Ich habe schon länger nichts mehr zum Rauchen geschrieben, weil ich wirklich fand, daß sich die Zustände mit den neuen Nichtraucherschutzgesetzen in NRW, wo ich ja bis Ende 2015 gelebt habe, verbessert hatten. Außerdem ist ja auch Joseph von nebenan mit in diesen Ring gestiegen und er soll ja auch noch was zu tun haben :)

Es wird natürlich immer noch zuviel geraucht (immer noch jeder siebte Deutsche stirbt an Rauchfolgeschäden) und gerade in Lobbyland Deutschland zuviel dafür und zuwenig dagegen geworben und getan (auf ein Rauchverbot in Autos etwa, das selbst die Raucher wollen, werden wir wohl noch lange warten) und ich bin auch nach wie vor dafür, das Rauchen zu entnormalisieren, doch die Nichtraucherschutzgesetze zeigten vor Jahren bereits erste Wirkung in Gestalt verringerter Inzidenz von Herz-Kreislauferkrankungen und eine aktuelle Studie belegt nun, daß auch die Zahl der Passivraucher und damit der Passivrauchtoten, die an Lungenkrebs gestorben sind, deutlich gesunken ist.

Insofern peinigt mich die Ironie, die darin liegt, daß ich nun ausgerechnet in dem Bundesland lebe, wo sich das mit dem Nichtraucherschutz und die Tatsache, daß Rauchen nur eine eher mittelclevere Idee ist, offenbar noch nicht so richtig rumgesprochen hat (selbst Bayern (!) ist da fortschrittlicher). Denn in Schleswig-Holstein, wo es eigentlich seit dem 1.1.2008 ein zumindest so genanntes „Gesetz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens“ gibt, wird der angestrebte Schutz durch diverse absurde Ausnahmen ausgehöhlt: zum Beispiel in Gaststätten mit einer Gastfläche von weniger als 75 Quadratmetern, die keine zubereiteten Speisen anbieten. Außerdem dürfen abgeschlossene Nebenräume eingerichtet werden, in denen das Rauchen gestattet wird.

In der Praxis sieht es oft so aus, daß „zubereitete Speisen“ sehr großzügig ausgelegt werden und daß abgeschlossene Nebenräume einfach nur Nebenräume sind, ohne jede Barriere dazwischen (so, wie damals im Flugzeug, als man dort noch rauchen durfte und im Grenzbereich der Raucher direkt hinter dem Nichtraucher saß).

Ich fühle mich hier diesbezüglich bisweilen wie in eine dunkle Vergangenheit zurückversetzt, wo man wieder erst bei jeder Bar/Kneipe/Bistro/Pinte/Pub, die man zu betreten beabsichtigt, vorsichtig auf Verqualmung prüfen muß. Einen bestimmten Kieler Schankbetrieb beispielsweie, der mich eigentlich mit der Möglichkeit zur Entgegennahme akzeptabler musikalischer Darbietungen locken könnte, muß ich daher leider meiden. Hinzukommt die hiesige Unsitte, spätabends einfach auf die Einhaltung der Gesetze zu verzichten, wenn „keiner was dagegen hat“, was, gepaart mit der überaus laxen Durchsetzung gesetzlicher Auflagen sowie Ahndung von deren Mißachtung, wie sie hier in Kiel geübt wird, dazu führt, den Eindruck zu erwecken, als gäbe es hier gar keinen Nichtraucherschutz und als wäre das der Obrigkeit auch von Herzen wurscht.

Ich finde das ärgerlich, rückständig und borniert und mich würde sehr interessieren, ob es einen Zusammenhang zwischen dieser zivilisatorischen Leistungsverweigerung und der hiesigen Unfähigkeit, Rolltreppen korrekt zu benutzen, gibt.

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Kommentare (32)

  1. #1 Stefan
    02/08/2017

    Das bayerische Nichtraucherschutzgesetz ist vor allem Sebastian Frankenberger von der ÖDP und der (absichtlich?) undurchsichtigen Fragestellung bei bayerischen Volksentscheiden zu verdanken. (Wenn entgegen der Regierungslinie “das Volk” in Form von Frankenberger etwas begehrt und man will das auch, muss man für “Nein” stimmen, weil der Vorschlag der Regierung, die alles so lassen will, wie es ist, der “Ja”-Vorschlag ist. Intuitiv ist das nicht, und wenn ich mir ansehe, wer alles wählen darf, haben wohl über die Hälfte der Leute das nicht verstanden und der Entscheid war eigentlich für die Tonne.)

