Hab’ ich meinen Kalender mal wieder falsch gelesen? Ist’s der 1. April oder sonst ein Narrentag – oder hab’ ich einfach etwas verschlafen und was mir heute Morgen (Quatsch! Vor einer Minute noch!) unmöglich erschien, ist längst alltägliche Realität? Dieser BBC-Bericht verkündet nicht nur ganz beiläufig, dass eine “gezähmte” Kernfusion schon viele Dutzendfach erreicht worden sei, sondern erklärt auch, dass dies von Hobbytüftlern, die sich ihre Fusionsreaktor in der Garage basteln – darunter auch ein 15-jähriger Schüler – geschafft wurde:

(Mark) Suppes, 32, is part of a growing community of “fusioneers” – amateur science junkies who are building homemade fusion reactors, for fun and with an eye to being part of the solution to that problem.

He is the 38th independent amateur physicist in the world to achieve nuclear fusion from a homemade reactor, according to community site Fusor.net. Others on the list include a 15-year-old from Michigan and a doctoral student in Ohio.

schreibt die BBC in ihrem Begleittext. Und auch in dem Video selbst ist keine Spur von Ironie zu bemerken:

Via der angegebenen Website fusor.net finde ich sogar einen Link zu Gizmodo, wo man allerdings eine gewisse Grundkenntnis in praktischer Physik erwarten darf. Dennoch: Kernfusions-Reaktoren im Eigenbau? WTF?

flattr this!

Kommentare (28)

  1. #1 blabdra
    24. Juni 2010

    gibs da ein bastelset?
    ich will mir auch die stromkosten sparen..

  2. #2 Doctor Who
    24. Juni 2010

    Da soll also ein 15 jähriger Schüler nukleare Materialen mitten nach NYC gebracht um einen Fusionsreaktor zu bauen, so ganz ohne Probleme ?. Und das obwohl die Amis schon beim Hinsehen allergische Reaktionen wegen “Sicherheitsrisiken” und “Terrorangst” haben und sich in die Hose machen. Also wirklich.

    Aber der Gedanke das es so sein könnte, läßt mich strahlen. Darf ich die Bastelanleitung haben. Will auch haben, Bitte, Bitte, Bitte,

  3. #3 cpt. phaser
    24. Juni 2010

    Das geht ums Schnapsbrennen, nicht um Kernfusion.

  4. #4 Ronny
    24. Juni 2010

    Die Stories erinnern mich irgendwie an den ‘kalte fusions’ hype oder an die Schwerwasserversuche des dritten Reichs.

    Es kommt aber aus den ganzen Artikeln nie so wirklich heraus wie die Jungs es anstellen:

    – so an die 100 Millionen Kelvin Temperatur zu erzeugen.

    – Weiters ist der Detektor ziemlich ungenau. Ich bin ziemlich sicher, dass da nicht nur Neutronen Spuren hnterlassen sondern auch andere Teilchen (vielleicht beschleunigte Alphateilchen oder Elektronen).

    – Wenn der wirklich eine Fusion hinbringt, und sich ein bißchen irrt mit der ‘Einspritzung’ dann ist NY nur mehr ein rauchendes Loch

    – Bei einer Fusion enststeht VIEL Neutronenstrahlung. Die würde die Abschirmung sehr schnell radioaktiv machen. Außerdem entsteht Gammastrahlung die nicht abgeschirmt den Bastlern sehr bald unschöne Krebsarten vererben würde wenn sie dauernd daneben stehen.

    – Die Geschichte lehrt, dass es keine Harry Potters gibt, quasi wenn ein großer Haufen Wissenschaftlern an etwas forscht, dass der kleine Mann in der Gasse das hinbekommt. Das gibts nur im Film. Selbst Größen wie Einstein oder Plankh bauten auf bereits vorhandenem Wissen auf.

