Neue Medien

Offenkundig werden solche Debatten, in denen es dann meist nicht mehr um die eigentlichen inhaltlichen Fragen geht, vor allem durch die (inzwischen nicht mehr ganz so neuen) sozialen Medien befeuert, inzwischen auch in Deutschland. YouTube-Kanäle, in denen der Untergang des deutschen Bildungssystems und speziell des Mathematikunterrichts beklagt wird, haben zehntausende Aufrufe und hunderte Zuschauerkommentare, die dann beispielsweise beklagen, dass “Ansprüche nach unten geschraubt” würden, um “eine Quote zu erreichen”, oder die ihren allgemeinen Weltfrust mit dem Thema Mathematikunterricht verbinden, etwa indem sie sich darüber beklagen, dass in den neuen Mathematikbüchern der Gymnasien bevorzugt nichtdeutsche Namen vorkommen würden. Sehr häufig geht es dann ganz allgemein darum, dass früher alles anders und besser war. Ein typisches Beispiel eines Zuschauerkommentars vom 1. Februar unter einer Sendung “Deutschland verlernt das Denken – Mathematikprofessor nennt die Schuldigen” der YouTuberin Jasmin Kosubek:

Als alter Mathematiklehrer (seit 12 J. pens.) möchte ich dem Hr. Prof. meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen für die zutreffende Beschreibung des dt. Schulsystems. Es waren nicht Mathematiker und Naturwissenschaftler, die diese Katastrophe verursacht haben. Es waren die Politiker, und sie ruinieren immer noch!

Viele der Zuschauerkommentare unter solchen Videos haben einen ähnlichen Tenor.

Mathematik neu denken

In Deutschland waren Reformen des Mathematikunterrichts meist unabhängig von politischen Diskussionen zum Schulsystem. Während letztere traditionell mal einen Schwerpunkt in der Frage Einheitsschule versus dreigliedriges Schulsystem hatten, war in der Mathematik nach meinem Eindruck der Reformeifer bei der Lehrerbildung für den gymnasialen Unterricht immer deutlich größer als bei den anderen Schultypen.

Ältere Leser werden sich erinnern, dass nach dem ersten PISA-Schock viel über Änderungen im Mathematikunterricht gesprochen wurde. Obwohl Deutschland damals vor allem bei den anderen Schultypen schlecht abschnitt, sollte dann zunächst die Ausbildung der Gymnasiallehrer reformiert werden, unter dem Schlagwort “Mathematik Neu Denken”.

Der Name nahm offenkundig Bezug auf Hartmut von Hentig (“Die Schule neu denken”), und auch inhaltlich wirkten die Programme eher wie von Altphilologen verfaßt als von den heute in sozialen Medien gemeinhin Verdächtigten, also etwa Kämpfern für Quoten oder soziale Gerechtigkeit. Ganz offensichtlich ging es eher darum, die Abgrenzung der Gymnasiallehrerausbildung zu anderen Schultypen beizubehalten und gleichzeitig eine Abgrenzung zum “gewöhnlichen” Mathematikstudium herzustellen. Trotz der im Namen erkennbaren Bezugnahme auf von Hentig ging es primär um einen Paradigmenwechsel in der Lehrerausbildung und weniger um Änderungen an Schulen.

Screenshot

Das klang natürlich alles sehr schön. Im Detail wirkten die Empfehlungen aber schon damals konfus und wenig durchdacht:

Screenshot

Ich finde keinen dieser Vorschläge wirklich sinnvoll und ich weiß auch nicht, ob es irgendwelche seriösen Untersuchungen dazu gibt, wie sich diese oder andere Reformideen der letzten 20 Jahre auf die Lehrerbildung und dann den Schulunterricht ausgewirkt haben.

Schulbücher

Im Vergleich zu meiner Schulzeit sind Lehrbücher heute nicht nur bunter und lockerer, sondern auch inhaltsreicher und weniger eintönig. Als Mathematiker bedauert man natürlich, dass das, was wir eigentlich unter Mathematik verstehen, kaum noch vorkommt. Klassische Elementargeometrie scheint weitgehend verdrängt worden zu sein, Beweise unerwünscht, selbst dort, wo sie sich anschaulich und verständlich präsentieren ließen. Bei dem unten abgebildeten Beispiel hat man den Eindruck, dass die Autoren um jeden Preis den Eindruck vermeiden wollten, einen formalen Beweis zu präsentieren, obwohl alle Ingredienzen für den Beweis ja im Bild bereits vorkommen. (Man müsste noch den roten Winkel nach rechts drehen und den grünen nach links, so dass man eine zur Grundseite parallele Gerade bekommt.)

Screenshot

(Dieses Beispiel aus einem realen Schulbuch habe ich von der Webseite von Prof. Hermann Karcher, Bonn, wo sich zahlreiche kritische Texte zur Schulmathematik und zu aktuellen Lehrbüchern finden.)

Und auch in der Differentialrechnung werden formale Definitionen (etwa zu Grenzwerten) krampfhaft vermieden. Zum Beispiel führt ein Schulbuch Mathematik für das 11. Schuljahr den Begriff Stetigkeit im Abschnitt über Zwischenwerte ein:

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Kommentare (43)

  1. #1 NI= natürliche Intelligenz
    14. Februar 2026

    Ein Chirurg lässt sich von einem Politiker nicht vorschreiben, wie er den Blinddarm entfernen soll.

    Ein Mathematiklehrer in der Grundschule wird sich nicht vorschreiben lassen, wie Kinder das Rechnen erlernen sollen. Das ist nämlich neben der Geometrie das Ziel der Grundschule. Die Kinder sollen die vier Grundrechenarten + , – , mal und geteilt erlernen.

    Die schwierigste Art ist die schriftliche Division, die auf der Zerlegung einer Zahl in Einer, Zehner, Hunderter usw. beruht und mit der Einführung des Kommas die Ganzen von den Dezimalbrüchen trennt.
    Für den Lehrer ist die Beherrschung dieser schriftlichen Division sozusagen der Beweis, dass der Schüler für eine weiterführende Schularart geeignet ist.
    Erschwerend kommt hinzu, dass in anderen Ländern die Form der schriftlichen Division von der in Deutschland üblichen abweichen kann.
    Weiters dazu : https://www.uni-due.de/imperia/md/content/prodaz/schriftliche_rechenverfahren_international_2018.pdf

    Wer an diesem bewährten System rüttelt , es vereinfachen will, der tut den Schülern keinen Gefallen.
    Und….wenn die Hybris der Landesregierungen tatsächlich diesen Fehler begehen sollten und die Lehrbücher danach ausrichten,, dann wird es schwierig.