    Nun ja. Nun haben wir das bayerische Rauchverbot seit einigen Jahren. Die hier bei mir seitdem eingesparten Kosten für Gastronomie dürften inzwischen einen mittleren vierstelligen Betrag erreichen. Ich gehe einfach nicht in Kneipen, wenn ich da nicht rauchen darf. Dann schmeckt mir nämlich das Bier nicht mehr. Ich schätze, dass das noch viel mehr Leute so handhaben und dass die Nichtraucher jetzt auch nicht öfter in Gaststätten gehen, nur weil es da jetzt rauchfrei ist. Die arbeitslosen Kellner und Wirte dürfen sich bei Herrn Frankenberger (der überall, wo man ihn kennt, Lokalverbot hat) bedanken. Der hat sich aber längst aus der deutschen Politik zurückgezogen und macht jetzt österreichische.

  2. #2 Cornelius Courts
    02/08/2017

    @Stefan: “Ich schätze,”

    Eben. Glücklicherweise ersetzen Schätzungen und Anekdoten keine Evidenz. Und die Evidenz belegt, daß es eben KEINE Einbußen in der Gastronomie gegeben hat. Das “Kneipensterben” ist ausgeblieben und selbst das Oktoberfest hat es erstaunlicherweise überlebt.
    Also ja: der Nichtraucherschutz (und die BErge) sind Dinge, um die ich Bayern beneide.

  3. #3 Joseph Kuhn
    Frischluftland
    02/08/2017

    Eine Übersicht über die Regelungen in den Bundesländern hat die englischsprachige Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Smoking_in_Germany

    Ich meine, von der WHO vor nicht allzulanger Zeit auch solche Bundesländerprofile gesehen zu haben, finde sie aber nicht mehr.

    Was die angeblich vielen arbeitslosen Kellner angeht: http://www.br.de/nachrichten/tourismus-personalmangel-gastronomie-100.html

  4. #4 zimtspinne
    02/08/2017

    Dass die Qualmbelästigung Schrittchen für Schrittchen (Salamitaktik) wieder durch die Hintertür salongfähig gemacht werden soll (!?), ist ein Unding und ich frage mich, ob sich die belästigten Nichtraucher da wiedermal viel zu viel gefallen lassen, wie zuvor bei der sehr schleppenden Durchsetzung der Nichtraucherschutzgesetze.

    Es scheint einfach weiterhin ein ständiger Aushandlungsprozess zu sein zwischen Quarzern und Nichtquarzern, einfach mal zurücklehnen und die rauchfreie Gegend genießen, ist da nicht!

    Hatte ich doch letzte Woche auch eine Begegnung der dritten Art…. ich besuchte jemanden im Krankenhaus und dachte, ich spinne – nuckelt da doch die Mitpatientin im Bett fröhlich an ihrer aromatisierten E-Zigarette und einige ihrer Besucher ebenso, wie meine Bekannte mir erzählte.
    Die hatten anfangs nachgefragt, ob das erlaubt sei, worauf die Krankenpfleger sich erstmal berieten (sie hatten keine Ahnung, wie die Rechtslage bezügl. E-Zigs sich gestaltet, ist wohl von Bundesland zu Bundesland auch unterschiedlich) und dann entschieden sie: Kein Problem, es darf im Krankenzimmer genuckelt werden.

  5. #5 Turtle
    02/08/2017

    Zu Bayern sollte man der Vollständigkeit halber noch erwähnen, dass es in Bayern bereits vor Hr. Frankenberger und der ÖDP ein Nichtraucherschutzgesetz gab. Dann kam die Landtagswahl und die CSU war plötzlich zur Koalition gezwungen. Daran war natürlich das NSG schuld, also wurde dieses durch unsinnige und komplizierte Ausnahmen aufgeweicht. Das war der Auslöser fürs Volksbegehren, das im Übrigen schon vor der Abstimmung hohe Hürden nehmen musste (wie das halt so ist in Bayern). Zur Abstimmung gingen dann übrigens nicht mal 50% der Wahlberechtigten zur Urne.

  6. #6 Dr. Webbaer
    03/08/2017

    Das sogenannte Passivrauchen ist im Vergleich zum Rauchen von Tabak deutlich ungefährlicher.
    Vielleicht um den Faktor zehn weniger schädlich, sofern sich beständig Tabakrauch ausgesetzt wird.