    Fazit: Sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich

  5. #5 Hans Brandl
    24. Juni 2010

    Der Artikel ist erneut ein Beispiel dafür wie durch das wiederholte Abschreiben von spektakulären Artikeln durch inkompetente Journalisten etwas zustande kommt, das man normalerweise eben in der Bildzeitung oder auf der “Wissen”-Seite der SüddeutschenZeitung zu findet. Es geht hier um eine inzwischen 50 Jahre alte Idee dass man durch eine Gasentladung in einem mit Deuterium angereicherten Vakuum zufällige Kernfusionen erzeugen könnte. Hr. Schönstein, sie hätten ja vielleicht auch einmal die URLs durchlesen können die sie da zitieren, aber für eine sinnvolle Recherche fehlt Ihnen wohl auch die Zeit. Dort finden Sie nämlich bei Gizmondo auch bereits folgenden Kommentar dazu:
    “It’s not the actual act of fusion itself that is the hurdle in fusion as an energy source, it’s getting enough energy out of a fusion reactor whilst keeping the plasma contents stable. Here, the plasma is stable but the energy output is negligible (4 neutrons in several hours, assuming they’re actually from the reactor, indicates that nowhere near enough power is being produced to run anything)
    The fact that he’s built a fusion reactor is remarkable, but the reactor itself is not remarkable. There’s a reason fusion as a power source has flummoxed the best physicists for more than half a century.
    This reactor is a copy of a dead end that was abandoned decades ago.
    Sorry to be a killjoy.seiman hö”

    Das interessante an dieser “Fusor”-Technik und für die Internet-Gruppe die sich damit beschäftigt, ist die schöne, blauleuchtende Gasentladung. Die angeblich benötigten Grundkenntnisse in praktischer Physik bestehen darin, dass man die handweklichen Möglichkeiten haben muss, in eine Glasgefäß Elketroden einzubringen und mit einer funktionierenden Pumpe ein Vakuum herzustellen, etwas das in der Physiksammlung einer jeden Oberschule existiert. Das Deuterium dazu ist frei verkäuflich übers Internet zu beziehen.
    Und danach kann man das als Fusions-Story an staunende Laien und meist auch an inkompetenten Journalisten verkaufen, die dann meist auch erfolgreich versuchen dieses ebenso weiter zu verkaufen.

    Ich würde das sicher nicht unter Wissenschaft einordnen, sondern eher unter Verkaufs-Psychologie Wissen ähnlich wie Homöopathie (wie drehe ich dem Kunden etwas an, mehr oder weniger gutgläubig).

  6. #6 schlappohr
    24. Juni 2010

    Soweit ich weiß, funktioniert das wirklich. Allerdings ist für Hobbybastler der Aufwand immens. Die verwendete Technik heißt “Inertial Electrostatic Confinement” oder Trägheitseinschluss und ist ein einfaches und sehr ineffizientes Verfahren zur Kernfusion, bei der man viel mehr Energie reinstecken muss als dabei frei wird, also keine Gefahr außer durch implodierende Vakuum-Reaktorkammern.

  7. #7 Polygon
    24. Juni 2010

    Da fällt mir ein: Gibt es nicht unter anderem in Frankreich einen Fusionsreaktor, der ein wenig Energie abwirft? Allerdings ist das noch sehr wenig und kann nicht über lange Zeit hinweg aufrecht gehalten werden. Alles noch sehr experimentell und da kommt mir Hans Brandls Erläuterung sehr logisch vor.

  8. #8 cooking
    24. Juni 2010

    schaut eher nach Fusionsküche aus- die Produkte kann man sogar essen. zB Garnelensalat mit Kürbiskerndressing

  9. #9 Hans Brandl
    24. Juni 2010

    @Polgon
    Sie meinen die Forschungsanlage des ITER-Fusionsreaktors in Caradabache, Fr.
    es kommt daruf an, was Sie unter ein wenig Energie verstehen. Derzeit gibt er etwa 10-15% der zugeführten Energie wieder ab.
    Zum Vergleich: Wenn Sie Energie auf die Kosten oder den Wirkungsgrad beziehen, dann ist das immer noch effizienter als die vielgerühmte Photovoltaik , bei der sie nach EEG 44 cent pro KWh investieren müssen um eine Kwh zum Marktwert von 4 zu bekommen (voarausgesetzt die Sonne scheint gerade).
    Rein vom Wirkungsgrad: Nach 10 Jahren Photovoltaik-Förderung und mittlerweile aufgelaufenen 75 Mrd. (nicht Millionen) € EEG-Kreditermächtigungen dazu (die die Verbraucher die nächsten 20 Jahre mit dzt. 3.8 Mrd € EEG-Abgabe abzahlen werden), haben Solarzellen auch nur 10-15% Wirkungsgrad.
    ITER hat nur 4 Mrd. gekostet.