    Anmerkung: Die halbschriftliche Division ist nichts Neues, die macht der Lehrer , wenn er im Kopf dividieren lässt. Die stellt eine Konzentrationsübung dar, und wenn der Schüler die beherscht, dann ist die schriftliche Division nur noch Übungssache.
    Fazit: Da will sich wieder mal eine Partei profilieren, deren Sprecher nichts von Grundschulmathematik verstehen.

  2. #2 Rene Grothmann
    Eichstätt
    15. Februar 2026

    Dafür, dass die Schüler später nie mehr schriftlich dividieren, ist das ein aufgebauschtes Randthema. Ich war 45 Jahre lang Mathematiker, Professor gar, und kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte mal schriftlich Zahlen dividiert habe. Kalküle sind völlig uninteressant, uns sollten im Schulunterricht möglichst wenig Platz einnehmen. Lehrer berichten mir immer wieder, dass sie nur dazu da sind, den schlechteren Schülern auch eine Chance zu geben.

  3. #3 Ludger
    15. Februar 2026

    Ich kann die Argumente für oder gegen die Lehrplanänderung bei der schriftlichen Division nachvollziehen. Beide Modelle werden im jeweiligen Bundesland funktionieren. Ich finde es aber problematisch, wenn die Bundesländer ihre Lehrpläne nicht miteinander abstimmen. Das führt zu Problemen bei Kindern, die in ein anderes Bundesland umziehen müssen. Langfristig führt es auch zu ungerechten Numerus Clausus Effekten bei Abiturienten aus verschiedenen Bundesländern.

  4. #4 NI
    15. Februar 2026

    R. Grothmann
    Ein aufgebauschtes Randthema. Logisch betrachtet stimmt das für einen mathematisch denkenden Leser.

    Für den “Dorfbub” stimmt das nicht, denn was in der Grundschule gelernt wird ist Rechnen nicht Mathematik.
    Und wenn der Dorfbub dann auch noch das Bundesland wechselt, und dort im 5. Schuljahr nicht weiß .wie man schriftlich teilt, dann wird er von den Mitschülern ausgelacht, denn die können das schon.
    Ludger hat das auch als Argument angemerkt.
    Und praktisch…….hier wird das schriftliche Teilen in die nächste Klassenstufe verlagert,mit der Folge, dass denen die Zeit fehlt das fehlende Wissen nachzuholen.

    Das Argument, dass man schriftliches Teilen nicht braucht, das stimmt auch nicht. Ich habe schon oft den Taschenrechner verlegt und dann mal schnell mit der Hand geteilt.

    Ludger, du sprichst von zwei Modellen, sehr gut.
    Und wenn man jetzt mal kurz überprüft, welches Modell leichter ist, dann wird man auch erkennen, es ist die schriftliche Division.
    Bei Teilen durch Zerlegen man nämlich schon vorher wissen, ob die Zerlegung möglich ist. Beim schriftlichen Teilen braucht man das nicht.
    Beispiel : 245 : 7 =
    Beim Zerlegen wird der Dorfbub versuchen 200 durch 7 zu teilen, was nicht geht. Und wenn er dann erkennt, dass man in 210 und 35 zerlegen muss, dann ist er auch intelligent genug gleich schriftlich zu dividieren.
    Und……schriftliches Dividieren geht schneller für einen Menschen, der sonst mit Mathematik wenig zu tun hat.

  5. #5 Oliver Gabath
    15. Februar 2026

    Ich hab drei Taschenrechner. Von einem ahne ich den Standort, die andern sind irgendwo. Die Zeitpunkte, an denen ich nicht mit einem Gerät mit Rechnerfunktion im selben Raum bin, könnte ich im Kalender anstreichen. Mit minutengenauer Uhrzeit. “Du hast nicht immer einen Taschenrechner zur Hand” ist in der Jetztzeit kein Argument mehr, sondern ein Bonmot.

    Wenn, dann überaschlage ich im Kopf. Und meine typische Lösungsstrategie ist ziemlich nahe am halbschriftlichen Dividieren. Ich kann schriftlich dividieren, aber ich weiss nicht, wann ich es das letzte mal gemacht hätte. Wahrscheinlich, weil ich dachte “Och, das mamma jetzt mal”.

    Ich mag am halbschriftlichen Dividieren, dass es eben kein reiner Algorithmus ist, sondern man auch ein Gefühl für die Zahlen entwickeln muss. Das brauche ich bei meiner täglichen Arbeit tatsächlich ständig. Und das wünschte ich, hätte ich schon früher gelernt und würden junge Ingenieure von der Schule mitbringen. Ich weiss, wie lange ich gebraucht habe, um es zu entwickeln.

    Seit des coronabedingten online-Unterrichts und der plötzlichen Konfrontation vieler Eltern mit ihrem nicht-mehr-Wissen, was ihre Kinder in der Schule eigentlich tun, bin ich auch ziemlich desillusioniert darüber, was von der Schule an Algorithmen nach ein paar Jahren noch hängen bleibt, weil man den Großteil im späteren Leben einfach wirklich nicht mehr braucht.

  6. #6 NI
    15. Februar 2026

    zu #5 Oliver G.
    “weil man den Großteil im späteren Leben einfach wirklich nicht mehr braucht.”

    Mittlerweile sind großräumige Netzzusammenbrüche keine Seltenheit mehr und wir wissen nicht, welche Überraschungen noch über uns zusammenbrechen, also, was man gelernt hat, lässt sich schnell wieder aktualisieren. Wir mussten z.B. noch Stenografie lernen, und…..wenn das web einmal zusammenbricht, dann schreiben wir wieder in Steno.
    Du fährst ja auch nicht ohne Bordwerkzeug mit dem Auto herum, ich betrachte manuelle Rechenverfahren als das Bordwerkzeug der Industriegesellschaft.

  7. #7 Oliver Gabath
    15. Februar 2026

    “Gerät mit Rechnerfunktion” schließt jede Menge nicht-Netzwerkgeräte ein. Wir können natürlich davon ausgehen, dass auch die nicht funktioneren, aber dann fangen wir langsam an, über eine Welt ohne Elektrizität zu reden.

    Ich bin zurzeit und schon seit vielen Jahren aktiver Gestalter der Industriegesellschaft, auf allen Ebenen bis zum Projektleiter. Was wir brauchen ist ein Gefühl für die Sache, Abstraktions- und Improvisationsfähigkeit. Das ist es, was wir jungen Menschen beibringen sollten, nicht ein bestimmter Algorithmus. Viele Wege führen nachn Rom.

    Halbschriftliches Dividieren ist völlig in Ordnung. Hat sogar den Charme, dass vergleichbar einfaches Multiplizieren fast automatisch dabei rausfällt.

  8. #8 NI
    15. Februar 2026

    Oliver G.
    “aber dann fangen wir langsam an, über eine Welt ohne Elektrizität zu reden.”