    MFG
    Dr. Webbaer (der nichts gegen Verweise auf anders einschätzende Studien hätte)

    PS:
    Zurzeit macht Ihr in der BRD ökologistischerweise verstärkt in sogenannten Feinstaub und Diesel-Motoren, woll?!

  7. #7 Cornelius Courts
    03/08/2017

    @Webbaer: “deutlich ungefährlicher.”

    und immer noch deutlich zu gefährlich. Mehrere Tausend Tote pro Jahr wegen Passivrauchs müssen eigentlich nicht so dringend sein.

    “Ihr in der BRD”
    wohl eher die ulkigen Kasperle-Handpuppen der Autolobby (ehemals bekannt als Politiker).

  8. #8 zimtspinne
    03/08/2017

    Verehrtester Webbaer, auch wenns nur ein Prozentchen wäre, wäre es eins zuviel!!

    Außerdem stimmt die Aussage so auch gar nicht, kommt auf die Gesamtsituation an. Teilweise ist hochkonzentrierter Passivtabakrauch wohl schädlicher als der eigene inhalierte Qualm – hab ich jetzt so in Erinnerung zumindest, müsste man nochmal nach Quellen schauen.

    Die Raucher und ihre stetige Selbst- und Fremdbeschwichtigung, nicht schön!

  9. #9 Dr. Webbaer
    03/08/2017

    @ Kommentatorenkollegin ‘zimtspinne’ :

    Verehrtester Webbaer, auch wenns nur ein Prozentchen wäre, wäre es eins zuviel!!

    Denkfehler detectet.

    Oder ‘detektiert’, abär nicht bei der Anrede, die gelang fein, sondern im Argument.
    Es darf durchaus wegen sog. Passivrauchens oder wegen Feinstaub allgemein ein wenig früher verstorben werden.
    (Hier gilt es grundsätzlich Risk-Reward-Überlegungen anzustellen. Hier bleiben Souverän wie Mandatsträger beauftragt, auf alle Zeiten.)


    Ansonsten, es würde genügen Personen das Recht zuzugestehen nicht sogenanntem Passivrauch [1] ausgesetzt zu werden.
    Dies genügt.
    Es soll öffentliche Raucher-Lokalitäten geben, in denen rauchendes wie nicht rauchendes Personal seinen Dienst tut.

    MFG
    Dr. Webbaer (der nicht vergessen möchte den werten hiesigen Inhaltegeber zu grüßen, gute Arbeit, beim Rauchen ist er womöglich ein wenig zu streng – unvergessen eine seiner Studi-Nachrichten, die Dr. W mal ausgegraben hat und in der er sich, wiederum streng, über Raucherei in seiner Umgebung beschwert hat)

    [1]
    Der nicht so-o gefährlich ist, viel weniger gefährlich als an verbranntem Tabak direkt zu schnüffeln, ihn einsaugend.
    Es gibt für eine besondere Gefährlichkeit des sog. Passivrauchens auch keine Studien.

  10. #10 Diandra
    Bonn
    03/08/2017

    Als militante Nichtraucherin plädiere ich ja für die Einrichtung von Dauerberegnungsanlagen für Raucher. Mir hat sich noch nie erschlossen, wieso jemand freiwillig Geld für etwas verschwendet, das ungesund ist, faltig macht, nicht schmeckt und nicht einmal cool aussieht. Eigentlich sollte es zu jeder zehnten Schachtel einen Deppenhelm geben. [/rant]

  11. #11 Diandra
    Bonn
    03/08/2017

    @Stefan: Anekdotischer Gegenbeweis – seit ich nicht mehr im Trüben taumeln muss, gehe ich tatsächlich lieber in Kneipen und Bars. Wahrscheinlich gleichen sich Deine Ersparnisse und meine Prasserei aus.

    @Webbaer: Das “Risk” für Passivraucher habe ich identifiziert … aber was ist der “Reward”? Also, für die Raucher, dass sie rauchen (sich verstümmeln und verunstalten und damit die Krankenkassen unnötig belasten … aber gut, jeder braucht ein Laster) dürfen. Aber für die Passivraucher kann ich ums Verrecken keinen Reward erkennen. Ich finde Nichtrauchen alternativlos geil. ^^

  12. #12 Cornelius Courts
    03/08/2017

    @Diandra: ” Ich finde Nichtrauchen alternativlos geil. ^^”

    😀 so kann man es auch ausdrücken.
    Wir brauchen vielleicht noch ein neues Wort, das keine Verneinung enthält.
    Oder wir nennen die Raucher zukünftig Nichtnichtraucher.

