen reduziert die Zahl der Kopfverletzungen.

    Das Tragen von Fußgängerhelmen, Autohelmen oder Haushaltshelmen hingegen nicht?

    Es sollte also auch ohne Zwang im Interesse der Radfahrerinnen und Radfahrer liegen, ihre Köpfe zu schützen.

    Wovor, wieso und mit welchem individuellen Nutzen?

  12. #12 MartinX
    14. Juni 2013

    @Sven: Da ist was dran.Wenn Helme tatsächlich Leben retten, dann tun sie das bei den verschiedensten Aktivitäten. Ich sehe die Gefahr, dass die Helmwerbung im Bezug auf das Radfahren, diese Tätigkeit als besonders gefährlich erscheinen läßt, was sie aber überhaupt nicht ist. Ich selbst fahre seit knapp 30 Jahren ohne Helm Fahrrad und Kopfverletzungen (Platzwunde, Gehirnerschütterung) habe ich mir bisher nur beim einem Sturz vom Stuhl sowie einer Treppe zugezogen. Hätte ich da mal einen Helm getragen…

  13. #13 Roland B.
    14. Juni 2013

    Ich fände es sinnvoll, zu unterscheiden, wo Rad gefahren wird und inwieweit sich das auf Unfälle und eine verbesserte Sicherheit durch Helme auswirkt. Im dichten Stadtverkehr verhält sich das doch völlig anders als auf einsamen Radwegen irgendwo in einem schönen Flußtal.

  14. #14 Quirl
    14. Juni 2013

    Zur U.S. Umfrage der Fahrradhelm Nutzung. „Die repräsentative Umfrage [in Deutschland] stellte ihren Teilnehmern auch die Helm-Frage. 27 Prozent der Befragten gaben an, meistens oder immer einen Fahrradhelm zu tragen. Die Quote aus den Verkehrszählungen lag hingegen nach Aussage des Bundesverkehrsministers im gleichen Zeitraum nur bei 11 Prozent.“ Denn: „Die Helmträger würden im Durchschnitt nur knapp halb so viele Personenkilometer mit dem Fahrrad zurücklegen, wie die Helmverweigerer. Beide Gruppen hätten also vollkommen unterschiedliche Mobilitätsprofile.“ Auch spannend: „Steigt die Fahrradhelm-Trageqoute bei Kindern unter zehn Jahren, sterben auch mehr Radfahrer. Um genauer zu sein, steigt und sinkt die Trageqoute seit 1999 im Gleichtakt mit der Anzahl tödlich verunfallter Radfahrer.“ Aus: Das unheimliche Fahrradhelm-Orakel, http://www.zukunft-mobilitaet.net/9653/verkehrssicherheit/radhelmpflicht-verkehrstote-statistik-ungenauigkeit/

  15. #15 Aveneer
    14. Juni 2013

    Ich denke hier ist das Vorbild gefragt. Welcher Profiradsportler (Straße/ Downhill) oder Profi-Skater ist noch ohne Unterwegs? Wenn ich meinen Kindern sage, dass nur ”Nichtblicker” und ”Sonntagsfahrer” ohne Helm unterwegs sind, dann ändert sich das Bild von Cool und Uncool sehr schnell. Kurz: Die, die sportlich unterwegs sind fahren mit.
    Warum sich die Mensch bei 30 km/h im Auto ohne gegenwehr anschnallen und sich den Berg mit dem Bike ohne Helm mit 40 km/h runter trauen ist mir auch nicht (mehr) klar. Mit 30 auf dem Radweg ohne Helm aber im Auto ohne Gurt sich unwohl fühlen.
    O.K Ich bin viele Jahre ohne Helm gefahren und hatte die gleichen ”Argumente”. Ein Betonblumenkübel + unachtsamer Fussgänger später – hat sich alles geändert. 5 cm mit dem Kopf am Eck vorbei. Nach 6 Monaten mit Helm ist es wie anschallen im Auto obwohl man nur umparkt. Geht automatisch ohne Nachdenken.

    PS: Das unheimliche Fahrradhelm-Orakel hat wohl “Das unheimliche Autoanschnall-Orakel” ersetzt. Statistik eben.