  10. #10 Anne
    24. Juni 2010

    Hans Brandl·
    24.06.10 · 11:22 Uhr
    Solarzellen auch nur 10-15% Wirkungsgrad.

    Interessanter Vergleich. Da habe ich noch ein paar fragende Anregungen:

    – Wieviel Kwh werden zur Zeit ins weltweite Stromnetz an mit Fusionsreaktoren erzeugtem Strom eingespeist und wieviel an Solarstrom?

    – Welche Förderung müßten alle Nationen investieren damit Fusionsreaktoren auch nur annähernd ähnlich verbreitet wären wie Solargeneratoren? Unter der Voraussetzung natürlich das ein Fusionsreaktor jemals so kompakt und sicher ist das man damit dezentral ein Gebäude bzw. eine Siedlung mit Strom versorgen könnte.

  11. #11 Earthshaker
    24. Juni 2010

    @Hans Brandl

    Dass der Ort “Cadarache” und nicht “Caradabache” heißt, ist ja nicht so schlimm. Aber wie ein 2009 begonnenes Bauprojekt, dass im günstigsten Fall 2018 fertig ist, jetzt schon 10-15% der reingesteckten Energie wieder abgeben soll, weiß ich nicht 😉

    (Die geplanten 4 Mrd. Euro für den Bau (und nur für den Bau) von ITER sind ungefähr so realistisch wie der erste Kostenvoranschlag für die Hamburger Elbphilharmonie – mittlerweile ist der Stand wohl etwa bei 15 Mrd. Das heißt nun aber nicht dass ich ein Gegner des ITER bin, meiner Meinung nach ist das Geld darin sehr gut angelegt. Ich finde nur, dass Rumjonglieren mit Milliardenbeträgen und völlig sinnfreie Vergleiche zur Photovoltaik keinem etwas nützen.)

  12. #12 Ludmila
    24. Juni 2010

    Ich war anfangs auch recht skeptisch, aber dann hab ich’s hier nachgelesen: http://en.wikipedia.org/wiki/Inertial_electrostatic_confinement
    Schon ziemlich cool so einen Grundlagenversuch nachzubauen.

    Aber der Herr im Video ist schon a bisserl sorglos mit der Strahlenbelastung für ihn persönlich. Der Nachbarschaft macht das nichts, aber er selbst steht ja ständig daneben. Im Grunde müsste er Buch darüber führen und mit nem ordentlichen Dosimeter nachmessen, wieviel er da abkriegt. Kann natürlich sein, dass das nicht so viel ist.

  13. #13 Jürgen
    24. Juni 2010

    Das mit der Strahlung finde ich auch heftig, er stellt sich 2-3 Meter neben das Ding und meint, das reicht völlig aus.
    Besonders, wenn man bedenkt, dass der Erfinder dieses Reaktors mit 79 an seiner 2. (!) Tumorerkrankung verstorben ist.

  14. #14 Jürgen Schönstein
    24. Juni 2010

    @Hans Brandl

    … inkompetente Journalisten … für eine sinnvolle Recherche fehlt Ihnen wohl auch die Zeit … an staunende Laien und meist auch an inkompetenten Journalisten verkaufen … nicht unter Wissenschaft einordnen, sondern eher unter Verkaufs-Psychologie Wissen ähnlich wie Homöopathie …

    Lesen Sie eigentlich, was ich schreibe? Wenn Sie aufmerksam hinschauen würden, dann hätten Sie bemerkt, dass es in diesem Posting nicht über die Möglichkeit/Unmöglichkeit von Kernfusion geht, sondern um mein Erstaunen über einen sehr unkritischen – und viral schnell weiter verbreiteten (darum der Hinweis auf Gizmodo) – Beitrag der BCC zu diesem Thema.

  15. #15 Neuraum
    24. Juni 2010

    Das alles erinnert mich an David “Radioactive Boy Scout” Hahn:
    http://www.harpers.org/archive/1998/11/0059750

  16. #16 Ronny
    24. Juni 2010

    @Ludmilla
    Danke für den LInk. Interesant.

    Ok, scheinbar fusioniert da was, aber bißchen blauäugig gehen die Jungs da schon damit um wenn man an die abgegebene Strahlung denkt.