    Richtig und dann sind wieder die Kulturtechniken gefragt, wie Häkeln und Stricken auch Kochen und Einkochen , die werden auch gerade im Schulunterricht .wegrationalisiert. Das wirklich Gefährliche ist dabei der Glaube der Politik, dass alles machbar sei.
    ein einziger Sonnensturm, der die GPS-Satelliten beschädigt, reicht aus , um unsere Improvisitationsfähigkeit zu testen.Ist schon etwas off topic, trotzdem sollte man darüber nachdenken.

  9. #9 Oliver Gabath
    15. Februar 2026

    Also geht es gar nicht so sehr ums halbschriftliche Dividieren, sondern, dass wir jungen Menschen nicht mehr beibringen, was zu anderen Zeiten notwendig war?

  10. #10 NI
    Stuttgart
    16. Februar 2026

    Oliver G. “andere Zeiten”
    Die Wiederabschaffung der Mengenlehre sollte uns eine Warnung sein. Damit hat man auch die Aussagenlogik aus der Schule verbannt, man hat der IT ein Standbein entzogen, Elektronikbausteine , bei denen wir einmal mit führend waren werden jetzt in Asien produziert
    Man hat ohne zu denken die Batterietechnologie verkauft, die Solarzellentechnologie nicht unterstützt,
    man kapiert nicht, dass Europa nur führend bleiben kann, wenn es von seinen Schülern Leistung abverlangt.

  11. #11 Oliver Gabath
    16. Februar 2026

    Schon, aber Wirkleistung. Wenn jemand halbschriftlich dividiert und zum selben Ergebnis kommt ist das völlig in Ordnung. Auf den konkreten Algorithmus kommt’s nicht an, davon hängt das Ergebnis nicht ab.

  12. #12 NI
    16. Februar 2026

    Oliver G. Betreff: Wirkleistung
    Einverstanden, ein Abakus und seine Handhabung ist einer elektrischen Rechenmaschine ebenbürtig, braucht keinen Strom und trotzdem hat er sich in Europa nicht durchgesetzt. Das liegt daran, dass haptische Algoritmen ,dazu zählt auch das Binden eines Schuhes oder einer Krawatte ein “Kulturprodukt ” sind und damit einen Wert haben.
    Und…die Bundesländer wollen ja auch nur eine zeitliche Verlegung des schriftlichen Teilens in das 5. Schuljahr.
    Und…wenn du schon den Begriff “Leistung” verwendest, die Leistung ist nach 4 Grundschuljahren höher als nach 5 Schuljahren.
    Und….die Leistung unseres Schulsystem sinkt rapide, die Professoren an den Universitäten beklagen, dass ihren Eingangssemestern die Grundkenntnisse fehlen.

    Damit schließe ich, wir haben Rosenmontag und da ist die Wirkleistung des manuellen Teilens besonders gering. Bleib gesund und munter, das ist die Voraussetzung um andere Menschen motivieren zu können.

  13. #13 werner
    16. Februar 2026

    Wenn schon “für das Leben” gelehrt werden soll: Aus meiner Erfahrung heraus hätte ich mehr davon gehabt, statistische Methoden und ihre Anwendung zu lernen als Integralrechnung mit zwei Variablen. Ist schön, das mal gelernt zu haben, Statistik habe ich jedoch um Grössenbordnungen öfter benötigt.

  14. #14 NI
    16. Februar 2026

    #13 werner
    Du sprichtst die Schwachstelle jedes Bildungssystems an, man kann nur lehren, wenn man die Lehrer dazu hat.

    Statistik war zu meiner Zeit auch ein Fremdwort und um einmal das web zu loben, hier wird man auch .weitergebildet.

    Selbst die Bauern kennen den Spruch : Der Teufel schei.. auf den größten Haufen, ist auch statistisch.

  15. #15 Fluffy
    17. Februar 2026

    Mit der von 2027/28 greifenden Änderung wird an den Grundschulen hauptsächlich das sogenannte halbschriftliche Dividieren gelehrt, bei der die Zahlen in übersichtlichere Teilzahlen zerlegt und dann geteilt werden

    Als mathematikaffine Person hat mich das Problem zunächst überhaupt nicht verstanden. Ich mich dann im Internet geschaut, worum es sich bei dieser halbschriftlichen Division eigentlich handelt. Die Erklärungen haben mich in der Tat etwas verärgert, so nach dem Motto: “Kann man so machen, ist aber Kacke”. Zum einen werden meistens triviale Beispiele mit Divisionen durch einstellige Zahlen wir 2, 3, oder 5 gezeigt. Zum anderen kommt es bei der Division durch zweistellige Zahlen wie z.B. 12 schon zu Ambiguitäten, also Mehrdeutigkeiten, was die meisten Schüler garantiert konfus zurücklässt. So könnte ich die Aufgabe
    144 : 12 = ?
    auch folgendermaßen angehen.
    12 : 12 = 1
    Ich ziehe die 12 von 144 ab und behalte 132.
    Dann 12 : 12 = 1
    Ich ziehe die 12 von der 132 ab und behalte 120.

    Das ganze wiederhole ich insgesamt 12 mal und wenn ich mich nicht verzähle erhalte ich das Ergebnis 144 : 12 = 12
    Diese Vorgehensweise funktioniert bombensicher.
    Meine persönliche Schlussfolgerung: Diese halbschriftliche Division bringt den Kindern keine Vorteile. Was sollten Kinder Im Rechenunterricht lernen?
    * Das kleine Einmaleins von 1×1 bis 9×9. Das sind sind 55 Aufgaben.
    * Die Umkehrung, also die Divisionen aus der Tabelle. Das ist schon etwas aufwendiger.
    Wie lernt man das? Durch Auswendiglernen, also üben, üben, wiederholen. Dann klappt’s auch mit der schriftlichen Division.

    p.s. Wer als Lehrer mal Schüler “ärgern” möchte, stelle ihnen in einer Klassenarbeit bei der Taschenrechner erlaubt sind mal eine Aufgabe mit Division mit Rest. Das kann nämlich kein Taschenrechner…

  16. #16 NI
    17. Februar 2026

    Fluffy #15 Betreff : halbschriftliche Division
    Zustimmung ! Nochmal die gleiche Erklärung zum Abschreiben für eine KI, von der dann die Politiker ihre Weisheiten über Grundschulmthematik beziehen können.
    Übrigen, du hast eine Marktlücke entdeckt, Taschenrechner für Ganzzahlen nur für die Grundschule.

    Die halbschriftliche Division beruht auf dem Distributivgesetz also auf eine Zerlegung des Dividend in Teilsummen, in denen der Divisor als Faktor enthalten ist, wohlgemerkt ohne Rest.

