Der Abelpreis (mit fast 106$ der höchstdotierte Mathematikpreis) geht dieses Jahr an Gerd Faltings für seine Arbeiten zur arithmetischen Geometrie.

Der Abelpreis wird jährlich von der Norwegischen Akademie der Wissenschaften vergeben. Er gilt als eine Art Ersatz dafür, daß es keinen Nobelpreis für Mathematik gibt. Über die Gründe, warum Nobel keinen Mathematik-Nobelpreis stiftete, gibt es viele anekdotische Erklärungen, die aber nach allgemeiner Meinung alle in das Reich der Fabel gehören.

Die Verleihung findet am 26. Mai in Oslo statt.

Laut Würdigung des Abelpreiskomitees erhält er die Auszeichnung für die Lösung der diophantischen Vermutungen von Mordell und Lang.

Die Mordell-Vermutung besagte, dass eine Kurve vom Geschlecht g>1 nur endlich viele rationale Punkte hat. Sie wurde nach 60 Jahren 1983 von Faltings bewiesen. Zur Überraschung der Experten benutzte er dafür nicht diophantische Approximation, sondern Vermutungen von Tate („derzufolge eine abelsche Varietät A über einem Zahlkörper bis auf Isogenie bestimmt wird durch die natürliche Wirkung der absoluten Galois-Gruppe auf Hom(Ql,Al), wobei Al die Gruppe der Punkte von l-Potenz-Ordnung bezeichnet) und Schafarewitsch (derzufolge es nur endlich viele Kurven von gegebenem Geschlecht g>1 über einem Zahlkörper mit einer gegebenen Menge von Stellen schlechter Reduktion gibt), die er in seiner Arbeit bewies. 1989 fand Vojta einen anderen Beweis entlang der traditionelleren Ansätze von Weil und Siegel, die wiederum Faltings 1991 dann in sehr viel allgemeinerer Form für den Beweis der Mordell-Lang-Vermutung benutzte, die die Verteilung rationaler Punkte in Untervarietäten abelscher Varietäten beschreibt.

Die gesamte Laudatio ist (in deutscher Sprache) auf https://abelprize.no/sites/default/files/2026-03/pressrelease_german__Abelprize%202026.pdf.

Informationen zur Geschichte des Abelpreises findet man hier. Die bisherigen Preisträger seit 2003 sind:
2003 Jean-Pierre Serre (Frankreich): Homotopietheorie, Algebraische Geometrie
2004 Michael Atiyah (GB), Isadore Singer (USA): Globale Analysis
2005 Peter Lax (USA): Partielle Differentialgleichungen, Streutheorie
2006 Lennart Carleson (Schweden): Harmonische Analysis, Dynamische Systeme
2007 Srinivasa Varadan (Indien): Wahrscheinlichkeitstheorie, Große Abweichungen
2008 Jacques Tits (Belgien), John Thompson (USA): Gruppentheorie
2009 Michael Gromov (Frankreich): Riemannsche und Symplektische Geometrie, Geometrische Gruppentheorie
2010 John Tate (USA): Algebraische Zahlentheorie, Elliptische Kurven
2011 John Milnor (USA): Differentialtopologie
2012 Endre Szemeredi (Ungarn): Graphentheorie
2013 Pierre Deligne (Belgien): Algebraische Geometrie
2014 Yakov Sinai (Russland): Dynamische Systeme
2015 John Nash, Louis Nirenberg (USA): Partielle Differentialgleichungen
2016 Andrew Wiles (GB): Algebraische Zahlentheorie, Elliptische Kurven
2017 Yves Meyer (Frankreich): Harmonische Analysis
2018 Robert Langlands (Kanada): Darstellungstheorie, Zahlentheorie
2019 Karen Uhlenbeck (USA): Geometrische Analysis
2020 Hillel Furstenberg (Israel), Grigori Margulis (USA): Ergodentheorie
2021 László Lovász (Ungarn), Avi Wigderson (Israel): Diskrete Mathematik, Theoretische Informatik
2022 Dennis Sullivan (USA): Topologie, Dynamische Systeme
2023 Luis Caffarelli (Argentinien): partielle Differentialgleichungen
2024 Michel Talagarand (Frankreich): Wahrscheinlichkeitstheorie
2025 Masaki Kashiwara (Japan): Darstellungstheorie

Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Faltings#/media/Datei:Gerd_Faltings_MFO.jpg