    Ich frage mich nur, wie die falls es funktioniert die Energie rausbekommen wollen.

  17. #17 Hans Brandl
    24. Juni 2010

    @Ludmilla:
    @Jürgen:
    Genau um das Thema der Effizienz und damit auch Ausbeute und der Strahlenbelastung klar zu stellen habe ich das Zitat aus Gizmondo gebracht.
    Nochmals der wichtige Satz: “the energy output is negligible (4 neutrons in several hours, assuming they’re actually from the reactor, indicates that nowhere near enough power is being produced to run anything)”
    Da ist die Strahlenbelastung durch die Höhenstrahlung schon deutlich höher.

    Um eine Fusion von zwei Deuterium -Kernen zu erreichen muss man zuerst einmal das Potential-Gebirge überwinden, und das mit den max. ca. 20kV Beschleunigerspannung die in den diversen Bauvorschlägen beschrieben sind ? Da muss schon der Tunneleffekt kräftig nachhelfen um ab und zu zu einem Ergebnis zu kommen.

    und @Juergen: “Besonders, wenn man bedenkt, dass der Erfinder dieses Reaktors mit 79 an seiner 2. (!) Tumorerkrankung verstorben ist.”
    dieses Argument zieht wenig , die Sterblichkeit durch Alterskrebs liegt eben bei ca 20% . und wahrscheinlich hat er bei seiner Arbeit in den Farnsworth Television labs Zeit seines Lebens mehr Dosis durch die Bremsstrahlung an seinen Fernsehröhren aufgenommen.

  18. #18 Jürgen Schönstein
    24. Juni 2010

    @Alle
    Beim nochmaligen Lesen fällt mir auf, dass ich mich in meinem Posting nicht deutlich genug ausgedrückt habe: Der BBC-Bericht ist mir deshalb so sauer aufgestoßen, weil er die Sache so darstellt, als sei hier von Amateuren ein Weg gefunden worden, eine zur Stromerzeugung verwertbare Fusionsreaktion zu zünden.

  19. #19 Ludmila
    25. Juni 2010

    @Hans Brandl: Wenn dieser Reaktor so wenig ausspuckt, dann dürfte er aber auch nix in seinem Bubble-Detektor sehen – außer Hintergrund-Strahlung. Lässt sich natürlich anhand eines Videos so schlecht nachprüfen.

    Aber aus der Sichtweise von jemandem, der da steht: Sobald ich das Ding anschmeiße und in nem Dosimeter einen Anstieg der Strahlung sehe (oder meine zu sehen), würde ich zusehen, dass ich da aber noch mal genauer nachmesse, was ich da abkriege. DAS meinte ich mit naiv. Aber andererseits, wer sich mit so einem Teil hinstellt und ernsthaft meint, damit die Energieprobleme der Welt lösen zu können, der ist vermutlich schon von Anfang an sehr naiv. Na ja, es gibt durchaus schädlichere Hobbys. Und immerhin leuchtet es schön in der Kugel. Hat also einen gewissen Schauwert 😉

  20. #20 michael
    26. Juni 2010

    > ITTER hat nur 4 Mrd. gekostet.

    Hier ein Paar Zitate aus einem aktuellen Zeitartikel:
    http://www.zeit.de/2010/25/Kernfusion-Iter?page=1

    Jetzt wird der Koloss mal wieder teurer: 15Milliarden Euro soll er kosten, dreimal so viel, wie ursprünglich geschätzt. Allein die EU muss nun 7,2 Milliarden aufbringen, Deutschland bis zu 1,2 Milliarden –

    Bundesforschungsministerin Annette Schavan betonte bereits öffentlich, die deutsche Regierung wolle Iter »nicht um jeden Preis«.

    Einige Mitglieder sollen sogar schon bei der EU-Kommission angefragt haben, wie teuer ein Ausstieg würde.

    Und überzogen wurde der Zeitplan längst. Ursprünglich sollte Iter 2018 voll einsatzbereit sein, jetzt wird es mindestens bis 2026 dauern.

    Und gebaut ist laut Artikel auch noch nichts.