  16. #16 Michael Kullmann
    14. Juni 2013

    Das ist eine ganz ähnliche Diskussion wie vor 40 (?) Jahren zur Gurtpflicht. Man wird sich an Fahrradhelme gewöhnen.

  17. #17 MartinX
    14. Juni 2013

    @Aveneer
    Wenn das nur 5cm waren dann hättest du mit Helm vermutlich den Kübel erwischt, dein “Kopfvolumen” ist ja mit Helm deutlich größer. Was die Profis betrifft, fährt man nicht nur im Radsport sondern auch im Motorsport schon länger nur mit Helm. Also wenn das ein Vorbild sein soll, dann bitte auch Autohelme zur Pflicht machen.

    Nachdenklich Grüße

  18. #18 rudimens
    14. Juni 2013

    @Martin X, wenn Du wissen willst, warum auf öffentlicher Strasse im Auto ein Helm ohne weitere Umbauten Quatsch ist, versuch es einfach. Schulterblick, rückwärts fahren, mal eben “Was war das?” kucken. Bevor Du los fährst, solltest Du auch einen HANS anlegen. (Kopf-und-Nacken-Stütze)

  19. #19 Eheran
    14. Juni 2013

    “Was aber nur dann der Fall ist, wenn man ihnen einredet, Helmtragen sei gefährlich, behindernd oder uncool”
    Mal ein paar Gedanken dazu, die mich von soetwas abhalten:
    Ein Helm kostet Geld.
    Er muss mit rumgetragen werden (zusätzlich zum Schloss, kann aber nicht wie dieses am Rad befestigt werden) und kostet auch Platzt.
    Man schwitzt mit Helm mehr als ohne – ich trag nur aus dem Grund fast nie einen Rucksack beim Radfahren sondern verstau die Dinge irgendwie irgendwo.

    Nach einigen 10’000km in einer Großstadt und einem richtigen Unfall sehe ich keinen Nutzen für den Fahrradhelm.
    Es war ein Autofahrer, der mir “freundlich” die Tür geöffnet hat.
    Das war eine abschüssige Nebenstraße mit Parkbuchten, ich etwa 40km/h schnell.
    Um Haaresbreite wäre mein rechtes Bein zwischen Kante der Tür (2mm breit etwa) und dem Rest von mir und Rad gewesen. Hat zum Glück nur den Rahmen getroffen.
    Die Versicherung hat mir von dem Totalschaden am 8 Monate vorher gekauften Rad nur 50% “Restwert” bezahlt.

    Was hingegen richtig viel nützt wäre mehr Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer.
    Besagter Autofahrer hat vorher Telefoniert und im anschluss Rücksichtslos die Tür aufgerissen.
    Oder (vorallem Rechts-) Abbieger, die ihre Augen mal öffnen.
    Das würde wohl alles einhergehen mit einem besseren Bildungssystem und mehr Verantwortungsbewußtsein.

  20. […] Fahrradhelm-Orakel (via) […]

  21. #21 threepoints...
    14. Juni 2013

    da kann man wohl davon ausgehen, dass die mediale Diskussion (auch,wenn sie noch so gering war) über eine Einführung einer Helmpflicht in den anderen Bundesstaaten zu einer Sensibilisierung führte, sodass möglicherweise in den Statten ohne Helmpflicht freiwillig zum Helm gegriffen wurde.

    Die angegebenen Jahre der Einführung sind sowieso die Zeit, wo diese Helme auch für Fahrradfahrer angepriesen und langsam Gesellschaftsfähig wurden. Die Meinung, dass eine Pflicht nicht notwendig war, kann man deswegen durchaus haben. Mit Helmpflicht scheint es aber schneller “Erfolge” ergeben zu haben.

  22. #22 Sven Türpe
    14. Juni 2013

    Was hingegen richtig viel nützt wäre mehr Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer.
    Besagter Autofahrer hat vorher Telefoniert und im anschluss Rücksichtslos die Tür aufgerissen.