    Die halbschriftliche Division wird schon im 2. Grundschuljahr eingeführt, nicht um einen Algoritmus zu lernen, sondern um einen Zahlbereich zu strukturieren.
    Um das Große Einmaleins kennenzulernen, um Größenvorstellungen von zweistelligen Zahlen zu bekommen, kurz, halbschriftlich dividieren tut man im Kopf, weil man erst prüfen muss ob der Divisor ohne Rest in der Teilsumme des Dividenden enthalten ist.
    Das schriftliche Hinschreiben dieser Zerlegung , die ist dann für die Schüler wichtig die nervös sind und nur ein kleines Kurzzeitgedächtnis haben, oder aber, weil es schön aussieht und eine Befriedigung verschafft.
    Anmerkung: Taschenrechnen vermittelt keine Befriedigung, Rechnen mit Taschenrechner ist langweilig.

  17. #17 Fluffy
    18. Februar 2026

    In #16 habe ich Sinn und Inhalt nicht verstanden.
    Um aber meine Meinung noch mal auf den Punkt zu bringen:
    Ich finde, die halbschriftliche Division ist überflüssig. Die guten Schüler werden sagen: “Was soll der Scheiß? Die normale Division ist einfacher und schneller. Ich brauch sie nicht. Die schlechteren Schüler werden mit der halbschriftlichen Division ähnlich überfordert, wie mit der normalen.

    Ach ja, noch folgendes! ich zitiere mal von oben:

    Niedersachsens Kultusministerin …
    «Damit legen wir den Grundstein, dass Kinder später auch richtig hochspringen und im Studium ganz neue eigene Modelle entwickeln können und vielleicht sogar mal einen Nobelpreis gewinnen.»

    Das grenzt für mich schon an Blasphemie – jetzt nicht grad im Sinne von Gotteslästerung, sondern im Sinne der ursprünglichen wörtlichen Übersetzung: Verhöhnung, Rufschädigung.
    « Oh! Er wurde Nobelpreisträger, weil er die halbschriftliche Division beherrschte! »

  18. #18 Staphylococcus rex
    18. Februar 2026

    Ich finde an dem halbschriftlichen Dividieren nichts verwerfliches. Im Netz wird als Beispiel 1584:6 genannt. Die Lösung kann man schnell auf zwei unterschiedlichen Wegen finden:

    Entweder man hält sich an die Dezimalstellen und zerlegt die Ursprungszahl in die Teilsummen 1200, 360 und 24 (wenn man von 1584 1200 abzieht bleibt der Rest 384, wenn man von 384 360 subtrahiert bleibt der Rest 24). Dann muss man nur noch 200+60+4 addieren und erhält das gewünschte Endergebnis.

    Oder man versucht es in zwei Teilschritten (wenn es das eigene Kopfrechnen hergibt), dann zerlegt man die Ursprungszahl in die Teilsummen 1500+84, dies bedeutet für das Endergebnis die Summe aus 250+14. Egal welchen Weg man geht, 1584:6=264.

    Ich habe in meiner Schulzeit noch den Umgang mit dem Rechenschieber lernen müssen und gebe zu, nach meinem Abitur habe ich dieses Werkzeug nicht mehr benutzt. Ich habe Verständnis dafür, dass die Lehrpläne (nicht nur für Mathematik) alle 10-15 Jahre auf den Prüfstand gehören. Viel wichtiger als das Erlernen eines Algorithmus ist es aus meiner Sicht das Erlernen grundlegender Kompetenzen im Umgang mit Zahlen. Und dies sollte bundesweit einheitlich sein, welche Kompetenzen in welchem Alter für die Zukunft erforderlich sind. Ob Integralrechnung zum Abitur gehört, kann man streiten, für MINT-Fächer eher ja, für Sprachen und soziale Fächer eher nein. Die Zugangsvoraussetzung für ein Hochschulstudium sollten am besten EU-weit einheitlich geklärt sein (incl. Schnittstellen für Seiteneinsteiger i.S. von Vorbereitungskursen).

    Was ich aber in der Zeit der Covid-Pandemie schmerzlich vermißt habe ist eine Grundkompetenz weiter Bevölkerungsanteile beim Thema exponentielles Wachstum.

  19. #19 NI
    18. Februar 2026

    zu #18
    “Ich finde an dem halbschriftlichen Dividieren nichts Verwerfliches.”
    Nicht nur das, das halbschriftliche Dividieren erfordert Kopfarbeit und wird schon ab dem 2. Grundschuljahr praktiziert (jedenfalls von Lehrern und Lehrerinnen, die den Unterschied von Sachlogik und Erkenntnislogik verstanden haben.

    Aber……daraus abzuleiten, die schriftliche Division nicht mehr zu lehrern, das ist nicht durchdacht.
    Es gibt Menschen, für die ist Mathematik nur Rechnen.
    Die interessiert es nicht , warum man so rechnet, die wollen nur ein Ergebnis. Und für die ist die schriftliche Division der richtige Weg.

    Fluffy
    “die guten Schüler werden sagen, was soll der Scheiß”,
    klar, für die ist das Zerlegen in Teilsummen eine Fingerübung .
    Leider, leider werden die guten Schüler immer weniger.
    Die Kultusministerin glaubt das zwar nicht, ……
    wäre doch ein Thema für eine Volksabstimmung !

  20. #20 Fluffy
    18. Februar 2026

    @Staphylococcus Rex #16
    Deine Meinung sei Dir unbenommen. Ich respektiere sie.
    Ich finde diese Art der Division auch nicht verwerflich, schließlich erhält man ja korrekte Ergebnisse. Ich (persönlich) finde sie unhandlich, mehrdeutig und deswegen für viele Kinder eher verwirrend als erleichternd. Welche Zahlen ziehe ich dann ab? Sie sollten schon glatt durch teilbar sein. Also z.B. 600, dann nochmal 600, dann 60. Dann bleibt mal 324 übrig. Was mache ich damit? Die Aufgabe 324 : 6 ist nicht einfacher als 1584 :6 .

    Was ich nicht verstehe, ist was für Dich

    grundlegender Kompetenzen im Umgang mit Zahlen

    bedeutet.
    Was für eine ompetenz meinst Du?
    Die Nutzung des Begriffes Kompetenz ist für mich oftmals nur ein Schlagwort, eine mehr oder weniger leere Hülle.
    .
    Wir haben übrigens den Rechenschieber gelernt, weil wir keinen Taschenrechner hatten.

  21. #21 Thilo
    18. Februar 2026

    #17 Das Zitat dürfte wohl eher eine Reaktion sein auf Behauptungen, durch das angebliche Unterfordern der Schüler würde es in Deutschland keine Spitzenwissenschaftler und eben auch keine Nobelpreisträger mehr geben. Die Ministerin wollte wohl klarstellen, dass es nicht um die Abschaffung der Leistungsorientierung geht.

