Ich will’s mir heute mal leicht machen (ich bereite mich gerade auf eine längere Reise vor – wenn man 10 Tage als “länger” bezeichnen will) und nur auf die Science-Beilage der New York Times verlinken, die diesmal überwiegend einem einzigen Thema gewidmet ist: Charles Darwin, dessen Geburtstag sich am Donnerstag zum 200. Mal jährt. Keine Überraschung, denn das hätte jeder selbst mit einem simplen Konversationslexikon heraus finden können . Aber lesenswert ist es halt schon. Vor allem der Essay “Darwinismus muss sterben, damit die Evolution leben kann“, in dem der Stony-Brook-Professor und Mitbegründer des Blue Ocean Institute, Dr. Carl Safina die – bildlich gemeinte – Forderung ausspricht: “So let us now kill Darwin.” Denn Evolutionslehre ist mehr als Darwinismus, sie ist, wenn man so will, Mendelismus, Watsonimsus und zahllose andere -ismen, die in den vergangenen 150 Jahren zur Weiterentwicklung von Darwins Idee beigetragen haben:

Equating evolution with Charles Darwin ignores 150 years of discoveries, including most of what scientists understand about evolution. Such as: Gregor Mendel’s patterns of heredity (which gave Darwin’s idea of natural selection a mechanism — genetics — by which it could work); the discovery of DNA (which gave genetics a mechanism and lets us see evolutionary lineages); developmental biology (which gives DNA a mechanism); studies documenting evolution in nature (which converted the hypothetical to observable fact); evolution’s role in medicine and disease (bringing immediate relevance to the topic); and more.

By propounding “Darwinism,” even scientists and science writers perpetuate an impression that evolution is about one man, one book, one “theory.” The ninth-century Buddhist master Lin Chi said, “If you meet the Buddha on the road, kill him.” The point is that making a master teacher into a sacred fetish misses the essence of his teaching. So let us now kill Darwin.

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Kommentare (6)

  1. #1 Gluecypher
    11. Februar 2009

    Warum eigentlich nur die Evolutionstheorie nach dem Menschen bezeichnet wird, der die ersten Elementaren Gedanken formuliert hat ist mir wirklich ein Rätsel. Man bezeichnet die Relativitätstheorie ja auch nicht als Einsteinismus. Und dass Herr Safina nur sehr wenig verstanden hat, beweist er mit seinen Formulierungen, Darwin würde von den Biologen als Quasi-Heiliger verehrt. Darwin war wichtig in dem Sinne, dass er die Gedanken, die auch schon vor Ihm geäussert wurden in eine konsistente Form gebracht hat und das ganze auf ein wissenschaftliches Fundament gestellt hat. Aber er lag natürlich auch mit manchen Annahmen ziemlich daneben. So ist der Tree of Life nicht wirklich ein Baum sondern eher ein Spinnennetz.
    Aber mit “Evolution” lassen sich halt keine so netten Wortspielchen wie “Sozialdarwinismus” machen. Und auch ein Link zwischen Evolutionstheorie und Ausschwitz kommt halt eben immer besser mit “Darwinismus”=Nationalsozialismus und umgekehrt.

    Trotzdem auch von mir: Happy B-Day Charlie!

  2. #2 Joerg
    11. Februar 2009

    @Gluecypher:
    http://www.theness.com/neurologicablog/?p=475

    Zeigt schön, aus welcher Ecke der Drang zur Bezeichnung Darwinismus stammt…

  3. #3 Eddy
    12. Februar 2009

    “Der Begriff Darwinismus wurde im April 1860 von Thomas Henry Huxley geprägt als er im Westminster Journal Darwins On the Origin of Species besprach.” (Wikipedia)

    “Er gründete 1869 gemeinsam mit anderen Anhängern der Darwinschen Lehre die noch heute hochgeschätzte Fachzeitschrift „Nature“.”

  4. #4 Gluecypher
    12. Februar 2009

    @ Eddy
    Und deswegen müssen wir einen veralteten Begriff, der am Ende des 19 Jhd. geprägt wurde weiter Verwenden? Damals glaubt man auch noch, dass Krankheiten durch “Miasma” übertragen werden.

  5. #5 Eddy
    12. Februar 2009

    Die aktuelle Darwinmanie hat den Ausdruck wiederbelebt imho.

    Ich würde folgendes wirklich absolut wunderbares Buch zu Darwins Geburtstag vorschlagen:

    “Die Fahrt der Beagle: Tagebuch mit Erforschungen der Naturgeschichte und Geologie der Länder, die auf der Fahrt von HMS Beagle unter dem Komando von Kapitän Robert Fitzroy, RN, besucht wurden”

    Eins der schönsten Bücher die ich je gelesen habe!
    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/581308/

  6. #6 Fischer
    15. Februar 2009

    Safina hat – m.E. völlig zu Recht – für seinen Essay ordentlich auf den Deckel gekriegt. Die einzigen Leute mit Darwin-Fetisch sind Kreationisten (und in letzter Zeit Journalisten), insofern ist schon die ganze Prämisse, unter der er seinen Essay schreibt, barer Unsinn.