    Diese Aufmerksamkeit lässt sich teils unterstützen, teils überflüssig machen, indem man sich auf dem Rad wie mit jedem anderen Fahrzeug verhält und den vorhandenen Raum klug und großzügig ausnutzt. Bezeichnenderweise gibt es in Rad-weg!-Deutschland kein Wort dafür, während das Englische über mindestens zwei verfügt: Driver Behavior und Vehicular Cycling.

  23. #23 Ex-Esoteriker
    15. Juni 2013

    Nun, als leidenschaftlicher Radler hatte ich im November 2012
    einen sehr schweren Unfall (mir wurde die Vorfahrt genommen) und hatte ne fiese Rippenprellung, aber dank Fahrradhelm war mein Kopf unverletzt (ohne es zu merken, mit dem Kopf ebenfalls aufs Auto aufgeschlagen)

    Also ich bin für die Helm Pflicht, ist für mich wie die Gurtpflicht, es kann zwischen Gesundheit und Pflegefall sehr entscheidend sein.

  24. #24 Eheran
    15. Juni 2013

    “Diese Aufmerksamkeit lässt sich teils unterstützen, teils überflüssig machen, indem man sich auf dem Rad wie mit jedem anderen Fahrzeug verhält und den vorhandenen Raum klug und großzügig ausnutzt.”
    Wie kann man denn Aufmerksamkeit überflüssig machen?
    Das geht höchstens auf einer halbwegs leeren Autobahn, wo nichts unerwartetes passieren kann.
    Zum ausnutzen des Platzes: Der Gehweg ist von sehr schlechter Qualität und theoeretisch auch nicht legal befahrbar. Auf der Straße ist reger Verkehr, also fahre ich weit rechts um niemanden zu behindern. Wenn ein Autofahrer im richtigen Moment die Tür öffnet, dann kann man den Unfall nicht verhindern.
    Nur Egoisten, die mit Tempo 20* mitten auf der Straße fahren und alles Blockieren wären davor geschützt. Dafür haben die dann das ein oder andere waghalsige Überholmanöver.
    Ich bremse übrigens völlig unabhänging von irgendwelchen Vorfahrten IMMER ab und gucke ganz genau ob wer kommt und er mich sieht.
    Das gleiche bei einigen Fußgängern, die ggf. plötzlich einfach 90° nach links über den Radweg gehen.

    *Auch die Profis, die natürlich schneller fahren, blockieren noch alle Autos.
    Die Fahren auch grundsätzlich auf der Straße, völlig egal ob es einen Radweg gibt.

  25. #25 Sven Türpe
    15. Juni 2013

    Wie kann man denn Aufmerksamkeit überflüssig machen?

    Indem man so fährt, dass bestimmte Konflikte überhaupt nicht auftreten können. Du beschreibst Deinen Fehler selbst:

    Auf der Straße ist reger Verkehr, also fahre ich weit rechts um niemanden zu behindern. Wenn ein Autofahrer im richtigen Moment die Tür öffnet, dann kann man den Unfall nicht verhindern.

    Hältst Du den erforderlichen Sicherheitsabstand ein, statt unnötig weit rechts zu fahren, musst Du Dich um plötzlich geöffnete Türen parkender Autos nicht mehr kümmern — diese Gefahr löst sich in Luft auf. Selbst wenn Du damit jemanden behindern würdest, hätte Deine Sicherheit Priorität; Du bist kein Verkerhsteilnehmer zweiter Klasse, der sich im Interesse anderer unterwürfig in den Straßengraben zu drücken hätte. Praktisch tritt eine Behinderung durch einzelne Radfahrer höchst selten ein, da unsere großzügig ausgebauten Straßen viele Überholmöglichkeiten bieten. Erfahrungsgemäß bekommst Du sogar größere Überholabstände, wenn Du Deinerseits einen ordentlichen Abstand nach rechts einhältst. Über Behinderung können wir reden, wenn Du über einen Kilometer ohne Überholmöglichkeit eine Kolonne hinter Dir hast, Dich wesentlich langsamer als zulässig bewegst und eine vorhandene Möglichkeit zum Vorbeilassen ignorierst.