  21. #21 Hans Brandl
    26. Juni 2010

    @earthshaker, @michael: Entschuldigung, Sie haben recht, in der Eile des Schreibens (ich weiss sollte man nicht , das Gedächtnis alleine betrügt einem öfters) habe ich leider die Quellen nicht nochmals nachgesehen.
    Was ich eigentlich im Kopf hatte, war der Joint European Torus (JET),eine Kernfusions-Versuchsanlage in Culham zur Entwicklung von Tokamakreaktoren. JET ist zurzeit die weltweit größte Fusionsanlage.Die hatte 1997 eine Fusionsleistung von 16 Megawatt erreicht, so dass ca. 67 Prozent der aufgewendeten Plasmaheizenergie zurückgewonnen wurden.
    Und sie haben nochmals recht, 4 Mrd. waren nur die ursprüngliche Planung von ITER.

    Und trotzdem möchte ich hier nochmals den Vergleich mit der Photovoltaik, einer bereits etablierten Technik, bemühen: Wir bezahlen derzeit bereits 75 Mrd. Euro EEG-Kredite für die bisherigen Installationen ab (ca. 6000 GWh pro Jahr) . Um einen einzigen KKW-Block zu ersetzen werden es etwa 100 Mrd. Euro sein (zum Vergleich, neuer ERP in Serie wird etwa 3 Mrd. kosten). Nach 10 Jahren Photovoltaik-Förderung wehren sich die Profiteure aus diesen Anlagen mit Händen und Füssen dagegen, dass man vermuten könnte, es sei irgendeinen Form von Rationalisierung oder Lerneffekt in dieser Technik erzielt worden. Die Förderung soll möglichst unverändert in dieser Grössenordnung weitergehen und genügend Klientelpolitiker und Medien übernehmen das unkritisch .
    Da sollte es doch auch möglich sein für das Zukunftsthema Kernfusion, noch dazu bei einer weltweiten Finanzierung, auch deutlich höhere Kosten als bisher geplant aufzubringen. Und eines ist auch mir klar, die Kernfusion wird auch mit der Fertigstellung von ITER nicht fertig entwickelt sein. Nur, wenn man für effektive 1GW Photovoltaik mit einer geschätzten Lebensdauer von nur 40 Jahren und nicht vernachlässigbaren Umweltschäden bereit ist, 100 Mrd. aufzuwenden, dann erscheint mir die Kritik an den Forschungskosten für die Fusion doch etwas geheuchelt und an den Haaren herbeigezogen.

  22. #22 Hans Brandl
    26. Juni 2010

    @earthshaker, @michael: Entschuldigung, Sie haben recht, in der Eile des Schreibens (ich weiss sollte man nicht , das Gedächtnis alleine betrügt einem öfters) habe ich leider die Quellen nicht nochmals nachgesehen.
    Was ich eigentlich im Kopf hatte, war der Joint European Torus (JET),eine Kernfusions-Versuchsanlage in Culham zur Entwicklung von Tokamakreaktoren. JET ist zurzeit die weltweit größte Fusionsanlage.Die hatte 1997 eine Fusionsleistung von 16 Megawatt erreicht, so dass ca. 67 Prozent der aufgewendeten Plasmaheizenergie zurückgewonnen wurden.
    Und sie haben nochmals recht, 4 Mrd. waren nur die ursprüngliche Planung von ITER.

    Und trotzdem möchte ich hier nochmals den Vergleich mit der Photovoltaik, einer bereits etablierten Technik, bemühen: Wir bezahlen derzeit bereits 75 Mrd. Euro EEG-Kredite für die bisherigen Installationen ab (ca. 6000 GWh pro Jahr) . Um einen einzigen KKW-Block zu ersetzen werden es etwa 100 Mrd. Euro sein (zum Vergleich, neuer ERP in Serie wird etwa 3 Mrd. kosten). Nach 10 Jahren Photovoltaik-Förderung wehren sich die Profiteure aus diesen Anlagen mit Händen und Füssen dagegen, dass man vermuten könnte, es sei irgendeinen Form von Rationalisierung oder Lerneffekt in dieser Technik erzielt worden. Die Förderung soll möglichst unverändert in dieser Grössenordnung weitergehen und genügend Klientelpolitiker und Medien übernehmen das unkritisch .
    Da sollte es doch auch möglich sein für das Zukunftsthema Kernfusion, noch dazu bei einer weltweiten Finanzierung, auch deutlich höhere Kosten als bisher geplant aufzubringen. Und eines ist auch mir klar, die Kernfusion wird auch mit der Fertigstellung von ITER nicht fertig entwickelt sein. Nur, wenn man für effektive 1GW Photovoltaik mit einer geschätzten Lebensdauer von nur 40 Jahren und nicht vernachlässigbaren Umweltschäden bereit ist, 100 Mrd. aufzuwenden, dann erscheint mir die Kritik an den Forschungskosten für die Fusion doch etwas geheuchelt und an den Haaren herbeigezogen.