  22. #22 NI
    18. Februar 2026

    zu #21 Niedersachsen und das Schulsystem

    also, entweder ist das Thema Verlegung des schriftlichen Teilens vom 4. Schuljahr in das 5. Schuljahr notwendig, weil die Misere durch Lehrermangel unübersehbar geworden ist, oder die Frau Kultusministerien will tatsächlich Stress abbauen, indem sie die “Kinder nicht mehr überfordert.”

    Mit der Wiedereinführung des 9ährigen Gymnasiums tun sich ja die Länder schwer, denn es fehlen die Lehrkräfte dazu. Mittlerweile haben etwa die Hälfte der Bundesländer das 9 jährige Gymnasium wieder eingeführt bzw. die Absicht das zu tun. Die Betonung liegt auf Absicht.
    Fazit: Von der Sachlogik her wird die Verschiebung des schriftlichen Teilens in das 5. Schuljahr nur die Belastung in die höheren Klassenstufen verschieben.
    Und das ist kontraproduktiv zum Vorhaben, wieder das 9jährige Gymnasium einzuführen.

  23. #23 Staphylococcus rex
    18. Februar 2026

    Es gibt in der Mathematik fast immer mehrere Wege, ein konkretes Problem zu lösen. Ob es ein vorgegebener Pfad wie beim schriftliches Dividieren ist oder ein offener Lösungsansatz wie beim Zerlegen in Teilsummen ist, hängt, hängt von den Fähigkeiten und Präferenzen der konkreten Person ab. Für mich persönlich war es schon immer wesentlich einfacher, eine komplexe Aufgabe in einfachere Teilaufgaben umzuwandeln als einem fest vorgegebenen Weg ohne Abweichungen zu folgen.

    Übrigens ist die Formulierung “grundlegende Kompetenz im Umgang mit Zahlen” kein Schlagwort, sondern sehr konkret, das bedeutet, dass z.B. Schüler in einem bestimmten Alter bestimmte Probleme selbstständig innerhalb einer vorgegebenen Frist lösen können, z.B. das näherungsweise Kopfrechnen oder das schriftliche Dividieren. Nur ist es aus meiner Sicht völlig egal, welcher konkreter Lösungsweg benutzt wird. Ein fester vorgegebener Lösungspfad funktioniert. Aber wenn ich einen Lösungsweg auswendig gelernt habe, vergesse ich ihn irgendwann. Wenn ich dagegen das Prinzip verstanden habe (z.B. anstatt Division die Zerlegung in Teilsummen), dann steht mit auch Jahrzehnte später der Lösungsansatz unmittelbar und ohne externe Hilfsmittel zur Verfügung.

    Und das Beispiel 144:12 kann ich abhängig von meiner Tagesform im Kopfrechnen in 12 Schritten lösen, wenn ich jeweils 12 abziehe und einer Strichliste führe, ich kann das Beispiel in zwei Schritten lösen ([120+24]:12) oder ich kann bei Kenntnis des großen Einmaleins des Beispiel sofort lösen. Oder ich kann im Netz nachlesen, wie das korrekte schriftliche Dividieren funktioniert und viel Zeit für die Lösung eines einfachen Problems verschwenden.

  24. #24 NI
    18. Februar 2026

    Staphylococcus, Thema Mathematik oder Rechnen

    Es gibt zwei Zielgruppen, die intelligenten Schüler und die mittelmäßigen Schüler.
    Dein Beispiel setzt voraus, dass der Schüler die Mathematik lernt trotz des Lehrers, der Lehrerinn.
    Es ist nämlich nicht selbstverständlich, dass eine Lehrkraft den Lehrstoff verstanden und auch vermitteln kann.
    Wir haben da aktuell eine Person im Auge , die unserem Enkelkind Mathematik beibringt.

    also, was das heißen soll, das formale Rechnen für Schüler mit einem niedrigen Schulabschluss sollte gewährleistet sein. Das Beispiel kennt fast jeder, das Auswendiglernens des 1 x 1, daalso s schriftliche Teilen, das schriftliche Addieren von Zahlen, z.B. Euro für die Abrechnung bei das Finanzamt,

  25. #25 Fluffy
    18. Februar 2026

    @#23 Staphylococcus Rex
    Ich hab ja kein Verständnisproblem mit deiner Meinung. Wenigstens kein Großes. Aber wir reden hier von Personen, die nicht matheaffin sind, von Kindern. 144:12 ist ja wohl Pillepalle, genau wie sich über schriftliche Division im Internet informieren zu müssen.
    Übrigens in

    die Formulierung “grundlegende Kompetenz im Umgang mit Zahlen”

    stecken zwei zutiefst abstrakte Begriffe, nämlich “grundlegend” und “Kompetenz”, die durchaus einer Konkretisierung bedürften um nicht nur zu einer Floskel zu verkommen. Unter näherungsweisem Kopfrechnen verstehst du wahrscheinlich Überschlagsrechnungen? Das scheint mir ein generelles Problem für viele Schüler zu sein, vor allem, wenn es um große Zahlen geht. Zum Beispiel: Das Bildungsministerium beschafft Mathebücher im Wert von 1,8 Milliarden Euro. Wieviel ist das näherungsweise pro Kopf der Bevölkerung in Deutschland mit ca. 83,9 Millionen Einwohnern?

    Wo ich bei vielen Schülern ein Problem sehe, ist beim Abstrahieren. Alle Kinder wissen irgendwann, dass x eine Variable ist, die beim Lösen von Gleichungen verwendet wird. Manchmal auch, dass anstelle von x auch mal y auftauchen kann. Das abstrakte Prinzip der Nutzung von Variablen wird aber selten verstanden, dass eine Variable syntaktisch ein Ausdruck aus Buchstaben und Zahlen sein kann, der mit einem Buchstaben beginnt.
    So hat zum Beispiel die Gleichung
    5*unendlich -3 = 12 die Lösung
    unendlich = 3
    Was

    Wenn ich dagegen das Prinzip verstanden habe

    betrifft, ist es z.B. in höheren >Klassen ziemlich unpraktisch, wenn ich zwar weiß, wie die Additionstheoreme Sin(α+β) und Cos(α+β) im Prinzip relativ einfach einfach aus der Eulerschen Identität E^(I x) = Cos(x) + I Sin(x) hergeleitet werden können, aber nur begrenzte Zeit zur Verfügung steht.
    Und wehe, es wird mal nach Cos(u+v) gefragt.