  26. #26 Eheran
    15. Juni 2013

    Wie gesagt, dann hat man links die waghalsigen Überholmanöver. In beiden Fällen bin ich nicht der Verursacher und kann an der Sache auch nichts ändern. Von verringerter Aufmerksamkeit kann also garkeine Rede sein. Da im fast nie eine Tür rechts aufgeht fahre ich weit rechts, statt überholt zu werden bei regem Gegenverkehr.
    Eine simple Risikoabwägung und nicht “mein Fehler”.

    Wenn die Strecke etwas länger ist und schon rein Baulich nicht noch ein Radweg platz findet, dazu noch eine Hauptstraße und mit relativ vielen Radfahrern und beidseitig Schienen – dann ist es doch eine enorme Behinderung, wenn alle Radfahrer mitten auf der Straße fahren würden. Was zum Glück nur die aller wenigsten machen, sonst würde sich das Tempo der gesammten Kolonne am langsamsten Rad mit <20 km/h orientieren. Und dann würde ich im Zweifel einfach auf den schmalen Fußweg ausweichen, auch wenn jede Abbiegung ohne abgesenkte Bordsteine ist.
    Alles andere als Radfahrerfreundlich… aber immernoch besser als ein Kopfsteinpflaster.

  27. #27 Sven Türpe
    16. Juni 2013

    Wenn die Strecke etwas länger ist und schon rein Baulich nicht noch ein Radweg platz findet, dazu noch eine Hauptstraße und mit relativ vielen Radfahrern und beidseitig Schienen – dann ist es doch eine enorme Behinderung, wenn alle Radfahrer mitten auf der Straße fahren würden.

    Behauptet die Auto-PR.

  28. #28 Eheran
    16. Juni 2013

    Nein, behaupte ich.
    Empfinde ich so als Radfahrer und Autofahrer gleichermaßen.

  29. #29 Maro
    Reading
    17. Juni 2013

    Wo in der Statistik ist eigentlich aufgschluesselt, wie viele an Kopfverletzungen verstorben sind? ODER ist die Aussage : “Helm verhindert Tod” einfach so hinzunehmen?
    Als der Fahrrad! Helm eingefuehrt wurde, war KLAR gesagt wurden die Schutzfunktion ist fuer einen Sturz aus ca. 2m hoehe mit nicht schneller als 20km/h gegeben. Wenn ich jetzt lese das hier ueber 40km/h Stuerze gefaselt wird zweifele ich ein bischen am commen sense. Schliesslich sind 40km/h ach schon 30km/h Stuerze ganz typisch fuer Mokik und Co und bei DENEN muss ein Motorradhelm her. Wenn hier auch nur einer ist der mir erkalert das der Motorradhelm auch nur so gut ist wie das Fahrrad/Schaumstoff Ding, dann geht das ganze in Richtung Voodoo und wird unglaubwuerdig. Dazu kommt noch dieses unfassbare arogante Verhalten eine Helmpflicht! zu fordern weil die NUTZER des Helmes es so wollen. Die Argumentationslinie das dann auch der Fussganegerhelm und der Schlafhelm und der Zugfahrhelm und was weiss ich nicht alles auch zur PFLICHT erhoben werden muss ist doch auf der selben Basis. Bloss weil Fahrradfahrer GLAUBEN bei 40km/h mit so einem Schaumstoffding irgendwie gesichert zu sein dann will ich den selben Menschen mal sehen wie er auf dem Moped sitzend den selben Helm als ausreichend verteidigt. Apropos, die toten Cyclisten in den USA sind in der Masse unter 16, was gar nicht beweisst aber ein bischen hilft zu verstehen warum auch noch die 50% tragehaeufigkeit angesproechen wird, bei Kindern! Warum tragen denn die “coolen” Helmtraeger eigentlich keinerlei Knie, Arm und Rueckenprotector die doch bestimmt noch viiiiiiiiiel besser schuetzen wenn man mit 40km/h gegen die Wand klatscht. So ganz nackig mit duenen shirt mal kurz mit 40km/h ueber die Strasse rutschen ist auch ganz toll….. aber das waere ja nicht mehr diskussionswuerdig da der Helm schon vor Tod und Verletzung schuetzt. Yeah

  30. #30 Jürgen Schönstein
    17. Juni 2013

    Ja, das sollte nicht heißen (und ist jetzt entsprechend aktualisiert). Danke!

