Als ich gelesen habe, dass jemand 350.000 Dollar für das Recht gezahlt hat, ein Spitzmaulnashorn in Namibia abzuschießen, war ich auch erst mal empört. Weil ich gegen die Jagd als “Sport” generell bin (also gegen das Töten von Wildtieren zum Vergnügen, nicht gegen das Töten zur Bestandskontrolle), und speziell weil das Spitzmaulnashorn zu den bedrohtesten Tierarten der Welt zählt. Wie kann an da auf die Idee kommen, eines zum Spaß abknallen zu wollen? Nachdem ich diesen Leitartikel von Richard Conniff (einem freien Journalisten und Autor, mit dem ich gelegentlich mal in Kontakt war) in der New York Times gelesen habe, sehe ich die Sache aber differenzierter: A Trophy Hunt That’s Good for Rhinos. Es ist in der Tat durchaus denkbar, dass dieser Abschuss – für den ein altes, nicht mehr fortpflanzungsfähiges Männchen ausgesucht werden soll – den Artenschutzbemühungen in Namibia enorm hilft. Was meint Ihr als LeserInnen dazu?A
Foto: Karl Stromayer (U.S. Fish and Wildlife Service) via Wikimedia Commons (public domain)

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Kommentare (11)

  1. #1 Bettina Wurche
    22. Januar 2014

    Ich habe von dem Verkauf der Abschussgenehmigung gehört und fand es absolut abstoßend. Allerdings sowohl die Absicht zum Abschuss als auch den Medienhype darum.
    Danke für die Hintergrund-Info.
    Ich hatte auch den Eindruck, dass Namibia seinen Teil an “Wildnis” sorgfältig und verantwortungsbewußt managt und dieser sehr kontrollierte Abschuss ist offenbar Teil dieses großen Plans.

    Meine Meinung als Biologin:
    Auch ein angeblich (wissen wir das sicher?) nicht mehr fortpflanzungsfähiges Tier kann eine wichtige ökologische Rolle spielen, die wir gar nicht genau einschätzen können.

    Meine persönliche Meinung:
    Ich kann verstehen, wenn man ein Tier schießt, um es aufzuessen oder in Notwehr.
    Ein Tier nur für die Trophäe zu schießen, erscheint mir krank. Hobbyjagd für Trophäen lehne ich aus ganzen Herzen ab. (Vor Berufsjägern habe ich vollen Respekt, die meine ich hier nicht!)
    Dass diese Lizenz zum Abschuss nun von einem US-Amerikaner ersteigert wurde, bestätigt mal wieder meine Vorurteile gegen größere Teile der US-Bevölkerung, die ich für pervers schießgeil halte.
    (Selbstverständlich ist mir bewusst, dass auch in den USA genügend Leute leben, die genau so ein dämliches, archaisches Verhalten rundheraus ablehnen, wie unsere guten Freunde aus Südkalifonien).

  2. #2 Rotschopf
    22. Januar 2014

    Ich denke, jemand der bereit ist 350 000 Dollar fürs Töten eines Tiers zu bezahlen, findet mit Sicherheit jemand, der bereit ist, ihn dafür zu einem Nashorn zu führen. Man sollte dafür sorgen, dass er wenigstens zum richtigen findet (und das Geld auch seinen Weg in die passenden Hände findet).

  3. #3 KOzi
    22. Januar 2014

    Letztens lief eine doku, wo gesagt wurde, dass trotz bestandskontrolle in deutschland immer mehr wild rumläuft. wie das sein kann? arbeiten die jäger etwa nicht? doch, und zwar füttern sie die tiere, damit sie noch mehr zum schiessen haben!

  4. #4 Katja
    22. Januar 2014

    Für mich liest es sich wie “der Zweck heiligt die Mittel”, dem ich absolut nicht zustimme.
    Über immer mehr jagdbares Wild in DE kann man hier einiges nachlesen, es scheint Hand und Fuß zu haben, wenn ich mich auch noch weiter informieren muss.
    (http://www.wasjaegerverschweigen.de/)

  5. #5 Ralph
    23. Januar 2014

    Wikipedia:
    “Im Jahr 2010 wurde in Afrika wieder ein Bestand von 4.800 Spitzmaulnashörnern registriert. Vor allem die Populationen in Südafrika und Namibia tragen zum Gesamtbestand bei, da in den dortigen Nationalparks Schutzmaßnahmen wirklich greifen und damit der Bestand des Spitzmaulnashorns wieder wächst. Allerdings wurde auch dort eine Zunahme der Wilderei festgestellt, der allein im Jahr 2010 über 300 Breit- und Spitzmaulnashörner zum Opfer fielen. Insgesamt wird das Spitzmaulnashorn von der IUCN als „vom Aussterben bedroht“eingestuft.°

    Zweck: Bereitstellen finanzieller Mitteln zum Schutz des Spitzmaulnashornbestands vor Wilderei.
    Mittel: Abschuss eines nicht mehr forpflanzungsfähigen Männchens.