  13. #13 Dr. Webbaer
    03/08/2017

    Das “Risk” für Passivraucher habe ich identifiziert … aber was ist der “Reward”? [Kommentator ‘Diandra’]

    Der ‘Reward’ besteht im Zusammenleben, in der (hier) gewohnten Zivilisation, die eigentlich, Sie werden hier womöglich zustimmen können, nur durch die Duldung anderer zu persistieren in der Lage ist. [1]
    ‘Liberalismus’ das Fachwort.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1]
    Aufklärerische Gesellschaftssysteme halten Opposition aus, auch, wenn sie direkt feindlich ist, die “Dienste” und gegebene Richtlinien meinend.

    Wenn der Staatsfeind im hier beschriebenen Sinnen auszuhalten ist, …, …, …, müsste dies dann nicht auch der Raucher sein?

  14. #14 noch'n Flo
    Schoggiland
    03/08/2017

    @ Diandra:

    Als militante Nichtraucherin plädiere ich ja für die Einrichtung von Dauerberegnungsanlagen für Raucher.

    Warum? Wenn sie Dir aus dem Weg gehen und in ihrer kleinen Raucherecke neben den Mülltonnen zusammenstehen – warum solltest Du dann sowas noch wollen?

    Mir scheint, Du willst einfach Macht über sie ausüben. Mit welchem Recht?

  15. #15 zimtspinne
    03/08/2017

    Tja, würden die Raucher brav unter ihren Rauchpilzen bleiben und sich ordentlich schämen so etwas wie das kränkelnde Gefolge der Tabakindustrie zu sein, wäre ja alles fein…
    Im Gegensatz zum Alkoholabhängigen, der sich räumlich eindämmt und Berührungspunkte mit der Zivilisation eher meidet, verhalten die Raucher sich komplett anders, wenn man sie nicht immer wieder zurückpfeift.
    Sie würden, wenn sie dürften, auch in Krankenhäusern rauchen, in engen Räumen wie Bahnen und Fliegern und in Restaurants sowieso. Überall. Ganz ohne Hemmungen und Unrechtsbewusstsein für die Belästigung anderer.
    Schlimm genug, dass noch immer tausende Raucher ihre Ehepartner, Kinder und Haustiere vollqualmen, aber dass auch in zB Schulsporthallen bei irgendwelchen eigentlich für die Kinder ausgerichteten events gepafft wird (der Dreck lagert sich auch an Gegenständen ab übrigens), zeigt doch einfach nur, dass man die Tabaksüchtler besser an die kurze Kette legt.
    Meine Unter-Nachbarin qualmt mich regelmäßig auf dem Balkon zu; weht der Wind günstig, kann es schon mal vorkommen, dass sogar Qualm bei mir zu Balkontür und Fenster reinwabert.
    Ich rieche es sofort, ohne mich vorzubeugen, wenn sie sich eine ihrer geschätzten 100 Ziggis pro Tag ansteckt. Dann gibts gratis meist noch mehrere Hustenanfälle über den Tag verteilt dazu. Mittlerweile legen sich meine Borsten schon auf, wenn ich das Feuerzeug klacken höre…

  16. #16 Cornelius Courts
    03/08/2017

    @Webbaer: “Duldung anderer”

    die, selbstredend, nicht grenzenlos und unbedingt ist und sein kann. Und Angewohnheiten, die auch für andere extrem schädlich und potentiell tödlich sind, sind nicht duldungswürdig.
    Wenn ich die Angewohnheit hätte, Leuten in meiner Reichweite nach dem Zufallsprinzip leichte Schellen zu verabreichen oder, um ein bereits genanntes Beispiel zu wiederholen, meinem Bedürfnis folgend gerne und überall Insektenspray um mich herum versprühte (beides weniger schädlich als Passivrauch), hielte sich die Duldung für diese an sich doch liebenswerten Grillen womöglich auch in überschaubaren Grenzen. Und das in einem liberalen Staat!

    “müsste dies dann nicht auch der Raucher sein”

    naja, er darf ja existieren und sogar rauchen. Nur eben nicht da, wo Gesunde sich öffentlich aufhalten wollen. Erstaunlich, daß das offenbar erklärungsbedürftig ist. [1] Der Staatsfeind (wer immer das sein mag) darf ja auch nicht alles, was er so möchte.