  31. #31 Ralf Bader
    17. Juni 2013

    Die Zahl der Todesopfer durch Radfahren könnte man auf 0 senken, indem man die Benutzung, den Besitz oder Verkauf und das Inverkehrbringen dieser hochgefährlichen Geräte konsequent untersagt. Eine Helmpflicht muß man aber trotzdem einführen, z.B. bei der Benutzung von Treppen (Anzahl der Todesfälle in Deutschland: etwas mehr als doppelt so viele wie durch Fahrradunfälle). Mit anderen Worten, Fahrradfahren ist nicht ganz risikolos, wobei die Risiken aber anders sind als sich das gemeinhin eingebildet wird (hier ein bißchen weiter oben beispielsweise von jemand, der es offenbar darauf anlegt, irgendwann einmal gegen eine sich unvermittelt öffnende Autotür zu knallen und dann übrigens nach gängiger Rechtsprechung wegen Nichteinhaltung eines angemessenen seitlichen Sicherheitsabstandes seine Unfallkosten selber tragen zu dürfen). Das Risiko beim Fahrradfahren bewegt sich aber in einem Bereich, in dem sich auch die Risiken aller möglichen anderen alltäglichen Tätigkeiten befinden, und es geht mir ganz allmählich tierisch auf den Senkel, daß permanent ausgerechnet beim Radfahren über Helme und Helmpflichten schwadroniert wird,

  32. #32 Jürgen Schönstein
    17. Juni 2013

    Wow, so viele schnelle Treppensteiger, Läufer, Nasenputzer oder wasauchimmer, die hier unterwegs sein müssen. Also ich schaffe es nicht, zu Fuß auf die 25 bis 30 km/h zu kommen, geschweige denn, sie durchzuhalten, die ich auf dem Fahrrad ziemlich problemlos erreichen kann. Und zumindest meinem Schädel macht es gewiss etwas aus, wenn er mit dieser Beschleunigung, verstärkt durch die Masse des Fahrrads, auf den Asphalt geknallt wird.

    Mit anderen Worten: Dieses “Dann-muss-man-ja-auch-bei-anderen-harmlosen)-Aktivitäten-einen-Helm-Tragen” lässt mich wundern, ob da nicht ein paar Leute hier schon öfter mit dem Schädel angestoßen sind …

  33. #33 miesepeter3
    17. Juni 2013

    Toll, diese ganzen Prozentermittlungen und die Ergebnisse, die man da so ausrechnen kann.
    Ich mach`s in der Praxis einfach so:
    Wenn ich mit meinem Fahrrad nie umfalle und auf den Kopf knalle, nützt mir der Helm überhaupt nix = 0%.
    Fall ich um und hau mir den Schädel an, so hilft der Helm ein eventuellen Schädeleindrücktod zu verhindern zu 100% (oder wenigstens 90%?)
    So kann sich jeder entscheiden, wieviel % er wofür vorsorgen möcht.

  34. #34 Andreas
    17. Juni 2013

    In der “Zeit” wurde gerade über ein sehr erstaunliches Urteil berichtet:

    http://www.zeit.de/auto/2013-06/fahrrad-helm-unfall-urteil

    Da wurde einer Radfahrerin eine Mitschuld an ihren Verletzungen gegeben, weil sie keinen Helm trug, obwohl sie an dem Unfall nicht schuld war. Das ist schon ein ziemliches Ding und fast eine Helmpflicht durch die Hintertür.
    (Ich wollte eigentlich noch etwas schreiben, wie: “Das wäre ja so als ob,….” aber mir fällt nichts vernünftiges ein.)