  23. #23 Hans Brandl
    26. Juni 2010

    @earthshaker, @michael: Entschuldigung, Sie haben recht, in der Eile des Schreibens (ich weiss sollte man nicht , das Gedächtnis alleine betrügt einem öfters) habe ich leider die Quellen nicht nochmals nachgesehen.
    Was ich eigentlich im Kopf hatte, war der Joint European Torus (JET),eine Kernfusions-Versuchsanlage in Culham zur Entwicklung von Tokamakreaktoren. JET ist zurzeit die weltweit größte Fusionsanlage.Die hatte 1997 eine Fusionsleistung von 16 Megawatt erreicht, so dass ca. 67 Prozent der aufgewendeten Plasmaheizenergie zurückgewonnen wurden.
    Und sie haben nochmals recht, 4 Mrd. waren nur die ursprüngliche Planung von ITER.

    Und trotzdem möchte ich hier nochmals den Vergleich mit der Photovoltaik, einer bereits etablierten Technik, bemühen: Wir bezahlen derzeit bereits 75 Mrd. Euro EEG-Kredite für die bisherigen Installationen ab (ca. 6000 GWh pro Jahr) . Um einen einzigen KKW-Block zu ersetzen werden es etwa 100 Mrd. Euro sein (zum Vergleich, neuer ERP in Serie wird etwa 3 Mrd. kosten). Nach 10 Jahren Photovoltaik-Förderung wehren sich die Profiteure aus diesen Anlagen mit Händen und Füssen dagegen, dass man vermuten könnte, es sei irgendeinen Form von Rationalisierung oder Lerneffekt in dieser Technik erzielt worden. Die Förderung soll möglichst unverändert in dieser Grössenordnung weitergehen und genügend Klientelpolitiker und Medien übernehmen das unkritisch .
    Da sollte es doch auch möglich sein für das Zukunftsthema Kernfusion, noch dazu bei einer weltweiten Finanzierung, auch deutlich höhere Kosten als bisher geplant aufzubringen. Und eines ist auch mir klar, die Kernfusion wird auch mit der Fertigstellung von ITER nicht fertig entwickelt sein. Nur, wenn man für effektive 1GW Photovoltaik mit einer geschätzten Lebensdauer von nur 40 Jahren und nicht vernachlässigbaren Umweltschäden bereit ist, 100 Mrd. aufzuwenden, dann erscheint mir die Kritik an den Forschungskosten für die Fusion doch etwas geheuchelt und an den Haaren herbeigezogen.

  24. #24 Hans Brandl
    26. Juni 2010

    @earthshaker, @michael: Entschuldigung, Sie haben recht, in der Eile des Schreibens (ich weiss sollte man nicht , das Gedächtnis alleine betrügt einem öfters) habe ich leider die Quellen nicht nochmals nachgesehen.
    Was ich eigentlich im Kopf hatte, war der Joint European Torus (JET),eine Kernfusions-Versuchsanlage in Culham zur Entwicklung von Tokamakreaktoren. JET ist zurzeit die weltweit größte Fusionsanlage.Die hatte 1997 eine Fusionsleistung von 16 Megawatt erreicht, so dass ca. 67 Prozent der aufgewendeten Plasmaheizenergie zurückgewonnen wurden.
    Und sie haben nochmals recht, 4 Mrd. waren nur die ursprüngliche Planung von ITER.