  26. #26 Staphylococcus rex
    18. Februar 2026

    Mir ist gerade nicht ganz klar, um welches Problem wir hier gerade reden. Beim Dividieren habe ich das korrekte schriftliche Dividieren schon vor ewiger Zeit vergessen, das halbschriftliche Dividieren über Teilsummen ist dagegen sofort intuitiv verfügbar und für die wenigen Situationen ohne Taschenrechner(-App) völlig ausreichend. Winkelfunktionen habe ich mal beherrscht, aber mangels Übung bereits vor Jahrzehnten vergessen. Ich rede gerade nicht über die Noten in der Schule, sondern darüber, was im praktischen Leben danach noch übrig ist. Und bildungsferne Schichten haben da noch ganz andere Probleme.

    Ich bin in dem Teil Deutschlands aufgewachsen, wo man bereits nach 12 Jahren ein vollwertiges Abitur hatte, wo es von Nord bis Süd einheitliche Lehrpläne gab und wo Lehrer nicht nur eine fachliche, sondern auch eine pädagogische Ausbildung hatten. Das ganze derzeitige föderale Kaspertheater geht mir ziemlich auf die Nerven. Wenn erfahrene Pädagogen Vorschläge zur Umgestaltung des Lehrplans machen, sollte man zumindest aufmerksam zuhören ohne gleich dem Beißreflex nachzugeben.

    Ein erfahrener Pädagoge sollte bei einem Schüler die Defizite erkennen und einen Plan haben, diese Defizite abzubauen. Ein erfahrener Pädagoge ist auch in der Lage einem einfach strukturierten Schüler das Konzept von Variablen nahezubringen. Soweit ich das aus der Ferne mitbekomme, besteht das Hauptproblem darin, dass viele Lehrer aus den falschen Gründen diesen Beruf auswählen und zudem die falsche Ausbildung durchlaufen (zu viel Fachausbildung, zu wenig Pädagogik) und dass dann deren Scheitern fast schon vorprogrammiert ist.

    Die Diskussion über das “richtige schriftliche Dividieren” lenkt den Blick auf Symptome, nicht auf die Ursachen. Wenn schlechte Pädagogen (hauptsächlich im Sinne von schlecht vorbereitet) auf bildungsferne Schichten losgelassen werden, dann ist es ziemlich egal, an welchem Lehrplan sie dann scheitern.

    Die Anzahl der Unterrichtsstunden in der schulischen Ausbildung ist begrenzt, und wenn neue Lehrinhalte in die Schulbildung integriert werden sollen, muss auch irgendwo gekürzt werden. Deshalb auch mein Beharren auf der Frage, was sind rote Linien bei notwendigen Kernkompetenzen und was ist “nice to have”, aber irgendwo lediglich Selbstzweck? Und bei konkreten Beispielen sehe ich nicht nur die “Reformer” in der Pflicht ihren Standpunkt zu begründen, sondern auch die Verfechter des status quo müssen begründen können, warum ihr Standpunkt alternativlos ist.

  27. #27 NI
    19. Februar 2026

    Staphylococcuss
    “Und bei konkreten Beispielen sehe ich nicht nur die “Reformer” in der Pflicht ihren Standpunkt zu begründen, sondern auch die Verfechter des status quo müssen begründen können, warum ihr Standpunkt alternativlos ist”
    Gut formuliert , also, um es kurz zu machen, auch die schulische Ausbildung ist an Zeitvorgaben gebunden,
    also, das gebräuchliche Divisionsverfahren gibt es seit dem 16. Jahrhundert und wurde durch Adam Riese verbreitet. Es ist ein Kulturgut.
    Ob man das jetzt dem Vergessen anheim stellt ist nicht egal ,
    Zur Beruhigung, die Kultusministerin will es ja nicht abschaffen, sondern nur verschieben.

    Die Reformer sind aber in der Pflicht, ihr Vorhaben zu begründen, denn ob sich das 9. Gymnasiumjahr in der Praxis wieder einführen lässt, das steht in den Sternen, genauso wie Stuttgart 21, dessen Fertigstellung nicht mehr festgelegt werden kann. Ja, so sanns die Schwaben .
    Und… was fällt dann in der Realschule weg, wenn die sich um Grundschulmathematik bemühen muss.
    Einem Grundschüler kann man noch verbieten, den Taschenrechner zu benützen, dem Realschüler so was zu verbieten, das bleibt ein frommer Wunsch, der denkt, du kannst mich mal, und überlässt das Rechnen der Elektronik.

    Übrigens, der Ausdruck bildungsferne Schichten, meinst du damit die Stars, die als Promis in den RealityShows auftreten ?

  28. #28 Fluffy
    19. Februar 2026

    @#26
    Wenn’s danach geht was man von der Schule noch im praktischen Leben braucht, wird es ziemlich beliebig. Viel hängt davon ab, welchen Berufsweg man einschlägt. Aufgabe der Schule ist es Bildung zu vermitteln, in den unteren Klassen die grundlegenden Fertigkeiten, wie Lesen, Schreiben, Rechnen – auch mit Dividieren, in den oberen Klassenstufen dann die höhere Bildung
    mit Sprachen incl. Grammatik, Rechtschreibung, Fremdsprachen,
    Bildende Kunst, Literatur und Musik,
    sowie den Naturwissenschaften.
    Die Biologie z.B. ist eine überwiegend beschreibende Wissenschaft, sammeln, präparieren, beschreiben und systematisieren.
    Die Physik war lange Zeit auch eine solche beschreibende Wissenschaft, bis zur Erfindung der Differential- und Integralrechnung durch Leibniz und Newton. Dazu kam dann noch der Glücksfall, dass mit der Entdeckung des Gravitationsgesetzes F = G m1*m2/r² zusammen mit F = m a die keplerschen Planetenbahnen analytisch berechenbar wurden. Das hat einen ungeheuren Aufschwung verursacht. U.a. lässt sie die Beschreibung von Elektrizität und Magnetismus mit Hilfe der Maxwellgleichungen deutlich besser verstehen und vor allem besser analysieren.
    ……………………
    Die Zeit im Unterricht ist begrenzt. Die halbschriftliche Division ist aus meiner Sicht ein deutlich komplexerer Algorithmus, da er ein Probieralgorithmus ist. Schüler, die im Grunde genommen immer alles richtig machen wollen, können verunsichert sein, da die Schritte nicht klar definiert sind. Wenn man aber nur das Ziel verfolgt, die Kinder ausführlicher mit Zahlenberechnungen zu beschäftigen, dann kann man diesen “Algorithmus” verwenden.