  35. #35 Ralf Bader
    17. Juni 2013

    Sehr geehrter Herr Schönstein, wenn Sie eine Treppe runtersegeln, dann können Sie die 25 bis 30 km/h Schädelaufprallgeschwindigkeit problemlos erreichen. Und das findet mit tödlichem Ausgang auch mehr als doppelt so häufig statt wie tödliche Fahrradunfälle. Ich weiß nicht, was daran so schwer zu verstehen ist. Der Ablauf eines Treppensturzes ist jedenfalls viel einfacher nachzuvollziehen als Ihr höchst merkwürdiges Fahrradunfallszenario. “Auf dem Asphalt” prallen Sie nämlich schädelbrechend mit der vertikalen Geschwindigkeitskomponente auf und nicht mit der horizontalen von 25 bis 30 km/h oder was auch immer; damit letztere entsprechend wirksam wird, müßten Sie beispielsweise gegen einen Pfosten fahren, wie sie beispielsweise auf angeblich sicheren Radwegen mitunter anzutreffen sind. Sie haben aber insofern recht, als das Thema Fahrradhelm in einer wirklich erstaunlichen Weise regelmäßig zum Anlaß genommen wird, die offenbar eng gesteckten Grenzen des eigenen Denkvermögens darzustellen.

  36. #36 Sven Türpe
    17. Juni 2013

    “Das wäre ja so als ob ein Gericht Homöopathie zur Medizin erklärt, weil genügend viele Menschen dran glauben.”

    HTH

    (So viele sind es übrigens gar nicht, die einen Helm aufsetzen.)

  37. #37 Dagda
    17. Juni 2013

    @ Andreas

    Was ist daran erstaunlich? Die Frau trug keinen Helm, den hätte sie tragen sollen, damit trägt sie an der schwere des Unfalls. Nicht erstaunlich sondern folgerichtig

  38. #38 sumo
    17. Juni 2013

    vor einigen Monaten hatten wir diese Diskussion hier bei den scienceblogs schon mal, die Frage Helm ja–Helm nein kommt alle Jahre wieder aufs Tapet, und das nicht nur hier, sondern bei MTB-Foren und ähnlichen Seiten. Ich habe den Eindruck, als daß sich die beiden Seiten unversöhnlich gegenüberstehen, einerseits diejenigen, die sich ohne Helm in den typischen Verkehrsdarwinismus stürzen, andererseits die anderen, die ihren Helm immer aufsetzen.
    Ich bin zwar jemand, der sich gerne von seriösen Studien leiten läßt, allerdings kann ich die bisherigen Studien pro/contra Helm nicht ordentlich beurteilen. Zusätzlich kommt dazu, daß ich durch anekdotische Erfahrungen zur (persönlichen)Überzeugung gelangte, daß ein Helm mich schützen kann.
    Ich fahre recht viel Rad (2012 etwa 7000km), davon den größten Teil im Berliner Stadtverkehr. Wenn ich keinen Helm getragen hätte, wäre ich mehrfach schwerer verletzt worden, als es mit Helm passierte. Das wäre eine statistische Ungenauigkeit, die in den Studien nicht erfaßt werden kann, nämlich die Anzahl der Unfälle, bei denen die Radler wegen eines Helms eben nicht so stark verletzt worden sind, daß sie in ein Krankenhaus hätten gehen müssen.
    Das alles aber hat für mich nichts damit zu tun, daß eine HelmPFLICHT angesagt wäre. Ich bin gegen eine Helmpflicht, es sollte ein jeder für sich entscheiden dürfen. probleme sehe ich da nur, wenn Familien mit Kindern unterwegs sind, Papi und Mami ohne Helm Kinder tragen einen Helm. Ich finde es nicht richtig, aber auch das wäre eine Entscheidung, die man nicht per Gesetz/Verordnung lösen kann.

  39. #39 Sven Türpe
    17. Juni 2013

    @Dagda:

    “Die Frau trug einen kurzen Rock. Sie hätte einen längeren tragen sollen, damit trägt sie eine Mitschuld an der Vergewaltigung. Nicht erstaunlich, sondern folgerichtig.” — würdes Du diese Aussage auch vertreten?

    “Die Autofahrerin trug keinen Helm, den hätte sie tragen sollen, …” — dto.