    Selbstberständlich!

  6. #6 ania
    23. Januar 2014

    1. Reaktion: Eine Nashornjagd ersteigern? Aber die sind doch eine bedrohte Spezies. = Böse
    2. Reaktion (nach Bekanntmachung der Fakten): Ist ok, Geld wird ja gut eingesetzt und Abschuß gefährdet nicht die Population.
    Folgende Gedanken:
    Geldmangel der Schutzbehörde ist ein Problem.
    Wilderer sind ein Problem.
    Wilderer gehören nicht zu einer bedrohten Spezies.
    Für die Erlaubnis, einen Wilderer zu töten würde sicher ein noch höherer Preis gezahlt.
    Also wäre das doch eine gute Idee, die noch besser dem Schutz der Nashörner dienen würde.
    Oder?

    Schwere Frage!

  7. #7 Hobbes
    23. Januar 2014

    Das schießen einer bedrohten Tierart ist ein No-go. Sicherlich ist es möglich das es dem Tierschutz hilft, denn so kommt das Geld in die richtigen Kanäle und ein Tier welches nicht mehr effektiv zum Fortbestand der Rasse beitragen kann, muss man gerade bei gefährdeten Arten, als nachrangig im Vergleich zum Finanzierungsproblem sehen. Allerdings sehe ich es ähnlich, wie bei der Beschlagnahmung von Elfenbein etc.. Das Zeug wird nicht verkauft und der Erlös gespendet, weil es eine Legitimation der Wilderei darstellt. Zum einen ist allein das legale Vorhandensein der Trophäe ein Hindernis bei der Bekämpfung der illegalen Bestände. Zum anderen, entsteht dadurch eine Legitimation bei allen die es sich nicht leisten können 350.000€ für so etwas zu berappen. Nämlich die Aussage: “Die da oben machen das doch auch”. Was auch nachvollziehbar ist, denn wenn ein reicher Ausländer hier hin kommt und etwas macht wofür ich erschossen werden könnte, würde das meinem Gerechtigkeitsempfinden zu wieder laufen. (Gerade wenn es nicht möglich ist sich objektiv über die Sinnhaftigkeit zu informieren)

    @KOzi:
    sie meinen Wahrscheinlich:
    “Jäger in der Falle” vom ZDF.
    Ein mieser, unterirdischer “Bericht” der reine Propaganda ist. Das war eine der größten Entgleisungen des ZDFs der letzten Jahre. In 25 Minuten wurden da 30 tendenziöse Darstellungen oder gar dreiste Lügen eingebaut.
    Hier die Reaktion des Jägers der Interviewt wurde:
    http://blog.natuerlich-jagd.de/offener-brief-zur-zdf-doku-%E2%80%9Ejager-in-der-falle/
    Gerade im Naturschutz muss man aufpassen nicht auf solche Weltfremden Extremisten herein zu fallen.
    (Paradebeispiel ist hier immer noch die PETA)

  8. #8 Earonn
    23. Januar 2014

    Ich sehe die Aktion ebenfalls kritisch.
    Auch wenn der Abschuss die Population nicht sehr schädigt

    a) kann auch ein altes Tier noch einen anderen Nutzen für die Gruppe haben
    b) es weckt Begehrlichkeiten. Wenn keiner ein ‘selbstgeschossenes Rhino’ an der Wand hat, wächst sich der Bedarf (hoffentlich) eines Tages aus, so wie wir keine Mumien-Auswickelparties mehr veranstalten wollen.
    Aber wenn der Jäger stolz seine Trophäe rumzeigt, werden einige seiner Freunde so was auch haben wollen. Nun gibt es aber nicht genug alte Männchen. Was werden diese Leute tun? 90% von ihnen werden die Schultern zucken und sich damit abfinden. Die restlichen 10% schalten in den A-loch-Modus und schießen illegal oder kaufen gewilderte Trophäen.

  9. #9 Ralph
    23. Januar 2014

    Das Problem sind nicht Trophäenjäger, sondern Wilderer, Verbund mit der enormen Nachfrage reicher Chinesen nach dem Horn. Es gilt in China als Potenzmittel und wird dort mit Gold aufgewogen.
    Es geht darum, den Wilderern Einhalt zu gebieten.

  10. #11 Randifan
    31. Januar 2014

    Rein rational gesehen, sollte es angesichts der vielen Millionen Nutztiere, die jeden Tag geschlachtet werden, ob ein Nashorn abgeschossen wird. Andererseits finde ich es sehr absurd, wie viel Geld ein Mensch bereit ist, ein Tiere mit einem großkalibrigen Gewehr einfach abzuknallen, um eine Trophäe an der Wand hängen zu sehen. Dies vermute ich erst einmal.