  29. #30 NI
    21. Februar 2026

    Thilo,
    Debatten steigern nicht die Leistung. Einverstanden.
    Dabei geht es gar nicht um Leistungssteigerung, es geht um die Beibehaltung des Wissensniveau am Ende der Grundschule. Und das sinkt.
    Und wenn man sich ein Mathematikbuch der Grundschule vornimmt, dann bekommt man den Eindruck ,gut, zu jedem Rechenschritt kommt die passende Umkehraufgabe, was ja vorbildlich ist, also 3 + 7 = 10
    dann folgt 10 – 7 = 3 oder 10 – 3 = 7.
    Für gute Schüler ist diese Strukturierung optimal.
    Für schwächere Schüler ist das nicht so.
    Die lernen nicht über Einsicht , sondern über fortschreitende Wiederholung.
    Also auf 7 + 3 = 10 sollte folgen 7+ 4 = 11 , dann 7 +5 = 12
    Das nur mal als Beispiel.
    Kritik: Um die Mathatikbücher schmal zu halten, werden zu wenige Übungsaufgaben gestellt, die auf die schwächeren Schüler abgestimmt sind.
    Zu wenige einfache Übungen, für die die Kinder keine Hilfe brauchen.

  30. #31 Uli Schoppe
    22. Februar 2026

    Ich weiß nicht wie meine Grundschullehrerin das damals geschafft hat (vieleicht lag es daran das sie alt, links und feministisch war? 😉 ), aber am Ende der 4. Klasse hatten irgend wie alle Scülerinnen beide Verfahren zur Hand. Nur eines richtig gut aber das war ja auch der Sinn des Ganzen: So als Mensch muss man für das tägliche Leben zumindest eine Methode zur Hand haben um es im Leben leichter zu Haben.
    Auf dem Gymnasium auf dem ich dann gelandet bin wurde aus der schriftlichen Division eigentlich erst mal eine Siebmethode: Wer sie nicht zumindest halbwegs ausreichend beherrschte war draussen, was irgendwie häufiger Kinder aus Arbeitermilieus betraf, und das war in meinen Augen Absicht. Metzgersöhne sollten halt Metzger werden.
    Das hatte den interessanten Aspekt, dass man sein Ergebnis aus der schriftlichen Division prüfen konnte.

    Irgendwie hat sie es geschafft beide Verfahren in den Köpfen ihrer Schülerinnen und Schüler festzunageln zusammen mit der Erkenntnis das nicht alle Divisionen glatt aufgehen.
    Fand ich gut und hilfreich so im Nachinein.

    Irgendwie war auch den Lehrern an den weiterführenden Schulen klar das nicht alle alle beide Verfahren gleich gut beherrschten. War aber nicht so schlimm, das ist doch die Aufgabe.

    Ich verstehe einfach den ideologischen Ansatz heute nicht: Was soll das?

    Schon in der Grundschule Decken gegen sozialen Aufstieg einziehen?

  31. #32 Uli Schoppe
    22. Februar 2026

    Sorry ich bin noch nicht wach. Wer Schreibfehler findet darf sie behalten 🙂

  32. #33 NI
    22. Februar 2026

    ULi Schoppe Thema: Die praktische Seite der Mathematik

    Man muss nicht alles können, man muss nicht das Distributivgesetz kennen um Teilen zu können. Das macht den Unterschied zwischen Anwendern und Theoretiker aus.
    Ich verstehe auch nicht, warum eine Kultusministerin und auch die Medien das Thema in den Mittelpunkt rücken.
    Aaaaaaa……ich hab’s gefunden beim Gebrauch des Abakus “Bei komplexeren Aufgaben (z. B. mehrstelligen Divisoren) nutzt man eine Methode, die der halbschriftlichen Division entspricht:”

    Sollte das die Zukunft sein ?

  33. #34 Staphylococcus rex
    25. Februar 2026

    Noch zwei kleine Anmerkungen:
    Was die Defizite in der Ausbildung von Lehrern betrifft, hier dazu eine Quelle:
    https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/schule-lehrkraefte-studium-100.html

    Die andere Anmerkung betrifft die sogenannten “bildungsfernen Schichten”. Dies war keineswegs abwertend gemeint. Es gibt nun einmal Teile der Bevölkerung wo die Eltern nicht in der Lage sind, ihre Kinder beim schulischen Lernstoff zu unterstützen und somit nicht in der Lage sind, Defizite in der Schule zu kompensieren. Die Konsequenz ist die aus meiner Sicht viel zu hohe Rate an Schulabbrechern. Im Fall des schriftlichen Dividierens wäre z.B. die Erfahrung von Lehrern aus Brennpunktschulen hilfreich.

    Im Gegensatz zur schriftlichen Division gibt es beim Umgang mit Winkelfunktionen nach meiner Kenntnis keinen intuitiven Weg, da hilft nur das Lernen der Formeln. Und weil zahlreiche Studiengänge dieses Wissen voraussetzen, gibt es keine Alternative zum Auswendig lernen. Der Pferdefuß beim Auswendiglernen besteht aber darin, dass ohne regelmäßiges Training dieses Wissen wieder verloren geht. Im Gegensatz dazu kann man wenn man die Problematik wirklich verstanden hat, fehlende Elemente nachträglich herleiten.

    Bei der Diskussion um das schriftliche Dividieren geht es aber darum, dass diese Person später (in der Ausbildung oder im Beruf) in der Lage ist, mit Prozentrechnung (bei Kreditverträgen oder Ratenzahlungen) umzugehen oder z.B. in der Lage ist, die Endkonzentration beim Mischen zweier Lösungen zu berechnen.

  34. #35 NI
    25. Februar 2026

    Staphylococcus,
    Zustimmung ! Bildungsferne Personen, da könnte man kontern mit realitätsferner Bildung.
    Das Thema bleibt, wieviel mathematisches Grundwissen brauchen wir in unserer Gesellschaft ?
    Antwort: so viel wie nur möglich.
    Mit der Mathematik lernt man logisches Denken,
    Und wer sich dabei sperrt, dem muss die Gesellschaft bzw. der Gesetzgeber die gelbe Karte zeigen.
    Beim Führerschein klappt das doch auch , wer nicht bereit ist, die theoretischen Fragen dazu zu lernen und auch abrufen zu können, der bekommt den Führerschein nicht.
    Und der bekommt auch kein Bürgergeld, aber so brutal wollen wir nicht sein. Anmerkung, den Namen Bürgergeld hat man ja jetzt abgeschafft, der Hintergrund bleibt der gleiche.

  35. #36 Fluffy
    25. Februar 2026

    Mit der Mathematik lernt man logisches Denken

    Dann erklär doch mal logisch, warum minus mal minus plus ist.