    [1] Resistenz gegenüber auch noch so offensichtlichen und vernünftigen Erklärungen ist ja oft korreliert mit Unvernunft generierenden und Ratio erstickenden Triebfedern, z.B. Sucht.

  17. #17 Arktur
    München
    03/08/2017

    Also, ich muss gestehen, dass ich seit Einführung des Rauchverbots in Bayern deutlich häufiger in Kneipen gehe als zuvor. Auch in meinem Bekanntenkreis (größtenteils Nichtraucher, aber auch einige Raucher) ist das ganz ähnlich. Ehrlich gesagt könnte ich mir eine verrauchte Gaststätte gar nicht mehr vorstellen, und ich wundere ich, dass man den beißenden Qualm früher widerspruchslos geduldet hat. Ich erinnere mich noch an die miefenden Klamotten, die brennenden Augen und die gereizte Nasenschleimhaut nach einem Kneipenabend.

    Ein Kneipensterben konnte ich übrigens bisher nicht beobachten. Insbesondere meine Lieblingskneipe ist abends immer rappelvoll.

  18. #18 rolak
    03/08/2017

    neues Wort, das keine Verneinung enthält

    moin Cornelius, das sehe ich ein wenig anders: immerhin ist Tabakgebrauch eine freiwillige Entscheidung, eine aktive für etwas, sollte mithin keine Verneinung in sich tragen. Die kann gerne ergänzt werden, statt ‘ist Raucher*’ dann eben ‘ist unvernünftigerweise Raucher*’ – das dürfte auch deutlicher jucken als eine eingebaute und damit zur Norm werdenden Verneinung.

    Andererseits, wenn sich jemand trotz des des öfteren massiven sozialen Drucks entscheidet nicht damit anzufangen oder gar trotz immer weiter lockender Gewöhnung sich entscheidet damit aufzuhören, das ist dann schon ein ‘Nicht’ wert.
    ‘Trotz allem nicht Raucher’.
    ‘Trotz allem Nichtraucher’.

    Bei anderen Dingen sehe ich dafür die Verneinung an der falschen Stelle: Laktosetoleranz für die vor kurzem (Genus-Homo-relativ) erworbene und verbreitete Fähigkeit gefällt mir deutlich besser als andersrum Laktoseintoleranz für das Original. Die Betroffenen können dann auch gewisse Zutaten schön verneinen ‘vertrage ich nicht, da ich nicht laktosetolerant bin (Scheiß-Vorfahren!)’.

  19. #19 noch'n Flo
    Schoggiland
    03/08/2017

    @ zimtspinne:

    Oha, für so viele Raucher-Klischées kostet das jetzt aber mindestens eine Stange Roth-Händle ohne Filter ins Klischéeschwein.

  20. #20 zimtspinne
    03/08/2017

    Ich musste erstmal gucken, wat dat is….. bärghs!!
    In jedem Klischee ist ein Körnchen Wahrheit und manchmal auch drei, und bisschen Übertreibung kann auch nicht schaden bei dieser “Grille”.
    Ich kann wirklich alles so halbwegs nachvollziehen, was man an Lastern kultivieren kann, sogar Schuhekaufwahn oder Pornosucht^^, aber was die Qualmerei soll, verstehe ich einfach nicht. Es brennt in der Lunge oder besser Speiseröhre, Luftröhre, schmeckt torfigschimmligmüllig und noch nicht mal einen Rausch oder wenigstens kick kriegt man als Belohnung. Dafür winkt COPD und andere Nettigkeiten, ganz tolle Wurst das!

    Zigarren finde ich akzeptabel, gelegentlich!

  21. #21 noch'n Flo
    Schoggiland
    03/08/2017

    @ zimtspinne:

    aber was die Qualmerei soll, verstehe ich einfach nicht

    Wenn ich mal wieder eine Leichenschau nach Suizid vornehmen musste, eine vergebliche Reanimation hinter mich gebracht habe oder einen Patienten viel zu früh verloren habe, bin ich durchaus froh, mal einen Glimmstengel vom Sani oder so schnorren zu können. Es hilft wirklich, die Nerven zu beruhigen (und ein Schnaps ist im Notfalldienst ja nicht drin). Und gemeinsam eine Zigarette zu qualmen ist ausserdem eine gute Entschuldigung, sich gegenseitig minutenlang anzuschweigen, weil man erstmal seine eigene Gedanken ordnen muss (nur unterbrochen von einem gelegentlichen, geraunten “Scheisse!” oder “Oh, Mann!”).

