Klingt eher nach einer Boulevard-Schlagzeile, und als jemand, der generell Wein bevorzugt, sehe ich solche Meldungen sowieso eher mit Skepsis. Sei’s drum, Lebensmittelforscher um den Brau-Professor Charles Bamforth vom Institut für Lebensmittelforschung und -Technologie der University of California in Davis haben’s erforscht, dass Bier aus Gerstenmalz eine “signifikante Quelle für diätetisches Silizium” und damit ein wirksames Vorbeugemittel gegen Osteoporose ist, und das Fachmagazin Journals of the Science of Food and Agriculture hat’s veröffentlicht. Dass Bamforths Lehrstuhl von der Großbrauerei Anheuser Busch finanziert wird, tut hier gewiss nichts zur Sache, oder?


Demnach hat vor allem helles (“blondes”) Gerstenmalz – Weißbiertrinker stehen hier leider auf dem Schlauch – einen hohen Anteil von biologisch verfügbarem Silizium, in der Form von Monokieselsäure (musste ich erst mal nachschlagen, was das ist …); dunklere Malzsorten, vor allem, wenn sie durch Röstung einem Hitzestress ausgesetzt waren, haben dagegen einen geringeren Kieselsäure-Gehalt. Der Hopfen wäre grundsätzlich ein noch besserer Kieselsäure-Lieferant (etwa vier mal so viel pro Volumen wie Malz), wird aber in vergleichweise geringer Menge beim Brauen eingesetzt – das Malz ist also, was uns die Knochen erhalts … ‘tschuldigung, manchmal fehlt es mir hier am nötigen Bierernst, fürchte ich.

Bei der Untersuchung von 100 handelsüblichen Biersorten fand Bamforth zwischen 6,4 und 56,5 Milligramm Silizium pro Liter. Aber was genau für diese Unterschiede verantwortlich ist, kann er noch nicht sagen: “Die Faktoren beim Brauvorgang, die auf den Siliziumspiegel in Bier einwirken, sind bisher nicht ausgiebig studiert worden.” Aber ich bin mir sicher, dass echte Biertrinker sich über diese Forschungsdefizite nicht allzu sehr grämen werden – die sind nach “… gut für die Knochen” sicher sowieso schon zum nächstgelegenen Kühlschrank gerannt.

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Kommentare (4)

  1. #1 Marc Scheloske
    9. Februar 2010

    Als ich gestern abend die Meldung las (Bier stärkt die Knochen), war das für mich eher ein Déjà-vu. Letztes Jahr gab es nämlich ganz ähnlich klingende Meldungen. Damals hatten spanische Forscher die Knochendichte von Frauen gemessen und dabei festgestellt, daß Biertrinkerinnen hier Vorteile hatten.

    Ich habe damals selbst kurz drüber gebloggt.

    Wobei die Sache mit dem Silizium eigentlich ein alter Hut ist, wenn mich nicht alles täuscht. Wieso die jetzt so einen Wirbel drum machen, verstehe ich nicht, da das einfach schon lange bekannt ist.

    Die positiven Effekte von Bier reichen aber (vermutlich) weit über das Silizium hinaus. Phyto-Östrogene sind ja ebenso enthalten (deshalb die spanische Studie mit Frauen). Und auch dem Hopfenbitterstoff Humulon (α-Lupulinsäure) wird knochenstärkende Wirkung attestiert.

    In diesem Sinne: Prost! 🙂

  2. #2 rolak
    9. Februar 2010

    diätetisches Silizium

    würde ich eher meinen Rechnern zugestehen. Die für mich wesentlichen Inhaltsstoffe des (hier alkoholfreien) Bieres sind 1. Geschmack (wg lecker) und 2. Hopfen (wg beruhigend). Alles darüber hinaus ist Bonus oder lästige Kalorien.

    Allgemein stehe ich Studien sehr skeptisch gegenüber, die irgendwelchen schon gar nicht mehr als Droge wahrgenommenen Standard-Drogen-Darreichungsformen [Klammerung nach Wahl] ungemein positive Wirkungen zuschreiben.

  3. #3 projectofhope
    9. Februar 2010

    Dieser Beitrag verdient dem Blog einzig den Namen: Pseudoscience!
    Ich meine, dass es als peinlich gelten sollte sich über Studien der Alkoholindustrie sich überhaupt zu äussern.

  4. #4 Redfox
    10. Februar 2010

    @projectofhope

    Schalte deinen Ironiedetektor doch mal ein und lies dir

    Dass Bamforths Lehrstuhl von der Großbrauerei Anheuser Busch finanziert wird, tut hier gewiss nichts zur Sache, oder?

    noch mal durch.