  36. #37 NI
    26. Februar 2026

    Fluffy,
    bei den komplexen Zahlen existiert ein Modell, es nennt sich Gaußsche Zahlenebene. Und auf der drehen sich die komplexen Zahlen im Kreis. Und wenn man mit – 1 mulitipliziert entspricht das einer Drehung um 180 Grad, quasi einer Spiegelung . Und wenn du schon links auf der Zahlenebene bist, also im Minus Bereich , landest du rechts auf der Zahlenebene , im Plus Bereich. Das ist nicht nur anschaulich, sondern auch zwingend.
    Das hast du ja alles schon gewusst, für interessierte Mitleser ist diese Tatsache eine willkommene Erinnerung. Und auch das sollte klar werden, Denken in Modellen ist logisches Denken. Logisch zwingend, weil es die Realität nicht braucht.
    Und es gibt keinen Grund , Grundschülern dieses Denken vorzuenthalten. Die kann man ja mit einem kleinen Modellauto auf der Gaußschen Zahlenebene spielen lassen, und so erfahren sie , wo Minus anfängt und wo Plus anfängt.

  37. #38 Fluffy
    26. Februar 2026

    Diese Erklärung halte ich insofern schan mal für richtig, als dass ich dafür durchaus einen halben Punkt geben würde. Kompakter und übersichtlicher würde ich aber die Multiplikation komplexer Zahlen mit “die Beträge werden multipliziert und Argumente (Winkel) addiert” erklären.
    Aber soll ich in der 5. Klasse, wenn Schüler das Rechnen mit negativen Zahlen lernen erst die Gausssche komplexe Zahlenebene einführen?

    Wie wäre es mit der Aufgabe
    (-1)*( (+1) + (-1) ) ?
    kann man auf zwei Arten lösen. Durch direkte Berechnung der rechten Klammer
    (-1) * 0 = 0 und durch Ausmultiplizieren, ergibt sich
    (-1) * 1 + (-1)*(-1) ist dann ebenfalls=0
    Durch Umstellen erhält man
    (-1)*(-1) = 1

  38. #39 NI
    26. Februar 2026

    Fluffy,
    5.Klässler kann man schwer für die Gaußsche Zahlenebene erwärmen. Man kann aber Vorarbeit leisten.
    Was lernen die Schüler bei der Fahrradprüfung ?
    sie lernen zuerst nach links zu schauen.
    Was lernt der Fahrschüler ?
    er lernt, dass der Kreisverkehr links rum geht.
    Was lernt der Conchologe ?
    Er lernt, dass Schneckenhäuser meisten links gedreht sind.
    Was lernt der Astronom ?
    Er lernt, dass sich die Erde links herum dreht.
    Damit hätten wir schon mal eine Denkgewohnheit eingeführt, “wenn du einen Kreis siehst, bewege dich nach links”

    Jetzt zu deiner Lösung: Die ist auch logisch und wer die Null liebt, der sollte deine Erklärung verwenden.

    Anmerkung: halbe Punkte gibt es nicht. das ist so logisch wie eine halbe Null.

  39. #40 Fluffy
    26. Februar 2026

    Die halbschriftliche Division ist sehe ich eher eine Art Beschäftigungstherapie. Sie braucht mehr Rechenschritte und Zeit, aber sie übt auch den vermehrten Umgang mit Zahlen, was ja nicht schlecht ist. Das Verständnis zur Division wird aber nicht verbessert.

    Viele Leute, nicht nur Kinder, sagen ja, dass sie mit Mathe schon immer auf Kriegsfuß standen. Das liegt meiner Meinung nach an einer unzureichenden Vermittlung bestimmter Konzepte schon im frühen Matheunterricht, was nicht unbedingt Schuld der Lehrer, sondern übergeordneter Instanzen ist, die für Lehrpläne zuständig sind .
    Beispiele:
    * Warum bedeuten zwei so unterschiedliche Umschreibungen wie Zwei Drittel und Sechs Achtel dieselbe Zahl?
    * Der Unterschied von: Ich habe heute fünf Stück Kuchen gegessen und ich habe heute das fünfte Stück Kuchen gegessen.
    * Oder man stelle Kindern (nicht nur) folgende Frage: Was möchtest du lieber, 7% von 84 Bonbons oder 84% von 7 Bonbons?

  40. #41 Frank Wappler
    27. Februar 2026

    Fluffy schrieb (#40, 26. Februar 2026):
    > […] Vermittlung bestimmter Konzepte […] Beispiele:

    > * Warum bedeuten zwei so unterschiedliche Umschreibungen wie Zwei Drittel und Sechs Achtel dieselbe Zahl?

    Tun sie gar nicht, Fluffy.

    > * Der Unterschied von: Ich habe heute fünf Stück Kuchen gegessen und ich habe heute das fünfte Stück Kuchen gegessen.

    Besonders für jene, deren Nachmittags-Kaffee beim sechsten Stück Kuchen erst richtig losgeht, vielleicht eher:

    * Der Unterschied zwischen: “Ich bin (allein) in der vergangenen Woche drei Mal umgezogen.” und “Vergangene Woche bin ich das dritte Mal (in meinem Leben) umgezogen.”

    > * Oder man stelle Kindern (nicht nur) folgende Frage: Was möchtest du lieber, 7% von 84 Bonbons oder 84% von 7 Bonbons?

    Angelutschte Bonbons ??
    Dann lieber 5 % von 40 Bonbons, 40 % von 5 Bonbons, und zu all dem noch ‘ne Tüte Chips.

  41. #42 NI
    27. Februar 2026

    zu #40 Brüche
    Dazu ein Lehrer aus der Realschule: “Der Hauptschüler lernt das Bruchrechen nie ”

    Das Verständnis für Brüche erfordert eine “Reife”, die einige Kinder nicht erreichen können. Das ist vergleichbar wie das Verständnis für den Quintenzirkel im Musikunterricht.
    Mathematik ist eine Begabung, das wollen viele nicht wahrhaben, weil eben die meisten Menschen eine Grundbegabung für den Umgang mit Zahlen haben.
    Im Glasperlenspiel von Herrmann Hesse läuft der Wilde schreiend davon ,als er die Zahlen sieht.
    Bei deinem Beispiel mit 2/4 und 4/8 haben es die Engländer leichter, die müssen jeden Tag mit 3/8 rechen, bei den Schlüsselweiten von Maulschlüsseln gibt es 3/8 , 7/16, 5/8 usw.
    Also, es hängt auch mit der Kultur zusammen, in der man aufwächst.

  42. #43 Ouanteder
    3. März 2026

    #39
    „… halbe Punkte gibt es nicht. das ist so logisch wie eine halbe Null.“

    Aber: 0+0+0+0+⋯= 1/2
    Die Herleitung bekomme ich nicht hin, deshalb
    https://www.mathelounge.de/662890/warum-gilt-0-0-0-0-1-2-das-macht-doch-keinen-sinn-oder

    Ich kann mir „halbe Punkte“ vorstellen. Und zwar dort, wo Mathe und Physik eine gemeinsame Grenze bilden . . . . . . 🙂