    CC als Forensiker sollte das Phänomen eigentlich kennen.

    Zigarren finde ich akzeptabel, gelegentlich!

    Und warum das jetzt? Warum nicht Zigarillos? Oder Pfeife – mancher Pfeifentabak riecht richtig gut?

    Frollein sind ein wenig inkonsequent.

  22. #22 zimtspinne
    03/08/2017

    Ich würde dann ein Plundervanillepuddingteilchen futtern 😀
    Rauchst du dann nur zu bestimmten Anlässen und schnorrst dich so durch?
    Jaja, so einen Genossen kenne ich auch, der wird allerdings in Verbindung mit Alkohol zum Kettenraucher.

    Mit Zigarren verbinde ich etwas positives, kann aber nicht genau sagen was. Mein Opa rauchte in meiner Kindheit gelegentlich welche und das hatte was heimeliges, geheimnisvolles, in jedem Fall positiv besetzt (keine Hektik, Unruhe, Gereiztheit, Nervosität, wie ich das von vielen Rauchern kenne).
    Es gab auf dem Dachboden meiner Großeltern aus uralten Zeiten diese hübschen Zigarrenkistchen, davon habe ich heute noch zwei.
    Pfeiferauchen kenne ich eigentlich nur aus dem Fernsehen. Fischköppe mit Pfeifchen auf dem Kutter, so etwa.

  23. #23 Cornelius Courts
    04/08/2017

    @rolak: “immerhin ist Tabakgebrauch eine freiwillige Entscheidung, eine aktive für etwas, sollte mithin keine Verneinung in sich tragen. ”

    Kann man so sehen, ich finde dennoch ein Gesetz zum Schutz von Leuten, die etwas nicht tun, irgendwie bizarr. Das hat sowas von Minderheitenschutz, sowas gönnerhaftes, sollte aber selbstverständlich sein. Mann nennt ja Fußgänger (auch in der StVO) auch nicht “Nichtautomobilisten” und Fußgängerzonen nicht “Nichtautofahrerzonen”. Anderes Beispiel: auch Falschparken ist eine bewußte Entscheidung, dennoch heißen die, die es richtig machen, nicht Nichtfalschparker.
    Daher bleibe ich bei der Ansicht, daß der Begriff Nichtraucher ein Exponent der Normalisierung des Rauchens ist, die, wie gesagt, abzulehnen ist.

    @noch’n Flo: “CC als Forensiker sollte das Phänomen eigentlich kennen.”

    Das Phänomen, daß man angesichts mancher Fälle und Begebenheiten, denen man in dem Job hier so begegnet, innerlich (und manchmal äußerlich) den Kopf schütteln und denken (oder sagen) muß: “Alter, was stimmt nicht mit den Menschen?!”, das kenne ich in der Tat. Ich käme allerdings nicht auf die Idee, das in Zusammenhang mit Nikotinabusus zu bringen (zumal ich ja nicht mal (praktisch) weiß, wie Nikotin wirkt).
    Da wäre ich eher bei zimtspinne und würde eine Puddingbrezel bevorzugen.

  24. #24 noch'n Flo
    Schoggiland
    04/08/2017

    @ zimtspinne:

    Und wo soll ich sonntags früh um halb 6 ein Vanilleplunder herbekommen?

    Rauchst du dann nur zu bestimmten Anlässen und schnorrst dich so durch?

    Hey, so alle Jahre wieder kaufe ich durchaus auch mal selber ‘ne Schachtel.

  25. #25 Mensch mit Verstand
    06/08/2017

    Es heißt nicht “Fußgänger” in der der StVO, sondern “Zufußgehende”. Auch nicht “Autufahregrer”, sondern “Autofahrende.

    Dazwischen gibt es auch noch anderes, wie “Radfahrende” etc.