  40. #40 Dagda
    17. Juni 2013

    @ Sven Türpe

    Hä? Äh nö, dass eine ist ein Verhalten zur Risikprävention, dass andere Unsinn.
    Wenn ich keinen Helm trage und mit dem Fahrrad in einen Unfall verwickelt werde trage ich an den erlittenen Verletzungen eine Mitschuld, das gilt genauso für z.B. Motoradfahrer oder In-Line-Skater.
    Der Rock hat mit dem Risiko vergewaltigt zu werden nichts zu tun, dass ist eine Ente

  41. #41 Dagda
    17. Juni 2013

    @ Sven Türpe

    Hä? Äh nö, dass eine ist ein Verhalten zur Risikprävention, dass andere Unsinn.
    Wenn ich keinen Helm trage und mit dem Fahrrad in einen Unfall verwickelt werde trage ich an den erlittenen Verletzungen eine Mitschuld, das gilt genauso für z.B. Motoradfahrer oder In-Line-Skater.

  42. #42 Leibgedinge
    17. Juni 2013

    Sagt mal, habt ihr hoffentlich auch eine Sicherheitsfahne am Rad montiert, damit ihr vom Traktor- und LKW-Fahrer gesehen werdet, wenn ihr hinter der Hecke angeschossen kommt? Ihr wisst sicherlich, dass Radfahrer ohne Sicherheitsfahne selbst daran schuld sind überrollt zu werden. Natürlich ist so eine Sicherheitsfahne jedem freigestellt, aber Radfahrer sollten auch an die LKW- und Traktoren-Fahrer denken, die, obwohl unschuldig, mit der bedrückenden moralischen Schuld leben müssen. Also, Helm auf und Fahne dran – oder den Drahtesel einstampfen lassen!

  43. #43 michael
    18. Juni 2013

    > Ich bin gegen eine Helmpflicht, es

    Nun, das Oberlandesgericht hat heute entschieden, dass unbehelmte Radfahrer sich an den Behandlungskosten beteiligen müßen.

    http://www.spiegel.de/auto/aktuell/unfall-richter-geben-fahrradfahrerin-ohne-helm-mitschuld-a-906194.html

  44. #44 Sven Türpe
    18. Juni 2013

    Wenn ich keinen Helm trage und mit dem Fahrrad in einen Unfall verwickelt werde trage ich an den erlittenen Verletzungen eine Mitschuld, das gilt genauso für z.B. Motoradfahrer oder In-Line-Skater.

    Und wenn jemand auf Dich schießt und Du hast keine Weste an und keinen Stahlhelm auf?

  45. #45 Sven Türpe
    18. Juni 2013

    @sumo:

    Ich fahre recht viel Rad (2012 etwa 7000km), davon den größten Teil im Berliner Stadtverkehr. Wenn ich keinen Helm getragen hätte, wäre ich mehrfach schwerer verletzt worden, als es mit Helm passierte.

    Du hast eine fürwahr erstaunliche Beobachtung gemacht. Ich fahre seit ungefähr drei Jahrzehnten Rad. Wieviele Kilometer ich in meiner wilden Jugend zurückgelegt habe, ist nicht überliefert. Seit ich vor einigen Jahren nach einer Pause wieder angefangen habe, waren es ca. 25.000 — etwa 5.000 pro Jahr auf urbanen Alltagsfahrten. In den drei komplett unbehelmten Jahrzehnten habe ich mir beim Radfahren keine einzige Kopfverletzung zugezogen (bei anderen Aktivitäten allerdings mindestens zwei) und auf den letzten 25.000km habe ich zwar ein Fahrrad verschlissen, bin aber kein einziges Mal unfreiwillig abgestiegen. Hast Du eine Idee, welche Umstände dazu führen könnten, dass Du offenbar einer anderen Risikoklasse angehörst als ich?