    Und trotzdem möchte ich hier nochmals den Vergleich mit der Photovoltaik, einer bereits etablierten Technik, bemühen: Wir bezahlen derzeit bereits 75 Mrd. Euro EEG-Kredite für die bisherigen Installationen ab (ca. 6000 GWh pro Jahr) . Um einen einzigen KKW-Block zu ersetzen werden es etwa 100 Mrd. Euro sein (zum Vergleich, neuer ERP in Serie wird etwa 3 Mrd. kosten). Nach 10 Jahren Photovoltaik-Förderung wehren sich die Profiteure aus diesen Anlagen mit Händen und Füssen dagegen, dass man vermuten könnte, es sei irgendeinen Form von Rationalisierung oder Lerneffekt in dieser Technik erzielt worden. Die Förderung soll möglichst unverändert in dieser Grössenordnung weitergehen und genügend Klientelpolitiker und Medien übernehmen das unkritisch .
    Da sollte es doch auch möglich sein für das Zukunftsthema Kernfusion, noch dazu bei einer weltweiten Finanzierung, auch deutlich höhere Kosten als bisher geplant aufzubringen. Und eines ist auch mir klar, die Kernfusion wird auch mit der Fertigstellung von ITER nicht fertig entwickelt sein. Nur, wenn man für effektive 1GW Photovoltaik mit einer geschätzten Lebensdauer von nur 40 Jahren und nicht vernachlässigbaren Umweltschäden bereit ist, 100 Mrd. aufzuwenden, dann erscheint mir die Kritik an den Forschungskosten für die Fusion doch etwas geheuchelt und an den Haaren herbeigezogen.

  25. #25 Hans Brandl
    26. Juni 2010

    @earthshaker, @michael: Entschuldigung, Sie haben recht, in der Eile des Schreibens (ich weiss sollte man nicht , das Gedächtnis alleine betrügt einem öfters) habe ich leider die Quellen nicht nochmals nachgesehen.
    Was ich eigentlich im Kopf hatte, war der Joint European Torus (JET),eine Kernfusions-Versuchsanlage in Culham zur Entwicklung von Tokamakreaktoren. JET ist zurzeit die weltweit größte Fusionsanlage.Die hatte 1997 eine Fusionsleistung von 16 Megawatt erreicht, so dass ca. 67 Prozent der aufgewendeten Plasmaheizenergie zurückgewonnen wurden.
    Und sie haben nochmals recht, 4 Mrd. waren nur die ursprüngliche Planung von ITER.

    Und trotzdem möchte ich hier nochmals den Vergleich mit der Photovoltaik, einer bereits etablierten Technik, bemühen: Wir bezahlen derzeit bereits 75 Mrd. Euro EEG-Kredite für die bisherigen Installationen ab (ca. 6000 GWh pro Jahr) . Um einen einzigen KKW-Block zu ersetzen werden es etwa 100 Mrd. Euro sein (zum Vergleich, neuer ERP in Serie wird etwa 3 Mrd. kosten). Nach 10 Jahren Photovoltaik-Förderung wehren sich die Profiteure aus diesen Anlagen mit Händen und Füssen dagegen, dass man vermuten könnte, es sei irgendeinen Form von Rationalisierung oder Lerneffekt in dieser Technik erzielt worden. Die Förderung soll möglichst unverändert in dieser Grössenordnung weitergehen und genügend Klientelpolitiker und Medien übernehmen das unkritisch .
    Da sollte es doch auch möglich sein für das Zukunftsthema Kernfusion, noch dazu bei einer weltweiten Finanzierung, auch deutlich höhere Kosten als bisher geplant aufzubringen. Und eines ist auch mir klar, die Kernfusion wird auch mit der Fertigstellung von ITER nicht fertig entwickelt sein. Nur, wenn man für effektive 1GW Photovoltaik mit einer geschätzten Lebensdauer von nur 40 Jahren und nicht vernachlässigbaren Umweltschäden bereit ist, 100 Mrd. aufzuwenden, dann erscheint mir die Kritik an den Forschungskosten für die Fusion doch etwas geheuchelt und an den Haaren herbeigezogen.