    Sollte ein CC als Intellektüller ja kennen……

  26. #26 rolak
    06/08/2017

    heißt nicht “Fußgänger” in der der StVO

    In welchem Land, MmV? In D jedenfalls schon.
    Dagegen scheint ‘Autufahregrer’ tatsächlich nirgends in der StVO vorzukommen…

    Normalisierung des Rauchens ist (..) abzulehnen

    Ein (insbesondere unhinterfragtes,) vermeidbares, (eigen)riskantes Verhalten als anzustrebenden Normalzustand anzusehen ist selbstverständlich Blödsinn, Cornelius, diese gemeinsame AnsichtsBasis kann uns keiner nehmen. Allerdings gibt es auch noch die Variante des faktischen Normalzustandes, sich aus Zählen und Mitteln ergebend, egal ob nun in punkto Gewicht oder Alkoholkonsum.
    Der Rest ist hauptsächlich (persönliches) SprachEmpfinden, das zu ändern ich (und -geraten- auch Du) keinen Bedarf sehe, solange mir nichts Angemessenes an Begründung bekannt ist. ‘Nicht’-Begriffe für (Aktions)Vermeidende sind allerdings durchaus üblich, wenn auch manchmal etwas versteckt wie zB bei ‘Abstinenzler*’. Und irgendwie hat §211 StGB doch etwas vom Schutz Nichtmordender vor Mordenden, die Lärmschutzverordnung doch etwas von Schutz der Nichtlärmenden, oder? Und selbst wenn letztere hier im Karneval angemessen aufgeweicht wird, hat sie speziell in dieser fünften Jahreszeit und hier in K unübersehbar etwas von Minderheitenschutz.
    So seit Mitte der 70er bin ich übrigens Nichtpuddingbrezler :-)

  27. #27 noch'n Flo
    Schoggiland
    06/08/2017

    Intellektüller

    Soll das jemand sein, dessen Geistesleistung überwiegend aus Löchern besteht?

  28. #28 zimtspinne
    06/08/2017

    @ Flo
    Morgens gegen 6 öffnen schon die ersten Bäcker mit ganz frischen Puddingbrezeln…..
    Noch nie habe ich das Wort Brezel in Zusammenhang mit Puddingplunder gehört. Dabei ist es so logisch rein visuell. Werde das fortan in meinen Backwarensprachgebrauch aufnehmen.

  29. #29 noch'n Flo
    Schoggiland
    06/08/2017

    @ zimtspinne:

    Backwarensprachgebrauch

    Nicht zu verwechseln mit Bhagwan-Sprachgebrauch. 😉

  30. #30 Spritkopf
    07/08/2017

    Rauchst du dann nur zu bestimmten Anlässen und schnorrst dich so durch?

    Motto: “Hassema ‘ne Kippe? Meine sind noch im Automaten.”

    (Nee, bin Nichtraucher, aber kenne die Sprüche qua Bekanntschaft. Und bitte Obstplunder für mich.)

  31. #31 zimtspinne
    08/08/2017

    Was ist denn aus dem guten alten Kaffee geworden!?
    Rauchen, Kuchen, gar ein Schnaps am Morgen, das krieg ich alles gar nicht runter.
    nach durchmachten Nächten (nicht durchzecht!) ist Kaffee doch unschlagbar.
    Was das Schnorren angeht, für solche Gifte bezahlt man ja auch nicht noch auch, da wird geschnorrt. Habe mal bisschen mitgeraucht vor etlichen Jahren und niemals eine einzige Schachtel selbst gekauft. So ists richtig! 😀
    Ich hätte auch von Flo gar nicht gedacht, dass er überhaupt raucht, eher schon spezielle Gräser, aber Tabak – nee.

  32. #32 zimtspinne
    08/08/2017

    Gerade beim Blumengießen hab ich vor Schreck fast die Gießkanne fallen lassen, weil meine Nachbarin von Drunten einen irren Hustenanfall mit Niesattacke bekam und dazu kurze merkwürdige Töne produzierte. Das ging dann über mehrere Minuten so weiter, Husten, Niesen, dazwischen mal so ein langer Jaulton.
    Nachdem sie nun über das sonnige WE täglich stundenlang in der Kernschmelze (= Vollsonne Backofenbalkon mittag bis abends) gut durchgegart wurde, hat jetzt scheinbar ihr Immunsystem die Grätsche gemacht.
    Kettenrauchen und stundenlanges Sonnenbaden ist auch echt die ideale Kombi…
    am Sonntag war ihre Tochter mit Kleinkind da, die saßen auch draußen und natürlich wurde ununterbrochen gepafft. Warum die Mutter des Kindes nichts sagte, verstehe ich nicht.
    Passivrauchen ist noch ein großes Thema, mindestens auf Privatgebiet.