  46. #46 Adent
    18. Juni 2013

    @Dagda
    Und was ist mit Fußgängern ohne Helm, die von einem Auto/Motorrad oder Fahrrad umgesemmelt werden, mit dem Kopf auf den Asphalt schlagen, haben die auch eine Mitschuld?
    Dieses Urteil ist einfach nur krank, wenn ich den Artikel richtig gelesen habe ging es da wieder mal um den Fall, daß eine unachtsam geöffnete Autotür einen Fahrradfahrer abschiesst. Wie weiter oben schon diskutiert wurde bekommt da der Fahrradfahrer nicht sowieso schon eine Mitschuld weil er zu dicht an den parkenden Autos war?
    Wenn dem so ist, dann ist das ebenfalls ziemlich krank.
    Ich bin nicht gegen das Tragen von Helmen auf dem Fahrrad, aber eine Pflicht dafür sehe ich ebenfalls nicht. Was ich als reinen Trick der Versicherungen sehe nicht zahlen zu müssen sind solche Urteile wie die Mitschuld beim Nicht tragen eines Helms obwohl es dafür keine Vorschrift gibt.

  47. #47 Eheran
    18. Juni 2013

    “was ist mit Fußgängern ohne Helm, die […] umgesemmelt werden”
    Ganz einfach: Wer am Verkehr teilnimmt hat eine Teilschuld.
    So ist hier jedenfalls die Sichweise von einigen.
    Warum diese dann nicht auch, wie oben gesagt, noch Fähnchen am Rad haben sowie Warnweste, Arm und Beinschutz, ist fraglich.
    Würde alles Unfälle vermeiden bzw. die Folgen mildern.
    Die Argumente sind die gleichen.

    Ob ich vom Fahrrad falle und auf dem Boden aufschlage, beim Gehen hinfliege und aufschlage, die Treppe runter fliege oder von einem Auto erfasst werde und dort irgendwo draufknalle (alles mit dem Kopf) spielt für die Kopfverletzung keine Rolle – Helmpflich!
    Aber am besten bleibt man direkt zuhause, dann passiert einem kein Verkehrsunfall.
    Derlei Frechheiten:
    “ob da nicht ein paar Leute hier schon öfter mit dem Schädel angestoßen sind …”
    Muss man sich dann aber immernoch antun.

    PS: Beim Motorradfahren ist übrigens nur der Helm pflicht, kein Schutzanzug o.ä.

  48. #48 Dagda
    18. Juni 2013

    @ Ardent

    Entscheidend sind doch für das Urteil zwei Dinge: Fahrradhelme werden zur Unfallfolgenvermeidung empfohlen
    Die klagende Fahrradfahrerin trug keinen Fahrradhelm

  49. #49 Adent
    18. Juni 2013

    @Dagda
    Das mag in deiner Sichtweise so sein, in meiner nicht. Wer empfiehlt denn da was und auf Grund welcher Datenlage? Das ist so ein bischen irrsinnig wie das Alkoholverbot (oder nicht) am Steuer. Zum einen bekomme ich erst ein Bußgeld wenn ich 0,5 Promille habe, zum anderen bekomme ich immer Mitschuld auch wenn ich bei 0,1-0,49 Promille liege.
    Fakt ist doch, daß jeglicher Alkohol (und andere Dinge) die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt (beim einen mehr, beim anderen weniger), warum also kein Alkoholverbot am Steuer und warum keine Helmpflicht, dann wäre das Ganze geklärt? Stattdessen diese windelweiche Juristenschmiererei, keine Helpflicht, ja aber blabla weil der Fahrradfahrer einem besonderen Risiko ausgesetzt ist bla bla.
    Werden eigentlich mehr Fahrradfahrer oder mehr Fußgänger von Autos verletzt, weiß das jemand?

  50. #50 Dagda
    18. Juni 2013

    @ Ardent

    Was hat die Anzahl der Fußgänger oder Radfahrer die von Autos verletzt werden mit dem Sinn oder Unsinn von Helmen zu tun? (Vermutlich mehr Fußgänger (davon gibt es einfach mehr))
    Helme schützen Fahrradfahrer, da gibt es keinen wissenschaftlich vernünftigen Zweifel dran. Unklar ist ob eine Helmpflicht sinnvoll ist, da dann auch andere Mechanismen eine Rolle spielen (Risikoverhalten etc. pp)