  26. #26 Hans Brandl
    26. Juni 2010

    @Jürgen Schönstein: Ich weiss jetzt nicht warum Sie sich so aufregen ? Lesen sie doch nochmals den BBC Artikel über Mark Suppes nach. Er hat also erfolgreich als Hobby einen Farnsworth Reaktor nachgebaut (einer 50 Jahre alten und inzwischen verworfenen Idee die keiner mehr verwendet ), die angegebenen Kosten, für ebay Teile dürften deutlich zu hoch sein (er sucht ja Investoren die ihm sein Hobby bezahlen), aus den 40 Mitgliedern der FUSOR Internet Diskussions Gruppe werden schnell 40 andere die so einen Reaktor auch schon gebaut haben, der Durchbruch seiner Technik steht vor der Tür und als nächstes baut er jetzt einen Bussard Reaktor nach, mit dem er ITER Konkurrenz macht usw.!
    Ganz abgesehen davon dass man sogar mit der Oberstufen-Physik Kenntnisse haben sollte (Energie-Potential zur Fusion ), die einem sagen dass die Neutronen-Ausbeute damit minimalst ist. Und zum Abschluss macht dann noch BBC eine typische Journalisten- Umfrage unter den Nachbarn in der das Ganze als Lösung der Energie-problematik dargestellt wird.
    Der deutsche Presserat fordert von den Journalisten Recherche, was aber offenbar besonders bei naturwissenschaftlichen Themen für Journalisten unmöglich ist (man kann sich natürlich überlegen warum das so ist und kommt dann zu keinen schmeichelhaften Ergebnissen). Bei diesem Beitrag ist das extrem, auch beim BBC hätte es sogar Fachleute gegeben , man muss ja nicht unbedingt die selbsternannten, deutschen Zeitungs-“Experten” fragen um zu erkennen das man das (und ich widerhole das nochmals) einstufen kann als: … inkompetente Journalisten an staunende Laien und meist auch an inkompetenten Journalisten verkaufen … nicht unter Wissenschaft einordnen, sondern eher unter Verkaufs-Psychologie Wissen ähnlich wie Homöopathie ….
    Und wenn ich dann Ihren Blogtext dazu lese, dann kann ich darin eben nicht erkennen, wie sie einwenden, dass es um Ihr “Erstaunen über einen sehr unkritischen – und viral schnell weiter verbreiteten (darum der Hinweis auf Gizmodo) – Beitrag der BCC “geht.
    Es hat sich eben zunehmend eingebürgert , dass Journalisten eben die Ihnen zugelieferten Instant-Informations-Konserven unkritisch weiterverbreiten(zb. die Greenpeace-Vermüllung im Internet). Es ist ja auch deutlich effizienter wenn man sich vorher nicht über die Hintergründe des Themas erst informieren muss.
    Und genau diese Vorgehensweise unterscheidet ja auch im Großen z.B. die “Wissens”-Seite der Süddeutschen Zeitung von einer verantwortungsbewussten Wissenschaftsberichterstattung in der man Schrott auch als solchen bezeichnet und ihn nicht wegen der Sensationswirkung einfach abdruckt. Oder woher meinen Sie kommt denn die Inkompetenz zu naturwissenschaftlichen Themen in der breiten Masse.
    Und genau deshalb werfe ich Ihnen eben auch vor , … für eine sinnvolle Recherche fehlt Ihnen wohl auch die Zeit …

    Und Entschuldigung, kann jemand die Kopien meines Postings von vorher löschen, das war nicht gewollt oder in meinem Interesse, ich weiss nicht wie das entstanden ist.?

  27. #27 michael
    27. Juni 2010

    @Hans Brandl·
    > Und Entschuldigung, kann jemand die Kopien meines Postings von vorher löschen, das war nicht gewollt oder in meinem Interesse, ich weiss nicht wie das entstanden ist.?

    Das liegt an diesem merkwürdigen Kommentarsystem, dass manchmal Kommentare irgendwo intern queuet und wenn man dann den Kommentar nach einer Minute nochmals abschickt, hat man später zwei Kommentare abgeschickt…..

    Da muss man halt Geduld haben.

    Es wäre schon gut, wenn man einen Kernfusionsreaktor bauen könnte, ich bezweifle aber, dass die EU solch ein Projekt managen und durchziehen kann. China, Russland und andere werden diese Herumgedödele sicher nicht beliebig lange mitmachen.

  28. #28 rolak
    27. Juni 2010

    /OT/ Die wundersame Kommentarvermehrung kann auch arbeitsplatzbedingt sein – bei mir tritt eine Doppelung (selbst bei einem wahrhaft einzigen clic) immer dann auf, wenn der ReplayMediaCatcher gerade der Aufgabe nachkommt, für die er entworfen wurde.

    /nicht so ganz OT/ Die hiesigen Versuche mit einem einem hauseigenen =»Fusionsreaktor sind wegen diverser technischer Probleme ziemlich zügig wieder eingestellt worden 😉